Psychische Folgen, die ein Angriff nach sich ziehen kann

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1 Psychische Folgen, die ein Angriff nach sich ziehen kann Gewalterfahrungen können das seelische, körperliche und soziale Gleichgewicht eines Menschen in erheblichem Ausmaß beeinträchtigen und zu gesundheitlichen Problemen unterschiedlicher Art und Intensität führen. Selbst bei einem Angriff unverletzt gebliebene Zeug_innen können durch das Erlebte traumatisiert werden Abhängig von äußeren Einflüssen und eigenen Vorerfahrungen entwickeln Betroffene verschiedene Verarbeitungsmechanismen eines Angriffs. Rechte Gewalt basiert auf der Idee der Ungleichwertigkeit von Menschen. Sie zielt darauf, bestimmte Gruppen abzuwerten und aus der Gesellschaft auszuschließen. Dadurch hat diese Form der Gewalt zum individuellen Erleben eine zusätzliche gesellschaftliche Komponente. Bei allen Formen von Gewalt, die in gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wurzeln, ist es besonders wichtig wie das soziale Umfeld, politisch Verantwortliche und die Ermittlungsbehörden mit den Betroffenen, ihren Angehörigen und mit Zeug_innen umgehen und wie diese Taten bewertet und verfolgt werden. Für die individuelle psychische Verarbeitung der Tatfolgen spielt dieser Aspekt eine große Rolle. Eine Nichtanerkennung der Leiden traumatisierter Menschen durch Institutionen der Gesellschaft, Behörden und Gerichte wirkt sich nachweislich zusätzlich belastend aus. Sie verstärkt bei den Betroffenen das Gefühl des Verlustes von Vertrauen in die Welt und führt zu langfristigen sozialen Beeinträchtigungen. Eine fehlende Anerkennung der Opfererfahrung durch die Gesellschaft, die eine klare Verurteilung des Verbrechens einschließen muss, sowie mangelnde soziale Unterstützung können zu einer zusätzlichen (sekundären) Traumatisierung führen, anhaltende Gefühle von Unsicherheit und Wertlosigkeit hervorrufen sowie den Wiederaufbau einer stabilen und selbstbewussten Identität erschweren. Nicht selten bedeutet die Gewalterfahrung für Betroffene sowie für nahe stehende Personen einen radikalen Einschnitt in ihr bisheriges Leben. Wenn die Bedrohungssituation anhält und weitere Repressalien aus dem Umfeld der Täter_innen erlebt werden, führt dies zusätzlich zu massiven psychischen Belastungen. 1

2 Körperliche und psychische Beschwerden können nicht nur kurz nach dem Ereignis, sondern auch erst später auftreten. Psychische Belastungserscheinungen wie Schlafstörungen, Albträume und Angstanfälle können als Folgen eines Angriffs auftreten. Manche Betroffene können den Angriff nicht mehr vergessen, dauernd kreisen die Gedanken darum. Die Konzentration auf etwas anderes wird schwierig bis unmöglich. Manchmal kommen die Erinnerungen auch ganz plötzlich im Alltag zurück und die Betroffenen fühlen sich in die Situation zurück versetzt und können sich dem quälenden Wiedererleben nicht entziehen. Dieses plötzliche Wiedererinnern kann durch Wahrnehmungen ausgelöst werden, die denen zum Tatzeitpunkt ähneln: ein bestimmter Geruch, Geräusche, Personen oder Orte wie zum Beispiel die Straßenbahn, ein Park, eine dunkle Straße. Das kann als unangenehm und belastend bis unerträglich empfunden werden. Bei vielen Betroffenen führen diese unerwünschten Erinnerungen zu Vermeidungen. Möglicherweise werden große Umwege in Kauf genommen, Einkäufe oder der Weg zur Schule können kaum noch bewältigt werden und der Alltag ist plötzlich großen Beschränkungen ausgesetzt. Mit den Gedanken und Erinnerungen kann Nervosität auftreten, Unruhe oder Angst in bestimmten Situationen. Betroffene können schnell gereizt sein. Manche schlafen abends schlecht ein oder wachen nachts auf und kommen nicht mehr zur Ruhe. Dazu können physische Symptome auftauchen wie zum Beispiel häufige Kopf- und andere körperliche Schmerzen. Bei vielen Betroffenen vergehen die Belastungserscheinungen nach einiger Zeit, wenn die Psyche die Verletzung der persönlichen Integrität verarbeiten kann. Dies ist individuell sehr unterschiedlich. Bleiben die Symptome jedoch länger bestehen, verstärken sie sich anstatt allmählich weniger zu werden oder treten erst später auf, können sich Posttraumatische Belastungsstörungen, andauernde Persönlichkeitsstörungen nach Extrembelastung oder Begleiterkrankungen herausbilden.

3 Posttraumatische Belastungsstörung (PTB) Die PTB ist eine gravierende psychische Störung, die nach besonders belastenden Ereignissen auftreten kann. Die Betroffenen haben die Erfahrung von Lebensgefahr oder Körperverletzung gemacht bzw. erlebten die Bedrohung der eigenen körperlichen Unversehrtheit oder die einer anderen Person. Diese Erfahrungen waren so schwerwiegend, dass die Betroffenen mit deren Verarbeitung überfordert sind. Das traumatische Ereignis war geprägt von völliger Hilflosigkeit, Ohnmacht, Angst oder Entsetzen und dem Gefühl des Ausgeliefertseins. Teile der Traumatisierung erlebt die Person in der Folge auf sehr belastende Weise im wachen Zustand oder Schlaf wieder. Entweder sind sie unfähig vor dem Einschlafen zu entspannen, oder sie fürchten, Albträume zu bekommen. Außerdem neigen sie zu Überwachsamkeit, erhöhter Schreckhaftigkeit und Ruhelosigkeit. Es treten die gleichen sinnlichen Eindrücke (z.b. bestimmte Bilder, Geräusche, Geschmacksempfindungen, Körperwahrnehmungen) sowie gefühlsmäßige und körperliche Reaktionsweisen auf, wie zum Zeitpunkt der traumatischen Erfahrung. Alles, was an das Trauma erinnert, wird als sehr belastend erlebt. Auf die Erinnerung reagiert die Person z.t. mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Übelkeit, etc. Verbunden ist dies meist mit der Vermeidung von Situationen/ Dingen, die an das Trauma erinnern oder einer emotionalen Taubheit. Als weitere Symptome können autonome Übererregung wie z.b. Schlaf- oder Konzentrationsstörungen oder Reizbarkeit auftreten. Physiologische Übererregung stört die Fähigkeit sich zu konzentrieren und aus Erfahrungen zu lernen. Neben Amnesien, die sich auf Aspekte des Traumas beziehen, haben traumatisierte Menschen auch Schwierigkeiten, sich an alltägliche Ereignisse zu erinnern. Viele Betroffene empfinden eine übergroße und unangemessene eigene Verantwortung für das Geschehen, häufig begleitet von Gefühlen wie Schuld oder Scham. Die Symptome der PTB verursachen oft erhebliche Beeinträchtigung in Beruf, Freizeit, Sozialkontakten oder Familie, bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Viele Betroffene verlieren das Interesse an Dingen, die ihnen früher wichtig waren und Freude bereiteten. Sie isolieren sich von ihrer Umwelt, haben ein erhöhtes Bedürfnis, die Umwelt oder Andere zu kontrollieren, sind unruhig und übervorsichtig, zugleich auch leichter reizbar oder aggressiver als früher. Sie können in einen Zustand 3

4 generalisierter Hoffnungslosigkeit versinken. Wenn eine Unfähigkeit entsteht,, die eigene Rolle und die Rolle anderer in zwischenmenschlichen Konflikten richtig einzuschätzen, sehen Betroffene sich möglicherweise in vielen sozialen Kontakten wieder zum Opfer gemacht. Viele Betroffene sind darüber hinaus auch nach der erlebten Tat weiteren Situationen ausgesetzt, z.b. als Zeuge vor Gericht, welche mit einer hohen emotionalen Belastung einhergehen. Das erneute Durchleben der Tat sowie die Konfrontation mit den Tätern bedeuten für viele Betroffene weiteren erheblichen psychischen Stress. Psychosoziale Beratungsansätze Während die körperlichen Verletzungen meist behandelt werden, verdrängen die Betroffenen häufig ihre psychischen Verletzungen. Bei der Beratung geht es vor allem um die Entwicklung und Erweiterung von Kompetenzen und die Stärkung der individuellen Handlungssicherheit. Das übergreifende Ziel der Opferberatung ist es, betroffene Personen durch Beratung und Begleitung zu befähigen, so schnell und sinnvoll als möglich, die Opferrolle hinter sich lassen zu können, Ängste zu verlieren und wieder einen normalen Ablauf des Alltags zu erreichen. Ganzheitlichkeit, Ressourcenorientierung und Nachhaltigkeit bilden die Grundlage des Handelns. Dabei steht vor allem die Hilfe zur Selbsthilfe im Mittelpunkt der Arbeit. Bei der psychosozialen Beratung geht es vor allem um die nachhaltige psychische Stärkung der Opfer. Waren die Erfahrung so schwerwiegend, dass die Personen mit ihrer Verarbeitung dauerhaft überfordert sind und sich eine akute Belastungsstörung, PTB oder eine andere Angst- bzw. Affektive Störung bei den Betroffenen entwickelt hat, ist eine psychotherapeutische Behandlung angezeigt. Mitarbeiter_innen der Beratungsstelle können dabei helfen, eine geeignete psychotherapeutische Hilfe zu finden und an entsprechende Einrichtungen vermitteln. Da die Traumatisierung zu Persönlichkeitsveränderungen führen kann besteht die Gefahr, dass sich bei ausbleibender Behandlung die PTB chronifiziert. Dies um so eher, wenn bereits in der Vergangenheit traumatisierende Gewalterfahrungen gemacht wurden, wie dies z.b. bei vielen Flüchtlingen der Fall ist. Entscheiden sich die Betroffenen für eine stützende psychotherapeutische Behandlung, bedarf es oftmals sehr großer Geduld, denn eine Behandlung kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.

5 Eine vorrangige Aufgabe von Interventionen ist es, dem Leben von Betroffenen wieder Sicherheit und Vorhersagbarkeit zu geben. Es ist also besonders wichtig, dass betroffene Personen in physischer, sozialer und emotionaler Hinsicht Unterstützung und Hilfe finden. Angehörige mit einzubeziehen erscheint hierbei sehr wichtig, da diese auf vielfältige Weise den Erfolg der Therapie fördern. Fundierte Studien zeigen, dass am stärksten diejenigen Personen betroffen sind, die nicht auf die Unterstützung durch ein soziales Netz zurückgreifen können. Bei einer zeitnahen Unterstützung von Betroffenen durch Beratungsstellen und psychologische Hilfsangebote sind die Chancen zur Verarbeitung und Integration des Gewalterlebnisses gut, da noch keine Chronifizierung und Ausbildung von Begleitsymptomatik vorhanden ist. Je länger auf ein Auffangen und Lindern des Leidens durch soziale und rechtliche Beratung sowie psychologischpsychotherapeutische Hilfe gewartet werden muss, desto größer ist die Gefahr der Ausbildung psychosomatischer Folgeerkrankungen. Therapiekosten werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Sollten diese nicht erstattungsfähig sein, kann ein Antrag beim zuständigen Versorgungsamt zur Kostenerstattung gestellt oder der Hilfsfonds von ezra zur Finanzierung herangezogen werden. 5

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