Netzwerke. Sicherheit. Siegmund Dehn. 9. Ausgabe, März 2014 ISBN NWSI

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1 Netzwerke Siegmund Dehn 9. Ausgabe, März 2014 Sicherheit ISBN NWSI

2 8 Netzwerke - Sicherheit Der beste Schutz bleibt allerdings nach wie vor Ihre Vorsicht beim Besuch von Websites und bei der Installation neuer Software bzw. beim Bestätigen von Dialogboxen. 8.4 Was ist Phishing? Passwortdiebstahl per Internet Eine weitere kriminelle Methode, sich auf Kosten von Computernutzern zu bereichern, ist unter dem Namen Phishing (ausgesprochen als: "fisching") bekannt. Der Begriff kommt vom englischen "Fishing", wobei das Ph am Anfang des Wortes wohl auf die Verknüpfung von "Password" und "Fishing" zurückzuführen ist. Beim Phishing handelt es sich um eine spezielle Form des elektronischen Trickbetrugs, die als Social- Engineering-Angriff eingestuft werden kann. Hierbei versucht der Angreifer, das Opfer durch offiziell aussehende s und Webseiten zur Preisgabe von sensitiven Daten zu verleiten. Daten, die beim Phishing begehrt sind: Online-Banking-Zugangsdaten Anmeldeinformationen für Auktionshäuser (ebay etc.) Anmeldedaten für Online-Zahlungsdienste (PayPal etc.) Accounts für soziale Netzwerke (z. B. Facebook, Twitter oder XING) Die Phishing-Attacken haben signifikant zugenommen. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass es bei dieser Variante des Social Engineerings wesentlich leichter ist, sich Geld (oder Informationen, die einen geldwerten Vorteil bringen) zu erschwindeln, als z. B. mit früher genutzten 0900-Dialer-Betrugsmaschen oder Ähnlichem. Obwohl die Methoden im Einzelfall variieren können, laufen Phishing-Attacken immer nach einem ähnlichen Muster ab: Der Phisher sammelt möglichst viele -Adressen seiner Opfer, ähnlich wie ein Spammer. Vermutlich werden Datenbanken mit -Adressen auch über dieselben Quellen bezogen. Es wird eine verfasst, die den Empfänger auffordert, sich aus einem fingierten Grund (gerne werden hier Sicherheitsprobleme oder Aktualisierungen angeführt) bei der Onlinebank, dem Auktionshaus oder der jeweiligen Partei, deren Zugangsdaten gestohlen werden sollen, anzumelden. Diese gleicht in ihrem äußeren Erscheinungsbild einem offiziellen Schreiben der Bank oder einer anderen Institution oder Firma. Es wird ein Link in die Mail eingebettet, den der Benutzer aktivieren soll, um auf die Log-in-Seite der Bank zu kommen. Dieser Link führt aber nicht auf die Seite der echten Bank, sondern auf einen Server, der unter der Kontrolle des Phishers steht. Dort wurde das optische Erscheinungsbild der Bank oder der Institution detailgetreu nachgebildet. Klickt das Opfer auf den Link und gibt seine Zugangsdaten auf der gefälschten Website ein, so gelangt der Phisher in den Besitz dieser Daten und kann sich im Namen des Opfers bei dessen Online-Account anmelden und z. B. Transaktionen oder andere Aktivitäten veranlassen. Hat ein Phisher auf diese Weise die Zugangsdaten für einen fremden Online-Account erlangt, ist es ihm möglich, Überweisungen vom Konto des Opfers auf das eigene Konto vorzunehmen oder in dessen Namen betrügerische Auktionen zu veranlassen. Damit der Phisher möglichst lange ungestört über den gestohlenen Account verfügen kann, ist es auch nicht unüblich, dass das Passwort des Accounts geändert wird, um den rechtmäßigen Besitzer von einem Zugang und somit von einer vorzeitigen Entdeckung der illegalen Aktionen auszuschließen. Damit Links in gefälschten s nicht so leicht als Fälschungen zu erkennen sind, werden mehrere Methoden benutzt, um die wahre Herkunft einer URL zu verschleiern. Würde der offizielle Link der Sparkasse Regensburg beispielsweise auf lauten, so wäre eine Fälschung mit zu leicht zu erkennen. Bessere Fälschungen könnten sein: 64 HERDT-Verlag

3 Spyware, Phishing und Browser Hijacking Täuschend ähnliche, aber tatsächliche anders lautende Domains Der Original-Domänenname ist hier aufgrund der Konstruktion der URL nur ein Benutzername, der eigentliche Server ist Absichtliches Einbringen von Rechtschreibfehlern, die nicht sofort auffallen statt Erkennungsmerkmale von Phishing-Mails Phishing-Mails sind leicht zu erkennen, wenn Sie mehrere der folgenden Merkmale in einer Mail vorfinden: Sie werden aufgefordert, (meist dringend) eine Anmeldung vorzunehmen. Oft werden Sicherheitsargumente vorgebracht. Die Mail erhält einen Link, der angeklickt werden soll, oder hat ein Programm beigefügt, welches die Zugangsdaten von Ihnen anfordert. Speziell im deutschen Online- Banking werden Sie explizit zur Eingabe von TAN-Nummern aufgefordert. Im Anschreiben wird Ihnen mit Accountsperrung gedroht, falls Sie die "Aktualisierung" etc. nicht unverzüglich vornehmen. Eine Phishing Mail Sie werden im Anschreiben nicht persönlich angesprochen. Ihre echte Onlinebank würde Ihren Vor- und Nachnamen kennen. Diese Phishing-Attacken wurden jedoch zunehmend durch personalisiertes Phishing abgelöst, bei dem das Opfer persönlich und individuell angesprochen wird (sog. "Spear-Phishing"). Rechtschreib- oder Grammatikfehler in der Mail. Da viele Phisher im Ausland (China, Ghana, Russland usw.) sitzen und von dort aus ihre Mails verteilen, ergeben sich bei der automatisierten Übersetzung ins Deutsche teilweise seltsame Redewendungen und eine ungewöhnliche Wortwahl oder unübliche grammatikalische Konstellationen: "spezielle Form der Autorisation ausfüllen", "Missetäter", "Tasten Sie Ihr Passwort ein". Filtern von Phishing Auch wenn das Wissen und die Erfahrung des Benutzers beim Erkennen von Phishing-Mails noch die beste Abwehr darstellt, gibt es einige technische Methoden, um die Ausbreitung von Phishing-Mails einzudämmen bzw. zu verhindern. Spam-Filter: Da Phishing-Mails genauso unerwünscht sind wie Werb s, werden die Server, von denen aus Phishing-Mails versandt werden, früher oder später über DNS-Blacklisten gesperrt. Ein Spam- Filter, der diese Blacklisten nutzt, sortiert dann auch von vornherein diese Phishing-Mails aus. Selbstlernende Bayes-Filter haben hier einen Vorteil: Sobald im Bayes-Filter die typische Struktur und Wortwahl einer Phishing-Mail erfasst ist, kann der Bayes-Filter Phishing-Mails einfach als Spam klassifizieren und aussortieren. Restriktivere -Software: Aktuelle -Clients haben einen speziellen Schutz vor Phishing-Mails implementiert, der den Benutzer warnt, wenn er auf einen Link in einer klickt, der zu einem anderen Ziel führt als derjenige, der in der angezeigt wird, oder wenn der Link UTF8-codiert wurde (ein Format zur Darstellung von Unicode-Zeichen mit einem 8bit-ASCII-Zeichensatz), um den eigentlichen Inhalt für menschliche Leser zu verschleiern. HERDT-Verlag 65

4 8 Netzwerke - Sicherheit Restriktivere Einstellungen in den Webbrowsern oder alternative Webbrowser: Um Verschleierungsversuche durch ähnliche Zeichen in Domainnamen zu verhindern, haben Browser einen Schutzmechanismus implementiert, falls in einem Domänennamen ähnlich dargestellte Zeichen verwendet werden. Als Beispiel soll dienen, wobei das zweite a ein kyrillisches Unicode-Zeichen ist und für den Leser optisch von dem lateinischen a nicht zu unterscheiden ist. Dieser Link führt somit zu einer anderen Domäne als der, die der Besucher annimmt. Ein aktueller Webbrowser warnt Sie beim Aktivieren des Links vor dem Besuch einer Webseite, wenn in der URL ein Zeichen verwendet wird, das optisch gleichartig dargestellt wird, weil das Erscheinungsbild nicht mit dem Zeichencode des Domänennamen übereinstimmt (vgl. Kap. 19). 8.5 Anti-Spyware einsetzen Den PC wieder benutzbar machen Sind auf einem PC erst einmal zweifelhafte Programme installiert worden, bleiben diese in der Regel nicht lange allein. Entweder werden aufgrund des Surfverhaltens des Benutzers noch weitere Spywareprogramme und sonstige "Tools" installiert, oder die bereits installierte Software entwickelt ein gewisses Eigenleben und installiert selbsttätig weitere Software nach, auf die der Benutzer nie hingewiesen wurde. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Beispielinstallation, die schon in einem Screenshot ein paar Seiten vorher abgebildet ist - aus der Sicht des Benutzers wurden 'nur' 2 Filesharingprogramme und 1 Bildschirmschoner installiert sowie nach einem Crack gesucht. Analog zu Antivirensoftware gibt es inzwischen auf dem Markt zahlreiche Produkte, die sich zur Aufgabe gemacht haben, einen befallenen PC von Spyware und verfolgenden Cookies zu befreien. Diese Funktion war anfänglich aufgrund juristischer Auseindersetzungen mit Spyware-Herstellern nicht in der Antivirensoftware integriert worden. Inzwischen hat sich diese Situation aber grundlegend geändert und fast alle Hersteller von Antivirenprogrammen bieten integrierte Spyware-Signaturen an. Wenn Sie grundsätzlich planen, Ihren Computer von Spyware zu befreien, bedenken Sie, dass Sie eventuell Gratis-Software installiert haben könnten, mit der diese Spyware gekoppelt war. Rein rechtlich gesehen dürften Sie diese Software nur benutzen, solange Sie auch die Werbeeinblendungen und die Überwachung der Spyware dulden. Einige werbefinanzierte Programme sind sogar so entworfen worden, dass sie nur funktionieren, solange sich die Spyware noch auf dem PC befindet. Auf dem Markt ist sehr gute kostenlose Anti-Spyware erhältlich, es gibt aber auch einige Softwarefirmen, die im kommerziellen Umfeld Anti-Spyware-Lösungen vertreiben. Sollten Sie auf der Suche nach einer Anti- Spyware-Lösung sein, so können Sie hier dieselben Auswahlkriterien anlegen wie bei der Anschaffung einer bestimmten Antivirenlösung. Microsoft Security Essentials Der Hersteller Microsoft bietet mit "Microsoft Security Essentials" (MSE) ein kostenloses Tool zum Erkennen von Malware sowie Ad- und Spyware an. MSE ist für legitimierte 32-Bit- bzw. 64-Bit-Versionen ab Windows XP mit Service Pack 2 verfügbar. Es werden dabei einerseits automatisch Dateioperationen durch einen On- Access-Scanner überwacht und andererseits können manuelle Prüfungen durch den On-Demand-Scanner ausgelöst werden. Fehler, die der On-Access-Scanner erkennt, werden über ein Popup angezeigt. Die dabei genutzten Signaturen zum Erkennen der Malware stammen von Microsofts Business-Produkt Forefront Client Security. Neben MSE verfügt Mirosoft über das Tool Microsoft Defender. Microsoft Defender stellt jedoch nur einen wirksamen Schutz vor Ad- und Spyware dar und wird bei der Installation von MSE unter Vista/Windows7 automatisch deaktiviert. Seit Windows 8 ist das Defender-Tool vollständig in MSE integriert worden. 66 HERDT-Verlag

5 Spyware, Phishing und Browser Hijacking 8 Startseite von Microsoft Security Essentials Die einfach gehaltene Oberfläche mit den wenigen Registerkarten gibt auch dem unerfahrenen Benutzer keine Rätsel auf. Über das Register Startseite können On-Demand-Scans gestartet werden. Diese sind jedoch (bei Nutzung der vollständigen Scans) sehr performance- und zeitintensiv. Dies kann jedoch über das Register Einstellungen beeinflusst werden. Erfahrene Nutzer finden hier auch detaillierte Einstellungsmöglichkeiten, z. B.: für manuelle Scans, Standardreaktionen, Optionen für den On-Access-Scanner oder MAPS (Microsoft Active Protection Service) Mittels MAPS werden verdächtige Dateien anonym an den "Dynamic Signature Services" von Microsoft gesendet, welcher weitere Analysen vornimmt. Spybot - Search & Destroy Spybot - Search & Destroy ist ein Klassiker unter den Antivirenprogrammen und über die Website http.//www. safer-networking.org kostenlos verfügbar. Neben der Erkennung und Vorbeugung verfügt Spybot über diverse interessante Tools, welche teilweise kostenpflichtig sind. Starten Sie nach dem Download des aktuellen Programms die Installation wählen Sie neben der Sprache die angebotenen Optionen aus. Nach Abschluss der Installation können Sie Spybot Search & Destroy sofort ausführen. Fertigstellung des Spybot-Assistenten HERDT-Verlag 67

6 8 Netzwerke - Sicherheit Bevor Sie mit der Überprüfung des Computers beginnen, klicken Sie auf Aktualisieren, um die aktuellen Signaturen zu laden. Nachdem Spybot seine Informationen aktualisiert hat, können Sie über den SystemScan das System auf Malware überprüfen. Über Immunisierung bietet Ihnen Spybot eine Möglichkeit, sowohl das komplette System als auch nur die Benutzerkontensteuerung gegen unbeabsichtigte Änderungen zu schützen. Hauptmenü Spybot Nach Ende des System-Scans werden die Ergebnisse der erkannten Mal-Spyware mit Pfadangabe, klassifizierter Bedrohungsstärke und Dateityp aufgelistet. Sofern einzelne Dateien keine Bedrohung darstellen, können Sie diese durch Entfernen des Häkchens abwählen und die Reinigung über Ausgewähltes beheben starten. Gefundene Mal- und Spyware 68 HERDT-Verlag

7 Spyware, Phishing und Browser Hijacking 8 Ad-Aware Ad-Aware (http://www.lavasoft.com/) ist ein schon sehr lange auf dem Markt verfügbares Produkt gegen Spyware und Malware. Die ursprüngliche Freeware wird inzwischen in mehreren Leistungsklassen angeboten, von denen immer noch eine kostenlose Variante (Ad-Aware Free Antivirus+) erhältlich ist, die nur für den nichtkommerziellen Gebrauch lizenziert ist. Heimanwender, die einen größeren Funktionsumfang wünschen, oder Firmen können kostenpflichtige Lizenzen erwerben. Bei der Installation ist es Ihnen freigestellt, ob Sie über den Wizzard den Google-Chrome-Webbrowser installieren möchten. Kombination von Anti-Spyware Wie auch bei Virenscannern haben Sie bei Anti-Spyware keine Garantie, dass Sie mit einem Durchlauf sämtliche Spyware, die sich auf einem PC befindet, erkennen und entfernen können. Je nach Aktualität der Signaturen und der Spyware kann es vorkommen, dass Löschungsversuche fehlschlagen, weil die Spyware gezielte Gegenmaßnahmen gegen Anti-Spyware implementiert hat (quasi eine Anti-Anti-Spyware-Funktion) oder die Anti-Spyware den Schädling gar nicht erst findet. Um Ihre Chancen zu erhöhen, können Sie mehrere Anti-Spywareprogramme parallel benutzen, aber nicht gleichzeitig auf Verhindern neuer Infektionen konfigurieren, weil sich sonst die Spyware-Scanner gegenseitig blockieren könnten. Dies gilt übrigens auch für Virenscanner. Es sollte immer nur ein Scanner als aktiver auf dem Rechner installiert sein. Allerdings ist der beste Schutz nach wie vor, Spyware gar nicht erst auf Ihren Computer zu lassen. Da viele Spywareprogramme speziell auf die Lücken des Internet Explorers ausgelegt sind, wäre eine Alternative, einen anderen Webbrowser zu benutzen, der ein besser konfigurierbares Sicherheitskonzept bietet (vgl. Kap. 19). 8.6 Übung Fragen zu Spionagemethoden Übungsdatei: -- Ergebnisdatei: uebung08.pdf Was ist Phishing? Welche dieser Aussagen treffen auf Adware und Spyware zu? a b c Ausschließlich Spyware sammelt Daten über den Benutzer. Der Begriff "Adware" steht für Software, die kostenlos ist und sich über Werbeeinblendungen finanziert. Adware und Spyware sammeln personenbezogene Daten. Was trifft auf Browser Hijacking zu? a b c d Browser Hijacking betrifft ausschließlich den Internet Explorer. Die Kontrolle über den eigenen PC geht verloren. Der Browser wird so manipuliert, dass die Startseite nicht mehr die eingestellte Original-Startseite darstellt. Der Neustart des Browsers beendet das Browser Hijacking. HERDT-Verlag 69

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