Teilprojekt VIII: Gesundheitsnetz somatoforme und funktionelle Störungen (Sofu-Net)

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1 Teilprojekt VIII: Gesundheitsnetz somatoforme und funktionelle Störungen (Sofu-Net) Prof. Dr. Bernd Löwe, UKE und Schön Klinik Hamburg Eilbek Fallbeispiel Vorstellung in psychosomatischer Ambulanz: Herr M, 54 Jahre alt, Bauingenieur, verheiratet, 2 Kinder, häufig krankgeschrieben Beschwerden: Schmerzen im Bewegungsapparat (Hüfte, Rücken, Knie, Schulter) seit 13 Jahren Dauerhafte Müdigkeit und Tinnitus seit 6 Jahren Niedergeschlagenheit, Interesseverlust, Störungen von Antrieb und Schlaf seit 3 Jahren Voruntersuchungen/Vorbehandlungen: 8 verschiedene Fachärzte, z.t. mehrfach aufgesucht: opb Mehrfach CTs, MRTs, Sonographien, etc.: opb Zuletzt im Mittel alle 2 Wochen in Notambulanzen verschiedener Krankenhäuser 3 Aufenthalte in medizinischen Kliniken; 1 Schmerzklinik Behandlung: Hohe Dosis an Schmerzmitteln (Opiate fest und bei Bedarf; NSAR, Valoron) Benzodiazepine (Lorzepam); antidepressive Medikation (Opipramol) Diagnosen: Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) Mittelgradige Depressive Episode (ICD-10: F33.1) Abhängigkeitssyndrom: Opiate und Benzodiazepine (ICD-10: F11.1; F13.1) 2 1

2 Hintergund: Somatoforme und funktionelle Störungen 1-Jahres-Prävalenz von somatoformen Störungen: ca. 5% In Hamburg leben ca Menschen mit somatoformen Störungen Dauer zwischen Symptombeginn und Beginn der Behandlung liegt bei fast 7 Jahren Nur 42,5% überhaupt in Behandlung Bei 55% der Patienten besteht Komorbidität mit Depression bzw. Angst Häufig Fehlbehandlungen und Fehlbelegungen Störungsspezifische Interventionen sind wirksam (Henningsen et al., Lancet, 2007) 3 Krankheitskosten für somatoforme Störungen Statistisches Bundesamt (für das Jahr 2008): - Direkte Kosten: für Arztbesuche, Medikamente, stat. Behandlungen: 753 Mio - Indirekte Kosten in verlorenen Erwerbsjahren: Jahre Früherkennung und frühzeitige Behandlung gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Versorgung von somatoformen und funktionellen Störungen 4 2

3 Ziele des Gesundheitsnetzes somatoforme und funktionelle Störungen (Sofu-Net) I. Wissenschaftlicher Nachweis: Hypothese: interdisziplinär vernetzte Versorgung somatoformer Störungen reduziert 1. Beschwerden, Leiden und Chronifizierung, 2. Zeit zwischen Beginn der somatoformen Symptomatik und Behandlungsbeginn, 3. in Anspruch genommene Gesundheitsleistungen. II. Nachhaltigkeit schaffen: Integration der wissenschaftlichen Ergebnisse in Versorgungsrealität 5 Gesundheitsnetz somatoforme und funktionelle Störungen (Sofu-Net) 1. Früherkennung Anwendung eines Screeninginstrumentes (PHQ) in Hausarztpraxen Bausteine der komplexen Intervention 2. Frühbehandlung 3. Vernetzung + Behandlungspfade Bei positivem Befund: weitere Diagnostik und ggf. Behandlungseinleitung Aufbau eines interdisziplinären Behandlernetzwerkes Aufbau einer geschlossenen Behandlungskette 4. Behandlungsqualität Fokusgruppen Qualitätszirkel Weiterbildungscurriculum 6 3

4 Zwei Projektphasen: 1. Phase (Jahr 1 bis 2): Aufbau des Gesundheitsnetzes Sofu-Net (Hausärzte, Psychotherapeuten, Fachärzte, Ambulanzen, Kliniken, Ärztekammer, Kassen, u.a.) Nachweis der Machbarkeit: Prä-Post-Studie 2 x176 Patienten 2. Phase (Jahr 3 und 4) Nachweis der Wirksamkeit unter Praxisbedingungen Kontrollierte, beobachter-verblindete Studie 2 x176 Patienten 7 Aktueller Stand: 1. Hausärzte 25 beteiligte Hausarztpraxen 2. Psychotherapeuten bisher ca. 15 Psychotherapiepraxen bzw. P-Fachärzte 3. Datenerhebung am gestartet 8 4

5 Fallbeispiel Vorstellung in psychosomatischer Ambulanz: Herr M, 54 Jahre alt, Bauingenieur, verheiratet, 2 Kinder, häufig krankgeschrieben Beschwerden: Schmerzen im Bewegungsapparat (Hüfte, Rücken, Knie, Schulter) seit 13 Jahren Dauerhafte Müdigkeit und Tinnitus seit 6 Jahren Niedergeschlagenheit, Interesseverlust, Störungen von Antrieb und Schlaf seit 3 Jahren Voruntersuchungen/Vorbehandlungen: 8 verschiedene Fachärzte, z.t. mehrfach aufgesucht: opb Mehrfach CTs, MRTs, Sonographien, etc.: opb Zuletzt im Mittel alle 2 Wochen in Notambulanzen verschiedener Krankenhäuser 3 Aufenthalte in medizinischen Kliniken; 1 Schmerzklinik Behandlung: Hohe Dosis an Schmerzmitteln (Opiate fest und bei Bedarf; NSAR, Valoron) Benzodiazepine (Lorzepam); antidepressive Medikation (Opipramol) Diagnosen: Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) Mittelgradige Depressive Episode (ICD-10: F33.1) Abhängigkeitssyndrom: Opiate und Benzodiazepine (ICD-10: F11.1; F13.1) 9 Projektteam Teilprojekt 8 (Sofu-Net) Projektleitung: Prof. Dr. med. Dipl.-Psych Bernd Löwe, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, UKE, und Schön Klinik Hamburg Eilbek Dr. Hans Ramm, Ärztekammer Hamburg Projektmitarbeiter/innen: Dipl.-Psych. Beatrice Gross, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, UKE Dipl.-Psych. Annabel Nagel, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, UKE Dipl.-Psych. Katharina Voigt, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, UKE Dipl.-Psych. Jan Wiborg, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, UKE Beteiligte Partner: Hausärzteverband Hamburg e.v. (Herr Klaus Schäfer) Asklepios Westklinikum Hamburg Rissen PD. Dr. Aglaja Stirn) Schön Klinik Hamburg-Eilbek (Dr. Mani Rafii, Dr.. Michael Knapp) Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Prof. Dr. Martin Scherer; Prof. Dr. Dieter Naber; Prof. Dr. Dr. Martin Härter; PD Dr. Georg Romer) Kinderkrankenhaus Wilhelmstift Hamburg (Dr. Joachim Walter) Psychosomatische Klinik Ginsterhof, Rosengarten (Prof. Dr. Christoph Schmehling-Kludas) Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie (DGPM; Dr. Brigitta Rueth- Behr, Dr. Kristina Frederking) Psychotherapeutenkammer Hamburg (Prof. Dr. Rainer Richter) 10 5

6 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 11 Teilprojekt VIII: Gesundheitsnetz somatoforme und funktionelle Störungen (Sofu-Net) Prof. Dr. Bernd Löwe, UKE und Schön Klinik Hamburg Eilbek 6

7 Reservefolien. 13 Screening-Verfahren in Hausarztpraxen: PHQ-15 (Kroenke et al., 2002) Screening für somatoformes Syndrom (für Hausarztsetting validiert: Gräfe et al., 2004; van Ravesteijn, 2009) Somatoforme Symptombelastung: minimal (1-4) niedrig (5-9), mittelschwer (10-14), hoch (15-30) Bewertung: Nicht beeinträchtigt = 0 Wenig beeinträchtigt = 1 Stark beeinträchtigt = 2 Skalensummenwert Schlafstörungen und Müdigkeit/Energielosigkeit 14 7

8 Strukturelle Aspekte: Fokusgruppen mit Haus- und Fachärzten, Kassen Regelmäßiges Weiterbildungscurriculium Qualitätszirkel Definition von Qualitätsstandards Zusicherung der kurzfristigen stationären Aufnahme der beteiligten Pat. an beteiligte ambulante Partner 15 Teilprojekt VIII Gestufte Intervention des Gesundheitsnetzes Somatoforme Störungen 16 8

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