3.3.3 Nichtfunktionale Aspekte von Anwendungsfunktionen

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1 Inhalt Allgemeines Arten von Anwendungsfunktionen Nichtfunktionale Aspekte von Anwendungsfunktionen Zugriff auf den Datenkontext der Prozessinstanz Subprozesse als Anwendungsfunktionen Ausführung von Anwendungsfunktionen Registrierung von Anwendungsfunktionen Abschließende Bemerkungen P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 56

2 3.3.1 Allgemeines Prozessschritte sind während der ersten Phase der Prozessmodellierung meist lediglich mit Bezeichnern versehene Symbole (z.b. Rechtecke) Erst durch die Zuordnung von Anw.-Funktionen erhalten diese eine Ausführungs- Semantik Typischerweise stellen PMS eine Reihe von generischen Basis-Anw.-Funktionen ( Basis-Services ) bereit, die im Basis-Paket enthalten sind Insbesondere PMS, die auch auf EAI 1 ausgerichtet sind, bieten darüber hinaus (gegen Gebühr) eine große Auswahl von spezialisierten Anwendungsfunktionen an In der Regel wird angestrebt, die Anwendungs-Fkt. nach oben möglichst homogen aussehen zu lassen, z.b. wie Prozeduren in Programmiersprachen mit Input- und Output-Parametern 1 EAI = Enterprise Application Integration P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 57

3 Großes Spektrum an Realisierungsformen bei heutigen PMS vom PMS fest vorgegebene Anwendungsfunktionen (oft einhergehend mit funktionsspezifischen Aktivitätensymbolen für die Prozessmodellierung) Anw.-Funktionen nicht vom PMS festgelegt, aber vorgeschriebene Schnittstelle (z.b. als Web Service, spezieller Application Server, ) Unterstützung (fast) beliebig realisierter Anwendungsfunktionen Für breite Einsetzbarkeit wichtig: Möglichkeit zur Entwicklung eigener Anwendungsfunktionen durch Customizing existierender Anwendungsfunktionen Komposition von einfachen zu komplexen Anwendungsfunktionen ( Subprozesse) Implementierung ganz neuer Anwendungsfunktionen P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 58

4 3.3.2 Arten von Anwendungsfunktionen Die folgenden Kategorien von Standard-Anwendungsfunktionen findet man bei fast allen General Purpose -PMS in der einen oder anderen Form vor: Formular-Funktionen Office-Dokument-Funktionen Konnektor-Funktionen Scripting-Funktionen Systemdienste P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 59

5 Formular-Funktionen Bieten die Möglichkeit, Formulare zu gestalten und diese für die Ein- und Ausgabe von Daten einzusetzen Bei den High-end -Systemen in der Regel sehr vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten Anmerkung Viele PMS arbeiten primär formular-orientiert d.h. der Prozess wird als Folge von Formularen ( Formularfluss ) verstanden, welche die Bearbeitern gemäß ihrer Aufgabe mit entsprechenden Einträgen füllen In der Regel handelt es sich dabei dann um die Anzeige und Manipulation des Inhalts von Datenbank-Tabellen P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 60

6 Office-Dokument-Funktionen Insbesondere dokumentenorientierte PMS bieten meist Funktionen für Office- Dokumente an (z.b. Word, Excel, ) Wenn das Office-System eine Service-Schnittstelle anbietet, dann oft nahtlose Integration in die Desktop-Oberfläche des PMS Anmerkung: Diese Funktionalität wird oft auch in Verbindung mit Dokumenten-Management- Systemen (DMS) angeboten. P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 61

7 Konnektor-Funktionen Dienen dazu, Anwendungsfunktionen auf anderen Systemen auszuführen, wie z.b. ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning) CRM-Systeme (Customer Relationship Management) Dokumenten-Management-Systeme Archivierungssysteme Mail-Systeme Rule-Engines Datenbanksysteme. Prozess-Management-Systeme, die vorwiegend im Bereich EAI eingesetzt werden, verfügen in der Regel über umfangreiche Konnektor-Bibliotheken P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 62

8 Prozess-Management-System Beispiel: EAI mittels Prozess-Management-System P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 63

9 Scripting-Funktionen Im Prinzip gedacht für kleinere Programmstücke, für welche sich Implementierung und Deployment einer richtigen Anwendungsfunktion nicht lohnt Erlauben die direkte Ausführung von in der Script-Aktivität hinterlegtem Programmquellcode Programm wird oft (aber nicht zwingend) in einer Interpreter-Umgebung ausgeführt Beispiel ( Demo ) Anmerkung: Bei einigen PMS kommt diese Script-Funktionalität auch bei XOR-Verzweigungen zum Einsatz; der Prozessentwickler muss in diesen Fällen die Entscheidungslogik direkt als Programmcode (z.b. Java oder JavaScript) in der XOR-Aktivität hinterlegen. P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 64

10 Systemdienste Betriebssystemnahe Basisfunktionalitäten wie z.b. SLEEP(zeitdauer) DELETE_FILE (dateiname) MOVE_FILE ( ) FTP (.) PING ( ) P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 65

11 3.3.3 Nichtfunktionale Aspekte von Anwendungsfunktionen Einschritt- vs. Mehrschritt-Funktionen (bzw. einfach vs. komplex) Erforderliche Ausführungsumgebung Anwendungsneutral vs. anwendungsspezifisch Interaktiv vs. nicht interaktiv (Batch) P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 66

12 Einschritt- vs. Mehrschritt-Funktionen (bzw. einfach vs. komplex) Einschritt-Anwendungsfunktionen sind aus Sicht des Prozess-Management-Systems (PMS) atomar d.h. sie werden aus Sicht des PMS ganz oder gar nicht ausgeführt (Ob dies z.b. bei DB-basierten Anwendungsfunktionen auch aus DB-Sicht gilt, liegt in der Entscheidung des Implementierers!) Mehrschritt-Anwendungsfunktionen stellen sich nach oben wie ein Prozessschritt dar sind selbst wieder (Sub-)Prozesse ( siehe später) die ebenfalls unter Steuerung dieses PMS ausgeführt werden d.h. das PMS weiß, wie der (Sub-)Prozess in der Mehrschritt-Funktion aussieht (Wird der Subprozess auf einem anderen PMS ausgeführt ( entfernte Ausführung), dann ist dies aus Sicht des lokalen PMS eine Einschritt-Funktion; dasselbe gilt für eine Formularaktivität, die in sich aus mehreren Formularschritten besteht.) P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 67

13 Erforderliche Ausführungsumgebung Jede auszuführende Anwendungsfunktion benötigt eine Ausführungsumgebung, die das PMS oder eine andere Komponente (z.b. Application Server, Enterprise Service Bus, ) zur Verfügung stellen muss Beispiele Exe-Dateien Command-Shell des Betriebssystems Java-Programme Java-VM Java-Bibliotheks-Routinen Wrapper + Java-VM Beanshell-Programme Beanshell-Interpreter (+ Java-VM) XML- und HTML-Seiten entsprechende Interpreter SQL-Anwendungsfunktionen JDBC-Laufzeitumgebung Web Services Webservice-Ausführungsumgebung Open-Office-Anwendungsfunktionen Open Office Service P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 68

14 Anwendungsneutral vs. anwendungsspezifisch Anwendungsneutrale Funktionen sind neutrale bzw. Basis-Funktionen, die erst bei der Prozessmodellierung anwendungsspezifisch konfiguriert werden Beispiele: Die im AristaFlow-TestClient verwendete Anwendungsfunktion, die auf Basis der Parameter automatisch passende Formulare für die Ein- und Ausgabe ableitet Eine SQL-Aktivität, wo bei der Prozessmodellierung noch alles festzulegen ist JDBC-Treiber, Connection-URL, Aufruf- und Rückgabeparameter, SQL-Statement, Eine Skript-Aktivität bei der alle Details erst bei der Prozessmodellierung festgelegt werden Aufruf- und Rückgabeparameter, auszuführendes Skript, P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 69

15 Anwendungsneutral vs. anwendungsspezifisch (Forts.) Anwendungsspezifische Funktionen Beispiel für eine (sehr) anwendungsspezifische Funktion Demo P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 Komplexe Anwendungsfunktion zur Anzeige eines Dokuments und diverser Datenbankinhalte sowie Vorbereitung einer INSERT- Anweisung in die Datenbank 70

16 In vielen Fällen jedoch fließender Übergang von anwendungsneutralen zu anwendungs-spezifischen Funktionen Beispiel: AristaFlow-SQL-Aktivität Je nach Konfiguration völlig anwendungsneutral etwas vorkonfiguriert : Datenbanktreiber bereits festgelegt noch mehr vorkonfiguriert: Connection-URL festgelegt noch mehr vorkonfiguriert: DB-User festgelegt voll vorkonfiguriert: Alles, incl. (parametrisiertes) SQL-Statement, ist festgelegt Konfigurationsdialog für eine SQL-Aktivität in AristaFlow P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 71

17 (Bis auf den Parameterdialog) Komplett vorkonfigurierte SQL-Aktivität P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 72

18 Interaktiv vs. nicht-interaktiv (Batch) Interaktive Anwendungsfunktionen Hier kann man unterscheiden zwischen GUI-behafteten Anwendungsfunktionen die sich in die Oberfläche des PMS-Client integrieren Beispiel 1: Die Formulare im AristaFlowTestClient Beispiel 2: Tagesklinik-Stationsarbeitsplatz die sich nicht in die Oberfläche des PMS-Client integrieren Beispiel 3: Aktivitäten mit MS-Word-Anbindung Nicht-interaktive Anwendungsfunktionen Hier kannn man u.a. unterscheiden zwischen plattform-neutral und plattform-gebunden (z.b..net) wie deren Ausführung realisiert ist direkt durch den Server des PMS durch separaten Executor (z.b. bei AristaFlow durch AutomaticClient ) P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 73

19 3.3.4 Zugriff auf den Datenkontext der Prozessinstanz Zu unterscheiden: kontextfreie und kontext-sensitive Anwendungsfunktionen Beispiel: Im ersten Prozessschritt nimmt der Bearbeiter den nächsten Auftrag vom Eingangsstapel und erfasst dessen Daten in der Datenbank (welcher Kunde, Auftragsdatum, Auftragspositionen, ) Im zweiten Prozessschritt soll derselbe oder ein anderer Bearbeiter genau diesen Auftrag weiter bearbeiten Einordnung Auftragserfassung Auftragserfassung ist kontextfrei Auftragsbearbeitung Anw.-Fkt. 1 Anw.-Fkt. 2 Zu klären: Wie erfährt Anw.-Fkt. 2, welcher Auftrag von ihr bearbeitet werden soll? Weil die Erfassung von nichts Instanzspezifischem abhängig ist Auftragsbearbeitung ist kontext-sensitiv Weil bekannt sein muss, um welchen Auftrag ( AuftragsID) in der DB es sich handelt P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 84

20 Wie kommt eine Anwendungsfunktion an ihren Instanz-Kontext? InstanzID- Lösung Instanz-Datencontainer-Lösung Prozessschritt-Datencontainer-Lösung Prozessschritt-Input/Output-Parameter-Lösung Integration von Legacy -Anwendungen P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 85

21 InstanzID- Lösung Ansatz Jede Anwendungsfunktion erhält beim Aufruf die InstanzID übergeben Alle Anwendungsfunktionen einer Prozessinstanz versehen alle von ihr erzeugten instanzbezogenen Daten (in der Datenbank) mit dieser InstanzID Jede Anwendungsfunktion sucht sich mit Hilfe dieser InstanzID die für sie relevanten bzw. bestimmten Daten in der Datenbank selbst zusammen Bewertung +??? (eigentlich eine Bastellösung ; positive Aspekte schwer zu erkennen) erfordert sehr gute Absprachen und hohe Implementierungsdisziplin, wie Daten in der DB abgelegt werden sehr fehleranfällig sehr schlecht wartbar Anwendungsfunktionen in anderen Prozesstypen kaum wiederverwendbar keine Datenflussanalysen auf Prozessmodellebene möglich Fazit: Von einer solchen Lösung sollte man besser die Finger lassen P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 86

22 Instanz-Datencontainer-Lösung Ansatz Pro Prozessinstanz wird in der DB (logisch gesehen) ein Datencontainer angelegt, der alle Instanzdaten (= Werte der Prozessvariablen ) aufnimmt Dieser Container steht jeder Anwendungsfunktion der Prozessinstanz beim Aufruf zur Verfügung Jede Anwendungsfunktion holt sich direkt aus diesem Container die für sie relevanten Daten und legt Rückgabewerte direkt dort ab. Anmerkung: Dieser Ansatz liegt den meisten dokumenten- und formular-orientierten sowie teilweise auch den petrinetz-basierten (bzw. -inspirierten ) PMS zugrunde. Bewertung + systematische Verwaltung der Instanzdaten (im Gegensatz zu vorher) PMS weiß nicht, welche Anw.-Funktion welche Daten liest und welche Daten schreibt, hierdurch keine Datenflussanalysen auf Prozessmodellebene möglich Anwendungs.-Fkt in anderen Prozesstypen deshalb schlecht wiederverwendbar Für Unterstützung beliebiger Anw.-Fkt. weniger gut geeignet (da hoher Testaufwand) P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 87

23 Prozessschritt-Datencontainer-Lösung Ansatz Jedem Prozessschritt wird je ein privater, instanzspezifischer Ein- und Ausgabe- Datencontainer zugeordnet (siehe Beispiel) Der Eingabecontainer kann mittels Abbildungsfunktion mit Inhalten von Vorgänger - Ausgabe-Datencontainern gefüllt werden (siehe Beispiel) Anmerkung: Diese Realisierungsform liegt z.b. MQ Series Workflow zugrunde und hat auch WS-BPEL inspiriert; dort werden XML-Dokumente als Container benutzt. Bewertung + ermöglicht Datenflussanalysen + erleichtert die Wiederverwendbarkeit von Anw.-Fkt. in anderen Prozesstypen erschwert/verhindert die Unterscheidung zw. optionalen und nicht-optionalen Input-/Output- Parametern Versuchung, große Container zu bilden, dann Verhalten wie bei vorherigem Ansatz diese Erfahrung musste man bei MQ Series Workflow machen P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 88

24 IN 1 IN 2 Input Container OUT 1 Output Container Data Flow Activity X Control Flow GetInParams PutOutParams Application Service Zusammenspiel von Prozessschritt und Anwendungsfunktion in MQ Series Workflow P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 89

25 Abbildung von Datencontainern in MQ Series Workflow P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 90

26 /* Activity Inform patient": */ /* Check whether MQ Series Workflow "Built-In" functions are available */ If RxFuncQuery('ExmLoadFuncs')>0 Then Do Fcts not loaded yet */ rv=rxfuncadd('exmloadfuncs','exmporex','exmloadfuncs') if rv=0 Then registration ok */ Call ExmLoadFuncs /* load the FlowMark functions */ Else Signal FASTEXIT /* registration failed */ End Call ExmGetAllContainerItems call RxFuncAdd 'VInit', 'VREXX', 'VINIT' initcode = VInit() if initcode = 'ERROR' then signal CLEANUP signal on failure name CLEANUP signal on halt name CLEANUP signal on syntax name CLEANUP MQ Series Workflow: Implementierung der Anwendungsfunktion Inform Patient in REXX (1) P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 91

27 Call VDialogPos 45,40 msg.0 = 3 msg.1 = 'Bitte klaeren Sie den Patienten ' msg.2 = IN.PatientenName IN.PatientenVorname msg.3 = 'ueber die Untersuchung' IN.Untersuchung 'auf, bestaetigen Sie mit OK' call VMsgBox 'Aufklaerung', msg, 1 /* display input/output form */ /*call VCloseWindow id*/ Call ExmSetAllContainerItems CLEANUP: call Vexit exit FASTEXIT: Exit 0 MQ Series Workflow: Implementierung der Anwendungsfunktion Inform Patient in REXX (2) P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 92

28 #include <MQ Workflow API-prerequisites (C++)> #include <MQ Workflow API> int main() { Declare Objects Connect InContainer() OutContainer() //Aktionen ausführen read values set values // Verbindung trennen SetOutContainer() Deallocate Object Disconnect return rc; } // falls benötigt // falls benötigt // falls benötigt MQ Series Workflow: Implementierung einer Anwendungsfunktion in C++ (Prinzip) P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 93

29 Prozessschritt-Input/Output-Parameter-Lösung Ansatz Feingranulare Modellierung von Datenflüssen im Prozessmodell Prozessschritte werden wie Prozeduren mit elementaren Input- und Output-Parametern 1 behandelt, die im Wesentlichen 1:1 auf entsprechende Parameter der zugeordneten Anwendungsfunktion abgebildet werden Anmerkung: Dieser Ansatz wurde in AristaFlow gewählt, um die Datenflussanalysen in das Correctness by Construction Prinzip einfließen zu lassen. Bewertung + ermöglicht sehr feingranulare und damit präzise Datenflussanalysen + erlaubt, zwischen optionalen und nicht optionalen Parametern zu unterscheiden Anzahl der Prozessvariablen (= Datenelemente in AristaFlow) kann sehr groß werden; damit Einbuße an Übersichtlichkeit 2 1 Auf das Thema Was verwendet man sinnvollerweise als Parameter gehen wir im nächsten Kapitel etwas näher ein 2 Um dieses Problem abzumildern, unterstützt der AristaFlow Process-Template-Editor (wie gezeigt) verschiedene Modi um Datenelemente und Datenflüsse im Prozessmodell selektiv ein- und auszublenden. P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 94

30 Integration von Legacy -Anwendungen Oftmals Rahmenbedingung: Keine Änderungen am Legacy -Programmcode! Ausweg: Kapselung der Altanwendung mittels Wrapper Bei interaktiven Altanwendungen Die Altanwendung erhält in der Regel eine neue Oberfläche, die mit dem Wrapper kommuniziert Der Wrapper kapselt die Altanwendung und gaukelt dieser eine Tastatureingabe oder ein Ausfüllen des alten Formulars vor Instanzrelevante Änderungen in der Datenbasis der Altanwendung müssen identifiziert und (zusätzlich) als Rückgabeparameter vom Wrapper nach oben gegeben werden Alternativen für die Datenspeicherung der Altanwendung bleibt (allein oder redundant) erhalten wird beim Aufruf partiell aus der richtigen Datenbank rekonstruiert und der Altanwendung untergeschoben Dies kann sich als nicht-triviale Aufgabe herausstellen, wenn hierzu keine Systemdokumentation vorliegt und/oder konkurrierender Datenzugriff möglich sein soll. P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 95

31 AwFkt 1 AwFkt 2 AwFkt 3 AwFkt 4 AwFkt 5 AwFkt 6 Wrapper Zustandsübergänge Funktion 1 Funktion 2 Funktion 3 Funktion 4 Funktion 5 Black Box Funktion 6 Funktion 7 Funktion 8 Funktion 9 Altanwendung Kapselung einer Altanwendung (Prinzip) P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 96

32 Weitere Herausforderungen bei der Integration von Altanwendungen Altanwendungen sind oft zustandsbehaftet, d.h. nicht alle Anwendungsfunktionen sind in jedem Zustand legal bzw. anwendbar In solchen Fällen müssen beim Aufruf der Anwendungsfunktionen Reihenfolge- Beziehungen beachtet werden Anhand der funktional notwendigen Ein-/Ausgabeparameter der wrapperbasierten Anwendungsfunktionen sind diese Abhängigkeiten nicht immer erkennbar Solche Abhängigkeiten sollten im Service-Repository beschreibbar sein und bei der Prozesskomposition in die Korrektheitsanalysen mit einbezogen werden können Dieser Aspekt ist bei den heutigen Service-Repositories eher unterentwickelt oder nur in Form von Kommentaren abgelegt Anmerkung: AristaFlow bietet hierfür das Konstrukt der virtuellen Datenflüsse an damit lassen sich solche Abhängigkeiten (in gewissen Grenzen) relativ gut beschreiben und werden automatisch in die systemseitigen Datenflussanalysen mit einbezogen P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 97

33 3.3.5 Subprozesse als Anwendungsfunktionen Subprozesse können verschiedenen Zwecken dienen (wie bereits erwähnt) Ein weiterer Zweck ist die Realisierung von Mehrschritt-Anwendungsfunktionen d.h. die Anwendungsfunktion ist selbst wieder als (Sub-)Prozess realisiert Analog zu normalen Anwendungsfunktionen, großes Spektrum an Realisierungsvarianten Höchster Grad von Wiederverwendbarkeit bei vollständiger Kapselung à la AristaFlow gegeben (d.h. kein direkter Zugriff auf Instanzdaten der übergeordneten Prozessinstanz) Subprozesse dieser Art verhalten sich bei der Prozesskomposition (fast) wie gewöhnliche Anwendungsfunktionen mit Ein- und Ausgabeparametern P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 98

34 3.3.6 Ausführung von Anwendungsfunktionen Interessante Aspekte (Auswahl) Zugriff auf den Datenkontext (soeben besprochen) Ausführungsumgebung Was (siehe oben) muss alles unterstützt werden? Wer stellt die Ausführungsumgebung bereit? PMS, Application Server,? Verhalten der Anwendungsfunktion im Fehlerfall Transaktionale Ausführung der Anwendungsfunktion gegeben? Im Fehlerfall: Wiederholte Ausführung möglich? Im Fehlerfall: Kompensation möglich? (siehe später) Koordiniertes Commit mit PMS möglich? P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 99

35 Formen der Steuerung und Interaktion mit dem PMS Wer führt automatische Schritte aus? PMS selbst, spezielle PMS-Clients,? Wie werden interaktive Anwendungsfunktionen ausgeführt? Falls sich die Anw.-Fkt. aufhängt, hängt sich dann der PMS-Client auch auf? Welche Interaktionen PMS Anw.-Fkt. sind nach deren Start noch möglich? Suspend/Resume, Abort, Restart, Abfrage Ausführungsfortschritt,? Anmerkung Einige dieser Punkte werden wir im Abschnitt Fehler- und Ausnahmebehandlung, Flexibilität zur Laufzeit sowie im Kapitel Architektur und Implementierung von PMS nochmals aufgreifen P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 100

36 3.3.7 Registrierung von Anwendungsfunktionen Konkrete Realisierung/Benutzerschnittstelle von System zu System stark unterschiedlich Bei den Full-Function -PMS oft ein dreistufiger Vorgang 1. Importieren des Executables der Anwendungsfunktion ins Repository (oder des Stubs oder der Webservice-Schnittstelle ) 2. Definition einer Aktivitätenvorlage mit den benötigten Input- und Outputparametern 3. Verknüpfung der Aktivitätenvorlage mit dem Executable Hierbei Festlegung Aufrufpfad Abbildung der Parameter der Aktivitätenvorlage auf die Parameter des Executables Bei Exe-Dateien: Festlegung von Befehlszeilen-Parametern und Optionsschaltern Ausführungskontext Art der GUI-Integration vom Executable unterstützte PMS-relevante Funktionalitäten (suspend/resume, abort, progress, ) In der Regel nur bei PMS, die beliebige Anwendungsfunktionen unterstützen; wird häufig auch (teilweise) hinter einer Webservice- Schnittstelle versteckt P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 101

37 3.3.8 Abschließende Bemerkungen Möglichkeit beliebige Anwendungsfunktionen zu unterstützen essentiell für breite Einsetzbarkeit eines PMS Verstecken von Internas und Homogenisierung nach oben entscheidend für die (einfache) Benutzbarkeit während der Prozessmodellierung Einflussnahme auf gestartete Anwendungsfunktionen durch das PMS ermöglicht nahtlosere Integration und bessere Steuerungsmöglichkeiten Die konkrete Realisierung der Anbindung von Anwendungsfunktionen an das PMS hat Einfluss auf die Robustheit und Performanz des Gesamtsystems Sinnvoll: Trennung zwischen logischer Ebene ( Prozessschritt ) und aufzurufender Anwendungsfunktion oder aufzurufendem Subprozess P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 138

38 Activity Repository Process Template Editor Executables. P. Dadam, Business Process Management, 2010/11 referenziert und instanziiert Trennung zwischen logischer Ebene und Anwendungsfunktion am Bsp. von AristaFlow Beispiel ( Demo ) 139

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