Abstract der Diplomarbeit. FH-Diplomstudienlehrgang. Militärische Führung. und deren Bedeutung für Staat und Wirtschaft

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1 Abstract der Diplomarbeit FH-Diplomstudienlehrgang Militärische Führung Die Rüstungsbeschaffung des österreichischen Bundesheeres und deren Bedeutung für Staat und Wirtschaft Im Speziellen durch Countertrade eingereicht von SCHILLER Georg, Fhr im Mai 2003, Wr. Neustadt Betreuer Brigadier Mag. Dr. Harald PÖCHER

2 Kurzzusammenfassung Bei Großprojekten der Militärs findet Countertrade häufig Anwendung bei der Beschaffung. Die emotionelle öffentliche Diskussion bzgl. der Beschaffungsvorhaben des Heeres verzerrt die Argumente und Möglichkeiten von Countertrade. Das Militär ist auf Grund der beschränkten finanziellen Mitteln gezwungen, die Zusatzvertragsklauseln mitzutragen. Aus Sicht der österreichischen Wirtschaft ergeben sich beschränkte Vorteile, vor allem zur Öffnung dirigistischer Märkte. Bis zum Ende des Jahres 2002 wurden Gegengeschäfte im Wert von 2,85 Mrd. erfüllt. Das österreichische Bundesheer konnte aus den bisherigen positiven Auswirkungen durch Countertrade keine Nutzen bzgl. einer positiveren Meinungsbildung gegenüber dem Militär generieren. Countertrade im Beschaffungsablauf des BMLV ist auf den Wunsch der Politik installiert worden. Die Politik benützt die CT-Angebote primär zur Produktentscheidung und zur Legitimation von Staatsausgaben für den militärischen Bereich, dies stellt wiederum einen Interessenskonflikt zwischen der Öffentlichkeit und dem Militär dar. Folglich ist CT aus militärischer Sicht abzulehnen. Eine fehlende Wehrpolitik ist mitverantwortlich für diese negative Meinungsbildung gegenüber dem Heer, problematisch wird dieser Mangel an Öffentlichkeitsarbeit bei der Integration Österreichs in eine europ. Verteidigungs- und Rüstungsstruktur werden. Jedoch ergeben sich gerade in den zuletzt genannten Problembereichen Chancen sowohl für die österreichische Wirtschaft, als auch für das ÖBH. Die vorliegende Arbeit bietet einen kritischen Zugang zu diesem komplexen Thema. Vorgangsweise und Aufbau der Arbeit Die Arbeit beruht auf einem ausführlichen Literaturstudium, aber es wurden auch Interviews mit Fachleuten der öffentlichen Verwaltung und der gewerblichen Wirtschaft geführt. Als Arbeitsansatz wurden drei Hypothesen aufgestellt, die im Folge der Arbeit abgearbeitet wurden. Countertrade ermöglicht zusätzliche Einstiegsmöglichkeiten für die österr. Wirtschaft/Industrie in dirigistische Märkte, die ansonst nicht möglich gewesen

3 wären; dabei handelt es sich um ein politisches Instrument, um volkswirtschaftliche Impulse zu setzen. Eine nationale Wehrindustrie ist für die Souveränität eines Staates notwe ndig, durch Countertrade können auch kleine Wehrindustrien moderne Standards anbieten, des weiteren fordert dies jedoch eine aktive Kommunikation zwischen den staatlichen Organisationen, Rüstungsbetrieben, Medien und den Staatsbürgern, um diesen Gedanken zu tragen. Die zukünftige Sicherheitspolitik der EU macht eine Arbeitsteilung im Bereich der Rüstungsindustrie erforderlich, wobei Countertrade Synergien bei nationalen Betrieben ermöglicht. Der Aufbau der Arbeit beginnt mit dem Kapitel Begriffsabgrenzung und Definitionen, in dem eine genaue Definition der zu behandelnden Begriffe erfolgt, um die Voraussetzung einer einheitlichen Ausgangsbasis zu gewährleisten. Ein wesentlicher Teil wird die Abgrenzung der genauen legistischen Normen auf nationaler als auch auf supranationaler Ebene sein, um in dem vorgegebenen gesetzlichen Rahmen argumentieren zu können. Die Beschaffung von Rüstungsgütern für eine militärische Macht als Garantie für die Souveränität des Staates muss ebenfalls als Grundvoraussetzung für die eigentliche Existenzberechtigung der militärischen Macht erörtert werden. Aufbauend auf der Begriffsbestimmung, soll hier der CT von seiner zivilen wirtschaftlichen Seite betrachtet werden, von der Entstehungsgeschichte bis zu zukünftigen Trends. Des weiteren sollen hier die vielseitigen Möglichkeiten des Gegengeschäftes näher gebracht werden. Im Anschluss wird der zu beobachtende Rahmen ausschließlich auf das militärische Gebiet eingegrenzt. Hier geht es vorerst um die Kompetenzenverteilung bzw. um die Ablaufprozedur bei der Geschäftsanbahnung bis hin zum Kaufvertrag. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil dieses Kapitels ist die Behandlung bereits durchgeführter CTs und deren Auswirkungen. Folglich wird auch auf die Probleme eingegangen, die bei der

4 Abhandlung von Kompensationsgeschäften entstehen, auch unter der Betrachtung des Einflusses von diversen peripheren Interessensgruppen, wie der Staatsbürger und der Politik. Ein weiterer wesentlicher Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen auf die österr. Volkswirtschaft und außerdem mit möglichen zusätzlichen Absatzchancen und zukünftigen Märkten, aber auch mit der Möglichkeit im wehrtechnischen Bereich Nischen aufrecht zu erhalten und gemeinsam im europ. Raum in einem Verbund den nötigen Bedarf abzudecken. Das Kapitel zukünftige Kooperationen und Finanzierungsmodelle soll neue Denkanstöße für die Beschaffung von Rüstungsgütern unter den restriktiven budgetären Bedingungen geben. Dabei sollen vor allem Möglichkeiten des Outsourcing, des Leasing aber auch der finanziellen Mittelbeschaffung durch die Industrie analysiert werden. In diesem Teil der Arbeit wird ebenfalls Bezug auf eine zukünftige Schaffung einer europ. Rüstungsstruktur eingegangen. Die in Europa vorhandenen und tätigen Rüstungsorganisationen/kooperationen werden dabei ebenfalls exemplarisch dargestellt. In den Kapiteln Schlussbetrachtung und Kurzzusammenfassung/Summary wird zusammenfassend auf die Fragestellungen aus dem ersten Kapitel eingegangen. Des weiteren soll dieses Kapitel dem ungeduldigen Leser einen schnellen Überblick zur Thematik ermöglichen. Die Kurzzusammenfassung/Summary wird in englischer und deutscher Sprache abhandelt. Abhandlung der Hypothesen Hypothese 1: Countertrade ermöglicht zusätzliche Einstiegsmöglichkeiten für die österr. Wirtschaft/Industrie in dirigistische Märkte, die ansonst nicht möglich gewesen wären; dabei handelt es sich um ein politisches Instrument, um volkswirtschaftliche Impulse zu setzen. Die Einbeziehung von Gegengeschäften und im Speziellen bei der Beschaffung von Gütern für das Militär ist im wesentlichen auf den Wunsch der Politik zurückzuführen.

5 Dabei nimmt diese Geschäftsform auch eine Art Legimitationsstatus für Rüstungsbeschaffungen für das ÖBH ein. Dem Grundsatz der Zusätzlichkeit von CT- Vereinbarungen für die Bewertung bei militärischer Gleichheit der einzelnen Angebote wird nicht entsprochen, da die wirtschaftliche Bewertung durch die Politik zumeist vorrangig herangezogen wurde/wird und die Entscheidung letztendlich in den politischen Gremien gefällt wird. Unserer Meinung nach sind Kompensationsgeschäfte vor allem dazu nützlich, die Entscheidung über das militärische Grundgeschäft unzulässig zu beeinflussen, so der Grüne Wirtschaftssprecher W. KOGLER. Die Tatsache das CT-Geschäfte der heimischen Wirtschaft als Türöffner in spezifische Bereiche, wie die der Hochtechnologie, fungieren, kann tendenziell bestätigt werden. Dies setzt allerdings voraus, dass die bevorzugten nationalen Anbieter über erstklassige Produkte bzw. Dienstleistungen in Qualität und Quantität verfügen. In diesem Aspekt kann man volkswirtschaftliche Vorteile erkennen, da auf längere Zeit Auslastungen für die heimische Produktion möglich werden. Eine direkte Ableitung auf die Außenhandelsbilanz kann bei einem Anteil vo n unter einem Prozent jedoch nicht getroffen werden. Trotz der hohen CT- Forderungen mit Schweden ist der Außenhandel zu Ungunsten Österreichs negativ, dies könnte auf die Globalisierung zurückgeführt werden, da Global-Players bestrebt sind in mehreren Ländern disloziert zu sein. Aus geschichtlicher Sicht kann man die Formen des Countertrade als Standardisierung der früher üblichen Handschlagqualität unter Kaufleuten, zur Zusage für weitere Geschäftsbeziehungen, bezeichnen. Die zusätzlichen Geschäften, wie es die Definition von CT vorsieht, sind auf Grund fehlender und eines nicht gewollten Informationsflusses nur sehr begrenzt nachweisbar. Betrachtet man CT als eine Art Garantie für zukünftige Auslastungen/Absatzmärkte (in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten) wird man eher der Diskussion über den Nutzen von CT ausweichen können. Für den militärischen Bereich sind die derzeitigen CT-Ablaufprozesse als eine Belastung zu bewerten, da der lange Planungs- und Beschaffungszeitraum durch ein zusätzliches Ausschreibungsverfahren weiter in die Länge gezogen wird. Zusätzlich wird das Rüstungsgut auf Grund von Spesen teuerer und dies bewirkt weitere Schwierigkeiten bei der Mittelbeschaffung. Diese Verteuerung müsste für die Vermittlung von

6 Aufträgen an die heimische Wirtschaft an den Staat (an das BMLV nicht möglich auf Grund des Haushaltgesetztes) refundiert werden. Abschließend muss man feststellen, dass solange keine adäquate Investitionsmittel bzw. Verständnis für die Beschaffung von militärischen Großgerät vorhanden sind, CT seine Berechtigung im Beschaffungsvorgang für das BMLV hat.

7 Hypothese 2: Eine nationale Wehrindustrie ist für die Souveränität eines Staates notwendig, durch Countertrade können auch kleine Wehrindustrie moderne Standards anbieten, des weiteren fordert dies jedoch eine aktive Kommunikation zwischen den staatlichen Organisationen, Rüstungsbetrieben, Medien und den Staatsbürgern, um diesen Gedanken zu tragen. Der Bedarf nach einer nationalen Produktion für die Armee muss durch die Politik definiert werden. Es stellt sich als problematisch dar, in sensiblen Bereichen wie der militärischen Landesverteidigung - alles von externen Produzenten zu erwerben. In der gegenwärtigen sicherheitspolitischen Situation ist der Aspekt jedoch auf europ. Ebene zu betrachten. Eine Struktur für die Produzenten für den europ. Raum wird unbedingt von Nöten sein, dies beinhaltet natürlich auch Chancen für österr. Unternehmen. Des weiteren sind die Spill-over-Effekte auf die zivilen F&E-Bereiche nicht zu unterschätzen und bringen somit positive wirtschaftliche und technische Auswirkungen für die Entwicklung des Landes. Gerade die Defizite einer europ. Armee in den Bereichen der Elektronik (eigenes Satelliten/GPS-Netz) und des Flugzeugbaues (Lufttransportkapazität) enthalten ein enormes F&E Potential, das viele Arbeitsplätze sichern bzw. schaffen könnte. Österreich hat auf dem Sektor der Zulieferbetriebe für die europ. Wehrindustrie erstklassige Produkte zum Angebot, wie die bereits durchgeführten CT-Vereinbarungen unterlegen. Zusätzlich sind Produkte im Bereich der Rad- und Kampfschützenpanzer, der Infanteriewaffen und der Elektrotechnik für den Export vorhanden. Die Basis für diese Möglichkeiten ist auch ein adäquater und korrekter Kommunikationsfluss aller Beteiligten. Es erfordert eine veränderte Einstellung zu den sicherheitsproduzierenden Unternehmen, seitens der Politik und der Öffentlichkeit. Grundvoraussetzung im eigenen Bereich des BMLV ist eine koordinierte Information an alle Bedienste, um Investitionen für das Gesamtsystem zu definieren und partikulare Interessen hintanzustellen. Nur eine einheitliche und gesammelte Mannschaft in ihren Aussagen kann ihren Bedarf nach Außen vertreten und einfordern. Der Bereich der Rüstungsindustrie sollte so weit wie nur möglich transparent für die Medien und damit auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Dies

8 würde Spekulationen bzgl. Unregelmäßigkeiten durch die Bevölkerung minimieren und gleichzeitig eine Rüstungskontrolle gegenüber den Unternehmen darstellen. Unkorrektheiten in der Argumentation seitens aller Involvierten im Zusammenhang mit Militär führt zu einer Verunsicherung der Bevölkerung. Im schlimmsten Fall werden Rüstungsgüter nicht beschafft, die in Not- und Einsatzsituationen fehlen, wie der Mangel an Transporthubschraubern beim Lawinendrama in Galltür/Tirol tragischerweise aufzeigte. Hypothese 3: Die zukünftige Sicherheitspolitik der EU macht eine Arbeitsteilung im Bereich der Rüstungsindustrie erforderlich, wobei Countertrade Synergien bei nationalen Betrieben ermöglicht. Das geforderte internationale Engagement der EU wird zu einer militärischen Komponente der Union führen. Der dabei entstehende Markt sollte dann auch mit Schwergewicht von Produzenten innerhalb des supranationalen Gefüges abgedeckt werden. Im Vordergrund wird eine Aufgaben- und Kostenteilung erfolgen müssen, um den Technologie- und Ausrüstungsstand mit den USA auszugleichen. Zentrale Rüstungsindustrien, wie die Frankreichs, müssen ebenfalls wie Private unter einer gemeinsamen Institution koordiniert werden, damit bei einer Reduzierung der derzeitigen europ. Überkapazitäten die bestmöglichen Ergebnisse (Technikstand, Arbeitsmarkt, etc.) zu erzielen wären. Rüstungsorganisationen bieten sich für diese Aufgabe an und ihre Kompetenz muss in Zukunft verstärkt werden, damit eine Auftragserfüllung gewährleistet werden kann. CT zwingt bereits Unternehmen vermehrt zusammenzuarbeiten.

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