183 die magische Zahl

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1 Besteuerung internationaler Mitarbeiter 183 die magische Zahl für Auslandstätigkeit Für zahlreiche Schweizer Unternehmen stellen sich Fragen zur Besteuerung - inklusive Quellen besteuerung - und zur Sozialversicherung bei Mitarbeitern aus dem Ausland sowie bei Mitarbeitern, die für sie im Ausland tätig sind. Tony Brey Heutzutage kommt es zunehmend häufig vor, dass Mitarbeiter eines Unternehmens international tätig werden. Das ermöglichte auch das Personenverkehrsabkommen zwischen der Schweiz und der EU. Allerdings stellt es die Arbeitgeber im Bereich der Besteuerung und deren richtige Unterstellung unter das Sozialversicherungsrecht vor neue Herausforderungen. Steuerliche Grundlagen Die Schweiz hat mit verschiedenen Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. Zusätzlich bestehen für Grenzgänger aus Nachbarstaaten (Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Liechtenstein) teilweise spezielle steuerliche Regelungen. Die 183-Tage-Regel Unter bestimmten Umständen bleibt ein Arbeitnehmer, der ins Ausland zieht, in seinem Heimatland steuerpflichtig. Massgeblich ist dabei die 183-Tage-Regel, auch «Monteurklausel» genannt. Sie wird vielfach falsch verstanden und angewendet. Keine Steuerpflicht im Ausland besteht, sofern keine Kosten in das Arbeitsland belastet werden, der Mitarbeiter sich weniger als 183 Tage in diesem Land aufhält, seinen Wohnsitz im Heimatland nicht aufgegeben hat und die Kosten nicht von einer Betriebsstätte im Arbeitsland getragen werden. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein. Die neueren Doppelbesteuerungsabkommen sprechen von einer Periode von 183 Tagen innerhalb von 12 Monaten, die älteren Abkommen von 183 Tagen in der entsprechenden Steuerperiode. Überschreitet die Aufenthaltsdauer in dem entsprechenden Arbeitsland jedoch die 183 Tage, entsteht in diesem Land eine Steuerpflicht - sei es durch eine spätere Rückkehr oder durch das anschliessende Verbringen von Ferien. Die Steuerpflicht gilt dann, bei den neueren Abkommen, ab dem ersten Aufenthaltstag und nicht erst ab dem 184. Tag, ansonsten ab dem ersten Tag des entsprechenden Steuerjahres. ARG U SO' MGUS de Presse AC küdi9er.strosse 13 Postfach CH-802/ LJrich SeI. Q F0x0L ] wor9us.ch Ausschnitt Seite 1 / 6

2 Fehlende Abkommen Wirtschaftliche Zugehörigkeit Entsendet ein Unternehmen einen Mitarbeiter in ein Land, mit dem die Schweiz kein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat, und die Salärkosten verbleiben in der Heimat, besteht in der Schweiz auf dem Erwerbseinkommen eine Steuerpflicht - unabhängig davon, ob auch im anderen Land eine Steuerpflicht besteht oder nicht. Sofern sich der Mitarbeiter in der Schweiz abgemeldet hat, muss der Arbeitgeber Quellensteuern abliefern, wobei dies die Kantone unterschiedlich handhaben. Wird ein Mitarbeiter vom Ausland in die Schweiz geschickt und es ist kein Doppelbesteuerungsabkommen vorhanden, ist der Arbeitgeber verpflichtet, auf dem gesamten Einkommen Quellensteuern abzuliefern, unabhängig davon, ob diese Kosten in die Schweiz belastet werden oder nicht. Die 183-Tage-Regel kommt hier nicht zur Anwendung. Spesen und Reglemente Je nach Situation stellt sich die Frage der Steuerpflicht aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit (beschränkte Steuerpflicht), wenn der Wohnsitz im Ausland liegt. Diese kann beispielsweise entstehen bei: der Ausübung einer Erwerbstätigkeit mit Arbeitsort in der Schweiz der Tätigkeit als Mitglied der Verwaltung oder Geschäftsführung von juristischen Personen mit Sitz in der Schweiz Einkünften für Auftritte in der Schweiz als Künstler, Sportler oder Referent Bonuszahlungen aufgrund eines ehemaligen Arbeitsverhältnisses bei einem Arbeitgeber mit Sitz in der Schweiz Realisierung von Einkünften aus Mitarbeiteroptionen Bezahlung eines Besoldungsnachgenusses an die im Ausland wohnenden Erben Die Aufzählung ist nicht abschliessend. Die Steuerpflicht beschränkt sich auf das begründende Ereignis. Im Ursprungsland akzeptierte Spesen müssen im Arbeitsland nicht unbedingt als Spesen anerkannt sein, sondern können unter Umständen auch Lohnbestandteil darstellen. Bei einer Geschäftsreise (ins Ausland, und keine Salärbelastung dorthin) kann das schweizerische Spesenreglement angewendet werden. Es ist gültig bei einem Auslandaufenthalt bis maximal 183 Tage, sofern ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht. Wird diese Zeit überschritten, gelten die Regelungen des anderen Landes, und das Spesenreglement hat keine Gültigkeit mehr. Natürliche Personen Bei natürlichen Personen mit steuerrechtlichem Wohnsitz oder Aufenthalt in der Schweiz gilt: Der Quellensteuer unterworfen sind alle ausländischen Staatsangehörigen, die die fremdenpolizeiliche Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) nicht besitzen, sich jedoch in der Schweiz aufhalten. Diese unselbstständig Erwerbenden sind innert acht Tagen bei der kantonalen Steuerverwaltung durch den Arbeitgeber anzumelden. Ausschnitt Seite 2 / 6

3 In Arbeitgeberverantwortung Bezüglich der korrekten Abrechnung der Quellensteuern haftet der Arbeitgeber, nicht der Arbeitnehmer (analog zur AHV). Die Quellensteuern berechnen sich des Weiteren immer auf dem Bruttoeinkommen, das heisst vor sämtlichen Abzügen. Bei falschen Berechnungen muss der Arbeitgeber die Steuern nachbezahlen und versuchen, diese beim Mitarbeiter zurückzufordern. Hier besteht eine Problematik, wenn kein Arbeitsverhältnis mehr besteht und/oder der Mitarbeiter wieder im Ausland wohnhaft ist. Nicht zu vergessen ist, dass auch ein Schweizer quellensteuerpflichtig ist, wenn sich sein Wohnsitz im Ausland befindet oder eine nachträgliche Bezahlung (etwa ein Bonus) erfolgt. Sofern ein Ausländer die Aufenthaltsbewilligung C besitzt, jedoch sich der Hauptwohnsitz im Ausland befindet und nur eine beschränkte Steuerpflicht besteht, sind die Quellensteuern ebenfalls geschuldet. Weiterbelastung ins Ausland Die Belastung von Salärkosten (allenfalls mit Aufschlag) von einem Land in das andere ist der Ausschüttung von Einkommen aus unselbstständiger Tätigkeit im entsprechenden Land gleichzusetzen. Somit besteht ab dem ersten Tag der Belastung bzw. der Tätigkeit im entsprechenden Land grundsätzlich eine Steuerpflicht in dem besagten Land. Die 183-Tage-Regelung findet in diesem Fall keine Anwendung, unabhängig davon, ob ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den einzelnen Ländern besteht oder nicht. Verbleibt der Wohnsitz des Mitarbeiters in diesen Fällen in der Schweiz, entfällt eine Quellensteuerpflicht, und der Mitarbeiter ist vollumfänglich im Arbeitsstaat steuerpflichtig. Damit in der Schweiz keine zusätzliche Steuerpflicht für die Tätigkeit im Ausland entsteht, muss der Arbeitgeber im Lohnausweis unterscheiden zwischen der Tätigkeit in der Schweiz und der im Ausland und die Lohnausweise eventuell trennen. Meldet sich der Mitarbeiter in der Schweiz ab und übt die Tätigkeit in einem Land aus, mit welchem die Schweiz ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat, so sind keine Quellensteuern geschuldet, ausser auf alifällige Lohnanteile, deren Rechtsanspruch noch in der Schweiz entstanden ist, wie zum Beispiel Anteil 13. Monatslohn, Bonus und Ähnliches. Besteht kein Doppelbesteuerungsabkommen mit dem Land, in dem sich die Mitarbeiter aufhalten, die Kosten aber vollumfänglich in dieses Land belastet werden, sollten keine Quellensteuern geschuldet sein. Gewisse Steuerbehörden werden allerdings versuchen, auch diese Leistungen den Quellensteuern zu unterwerfen. Zu diesem Vorgehen müsste eine Entscheidung provoziert werden. Anders sieht es jedoch aus, wenn die Kosten in der Schweiz verbleiben oder nicht vollumfänglich ins Ausland belastet werden. Hier könnte die Steuerbehörde argumentieren, dass der wirtschaftliche Arbeitgeber in der Schweiz verbleibt und die Quellensteuern somit geschuldet sind. Das ist auch die Praxis in gewissen Kantonen. Weiterbelastung in die Schweiz Ausschnitt Seite 3 / 6

4 Übt der Mitarbeiter in der Schweiz eine Tätigkeit aus, ohne dass er in der Lohnbuchhaltung geführt wird oder eine Entschädigung erhält und die Kosten vom Ausland in die Schweiz belastet werden, so entsteht eine Quellensteuerpflicht des schweizerischen Arbeitgebers. Diese beginnt mit dem ersten Tag. Der Arbeitgeber muss in diesen Fällen eine Schattensalärabrechnung vornehmen und alle steuerpflichtigen Elemente nach dem Schweizer Recht berücksichtigen und auf dem so berechneten Einkommen die Quellensteuern abliefern. Erfolgt keine Belastung aus dem Ausland in die Schweiz und der Arbeitgeber befindet sich in einem Land, zwischen dem die Schweiz ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat, und der Arbeitgeber bezahlt keine Vergütungen, schuldet der Arbeitgeber keine Quellensteuern. In diesen Fällen muss der Mitarbeiter, sofern Steuerpflicht besteht, die Einkünfte ordnungsgemäss in der Steuererklärung deklarieren. Kommt der Mitarbeiter aber aus einem Land ohne Doppelbesteuerungsabkommen ist der Arbeitgeber verpflichtet, Quellensteuern abzuliefern. Sozialversicherung Die Schweiz hat mit gewissen Ländern Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen. Diese Länder sind jedoch nicht identisch mit jenen Ländern, mit denen die Schweiz Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat. Diese Abkommen sollen verhindern, dass bei Mitarbeitertransfers im Heimat- sowie im Gastland Sozialversicherungsbeiträge geschuldet werden. Um eine Weitergeltung der sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften des Heimatlandes zu erlangen, muss eine sogenannte Entsandtenbescheinigung (E101 oder Certificate of Coverage) eingeholt werden. Bei Entsendung in Nichtvertragsstaaten werden allenfalls die Sozialversicherungsbeiträge beider Staaten geschuldet. Optimierungsmöglichkeiten Der Arbeitgeber ist gut beraten, sich frühzeitig zu informieren, wie die Situation des Arbeitnehmers im anderen Land sein könnte, und sich Gedanken über die verschiedenen Möglichkeiten zu machen. So sollte feststehen, wie lange der Einsatz am anderen Arbeitsort geplant ist und ob es allenfalls auch Verzögerungen geben kann. Ebenso sollte er klären, wer letztlich die Kosten trägt und ob mit dem entsprechenden Land ein Doppelbesteuerungsabkommen und/oder ein Sozialversicherungsabkommen besteht. Zudem sollte er abklären, ob sich der Arbeitnehmer in der Schweiz abmelden soll oder nicht, wo die Familie verbleiben soll, und ob diese bezüglich Sozialversicherungen speziell geschützt werden bzw. weitere Kosten anfallen. Sofern der Aufenthalt länger als erwartet dauert, sollte der Anteil des 13. Monatslohnes oder Bonusanteil anteilsmässig sofort ausbezahlt werden. Der Arbeitnehmer verlässt sich auf den Arbeitgeber, dass dieser alle Vorkehrungen getroffen hat. Da diese Situation für viele Arbeitgeber komplex ist, empfiehlt sich in diesen Fällen, eine fachliche Unterstützung einzuholen. U Ausschnitt Seite 4 / 6

5 Seminar PwC führt am Dienstag: 2. September 2008, in Zürich ein Ganztagesserninar zum Thema «Akluelle Fragen für Arbeitgeber im Bereich Entöhnung und Sozialversicherungen sowie Grundlagen Quelleristeuern» durch.weitere Inforrnationen und Anmeldung bei: Selina Steinmann, selina.steinmannch.pwc.com, TeI Fragen Tony Brey Direktor Pricewaterhousecoopers Bircslrasse 160,8050 Zürich TeI tony.breych.pwccom.pwcch Porträt Tony Brey ist Direktor in der Abteilung Steuerund Rechtsberatung bei PricewaterhouseCoopers in Zürich. Ausschnitt Seite 5 / 6

6 Ausschnitt Seite 6 / 6

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