Der Weg zurück in den ersten Arbeitsmarkt

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1 Forschungsbereich Klinische und Soziale Psychiatrie Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wulf Rössler Supported Employment Das Modell Supported Employment Die Studie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich Die ersten Resultate Supported Employment auf einen Blick lic. phil. Bettina Bärtsch, Job-Coach /6

2 Menschen mit psychischen Erkrankungen haben auf dem freien Arbeitsmarkt wenig Chancen. Denn oft ergibt sich aus der Erkrankung auch eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Ein neues Modell zeigt nun viel versprechende Erfolge in der Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Aktuell wird dieses Modell Supported Employment an der Psychiatrischen Universitätsklinik im Rahmen eines EU-Projektes getestet. Im vorliegenden Dossier möchten wir es Ihnen kurz vorstellen, die Studie beschreiben und über erste Resultate berichten. Das Modell Supported Employment BISHER: First train, then place : Rehabilitation vor Arbeit In der Schweiz führt der Weg der beruflichen Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen über geschützte Werkstätten und Wiedereingliederungstrainings. Nur ca. 10% der IV-Bezüger können jedoch auf diesem Weg wieder in die Wirtschaft integriert werden. NEU: First place, then train : Arbeit als Rehabilitation Das in den USA zur Wiedereingliederung behinderter Menschen entwickelte und erfolgreich angewandte Modell des Supported Employment sieht im Gegesatz zum bisherigen Ansatz in der Schweiz die direkte Platzierung in den ersten Arbeitsmarkt als individuellen und realitätsnahen Rehabilitationsschritt. First place, then train heisst die neue Devise. Arbeit ist Rehabilitation, so die Idee. Nach dem Modell Supported Employment unterstützt ein Job-Coach den psychisch kranken Menschen bei der Stellensuche und während der Anstellung an einem Arbeitsplatz in einem normalen Betrieb. Der Job-Coach ist aber auch Ansprechpartner für den Arbeitgeber und steht ihm jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung. Überall, wo Menschen mit einer psychischen Erkrankung erfolgreich in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können, zeigt sich eine postive Wirkung auf Selbstwertgefühl, Lebensqualität und damit die Gesundheit. Studien aus den USA belegen, dass Supported Employment einen Beitrag zur Senkung der Versicherungskosten leistet. Menschen mit psychischen Erkrankungen werden gar nicht erst berentet, von einer Voll- in eine Teilrente zurückgestuft oder vollständig von einer Rente befreit, indem sie ins Erwerbsleben zurückkehren können. lic. phil. Bettina Bärtsch, Job-Coach /6

3 Die Studie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich Die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich führte von 2003 bis Ende 2005 eine Studie durch, die das Modell Supported Employment zur Unterstützung der Arbeitsintegration überprüfte. Untersucht wurde, ob dieses Vorgehen in der Schweiz ebenso erfolgreich ist wie in den USA. An dieser Europäischen Studie beteiligten sich neben der Schweiz Forschungsteams aus Bulgarien, Deutschland, Holland, Italien und Grossbritannien. Die teilnehmenden Patientinnen und Patienten waren an schweren Erkrankungen aus dem affektiven 1 oder schizophrenen 2 Formenkreis erkrankt. Sie wurden zufällig in eine Kontrolloder Experimentalgruppe eingeteilt. Die Studie dauerte für jeden Teilnehmenden 18 Monate. Experimentalgruppe: 25 PatientInnen. Unterstützung durch einen Job-Coach bei der direkten Integration im ersten Arbeitsmarkt (= neues Vorgehen nach dem Modell Supported Employment ). Kontrollgruppe: 25 PatientInnen. Unterstützung bei der Arbeitsrehabilitation durch unsere Tagesklinik und geschützte Arbeitsplätze (= bisheriges Vorgehen in der Schweiz). Die Studienteilnehmenden wurden regelmässig zu ihren Erfahrungen mit dem jeweiligen Modell befragt. Untersucht wurden dabei die Auswirkungen von Supported Employment auf Lebensqualität, gesundheitliche Situation, Behandlungskosten und soziale Integration. Die Studie wurde im Dezember 2005 abgeschlossen. Die in den Interviews und Fragebogen erhobenen Daten werden zur Zeit ausgewertet. Erste Resultate möchten wir Ihnen auf den folgenden Seiten präsentieren. 1 Bei den affektiven Störungen handelt es sich um Stimmungsstörungen; die Betroffenen sind entweder übermäßig freudig erregt (Euphorie, Manie) oder übermäßig niedergeschlagen (Depression) oder beides abwechselnd (bipolare Störung). 2 Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis nennt man auch psychotische Störungen. Die Ausprägungen schizophrener Störungen sind unterschiedlich. Charakteristisch sind wahnhafte Vorstellungen und Halluzinationen; die Wahrnehmung der Umwelt und der eigenen Person ist gestört. lic. phil. Bettina Bärtsch, Job-Coach /6

4 Die ersten Resultate Bis zum Schluss der Studie fanden 11 von 25 Studienteilnehmenden der Experimentalgruppe Supported Employment in der freien Wirtschaft eine Anstellung. In der Gruppe, die den herkömmlichen Integrationsweg ging, hatte am Ende der Studie niemand eine Stelle im ersten Markt inne. Supported Employment Kontrollgruppe Wie sich die Arbeitssituation in den beiden Gruppen über die 18 Monate hinweg verändert hat, ist in den beiden folgenden Abbildungen dargestellt: Supported Employment Kontrollgruppe Aus den Grafiken wird ersichtlich, dass in der Supported-Employment -Gruppe im Verlauf der Studie immer mehr Teilnehmende eine Stelle in der freien Wirtschaft fanden und auch behalten konnten. Beim Studienabschluss war dieser Unterschied im Vergleich zur Kontrollgruppe statistisch signifikant. 6 Monate nach Beginn der Studie hatte zwar eine Person aus der Kontrollgruppe eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt gefunden; weitere 6 Monate später hatte sie die Stelle aber bereits wieder verloren. lic. phil. Bettina Bärtsch, Job-Coach /6

5 Erste Auswertungen zeigen auch den positiven Einfluss einer Tätigkeit in der freien Wirtschaft auf die verschiedensten Lebensbereiche der Teilnehmenden. Erfolgreich integrierte Studienteilnehmende berichten von einem besseren Selbstwertgefühl und von einer Verbesserung ihrer Lebenssituation. Wie die folgende Darstellung zeigt, zeichnen sich Teilnehmende mit einer Arbeitsstelle durch eine höhere Lebensqualität aus. Die Lebenszufriedenheit war bei Teilnehmenden mit einer Stelle in der freien Wirtschaft zum Zeitpunkt T3 (18 Monate, Studienabschluss) statistisch signifikant höher als bei Personen ohne Stelle. Lebenszufriedenheit Der positive Einfluss von Arbeit auf die allgemeine Lebensqualität drückt sich auch in einer Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes aus. Die nachfolgenden Grafiken veranschaulichen dies in einer geringeren Anzahl von Hospitalisationen und in der Abnahme von Depressivität und Angst im Verlauf der Studie. Anzahl Hospitalisationen Depression und Angst Unsere Daten stützen die Resultate von zahlreichen Studien aus den USA. Dort konnte bestätigt werden, dass sich eine mit Hilfe von Supported Employment gefundene Arbeit in der freien Wirtschaft positiv auf Lebensqualität, soziale Integration und die Gesundheit der Studienteilnehmenden auswirkt. Somit vermag Supported Employment einen gewichtigen Beitrag zur Senkung von Versicherungskosten zu leisten. lic. phil. Bettina Bärtsch, Job-Coach /6

6 Supported Employment auf einen Blick Integration in den ersten Arbeitsmarkt mit Unterstützung eines Job-Coach Flexible individuelle Unterstützung Qualifizierung im Betrieb Fokus auf schneller Vermittlung Integraler Bestandteil der psychiatrischen Behandlung Bezahlte reguläre Arbeit für alle Menschen mit einer psychischen Behinderung Verbesserung der Lebensqualität Verbesserung des Gesundheitszustandes Erfolgreicher als herkömmliche Integrationsansätze Senkung von Versicherungskosten lic. phil. Bettina Bärtsch, Job-Coach /6

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