Beschaffungslogistik im China-Geschäft Kosten Prozesse Strategien. Herausgegeben von PricewaterhouseCoopers

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1 Eine Studie von PricewaterhouseCoopers in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. pwc

2 Herausgegeben von PricewaterhouseCoopers Studienkonzeption, Redaktionsleitung und V. i. S. d. P. Dipl.-Ing. Anselm Stolte M. A. Redaktionsunterstützung Daniela Borkenhagen, Juliana Fernandes Konzeption und Auswertung der Befragung Dr. Yvonne Fritzsche-Sterr, Hamburg Durchführung der Befragung teleresearch, Mannheim Korrektorat Werkstatt für moderne Sprache, Frankfurt am Main Satz Nina Irmer, Digitale Gestaltung & Medienproduktion, Frankfurt am Main Druck Fritz Schmitz Druck, Krefeld Printed in Germany Die Ergebnisse der Studie und Expertenbeiträge sind als Hinweise für unsere Mandanten bestimmt. Für die Lösung einschlägiger Probleme greifen Sie bitte auf die angegebenen Quellen und die Unterstützung unserer China Business Group in den für Sie tätigen Büros zurück. Teile dieser Veröffentlichung dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Herausgeber nachgedruckt oder vervielfältigt werden. Meinungsbeiträge geben die Auffassung der einzelnen Autoren wieder. März 2008 PricewaterhouseCoopers bezeichnet die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und die anderen selbstständigen und rechtlich unabhängigen Mitgliedsfirmen der PricewaterhouseCoopers International Limited.

3 Vorwort Vorwort Liebe Leserinnen und Leser, China liegt seit dem Jahr 2005 auf Platz drei der Länder, aus denen Deutschland Waren einführt. Italien, Großbritannien und die USA hat der Riese in Fernost bereits überflügelt. Im Jahr 2006 bezogen deutsche Unternehmen aus China Handelswaren und andere Erzeugnisse im Wert von 48,8 Milliarden Euro. Marktbeobachter gehen davon aus, dass der Trend anhält: Die Einfuhren aus dem Reich der Mitte werden voraussichtlich mit über 20 Prozent auf 72 Milliarden Euro im Jahr 2008 klettern. Als wichtigstes Motiv für die hohe Importquote gelten die großen Kostenvorteile gegenüber der Beschaffung in Deutschland wie auch anderen Ländern. Wie günstig aber ist die Beschaffung von Waren und Produkten in China tatsächlich, wenn Unternehmen auch die Kosten der Logistik und indirekte Kosten wie die für das Management und höhere Risiken berücksichtigen? Um diese Frage stichhaltig zu beantworten, führten PricewaterhouseCoopers (PwC) und der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) gemeinsam die vorliegende Studie Beschaffungslogistik im China-Geschäft. Kosten Prozesse Strategien durch. Im August und September 2007 wurden (Chef-)Einkäufer und leitende Logistikverantwortliche von 203 deutschen Unternehmen mit Firmenmitgliedschaft im BME in einer repräsentativen Stichprobe zu ihren Erfahrungen mit Beschaffung und Logistik im China-Geschäft befragt. Die Ergebnisse lassen aufhorchen: So beträgt der Preisvorteil bei den Produktgruppen, die sich in China am günstigsten beschaffen lassen, im Vergleich zu Deutschland auch nach Berücksichtigung der gesamten Logistikkosten circa 50 Prozent. Andererseits nehmen Unternehmen bei ihren in China am ungünstigsten beschafften Produktgruppen im Mittel einen Kostennachteil gegenüber Deutschland von etwa 15 Prozent hin. In diesen Fällen hat Beschaffung in China nur noch aus strategischen Gründen Sinn. Erstaunlich in beiden Fällen ist: Die Mehrheit der Unternehmen lässt dennoch die zahlreichen Möglichkeiten weitgehend ungenutzt, ihre Logistikkosten substanziell zu senken etwa durch spezielle Zollverfahren oder eine geschicktere Organisation ihrer Logistikstrukturen. Unternehmen, die Waren aus China einführen, sind wie die Studie in Dutzenden von Fällen eindringlich nahe legt also gut beraten, einen kritischen Blick auf ihre Beschaffungsaktivitäten im Reich der Mitte zu werfen. Den Führungskräften, die in den umfangreichen Interviews über ihre Erfahrungen berichteten, danken BME und PricewaterhouseCoopers ganz herzlich! Ihnen eine spannende und Gewinn bringende Lektüre und viel Erfolg bei Ihren Beschaffungsaktivitäten in China! Dr. Holger Hildebrandt Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) Peter Albrecht Mitglied des Vorstands und Leiter des Bereichs Industrielle Produktion PricewaterhouseCoopers AG, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Harald Kayser Leiter China Business Group PricewaterhouseCoopersAG, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft 3

4 Inhalt Inhalt Vorwort...3 Abbildungsverzeichnis...7 Tabellenverzeichnis...11 Executive Summary Beschaffungsstrukturen Beschaffungslogistik Logistikkosten Zollmanagement und steuerliche Einzelaspekte Trends...15 Ausblick: Logistik als entscheidender Wettbewerbsfaktor...17 A Beschaffungsstrukturen in China Global Sourcing Ergebnisse Beschaffungsmarkt China: hoher Stellenwert für deutsche Unternehmen Anteil der in China beschafften Produkte: stärkerer Schwerpunkt bei kleinen Unternehmen Standortwahl: Küstenregionen bevorzugt Organisation der Beschaffung: Jedes zweite Unternehmen vertraut auf feste Einkäufer Operative Logistikentscheidungen: in Deutschland und China gemeinsam Strategische Entscheidungen: mehrheitlich Kooperation zwischen Logistikabteilung und Einkauf Expertenkommentar...30 B Beschaffungslogistik in China Logistik Ergebnisse Transport und Verpackung: in chinesischer Hand Externe Logistik: stärkere Kontrolle chinesischer Dienstleister Logistik in der Praxis: Große bevorzugen Große Vorteile und Nachteile kleinerer Logistikanbieter...44

5 Inhalt 2.5 Anteil des Seeverkehrs am Gesamtvolumen: 82 Prozent Incoterms: Große Unternehmen scheuen das Risiko, kleine schultern es Expertenkommentar...49 C Kostenmanagement in der Beschaffungslogistik Kostenmanagement Ergebnisse Preisvorteil des Einkaufs (FOB) in China: kleine Unternehmen beschaffen günstiger Schnäppchenjäger, Sourcing-Experten, Strategen: Beschaffung in China je nach Unternehmenstyp unterschiedlich teuer Fracht- und Logistiknebenkosten betragen circa acht bis 15 Prozent der gesamten Beschaffungskosten Starke Kontrolle über die Logistikdienstleister korreliert mit hohen Frachtkosten Enge Margen in der Beschaffung in China: Welche Unternehmen kaufen am günstigsten ein? Große Unternehmen beschaffen in China durchschnittlich bis zu 21 Prozent günstiger oder bis zu fünf Prozent teurer Im Durchschnitt beschaffen kleine Unternehmen in China vier bis 23 Prozent günstiger als in Deutschland Charakteristika der verschiedenen Beschaffungstypen Anteile der Logistik: Fracht- und Prüfkosten Mangelhafte Kostenkontrolle: Jedes dritte Unternehmen nutzt im Logistikcontrolling noch keine Kennzahlen Expertenkommentar...71 D Zollmanagement und steuerliche Einzelaspekte Zölle und Zollmanagement Verrechnungspreise, Logistikparks Ergebnisse Verzollung für einzuführende Waren in Deutschland Zollverfahren mit wirtschaftlicher Bedeutung Logistikparks Logistikkosten und Gestaltung der Verrechnungspreise Expertenkommentar

6 Inhalt 4.1 Zölle und Zollmanagement Verrechnungspreise, Logistikparks...85 E Fazit: Trends bei Beschaffung und Logistik in China Stand der Beschaffungslogistik im China-Geschäft Kaufen große Unternehmen in China zu teuer ein? Ergebnisse Markttrends Managementtrends Expertenkommentar...97 F Vorgehensweise und Stichprobenbeschreibung Dienstleistungen und Ansprechpartner Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) PricewaterhouseCoopers China Business Group

7 Abbildungsverzeichnis Abbildungsverzeichnis Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3 Dauer der bisherigen Beschaffung deutscher Unternehmen in China insgesamt...20 Anteil der Unternehmen mit dem Anteil der von ihnen in China beschafften Produkte im Rahmen der weltweiten Beschaffung insgesamt...21 Anteil der in China beschafften Produkte im Rahmen von Global Sourcing...21 Abb. 4 Bedeutung der Beschaffungsregionen in China insgesamt...22 Abb. 5 Abb. 6 Chinas Provinzen...23 Bedeutung der Beschaffungsregionen in China: Branchenschwerpunkte...23 Abb. 7 Organisation der Beschaffung in China insgesamt...24 Abb. 8 Organisation der Beschaffung in China nach Unternehmensumsatz...25 Abb. 9 Organisation der Beschaffung in China (nach Branchenschwerpunkt)...26 Abb. 10 Ort der operativen Logistikentscheidung insgesamt...26 Abb. 11 Einbeziehung der Logistikabteilung bei strategischen Entscheidungen insgesamt...27 Abb. 12 Einbeziehung der Logistikabteilung in strategische Entscheidungen zur Beschaffung bei Unternehmen mit freien Handelsvertretern...28 Abb. 13 Einbeziehung der Logistikabteilung in strategische Entscheidungen zur Beschaffung bei Unternehmen mit festen Einkäufern vor Ort und Einkaufsmitarbeitern in verbundenen Unternehmen...28 Abb. 14 Einbeziehung der Logistikabteilung bei strategischen Entscheidungen nach Unternehmensgröße...29 Abb. 15 Einbeziehung der Logistikabteilung bei strategischen Entscheidungen nach dem Grad, mit dem chinesische Dienstleister kontrolliert werden...29 Abb. 16 Dienstleister für einzelne Logistikbereiche insgesamt (nach Dienstleistung)...35 Abb. 17 Dienstleister für einzelne Logistikbereiche insgesamt (nach Branchen)...35 Abb. 18 Dienstleister für einzelne Logistikbereiche: Verpackung Abb. 19 Dienstleister für einzelne Logistikbereiche: Verpackung Abb. 20 Dienstleister für einzelne Logistikbereiche: Lagerhaltung...36 Abb. 21 Dienstleister für einzelne Logistikbereiche: Zollabwicklung...37 Abb. 22 Dienstleister für einzelne Logistikbereiche: Qualitätskontrolle...37 Abb. 23 Wird Dienstleistern freie Hand gewährt oder werden Prozesse vorgegeben insgesamt

8 Abbildungsverzeichnis Abb. 24 Kontrolle der chinesischen Dienstleister nach Zahl der Beschäftigten in Deutschland...38 Abb. 25 Wird Dienstleistern freie Hand gewährt oder werden Prozesse vorgegeben: deutsche oder andere nichtchinesische Dienstleister insgesamt (nach Mitarbeiterzahlen)...40 Abb. 26 Beauftragung von eher größeren Mittelständlern und Logistikkonzernen im Rahmen der Beschaffung aus China, nach Unternehmensgröße und Grad der Kontrolle über die chinesischen und nichtchinesischen Dienstleister...40 Abb. 27 Wird Dienstleistern freie Hand gewährt oder werden Prozesse vorgegeben: deutsche oder andere nichtchinesische Dienstleister insgesamt (nach Branche)...41 Abb. 28 Wird Dienstleistern freie Hand gewährt oder werden Prozesse vorgegeben: chinesische Dienstleister insgesamt (nach Mitarbeiterzahlen)...42 Abb. 29 Wird Dienstleistern freie Hand gewährt oder werden Prozesse vorgegeben: chinesische Dienstleister insgesamt (nach Branchen)...42 Abb. 30 Wird Dienstleistern freie Hand gewährt oder werden Prozesse vorgegeben: nach Rolle des chinesischen Beschaffungsmarkts für das Unternehmen, deutsche oder andere nichtchinesische Dienstleister insgesamt...43 Abb. 31 Wird Dienstleistern freie Hand gewährt oder werden Prozesse vorgegeben: chinesische Dienstleister insgesamt...43 Abb. 32 Bevorzugung großer Logistikkonzerne oder weniger großer Mittelständler...44 Abb. 33 Anteil der Verkehrsträger...46 Abb. 34 Bevorzugte Incoterms-Klauseln bei der Logistik im Chinaverkehr nach Branche...48 Abb. 35 Bevorzugte Incoterms-Klauseln bei der Logistik im Chinaverkehr nach Jahresumsatz...48 Abb. 36 Durchschnittliche Preisersparnis (FOB) bei der Beschaffung in China im Vergleich zu Deutschland...54 Abb. 37 Durchschnittlicher Anteil der reinen Frachtkosten und der gesamten Logistikkosten an den gesamten Beschaffungskosten...57 Abb. 38 Beschaffungskosten für Gesamtstichprobe...58 Abb. 39 Beschaffungskosten für Unternehmen mit mindestens Mitarbeitern in Deutschland...59 Abb. 40 Beschaffungskosten für Unternehmen mit unter 500 Mitarbeitern in Deutschland...60 Abb. 41 Höhe der Logistikkosten bei der Beschaffung in China...65 Abb. 42 Höhe der Logistikkosten bei der Beschaffung in China: reine Fracht (Vor-, Haupt- und Nachlauf)

9 Abbildungsverzeichnis Abb. 43 Höhe der Logistikkosten bei der Beschaffung in China: Prüfkosten/Qualitätskontrolle...66 Abb. 44 Höhe der Logistikkosten bei der Beschaffung in China: Managementkosten in der Logistik (indirekte Kosten wie Gehälter, Reisekosten, Infrastruktur)...67 Abb. 45 Höhe der Logistikkosten bei der Beschaffung in China: Verzollung...67 Abb. 46 Höhe der Logistikkosten bei der Beschaffung in China: Lagerung (in Deutschland und China)...68 Abb. 47 Höhe der Logistikkosten bei der Beschaffung in China: Reklamation bei Transportschäden...69 Abb. 48 Höhe der Logistikkosten bei der Beschaffung in China: Transportversicherung...69 Abb. 49 Nutzung von Kennzahlen im Logistikcontrolling...70 Abb. 50 Verzollung bei Einfuhr von Waren nach Deutschland...78 Abb. 51 Bisherige Beantragung bestimmter Zollverfahren mit wirtschaftlicher Bedeutung...79 Abb. 52 Bisherige Beantragung von bestimmten Zollverfahren in China, Unternehmen mit Eigenverzollung und Jahresumsatz bis 500 Millionen Euro...80 Abb. 53 Bisherige Beantragung von bestimmten Zollverfahren in China, Unternehmen mit Eigenverzollung und Jahresumsatz von mindestens 500 Millionen Euro...80 Abb. 54 Verringerung der Zollbelastung durch aktive und passive Veredelung...81 Abb. 55 Nutzung von Logistikparks in China...83 Abb. 56 Einbeziehung der Logistikkosten in die Verrechnungspreisgestaltung bei der Beschaffung in China gilt als branchenüblich...84 Abb. 57 Trends im China-Geschäft im Überblick, Teil Abb. 58 Trends nach Unternehmensschwerpunkt: Überbrückung, Unternehmenskooperation und Qualifikation...90 Abb. 59 Trends nach Jahresumsatz: Treibstoffkosten und Qualifikation der Arbeitskräfte...91 Abb. 60 Trends nach Unternehmensgröße: Liberalisierung, Überbrückung, Transporttechnologie und Unternehmenskooperation...91 Abb. 61 Einsatz neuer Transporttechnologien (nach Branchen)...92 Abb. 62 Trends im Überblick, Teil Abb. 63 Unternehmenskooperation zur Lösung logistischer Aufgaben in China (nach Mitarbeiterzahl)...93 Abb. 64 Entwicklung des Beschaffungsanteils bei verbundenen Unternehmen in China, geschätzt für die nächsten drei bis fünf Jahre

10 Abbildungsverzeichnis Abb. 65 Zukünftige bedeutende Regionen in der Beschaffung...96 Abb. 66 Branchenschwerpunkt der in der Studie befragten Unternehmen Abb. 67 Weltweit beschäftigte Mitarbeiter der in der Studie befragten Unternehmen Abb. 68 In Deutschland beschäftigte Mitarbeiter der in der Studie befragten Unternehmen Abb. 69 Rechtsform der in der Studie befragten Unternehmen Abb. 70 Weltweiter Jahresumsatz der in der Studie befragten Unternehmen

11 Tabellenverzeichnis Tabellenverzeichnis Tab. 1 Tab. 2 Tab. 3 Tab. 4 Tab. 5 Tab. 6 Tab. 7 Tab. 8 Tab. 9 Einbeziehung der Logistikabteilung in strategische Beschaffungsentscheidungen und Kontrolle über Logistikdienstleister...39 Kontrolle über Logistikdienstleister und Anteil der Frachtkosten an den Beschaffungskosten aus China...39 Kontrolle über Logistikdienstleister und Anteil der gesamten Logistikkosten an den Beschaffungskosten aus China...39 Kontrolle über Dienstleister nach Mitarbeiterzahl und Grad der Kontrolle...41 Vorteile der kleineren Logistikanbieter gegenüber den großen Mittelständlern und Logistikkonzernen...45 Nachteile der kleineren Logistikanbieter gegenüber den großen Mittelständlern und Logistikkonzernen...46 F-Klauseln bevorzugt...47 Preisvorteil (FOB) der vergleichsweise günstigsten Produktgruppe in China nach Beschaffungstyp...55 Preisvorteil (FOB) der vergleichsweise ungünstigsten Produktgruppe in China nach Beschaffungstyp...56 Tab. 10 Frachtkosten und Kontrolle über Logistikdienstleister...58 Tab. 11 Gesamte Logistikkosten und Kontrolle über Logistikdienstleister...58 Tab. 12 Charakteristika in den Produktgruppen und Beschaffungstypen...64 Tab. 13 Nutzung von Kennzahlen und Einschätzung der Ersparnis bei Beschaffung in China...70 Tab. 14 Nutzung von Kennzahlen und Logistikkosten bei Beschaffung in China...71 Tab. 15 Logistikparks in China (Stand: 2006)

12 Tabellenverzeichnis 12

13 Executive Summary Executive Summary Wie günstig ist die Beschaffung von Waren und Produkten in China, wenn Unternehmen auch die Kosten der Logistik und indirekte Kosten wie die für das Management und höhere Risiken berücksichtigen? Um diese Frage stichhaltig zu beantworten, wurden im August und September 2007 (Chef-)Einkäufer und leitende Logistikverantwortliche von 203 deutschen Unternehmen mit Firmenmitgliedschaft im Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) in einer repräsentativen Stichprobe zu ihren Erfahrungen mit Beschaffung und Logistik im China-Geschäft befragt. Die wichtigsten Ergebnisse der von PricewaterhouseCoopers und dem BME auf Grundlage der Ergebnisse der Befragung erstellten Studie Beschaffungslogistik im China- Geschäft: im Überblick: 1 Beschaffungsstrukturen Beschaffungsmarkt China: hoher Stellenwert für deutsche Unternehmen Die Bedeutung Chinas als globaler Umschlagplatz resultiert nicht erst aus der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung in Fernost. China nimmt in der Beschaffung bei deutschen Unternehmen einen hohen Stellenwert ein. So nutzt mehr als die Hälfte der befragten 203 Unternehmen China seit mindestens fünf Jahren als Beschaffungsmarkt und immerhin 20 Prozent sind dort schon länger als zehn Jahre aktiv. Anteil der in China beschafften Produkte: größerer Schwerpunkt bei kleinen Unternehmen Der Anteil der gegenwärtig von deutschen Unternehmen in China beschafften Produkte im Rahmen ihrer weltweiten Beschaffungsmaßnahmen liegt im Schnitt bei etwa zehn Prozent. Kleine Unternehmen beziehen in der Regel sogar einen noch höheren Anteil aus China, wenn sie sich dazu entschließen, auf dem Beschaffungsmarkt China aktiv zu werden. Wahl des Beschaffungsstandorts: Küstenregionen bevorzugt Die Küstenregionen werden am häufigsten als Beschaffungsstandort gewählt: Drei von vier der befragten Unternehmen beziehen benötigte Produkte und Rohstoffe in den östlichen Küstenregionen wie Schanghai und Jiangsu, jedes zweite in den südlichen Küstenregionen (etwa Guangdong, Hongkong, Macau). 2 Beschaffungslogistik Innerchinesischer Transport in chinesischer, Qualitätskontrolle in deutscher Hand Bei der Qualitätskontrolle bevorzugen deutsche Unternehmen ganz deutlich deutsche Logistikdienstleister. Vor allem Unternehmen aus der Automobilbranche verlassen sich überwiegend auf deutsche Wertarbeit. Auch die Zollabwicklung übernehmen mehrheitlich deutsche Logistikdienstleister. Mit Lagerhaltung oder Sicherheitsdienst aber werden chinesische und deutsche Dienstleister in einem relativ ausgewogenen Verhältnis beauftragt. Die Bereiche Verpackung und innerchinesischer Transport hingegen dominieren (noch) chinesische Dienstleister. Große Unternehmen kontrollieren ihre chinesischen und nichtchinesischen Logistikdienstleister wesentlich stärker als die kleineren Unternehmen Während nur jedes vierte kleinere und mittlere Unternehmen mit weniger als Mitarbeitern in Deutschland angibt, seine deutschen und andere nichtchinesische Dienstleister stark zu beeinflussen, sind es unter den größeren Unternehmen mit mindestens Mitarbeitern 39 Prozent. Von den größeren Unternehmen überlassen lediglich zwölf Prozent, aber immerhin drei von zehn Unternehmen mit weniger als Mitarbeitern den Dienstleistern tendenziell eher die freie Durchführung der Prozesse. 13

14 Executive Summary Die größeren und umsatzstärkeren Unternehmen bevorzugen größere Logistikkonzerne, die kleineren und umsatzschwächeren Unternehmen kleinere Logistikdienstleister Mehr als die Hälfte der Unternehmen mit mindestens Mitarbeitern in Deutschland oder mindestens 500 Millionen Euro Jahresumsatz beauftragen eher Logistikkonzerne, aber nur knapp jedes fünfte dieser Unternehmen arbeitet vor allem mit weniger großen Mittelständlern zusammen. Dagegen überantwortet lediglich jedes dritte Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern (beziehungsweise 43 Prozent der Unternehmen mit weniger als 500 Millionen Euro Jahresumsatz) ihre Logistik an große Konzerne. Vier von zehn dieser Unternehmen vergeben an weniger große mittelständische Dienstleister. Vertrags- und Lieferbedingungen (Incoterms): Große Unternehmen scheuen das Risiko (und bevorzugen eher D-Klauseln), kleine schultern es (und verwenden F-Klauseln) D-Klauseln, welche die Transportkosten und -risiken auf den Verkäufer abwälzen, nutzen fast doppelt so viele größere und umsatzstärkere Unternehmen mit mindestens 500 Millionen Euro Jahresumsatz (36 Prozent) als umsatzschwächere (19 Prozent). Die F-Klauseln, bei denen die Haupttransportkosten und -risiken vom Käufer zu tragen sind, bevorzugen dagegen 48 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 500 Millionen Euro bei den umsatzstärkeren sind es noch 41 Prozent. 3 Logistikkosten Große Kostenunterschiede bei Beschaffung aus China: gegenüber Deutschland um die Hälfte günstiger oder bis zu 16 Prozent teurer! Unternehmen, die in China am günstigsten beschaffen, schätzen den durch Beschaffung in China im Vergleich zu Deutschland erzielten Preisvorteil für ihre günstigste Produktgruppe im Unternehmen auf durchschnittlich mindestens 31 bis 40 Prozent. Nach Logistikkosten betragen die Kosten der Beschaffung in China für Unternehmen dieser Gruppe im Schnitt gerade einmal 52 bis 63 Prozent gegenüber einer Beschaffung in Deutschland. Deutlich überrepräsentiert sind hier Befragte aus Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter 50 Millionen Euro. Unternehmen, die in China am ungünstigsten beschaffen, hingegen schätzen den im Vergleich zu Deutschland erzielten Preisvorteil für die ungünstigste Produktgruppe auf durchschnittlich höchstens fünf Prozent. Die Logistikkosten einbezogen, nehmen diese Unternehmen bei Beschaffung in China einen Kostennachteil gegenüber Deutschland von zehn bis 16 Prozent in Kauf. Deutlich überrepräsentiert sind in dieser Gruppe Befragte aus Unternehmen mit einem weltweiten Jahresumsatz von einer Milliarde Euro und mehr. Weitere interessante Ergebnisse: Maschinenbau, Konsumgüter- und Elektroindustrie profitieren überproportional stark von der Beschaffung in China. Hoch profitable Beschaffung setzt auf lokale Anbieter und Einkäufer bei gleichzeitig starker Kontrolle der Logistikdienstleister. Unternehmen mit hoch profitabler Beschaffung in China nutzen für das Kostenmanagement in stärkerem Maße Kennzahlen. Fracht- und Logistiknebenkosten machen etwa acht bis 15 Prozent der gesamten Beschaffungskosten aus Der geschätzte Anteil der gesamten Logistik- an den gesamten Beschaffungskosten beträgt im Mittel zwischen zwölf und 15 Prozent, der geschätzte Anteil der reinen Frachtkosten durchschnittlich zwischen acht und zehn Prozent. Die Nebenkosten der Logistik wie Versicherungen, Prüfkosten, Verzollung, Anlieferung, Lagerung, Reklamations- und Managementkosten machen damit etwa ein Drittel der Gesamtlogistikkosten aus. Bei den Nebenkosten stechen die Kosten für Prüfung und Qualitätskontrolle hervor: Sie beurteilen fast vier von zehn befragten Unternehmen als erheblich. 14 Mangelhafte Kostenkontrolle: Jedes dritte Unternehmen nutzt im Logistikcontrolling noch keine Kennzahlen Nur 63 Prozent aller befragten Unternehmen geben an, Kennzahlen im Logistikcontrolling zu nutzen (75 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Euro Jahresumsatz und 56 Prozent der umsatzschwächeren Unternehmen). Mit anderen Worten: Mindestens

15 Executive Summary jedes Dritte deutsche Unternehmen, das in China beschafft, fällt seine Beschaffungsentscheidungen auf einer unzuverlässigen Datenbasis. 4 Zollmanagement und steuerliche Einzelaspekte Zwei Drittel der großen Unternehmen verzollen selbst, aber nur ein gutes Drittel der kleineren Unternehmen 62 Prozent der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 500 Millionen Euro verzollen selbst und nur 45 Prozent der Unternehmen beauftragen Speditionen damit. Dagegen greifen umsatzschwächere Unternehmen stärker auf Speditionen zurück. Logistikkosten werden bei der Verrechnungspreisbildung zumeist berücksichtigt Fast 80 Prozent der Unternehmen gaben an, in ihrer Branche würden Logistikkosten bei der Bildung ihrer Verrechnungspreise mit einbezogen. Jedoch berücksichtigen besonders Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern ihre Logistikkosten noch nicht umfassend. Logistikparks und Zollverfahren mit wirtschaftlicher Bedeutung weithin ungenutzt Kostensenkungspotenziale liegen brach Lediglich 22 Prozent der Befragten gaben an, ihre Unternehmen hätten Zollverfahren mit wirtschaftlicher Bedeutung (Zolllagerverfahren, aktive und passive Veredelung, Umwandlungsverfahren und vorübergehende Verwendung) bereits beantragt. Fast die Hälfte der Befragten verwendet diese Zollverfahren nicht. Ein Drittel konnte keine Angaben zur Verwendung dieser Zollverfahren machen. Ebenso gaben nur wenige Unternehmen an, bislang die Vorteile von Logistikparks zu nutzen. Bei den Unternehmen, die bereits auf dieses Konzept in China zurückgreifen, sind die Gründe dafür hingegen äußerst differenziert. 5 Trends Trotz zunehmender Liberalisierung bei den Logistikdienstleistungen und verbesserter Infrastruktur weitere Kostensteigerungen Nach Ansicht von mehr als 90 Prozent der Befragten werden bei den Logistikdienstleistungen die Kosten senkenden Effekte aus mehr Wettbewerb und besserer Infrastruktur aufgezehrt durch Kostentreiber wie höhere Treibstoff- und steigende Lohnkosten. Trend zu steigernder Beschaffung bei verbundenen Unternehmen und unternehmensübergreifende Logistikkooperationen Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen, die ihre Beschaffung in China mithilfe von Einkaufsmitarbeitern in verbundenen Unternehmen abwickeln, erwarten einen steigenden Anteil der Beschaffung über solche Unternehmen. Weit über 80 Prozent der Unternehmen rechnen für die nächsten Jahre zudem mit stärkeren Kooperationen von Unternehmen zur Lösung logistischer Aufgaben in China. Trend, in den chinesischen Beschaffungsmarkt einzutreten, schwächt sich ab Aus den deutlich fallenden Zuwachsraten des Eintritts in den Beschaffungsmarkt China ist klar ersichtlich: Viele der Unternehmen, für die globale Beschaffung infrage kommt, sind bereits in China vertreten. Zudem macht sich auch die Konkurrenz anderer aufstrebender Volkswirtschaften wie Indien und Vietnam oder der näheren osteuropäischen Beschaffungsmärkte bemerkbar. Mittelfristig höhere Bedeutung der indischen und osteuropäischen Beschaffungsmärkte Osteuropa und Indien werden als Beschaffungsmärkte aber auch aus Sicht der bereits in China beschaffenden Unternehmen mittelfristig erheblich an Bedeutung gewinnen. Zwei von drei Befragten erwarten eine zunehmende Bedeutung der Beschaffung aus diesen Regionen. Die Beschaffung in Deutschland und anderen entwickelten Industrienationen hingegen wird nach der Prognose der Teilnehmer eher stagnieren. Relativ wird der Anteil der Beschaffung in Deutschland zurückgehen, während deutsche Unternehmen in den nächsten drei bis fünf Jahren deutlich über zehn Prozent ihrer Waren und Produkte in China einkaufen werden. Fazit: Wenn die Teilnehmer dieser Studie Recht haben, wird Beschaffung aus China, Osteuropa einschließlich Russland und Indien in fünf Jahren bereits 40 Prozent der gesamten Einfuhren ausmachen. 15

16 Executive Summary 16

17 Ausblick: Logistik als entscheidender Wettbewerbsfaktor Ausblick: Logistik als entscheidender Wettbewerbsfaktor von Dr. Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) Dr. Holger Hildebrandt Hauptgeschäftsführer des BME Beschaffung in China unterliegt besonderen Regeln. Der Markt ist prosperierend wird aber freilich noch längere Zeit intransparent bleiben. Wer immer die Entscheidung in Unternehmen für einen Bezug aus dem Land trifft, wer gar erwägt, dort einen eigenen Produktionsstandort zu errichten, der ist gut beraten, auf der Seite der Kosten die gesamte Prozesskette zu betrachten und dabei auch die Logistikkosten genauestens zu prüfen. Konsequenterweise gilt es, diese Analyse im Vorfeld des folgenschweren Go durchzuführen. Leider vernachlässigen nach wie vor viele Unternehmen, dass es die logistische Sicht gebietet, die immense Größe des Landes und die Art und Beschaffenheit der Verkehrsträger ebenso ins Kalkül zu ziehen wie das Potenzial lokaler Dienstleister mit ihrer zuweilen indifferenten Interpretation von Qualität. Anspruch und Realität Die Verwaltungsstruktur mit Provinzen, autonomen Gebieten, regierungsunmittelbaren Städten und Sonderverwaltungszonen führt nicht selten zu unterschiedlichen Auslegungen, Durchführungsverordnungen, Gesetzen, Regulierungs- oder Zollbestimmungen. Und wenn obendrein in jeder Provinz neue Genehmigungen eingeholt werden müssen, wird deutlich: Just-in-time- und Just-in-Sequence-Anlieferung oder ein Stunden- Service-Grad sind möglicherweise ein hehrer Anspruch, aber nicht immer umsetzbar. Logistik als Wettbewerbsfaktor Logistik kann sich in Sachen China als entscheidender Wettbewerbsfaktor erweisen oder aber auch als die eigentliche Schwachstelle. Kurze und schlechte Vorbereitung, aber auch eine indifferente Beratung sind Faktoren, die Einkaufserfolge rasch relativieren. Nicht selten schieben die Verantwortlichen dann den Chinesen den Schwarzen Peter zu. China sei ein überschätzter Markt, heißt es dann. Negative Mund-zu-Mund-Propaganda tut ihr Übriges. Einkäufer sind gefordert Ich warne davor, undifferenziert zu urteilen. Ein Einkäufer ist schließlich auch in Deutschland gefordert, den für das Transportgut günstigsten, sichersten und umweltfreundlichsten Verkehrsträger zu wählen. Erfolgreiche Einkäufer nutzen zudem die Möglichkeiten, die ein Logistik-Benchmarking für die Bereiche Bahn, Straße, Schiff und Flugzeug bietet. Warum vernachlässigen dann viele ausgerechnet in Sachen China-Beschaffung ihre Hausaufgaben? Kardinalfehler sind beispielsweise mangelnde Unterstützung durch das Topmanagement und unsinnige Vorgaben, unzureichende Ressourcenzuordnung, Fehler bei Kostenanalyse und -bewertung, nicht angepasste Prozesse, unzureichende Analyse von Chancen und Risiken und nicht zuletzt kulturelle Ignoranz. Belastbare Entscheidungen Nur wer sich Kennzahlen zunutze macht, wer sich für Kostenbetrachtungen über die gesamte Supply Chain hinweg ausreichend Zeit lässt, der kann auch belastbare Entscheidungen treffen wie immer sie dann auch ausfallen mögen. Definieren Sie deshalb Ziele für Ihre Gesamtstrategie. Implementieren Sie eine Organisation, die moderne Konzepte beachtet, und setzen sie effiziente Kontroll- und Koordinationsinstanzen ein. 17

18 Ausblick: Logistik als entscheidender Wettbewerbsfaktor 18

19 Beschaffungsstrukturen in China A Beschaffungsstrukturen in China 1 Global Sourcing In den letzten Jahren hat die Beschaffung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen auf Märkten in unterschiedlichen Weltregionen stark zugenommen. Die meisten erfolgreichen Unternehmen betreiben Global Sourcing, um Kostenvorteile und Synergieeffekte zu erzielen. Die benötigten Ressourcen werden unabhängig vom Standort dort beschafft, wo sie in ausreichender Menge, in der gesuchten Qualität und zum besten Preis gehandelt werden. Vor diesem Hintergrund ist gerade der chinesische Markt für deutsche Unternehmen, neben den etablierten Heimatmärkten in Europa, besonders attraktiv. Denn die gesuchten Produkte, wie chemische Erzeugnisse, Elektrotechnik oder Textilien, werden in China immer öfter auch in hoher Qualität zu günstigen Preisen angeboten. Doch bevor ein Unternehmen ein Engagement in China plant und durchführt, empfiehlt sich zunächst ein Blick auf die dortigen Strukturen und Bedingungen der Beschaffung. Dabei stellen sich vor allem die folgenden drei Fragen: In welchen Regionen innerhalb Chinas will ein Unternehmen beschaffen? Wie wird die Beschaffung im Land organisiert? Wer fällt operative und strategische Entscheidungen? Das Kapitel Beschaffungsstrukturen in China zeigt auf, welche Bedeutung China als Beschaffungsmarkt für deutsche Unternehmen hat, und gibt Ihnen wertvolle Anhaltspunkte, um die genannten drei zentralen Fragen zu beantworten. 2 Ergebnisse 2.1 Beschaffungsmarkt China: hoher Stellenwert für deutsche Unternehmen Den hohen Stellenwert, den die Beschaffung in China bei deutschen Unternehmen einnimmt, unterstreichen die Ergebnisse der Befragung: Mehr als die Hälfte der befragten 203 Unternehmen nutzt China seit mindestens fünf Jahren als Beschaffungsmarkt und immerhin 20 Prozent sind dort schon länger als zehn Jahre vertreten (Abbildung 1). Die Zahlen zeigen: China ist als Beschaffungsmarkt für viele Unternehmen nicht erst durch die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung interessant geworden. Viele Unternehmen haben schon früh erkannt: Es ist wichtig, Produkte und Rohstoffe auf internationalen Märkten und speziell in China zu beschaffen, um Preisvorteile realisieren zu können. Neben dieser eher langfristigen Orientierung eines Teils der Unternehmen zeigt natürlich auch das aktuelle Image Chinas als Werkbank der Welt Wirkung: Vier von zehn Unternehmen sind bis zu vier Jahre in China vertreten. Die Umfrageergebnisse deuten aber auch an: Der Trend, in den chinesischen Beschaffungsmarkt einzutreten, schwächt sich ab. Das spiegelt sich in Abbildung 1 wider. Denn zum einen sind viele der Unternehmen, für die globale Beschaffung infrage kommt, bereits in China vertreten. Zum anderen macht sich aber auch die Konkurrenz anderer aufstrebender Volkswirtschaften wie Indien und Vietnam oder der näheren osteuropäischen Beschaffungsmärkte bemerkbar. 19

20 Beschaffungsstrukturen in China 30% 23% 20% 10% 6% 12% 16% 9% 13% 15% 5% 0% 1 Jahr 2 Jahre 3 Jahre 4 Jahre 5 Jahre 6 bis 10 Jahre 11 bis 20 Jahre mehr als 20 Jahre Abb. 1 Dauer der bisherigen Beschaffung deutscher Unternehmen in China insgesamt Im Durchschnitt beschaffen die befragten Unternehmen seit acht Jahren auf dem chinesischen Markt. Die größeren der befragten Unternehmen mit und mehr Mitarbeitern in Deutschland betätigen sich im Schnitt seit neun Jahren in China. 27 Prozent der größeren Unternehmen aber nur 15 Prozent der Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern beziehen bereits länger als zehn Jahre Produkte und Rohstoffe aus China. Diese klare Zweiteilung legt folgenden Schluss nahe: Größere Unternehmen wagen den Sprung in fremde Beschaffungsmärkte früher und bereitwilliger als kleinere Unternehmen. Für diese Entwicklung sind verschiedene Gründe denkbar: Kleinere Unternehmen sind wahrscheinlich länger mit der Planung und Vorbereitung dieser für sie gewichtigen Entscheidung beschäftigt oder treten generell vorsichtiger an das Thema Global Sourcing heran. Denn scheitert ein solches Projekt, haben kleine Unternehmen oft nicht das nötige finanzielle Polster, um die wirtschaftlichen Konsequenzen aufzufangen. Bei Betrachtung der einzelnen Industriesektoren zeigt sich deutlich: Die Elektrobranche hat mit durchschnittlich neun Jahren Beschaffungstätigkeit in China die längsten Erfahrungen gesammelt. Die Unternehmen aus der Chemieindustrie beschaffen seit durchschnittlich sieben Jahren in China. Mit 6,5 und sechs Jahren folgen die Industrielle Produktion (speziell Maschinen- und Anlagenbau) und die Automobilbranche. Vor allem Produkte und Rohstoffe, welche die Unternehmen der Elektroindustrie benötigen darunter befinden sich elektrische Leitungen und Sensoren, lassen sich sehr einfach und kostengünstig in China beziehen. 2.2 Anteil der in China beschafften Produkte: stärkerer Schwerpunkt bei kleinen Unternehmen Welche Produkte kommen in welchem Umfang überhaupt für die Beschaffung in China infrage? Hierbei spielen sowohl Verfügbarkeits- als auch Kostenaspekte eine Rolle. Bei der Kostenkalkulation sollte sich ein Unternehmen allerdings nicht nur von dem Preis des eigentlichen Produkts oder Rohstoffs leiten lassen, sondern auch andere Kriterien im Blick haben wie die Ausgaben für Logistik, Zoll oder Lagerhaltung. Insbesondere die Logistikkosten können die Preisvorteile der Beschaffung einzelner Produkte unter Umständen mindern oder sogar ganz aufzehren. Der Anteil Chinas an der weltweiten Beschaffung beträgt im Durchschnitt etwa zehn Prozent. Dabei bezieht etwa jedes vierte der befragten Unternehmen bis zu fünf Prozent der benötigten Produkte und Rohstoffe aus der Volksrepublik. Bei jedem dritten liegt der Wert sogar zwischen fünf und zehn Prozent. Immerhin zwei von zehn Unternehmen kaufen bis zu 20 Prozent der benötigten Produkte auf chinesischen Umschlagplätzen. Lediglich 16 Prozent der Unternehmen beschaffen im Rahmen ihrer Global-Sourcing-Aktivitäten mehr als 20 Prozent der Produkte in China (Abbildung 2). 20

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