TIERE MENSCHEN SENSATIONEN

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1 TIERE MENSCHEN SENSATIONEN Gemälde und Zeichnungen des Sterl-Schülers Franziskus Dellgruen ( ) Sonderausstellung im Robert-Sterl-Haus 13. Juli bis 7. September 2014

2 Nackte im Robert-Sterl-Haus! Das gab es seit der Sonderausstellung des Sterl-Schülers Otto Griebel im Jahr 2005 wohl nicht mehr zu sehen. Nun wird mit Franziskus Dellgruen ( ) ein weiterer Sterl-Schüler vorgestellt, der sich ebenfalls erotischen Darstellungen widmete. Diese Sonderausstellung fügt sich in eine Reihe von Präsentationen bekannter oder weitgehend vergessener Sterl-Schüler: 2012 Gertrud Schäfer ( ); 2010 Curt Grosspietsch ( ); 2007 Wilhelm Rudolph ( ); 2008 Otto Griebel ( ); 2004 Heribert Fischer-Geising ( ); 2003 Erich Fraaß ( ); 2002 Fritz Schulze ( ); 2001 Leonore Kehrer ( ). Der Maler und Grafi ker Franziskus Dellgruen (auch: Franz Dellgrün) stammt aus Köln, wo er von 1917 bis 1922 die Kunstgewerbeschule besuchte. Von 1923 bis 1927 studierte er an der Dresdner Kunstakademie, spätestens seit 1926 als Meisterschüler bei Robert Sterl. Zeitweilig war er hier auch Gaststudent bei dem Expressionisten Oskar Kokoschka. Dellgruen experimentierte mit verschiedenen Stilrichtungen anfangs impressionistisch, später teilweise expressiv sowie an Picasso, Beckmann, Klee oder Léger erinnernd und erreichte dabei ein hohes Maß persönlicher Ausdruckskraft: neben realistischen Stillleben und Tierdarstellungen werden abstrahierende Akte und Karikaturen, sowie allerlei Humoristisches aus einer Privatsammlung gezeigt, die in den vergangenen Jahren aus dem Nachlass erworben wurde. Die meisten Werke sind undatiert. Portraitkarikatur einer Dame mit Hut, Tusche auf Papier, gekratzt, 150 x 85 mm, undatiert (1930/40er Jahre) Titelbild: Denkmal mit weiblicher Statue, Aquarell und Tusche über Bleistift, 180 x 327 mm, undatiert (1940/50er Jahre)

3 Selbstporträt Franziskus Dellgruen, Mischtechnik, 61 x 46 cm, undatiert (um 1950) Die Bildwelt Dellgruens erscheint heiter: Er zeigt neben lustigen Tieren und farbenfrohen Blumen vor allem aktive Menschen beim Sport oder Liebespaare. Seine Aktdarstellungen Frauen wie Männer sind dabei keinesfalls obszön oder anstößig, sondern vielmehr skizzenhaft und wirken zuweilen wie freundliche Karikaturen, dem Leben zugewandt: Es war ein großer Wille in mir und ein tiefer Glaube an das Leben. Dieses Leben das so gut zu uns sein [kann]. Denn Liebe ist mit jeder Faser meines Daseins und diese Liebe ist wohl das, was ich auszudrücken mich bemühe und von der ich immer wieder getrieben werde. (Lebenserinnerungen, um 1955) Doch diese Heiterkeit seiner Kunst steht im Widerspruch zum künstlerischen Werdegang Dellgruens: Er erhielt 1927 das

4 Jubiläumsstipendium der Stadt Dresden und das Sächsische Innenministerium erwarb sein noch ganz impressionistisches Ölgemälde Erzgebirgsland schaft desselben Jahres (heute: Galerie Neue Meister, Dresden). Einzelne Werke befi nden sich auch in der Städtischen Galerie Dresden. Nach einem Studienaufenthalt in Italien ging er 1928 nach Berlin, wo er bis 1931 als Meisterschüler bei dem Impressionisten Max Slevogt studierte. Danach lebte Dellgruen als freischaffender Künstler in Berlin, wo er sich regelmäßig an Kunstausstellungen beteiligte bis 1933 und dann wieder nach dem Krieg. Ich stellte bis 33 in den üblichen Ausstellungen aus. Danach wurden meine Arbeiten abgelehnt. Ich arbeitete, glaube ich, mit ganz guten Resultaten an mir selbst. 42 wurde ich Soldat. Sah Russland und weiß heute dass es die tiefste Spanne meiner Seele freilegte. 45 heimgekehrt besaß ich nichts mehr. Aber es war ein großer Wille in mir und ein tiefer Glaube an das Leben. (Lebenserinnerungen, Manuskript um 1955) Beinahe sein gesamtes Frühwerk wurde im Weltkrieg 1943 zerstört. Nach Kriegserfahrungen und -gefangenschaft arbeitete der introvertierte Künstler weiter freischaffend in West-Berlin und beteiligte sich wieder an Ausstellungen. Wie er seinen Lebensunterhalt fi nanzierte, ist unbekannt. Der West- Berliner Senat erwarb wahrscheinlich im Rahmen der Künstlerförderung noch in den 1950er Jahren wenige Werke Dellgruens. Liebespaar, Bleistift, Tuschfeder, Tusche und Kratzspuren, 302 x 440 mm, undatiert (1930/40er Jahre) Roter Frauenkopf, Tusche und Aquarell, 162 x 188 mm, undatiert (1950er Jahre)

5 In der Zeit von NS-Diktatur und Krieg war seine vielversprechende Karriere unterbrochen. Der in den Stilen der klassischen Moderne arbeitende Künstler konnte mit seinen gegenständlichen Motiven nach 1945 nicht mehr an frühe Erfolge anknüpfen in dieser Zeit war im Westen eine ungegenständliche, abstrakte Malweise gefragt und Künstler wie er arbeiteten in einer wenig beachteten Nische. So klagt Dellgruen in einem sehr persönlichen Brief 1952: Wie einsam ich im Leben stehe, (...) Ich befi nde mich in einer unglücklichen Situation. Für die Allgemeinheit sind meine Arbeiten zu anspruchsvoll. Um als etwas Besonderes zu gelten sind sie noch zu unpersönlich. Dennoch gibt er den Mut und den Glauben an seine Kunst nicht auf und arbeitet beharrlich weiter, denn er hat zu einer versöhnlichen Lebensweisheit gefunden: Nur das Erkennen des Daseinswunders in unserem eigenen Leben überschüttet uns mit der Überfülle des Glücks. Das Leben ist jedem das wert, als was er es erkennt. (...) Jeden Tag eine kleine Freude ist mein Prinzip, sei es der Blick in ein Kinderauge, der Duft einer Blume, das Mitziehen mit einer Wolke (...) [Abschrift eines Brief von Franziskus Dellgruen vom ] Und so hat sich Franziskus Dellgruen in der Welt des Theaters und des Zirkus sehr wohl gefühlt. Auch hatte er eine Dauerkarte für den Zoo und trat zuweilen sogar selber als Clown auf. Gorillababy, Tusche auf Papier, 220 x 144 mm undatiert (1950er Jahre)

6 TIERE MENSCHEN SENSATIONEN Gemälde und Zeichnungen des Sterl-Schülers Franziskus Dellgruen ( ) Sonderausstellung im Robert-Sterl-Haus 13. Juli bis 7. September 2014 Informationen zu weiteren Veranstaltungen und Anmeldungen für Gruppen und Führungen: Robert-Sterl-Haus Naundorf Sammelstiftungen des Bezirkes Dresden Robert-Sterl-Straße Struppen / Ortsteil Naundorf (Sächsische Schweiz) Tel.: Museum geöffnet 1. Mai bis 31. Oktober Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen 10 bis 17 Uhr Dresden Stadt Wehlen Pirna S-Bhf. Wehlen Anreise: mit dem PKW über die B 172 Struppen Struppen Naundorf Stadt Wehlen, mit der S-Bahn (S1), dem Schiff oder über den Elberadweg bis S-Bf. Stadt Wehlen (Parkplatz). Vom S-Bf. Stadt Wehlen etwa 10 min entlang der asphaltierten Straße in Richtung Naundorf der Beschilderung folgen. Sterl-Haus Naundorf Bielatal Königstein Unser Museum wird gefördert durch den Kulturraum Meißen - Sächsische Schweiz - Osterzgebirge.

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