Der 3. Bildungsweg für Studierende der Europäischen Akademie der Arbeit

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1 Der 3. Bildungsweg für Studierende der Europäischen Akademie der Arbeit Zum Hochschulzugang für Studierende der Europäischen Akademie der Arbeit Potentiale, Erfahrungen, Chancen, Restriktionen Studie gefördert von der Bearbeitet von: Anna Kern, Jan Schlemermeyer, Josef Hoormann Bearbeitungszeit: Mitte Januar 2011 Ende April

2 Anlass der Studie: - KMK-Beschluss von 2009 (Stralsund) zur Vereinheitlichung der Zugangsmöglichkeiten zum Studium für beruflich Qualifizierte; - Hessisches Hochschulgesetz (HHG) definiert 2009 erneut den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte neu (Anpassung an KMK-Beschluss) - Verordnung über den Zugang beruflich Qualifizierter zu den Hochschulen im Land Hessen - 1 Abs. 2: Absolventen/innen eines einjährigen Lehrgangs an der Europäischen Akademie der Arbeit in der Universität Frankfurt am Main wird eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung (ohne Prüfung) zugesprochen; 2

3 Hypothesen: 1. Die Neuregelung verbessert den Studierenden der EAdA die Chance zum Hochschulstudium. 2. Die Hochschulen der Region sind auf diesen neuen Typ Studierender nicht vorbereitet. 3. Informationen über die Neuregelungen sind weder bei Studierenden noch bei Hochschulen hinreichend. 4. Die wissenschaftliche Weiterbildung hat ihre Angebote nicht auf beruflich Qualifizierte ausgerichtet. 3

4 Hypothesen: 5. Ein erweitertes und spezialisiertes Lehrangebot der EAdA kann deren Studierenden den Zugang zum Hochschulstudium ohne Aufnahmeprüfung ermöglichen. 6. Die unzureichende Finanzierung des Studiums (Altersrestriktionen beim BAföG) ist für beruflich Qualifizierte ein Hindernis (Schwelle) zur Aufnahme eines Hochschulstudiums. 4

5 Methoden: Desk Research (Literaturstudium, Internetrecherche) Qualitative Interviews: mit Expertinnen der Hochschulen FH-FFM, Goethe-Uni, HS-RM (n=9) Studienberatung (n=2) ; Hochschulentwicklung (n=4); Wissenschaftliche Weiterbildung (n=3) problemzentrierte Interviews mit Studierenden: mit derzeitigen Studierenden der EAdA (n=5) mit Absolventinnen der EAdA (n=5) (Problem: kleine Kohorten) Befragungszeitraum Februar - März 2011; alle Interviews wurden transkribiert und dokumentiert; 5

6 Erste Ergebnisse (Zusammenfassung) zu den Hochschulen: Goethe-Uni: - mehrheitlich grundständige Studiengänge; (Teilzeitstudium auf Antrag möglich); - keine besondere Beratung für interessierte beruflich Qualifizierte; - kein ausgeprägtes Interesse, Studierende aus der Gruppe beruflich Qualifizierte zu gewinnen; - 6

7 - keine Angebote der wissenschaftlichen Weiterbildung explizit für beruflich Qualifizierte, die ein Hochschulstudium beginnen wollen (Brückenkurse, Vorbereitungskurse etc. sind Teil grundständiger Studiengänge) - berufsbegleitende Angebote der wissenschaftlichen Weiterbildung z.b. Psychologie in Organisationen diese Angebote sind frei von Zugangsvoraussetzungen, Abschluss: Zertifikat 7

8 Fachhochschule Frankfurt: - 49 Studiengänge (27 Bachelor), alle Angebote als Vollzeitstudiengang grundständig; - 3 Duale Studiengänge, zwei Masterstudiengänge in Kooperation mit anderen Hochschulen; - 3 Studiengänge berufsbegleitend - keine speziellen Vorkurse Brückenkurse nur für beruflich Qualifizierte, obligatorische Vorkurse für alle Studierende; - große Erfahrung mit beruflich Qualifizierten z.b. im Bereich Pädagogik (Erzieher/innen) sowie Rechts- und Wirtschaftswissenschaften; 8

9 - FH möchte mehr beruflich Qualifizierte zum Studium gewinnen, Potential hierfür gilt als nicht ausgeschöpft; - derzeit jährlich rund 80 Bewerbungen für Zulassungsprüfung; Durchfallquote 8%; - Informationen über Zugangsmöglichkeiten werden als unzulänglich eingeschätzt ; - Beratungsbedarf bei interessierten beruflich Qualifizierten zeigt sich vornehmlich in Informationen zu formalen Fragen der Zulassung; - Fachgebundenheit der Zulassungsberechtigung für beruflich Qualifizierte: Mehrheit der Studierenden studiert in ihrem Fach (Berufsfeld); - Wissenschaftliche Weiterbildung entwickelt Angebote für beruflich Qualifizierte; 9

10 Hochschule RheinMain: - 52 Studiengänge (23 Bachelor); 4 duale ausbildungsintegrierte Studiengänge; 2 berufsintegrierte Diplomstudiengänge; 2 Fernstudiengänge; - Hochschule diskutiert intern die Offene Hochschule und Durchlässigkeit ; - Besonderheit: CEBIS (Centrum für berufsintegriertes Studieren), Aufgabe: Organisation und Ausbau von berufsbegleitenden Studienangeboten; - HS-RM hat 20 Jahre Erfahrung mit berufsbegleitenden Studiengänge (berufsintegrierter Studiengang für Techniker und Meister); u.a. Kooperatives Ingenieurstudium (berufsbegleitendes Fernstudium) 10

11 - keine speziellen Angebote für beruflich Qualifizierte (z.b. Vorkursen, Brückenkurse); - Studienstruktur: Präsenz-, Vollzeit-, Teilzeit-, und Fernstudiengänge; - Studienberatungen auch zu Tagesrandzeiten (abends) und nach individueller Absprache außerhalb der Bürozeiten; - Angebote der wissenschaftlichen Weiterbildung sollen stark auf Bedürfnisse beruflich Qualifizierter zugeschnitten werden; - beruflich Qualifizierte gelten als interessante und willkommene Zielgruppe. 11

12 Zusammenfassung: - beruflich Qualifizierte finden an den Fachhochschulen der Region günstigere Rahmenbedingungen für eine Hochschulstudium; - die Kapazitäten aller Hochschulen sind derzeit absorbiert (Überlast) - Fachhochschule Frankfurt und Hochschule RheinMain sehen in Zielgruppe beruflich Qualifizierte Potential - Goethe-Universität hält beruflich Qualifizierte als Zielgruppe für nicht relevant 12

13 Ergebnisse Studierende / Absolventinnen der EAdA: 13

14 Studierende der EAdA: - 5 Studierende befragt (4 männlich 1 weiblich) - 1 Studierender kann sich Hochschulstudium in Hessen vorstellen; er fühlt sich durch das Studium an der EAdA für eine Hochschulstudium gut vorbereitet; - 2 Studierende möchten nach EAdA-Studium hauptamtlich bei Gewerkschaften arbeiten oder würden evtl. ein Studium an der HWP aufnehmen; - 1 Studierender hat Abitur und das Studium an der EAdA bewusst als Vorbereitung für ein Hochschulstudium gewählt; 14

15 - 1 Studierender schließt ein Hochschulstudium für sich aus; - Neuregelung zum Hochschulzugang für EAdA-Studierende wird von den Studierenden, die kein Hochschulstudium anstreben eher als Gefahr für die EAdA gesehen; diejenigen, die an Hochschule studieren möchten, begrüßen die Neuregelung; - Neuregelung zum Hochschulzugang war kein Motiv für das Studium an der EAdA; - alle Befragten fühlen sich durch die EAdA für ein Hochschulstudium gut vorbereitet 15

16 Absolventinnen der EAdA: - 5 Absolventinnen befragt (4 männlich 1 weiblich); - 1 Absolvent hat nach EAdA-Studium die Aufnahmeprüfung für ein Hochschulstudium an der HWP-Hamburg absolviert; Studium der Soziologie an der Goethe-Universität erfolgreich absolviert; die EAdA war gute Vorbereitung für das Hochschulstudium; - Motiv zum EAdA-Studium für 1 Absolventen war Erwerb der Hochschulreife; Beginnt im Sommersemester 2011 ein Jura-Studium an der Goethe-Universität; sieht sich durch EAdA-Abschluss gut für Hochschulstudium vorbereitet; 16

17 - 1 Absolvent beendet nach 14 Semestern sein Hochschulstudium (Jura); durch die EAdA sei er nicht für die Aufnahme eines Hochschulstudiums vorbereitet gewesen; - 1 Absolvent beginnt eine hauptamtliche Tätigkeit bei einer Gewerkschaft, die Möglichkeit eines Hochschulstudiums spielte für den Besuch der EAdA keine Rolle; - 1 Absolvent möchte ein Hochschulstudium beginnen (Jura), fühlt sich durch die EAdA gut vorbereitet und weiß sich gegenüber traditionellen Studienanfängerinnen im Vorteil; 17

18 Zusammenfassung: - alle Studierende und Absolventinnen der EAdA sehen im Studium an der EAdA eine große persönliche Bereicherung; - die Einschätzungen zur Qualität der Vorbereitung für ein Hochschulstudium differieren; - es werden mehr und detailliertere Information durch die EAdA über die Neuregelung zum Hochschulzugang gewünscht, besondere Beratungen gelten als sinnvoll; - die Finanzierung des Hochschulstudiums werten alle Befragten als Herausforderung nicht jedoch als Barriere fürs Studium; 18

19 Fazit: zu Hypothese 1: Eine Verbesserung der Chance zur Aufnahme eines Hochschulstudiums durch die Neuordnung des Hochschulzugangs in Hessen lässt sich für die EAdA Studierenden durch unsere Befragung nicht feststellen; zu Hypothese 2: Keine Hochschule der Region hält spezielle Angebote für beruflich Qualifizierte der EAdA bereit; für die Fachhochschule Frankfurt und die Hochschule RheinMain gelten beruflich Qualifizierte als durchaus attraktive Zielgruppe; Die Hochschule RheinMain bietet Studienformate an, die den Bedarfen beruflich Qualifizierter entsprechen (berufsbegleitend); angesichts der Anzahl Studierender der Zielgruppe beruflich Qualifizierte (Hessen 1, 94%) halten sich die Hochschulen derzeit mit besonderen Angeboten und Öffnungsaktivitäten zurück; 19

20 zu Hypothese 3: Sowohl Hochschulen als auch Studierende der EAdA zeigen sich nicht hinreichend informiert; die Hochschulen suchen derzeit keinen Weg, die Informationen transparenter anzubieten; die Studierenden erfahren durch Zufall, gezielte Recherche oder persönliche Kontakte von den Möglichkeiten zum Hochschulstudium; innerhalb der EAdA gibt es keine systematische Information und Beratung; zu Hypothese 4: Die wissenschaftliche Weiterbildung der FH-FFM und der HS-RM richten ihr Angebot verstärkt an den Bedarfen beruflich Qualifizierter aus; für die HS- RM wird hierin sogar ein attraktives Geschäftsfeld gesehen; 20

21 zu Hypothese 5: Die differenzierten Bewertungen des Lehrangebotes der EAdA hinsichtlich der Vorbereitung auf ein Hochschulstudium kann als ein Ausdruck der unklaren Ausrichtung der EAdA und unterschiedlicher Erwartungen gesehen werden; es scheint gewinnbringend, besondere Beratungs- und Informationsangebote zu entwickeln zu Hypothese 6: Die Finanzierung des Hochschulstudiums kann nicht als Barriere zur Aufnahme eines Hochschulstudiums identifiziert werden, die Altersrestriktion beim BAföG gilt nicht für Studierende des 3. Bildungsweges; 21

22 V Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 22

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