Alpentourismus ohne Gletscher?

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1 Alpentourismus ohne Gletscher? Prof. Dr. Dominik Siegrist Präsident CIPRA International Gletschertagung Salzburg 28. September 2011 Gliederung des Vortrags Ausgangslage Position der CIPRA Positive Beispiele Alpentourismus ohne Gletscher? 1

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10 Beispiel Milibachgletscher Skierschliessung Hockenhorn Quelle: Gesellschaft für ökologische Forschung e.v. 10

11 Beispiel Milibachgletscher Skierschliessung Hockenhorn 1996: Bekanntgabe der Pläne zur Erschliessung des Hockenhorngrates Einsprachen der Alpenschutzorganisationen mit Verweis auf Klimaänderung 2003: Bau der Gondelbahn auf dem Milibachgletscher, Eröffnung Hockenhorngrat (3111 m ü.m.) Seither: Starker Rückgang des Milibachgletscher 2009: Künstliche Flächenbeschneiung bis auf 2600 m ü.m. Ausgangslage in den Alpen I Bekannte Ausflugsziele drohen ihre Anziehungskraft zu verlieren (z.b. Rhonegletscher, Pasterze). Skigebiete leiden unter der Klimaerwärmung und dehnen sich auf die Gletscher aus (z.b. Andermatt). Gletscher in Skigebieten werden mit Folien abgedeckt, um ein vorzeitiges Abschmelzen zu verhindern. 11

12 Ausgangslage in den Alpen I Quelle: Gesellschaft für ökologische Forschung e.v. Ausgangslage in den Alpen I Foto: Gesellschaft für ökologische Forschung e.v. 12

13 Ausgangslage in den Alpen I Foto: CIPRA Ausgangslage in den Alpen II Bergbahnen und Berghäuser geraten wegen dem auftauenden Permafrost ins Rutschen und benötigen teure Sanierungen (z.b. Andermatt, Jungfraujoch). Alpinismus leidet unter dem Rückgang von Gletschern und Permafrost und benötigt neue Infrastrukturen (z.b. Zustiege Biancograt, Trifthütte). Erhöhte Risiken beim Bergsport, z.b. wegen Steinschlag und starker Erwärmung (z.b. Sommer 2003, Schliessung des Montblanc). Weiterhin erlaubt und beliebt: Heliskiing auf Gletschern (Schweiz, Italien). 13

14 Ausgangslage in den Alpen II Quelle: Gesellschaft für ökologische Forschung e.v. Foto: Daniel Anker Ausgangslage in den Alpen II Foto: Daniel Anker 14

15 Ausgangslage in den Alpen II Foto: Gesellschaft für ökologische Forschung e.v. EURO 08: Schweiz Österreich 15

16 Position der CIPRA zu Klima & Tourismus allgemein: Endlich attraktive klimafreundliche Reisemöglichkeiten anbieten, neue Wege zu einem naturnahen und klimaverträglichen Tourismus beschreiten. Energieeffiziente Gebäude für den Tourismus fördern & bauen, Reduktion der CO2-Emissionen. Keine staatliche Subventionierung von Schneekanonen. Tourismusförderung nur für naturnahe, nachhaltige und klimaverträgliche Aktivitäten. Keine Tourismusförderung ohne Klimaschutz: Reduktion der CO2-Emissionen (Verkehr, Gebäude usw.). Alpen als Modellregion für den Klimaschutz. Position der CIPRA zu Gletschern speziell: Verbot der Erschliessung von Gletschern und unberührten Landschaftskammern für den Skitourismus. Erhalt der letzten unerschlossenen Gebiete der Alpen (Ruhezonen, Schutzgebiete). Keine neuen Infrastrukturen im Bereich von Gletschern (Bauen ausserhalb der Bauzone). Keine Abdeckungen von Gletschern mit Folien zur Verzögerung des Abschmelzens ohne klimapolitisches Handeln. Quelle: 16

17 SL-Gletscherstudie Ohne Gletscher bleiben viele Gäste fern. (36,4%) Gletscher sind für touristische Aktivitäten wichtig. (39%) SL-Gletscherstudie Unsere Gemeinde kann etwas zum Gletscherschutz beitragen. (22,1%) Gefahren nehmen zu. (72,8%) 17

18 Vorschläge SL Umweltbildung Informationsmaterial zum Phänomen Gletscher und Klimawandel für verschiedene Zielgruppen (Dorfbevölkerung, Touristinnen und Touristen, Vereine, Lehrpersonal und Schulklassen). Durchführung von Informationsabenden, Exkursionen, Schullagern mit Themenschwerpunkt Gletscherschwund und Klimawandel. Netzwerk für die Gletscher-Gemeinden Bildung eines Netzwerks von Gletscher-Gemeinden für den gegenseitigen Austausch und politisches Lobbying. Erarbeitung von Zukunftsperspektiven Aktionsplan Gletscher und Klima zur Unterstützung der Zukunftsperspektiven von Gletscher-Gemeinden. Quelle: Neff / Vuilleumier 2008 Positive Beispiele Information und Umweltbildung über Gletscher und Klima im UNESCO Welterbe Jungfrau Aletsch. Sanfte Mobilität, z.b. in Werfenweng (Alpine Pearls) und in der Ferienregion Engadin-Scuol-Samnaun. Verzicht auf weitere Gletschererschliessungen, z.b. in Saas Fee. Klimapakt von Verbänden und Gemeinden in den Alpen (Alpenkonvention). 18

19 UNESCO Welterbe Jungfrau Aletsch Umweltbildung mit jungfrau-klimaquide.ch Engadin-Scuol, Werfenweng Sanfte Mobilität 19

20 Saas Fee Verzicht auf weitere Gletschererschliessung Klimapakt Alpen Gemeinden und Verbände / Alpenkonvention 20

21 Alpentourismus ohne Gletscher? Touristen kamen wegen den Gletschern in die Alpen, Tourismusdestinationen verdienten damit ihr Geld. Zerstörung der Gletscher, Zerstörung des Mythos Alpen? Verliert der Alpentourismus damit einen Teil seiner landschaftlichen Basis? Alpentourismus ohne Gletscher? Grundsätzlich ja, ein Tourismus in den Alpen ist auch ohne Gletscher möglich. Jedoch: Wie sieht es in den Alpen mit einer Erwärmung von plus 2,5 bis 4 Grad aus? Und noch viel mehr: Wie sieht die Welt mit einer solchen Erwärmung aus? Ökologisch, sozial, wirtschaftlich? Und um auf unser Thema zurückzukommen: Welchen Tourismus wird es dann noch geben? 21

22 Gletscher als Symbol gegen den Klimawandel Früher: Gletscher als essentieller Bestandteil des Alpenmythos, als ästhetische Basis der Alpenbegeisterung. Heute: Gletscher als starkes Symbol für intakte Natur, aber auch für unseren Umgang mit der Umwelt. Heute/morgen: Gletscher als Sinnbild des Engagements gegen den Klimawandel, für eine nachhaltige Zukunft, die vielleicht noch möglich ist. Foto: G.Mussnig / Nationalparkregion Hohe Tauern 22

23 Danke für die Aufmerksamkeit! 23

24 Zum Weiterlesen COMPACT Nr. 08/2011: Tourismus im Klimawandel. Ein Hintergrundbericht der CIPRA. Wir Alpen! Menschen gestalten Zukunft. 3. Alpenreport der CIPRA. Haupt Verlag, Bern Bestellung unter AlpMedia: kostenloser Nachrichtendienst der CIPRA: (de, it, fr, sl) SzeneAlpen: Themenheft der CIPRA (de, it, fr, sl). C. Neff, B. Vuilleumier. Verkannte Gletscher? Gletscherschwund in der Wahrnehmung denr Schweizer Gletschergemeinden. Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL). Bern, März

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