Termine für die Einführungen in das Klangstudio werden in den ersten Semesterwochen durch Aushang bekannt gegeben.

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1 UNIVERSITÄT ZU KÖLN Musikwissenschaftliches Institut Albertus-Magnus-Platz Köln Telefon Telefax Allgemeine Informationen Aktuelle Informationen und Ergänzungen zum Veranstaltungsangebot werden am Schwarzen Brett gegenüber dem Eingang ausgehängt. Dort finden Sie auch die jeweiligen Klausurergebnisse. Die Veranstaltungsnummern zu den im Vorlesungsverzeichnis nicht aufgeführten Veranstaltungen und denjenigen, die auch im Kommentierten Vorlesungsverzeichnis ohne Nummern genannt sind, finden Sie am Ende des Semesters ebenfalls im Aushang. Für Studienanfänger bietet die Bibliothek, vertreten durch Herrn Thomas W. Fischer, Bibliotheksführungen zu folgenden Terminen an: Montag, , 14 Uhr (s.t.) Montag, , Uhr (s.t.) Donnerstag, , 16 Uhr (s.t.) M-Benutzer erhalten ihren Benutzerstempel in der Bibliothek. Termine für die Einführungen in das Klangstudio werden in den ersten Semesterwochen durch Aushang bekannt gegeben. Die obligatorische Studienberatung für Erstsemester findet Montag, den von 12 bis 13 Uhr im Musiksaal statt. Die zentrale Begrüßungsveranstaltung mit allen Professoren und Dozenten findet Montag, den von 11 bis 12 Uhr im Musiksaal statt. 1

2 Sprechstunden, -Adressen PROFESSOREN Prof. Dr. Christoph von Blumröder Di Uhr Prof. Dr. Rüdiger Schumacher Di Uhr Prof. Dr. Uwe Seifert Fr Uhr n. Vereinbarung Prof. Dr. Wolfram Steinbeck Mo Uhr UMD Prof. Dr. Dieter Gutknecht Mo Uhr Prof. Dr. Jobst Fricke, i.r. n. Vereinbarung Prof. Dr. Robert Günther, i.r. n. Vereinbarung Prof. Dr. Dietrich Kämper, i.r. n. Vereinbarung Em. Prof. Dr. Klaus Wolfgang Niemöller Mo Uhr Prof. Dr. Hans Schmidt, i.r. n. Vereinbarung PRIVATDOZENTEN Prof. Dr. Antonio A. Bispo n. Vereinbarung PD Dr. Roland Eberlein n. Vereinbarung PD Dr. Lars-Christian Koch n. Vereinbarung PD Dr. Christoph Reuter n. Vereinbarung Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner n. Vereinbarung WISS. MITARBEITER Marcus Erbe M.A. (HM) Di Uhr Dr. Hartmut Hein (HM) Mi Uhr Lüder Schmidt M.A. (SM) n. Vereinbarung Oliver Seibt M.A. (ME) Di Uhr Jan Simon Grintsch M.A. n. Vereinbarung Dr. Tobias Janz n. Vereinbarung Dr. Marion Mäder n. Vereinbarung René Michaelsen M.A. n. Vereinbarung Dr. Ralph Paland n. Vereinbarung Dipl. Vis. Komm. Julian Rohrhuber n. Vereinbarung LEHRBEAUFTRAGTE Son-Hwa Chang M.A. n. Vereinbarung Dipl.-Ing. Andreas Gernemann-Paulsen M.A. n. Vereinbarung Dr. Horst-Willi Groß n. Vereinbarung Sebastian Hamsch M.A. n. Vereinbarung Dr. Herfrid Kier n. Vereinbarung Fabian Kolb M.A. n. Vereinbarung Prof. Dr. Albert Richenhagen n. Vereinbarung Yoshiro Shimizu M.A. n. Vereinbarung Ulrich Wilker M.A. n. Vereinbarung Das Fach Musikwissenschaft ist in folgende Studienbereiche gegliedert: Historische Musikwissenschaft (HM) Musikethnologie (ME) Systematische Musikwissenschaft (SM) Die für Studienberatungen zuständigen wissenschaftlichen Mitarbeiter sind durch das Kürzel ihres Fachbereichs gekennzeichnet. 2

3 Historische Musikwissenschaft Vorlesungen 5337 Prof. Dr. Antonio Bispo (HM ME) Musik in antiker Mythologie und synkretistischer Ökumene 2 St., Do Uhr, Neuer Seminarraum, Beginn: In der Gegenwart ist ein zunehmendes Interesse für die Religionen der Antike festzustellen. Unter dem missverständlichen Begriff Neues Heidentum oder unter Berufung auf die alten Germanen oder Kelten werden Religionssysteme und Kultpraktiken aus verschiedenen Beweggründen und mit unterschiedlicher Berechtigung rekonstruiert. In einigen Ländern so in Griechenland gibt es Bemühungen um Wiederaufwertung und gar Anerkennung der griechisch-römischen Religion. In anderen so in Lateinamerika wird ein neuer Synkretismus bewusst angestrebt, der sich auf den Synkretismus der Spätantike stützt. Diese komplexen und schillernden Kulturerscheinungen sind in Zeiten der Globalisierung und der religiösen Auseinandersetzungen von besonderer kulturwissenschaftlicher Relevanz. Ihre Analyse stößt allerdings auf erhebliche Schwierigkeiten, da sie sich auf Begriffe, Anschauungen und Praktiken der Vergangenheit stützen, die sich für den Betrachter wie fragmentarische Reste eines ruinösen Gebäudes darbieten, dessen Rekonstruktion unvorstellbar erscheint. Auf jeden Fall kann bei diesen kulturanalytischen Bemühungen die musikwissenschaftliche Perspektive nicht fehlen. Musikanschauungen spielten in den antiken Religionen eine grundlegende Rolle man denke etwa an Merkur als Erfinder der Lyra, an Apollon, an Orpheus und viele Mythen überdauerten in christlicher Uminterpretierung die Jahrhunderte. Im Verlaufe der Musikgeschichte wurde immer wieder auf sie Bezug genommen, und diese Auseinandersetzung wirkte sich in der von Europa kolonisierten Welt aus. Eine Vertrautheit mit der antiken Mythologie sowie mit den Hauptproblemen der Forschung der synkretistischen Ökumene der Spätantike scheint heute für eine kulturwissenschaftlich orientierte Musikforschung Musikgeschichte und Musikethnologie unerlässlich Prof. Dr. Dietrich Kämper (HM) Igor Strawinsky und die Anfänge der Neuen Musik 2 St., Di Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Igor Strawinsky ist einer der bedeutendsten und einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Adorno sah in der Dichotomie Schönberg-Strawinsky die Quintessenz der Musik der Jahre , doch ist uns sein Begriffspaar Fortschritt-Restauration heute fragwürdig geworden. Schwerpunkte der Vorlesung werden die drei großen Ballette Feuervogel, Petruschka und Sacre sein, daneben die Werke eines revolutionär neuen Musiktheaters Geschichte vom Soldaten und Oedipus Rex. Strawinskys Neoklassizismus prägt sich besonders deutlich im Klavierkonzert und in der Psalmensinfonie aus. Als Hörbeispiele dienen uns die CBS- Einspielungen, die der Komponist selbst dirigiert hat. Literatur: Igor Strawinsky, Leben und Werk von ihm selbst. Erinnerungen Musikalische Poetik Antworten auf 35 Fragen, Zürich-Mainz 1957; Richard Taruskin, Stravinsky and the Russian Traditions, University of California Press Prof. Dr. Wolfram Steinbeck (HM) Musikgeschichte II: oder Von den Anfängen der Oper bis zu Bachs Tod 2 St., Mo Uhr, Musiksaal, Beginn: Die Überblicksvorlesung sucht die Musikgeschichte von den Anfängen der Oper um 1600 bis zum Umbruch in der Mitte des 18. Jahrhunderts in exemplarisch ausgewählten Stationen zu beschreiben und dabei vor allem den Blick auf eine Entwicklung zu lenken, die man als Emanzipation der Instrumentalmusik bezeichnet hat. Literatur wird im Verlauf der Veranstaltung genannt. ***** 3

4 Übungen 5346 Dr. Tobias Janz (HM-B2) Notationskunde 2 St., Di Uhr, Musiksaal, Beginn: Die Geschichte der Notation von Musik in ihren unterschiedlichen Formen vom Mittelalter bis heute ist Gegenstand dieser Übung, welche besonders auf die Vermittlung praktischer Erfahrungen der Übertragung alter Notenschriften zielt (Tabulatoren, Modal- und Mensuralnotation) sowie auf die Verbesserung von Fertigkeiten im Partiturlesen (Aufbau, transponierende Instrumente etc.). Ein (unbenoteter) Teilnahmenachweis wird auf der Basis von aktiv bearbeiteten Aufgaben sowie natürlich der Voraussetzung regelmäßiger Teilnahme vergeben. Nach der alten StO (1997) gilt diese Veranstaltung auch als Paläographisches Praktikum mit denselben Voraussetzungen zum Scheinerwerb. Literatur: Willi Apel, Die Notation der polyphonen Musik , Leipzig 1962; Ulrich Michels (Hrsg.), dtv-atlas zur Musik Bd. 1., München 1977; Art. Notation in: MGG, 2. Ausgabe, Sachteil Bd. 7, Kassel/Stuttgart 1997, Sp a Ulrich Wilker M.A. (HM-B2/B4/B5) Die im Schatten sieht man nicht Alexander Zemlinsky und die Oper nach St., Do Uhr, Musiksaal, Beginn: Eklektiker so lautete lange Zeit das pauschale Urteil über Alexander Zemlinsky ( ). Obwohl seit den 1980er Jahren allerorten von einer Zemlinsky-Renaissance gesprochen wird, ist der Lehrer und Schwager Arnold Schönbergs, der von Brahms protegiert wurde und zu den persönlichen Freunden Gustav Mahlers zählte, weder im Konzert- und Opernbetrieb noch im musikwissenschaftlichen Diskurs besonders präsent: Zu sehr stehen seine Werke im Schatten ihrer vermeintlichen Vorbilder (Wagner, Mahler, Strauss, Weill) sowie der skandalumwitterten Wiener Schule, der sich Zemlinsky trotz seines Festhaltens an der Tonalität zugehörig fühlte. Die Übung will versuchen, anhand einer Gegenüberstellung zentraler Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts mit den acht Opern Zemlinskys in die Problematik der Gattung nach 1900 einzuführen und einen Überblick über die Operngeschichte dieser Epoche zu vermitteln. Ausgehend von Zemlinskys Gattungsbeiträgen soll u.a. den Fragen einer musikalischen Moderne, des Operneinakters und der Literaturoper nachgegangen werden; in diesem Zusammenhang werden außerdem Werke von Strauss (Salome, Elektra) bis Berg (Wozzeck, Lulu) und Schönberg (Erwartung, Die glückliche Hand, Von heute auf morgen, Moses und Aron) behandelt. Literatur: Antony Beaumont: Alexander Zemlinsky, Wien 2006; Horst Weber: Alexander Zemlinsky, Wien 1977; Uwe Sommer: Alexander Zemlinskys Oper Der König Kandaules. Analyse und Deutung, = Musik- Konzepte Bd , München 1996; Carl Dahlhaus/Sieghart Döhring (Hrsg.): Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters Bd. 1-6, München/Zürich 1986/ Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner (HM-B3/B4) Operndramaturgisches Praktikum 2 St., Di Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Die Übung ist inhaltlich und konzeptionell zweifach ausgerichtet. Sie will grundsätzliche Fragen der Opernhistorie, der Opernästhetik, der Librettistik und Szenographie beleuchten und insofern übergreifende Themen der historischen Musikwissenschaft ansprechen. Andererseits ist sie als Beitrag zu einer Annäherung von Wissenschaft und Praxis geplant: Die Übung wird sich stückbegleitend mit den Produktionen der Kölner Oper in der Spielzeit 2006/2007 beschäftigen: Die Liebe zu den drei Orangen (Sergej Prokofjew), Jenufa (Leos Janacek), Billy Budd (Benjamin Britten), Giulio Cesare (Georg Friedrich Händel) und Der Rosenkavalier (Richard Strauss). Grundfragen der Operndramaturgie, aber auch die spezifischen Konzeptionen der Inszenierungen und Bühnenbilder der Kölner Produktionen sollen erörtert werden. Proben- und Aufführungsbesuche sind Bestandteil der Übung; Gesprächsrunden mit beteiligten Künstlern sind ebenfalls geplant. Die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit in der Übung ist Voraussetzung für eine sinnvolle Teilnahme. Der genaue Semesterplan wird in der ersten Sitzung bekannt gegeben. Literatur: Ulrich Schreiber, Opernführer für Fortgeschrittene, 5 Bde, Frankfurt/Kassel ***** 4

5 Proseminare 5351 Marcus Erbe M.A. (HM-B2/B5 ME-B2/B3) Before there was HipHop: Eine kleine Geschichte des Funk 2 St., Di Uhr, Musiksaal, Beginn: Obwohl die Funk-Musik ihre größte mediale Präsenz in den 1960er und insbesondere in den 1970er Jahren genoss, überdauerte das Musterbild einer funky music bis in die unmittelbare Gegenwart. Die Zielsetzung dieser Veranstaltung wird daher zunächst darin bestehen, einen Überblick über die Geschichte dieses Genres zu gewinnen, dessen Entwicklung nahezu zeitgleich in den Bewegungen der Rap- und der Disco-Musik mündete. Anschließend gilt es, die Residuen des Funk in rezenten popmusikalischen Diskursen zu untersuchen, wobei sich in diesem Zusammenhang eine Vielzahl an Beobachtungsperspektiven eröffnet von der Samplingkultur der 1980er und 1990er Jahre bis zur Standardisierung der Funkiness durch einschlägige Studiosoftware. Eine Anmeldung über UK-Online ist obligatorisch. Dort finden Sie demnächst auch erste Literaturhinweise. Das Proseminar ist offen für Studierende des Medienstudienganges Marcus Erbe M.A. (HM-B2/B5) Geschlechterrollen in der Musik seit St., Do Uhr, Neuer Seminarraum, Beginn: Ausgehend von der Lektüre zentraler Texte der musikwissenschaftlichen Genderforschung soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit das Musikleben der Nachkriegszeit durch spezifische Geschlechterbilder geprägt wurde beziehungsweise ob und wenn ja wie sich diese im Laufe der letzten Jahrzehnte gewandelt haben. Dabei werden nach Möglichkeit sämtliche Sparten der Komposition und Aufführung von Musik Berücksichtigung finden (Oper, Konzertmusik, elektroakustische Musik, Popularmusik, Schlager, volkstümliche Musik). Eine Anmeldung über UK-Online wird gewünscht. Dort finden Sie demnächst auch erste Literaturhinweise. Das Proseminar ist offen für Studierende des Medienstudienganges Jan Simon Grintsch M.A. (HM-B2/B5) Analyse konkreter Musik: Pierre Schaeffers/Solfège de l objet sonore 2 St., Do Uhr, Musiksaal, Beginn: Die perzeptive Analyse elektroakustischer Musik sieht sich häufig mit dem Problem konfrontiert, ungewohnte und neuartige Klangobjekte eindeutig zu identifizieren und zu beschreiben, ohne sich dabei etwa in Onomatopöien zu verlieren. Mit seinem Solfège de l'objet sonore hat Pierre Schaeffer 1967 ein Klangarchiv geschaffen, dass die Überlegungen seines Traité des objets musicaux ergänzt und auf dessen Basis die klanglichen Erscheinungen der musique concrète sachlich beschrieben werden können. Schaeffers Solfège wird bis heute als Grundlage von Analyseseminaren an Musikhochschulen im frankophonen Raum genutzt, nicht zuletzt weil es auch auf spätere musikalische Erscheinungsformen wie die musique acousmatique angewandt werden kann. Im Seminar soll gemeinsam das Klangvokabular Schaeffers erarbeitet und an ausgewählten Beispielen erprobt werden, um die Teilnehmer schließlich an die selbständige Anfertigung von Höranalysen konkreter und akusmatischer Musik heranzuführen Dr. Horst-Willi Groß (HM-B1) Musiktheorie I (Kurs A) 2 St., Mi Uhr, Musiksaal, Beginn: Musiktheorie vereinigt die Elemente Harmonielehre und Kontrapunkt, wobei auch die Gehörbildung integriert ist. Teil I befasst sich mit der Satztechnik vor 1600, die mit dem Begriff Intervallsatz gekennzeichnet ist, also mit Zusammenklangs- und Bewegungsintervallen, Konsonanz- und Dissonanzverhältnissen zwischen zwei und mehr Stimmen, Imitation, Klauseln u.ä. Die Untersuchung ausgewählter Beispiele wird durch eigene Satzversuche ergänzt. Für eine sinnvolle und aktive Teilnahme werden solide Kenntnisse der Allgemeinen Musiklehre vorausgesetzt. Teil I schließt mit einer Klausur ab. 5

6 5355 Dr. Horst-Willi Groß (HM-B2) Musiktheorie II (Kurs A) 2 St., Mi Uhr, Musiksaal, Beginn: Teil II der Musiktheorie wendet sich dem Akkordsatz zu. Am Beginn stehen Übungen zum Generalbass und zum Choralsatz bei J. S. Bach. Im Rahmen des dur-moll-tonalen Systems treten Akkorde, ihre Verbindungen und Funktionen in den Vordergrund. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die verschiedenen Arten der Modulation, dargestellt an Beispielen aus Werken der Wiener Klassiker sowie Schuberts und Schumanns. Auch hier sind solide Kenntnisse der Allgemeinen Musiklehre (z.b. in Akkordlehre und Funktionstheorie) unerlässlich. Die Teilnahme an Musiktheorie I wird vorausgesetzt. Am Ende von Teil II steht ebenfalls eine Klausur. Benoteter Leistungsnachweis für beide Kurse zusammen Prof. Dr. Dieter Gutknecht (HM-B2/B3) Die Franko-flämische Schule (Klassische Vokal-Polyphonie ) 2 St., Mi Uhr, Musiksaal, Beginn: In den zwei Jahrhunderten von 1400 bis 1600 wurde fast ausschließlich durch Musiker, die aus dem frankoflämischen Bereich (Nordfrankreich, heutiges Südbelgien) stammten, die damalige europäische Musik geprägt. Es ist der Zeitraum, in dem durch Musikergenerationen von Guillaume Dufay bis Orlando di Lasso der polyphone Kompositionsstil zur Vollendung ausgeprägt wurde. Im Seminar soll den Ursachen nachgegangen werden, weshalb gerade aus dieser Region eine solche Dominanz an Musiker entstehen konnte, wie sich stilistisch deren Musik vom Beginn des 14. Jahrhunderts an entwickelte und welche Beeinflussung von ihnen auf die nachfolgenden Generationen ausging Dr. Hartmut Hein (HM-B2/B4) Beethovens Symphonien und ihre Interpreten 2 St., Mi Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Der Einfluss der neun Symphonien Ludwig van Beethovens auf die gesamte folgende Symphonik im 19. und 20. Jahrhundert ist kaum zu überschätzen: Die außergewöhnlichen Transformationen und Individualisierungen des Gattungsmodells in diesen Werken sind von Zeitgenossen wie nachfolgenden Generationen immer wieder diskutiert und als vorbildlich gerade auch im Hinblick auf zeittypische Genie-Diskurse erachtet worden: Grund genug, sich hier einmal intensiv auseinanderzusetzen mit den Notentexten (auch der Problematik aktueller Ausgaben), ihrer literarischen Rezeptionsgeschichte (von E.T.A. Hoffmann bis zu heutigen Beschreibungen) und den älteren und aktuellen Praktiken ihrer Aufführungen (von den Retuschierungen älterer Generationen bis zur heutigen Gegenüberstellung von traditioneller und historisierender Aufführungspraxis). Dabei sollen die Funktionen musikalischer wie literarischer Interpretationen (wie auch unserer eigenen Zugänge) im Hinblick auf Rezeptionsgeschichte, Kanonisierung und ästhetische Aktualisierung dieser Symphonien reflektiert werden. Bitte die Symphonien zur Vorbereitung intensiv hören oder sich die ein oder andere Partitur (dabei) ansehen (und eventuell anschaffen). Einen Einstieg in aktuelle Diskurse bietet zudem die folgende Literatur: Renate Ulm (Hrsg.), Die neun Symphonien Beethovens, Kassel: Bärenreiter 1994, ; A. Riethmüller / C. Dahlhaus / A. Ringer (Hrsg.): Beethoven. Interpretationen seiner Werke, 2 Bde., Laaber 1994, a Fabian Kolb M.A. (HM-B2/B4) faire entendre exclusivement les œuvres de compositeurs français vivants. Französische Symphonik um St., Mo Uhr, Neuer Seminarraum, Beginn: Als sich die führenden französischen Komponisten im Februar 1871 unter der Devise Ars gallica zu einer jeune école française formierten und die Gründung der Société Nationale de Musique besiegelten, ging es ihnen darum, angesichts der katastrophalen Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg die eigene Instrumentalmusik auf ein Niveau zu heben, das sich gegenüber der Hegemonie des deutschen Repertoires behaupten konnte. Namentlich im Bereich der Symphonik galt es nicht zuletzt aus patriotischem Interesse, sich vom benachbarten Stammland der Symphonie zu emanzipieren und der deutschen Tradition etwas National- Eigenes entgegenzustellen. Dass die Komposition von Symphonien im Opernland Frankreich dabei durchaus ästhetische und konzeptionelle Probleme bereitete, liegt auf der Hand. Anhand ausgewählter Fallbeispiele von C. Saint-Saëns, C. Franck, V. d Indy, E. Lalo, E. Chausson, G. 6

7 Ropartz und Ch. Tournemire sollen im Seminar einzelne individuelle Lösungen dieses Problems aufgezeigt und das Verhältnis zur deutschen Musik im Spannungsfeld zwischen Transfer, Aneignung und Abgrenzung untersucht werden. Hierbei ist nicht zuletzt das grundsätzliche Phänomen des Nationalen in der Musik zu problematisieren und zu fragen, welche Rolle den Institutionen und der Rezeption bei der Konstruktion einer eigenen Musik zukommt. Gemeinsam wollen wir daher im Verlauf des Semesters eruieren, inwieweit in Hinblick auf all diese Fragen nicht neuere kulturtheoretische Methoden auch für die Musikwissenschaft nutzbar gemacht werden können. Einführende Literatur: Wolfram Steinbeck, Die Symphonie im 19. und 20. Jahrhundert, Teil 1: Romantische und nationale Symphonik, Laaber 2002 (Handbuch der musikalischen Gattungen 3/1), S Bitte beachten Sie, dass die Sitzungen am und leider entfallen müssen. Ein Ersatztermin wird in der ersten Sitzung vereinbart René Michaelsen M.A. (HM-B2/B4/B5 ME-B2/B4) Lachen über Musik Tendenzen des musikalischen Humors 2 St., Mi Uhr, Musiksaal, Beginn: Does humour belong in music? Diese programmatische Frage stellte Frank Zappa im Titel seines Albums von Bei aller Überspitzung lässt sich ihre Berechtigung kaum in Abrede stellen, scheint doch seit jeher der heilige Ernst ein Kriterium zu sein, das musikalischen Werken die Aufnahme in einen Kanon deutlich erleichtert. Dabei hat die Musikgeschichte zu jeder Zeit auch Kompositionen hervorgebracht, die mit dem Ziel antreten, Ideale von Erhabenheit und Kontemplation mit Mitteln der Komik kritisch zu beleuchten. In diesem Proseminar soll die Frage im Mittelpunkt stehen, wie Musik mit ihren spezifischen medialen Voraussetzungen komische Wirkung erzeugen und ihre Rezipienten zum Lachen bringen kann. Dabei soll musikalischer Humor keineswegs als feststehendes Verfahren, sondern vielmehr als vielseitiger Prozess verstanden werden, in dem formästhetische, performative und intertextuelle Momente gleichermaßen eine Rolle spielen können. Neben Werken der abendländischen Kunstmusik (Mozart, Beethoven, Rossini, Schumann, Offenbach, Hindemith, Schostakowitsch, Adams) sollen dabei auch Beispiele aus Jazz (Spike Jones, Dizzy Gillespie, Sonny Rollins) und Popularmusik (Beatles, Frank Zappa, Harry Nilsson) Berücksichtigung finden. Auch Themen wie das kabarettistische Chanson, das humoristische Potential außereuropäischer Musik, die musikalische Gestaltung von Film- bzw. TV-Komödien oder das prekäre Feld des unfreiwilligen Humors könnten Anhaltspunkte für die Diskussion liefern. Scheinvergabe über Referat und Hausarbeit. Themenvorschläge der Teilnehmenden sind ausdrücklich willkommen! Literatur zur Einführung: Robert Gernhardt, Versuch einer Annäherung an eine Feldtheorie der Komik, in: Was gibt s denn da zu lachen? Kritik der Komiker. Kritik der Kritiker. Kritik der Komik, Zürich 1988, S ; Laurie-Jeanne Lister, Humor as a concept in music, Frankfurt am Main 1994 (Ae 690/2) Dr. Imke Misch (HM-B2/B5) Sprechen und Schreiben über Musik heute: Vom Popsong bis zur audiovisuellen Komposition Diese Veranstaltung fällt leider aus!!! 5361 Dr. Ralph Paland (HM-B2/B5) Karlheinz Stockhausens Texte zur Musik 2 St., Mi Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Karlheinz Stockhausen ist nicht nur durch sein kompositorisches Œuvre, sondern auch durch sein umfangreiches musikschriftstellerisches Werk zu einem einflussreichen Protagonisten der Neuen Musik geworden. Wesentlich hat er die Terminologie sowie die Rhetorik, mit der seit 1950 über Musik gesprochen und nachgedacht wird, mitgeprägt. Die bislang zehn Bände seiner gesammelten Schriften zur Musik dokumentieren in zahlreichen Textsorten unter anderem theoretischen Aufsätzen und Essays, Vorträgen und Rundfunkmanuskripten, Werkeinführungen, Briefen, Interviews, Repliken und Glossen, Kompositionsskizzen, kommentierten Photos und Zeichnungen unterschiedlichste Aspekte von Stockhausens kompositorischem Denken: Darlegungen zentraler kompositionstechnischer Ansätze und Konzepte (Serielle Musik, Elektronische Musik, Intuitive Musik, Formel-Komposition) und Erörterungen aufführungspraktischer und musikpädagogischer Fragen finden sich hier ebenso wie ästhetische Reflexionen, musikgeschichtliche Positionsbestimmungen sowie nicht zuletzt ausgreifende weltanschauliche Entwürfe von zunehmend esoterischem Charakter (Astronische Musik). All diese Themenbereiche sollen im Proseminar anhand ausgewählter repräsentativer Texte 7

8 behandelt werden. Dabei soll es über die Erarbeitung wesentlicher Konzepte und Voraussetzungen von Stockhausens Musikdenken hinaus stets auch um eine diskursanalytische Reflexion der argumentativen und rhetorischen Strategien gehen, mit denen Stockhausen in diesen Texten sein Werk und seine Person in Szene zu setzen weiß. Auf diese Weise können grundlegende Einblicke nicht nur die Musik dieses maßgeblichen Repräsentanten zeitgenössischen Komponierens, sondern auch in übergreifende kompositionstechnische, musikästhetische und ideologische Konstituenten der Neuen Musik gewonnen werden. Die Veranstaltung ist offen für Studenten des Medienstudiengangs Prof. Dr. Albert Richenhagen (HM-B1) Musiktheorie I (Kurs B) 2 St., Fr Uhr, Musiksaal, Beginn: Von der in der spätmittelalterlichen Gregorianik begründeten Moduslehre ausgehend führt dieser Kurs in den Intervallsatz des 15. und 16. Jahrhunderts ein. Er zeigt, wie ein Tenor-Sopran-Gerüst zur Grundlage eines drei- oder vierstimmigen Satzes werden kann. Den Ausgangspunkt der in die Musiktheorie integrierten Gehörbildung bilden Melodie- und Rhythmusdiktate. Besondere Schwerpunkte sind die Klausellehre und eine Auswahl mehrstimmiger Satzmodelle, anhand derer auch die Analyse und das hörende Wiedererkennen zweibis vierstimmiger Abschnitte geübt werden können Prof. Dr. Albert Richenhagen (HM-B2) Musiktheorie II (Kurs B) 2 St., Fr Uhr, Musiksaal, Beginn: Dieser Kurs setzt den Musiktheorie-I-Kurs voraus. Er beginnt mit dem auf einem Sopran-Bass-Gerüst basierenden akkordischen Satz des Generalbasszeitalters, führt zunächst in die Dur-Moll-Tonalität, später in deren Erweiterung durch Chromatik und Enharmonik ein und erörtert dann die Syntax des klassisch-romantischen Satzes. Gegen Ende des Semesters kann eventuell ein kurzer Ausblick auf eine der Kompositionstechniken des 20. Jh. gegeben werden. Auch in diesem Kurs wird das Gelernte durch Höranalysen vertieft, die sich aus den jeweiligen Tonsatzübungen ergeben Prof. Dr. Wolfram Steinbeck (HM-B2/B3/B4) Form und Struktur in der Musik 2 St., Di Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Das Proseminar bietet eine Einführung in die musikalische Formenlehre. Dargestellt diskutiert werden die verschiedenen Grundformen musikalischer Gestaltung und ihre geschichtliche Wandlung. Zentrale Fragen lauten: Was ist und wie entsteht Form in der Musik? Welche Kriterien bestimmen das, was wir Form nennen? Was ist musikalische Struktur? Gibt es einen Zusammenhang zwischen musikalischer Form und musikalischer Struktur und wenn ja, worin besteht er? Gibt es Invarianten musikalischer Formung? Gibt es einen Kanon musikalischer Formen? Oder auch sehr einfach: welche Formen gibt es in der Musik? Lektüre-Empfehlung: Carl Dahlhaus, Zur Theorie der musikalischen Form, in: AfMw 34 (1977), S ; Clemens Kühn, Formenlehre der Musik, Kassel, 5. Aufl. 1998; Hugo Leichtentritt, Musikalische Formenlehre (= Handbuch der Musiklehre 3), Leipzig 1911, 12. Aufl. Wiesbaden 1987; Arnold Schönberg, Grundlagen der musikalischen Komposition, Hrsg. von Rudolf Stephan, Wien 1979; Wolfgang Stockmeier, Musikalische Formprinzipien. Formenlehre, Köln 1980, 6. Aufl. Laaber ***** Hauptseminare 5371 Prof. Dr. Antonio Bispo (HM-A3 ME-A2) Musik in biblischer Hermeneutik 2 St., Do Uhr, Neuer Seminarraum, Beginn: Die konfliktreiche Begegnung der großen Weltreligionen vor allem des Islams und des Christentums sowie des Islams und Judentums beherrscht die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit in der Gegenwart. Zugleich sind vielseitige Bemühungen um eine Annäherung und um Dialog der Religionen im Gang, die als Grundvoraussetzung für ein friedliches Zusammenleben der Völker und Kulturen erscheinen. Dafür ist 8

9 allerdings eine Auseinandersetzung mit den Grundlagen des religiösen Welt- und Menschenbildes des fremden und des eigenen Kulturkomplexes unerlässlich. Hierzu darf die Berücksichtung der engen Beziehung zwischen Musik und Religion nicht außer Acht gelassen werden. Wie die Musikgeschichte des Abendlandes zeigt, prägte diese Beziehung über Jahrhunderte die Musikkultur Europas und der von ihm beeinflussten außereuropäischen Länder. Ihr angemessenes Studium setzt die Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen Musik und Wort sowie überhaupt der Frage nach Musik in der Bibel voraus. Musikinstrumente, Sänger, Lieder, Hymnen werden zwar in den biblischen Texten vielfach erwähnt, die Relevanz von Musikanschauungen im Gesamtrahmen der Schrifttradition wird allerdings nur aus einer Lektüre nachvollziehbar, die sich nicht vordergründig auf das Wortwörtliche beschränkt, sondern auch die Tradition der Deutung des mittelbaren, okkulten Sinnes der Schrift berücksichtigt. Die Vertrautheit mit tradierten Vorstellungen biblischer Hermeneutik scheint unerlässlich für Musikforscher zu sein, die sich Musikentwicklungen nicht nur in Europa, sondern auch in globalen Zusammenhängen widmen Prof. Dr. Dieter Gutknecht (HM-A1) Heinrich Schütz 2 St., Do Uhr, Musiksaal, Beginn: Das Seminar soll das gesamte kompositorische Schaffen betrachten, wie es sich durch das Studium in Italien ausgeformt hat, später dann aber im langen Dienst am Dresdner Hof unter zahlreichen Zeit bedingten Umständen abänderte. Im Mittelpunkt der Betrachtung soll das Herausarbeiten einerseits des italienischen Einflusses (Klanglichkeit, Gattungen, Stil usw.) stehen, andererseits die Herausbildung eines autonomen deutschen Stils betrachtet werden, der sich durch neuartige Satztechniken und Umsetzungen textlicher Vorgaben in Musik (musikalisch-rhetorische Figuren) auszeichnet Prof. Dr. Klaus Wolfgang Niemöller (HM-A2) Oper und Musiktheater zwischen Richard Strauss und Bernd Alois Zimmermann 2 St., Mo Uhr, Neuer Seminarraum, Beginn: Im 20. Jahrhundert löste sich die Oper vom Wagnerismus und beging vielfältige neue Wege, u.a. durch Literarisierung (Strauss, Debussy), als expressionistisches Stück (Schönberg, Bartok, Hindmith) oder als episch-aktuelles Musiktheater (Weill, Krenek), das nach 1945 zeitkritisch aufgegriffen wurde (Dessau, Dallapiccola, Nono). Zwar nimmt die symphonische Oper neue Formen an (Berg, Hindmith) und präsentiert sich in den 1930er Jahren als Bekenntniswerk (Krenek, Schönberg, Berg, Hindemith), jedoch divergieren die Linien der verschiedenen Richtungen schließlich zwischen B. A. Zimmermanns Die Soldaten und dem experimentellen Musiktheater von Ligeti, Kagel und Stockhausen. In Referaten sollen bedeutende Einzelwerke so als Ausprägungen bestimmter Zeittendenzen untersucht werden Prof. Dr. Wolfram Steinbeck / Prof. Dr. Rudolf Drux (HM-A2) Schumanns Heine-Vertonungen 2 St., Di Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Das Hauptseminar ist als interdisziplinäre Gemeinschaftsveranstaltung von Literatur- und Musikwissenschaft konzipiert. Im Zentrum steht die Analyse von Heinrich Heines Lyrischem Intermezzo (aus dem Buch der Lieder) und Robert Schumanns Dichterliebe, op. 48. Mit der Deutung der beiden Zyklen (und anderer früher Gedichte Heines und deren Vertonung durch Schumann) soll versucht werden, die ästhetischen Grundlagen, historischen Prägungen und sozialen Bedingungen aus literatur- und musikgeschichtlicher Perspektive zu rekonstruieren. Kolloquien ***** 5380 Prof. Dr. Wolfram Steinbeck (HM) Aktuelle Fragen der Musikwissenschaft 3 St., Di Uhr, Neuer Seminarraum, Beginn: Veranstaltung für fortgeschrittene Studierende und Doktoranden. Behandelt werden Probleme aktueller Forschungen, die aus Themenkreisen anstehender wissenschaftlicher Arbeiten ebenso wie aus der neueren musikwissenschaftlichen Literatur stammen können. Termin und Themenplan werden in der ersten Sitzung 9

10 vereinbart. Musikethnologie Vorlesungen 5337 Prof. Dr. Antonio Bispo (ME HM) Musik in antiker Mythologie und synkretistischer Ökumene 2 St., Do Uhr, Neuer Seminarraum, Beginn: In der Gegenwart ist ein zunehmendes Interesse für die Religionen der Antike festzustellen. Unter dem missverständlichen Begriff Neues Heidentum oder unter Berufung auf die alten Germanen oder Kelten werden Religionssysteme und Kultpraktiken aus verschiedenen Beweggründen und mit unterschiedlicher Berechtigung rekonstruiert. In einigen Ländern so in Griechenland gibt es Bemühungen um Wiederaufwertung und gar Anerkennung der griechisch-römischen Religion. In anderen so in Lateinamerika wird ein neuer Synkretismus bewusst angestrebt, der sich auf den Synkretismus der Spätantike stützt. Diese komplexen und schillernden Kulturerscheinungen sind in Zeiten der Globalisierung und der religiösen Auseinandersetzungen von besonderer kulturwissenschaftlicher Relevanz. Ihre Analyse stößt allerdings auf erhebliche Schwierigkeiten, da sie sich auf Begriffe, Anschauungen und Praktiken der Vergangenheit stützen, die sich für den Betrachter wie fragmentarische Reste eines ruinösen Gebäudes darbieten, dessen Rekonstruktion unvorstellbar erscheint. Auf jeden Fall kann bei diesen kulturanalytischen Bemühungen die musikwissenschaftliche Perspektive nicht fehlen. Musikanschauungen spielten in den antiken Religionen eine grundlegende Rolle man denke etwa an Merkur als Erfinder der Lyra, an Apollon, an Orpheus und viele Mythen überdauerten in christlicher Uminterpretierung die Jahrhunderte. Im Verlaufe der Musikgeschichte wurde immer wieder auf sie Bezug genommen, und diese Auseinandersetzung wirkte sich in der von Europa kolonisierten Welt aus. Eine Vertrautheit mit der antiken Mythologie sowie mit den Hauptproblemen der Forschung der synkretistischen Ökumene der Spätantike scheint heute für eine kulturwissenschaftlich orientierte Musikforschung Musikgeschichte und Musikethnologie unerlässlich Prof. Dr. Rüdiger Schumacher (ME) Musikgeschichte Chinas im Überblick 2 St., Mi Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Die diachrone Perspektive, also der Blick auf die historische Entwicklung von Phänomenen, ist sicher nicht die primäre Arbeitsrichtung der Musikethnologie. Dass sie jedoch wesentlicher Bestandteil musikethnologischer Methode ist, darüber herrscht weitgehend Übereinstimmung; denn es versteht sich eigentlich von selbst, dass ein adäquates Begreifen gegenwärtiger Kultur nur dann gewährleistet ist, wenn ihre Ursachen und Entwicklungsprozesse einsichtig sind. Es gibt wohl keine andere Kultur außerhalb Europas, die uns in so bedeutendem Maße einen Einblick in ihre Geschichte gewährt, wie das bisweilen als Wiege der Menschheitszivilisation bezeichnete China. Anhand der Rezeption verschiedener Quellentypen in erster Linie schriftliche und ikonographische Dokumente sowie Grabungsfunde soll in dieser Vorlesung ein Überblick über die Musikgeschichte Chinas vom Neolithikum bis in die Gegenwart vermittelt werden. Besondere Aufmerksamkeit wird hierbei den Gebieten Musikanschauung und-philosophie, Stimmung und Tonsystem, Musikinstrumente und musikalische Gattungen gewidmet. (Anmeldung über UK-Online erwünscht) ***** 10

11 Übungen 5345 Prof. Dr. Robert Günther / Yoshiro Shimizu M.A. (ME-B3) Musizierpraxis der traditionellen Hofmusik Japans (Gagaku und Bugaku) 2 St., 14-tägig, Sa Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Unterricht in der Musikpflege des Gagaku (Instrumentalmusik) und des Bugaku (Zeremonialtänze). Bei diesem Praktikum in der traditionellen Musik des japanischen Kaiserhofes handelt es sich um eine im europäischen Raum und durch Europäer bislang noch nie durchgeführte intensive Beschäftigung mit der instrumentalen Ensemblemusik. Im Mittelpunkt steht das Spiel altjapanischer Blas-, Saiten- und Perkussionsinstrumente. Als Lehrer fungiert ein japanischer Musiker und Spezialist dieser Musikgattung. Das Instrumentarium, Notationen und Kostüme für eventuelle Auftritte auch außerhalb der Universität sind vorhanden. Neu- Einsteiger sind jederzeit willkommen. Die Lehrveranstaltung ist zweistündig und findet alle 14 Tage statt. Zeit und Ort nach Vereinbarung Sebastian Hamsch M.A. (ME-B2) Methoden der Datenauswertung 2 St., Di Uhr, Musiksaal, Beginn: Ergänzend zu dem zweisemestrigen Proseminar Einführung in die Musikethnologie: Theorie und Fachgeschichte wird eine ebenfalls auf zwei Semester konzipierte Übung angeboten, in der die für die Musikethnologie (und die Popularmusikforschung) zentralen Methoden und Arbeitstechniken vermittelt und erprobt werden sollen. Im Verlauf dieser zwei Semester soll jede(r) Studierende ein eigenes kleines Forschungsprojekt durchführen, in dessen Rahmen die methodischen Grundlagen geübt werden. Nachdem im vergangenen Wintersemester die Methoden der Datenerhebung erarbeitet worden sind, geht es in diesem Sommersemester um die Methoden der Auswertung der gesammelten Daten, angefangen von der Transkription und musikalischen Analyse der Feldaufnahmen über die Auswertung der Interviews und Feldnotizen bis hin zur Erstellung eines wissenschaftlichen Textes. Diese Veranstaltung ist für alle Studierenden mit Studienschwerpunkt Musikethnologie (Studienverlauf 1 und Studienverlauf 2) nach der neuen Studienordnung verpflichtend. Studierende, die an der Übung Methoden der Datenerhebung im vergangenen Wintersemester nicht teilgenommen haben, werden auf das nächste Wintersemester verwiesen, in dem diese Übung erneut angeboten wird. Ihnen wird die aktive Teilnahme an Lehrveranstaltungen der Basiseinheit ME-B4 und übergreifenden Lehrveranstaltungen der Musikethnologie (ME ohne Spezifizierung) empfohlen. (Anmeldung über UK-Online erwünscht) Proseminare ***** 5351 Marcus Erbe M.A. (ME-B2/B3 HM-B2/B5) Before there was HipHop: Eine kleine Geschichte des Funk 2 St., Di Uhr, Musiksaal, Beginn: Obwohl die Funk-Musik ihre größte mediale Präsenz in der 1960er und insbesondere in den 1970er Jahren genoss, überdauerte das Musterbild einer funky music bis in die unmittelbare Gegenwart. Die Zielsetzung dieser Veranstaltung wird daher zunächst darin bestehen, einen Überblick über die Geschichte dieses Genres zu gewinnen, dessen Entwicklung nahezu zeitgleich in den Bewegungen der Rap- und der Disco-Musik mündete. Anschließend gilt es, die Residuen des Funk in rezenten popmusikalischen Diskursen zu untersuchen, wobei sich in diesem Zusammenhang eine Vielzahl an Beobachtungsperspektiven eröffnet von der Samplingkultur der 1980er und 1990er Jahre bis zur Standardisierung der Funkiness durch einschlägige Studiosoftware. Eine Anmeldung über UK-Online ist obligatorisch. Dort finden Sie demnächst auch erste Literaturhinweise. Das Proseminar ist offen für Studierende des Medienstudienganges. Bitte beachten Sie folgenden Hinweis: Da Marcus Erbe offiziell der Abteilung Historische Musikwissenschaft angehört, ist er für den Fachbereich Musikethnologie nur eingeschränkt zwischenprüfungsberechtigt. Im Studienverlauf 2 können Sie dieses Seminar daher leider nicht als ethnologisches ZP-Seminar belegen, im Studienverlauf 1 nur dann, wenn Sie als zweite prüfungsrelevante Veranstaltung ein Proseminar oder eine 11

12 Vorlesung bei einem Dozenten der Musikethnologie auswählen. Für die ZP im Bereich Historische Musikwissenschaft ist dieses Seminar jedoch uneingeschränkt verfügbar, ebenso können Leistungsnachweise und Teilnahmescheine in beiden Bereichen für die jeweils angegebenen Module erworben werden Dr. Marion Mäder (ME-B2/B4) Präsentation Populärer Musik im Radio Blockseminar, Termine: Di, Mi Uhr, Fr Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Im Rahmen des Proseminars erstellt jeder Teilnehmer ein Manuskript für eine Radiosendung, die zugleich wissenschaftlich fundiert und in ihrer Präsentation hörerorientiert ausgerichtet sein soll. Hierzu werden praktische Hinweise zum Sprechen vor dem Mikrophon erteilt. Die Lehrveranstaltung beginnt mit einer Diskussion gängiger Darstellungsformen populärer Musik im Hörfunk, anschließend erfolgt eine Einführung in das mediengerechte Formulieren und Strukturieren von Texten. Die Themen des Seminars richten sich weitgehend nach den Interessen der Studierenden und werden in der ersten Sitzung gemeinsam festgelegt. Teilnehmer, die vor Beginn der Veranstaltung Referate vorbereiten möchten, können sich per beraten lassen und Themen absprechen: 5359 René Michaelsen M.A. (ME-B2/B4 HM-B2/B4/B5) Lachen über Musik Tendenzen des musikalischen Humors 2 St., Mi Uhr, Musiksaal, Beginn: Does humour belong in music? Diese programmatische Frage stellte Frank Zappa im Titel seines Albums von Bei aller Überspitzung lässt sich ihre Berechtigung kaum in Abrede stellen, scheint doch seit jeher der heilige Ernst ein Kriterium zu sein, das musikalischen Werken die Aufnahme in einen Kanon deutlich erleichtert. Dabei hat die Musikgeschichte zu jeder Zeit auch Kompositionen hervorgebracht, die mit dem Ziel antreten, Ideale von Erhabenheit und Kontemplation mit Mitteln der Komik kritisch zu beleuchten. In diesem Proseminar soll die Frage im Mittelpunkt stehen, wie Musik mit ihren spezifischen medialen Voraussetzungen komische Wirkung erzeugen und ihre Rezipienten zum Lachen bringen kann. Dabei soll musikalischer Humor keineswegs als feststehendes Verfahren, sondern vielmehr als vielseitiger Prozess verstanden werden, in dem formästhetische, performative und intertextuelle Momente gleichermaßen eine Rolle spielen können. Neben Werken der abendländischen Kunstmusik (Mozart, Beethoven, Rossini, Schumann, Offenbach, Hindemith, Schostakowitsch, Adams) sollen dabei auch Beispiele aus Jazz (Spike Jones, Dizzy Gillespie, Sonny Rollins) und Popularmusik (Beatles, Frank Zappa, Harry Nilsson) Berücksichtigung finden. Auch Themen wie das kabarettistische Chanson, das humoristische Potential außereuropäischer Musik, die musikalische Gestaltung von Film- bzw. TV-Komödien oder das prekäre Feld des unfreiwilligen Humors könnten Anhaltspunkte für die Diskussion liefern. Scheinvergabe über Referat und Hausarbeit. Themenvorschläge der Teilnehmenden sind ausdrücklich willkommen! Literatur zur Einführung: Robert Gernhardt, Versuch einer Annäherung an eine Feldtheorie der Komik, in: Was gibt s denn da zu lachen? Kritik der Komiker. Kritik der Kritiker. Kritik der Komik, Zürich 1988, S ; Laurie-Jeanne Lister, Humor as a concept in music, Frankfurt am Main 1994 (Ae 690/2). Bitte beachten Sie folgenden Hinweis: Da René Michaelsen offiziell der Abteilung Historische Musikwissenschaft angehört, ist er für den Fachbereich Musikethnologie nur eingeschränkt zwischenprüfungsberechtigt. Im Studienverlauf 2 können Sie dieses Seminar daher leider nicht als ethnologisches ZP-Seminar belegen, im Studienverlauf 1 nur dann, wenn Sie als zweite prüfungsrelevante Veranstaltung ein Proseminar oder eine Vorlesung bei einem Dozenten der Musikethnologie auswählen. Für die ZP im Bereich Historische Musikwissenschaft ist dieses Seminar jedoch uneingeschränkt verfügbar, ebenso können Leistungsnachweise und Teilnahmescheine in beiden Bereichen für die jeweils angegebenen Module erworben werden Prof. Dr. Rüdiger Schumacher (ME-B2/B3) Musikstile und -traditionen der karibischen Inselwelt 2 St., Do Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Ein wesentlicher Grund, weshalb sich die Musikethnologie erst spät und nur sehr zögernd mit den musikalischen Traditionen der Karibik näher befasst hat, ist zweifellos in der Tatsache zu sehen, dass hier eine authentische, im engeren Sinne autochthone Musikkultur gemeinsam mit ihren Trägern, den Indianern West-Indiens, schon bald nach den ersten Kontakten mit den Spaniern unwiederbringlich untergegangen ist. 12

13 Im Mittelpunkt dieses Seminars stehen daher die sehr verschiedenen musikalischen Stile und Überlieferungen der Nachkommen jener Menschen, die in großer Zahl während der vergangenen Jahrhunderte als Sklaven aus Afrika in die Neue Welt verfrachtet worden waren. Hier hat sich durch die kreative Übernahme von bzw. die Vermischung mit europäischen Musikstilen vor allem iberischer, englischer und französischer Herkunft ein sehr reiches und eigenständiges musikalisches Leben entwickelt, das in der jüngeren Vergangenheit entscheidendes Gewicht in der Gestaltung des Mainstreams amerikanisch-europäischer Popularmusik gewonnen hat. Die Seminarteilnehmer sollen auf der Grundlage des jeweils unterschiedlichen Forschungsstandes einen Einblick in die regionalen Musiktraditionen, ihre Bedingungen und ihre teilweise überregionalen Wirkungen erarbeiten. (Anmeldung über UK-Online erwünscht) 5366 Prof. Dr. Rüdiger Schumacher (ME-B2) Einführung in die Musikethnologie: Theorie- und Fachgeschichte II 2 St., Di Uhr, Musiksaal, Beginn: Nachdem im Wintersemester die Vorgeschichte, die Entstehung und die fachliche Entwicklung der Musikethnologie bis ca behandelt worden sind, sollen in diesem Semester diejenigen theoretischen Ansätze vorgestellt werden, die das Fach seit den 1970er Jahren geprägt haben. Da all diese Theorie von der biomusicology, neomarxistischen und kulturmaterialistischen Ansätzen über die kognitive, symbolische oder interpretative Ethnologie bis zum Strukturalismus und Poststrukturalismus, zu cultural studies, gender studies und post-colonial studies von aktueller Relevanz sind, ist dieses Seminar nicht wie das vorangegangene chronologisch, sondern thematisch gegliedert. Diese Veranstaltung ist für alle Studierenden mit Studienschwerpunkt Musikethnologie (Studienverlauf 1 und Studienverlauf 2) nach der neuen Studienordnung verpflichtend. Studierenden, die an dem Proseminar Einführung in die Musikethnologie: Theorie und Fachgeschichte I im vergangenen Wintersemester nicht teilgenommen haben, wird die aktive Teilnahme an Lehrveranstaltungen der Basiseinheit ME-B4 und an übergreifenden Lehrveranstaltungen der Musikethnologie (ME ohne Spezifizierung) empfohlen. (Anmeldung über UK-online erwünscht) 5367 Oliver Seibt M.A. (ME-B2/B4) Klingende Zeichen : Musik und subkulturelle Identität 2 St., Mo Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: versuchte Dick Hebdige in seiner Monographie Subculture: The Meaning of Style am Beispiel des Punk erstmalig, das Phänomen der (meist jugendlichen) Subkulturen semiotisch (Semiotik = die Lehre von den Zeichen) zu erklären. Dieses vor allem auf den frühen Arbeiten Roland Barthes basierende Vorgehen sollte in den folgenden Jahren zu einem der wichtigsten theoretischen Ansätze werden für eine Reihe von Subkulturstudien im Rahmen der britischen cultural studies, die den Gegenstand des ersten Teils des Seminars ausmachen. Aber obwohl in den meisten Fällen Musik eine herausragende Rolle für die Ausprägung subkultureller Identitäten spielt, befassen sich die vorliegenden Studien aus den cultural studies meist nur mit außermusikalischen Zeichen (Mode etc.). Im zweiten Teil des Seminars soll daher am Beispiel einzelner Subkulturen (Hippies, Rasta, Punk, Skinheads, HipHop) versucht werden, den semiotischen Ansatz auf die klingenden Zeichen, auf die zu den jeweiligen Subkulturen gehörige Musik auszudehnen. Als Vorbereitung auf das Seminar bitte ich alle Teilnehmenden, die ersten beiden Kapitel aus Zeichen: Einführung in einen Begriff und seine Geschichte von Umberto Eco (Frankfurt am Main: Suhrkamp 2000) zu lesen. ***** 13

14 Hauptseminare 5371 Prof. Dr. Antonio Bispo (ME A2 HM-A3) Musik in biblischer Hermeneutik 2 St., Do Uhr, Neuer Seminarraum, Beginn: Die konfliktreiche Begegnung der großen Weltreligionen vor allem des Islams und des Christentums sowie des Islams und Judentums beherrscht die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit in der Gegenwart. Zugleich sind vielseitige Bemühungen um eine Annäherung und um Dialog der Religionen im Gang, die als Grundvoraussetzung für ein friedliches Zusammenleben der Völker und Kulturen erscheinen. Dafür ist allerdings eine Auseinandersetzung mit den Grundlagen des religiösen Welt- und Menschenbildes des fremden und des eigenen Kulturkomplexes unerlässlich. Hierzu darf die Berücksichtung der engen Beziehung zwischen Musik und Religion nicht außer Acht gelassen werden. Wie die Musikgeschichte des Abendlandes zeigt, prägte diese Beziehung über Jahrhunderte die Musikkultur Europas und der von ihm beeinflussten außereuropäischen Länder. Ihr angemessenes Studium setzt die Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen Musik und Wort sowie überhaupt der Frage nach Musik in der Bibel voraus. Musikinstrumente, Sänger, Lieder, Hymnen werden zwar in den biblischen Texten vielfach erwähnt, die Relevanz von Musikanschauungen im Gesamtrahmen der Schrifttradition wird allerdings nur aus einer Lektüre nachvollziehbar, die sich nicht vordergründig auf das Wortwörtliche beschränkt, sondern auch die Tradition der Deutung des mittelbaren, okkulten Sinnes der Schrift berücksichtigt. Die Vertrautheit mit tradierten Vorstellungen biblischer Hermeneutik scheint unerlässlich für Musikforscher zu sein, die sich Musikentwicklungen nicht nur in Europa, sondern auch in globalen Zusammenhängen widmen PD Dr. Lars-Christian Koch (ME-A1) Vokal- und Instrumentalmusik in Asien Blockseminar, Termine n. Vereinbarung, Vorbesprechung am , Uhr, Neuer Seminarraum In den indischen Musikkulturen ist die menschliche Stimme immer Ausgangspunkt und Bewertungsmassstab jeglicher Genre und Stile. Dies wirkt sich deutlich auf das Instrumentalspiel und im weiteren Sinne auch auf die bauliche Konzeption der Musikinstrumente aus. Um diese Beziehungen besser zu verstehen, werden die wichtigsten vokalen Genre, Stile und individuellen Ausformungen im Detail betrachtet. Ausgehend vom ernsten, schweren und traditionsbehafteten Dhrupad und den im Charakter leichteren etwas jüngeren Khyal, werden vokale Genres wie Thumri, die Lieder Rabindranath Tagores und die der Baul-Sänger näher betrachtet. Die Beziehungen zur instrumentalen Musik sollen am Beispiel herausragender Musikerpersönlichkeiten und ihrer speziellen Schulen herausgearbeitet werden, denn Vokal-Musik wurde in unterschiedlicher Weise auf Musikinstrumente übertragen, wobei sich oft sehr spezielle eigenständige Interpretationsstile herauskristallisieren. In diesem Seminar soll neben der Vermittlung einer detaillierten Kenntnis einzelner Genres und Stile der indischen Musik vor allem der Frage nachgegangen werden, wie sich ästhetische Grundkonzepte bei der Übertragung von einer Art der Interpretation auf eine andere in Hinblick auf musikalischen Gehalt und gesellschaftliche Relevanz auswirken Prof. Dr. Rüdiger Schumacher (ME-A2) Musik und Schamanismus 2 St., Do Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Bis heute ist Schamanismus ein Phänomen, über das sehr unterschiedliche und widersprüchliche Anschauungen im Umlauf sind: Von den einen wird er als spiritistische Religionsform gewertet, andere sehen in ihm wegen des Fehlens eines geschlossenen Systems von Glaubensvorstellungen keine eigentliche Religion. Die einen konstatieren eine weltweite Verbreitung des Schamanismus, andere begrenzen ihn auf das nördliche Eurasien. Ohne also von einer allgemein akzeptierten und schlüssigen Definition des Schamanismus ausgehen zu können, sollen zunächst auf dem Weg über die Rezeption zentraler ethnologischer Studien wesentliche unbestrittene bzw. zumindest sehr häufig genannte Merkmale des Schamanismus erarbeitet werden, bevor dann an ausgewählten Beispielen die Besonderheiten der musikalischen Erscheinungsform und Bedeutung dieses Phänomens näher untersucht werden. (Anmeldung über UK-Online erwünscht) 14

15 ***** Kolloquien 5378 Prof. Dr. Rüdiger Schumacher (ME) Magistranden- und Doktorandenkolloquium 2 St., 14-tägig, Di Uhr, Neuer Seminarraum, Beginn: In diesem Kolloquium sollen in erster Linie in Vorbereitung befindliche oder geplante Magisterarbeiten und Dissertationen aus dem Bereich der Musikethnologie ausführlich diskutiert werden. Über den engeren Teilnehmerkreis der Magistrand(inn)en und Doktorand(inn)en hinaus sind auch diejenigen Studierenden zu diesem Kolloquium eingeladen, die sich im Hauptstudium befinden und eine Magisterarbeit im Studienschwerpunkt Musikethnologie schreiben möchten. (Anmeldung über UK-Online erwünscht) Systematische Musikwissenschaft Vorlesungen 5338 Prof. Dr. Jobst Fricke / PD Dr. Christoph Reuter (SM) Klangfarbe und ihre Wahrnehmung 2 St., Mo Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Die Klangfarbe der Musikinstrumente hat im Laufe der Entwicklung der abendländischen Musik eine zunehmende Bedeutung erlangt. Die klangfarblichen Eigenschaften und die Spielweise korrespondieren in eigentümlicher Weise mit der Musik, für die sie bestimmt sind. Das bedeutet: Kompositionsweise, Satzstruktur und Instrumentation werden sich als voneinander abhängig erweisen. Ausgehend von der Definition der Klangfarbe als Restqualität (ASA) werden verschiedene (konstruktive) Beschreibungssysteme behandelt und auf ihre Brauchbarkeit geprüft (u.a. Mehrdimensionalität der Klangfarbe). Klangfarbe im engeren und weiteren Sinne (Stumpf 1926) sowie ihre Ursachen in Instrument und Spielweise werden auf diesem Wege ebenso zu erläutern sein wie die für die abendländische Musik so wesentliche Eigenschaft invarianter Merkmale der Musikinstrumente. Das Formantkonzept wird dabei eine tragende Rolle spielen (Schumann 1929). Auf der Grundlage dieses Konzepts können die Hintergründe für die Verschmelzung und separierte Wahrnehmbarkeit von zusammenspielenden Musikinstrumenten aufgedeckt werden, die in den Instrumentationslehren in Form von Rezeptbüchern abgehandelt worden sind (Reuter 1996 & 2002). Literatur: Carl STUMPF, Die Sprachlaute, Berlin 1926; Erich SCHUMANN, Physik der Klangfarben, Berlin mschr. 1929; Jobst FRICKE, Artikel >Formant< und >Klangfarbe< in: Herder-Lexikon Bd.3, 1980, bzw. Bd. 4, 1981; Christoph REUTER, Auditive Diskrimination von Orchesterinstrumenten, Ffm. 1996; Jobst FRICKE, Artikel >Schumann< in: Neue MGG Bd. 15, Kassel 2006; Christoph REUTER, Klangfarbe und Instrumentation, Ffm, Prof. Dr. Uwe Seifert (SM) Kognitionswissenschaftliche Modellierung musikalischen Verhaltens 2 St., Fr Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Auf der Basis des formalen wie epistemologischen Rahmens, der in der Vorlesung des WS 2006/07 entwickelt wurde (Glymour 1998; Partee/Ter Meulen/Wall 1993; Nelson 1989), erfolgt eine historisch orientierte Einführung in das zentrale Forschungsparadigma der Kognitiven Musikwissenschaft (Seifert 1993): die kognitive Modellierung (Schmid/Kindsmüller 1996). Strategien und Fragestellungen kognitionswissenschaftlicher Musikforschung werden vor dem Hintergrund der Methodologie und Geschichte der Kognitionswissenschaft (Posner 1993; Thagard 2005 Boden 2006) vorgestellt. Die Vorlesung widmet sich forschungspraktischen Problemstellungen der Kognitiven Musikwissenschaft und soll einen Überblick vermitteln. Literatur: Boden, Margaret Mind as Machine. A History of Cognitive Science. Oxford: Oxford University Press; Glymour, Clark Thinking Things Through. An Introduction to Philosophical Issues and 15

16 Achievments. Cambridge, MA: MIT Press; Partee, Barbara H. / Alice ter Meulen / Robert E. Wall Mathematical Methods in Linguistics. Corrected First Edition. Dordrecht: Kluwer; Posner, Michael I. (Hrsg.) Foundations of Cognitive Science. Cambridge, MA: MIT Press; Nelson, R. J The Logic of Mind. Dordrecht: Kluwer; Schmid, Ute / Kindsmüller, Martin Christof Kognitive Modellierung Eine Einführung in die logischen und algorithmischen Grundlagen. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag; Seifert, Uwe Systematische Musiktheorie und Kognitionswissenschaft. Zur Grundlegung der Kognitiven Musikwissenschaft. Bonn: Verlag für Systematische Musikwissenschaft; Thagard, Paul Mind. Introduction to Cognitive Science. Cambridge, Mass. MIT Press. (Anmeldung über UK-Online erwünscht) Übungen ***** 5343 Son-Hwa Chang M.A. (SM-B3/B4) Bedeutung in der Musik 2 St., Mi Uhr, Systematischer Arbeitsraum, Beginn: Musikästhetik ist eine der zentralen Teildisziplinen der Systematischen oder Kognitiven Musikwissenschaft (vgl. de la Motte-Haber (Hrsg.) 2004). Einer der relevantesten Problembereiche der Musikästhetik ist die musikalische Semantik, d.h. die Frage nach dem Status, den Bedingungen und den Möglichkeiten, Sinn, Gehalt, Inhalt oder Bedeutung musikalisch darzustellen bzw. auszudrücken. Innerhalb der Systematischen oder Kognitiven Musikwissenschaft erfolgt der wissenschaftliche Zugang zum Problemfeld der musikalischen Bedeutung (vgl. Karbusicky (Hrsg.) 1990) vorwiegend aus philosophischer (e. g. Kivy 1989) wie psychologischer (e. g. Pratt 1931) Perspektive. In der Übung soll anhand von ausgewählten Texten in die Musikästhetik eingeführt werden. Literatur: COKER, WILSON 1972, Music and Meaning. A theoretical Introduction to Musical Aesthetics. The Free Press: New York; COOKE, DERYCK 1990, The Language of Music, Oxford University Press: Oxford; DAVIES, STEPHEN 1994, Musical Meaning and Expression, Cornell University Press: New York; DE LA MOTTE-HABER, HELGA 2004, Musikästhetik (= dies. (Hrsg.) Handbuch der Systematischen Musikwissenschaft, Bd. 1), Laaber Verlag: Laaber; FALTIN, PETER 1985, Bedeutung ästhetischer Zeichen. Musik und Sprache (= Nauck-Börner, Christa (Hrsg.) Aachener Studien zur Semiotik und Kommunikationsforschung, Bd. 1), Rader Verlag: Aachen; KARBUSICKY, VLADIMIR 1990, Sinn und Bedeutung in der Musik. Texte zur Entwicklung des musiksemiotischen Denkens, Wissenschaftlichen Buchgesellschaft: Darmstadt; KIVY, PETER 1989, Sound Sentiment. An Essay on the Musical Emotions, Temple University Press: Philadelphia; MEYER, LEONARD B. 1961, Emotion and Meaning in Music, University of Chicago Press: Chicago; PRATT, CARROLL C. 1931, The Meaning of Music: a Study in Psychological Aesthetics, McGraw-Hill Book Company, Inc.: New York. (Anmeldung über UK-Online ist erwünscht) 5344 Dipl.-Ing. Andreas Gernemann-Paulsen M.A. (SM-B3) Tontechnisches Praktikum 2 St., Mo Uhr, Musiksaal, Beginn: Vorleistung und Anmeldung erforderlich, s.u.! Das tontechnische Praktikum bestehend aus theoretischen Erläuterungen, praktischen Übungen der Studierenden und verschiedenen Vorführungen soll einen kleinen Einblick in das weite Gebiet der Aufnahmetechnik geben. Der Schwerpunkt liegt zunächst auf der analogen apparativen Tontechnik, der nach wie vor eine große Bedeutung im Studioalltag zukommt: anhand von Versuchen sollen das Verhalten und die Eigenschaften von Studiomikrophonen untersucht werden. Es folgen Übungen an Mischpulten und Aufzeichnungsgeräten. Anschließend werden die Grundlagen der Stereophonie mit den stereophonen Verfahren behandelt. Gegen Ende wird die analoge Welt verlassen und die digitale / virtuelle Studiopraxis mit Harddisk-Systemen und Effekten ( Plug Ins ) kurz beleuchtet. Insgesamt soll auch Raum für besondere Themenwünsche und für verschiedene Einblicke in die Tontechnikpraxis sein. Am Ende des Semesters ist die Besichtigung eines größeren Studiokomplexes für die Musikproduktion geplant. Ziel ist es, einerseits die einfache Aufnahmetechnik, besonders für Sprachaufnahmen und einfache Musikdokumentationen, kennenzulernen, andererseits das Verständnis für die eigenständige Art der Aufführungspraxis 16

17 von Musikaufnahmen mit ihren aus tontechnischer Sicht gestalterischen und interpretatorischen Möglichkeiten zu fördern. Angesprochen sind deshalb mit diesem Kurs besonders Tontechnik-Neulinge. Voraussetzung für die Teilnahme ist die erfolgreiche Absolvierung der Grundlagen-Übungen zur Systematischen Musikwissenschaft (I oder II) oder der traditionellen akustischen Apparate-Übung. Die Teilnehmerzahl ist auf 10 StudentInnen begrenzt, eine Anmeldung über UK-Online ist obligatorisch. Als Literatur finden sich umfangreiche Unterlagen (mit weiteren Angaben im Text) unter: Eine Themenübersicht bisheriger tontechnischer Praktika mit vielen Informationen findet man unter: Dipl. Vis. Komm. Julian Rohrhuber (SM-B3) Algorithmische Akustik 1 St., Fr Uhr (monatlich), Systematischer Arbeitsraum / Klanglabor der Kunsthochschule für Medien (im Laufe des Semesters). Fortsetzung aus den letzten beiden Semestern, Einstieg jedoch möglich, Beginn: Für Termine und Themen (ab Semesterbeginn): Algorithmische Verfahren zur Erzeugung von Klängen geben Anlass, auf Fragen der Vorhersehbarkeit und Unberechenbarkeit, der Machtstruktur der Komposition und den Bedingungen ihrer Evidenz näher einzugehen. Der Plan, dargestellt durch den Programmtext, nimmt damit nicht den Platz eines Mittels ein, das direkt mit seinem Ziel überlagert werden könnte. Die Verschiebungen und Verwerfungen von Text, Klang und kompositorischer Absicht werden im Genre der interaktiven Programmierung und der Netzwerkmusik besonders deutlich; anhand der Computersprache SuperCollider wird in dieser Veranstaltungsreihe versucht, sie theoretisch wie ästhetisch produktiv zu machen. Medientheoretische und philosophische Fragen werden dabei in Zusammenhang mit konkreten Experimenten diskutiert. Eine Veranstaltung im Rahmen des Forschungsprojekts Künstlerische Agency in hybriden Netzwerken im Rahmen des Forschungskollegs Medien und kulturelle Kommunikation (SFB 427) Lüder Schmidt M.A. (SM-B2) Übung zum PS Einführung in die Kognitive und Systematische Musikwissenschaft II 2 St., Do Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Kommentar s. Proseminar (Verw.-Nr. 5364) 5348a Prof. Dr. Uwe Seifert (SM-B3/B4) Einführung in die LISP-Programmierung für Musikwissenschaftler 2 St., Mi Uhr, Systematischer Arbeitsraum, Beginn: In der Kognitiven Musikwissenschaft wird LISP zur Modellierung kognitiver Prozesse des Musik-Erkennens eingesetzt (e. g. Cope 1996; Cope (ed.) 2001). Ein angemessenes Verständnis musikpsychologischer wie kognitionswissenschaftlicher Computersimulationen sowie der bei diesen Modellbildungen benutzten theoretischen Konzepte ist ohne elementare LISP- wie Programmierkenntnisse nur unzureichend möglich. Unter künstlerisch-kompositorischen Aspekten wird LISP zur algorithmischen Komposition (Taube 2004), der musikalischen Analyse sowie der Klanggenerierung und -bearbeitung (Laurson/Kuuskane 2002; Laurson/Norilo/Kuuskankare 2005) verwendet. LISP ist eine der ältesten Programmiersprachen und gilt als die lingua franca der Künstlichen Intelligenz. Es handelt sich um eine funktional-applikative Programmiersprache (Harel 2004; 2005). Ihre Nähe zum λ-kalkül ermöglicht zusätzlich einen eleganten Einstieg in wichtige erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Fragestellungen (Chaitin 1999). Zur Vereinfachung des Einstiegs in die höchst komplexe Materie wird aus didaktischen Gründen sowohl von Problemen digitaler Musikgestaltung als auch von der Behandlung der kognitiven Modellierung abgesehen und auf die reine LISP-Programmierung fokussiert. Ziel der Übung ist es, Kenntnis wesentlicher Konzepte der Programmierung wie Kontroll- und Datenstrukturen (vgl. Harel 2004; 2005) sowie eine elementare Programmierfähigkeit zur Lösung einfacher Probleme in COMMON LISP zu erlangen (Seibel 2005; Winston/Horn 1989). Die Übung wendet sich an Anfänger, die keine Programmiererfahrung haben. Aus didaktischen wie technischen Gründen muss die Anzahl der Teilnehmer begrenzt werden. Literatur: Chaitin, Gregory J The Unknowable. New York: Springer; Cope, David Experiments in Musical Intelligence. A-R-Editions; Cope, David (Hrsg.) Virtual Music: Computer Synthesis of Musical Style. Cambridge, MA: MIT Press; Harel, David Algorithmics. The Spirit of Computing. Third Edition 17

18 with Yishai Feldman. London: Addison-Wesley; Harel, David / Feldmann, Yishai Algorithmik. Die Kunst des Rechnens. Berlin: Springer; Laurson, M. / Norilo, V. / Kuuskankare, M PWGLSynth: A Visual Synthesis Language for Virtual Instrument Design and Control. In: Computer Music Journal (2005) 29: 29 41; Laurson, M. / Kuuskankare, M PWGL: A Novel Visual Language based on Common Lisp, CLOS and OpenGL. In: Proceedings of International Computer Music Conference, (Gothenburg, Sweden), September 2002, S ; Seibel, Peter Practical COMMON LISP. New York: Springer; Taube, Heinrich K Notes from the Metalevel. Introduction to Algorithmic Music Composition. [= Studies on New Music Research]. London: Taylor & Francis; Winston, Patrick Henry / Horn, Berthold Klaus Paul LISP. 3rd Edition. Reading, MA: Addison-Wesley. (Anmeldung über UK-Online erwünscht) Proseminare ***** 5368 Prof. Dr. Uwe Seifert / Son-Hwa Chang M.A. (SM-B3) Αντικειµενον und αναλογια: Einführung in die antike Musiktheorie unter besonderer Berücksichtigung der aristotelischen Wissenschaftskonzeption und des ostasiatischen Musikdenkens 2 St., Do Uhr, Neuer Seminarraum, Beginn: In der griechischen Antike wird bekanntlich die Entstehung des wissenschaftlichen Denkens verortet. Beim Erwachen des wissenschaftlichen Geistes gehen methodologisch-epistemologische wie ontologische Reflexionen einher mit der Entwicklung logischer, mathematischer und philosophischer Denkformen. Musiktheoretische Überlegungen sind daher im Kontext der Herausbildung wissenschaftlichen Denkens in mathematisch-logische wie erkenntnistheoretische Erörterungen eingebettet. Allerdings lässt sich nicht nur im antiken Griechenland eine Herausbildung wissenschaftlichen Musikdenkens konstatieren. Auch in dem von China ausgehenden ostasiatischen Musikdenken ist eine Verbindung von mathematischem, kosmologischem und wissenschaftlichem Denken festzustellen. In dem Seminar soll daher in einer ersten Annäherung auch ostasiatisches Denken über Musik berücksichtigt werden. Insofern wird mit der Veranstaltung eine doppelte Zielstellung verfolgt. Einerseits soll eine Einführung in die antike Musiktheorie gegeben werden, und andererseits soll das Interesse zu einer Auseinandersetzung mit ostasiatischem Musikdenken geweckt werden. Methodologisch werden Fragen der Begriffsgeschichte sowie der Möglichkeit komparativer wissenschaftshistorischer Studien zum Musikdenken näher betrachtet. Literatur: Brunschwig, Jacques / Lyod, Geoffrey / Pellegrin, Pierre (eds.) Das Wissen der Griechen. Eine Enzyklopädie. München: Fink; Lloyd, G. E. R Adversaries and authorities. Investigations into ancient Greek and Chinese science. Cambridge: Cambridge University Press; Mathiesen, Thomas Greek Music Theory. In: Christensen, Thomas (Hrsg.), The Cambridge History of Western Music Theory. Cambridge: Cambridge University Press, S ; Szabó, Árpád Anfänge der griechischen Mathematik. München: Oldenbourg; Chen, Yingshi Theory and Notation in China. In: Provine, Robert C. / Tokumaru, Yoshiko / Witzleben, J. Lawrence (Hrsg.), The Garland Encyclopedia of World Music, Vol. 7 East Asia: China, Japan, and Korea (S ). New York: Routledge; Zaminer, Frieder Harmonik und Musiktheorie im alten Griechenland. In: Ertelt, Thomas / Heinz von Loesch / Frieder Zaminer (Hrsg.), Geschichte der Musiktheorie, Bd. 2: Vom Mythos zur Fachdisziplin: Antike und Byzanz. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S (Anmeldung über UK-Online erwünscht) 5364 Lüder Schmidt M.A. (SM-B2) Einführung in die Kognitive und Systematische Musikwissenschaft II 2 St., Mo Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Kernbestandteil der Basiseinheiten SM 1 und 2 sind hauptsächlich zwei zweisemestrige Kurse: das Proseminar Einführung in die Systematische Musikwissenschaft (I + II) sowie die Übung zum Proseminar Einführung in die Systematische Musikwissenschaft (I + II). Das Proseminar führt ein in die wichtigsten Themen und Problemkreise, die in der Kognitiven und Systematischen Musikwissenschaft diskutiert werden. Im ersten Semester liegt der Schwerpunkt auf klassischen Problemen aus den Bereichen Musikpsychologie / Musikwahrnehmung. Beispielhaft wären hier das Konsonanz-Dissonanz-Problem, die Wahrnehmung von Klangfarbe und Tonhöhe sowie Versuche einer Definition 18

19 von Systematischer Musikwissenschaft zu nennen. Im zweiten Semester verschiebt sich der Schwerpunkt auf die kognitionswissenschaftliche Sichtweise. Ideen aus Informationsverarbeitung, kognitiver Musikpsychologie und Neurowissenschaft des Hörens werden mit Blick auf Musiktheorie, Auditive Szenenanalyse sowie Musik und Emotionen diskutiert. In der Übung werden (formale) Techniken, die für die im Proseminar behandelten Themen von grundlegender Bedeutung sind, vorgestellt und an konkreten Beispielen vertieft. Im ersten Semester werden mathematische Konzepte für die Beschreibung und Erzeugung von Klang (z.b. Bruchrechnung, trigonometrische Funktionen, Logarithmen) in Verbindung mit Stimmungssystemen oder Klangsynthesetechniken eingeführt. Zu den konkreten Aufgaben wird es gehören, mit vorhandener Synthesesoftware (Csound, Max/MSP, SuperCollider) einige Klangbeispiele zu realisieren und dadurch Erfahrungen über den Zusammenhag von theoretischer Beschreibung und Hörerlebnis zu sammeln. Das zweite Semester wird mit der Analyse von Klängen und Grundkonzepten der Signalverarbeitung anknüpfen und sich dann elementaren Techniken kognitiver Modellierung zuwenden. Auch hier sollen praktische Erfahrungen (z.b. unter Verwendung von Analyse-Software wie Praat oder ESPS) gesammelt werden Prof. Dr. Uwe Seifert (SM-B3) Musik, Technologie und Kunst durch Neue Medien: Methodologische Probleme einer qualitativen Musik- und Medientechnologieforschung 2 St., Mi Uhr, Systematischer Arbeitsraum Diese Veranstaltung fällt leider aus Hauptseminare ***** 5372 PD Dr. Roland Eberlein (SM-A1) Orgelbaustile und ihre technischen, klanglichen und architektonischen Eigenheiten 2 St., Mo Uhr, Alter Seminarraum, Beginn Kein anderes Musikinstrument in Europa hat eine solche Vielfalt an Baustilen und so große stilistische Differenzen hinsichtlich Technik, Klang und äußerer Gestaltung aufzuweisen wie die Orgel. Die Lehrveranstaltung führt in diese Stilvielfalt ein und zeichnet die Entwicklungsgeschichte der verschiedenen Stile nach. Einführende Literatur: Eberhard Kraus, Orgeln und Orgelmusik. Das Bild der Orgellandschaften. Regensburg Artikel Orgel in MGG, Sachteil. Bd. 7, Kassel Prof. Dr. Uwe Seifert (SM-A1/A2/A3) Sprache, Musik und Evolution 2 St., Do Uhr, Alter Seminarraum, Beginn: Neurowissenschaftliche und evolutionsbiologische Forschungen setzen sich in jüngster Zeit intensiv mit der Beantwortung der Frage nach einem menschlichen Musikvermögens auseinander. Diese Forschungen werden ergänzt durch Computersimulationen sowohl theoretischer Modelle evolutionärer Prozesse der Sprach- und Musikentstehung als auch des Sprach- und Musikerwerbs. Neben Fragen nach der evolutionärneurobiologischen Verankerung von Sprach- und Musikvermögen sowie der Erlernbarkeit sprachlicher wie musikalischer Strukturen sind für die kognitionswissenschaftliche Musikforschung u. a. auch Fragen nach der Modularität dieser beiden kognitiven Bereiche und der Artspezifität von Musik von Bedeutung. Ziel des Seminars ist eine Einführung in evolutionsbiologisches, neurowissenschaftliches und ethologisches Denken in der Musikforschung sowie in den entsprechenden derzeit stattfindenden wissenschaftlichen Diskurs zum Musikvermögen. Literatur: Hauser, Marc D. / McDermott, John The Evolution of the Music Faculty: A Comparative Perspective. In: Nature Neuroscience (2003) 6: ; Jackendoff, Ray / Lerdahl, Fred The Capacity for Music: What Is It, and What s Special About It? In: Cognition (2006) in press; Justus, Timothy / Hutsler, Jeffrey Fundamental Issues in the Evolutionary Psychology of Music: Assessing Innateness and Domain Specificity. In: Music Perception (2005) 23(1): 1-27; Koelsch, Stefan / Siebel, Walter A Towards a Neural Basis of Music Perception. In: Trends in Cognitive Science (2005) 9(12): ; Mithen, Steven The Singing Neanderthals The Origins of Music, Language, Mind and the Body. London: Weiden /Nicolsen; McDermott, Josh / Hauser, Marc D The Origins of Music: Innateness, Uniqueness, 19

20 and Evolution. In: Music Perception (2005) 23(1): 29-59; McDermott, Josh / Hauser, Marc D Thoughts on an Empirical Approach to the Evolutionary Origins of Musik. In: Music Perception (2006) 24(1): ; Wallin, N. L. / Merker, B. / Brown, S. (Hrsg.) The Origins of Music. Cambridge, MA: MIT Press. (Anmeldung über UK-Online erwünscht) Kolloquien ***** 5379 Prof. Dr. Uwe Seifert (SM) Kolloquium Systematische Musikwissenschaft 2 St., Sa Uhr, Systematischer Arbeitsraum, Beginn: Verlauf nach Absprache In dem Kolloquium werden aktuelle Forschungsarbeiten zur Systematischen und Kognitiven Musikwissenschaft vorgestellt und diskutiert. (Anmeldung über UK-Online erwünscht) Studentische Arbeitsgruppen ***** Birgitta Burger Arbeitsgruppe Musical Robotics 2 St., Fr Uhr, Systematischer Arbeitsraum, Beginn: Anschließend an das Proseminar Musical Robotics aus dem SS 2006 wird es in diesem Semester eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema geben. Sinn und Zweck dieser Veranstaltung soll sein, mit den vorhandenen Möglichkeiten kleine (mobile) Roboter zu bauen und zu programmieren und so verschiedene Roboterkomponenten, -eigenheiten und -systeme kennenzulernen. Zudem sollen Überlegungen dazu angeregt werden, wie man Robotik innerhalb einer Kognitionswissenschaft der Musik einsetzen könnte. Vorkenntnisse und Programmiererfahrung werden nicht vorausgesetzt, lediglich Neugierde und Interesse. 20

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