DAAD. Deutscher Akademischer Austausch Dienst German Academic Exchange Service

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1 DAAD Deutscher Akademischer Austausch Dienst German Academic Exchange Service Referat 331 Auslandsgermanistik und Deutsch als Fremdsprache DAAD Postfach D Bonn Ansprechpartnerin: Susanne Lüdtke Telefon: (0228) Fax: (0228) Unser Zeichen: 331pa Datum: 13. Dezember 2012 Ausschreibung: DAAD-Germanistikkonferenz September 2013 in Rio de Janeiro In Zusammenarbeit mit seinem Beirat Germanistik lädt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vom September 2013 ein zu einer brasilianisch-deutschen Begegnungstagung mit dem Thema Germanistik in Brasilien: Herausforderungen, Vermittlungswege, Übersetzungen Die Begegnungstagung möchte die Germanistik und ihre Teilfächer untereinander sowie zwischen den Ländern Brasilien und Deutschland ins Gespräch bringen und dabei auf möglichst breiter Basis aktuelle Probleme des Fachs vor dem Hintergrund folgender konzeptueller Überlegungen diskutieren: Die Begegnungen zwischen Sprachen und Kulturen werden gegenwärtig unter anderem mithilfe des Konzepts der Übersetzung beschrieben. Dieses Konzept erlaubt es, die Vermittlung nicht nur zwischen sprachlichen Differenzen, sondern die Begegnung unterschiedlicher Kulturen überhaupt zu beschreiben. Dabei wird nicht von einem gradlinigen, sondern von einem chaotischen Vorgang ausgegangen, der sowohl zu Differenzbildung als auch zu Verständigung, zu Verfremdung ebenso wie zu Vermittlung führen kann. Solch eine Wahrnehmung kann interessante Konsequenzen auch für die Germanistik haben. Fragen der Mehrsprachigkeit, der interkulturellen Kommunikation, Probleme der Fachsprachlichkeit, aber auch neue Methoden und Strategien der Vermittlung von Sprache und Kultur werden zu zentralen Themen. Neben Vorträgen eingeladener Plenarredner/-innen, die das Thema exemplarisch aus der Perspektive einzelner Teildisziplinen in den Blick nehmen sollen, sind sechs Sektionen vorgesehen, in denen auf der Grundlage kurzer Statements (max. 5 Minuten) aktuelle Herausforderungen erörtert und Konzepte erarbeitet werden sollen. Wir bitten interessierte Germanistinnen und Germanisten an brasilianischen Hochschulen um Vorschläge für mögliche Statements zu den unten beschriebenen Sektionen (max. eine halbe Seite/1.500 Zeichen). Bitte Kennedyallee 50, D Bonn, Tel. (0228) 882-0, Fax: (0228) ,

2 DAAD Seite 2 senden Sie diese zusammen mit einem knappen Lebenslauf unter Angabe ihrer Hochschule und Adresse an die folgende Anschrift: DAAD, Referat 331, z.h. Frau Susanne Lüdtke. Per oder per Fax Wissenschaftler/-innen aus verwandten Disziplinen können sich ebenfalls mit Vorschlägen um die Teilnahme bewerben. Einsendeschluss ist der 1. März Wenn Ihr Vorschlag im Rahmen des Tagungsprogramms berücksichtigt werden kann, wird der DAAD für Sie die Kosten für Anreise und Aufenthalt in Rio von 4.-7.September 2013 übernehmen. Die Entscheidung darüber wird Ihnen im Laufe des Juni 2013 mitgeteilt. Wir würden uns über Ihr Interesse an der Tagung und die Einreichung eines Beitragsvorschlags sehr freuen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Ursula Paintner Leiterin des Referats 331

3 DAAD Seite 3 Geplante Sektionen: I Übersetzung zwischen Sprachen und Kulturen Die Translationstheorie wurde im letzten Jahrzehnt zu einer Kulturtheorie ausgeweitet und begreift Kulturen als den Effekt von permanenten Übersetzungen, die durch interkulturelle Kontakte intensiviert werden und neue Sprachen und Literaturen erzeugen. Ein solches Konzept geht über die Übersetzung im engeren traditionellen Sinn hinaus und betont (inter-)kulturelle Kontextualisierungen, um die Funktionsstellen von Begriffen und Schlüsselkonzepten zu klären. In dieser Sektion sollen Übersetzen und Dolmetschen als Praxis ebenso zum Gegenstand werden wie die Übersetzung im Sinne der neueren und weiter gefassten interkulturellen Theorie. Es geht mithin sowohl um ganz praktische Fragen nach der Arbeit mit Übersetzungen, um Übersetzungsmethoden und -probleme als auch um interkulturelle Übersetzungen beispielsweise in literarischen Texten, um first contact, die Erfindung der Fremdheit und postkoloniale Fragestellungen. Hinzu kommt im spezifisch brasilianischen Kontext die Frage nach dem Einfluss von Migration auf kulturelle Prozesse. II Empirische Zugänge Empirische Analysen spielen in der Sprachwissenschaft, der Sprachlernund -lehrforschung und seit einigen Jahren auch in der Literaturwissenschaft eine immer zentralere Rolle. In den Sprachwissenschaften sind sowohl qualitative als auch quantitative Methoden integraler Bestandteil von Forschung und Lehre. Insbesondere die Korpuslinguistik, die Spracherwerbs- und Sprachlehrforschung, aber auch die Text- und Diskursanalyse sowie die Sozio- bzw. Varietätenlinguistik arbeiten bei der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen sozialer und kultureller Praxis und spezifischen kommunikativen Stilen und Formaten stark empirisch. Bei methodologischen und methodischen Verfahren kooperiert die Sprachwissenschaft folglich eng mit den Sozialwissenschaften (insbesondere der Soziologie und Psychologie), aber auch mit der Computerlinguistik und den Kommunikations- und Medienwissenschaften. In der Literaturwissenschaft gibt es neuere Zugänge in kulturvergleichender Leseforschung, in der quantitativen Textanalyse und Ansätzen der kognitiven Literaturwissenschaft. Damit verändert sich der Zuschnitt des Fachs Germanistik. Überschneidungen zwischen Literaturwissenschaft und Linguistik sowie Psychologie sind gesucht, nationalphilologische Grenzen lösen sich auf, während sich zugleich neue Verknüpfungen zwischen Fächern und Methoden öffnen. In der Sektion sollen neue empirische Ansätze und damit verbundene Fragestellungen und Erkenntnisinteressen diskutiert und auf ihre Relevanz für die Weiterentwicklung des Fachs hin geprüft werden. III Metaphern und Bildhaftigkeit Das lateinische Wort translatio verweist auf das griechische Wort für Metapher, die ja auch in einem genuinen Sinn eine Übertragungsleistung darstellt, denn etwas Unbekanntes wird durch etwas Bekanntes ersetzt, das dadurch seinerseits transformiert wird. Metaphern ermöglichen damit

4 DAAD Seite 4 auch einen Erkenntnisgewinn, der vielfach bildhafte Qualität besitzt. Erwünscht sind Beiträge, die sich mit der Erkenntnisleistung von Metaphern beschäftigen, mit dem Transfer von Metaphern in verschiedenen Textsorten des Alltags und der Literatur (z.b. zwischen Literatur und außerästhetischen Kontexten), oder die das Metaphernsystem von Autor/-innen untersuchen, zudem das Verhältnis von Text und Bild bzw. die Bildhaftigkeit von Texten. Zudem stellt sich die Frage nach der Übersetzbarkeit von Metaphern bzw. nach der Rückwirkung von Übersetzungen auf die Qualität sprachlicher und außersprachlicher Bilder. IV Fachsprache/Berufsorientierung Die Nachfrage nach Deutsch und anderen Sprachen orientiert sich nicht (mehr) nur an allgemeinsprachlichen Kompetenzen, sondern vielmehr verstärkt an sprachlichen Kompetenzen, die es erlauben, in akademischen und berufsbezogenen Kontexten sprachlich handlungsfähig zu werden, bzw. die konkret zu einem Studium in Deutschland befähigen. Gleichzeitig ist Deutsch mit Fach-, Studien- und Berufsbezug ein Thema für linguistisch orientierte Forschungen, für die Übersetzungswissenschaft, für die Sprachlern- und lehrforschung sowie für die Lehrerausbildung. Diese Arbeitsgruppe bietet die Möglichkeit, verschiedene (linguistische, kontrastive, translatorische, didaktische) Forschungsergebnisse sowie Erfahrungen und Konzepte aus Praxisfeldern miteinander in Beziehung zu setzen. Im Zentrum soll die Frage stehen, wie germanistische und andere auf das Deutsche bezogene Curricula ihre Absolventen dazu befähigen können, z.b. wichtige Merkmale fach- und berufsorientierter deutschsprachiger Texte zu erkennen, einzuordnen und für eine mögliche Lehre didaktisch aufzubereiten, in hochschul- und fachspezifischen Sprachkursen zu lehren, übersetzerisch oder als Sprachmittler in entsprechenden beruflichen Kontexten zu agieren, Lernmaterialien für das jeweilige Tätigkeitsfeld zu entwickeln, curricular gebundene formative Prüfungen zu erstellen. V Übergänge zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit Die Beziehung zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, zwischen gesprochener und geschriebener Sprache und damit verbundene Fragen nach medialer vs. konzeptueller Mündlichkeit/Schriftlichkeit, nach Übergängen zwischen und Übersetzungen von gesprochener in geschriebene Sprache wurden in den letzten Jahrzehnten nicht nur in der Germanistischen Sprachwissenschaft und Deutsch als Fremdsprache, sondern auch in den Kommunikations- und Medienwissenschaften heftig diskutiert. In dieser Sektion sind sowohl Beiträge erwünscht, die sich mit spezifischen kognitiven, interaktionalen und sozialen Aspekten von Mündlichkeit und Schriftlichkeit befassen, als auch Statements zu Studien, die sich Schnittstellen und Übertragungen bzw. Trans-

5 DAAD Seite 5 formationen zwischen mündlicher und schriftlicher Sprache widmen, u.a. in der Kommunikation in neuen Medien, im Bereich der digital literacy, in literarischen Texten, Sachtexten und Lehrwerktexten. Dabei können u.a. folgende Fragen angesprochen werden: An welchen kognitiven und interaktionalen Faktoren orientiert sich der mündliche bzw. schriftliche Sprachgebrauch? Welche unterschiedlichen sprachlichen Normen haben sich herausgebildet, wie haben sich diese gewandelt, welche Geltung haben diese für den DaF-Unterricht? Welche Probleme sind mit schriftorientierten Kategorien für die Analyse mündlicher Alltagssprache verbunden, welche Möglichkeiten bieten Analysekategorien der gesprochenen Sprache und Gesprächsforschung für literarische Texte? Welche Konsequenzen haben die Veränderungen im Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit durch die digitalen Medien für eine digital literacy? VI Fach- und wissenschaftspolitische Herausforderungen Weltweit differenziert sich das Bild von Germanistik/Deutschlandstudien immer weiter aus und steht damit sowohl in der Forschung als auch in der Lehre und der Entwicklung von Curricula vor neuen Herausforderungen. Speziell für Brasilien stellt sich die Frage, ob es einen gesellschaftlich begründeten Bedarf an Kompetenzen in der deutschen Sprache gibt, wie dieser Bedarf erhoben und beschrieben werden kann und wie man sich auch in der Germanistik darauf einstellen kann, etwa mit Blick auf die Lehrerausbildung. In der Sektion sollen vorrangig folgende Fragestellungen bearbeitet werden: Welche Motive bringen Studierende momentan für ein Studium der Germanistik mit? Werden Motive, Bedürfnisse und Bedarfslagen in den aktuellen und/oder neueren Curricula berücksichtigt? Wie geschieht dies? In welchem Zusammenhang stehen Deutsch und andere Fremd- und Zweitsprachen, insbesondere das Englische und das Spanische? Wie können sich die Germanistik und der Deutschunterricht darauf einstellen? Gibt es Forschungsfragen, die aktuell in dem Zusammenhang eine sprachenpolitische und bildungspolitische Relevanz besitzen? Wie können solche Forschungen auch innerhalb der Germanistik gefördert werden?

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