Was ist ein Wort ich habe überlegt, welche Redewendungen mir spontan in den Sinn kommen, die mit Wort zusammenhängen:

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1 Gnade sei mit euch Liebe Gemeinde, sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund, so spricht der Hauptmann, der zu Jesus kommt und ihn darum bittet, seinen Diener zu heilen. Und Jesus will zu ihm nach Hause kommen und ihn dort gesund machen, aber der Hauptmann hindert ihn: Herr, ich bin nicht wert, dass du eingehst unter mein Dach. Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Ein Wort. Was ist ein Wort ich habe überlegt, welche Redewendungen mir spontan in den Sinn kommen, die mit Wort zusammenhängen: Ohne Worte, wenn etwas entweder völlig selbsterklärend oder aber unfassbar, also unbeschreiblich ist, so dass einem die Worte fehlen wortlos, wenn alles gesagt ist oder wenn die Gestik, wenn die Handlung schon alles sagt Viel Worte um nichts machen, wenn die Worte eigentlich stören, wenn sie zu viel des Guten sind Er oder sie macht nicht viel Worte beschreibt das Gegenteil, wenn jemand handelt, ohne viel Wind darum zu machen Hast du Worte? beschreibt, wenn jemand fassungslos und ungläubig beschreibt, was er oder sie sieht Seid aber Täter des Wortes, nicht Hörer allein! mahnt Jesus seine Jünger Verantwortung übernehmen Antwort Noch viel mehr habe ich gefunden, die ich aber nicht alle aufzählen will möchte halt nicht zu viel Worte machen. Viel interessanter finde ich es, über die Macht der Worte nachzudenken. Darüber gibt es ganze Bücher und Kolumnen. Worte können verletzen, Worte können heilen. Und Worte, die für einen Menschen niederschmetternd sind, können für den anderen eine völlig neutrale Bedeutung haben.

2 Die Worte, die wir hören und die wir einander zusprechen, lösen Bilder in uns aus, Erinnerungen, Gefühle und Assoziationen. Über Worte sind wir im Beziehung und Kontakt miteinander, versuchen, unsere eigenen inneren Bilder und Vorstellungen damit weiterzugeben an unser Gegenüber. Oft treffen wir auf Verständnis, wenn unsere Gesprächspartner ähnliche Lebenserfahrungen gemacht haben wie wir, wenn ihre inneren Bilder anknüpfen können an die Worte, die ich spreche. Besonders dann, wenn die Worte, die benutzt werden, vertraut sind und nicht selbst erst einmal erklärt werden müssen, wenn also auf dem gleichen Bildungsstand miteinander gesprochen wird. Ich bitte Sie, sich einmal zurückzulehnen und einige Worte auf sich wirken zu lassen, die Gefühle wahrzunehmen, die dazu entstehen: Not, Leid, Elend, Trauer, Flucht, Vertreibung, Krieg, Hass, Streit, Gewalt Schon allein diese Worte zu hören, macht etwas mit uns bei dem einen lösen sie Erinnerungen aus an eigene Erlebnisse, und sie machen traurig. Eine andere zieht vielleicht reflexartig alle Schutzwälle hoch, die sie zur Verfügung hat, weil diese Worte ihr zu weh tun, weil sie nichts von dem Gehörten spüren will. Ich spreche andere Worte: Freude, Lachen, Vertrauen, Zuversicht, Spiel, Zärtlichkeit, Freundschaft, Glaube, Hoffnung, Liebe. Haben Sie es gemerkt? Wie hat sich das angefühlt? Ich hoffe, anders, ich hoffe, besser. Aber auch wenn diese Worte positiv klingen, gibt es auch Menschen, die nicht positiv darauf reagieren können, weil ihre negativen Erfahrungen im Leben überwiegen, weil sie gelernt haben, dem guten Wort nicht zu trauen. Und das ist das Fatale: die Macht der Worte ist besonders groß, wenn sie negative Worte sind: Du bist dumm, hässlich, dick,

3 Immer wieder: Du bist Worte werten! Worte schreiben uns Eigenschaften zu, die gar nicht den Tatsachen entsprechen müssen. Und doch glauben wir sie, weil wir angewiesen sind auf ein Gegenüber, das uns hilft, uns selbst einzuordnen in dieser Welt. Und darum hat Gott uns den einen an die Seite gestellt, der eben nicht viel Worte um sich macht, einen, der nicht urteilt und wertet: Du bist, sondern der ganz schlicht sagt: Ich bin Und in diesem Ich bin steckt seine konzentrierte Göttlichkeit, sein Aufgehoben-Sein in dieser Welt, weil er Kind Gottes ist, weil er Gottes Ebenbild ist. Mehr Worte braucht er nicht. Mehr Wert braucht er nicht. Vom Wort spricht der Evangelist Johannes in seiner langen Einführung in sein Evangelium. Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen. Es geht noch viel weiter, das haben Sie vorhin gehört Während meines Studiums in Bochum habe ich eine Vorlesung besucht, bei Professor Wengst, über das Johannesevangelium. Da bin ich nach der ersten Hälfte des Semesters nicht mehr hingegangen, weil er da immer noch nicht über diese Einleitung hinausgekommen war. Jedes Wort über das Wort wurde umgedreht und in seiner Philosophie- und Wirkungsgeschichte beleuchtet was ja vielleicht ganz wichtig, aber eben sehr sehr langatmig war.

4 Vielleicht wäre ich damals geblieben, wenn wir bis zu dieser Stelle gekommen wären: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu sein. Ist das nicht verrückt? Er hat denen, die Glauben wagen, die sich trauen, zu vertrauen, die Macht gegeben, ein Kind zu sein? Wer bitte schön, bringt denn Macht und Kind-Sein miteinander in Verbindung? Außer eben unser Gott, der uns in dem Kind in der Krippe sich selbst zu Füßen legt. Dieses Kind in der Krippe, das zu uns spricht: Ich bin das Brot des Lebens Ich bin der gute Hirte Ich bin der Weinstock, ihr die Reben Ich bin der Anfang und das Ende Ich bin die Tür Ich bin das Licht der Welt Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben Ich bin die Auferstehung und das Leben Und in diesen Ich bin-worten steckt die Zusage: hab Vertrauen, so wie Gott ein Kind geworden ist in mir, so darfst auch du Kind Gottes sein, darfst dich lösen von allen Worten, die dich beurteilen und verurteilen, von allen Worten, die dir Angst machen und dich verletzen, von allen Worten, die deine Hoffnungen zerstören, sondern darfst dem Wort Gottes in mir vertrauen: Ich bin! Geschöpf Gottes Gottes geliebtes Kind Frei zu lieben, zu hoffen, zu glauben Ausgestattet mit der Freiheit und der Würde der Kinder Gottes. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr das Himmelreich nicht erlangen. Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund, sagt der Hauptmann. Dieses Wort spricht der Sohn, der sagt: Ich bin im Namen unseres Gottes, der heißt: Ich bin da!

5 Amen. Und der Friede Gottes Stille

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