Erfahrung gibt. Creditreform Kundenreport 2012/2013

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1 Erfahrung gibt Sicherheit Creditreform Kundenreport 2012/2013

2 Stephan Schütrumpf Mercator Leasing Risikoklassifizierungssystem mit Potenzial zur Standardlösung Ausgangssituation und Zielsetzung Leasing- und Factoring-Gesellschaften unterliegen seit 2009 als Finanzdienstleistungsinstitute unter dem Begriff KWG-Light der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Institute sind verpflichtet, die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) einzuhalten, eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation aufzubauen, die ein angemessenes und wirksames Risikomanagement ermöglicht, und dabei interne Kontrollverfahren einzurichten. Dazu gehört auch die Bestimmung und Dokumentation der wesentlichen Risiken. Unter anderem fordern die MaRisk, dass aussagefähige Risikoklassifizie- 38

3 Systeme & Beratung rungsverfahren zur Beurteilung der Adressausfallrisiken einzurichten und dabei Kriterien festzulegen sind, die im Rahmen der Beurteilung der Risiken eine nachvollziehbare Zuweisung in eine Risikoklasse gewährleisten. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, inwieweit der Kreditnehmer in der Lage ist, künftig Erträge zu erwirtschaften, um den ausgereichten Kredit zurückzuführen. Die MLF Mercator Leasing GmbH & Co. Finanz-KG mit Hauptsitz im bayerischen Werneck ist ein Finanzdienstleister, der Unternehmen, Selbstständigen und Kommunen alternative Finanzinstrumente wie Leasing, Mietkauf, Mietlösungen und Factoring sowohl für kleinteilige als auch für größere Investitionen anbietet. Zielsetzung der Zusammenarbeit mit der Creditreform Rating AG war es, das bereits bestehende Risikoklassifizierungssystem, welches aus dem Creditreform Bonitätsindex, einem selbst entwickelten Bankenauskunftsindex sowie einem Regelwerk mit Ja/Nein-Entscheidungen bestand, grundlegend zu überarbeiten. Angestrebt wurde hierbei die Ermittlung möglichst sicherer Ergebnisse für das kleinteilige Geschäft, um künftig automatisierte Entscheidungen treffen zu können. Darüber hinaus sollte es das neue Instrument ermöglichen, ein Bilanzrating durchzuführen. Vorgehen Als Ausgangsbasis für die Entwicklung des Klassifizierungssystems diente das bestehende Creditreform Bilanzratingsystem, das den Bonitätsindex als zusätzliches Auskunftsmerkmal berücksichtigen kann. Eine Analyse des Kundenportfolios von Mercator Leasing für den Zeitraum 2007 bis 2009 zeigte, dass ca. 45 % der Risiken mit dem Bilanzratingsystem bewertet werden konnten, da zu den betreffenden Unternehmen dabei handelte es sich fast ausschließlich um Kapitalgesellschaften, die der Publizitätspflicht unterliegen Jahresabschlüsse in der Bilanzdatenbank vorlagen. Das Ratingsystem weist für diese Gruppe einen durchschnittlichen Gini-Koeffizienten zwischen 65 und 70 % auf. Für die verbleibende Kundengruppe bestehend aus Gewerbetreibenden, Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit einem Anteil von ca. 55 % am Gesamtportfolio musste eine Scorecard entwickelt werden, die in das Klassifizierungssystem eingebunden werden kann. Auf Wunsch der Mercator Leasing sollte diese Scorecard unabhängig vom Bonitätsindex sein und ein trennscharfes Bewertungssystem darstellen. Auf Basis der konkreten Anforderungen entwickelte die Creditreform Rating AG für Nicht-Kapitalgesellschaften eine Retail Scorecard, die auf Auskunftsmerkmalen basiert. 39

4 Zur Entwicklung und Validierung stand die Creditreform Wirtschaftsdatenbank mit ca. 4 Millionen wirtschaftsaktiven Unternehmen zur Verfügung, von denen knapp 3 Millionen Nicht- Kapitalgesellschaften sind. Bei der Entwicklung der Scorecard und den hierauf beruhenden Ausfallwahrscheinlichkeiten war zu berücksichtigen, dass insbesondere bei der größten Gruppe der Nicht-Kapitalgesellschaften, den Gewerbetreibenden (ca. 2 Millionen Unternehmen), die Ausfallhäufigkeit über alle Adressen und Risikoklassen hinweg bei ca. 3,5 % liegt. Die Auskunftsmerkmale wurden umfassend auf Korrelationen und deren Einfluss auf den Gini-Koeffizienten überprüft. Letztendlich wurden acht Auskunftsmerkmale festgelegt, die in die Retail Scorecard eingehen. Bei der Analyse des Kundenportfolios von Mercator Leasing unter Anwendung der neuen Scorecard für den Zeitraum 2007 bis 2009 konnte für den Bereich der Nicht-Kapitalgesellschaften eine Aufklärungsgüte von knapp 67 % ermittelt werden. Bezogen auf den relevanten Anteil der Adressen liegt diese deutlich höher als der Gini-Koeffizient der gesamten Wirtschaftsdatenbank, der mit 62 % ermittelt wurde. Abschließend wurde untersucht, inwieweit sich das Bilanzrating und die Retail Scorecard in ein einheitliches Klassifizierungssystem einbinden lassen. Auf Basis der Ergebnisse wurde ein System mit 19 Risikoklassen festgelegt. Für jede Anfrage wird unabhängig vom Anfragevolumen über ein Bilanzrating oder einen Retail Score eine Ausfallwahrscheinlichkeit berechnet und auf dieser Basis eine Risikoklasse vergeben. Die Implementierung der neuen Scoring-Funktionen und des Risikoklassifizierungssystems erfolgte in den Systemen der Creditreform Rating AG über die webbasierte Anwendung Credit Risk Solution (CrefoCRS). Diese vereinfacht die Erfassung und Analyse von Jahresabschlussinformationen, erfüllt zugleich administrative Funktionen wie beispielsweise die digitale Bereitstellung von Wirtschaftsauskünften und Jahresabschlussinformationen der durch die Creditreform Rating AG analysierten Unternehmen und liefert das Analyseergebnis in Form des Bilanzratings. Mittels CrefoCRS gelangt der Kunde in eine Umgebung, wo er die Informationen und Analysen der Creditreform Rating AG abrufen kann. Je nach Umfang der bestellten Dienstleistungen kann CrefoCRS individuell auf die unternehmensspezifischen Anforderungen des Kunden angepasst werden. Darüber hinaus wurden bei Mercator Leasing das bereits vorhandene Risikomanagementsystem CrefoSystem zum Abruf der Rating- und Score-Ergebnisse über einen Webservice an die Creditreform Rating AG angebunden sowie der Workflow und die Entscheidungsregeln umfassend überarbeitet. 40

5 Systeme & Beratung Nach Abschluss der Vorarbeiten sind das Bilanzrating, die neu entwickelte Scorecard und damit das Risikoklassifizierungssystem inzwischen bei Mercator Leasing im Einsatz und mit dem Risikomanagementsystem verbunden. Die Entscheidung über die Vergabe eines Leasingvertrages ist eng an die ermittelte Risikoklasse gekoppelt und führt in Abhängigkeit von der Leasinghöhe zu unterschiedlichen Entscheidungsprozessen. Die Erfassung von Jahresabschlüssen wird im Tool der Creditreform Rating AG durchgeführt und in ein Bilanzrating überführt. Fazit Die Creditreform Rating AG hat für die Mercator Leasing ein System mit Potenzial für eine Standardlösung zur Klassifizierung von Adressrisiken bei Finanzdienstleistungsinstituten entwickelt. Es genügt den Anforderungen des Kreditwesengesetzes und der MaRisk. Nach den ersten Wochen der Anwendung können wir durchaus ein positives Fazit ziehen. Unsere Ziele, Umsetzung der Vorgaben der MaRisk und Einführung eines schlanken, automatisierten, schnelleren und sicheren Entscheidungsprozesses für unser kleinteiliges Geschäft, konnten weitestgehend umgesetzt werden. Ebenso verwirklicht wurde auch unser Wunsch nach einer homogenen Jahresabschlussanalyse mittels des Bilanzratings der Creditreform Rating AG, so Rolf Hahn von der Mercator Leasing GmbH & Co. Finanz-KG. Dank des neuen Klassifizierungssystems wird Mercator Leasing künftig Leasinganträge in einem automatisierten Prozess durchführen können. Gleichzeitig ermöglicht die hohe Aufklärungsgüte des Systems eine deutliche Reduktion der Negativauslese bei Leasinganträgen. Durch die geeignete Wahl der Cut-off-Punkte konnte die prognostizierte Ausfallquote im Portfolio des Unternehmens auf einem geringen Niveau dargestellt werden. Die Nutzung der Bilanzerfassungssoftware ermöglicht zudem eine einheitliche Strukturierung und Bewertung der Jahresabschlüsse. Projektverantwortung: Rolf Hahn, Matthias Schneider [Mercator Leasing] Stephan Schütrumpf [Creditreform Rating AG] Raymond Polyak [Creditreform Würzburg] 41

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