Leseprobe. Kapitel 3:»Geschäftsprozessmodellierung« Inhaltsverzeichnis. Index. Die Autoren. Wissen aus erster Hand.

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1 Wissen aus erster Hand. Leseprobe Es ist eine Sache, mit dem Composite Designer umzugehen oder Prozesse im Process Composer zu modellieren. Genauso wichtig ist es für die Arbeit mit SAP NetWeaver BPM aber, die Prozessentwicklung optimal vorbereitet zu haben. In dieser Leseprobe zeigen wir Ihnen anhand eines Beispielgeschäftsszenarios beides. Kapitel 3:»Geschäftsprozessmodellierung«Inhaltsverzeichnis Index Die Autoren Birgit Heilig, Martin Möller Business Process Management mit SAP NetWeaver BPM 512 Seiten, 2013, 69,90 ISBN

2 In diesem Kapitel beschreiben wir Schritt für Schritt die Modellierung eines Geschäftsprozesses mit SAP NetWeaver BPM. 3 Prozessmodellierung mit SAP NetWeaver BPM In diesem Kapitel stellen wir Ihnen zunächst einen Beispielprozess aus der Unternehmenswelt vor. Anschließend erklären wir Ihnen anhand dieses Prozesses, wie Sie die betriebswirtschaftlichen Ereignisse mithilfe von SAP NetWeaver BPM in einem BPMN-Prozessmodell abbilden können. Dabei kommen sowohl die bereits in Kapitel 2,»Einführung in die Prozessmodellierung«, vorgestellten BPMN-Standardelemente als auch spezifische Modellierungshilfen in SAP Net- Weaver BPM zum Einsatz. Als Arbeitsmittel stellen wir Ihnen den Composite Designer vor, der Ihnen einen guten Überblick über alle bei der Prozessmodellierung verwendeten Komponenten und deren Beziehungen zueinander bietet. Daneben erhalten Sie zahlreiche Tipps, z. B. dazu, wie Sie einen einmal definierten Geschäftsprozess am besten strukturieren, damit Sie ihn ganz oder in Teilen möglichst häufig wiederverwenden können. Um ein Prozessmodell zu erstellen, sind die beiden folgenden Schritte notwendig: 1. Vorüberlegungen zum Geschäftsprozess Hierzu gehören das Festlegen des abzubildenden Geschäftsprozesses und das Identifizieren der Prozessbeteiligten der verschiedenen Schritte sowie der übergebenen Daten im Prozess. Hauptschritte der Prozessmodellierung 2. Abbilden des Prozesses mithilfe von BPMN-Elementen Sie können sich hier z. B. der Swimlanes, der Fluss- sowie der Verbindungsobjekte bedienen. In Kapitel 4,»Integration von Services«, und Kapitel 5,»Datenfluss modellieren«, zeigen wir Ihnen, wie Sie dem so entwickelten Prozess- 91

3 Einführung in das Beispielgeschäftsszenario 3.1 modell die Geschäftslogik hinzufügen, um das Prozessmodell später ausführen zu können. Die Geschäftslogik beinhaltet den Datenfluss, die Beschreibung der Eingabedaten und der daraus resultierenden Ergebnisse. Die genannten Aspekte in Bezug auf das Ersatzteilgeschäft machen die Komplexität, aber auch die Bedeutung dieses Geschäftsprozesses deutlich: profitables Geschäftsfeld mit langjährigen Kundenbeziehungen Komplexitätsfaktoren Beispiel aus der Maschinenbauindustrie 3.1 Einführung in das Beispielgeschäftsszenario Zur Illustration der Geschäftsprozessmodellierung und der Ausführung eines Geschäftsprozesses mit SAP NetWeaver BPM verwenden wir ein Beispiel aus dem Service-Bereich eines Maschinenbauunternehmens. Der Beispielprozess bildet eine Abwicklung von Ersatzteilaufträgen vereinfacht ab beginnend mit der Bedarfsmeldung und endend mit dem Versand der angeforderten Ersatzteile an den Kunden. Die Beschaffung der Ersatzteile erfolgt überwiegend kundenauftragsbezogen und durchläuft einen internen Genehmigungsprozess in Abhängigkeit der festgelegten Freigabekriterien. hoher zeitlicher Druck für die auftragsbezogene Beschaffung und Lieferung von Ersatzteilen Notwendigkeit, exakt das in der jeweiligen Situation benötigte Ersatzteil zu liefern kollaborativer Prozess, in den die Kunden ebenso wie diverse unternehmensinterne Abteilungen und externe Lieferanten zeitnah eingebunden sein müssen Aufgrund dieser Komplexität erscheint es zweckmäßig und lohnend, die Steuerung und Verfolgung dieses Geschäftsprozesses über ein BPM-System wie SAP NetWeaver BPM end-to-end sicherzustellen, d. h. rollen-, standort- und systemübergreifend Komplexität und Bedeutung des Ersatzteilgeschäfts Das Ersatzteilgeschäft ist für Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus typischerweise ein sehr profitables Geschäftsfeld. Die Kunden auf der anderen Seite sind in Bezug auf die Ersatzteilversorgung in der Regel sehr stark und langfristig an den Hersteller gebunden. Ersatzteile werden oftmals im Rahmen einer geplanten Maschinenwartung oder aufgrund akuter Störungen angefordert. In beiden Fällen kann davon ausgegangen werden, dass das erforderliche Ersatzteil in sehr kurzer Zeit verfügbar sein muss, zumal ein Maschinenstillstand in der Regel mit sehr hohen Kosten für den Kunden verbunden ist und ein negatives Licht auf den Hersteller der Maschinen werfen kann. Maschinen- und Anlagenbauer gewähren oftmals eine langjährige Liefergarantie für Ersatzteile. Aufgrund der Vielfalt von Maschinentypen und -versionen, für die ein Hersteller die Ersatzteilversorgung sicherstellen muss, ist es von besonderer Bedeutung, dass genau die Ersatzteile beschafft und an den Kunden geliefert werden, die in der jeweiligen Situation benötigt werden. Andernfalls drohen Reklamationen und verlängerte Stillstandszeiten Geschäftsanforderungen und Prozessschritte definieren Wir folgen dem Top-down-Ansatz, den wir in Abschnitt 2.1.1,»Topdown-Ansatz«, beschrieben haben, und definieren zunächst die generellen Geschäftsanforderungen, die unser Prozess erfüllen soll. Abbildung 3.1 zeigt eine grobe Skizze des Prozesses Auftragserfuellung. Bedarfsmeldung und Bestellung Eine Bedarfsmeldung kann vonseiten des Kunden ausgelöst werden, wenn beispielsweise eine akute Störung im laufenden Betrieb einer Maschine vorliegt. Eine solche Störung tritt in der Regel unvorhergesehen auf und führt oftmals zu einem Maschinenstillstand. In der Regel kontaktiert der Kunde eine Service-Hotline des Maschinenherstellers oder einen, dem Kunden bekannten Service-Mitarbeiter. Es muss zunächst sichergestellt werden, dass der genaue Ersatzteilbedarf des Kunden ermittelt wird. Dieser lässt sich beispielsweise durch spezifische Fehlermeldungen an der Maschine, durch Benutzerdokumentation oder auch durch zunehmend im Einsatz befindliche Ferndiagnoseeinrichtungen ermitteln. Prozessskizze Ersatzteilbedarf 92 93

4 Einführung in das Beispielgeschäftsszenario 3.1 Kunde Bestellung aufgeben Bedarfsmeldung Sofern die Bedarfsmeldung unvollständig oder inkonsistent ist, erfolgt eine Rückfrage beim Sachbearbeiter des Kunden oder beim Service-Mitarbeiter, der die Bedarfsmeldung initiiert hat. Nach dem Eingang der entsprechenden Bedarfsmeldung kann eine interne Prüfung der Bedarfsmeldung erfolgen beispielsweise durch eine Plausibilitätsprüfung (Passt die vom Kunden angegebene Materialnummer zu der beim Kunden verwendeten Maschine?). Zudem wird geprüft, ob die Bedarfsmeldung vollständig und konsistent ist (Kundendaten, Materialnummer(n), gewünschte Menge, gewünschter Liefertermin, gewünschter Lieferort und mehr). Eine solche Plausibilitätsprüfung kann maschinell erfolgen (z. B. automatische Konsistenzprüfung). Auftragssachbearbeiter/ Einkäufer Genehmigender Händler Prüfung der Bedarfsmeldung Bestellung eingegangen Zur Genehmigung Verfügbarkeit prüfen Artikel an Kunden senden ja nein Anfrage beim Lieferanten Verfügbarkeit prüfen Abrechnung Bestellung erstellen Prüfen Genehmigung nötig? Abbildung 3.1 Prozessskizze»Auftragserfüllung«ja Artikel beim Lieferant verfügbar? In unserem Prozessbeispiel abstrahieren wir von dem Aspekt der Fehlerlokalisierung und der Ermittlung des für die jeweilige Situation tatsächlich benötigten Ersatzteils. Vielmehr gehen wir davon aus, dass der Kunde das erforderliche Ersatzteil anhand einer Materialnummer mit Bezug auf eine Maschinenseriennummer an das Maschinenbauunternehmen kommuniziert und das benötigte Ersatzteil auf elektronischem Wege bestellt. nein ja nein nein ja Artikel am Lager verfügbar? Genehmigt? Nachricht an Kunde Verfügbarkeitsprüfung im Unternehmen Wir vereinfachen unseren Beispielprozess und verzichten auf die Plausibilitätsprüfung der Bestellung; den Beispielprozess können Sie später noch an Ihre Anforderungen anpassen und beliebig ergänzen. Nun erfolgt in einem nächsten Prozessschritt die Verfügbarkeitsprüfung, im Rahmen derer vereinfacht betrachtet ermittelt wird, ob das angeforderte Ersatzteil verfügbar ist. Hierbei wird typischerweise maschinell geprüft, ob das benötigte Ersatzteil im eigenen Lager geführt wird oder nicht. Handelt es sich um ein lagergeführtes Material, wird ermittelt, ob ein der Bestellmenge entsprechender Lagerbestand vorhanden ist. Ist dies der Fall, wird das Ersatzteil für den Versand an den Kunden vorbereitet. Sofern es sich nicht um ein Lagermaterial handelt oder der Lagerbestand nicht ausreicht, um die gewünschte Menge liefern zu können, muss ermittelt werden, bei welchem Lieferanten zu welchen Konditionen das benötigte Material in der gewünschten Zeit bezogen werden kann. Diese Information wird üblicherweise systemtechnisch hinterlegt. Verfügbarkeitsprüfung beim Händler Ist ein Ersatzteil im eigenen Lager nicht vorrätig, versucht der Einkauf, das Ersatzteil beim Händler zu beschaffen. Zu diesem Zweck findet eine Verfügbarkeitsprüfung beim Händler statt. Infolge einer positiven Rückmeldung des Händlers leitet ein Mitarbeiter des Einkaufs den nächsten Prozessschritt ein. Er füllt eine entsprechende Bestellung aus, in der er alle notwendigen Daten, inklusive der erforderlichen Ersatzteilmenge, angibt. Genehmigung der Bestellung Es ist denkbar, dass eine Bestellung vor dem Versand an den Händler, abhängig vom Gesamtbetrag, einen Freigabe- oder Genehmigungsprozess durchlaufen muss. Dies kann beispielsweise für Ersatzteilauf- Lagerbestand prüfen Bestellung nicht vorrätiger Ersatzteile 94 95

5 Einführung in das Beispielgeschäftsszenario 3.1 träge mit einem hohen wirtschaftlichen Wert sinnvoll sein (z. B. erfolgt bei großem Auftragsvolumen eine Prüfung hinsichtlich möglicher Rabatte). und Ablauforganisation von Unternehmen müssen umgehend in das Regelwerk von automatisierten Genehmigungsprozessen eingearbeitet werden. Zudem bestehen Anforderungen aus Sicht der Unterneh- Genehmigungskriterien Die Genehmigung von Bestellungen erfolgt typischerweise in Abhängigkeit bestimmter Kriterien. Für den Genehmigungsprozess muss mensführung (Corporate Governance), die bei den Genehmigungsprozessen berücksichtigt werden müssen. festgelegt sein, wer die Genehmigung erteilen oder verweigern kann. Zudem muss sichergestellt sein, dass der Genehmigungsprozess auch dann schnell umgesetzt werden kann, wenn der primär Verantwortliche abwesend ist. Versand der Ersatzteile an den Kunden Sind die Ersatzteile im eigenen Lager vorrätig oder sind sie, nachdem sie beim Händler bestellt worden waren, eingetroffen, werden sie an Genehmigungsprozesse automatisieren Freigabe- und Genehmigungsprozesse lassen sich sehr gut durch BPM- Systeme unterstützen und automatisieren. Oftmals werden sie automatisiert angestoßen, beispielsweise durch das Anlegen einer Bestellung. den Kunden versandt. Der Versand ist eine komplexe Aufgabe. Es sind eine Reihe von Fragen zu klären: Welcher Transportweg und welches Transportunternehmen sollen gewählt werden? Von welchem Lager Der Sachbearbeiter, der die Bestellung angelegt hat, kann üblicher- aus sollen die Ersatzteile an den Kunden gesandt werden? Die Antwor- weise den Bearbeitungs- und Genehmigungsstand des Freigabeprozes- ten hängen von vielerlei Faktoren ab, z. B. vom Umfang der Lieferung ses systemseitig verfolgen. Zudem wird er automatisch informiert, und vom Standort des Kunden. Hier kann ein Business-Rules-Manage- sobald die Bestellung freigegeben oder abgelehnt worden ist. ment-system die Auswertung der verschiedenen Faktoren überneh- Nachdem ein Genehmigungsprozess angestoßen worden ist, wird dem Genehmigenden typischerweise automatisiert per eine Genehmigungsaufgabe zugeschickt. Damit kann er die Bestellung akzeptieren oder ablehnen. Eine Ablehnung erfordert in der Regel die Angabe eines Ablehnungsgrundes. Der Sachbearbeiter kann die Bestellung dann entsprechend ändern oder weitere Informationen, z. B. zu Rabatten, beim Händler einholen. men und den passenden Transportweg, das günstigste Transportunternehmen und das nächstgelegene Lager ermitteln. Gibt es Lieferverzögerungen, muss der Kunde darüber informiert werden. Dies ist auch erforderlich, wenn die Ersatzteile nicht mehr hergestellt werden und kein Restbestand mehr vorhanden ist. Es muss dann zusammen mit dem Kunden nach Alternativlösungen gesucht werden. Information an Kunden Vertretungsregeln Erfolgt keine Reaktion seitens des Genehmigenden, z. B. aufgrund von Krankheit oder Urlaub, kann der Genehmigungsprozess wiederum automatisiert und auf der Basis definierter Regeln an einen Vertreter oder Vorgesetzten weitergeleitet werden. Der für die Bestellung zuständige Sachbearbeiter wird über den Auftragsstand Abrechnung Nachdem die Ersatzteile an den Kunden geliefert worden sind, wird eine Rechnung erstellt. Zur Abrechnung wird in der Regel ein Abrechnungssystem verwendet. bzw. über die Weiterleitung der Genehmigungsaufgabe informiert. Zentrale Prozessverwaltung Wird die Bestellung genehmigt, wird der Sachbearbeiter darüber informiert, und die Bestellung geht an den Händler. Der Freigabe- und Genehmigungsprozess wird in den Unternehmen von einer zentralen Stelle aus administriert, denn er muss entsprechend den organisatorischen Kompetenzen und Verantwortungsbe Prozessteilnehmer definieren Für die Abwicklung von Ersatzteilaufträgen in dem von uns beispielhaft betrachteten Maschinenbauunternehmen sind intern typischerweise die in Tabelle 3.1 aufgeführten Rollen betroffen. Unternehmensinterne Prozessteilnehmer reichen sowie mit Bezug auf die disziplinarischen Gegebenheiten definiert und laufend angepasst werden. Änderungen in der Aufbau

6 Prozessentwicklung vorbereiten 3.2 Rolle Einkauf Genehmigungsstelle (Die genehmigende Person kann ebenfalls aus dem Einkauf, aus dem Management oder aus einer anderen Abteilung sein.) Aufgabe Mitarbeiter des Einkaufs sind für die Beschaffung von Ersatzteilen, die nicht auf Lager sind, die Abstimmung mit Lieferanten und die Abwicklung von Bestellvorgängen verantwortlich. Diesem Personenkreis werden Bestellungen ab einem bestimmten Warenwert zur Genehmigung vorgelegt. Bestellung initiieren, für unseren Prozess nicht relevant. Unser Prozess startet erst bei Erhalt der Bestellung. Wir müssen daher keinen Pool für das Kundenunternehmen modellieren. Ähnlich verhält es sich mit dem Händler. Unser Prozess wartet lediglich auf eine Rückmeldung des Händlers, ob die benötigten Ersatzteile geliefert werden können. Wir sind also nur am Ergebnis interessiert, nicht aber an den beim Händler ablaufenden Prozessen. 3.2 Prozessentwicklung vorbereiten Lager/Materialwirtschaft Mitarbeiter aus dem Bereich Lager/Materialwirtschaft sind für die Wareneingangsprüfung der bestellten Materialien verantwortlich. Darüber hinaus tragen sie die Verantwortung für die Lagerhaltung und für die ordnungsgemäße Abwicklung von Warenbewegungen. Bevor wir mit dem Modellieren unseres Prozesses mit SAP NetWeaver BPM beginnen, müssen wir einige wenige Einstellungen in der Entwicklungsumgebung, dem SAP NetWeaver Developer Studio (Developer Studio) überprüfen. Außerdem verschaffen wir uns zuvor einen Überblick über das SAP-Komponentenmodell. Externe Prozessteilnehmer Versand Tabelle 3.1 Unternehmensinterne Prozessteilnehmer Mitarbeiter der Versandabteilung sorgen dafür, dass Lieferungen an Kunden sachgerecht versandt werden. Zu ihren Aufgaben zählen beispielsweise die Kommissionierung von Aufträgen, die Verpackung, die Ausfertigung von Lieferdokumenten sowie der physische Versand der Waren, beispielsweise per Post oder über eine Spedition. Daneben gibt es in unserem Beispielprozess auch Akteure außerhalb des Unternehmens, die in Tabelle 3.2 aufgeführt sind Entwicklungsumgebung einrichten Das Deployment des Prozessmodells ist Voraussetzung für das Ausführen des Prozesses. Um das Deployment und somit die Ausführbarkeit zu ermöglichen, müssen Sie im Developer Studio die Verbindung zum SAP NetWeaver Application Server Java (AS Java) einrichten: 1. Starten Sie das Developer Studio und wählen Sie im Menü Window Preferences aus. 2. Geben Sie als Filtertext»SAP AS Java«ein, und markieren Sie den Treffer SAP AS Java. 3. Klicken Sie rechts im Fenster SAP AS Java auf die Schaltfläche Add, und das Dialogfenster in Abbildung 3.2 öffnet sich. Verbindung zum SAP NetWeaver AS Java einrichten Rolle Aufgabe Kunde Händler Mitarbeiter des Kunden können Ersatzteile bestellen. Eine solche Bestellung löst unseren Beispielprozess aus. Mitarbeiter des Händlers sind für die Abwicklung von Bestellungen unseres Maschinenbauunternehmens verantwortlich. Tabelle 3.2 Externe Prozessteilnehmer Prozess unternehmensintern eingrenzen In Abschnitt 3.4,»Prozess im Process Composer modellieren«, werden Sie sehen, dass wir nicht alle Prozessteilnehmer im Prozessmodell abbilden müssen. So sind die Prozesse beim Kunden, die eine Abbildung 3.2 SAP NetWeaver AS Java im Developer Studio hinzufügen 98 99

7 Prozessentwicklung vorbereiten Geben Sie in das Feld Instance Host Name den Namen oder die IP-Adresse des Servers ein, auf dem der SAP NetWeaver AS Java installiert ist. 5. Geben Sie die Nummer der Instanz ein. Die Nummer der Instanz wird in der SAP Management Console (SAP MMC) angezeigt. Wird beispielsweise als zentrale Service-Instanz des Applikationsservers SCS15 angezeigt, geben Sie hier die 15 als Instance Number ein. 6. Bestätigen Sie Ihre Angaben mit OK. Wenn Sie die SAP-Instanz registrieren, wird sie in der Tabelle System Instance/Number angezeigt. Nach Abschluss der Konfiguration sollten Sie einen Eintrag ähnlich dem Eintrag in Abbildung 3.3 sehen. cherweise aus mehreren Softwarekomponenten, die voneinander abhängen können. Eine Softwarekomponente kann Bestandteil mehrerer Produkte sein, sie bilden außerdem den Rahmen für die kleineren Einheiten, die Entwicklungskomponenten. Entwicklungskomponente Entwicklungskomponenten (Development Components, DCs) enthalten die Entwicklungsobjekte. Das heißt, sie beinhalten die eigentlichen Informationen zur Softwareeinheit. In Entwicklungskomponenten wird z. B. ein Prozessmodell entwickelt; eine Entwicklungskomponente ist immer einer Softwarekomponente zugewiesen. Entwicklungskomponenten können voneinander abhängen und sich gegenseitig verwenden, vorausgesetzt, sie sind entweder der gleichen Softwarekomponente zugewiesen oder die Abhängigkeiten der verschiedenen Softwarekomponenten sind definiert; sie kommunizieren über wohldefinierte Schnittstellen. Abhängigkeiten zwischen Entwicklungskomponenten werden zusammen mit den betreffenden Entwicklungskomponenten definiert. Eine Entwicklungskomponente, die Funktionalität einer anderen Entwicklungskomponente verwenden möchte, muss dies explizit deklarieren. Abbildung 3.3 SAP NetWeaver AS Java im Developer Studio Die Schnittstellen einer Entwicklungskomponente werden als ihre Public Parts bezeichnet. Ein Public Part umfasst eine Liste von Entwicklungsobjekten, die anderen Komponenten zur Verfügung gestellt werden. Alle anderen Bestandteile einer Entwicklungskomponente sind von außen nicht sichtbar. Abbildung 3.4 visualisiert dieses Komponentenmodell. Public Parts Komponententypen Komponentenmodell Mithilfe von Komponenten können Sie Ihr Softwareprojekt in überschaubare und wiederverwendbare Einheiten strukturieren. So kann unser ausführbares Prozessmodell mit allen dazugehörigen Komponenten, z. B. UIs für Benutzeraktivitäten, Teil eines Softwareprodukts sein. Komponenten können also wiederum andere Komponenten verwenden. Das SAP-Komponentenmodell unterscheidet zwischen zwei Arten von Bausteinen: Softwarekomponente Softwarekomponenten (Software Components, SC) bilden Auslieferungs- und Installationseinheiten. Ein Softwareprodukt besteht übli- In den folgenden Kapiteln werden wir ein Softwareprodukt erstellen, das ebenfalls aus mehreren Entwicklungseinheiten besteht. Im Mittelpunkt steht die Prozessmodellierung. Wir benötigen neben der Entwicklungseinheit für das Prozessmodell weitere Entwicklungseinheiten, z. B. ein grafisches UI für Benutzeraktivitäten in unserem Prozess. An diesem Beispiel können Sie leicht erkennen, dass die Entwicklungskomponenten zueinander in Beziehung stehen. Unsere verschiedenen Entwicklungskomponenten werden in einer Softwarekomponente gruppiert und können als solche ausgeliefert werden. Die Softwarekomponente unseres Beispielprojekts stellen wir Ihnen auf der Verlagshomepage unter zum Download zur Verfügung

8 Prozessentwicklung vorbereiten 3.2 tragserfüllung per Referenz verweisen. Sind wir im Prozess also bei der Aktivität Artikel versenden angelangt, wird der entsprechende Teilprozess aufgerufen. Wurden die Artikel erfolgreich geliefert, erfolgt die Abrechnung. Auch bei der Abrechnung handelt es sich um eine komplexe Aufgabe, bei der weitere Systeme zum Einsatz kommen und mehrere Schritte durchgeführt werden. Die Abrechnung stellen wir daher ebenfalls als Teilprozess dar. Ist der Artikel nicht verfügbar, muss er zunächst beschafft werden. Die Beschaffung umfasst mehrere Schritte, wie die Verfügbarkeitsprüfung beim Händler und die Bestellung des Artikels sowie eine Genehmigung, die ab einer bestimmten Bestellmenge oder ab einem bestimmten Betrag notwendig ist. Wir haben die folgenden Teilprozesse im Hauptprozess Auftragserfüllung identifiziert: Beschaffung Artikel versenden Abrechnung In SAP NetWeaver BPM unterscheiden wir zwischen eingebetteten und referenzierten Teilprozessen. Beide Teilprozesstypen gehören zum Modellierungselement Aktivität. Sie beschreiben eine Abfolge von Aktivitäten und Ereignissen: Teilprozesstypen Teilprozesse identifizieren Abbildung 3.4 SAP-Komponentenmodell (Quelle: SAP) Geschäftsprozess strukturieren Um eine möglichst hohe Wiederverwendbarkeit des Prozessmodells gewährleisten zu können, kapseln wir komplexere Aufgaben und Vorgänge als Teilprozesse ab. Der Prozess Auftragserfüllung startet nach dem Erhalt einer Bestellung. Es folgt die Überprüfung, ob die bestellten Artikel verfügbar sind. Ist dies der Fall, werden sie dem Kunden so schnell wie möglich ausgeliefert. Das Versenden des Artikels beinhaltet mehrere Schritte, wie das Überprüfen der Lieferadresse und das Verpacken der Artikel. Alle Schritte, die zum Versenden des Artikels gehören, fassen wir in einem Teilprozess zusammen, auf den wir im Gesamtprozess Auf- Eingebetteter Teilprozess Die komplexe Aufgabe Abrechnung bilden wir mit einem eingebetteten Teilprozess ab. Die Abrechnung ist abhängig vom Hauptprozess und kann nicht vom Hauptprozess losgelöst ausgeführt werden. Die Abrechnung erfolgt, nachdem der Artikel versandt worden ist. Referenzierter Teilprozess Die komplexen Aufgaben Beschaffung und Artikel versenden bilden wir als referenzierte Teilprozesse ab. Sie können unabhängig vom Hauptprozess erfolgen. Der Teilprozess Beschaffung wird ausgelöst, wenn der Artikel im eigenen Lager nicht verfügbar ist. Er beinhaltet die Bestellung des Artikels beim Händler. Am Teilprozess Beschaffung sind der Einkäufer und, je nach Gesamtsumme, auch der Mitarbeiter, der die Bestellung genehmigen muss (Genehmigender), beteiligt. Dieser Teilpro

9 Composite Designer verwenden 3.3 zess kann mit unterschiedlichem Ergebnis beendet werden: Der Artikel ist beim Händler vorrätig, der Artikel muss neu produziert oder vom Händler bestellt werden und kann erst mit Verzögerung geliefert werden, oder der Artikel wird nicht mehr hergestellt bzw. kann auch vom Händler nicht beschafft werden. Der Teilprozess Artikel versenden wird aufgerufen, nachdem der Artikel entweder aus dem eigenen Lager entnommen oder über einen Händler beschafft worden ist. Das Endereignis dieses Teilprozesses löst den Teilprozess Abrechnung aus. 3.3 Composite Designer verwenden Beim Composite Designer handelt es sich um eine Perspektive im SAP NetWeaver Developer Studio, der Java-Entwicklungsumgebung von SAP NetWeaver. Zum Modellieren unseres Prozesses verwenden wir den Process Composer, ebenfalls eine Perspektive im SAP Net- Weaver Developer Studio. des Produkts, also die UIs, die Webservices und natürlich die Prozesse, mit den Beziehungen zueinander in einer Übersicht. Sie können außerdem im Composite Designer Beziehungen zwischen den verschiedenen Komponenten anlegen. Alternativ können Sie auch direkt im Process Composer ein Projekt für das Prozessmodell erstellen (siehe Abschnitt 3.4.2,»Projekt für das Geschäftsprozessmodell anlegen«). 1. Um den Composite Designer zu öffnen, starten Sie das SAP Net- Weaver Developer Studio und wählen den Menüpfad Window Open Perspective Other Composite Designer. 2. Um ein Produkt für unseren Geschäftsprozess anzulegen, wählen Sie File New Product. Geben Sie für das Produkt den Produktnamen (Product Name), den Ersteller bzw. Eigentümer (Vendor) des Produkts (z. B. die Domäne Ihres Unternehmens) und die Version des Produkts ein (siehe Abbildung 3.5). Composite Applications Der Composite Designer bietet eine gute Übersicht und einfache Integration der verschiedenen Werkzeuge zum Erstellen von Composite Applications. Composite Applications sind Anwendungen, die vorhandene Plattformfunktionen über Services verwenden, integrieren und miteinander kombinieren, um eine bestimmte Benutzerbzw. Geschäftsanforderung zu erfüllen. Normalerweise verwenden Sie bei der Erstellung solcher Anwendungen verschiedene Technologien, z. B. zum Erstellen von UIs, zum Modellieren von Prozessmodellen und für die Implementierung der Geschäftslogik. Im Mittelpunkt unseres Buches steht die Prozessmodellierung. Wir möchten dennoch den Composite Designer vorstellen, da er uns eine gute Übersicht über die Zusammenhänge der Komponenten bietet, die wir für die Modellierung eines ausführbaren Prozesses benötigen Produkt im Composite Designer anlegen Wenn Sie einen komplexen Prozess modellieren möchten, der aus mehreren Teilprozessen besteht und in dem zahlreiche UIs und Webservices konsumiert werden, ist es sinnvoll, ein Produkt im Composite Designer anzulegen. Ein solches Produkt kann mehrere Projekte enthalten. Der Composite Designer zeigt Ihnen alle Komponenten Abbildung 3.5 Neues Produkt im Composite Designer 3. Übernehmen Sie bei den weiteren Angaben die voreingestellten Werte und wählen Sie Next. 4. Klicken Sie auf New Software Component... (siehe Abbildung 3.6), und geben Sie im nächsten Schritt den Namen der Softwarekomponente in Großbuchstaben an, wie es in Abbildung 3.7 zu sehen ist

10 Composite Designer verwenden Wählen Sie Ihre soeben angelegte Softwarekomponente aus, und heben Sie die Auswahl anderer Softwarekomponenten gegebenenfalls auf. 7. Wählen Sie die Optionen Process Modeling, Visual Composer, Web Dynpro, EJB/JPA und Rules Composer, wie es in Abbildung 3.8 gezeigt wird, aus, und klicken Sie auf Next. Es handelt sich um die Technologien, die wir zur Erstellung unseres Beispielprozesses benötigen. Abbildung 3.6 Neue Softwarekomponente für das Produkt 5. Übernehmen Sie die Abhängigkeiten der Entwicklungskomponenten und die Angaben zur Version der Softwarekomponente, und klicken Sie auf Finish (siehe Abbildung 3.7). Abbildung 3.8 Auswahl der Technologien für das Produkt 8. Für jede ausgewählte Technologie wird eine Entwicklungskomponente erstellt (siehe Abbildung 3.9). 9. Klicken Sie auf Finish. Abbildung 3.7 Attribute für die Softwarekomponente

11 Composite Designer verwenden Prozess im Composite Designer anlegen Um einen Prozess im Composite Designer anzulegen, haben Sie die beiden folgenden Möglichkeiten: Wählen Sie in der Palette unter Process das Objekt Process ( ) aus, und ziehen Sie es per Drag & Drop auf den Layer Process im Modellierungseditor des Composite Designers (siehe Abbildung 3.11). Folgen Sie im Composite Explorer dem Pfad <Produktname> Process <Produktname>_01/pr/pm Process Modeling Processes, und klicken Sie dann im Kontextmenü auf New Process. Abbildung 3.9 Entwicklungskomponenten des Produkts Projektübersicht im Composite Explorer In der Perspektive Composite Designer werden die Ebenen (Layer) des soeben angelegten Produkts angezeigt. Die Layer sind zunächst noch leer. Sie können sie über die Palette des Composite Designers füllen. Für jede Technologie, die wir ausgewählt haben, wurde ein Projekt angelegt. Der Composite Explorer zeigt Ihnen eine Übersicht über die Projekte (siehe Abbildung 3.10). Ein Produkt enthält mehrere Projekte. Um den Composite Explorer zu öffnen, wählen Sie Window Show View Other Composite Explorer. Abbildung 3.10 Produkt in der Perspektive»Composite Designer«und im»composite Explorer«Abbildung 3.11 Neuen Prozess als Teil des Produkts anlegen In beiden Fällen wird der Assistent zum Anlegen eines Prozesses gestartet (siehe Abbildung 3.12). Das beim Anlegen des Produkts erstellte Projekt für Prozessmodelle wurde automatisch unter Project eingetragen. Wenn Sie kein Produkt im Composite Designer anlegen, sondern nur ein Projekt für Ihr Prozessmodell anlegen wollen, gehen Sie so vor, wie es in Abschnitt 3.4.2,»Projekt für das Geschäftsprozessmodell anlegen«, beschrieben wird. Details zum Anlegen eines Prozesses finden Sie in Abschnitt 3.4.3,»Hauptschritte des Geschäftsprozesses modellieren«. Assistent zur Prozesserstellung

12 Prozess im Process Composer modellieren 3.4 Abbildung 3.12 Assistent zum Anlegen eines Prozesses 3.4 Prozess im Process Composer modellieren Der Process Composer ist die Entwicklungsumgebung von SAP Net- Weaver BPM. Er ist als Perspektive im SAP NetWeaver Developer Studio eingebunden. Mit dem Process Composer können Sie nicht nur Geschäftsprozesse modellieren, sondern diese Prozessmodelle auch ausführbar machen. Eine Übersicht über alle Komponenten von SAP NetWeaver BPM finden Sie in Abschnitt 1.4.1,»Komponenten von SAP NetWeaver BPM«. Wir starten mit der groben Modellierung des in Abschnitt 3.1,»Einführung in das Beispielgeschäftsszenario«, vorgestellten Geschäftsprozesses Auftragserfüllung. Die Geschäftslogik, die wir für die Ausführbarkeit des Prozesses benötigen, fügen wir zu einem späteren Zeitpunkt dem Prozessmodell hinzu Perspektiven im Developer Studio SAP NetWeaver BPM bietet Ihnen zum Modellieren eines Prozesses zwei Perspektiven im SAP NetWeaver Developer Studio: Process Modeling und Process Development. Es handelt sich hierbei um zwei verschiedene Sichten auf das gleiche Prozessmodell. Wenn Sie lediglich die Prozessschritte aufzeichnen und den Prozess strukturieren wollen, eignet sich hierzu die Perspektive Process Modeling. Um den Prozess ausführbar machen zu können, müssen Sie den Prozessschritten die Details in der Perspektive Process Development hinzufügen. Die Perspektive Process Modeling bietet eine Teilmenge der Funktionalitäten der Perspektive Process Development. So werden in der Perspektive Process Modeling keine automatischen Überprüfungen auf Fehler im Prozessmodell durchgeführt. Diese Perspektive eignet sich zur Erstellung des ersten Entwurfs eines Prozessmodells. Dieses Prozessmodell kann dann zum Ausdetaillieren an die IT-Abteilung übergeben werden. Die IT fügt in der Perspektive Process Development die Details hinzu, die für die Ausführung des Prozesses notwendig sind. In diesem Kapitel modellieren wir nur grob die Prozessschritte unseres Beispielprozesses. Die Verwendung der Perspektive Process Modeling würde hierzu eigentlich genügen. Trotzdem entscheiden wir uns für die Verwendung der Perspektive Process Development, da wir in den Folgekapiteln nach und nach die Geschäftslogik und alle notwendigen Details zur Ausführung hinzufügen. In der Perspektive Process Development wird unser Modell mit jedem Speichern auf Fehler geprüft. Anhand der Fehlermarkierungen und Warnungen können wir gut sehen, wo noch Details zur Ausführung fehlen. Erst wenn keine Fehlermarkierungen in unserem Prozessmodell mehr vorliegen, können wir ein Build und ein Deployment für das Prozessmodell durchführen, was Voraussetzung für das Ausführen des Prozesses ist (siehe Kapitel 11,»Prozesse und Aufgaben ausführen«) Projekt für das Geschäftsprozessmodell anlegen Bevor Sie mit der Modellierung beginnen können, benötigen Sie ein Projekt, in dem Sie das Prozessmodell mit all den Daten, die Sie im Prozess verwenden, also den Service-Schnittstellen, Aufgaben, Geschäftsregeln und Datentypen, ablegen. Falls Sie noch kein Produkt und damit noch kein Projekt für das Modell unseres Beispielprozesses angelegt haben (siehe Abschnitt 3.3.1,»Produkt im Composite Sichten auf das Prozessmodell Wahl der Perspektive

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