Vorschriften aus dem Arbeitsschutz i. V. mit Baurechtsfragen

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1 2012 JAHRESFACHTAGUNG 11. Mai 2012 Vorschriften aus dem Arbeitsschutz i. V. mit Baurechtsfragen Nils Unterberg

2 Agenda Vorschriften Arbeitsschutz / Bauordnung Unterschiedliche Anforderungen Flucht- und Rettungswege in Arbeitsstätten Alarmierung Sicherheitsbeleuchtung Flucht- und Rettungsplan Schutz gegen Absturz Türen Treppen Beispiel Fazit

3 Baurecht - Arbeitsschutz Baurecht (u. a.) Baurecht ist Landesrecht! Landesbauordnung (LBO) Industriebaurichtlinie (IndBauRL) Sonderbauverordnung (SBauVO) Versammlungsstättenverordnung (VStättVO) HochhausVO Verkaufsstättenverordnung (VkVO) Arbeitsschutz (u. a.) Arbeitsrecht gilt bundesweit! Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) Arbeitsstättenregeln/-richtlinien ASR A1.3 Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung, ASR A2.3 Fluchtwege und Notausgänge, Fluchtund Rettungsplan, ASR A3.4/3 Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme, ASR 12/1-3 Schutz gegen Absturz und herabfallende Gegenstände

4 Flucht- und Rettungswege allgemein Die BauO NRW spricht von Rettungswegen und die ASR von Fluchtwegen. BauO NRW 1.Rettungsweg: baulich 2. Rettungsweg: über Rettungsgeräte der Feuerwehr baulich ASR A Fluchtweg wird gefordert 2. Fluchtweg Notwendigkeit und Ausführung gemäß Gefährdungsbeurteilung

5 Flucht- und Rettungsweglänge BauO NRW und SBauVO max. 35 m 30 m (Versammlungsstätte) m (Verkaufsstätte) m (IndBauR) ASR A2.3 Räume allgemein Brandgefährdete Räume mit selbsttätigen Feuerlöscheinrichtungen Brandgefährdete Räume ohne selbsttätige Feuerlöscheinrichtungen Giftstoffgefährdete Räume Explosionsgefährdete Räume Explosivstoffgefährdete Räume 35 m 35 m 25 m 20 m 20 m 10 m Die tatsächliche Laufweglänge darf gem. ASR jedoch nicht mehr als das 1,5fache der Fluchtweglänge betragen.

6 Flucht- und Rettungswegbreiten BauO NRW und SBauVO Notwendige Treppen mind. 1,0 m Notwendiger Flur 1,50 m (SchulbauR) ASR A2.3 5 Personen 20 Personen 200 Personen 300 Personen 400 Personen 0,875 m 1,00 m 1,20 m 1,80 m 2,40 m Notwendige Treppe 1,20 m (SchulBauR) < 2,40 m (Versammlungsstätte) 2,50 m (Verkaufsstätte) Weitere Anforderungen: Hauptgang min. 2,0 m (IndBauR) 1,20 m je 200 Personen (Versammlungsstätte)

7 Alarmierungsanlage SBauVO Versammlungsstätten ab m² (Sprachalarmierung) Beherbergungsstätten Verkaufsstätten (Sprachalarmierung) ArbStättV In Abhängigkeit von a) Abmessung und Nutzung, b) der Brandgefährdung c) Anzahl Personen bei Industriebauten bis Sicherheitskategorie 1 keine BMA gefordert bei Industriebauten mit BMA Alarm gefordert Gem. ASR A2.3 Gefangene Räume: z. B. automatische Brandmeldeanlage mit Alarmierung

8 Sicherheitsbeleuchtung BauO NRW und SBauVO BauO NRW nicht geregelt SBauVO geregelt Versammlungsstätten Beherbergungsstätten Verkaufsstätten Für Industriebauten nicht zwingend gefordert ASR A3.4/3 z. B. in Arbeitsstätten mit großer Personenbelegung hoher Geschosszahl Bereichen erhöhter Gefährdung oder unübersichtlicher Fluchtwegführung ortsunkundige Personen große Räume (z. B. Hallen, Großraumbüros oder Verkaufsgeschäfte) ohne Tageslichtbeleuchtung

9 Flucht- und Rettungsplan SBauVO Versammlungsstätten, Beherbergungsstätten, Verkaufsstätten ASR A2.3 Für die Bereiche in Arbeitsstätten sind Flucht- und Rettungsplan aufzustellen z. B. - bei unübersichtlicher Rettungswegführung - bei ortsunkundigen Personen (Publikumsverkehr) - in Bereichen mit einer erhöhten Gefährdung (z. B. benachbarten Arbeitsstätten mit explosions- bzw. brandgefährdete Anlagen oder Stofffreisetzung). Anzufertigen nach DIN und DIN EN ISO 23601

10 Schutz gegen Absturz Absturzgefahr bei Absturzhöhe > 1,0 m BauO NRW Umwehrung mit 0,9 m Höhe, ab 12,0 m Absturzhöhe Umwehrung mit 1,1 m Höhe Fensterbrüstung mit 0,8 m Höhe Ab 12,0 m Absturzhöhe Fensterbrüstung mit 0,9 m Höhe ASR 12/1-3 Umwehrung mit 1,0 m Höhe, ab 12,0 m Absturzhöhe Umwehrung mit 1,1 m Höhe Ausnahme ASR: Niedrigere Umwehrungen in bereits errichteten Arbeitsstätten können bestehen bleiben, soweit sie den Vorschriften des Bauordnungsrechts der Länder entsprechen.

11 Türen BauO NRW und SBauVO müssen in Fluchtrichtung aufschlagen dürfen keine Schwellen haben Versammlungsstätte müssen die Türen jederzeit von innen leicht und in voller Breite geöffnet werden können ASR A2.3 im Verlauf von Fluchtwegen oder von Notausgängen müssen sich von innen jederzeit leicht öffnen lassen und gekennzeichnet sein Manuell betätigte Türen von Notausgängen müssen sich nach außen öffnen lassen Aufschlagrichtung sonstiger Türen hängt von Gefährdungsbeurteilung ab Manuell betätigte Karussell- und Schiebetüren in Fluchtwegen unzulässig Hinweis/ aktuell: Außentüren von Kindertagesstätten müssen nach außen aufschlagen!!

12 Treppen BauO NRW ist in notwendigen Fluren eine Folge von weniger als drei Stufen unzulässig ASR A2.3 Treppen im Verlauf vom ersten Fluchtweg müssen über gerade Läufe verfügen Treppen im Verlauf von zweiten Fluchtwegen sollen über gerade Läufe verfügen Fluchtwege dürfen keine Ausgleichsstufen enthalten.

13

14 Beispiel Verkaufsstätte in denkmalgeschütztem Fachwerk-Haus Abweichungen von den rechtlichen Bestimmungen: Durchgangshöhe < 2 m Stolperstellen zu schmale Verkehrswege Beschilderung gemäß ASR A1.3 teilweise nicht vorhanden 2. Handlauf fehlte Durchgangsbreiten, Fluchtwegbreiten zu gering

15 Beispiel Verkaufsstätte in denkmalgeschütztem Fachwerk-Haus

16 Beispiel Verkaufsstätte in denkmalgeschütztem Fachwerk-Haus

17 Beispiel Verkaufsstätte in denkmalgeschütztem Fachwerk-Haus

18 Beispiel Verkaufsstätte in denkmalgeschütztem Fachwerk-Haus

19 Beispiel Verkaufsstätte in denkmalgeschütztem Fachwerk-Haus Analyse: Erstellen einer Gefährdungsbeurteilung Entfluchtungsanalyse (Simulation) Bauliche und Organisatorische Maßnahmen Errichtung eines 2. Notausgangs Beschilderung gemäß ASR A1.3 Nachrüsten 2. Handlauf automatische Alarmierung im Brandfall

20 Fazit Zum Teil unterschiedliche Anforderungen zwischen Baurecht und Arbeitsstättenrecht Abweichungen von den einschlägigen (Arbeitsschutz-) Vorschriften bei entsprechender Gefährdungsbeurteilung und Ersatzmaßnahmen ggf. möglich üblicherweise Erstellung Gefährdungsbeurteilung erst nach Errichtung der Gebäude Gefährdungsbeurteilung möglichst früh (z.b. in der Planungsphase des Gebäudes) durchführen Frühzeitig den Arbeitsschutz berücksichtigen (unabhängig von Forderung der Genehmigungsbehörde) frühzeitige Abstimmung zwischen Brandschutz aus bauordnungsrechtlicher Sicht und Arbeitsschutz Kein Bestandsschutz im Arbeitsschutz

21 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Im Süsterfeld Aachen Telefon: Telefax:

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