Palliative Care bei demenzkranken Menschen

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1 Palliative Care bei demenzkranken Menschen Dr. med. Chefarzt Geriatrie und Palliative Care Definition Palliative Care (BAG 2010) Nationale Leitlinien 2010 Die Palliative Care umfasst die Betreuung und die Behandlung von Menschen mit unheilbaren, lebensbedrohlichen und/oder chronischfortschreitenden Krankheiten. Sie wird vorausschauend miteinbezogen, ihr Schwerpunkt liegt aber in der Zeit, in der die Kuration der Krankheit als nicht mehr möglich erachtet wird und kein primäres Ziel mehr darstellt. Patientinnen und Patienten wird eine ihrer Situation angepasste optimale Lebensqualität bis zum Tode gewährleistet und die nahestehenden Bezugspersonen werden angemessen unterstützt. Die Palliative Care beugt Leiden und Komplikationen vor. Sie schliesst medizinische Behandlungen, pflegerische Interventionen sowie psychologische, soziale und spirituelle Unterstützung mit ein. Was ist Lebensqualität? Lebensqualität kann nicht primär medizinisch definiert werden, sondern ist im lebensgeschichtlichen Kontext zu verstehen; das heisst die Sicht des Patienten ist entscheidend SAMW-RL Palliative Care, 2006 Aber: Ist seine Sicht heute gleich wie früher? das Erleben des Patienten ist nicht immer identisch mit dem Erleben der Angehörigen!

2 LQ = Realität - Erwartungen Calman Gap (K.C. Calman 1984) Ziel von Palliative Care: Lebensqualität verbessern Pat. und Angehörigen helfen, mit /trotz der Krankheit möglichst gut zu leben, realistische Ziele zu definieren Gap (Differenz) zwischen Erwartungen und aktuellem Befinden verkleinern = Palliative Care Faktoren der Lebensqualität Selbstwertgefühl nützlich sein Positive Emotionen Humor, Freude, Zufriedenheit Zugehörigkeit akzeptiert sein Lust und Genuss Essen, Zärtlichkeit, Musik Vermeidung neg. Emotionen Angst, Scham Vermeidung von Zwängen Essen, Duschen Körperliches Wohlbefinden Palliative Care

3 Bedürfnisse des Palliativpatienten: 4 S Symptombehandlung Selbstbestimmung Sicherheit Support 1. Symptombehandlung Behandlung der körperlichen Symptome, welche die Lebensqualität des Patienten einschränken Behandlung der psych. Begleitsymptome Symptome suchen Schmerzen Atemnot Obstipation Übelkeit Angst Spastizität Aber auch: Seh- und Hörbeeinträchtigung

4 Indirekte Symptome richtig interpretieren: Beispiel Schmerz Schlafstörungen Angst Depressionen Abwehr Appetitverlust Schmerz Aggressionen Apathie BMJ 2011; 343 Unruhe Mobilitätseinschränkung Entscheidungen bei Dementen Ist der Patient kognitiv nicht mehr in der Lage, bei Entscheidungen mit zu reden Frühere Äusserungen zu seinen Wertvorstellungen? Patientenverfügung? Averbale Willensäusserungen? Aktuell erlebte LQ? Entscheidungsfindung: Balance of Burden and Benefit für den Patienten Burden Belastende Abklärungen und Nebenwirkungen Medikalisierung, Hospitalisation Unerwünschte Pflegemassn. Einschränkungen (Diät etc.) Verlust von Privatsphäre Autonomieeinschränkung aber ev. auch: Lebensverlängerung Verlust von Lebensqualität Geplante Massnahme Benefit Lebensverlängerung Gewinn an Lebensqualität Gewinn an Selbständigkeit Symptomlinderung Verhinderung von Komplikation Zuwendung und Interesse Aber auch für die Angehörigen: Hoffnung Nicht-Aufgeben

5 3. Sicherheit Dass belastende Symptome gelindert werden Dass der persönliche Wille (auch averbal geäussert) beachtet wird Dass die Betreuer wissen, was bei einer Verschlechterung zu tun ist, dass sie nicht aus ihrer Hilflosigkeit agieren Sicherheit es darf nichts passieren: (Autonomie, Selbstbestimmung: Sturzgefahr, Essen) Geeignetes Lebens-Milieu 4. Support Entlastung des Patienten bei Überforderung, Stärkung seiner Ressourcen Unterstützung, Entlastung und Beratung der Angehörigen Finanzielle Fragen klären (Vollmachten, Beistandschaft, Hilflosenentschädigung) Zusammenfassung Demenzerkrankungen sind unheilbare Krankheiten, die einen umfassenden palliativen Ansatz erfordern jede Behandlung ist auf ihre Auswirkungen auf die Lebensqualität zu hinterfragen Die Sprachlosigkeit der Patienten darf uns nicht verleiten, über sie hinweg zu entscheiden. Der Lebensqualität der Angehörigen müssen wir genauso Beachtung schenken

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