Zwei Versorgungsstudien zur Verbesserung der Betreuung chronisch Kranker in Forschungshausarztpraxen

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1 Zwei Versorgungsstudien zur Verbesserung der Betreuung chronisch Kranker in Forschungshausarztpraxen IQuaB: IQuaB Improving Quality by Benchmarking PRIMA: Polypharmacy: Reduction of Inappropriate Medication and Adverse Drug Events in older patients: a Randomized Controlled Trial

2 IQuaB: Optimierung der Versorgung chronisch Kranker durch Benchmarking, Self-audit und Vernetzung von Hausärzten im regional-europäischen Kontext Ausgangslage: Die Zahl chronisch Kranker nimmt dramatisch zu. Die medizinische Versorgung von PatientInnen mit Diabetes mellitus, Hypertonie, koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und COPD soll unzureichend sein - Nur 27% der Hypertoniker ist gut eingestellt; 55% der Diabeitker hat HbA1c-Werte über 7,0%; Nur 14% der Patienten mit KHK erreicht die international empfohlenen LDL-Werte Die Hausärzte arbeiten am Rande der Belastbarkeit. Es gilt also, nach neuen Wegen zu suchen, um die Versorgung chronisch Kranker nachhaltig zu optimieren.

3 IQuaB: Optimierung der Versorgung chronisch Kranker durch Benchmarking, Self-audit und Vernetzung von Hausärzten im regional-europäischen Kontext Ziele: Die medizinische Versorgung chronisch Kranker in Salzburg und Südtirol zu optimieren. durch leitliniengerechte Diagnostik, Weiterbetreuung und medikamentöse Therapie von 1. Herzinsuffizienz, 2. arterieller Hypertonie, 3. Diabetes mellitus, 4. koronarer Herzkrankheit, 5. cerebrovaskulärer Erkrankung, 6. peripherer arterieller Verschlusskrankheit, 7. Vorhofflimmern und 8. chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) Wichtige Teilschritte: das länderübergreifende regionale Benchmarking, die länderübergreifende Vernetzung von Arztpraxen in Qualitätszirkeln, und der Systemvergleich zwischen Südtirol und Salzburg

4 IQuaB: Optimierung der Versorgung chronisch Kranker durch Benchmarking, Self-audit und Vernetzung von Hausärzten im regional-europäischen Kontext Methoden: Systematische Erfassung von Versorgungsdaten chronisch Kranker in circa 60 allgemeinmedizinischen Ordinationen (15 Pongau, 15 Pinzgau, 30 Südtirol) regionaleuropäisches Benchmarking hinsichtlich der Versorgungsqualität durch Vergleich der Versorgungsdaten mit zuvor erarbeiteten Qualitätsindikatoren. Diese wurden gemeinsam mit Allgemeinmedizinern aus Salzburg und Südtirol definiert. Durch unmittelbares Feedback an die versorgenden Hausärzte Self-audit mit Qualitätsüberprüfung der eigenen Tätigkeit und entsprechendem Anreiz, diese zu verbessern. die Versorgungsqualität des einzelnen Arztes wird zur Versorgung in der Gruppe aller teilnehmenden Südtiroler und Salzburger Ärzte verglichen. Schließlich erfolgt ein Vergleich der Versorgungsdaten aus Südtirol und Salzburg.

5 Welche chronische Krankheiten? 1. Diabetes mellitus Typ II (DM II) 2. Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) 3. Arterielle Hypertonie (AH) 4. Koronare Herzkrankheit (KHK) 5. Chronische Herzinsuffizienz 6. Cerebrovaskuläre Erkrankung (Iktus, TIA) 7. Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pavk) 8. Vorhofflimmern (VHF)

6 VERSORGUNGSINDIKATOREN DM COPD AH KHK HI IKTUS PAVK VHF nr. Prävalenz x x x x x x x x 8 BMI in den letzten 15 Monaten x x x x x x 6 Rauchgewohnheiten x x x x x x 6 RR-Messung in den letzten 9 Monaten x x x x x x x 7 RR < 140/90 letzte Messung x x x x x x x 7 Kreatininbestimmung in den letzten 15 Monaten x x x x 4 LDL in den letzten 15 Monaten x x x x x 5 LDL <100mg/dl letzte Bestimmung x x x x 4 Kein Statin bei LDL=>100 mg/dl x x x x 4 ACE-Hemmer/Sartane x x x 3 Verhältnis ACE-Hemmer/Sartane x x x 3 NüchternbBZ in den letzten 15 Monaten x x x x 3 HbA1c Bestimmung in den letzten 9 Monaten x 1 HbA1c < 7,0% x 1 Mikroalbuminurie in den letzten 15 Monaten x 1 Fundus-Untersuchung in den letzten 27 Monaten x 1 Beurteilung der Füße mit arteriellen Pulsen in den letzten 15 Monaten x 1 Metformin x 1 Kein Metformin bei HbA1c=>7,0% x 1 Grippeimpfung in den letzten 15 Monaten x x x x 4 Raucher x x x 3 Antiaggregantien x x x 3 CHADS 2 -Score + OAK/ASS ja /nein 3 1 Mindestens ein EKG x x 2 Mindestens ein Echokardiogramm x 1 NYHA in den letzten 9 Monaten x 1 BNP ein Mal x 1 Mindestens 1 Cardiologische Visite und/oder 1 BelastungsEKG x x 2 ß-Blocker x x 2 COPD Stadium I Bronchodilatator shortacting x 1 COPD Stadium II Bronchodilatator longacting x 1 COPD Stadium III inhalative Kortikoide x 1 COPD Stadium IV Sauerstoff x 1 Mindestens eine Spirometrie x 1 Winsor-Index x 1 Echo-Doppleruntersuchung der arteriellen Beingefäße x 1 Mindestens ein Echo-color-doppler der Halsgefäße x

7 Nr. Versorgungsindikatoren DM2 Einzutragende Daten 1 Prävalenz x ICD9: 250% 2 BMI in den letzten 15 Monaten x Größe und Gewicht 3 Rauchgewohnheiten x Rauchgewohnheiten 4 RR-Messung in den letzten 9 Monaten x 5 RR < 140/90 in den letzten 9 Monaten x Blutdruck 6 NüchternBZ in den letzten 15 Monaten x Blutzucker 7 HbA1c Bestimmung in den letzten 9 Monaten x 8 HbA1c < 7,0% letzte Bestimmung x HbA1c 9 Kreatininbestimmung in den letzten 15 Monaten x Kreatinin 10 Mikroalbuminurie in den letzten 15 Monaten x Mikroalbuminurie 11 Fundus-Untersuchung in den letzten 27 Monaten x Fundus oculi o. Augenvisite 12 Beurteilung der Füße inklusive arter. Pulse in den letzten 15 Monaten x STATUS Diabetischer Fuß 13 LDL in den letzten 15 Monaten x 14 LDL <100mg/dl letzte Bestimmung x LDL 15 Kein Statin bei LDL=>100 mg/dl x 16 ACE-Hemmer/Sartane in den letzten 5 Monaten x 17 Verhältnis ACE-Hemmer/Sartane x Therapie 18 Metformin in den letzten 5 Monaten x 19 Kein Metformin bei HbA1c=>7,0% x 20 Grippeimpfung in den letzten 15 Monaten x Grippeimpfung

8 Ergebnisse Schließlich nahmen 36 Hausärzte in Südtirol und 23 in Salzburg teil. Im Sommer 2012 wurde die Base-line- Erhebung der Indikatoren durchgeführt, in Südtirol über eine eigene Software, die zugleich die Ärzte auch telematisch vernetzte. Die Software errechnete auch die Durchschnittswerte aller Indikatoren und ermöglichte den Teilnehmern sich mit den vorgeschlagenen Referenzwerten und mit den anderen Kollegen in tempo reale zu vergleichen. In Salzburg hingegen war aufgrund der Heterogenität der verwendeten Praxisprogramme und deren eingeschränkte Möglichkeiten zur Datenextraktion eine händische Durchführung von Datenerhebung und Benchmarking erforderlich. Im Juni 2013 erfolgte die 2. offizielle Erhebung. Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen.

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12 Eintragung der Dokumentationsindikatoren 2013

13 Qualität der Prozessindikatoren

14 Qualität der Ergebnisindikatoren 80,0 70,0 60,0 50,0 40,0 30,0 20,0 10,0 0, Ergebnisindikatoren Durchschnitt Medianwert

15 Diabetes-Prävalenz im Vergleich

16 HbA1c-Bestimmung in den letzten 9 Monaten

17 HbA1c-Bestimmung in den letzten 9 Monaten

18 HbA1c < 7%

19 HbA1c < 7%

20 Diskussion Die Qualität der Dokumentation hat sich nach fast 1. Jahr deutlich gebessert Auch die Prozessindikatoren zeigen einen positiven Trend Die Ergebnisindikatoren muss man aber immer noch mit großem Vorbehalt ansehen Es fällt die große Variabilität unter den Kollegen auf, die aber auch eine abnehmende Tendenz zeigt.

21 07/08/2013 Giuliano Piccoliori AcAMG/SAkAM 25 Polypharmacy: Reduction of Inappropriate Medication and Adverse Drug Events in older patients: a Randomized Controlled Trial P R I M A Polypharmakotherapie: Reduktion von unangemessenen Therapien und unerwünschten Nebenwirkungen bei älteren Patienten: eine kontrollierte randomisierte Studie

22 07/08/2013 Giuliano Piccoliori AcAMG/SAkAM 26 Hintergrund Der Gebrauch vieler Medikamente zugleich (Polypharmakotherapie) ist ein häufiges Problem in der Behandlung von chronisch Kranken. Die Polypharmakotherapie bei älteren Patienten führt vermehrt zu Wechselwirkungen, unerwünschten Nebenwirkungen von Medikamenten, stationären Aufnahmen und steigenden Kosten für das Gesundheitssystem. Die Hospitalisierungsrate durch unerwünschte Medikamentenreaktionen variiert aufgrund von internationalen Studien zwischen 2,4% und 16,6% je nach Altersklasse. Aus internationalen Daten über die Polypharmakotherapie geht hervor dass die durchschnittliche Medikamentenanzahl pro Person im Alter 7,5 beträgt.

23 Hintergrund In 10 Jahren hat sich der Medikamentenverbrauch in Italien verdoppelt. Ein Großteil von Medikamenten der Polypharmakotherapie wird ohne nachgewiesenen Nutzen verschrieben. In einer Pilotstudie ist man bei über 70% der Polypharmakotherapie-Patienten auf mindestens ein Medikament ohne wissenschaftliche Evidenz gestoßen und bei über 80% der Patienten auf mindestens eine potentiell gefährliche Medikamenten-Interaktion. Die Polypharmakotherapie nimmt kontinuierlich zu, weil die Prävalenz chronischer Krankheiten steigt.

24 07/08/2013 Giuliano Piccoliori AcAMG/SAkAM 28 Ziele Wir möchten durch eine randomisierte kontrollierte Studie beweisen, dass das Reduzieren von Medikamenten im Alter durch Vermeidung von unangemessenen Verschreibungen, Absetzung von nicht evidenz-basierten Therapien und Priorisierung von Medikamenten im Falle von möglichen gefährlichen Interaktionen, zu einer Verminderung von Stationären Aufnahmen Mortalität Stürzen und Frakturen zu einer Verbesserung der mentalen Leistung sowie der Lebensqualität und der Stimmungslage der Patienten führt.

25 07/08/2013 Giuliano Piccoliori AcAMG/SAkAM 29 Das Projekt dauert drei Jahre Methoden 45 Allgemeinarztpraxen als Ausgangs- und Sammelpunkt für die Studie. Zirka 666 Patienten älter als 74 Jahren und mit mindestens 8 Dauermedikamenten (Wirkstoffen) Die rekrutierten Patienten werden ausführlich dokumentiert vor allem im Bezug auf chronische Therapien und chronische Krankheiten. Es werden auch Lebensqualität (EQ-D5-L5), Stimmungslage (GDS-5) und kognitive Leistung (6-CIT) erhoben.

26 07/08/2013 Giuliano Piccoliori AcAMG/SAkAM 30 Methoden Nach der Patientenrekrutierung werden die teilnehmenden Hausärzte in zwei homogene Gruppen randomisiert: Interventionsund Kontrollgruppe. Die Dauertherapien der Patienten der Interventionsgruppe werden dann von einem Expertengremium mittels validierter Instrumente analysiert (Priscus-List, STOPP-Kriterien, Lexi-Interact ) Die Verschreibungen werden auf die Angemessenheit bezüglich medizinischer Indikation, möglichen gefährlichen Interaktionen, Alter, Geschlecht und eventuellen Komorbiditäten (z.b. Niereninsuffizienz) überprüft. Die Expertengruppe wird dann den Hausärzten empfehlen, welche Medikamente abgesetzt oder ersetzt werden sollen. Sollte der Hausarzt mit den Empfehlungen der Experten einverstanden sein, muss er sich bemühen, die Therapieeinstellungen am Patienten umzusetzen.

27 07/08/2013 Giuliano Piccoliori AcAMG/SAkAM 31 Erwartete Ergebnisse Nach 24 Monaten wird man beurteilen ob es in der Interventionsgruppe eine Reduzierung der Krankenhausaufnahmen, der Mortalität, der unerwünschten Nebenwirkungen, der Knochenfrakturen und eine Verbesserung der geistigen Leistung, der Stimmungslage und der Lebensqualität stattgefunden hat.

28 07/08/2013 Giuliano Piccoliori AcAMG/SAkAM 32 Perspektiven Diese Studie soll neue Einsichten auf die möglichen Risiken der Polypharmazie bei älteren Patienten liefern, zum ersten Mal zeigen, dass die Reduzierung der Polypharmakotherapie dem älteren Patienten Vorteile bringt, in Zukunft zu einem besseren Gesundheitszustand der älteren Bevölkerung führen sowie zu einer Kostenreduzierung im Gesundheitssystem beitragen können.

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