Agenten mit Esprit. Bei Bedarf können zwei weitere Kanäle betrieben werden:

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1 : Neues Client/Server-Konzept im Praxiseinsatz Agenten mit Esprit VON RAINER BUESCH Ein neues Client/Server-Konzept hat seinen Bewährungstest in der Praxis bestanden. Es basiert auf EsprIT [1], einem Java-Middleware-Server von TnTsoft, der mit seinen Clients über mehrere Kanäle kommuniziert und daher in der Lage ist, Anfragen je nach Bedarf synchron oder asynchron zu erledigen und seine Clients über Änderungen zu informieren. Intelligente Agenten bilden hierbei die Schnittstelle zur konkreten Anwendung und erlauben eine einfache Implementierung von kundenspezifischer Funktionalität. Des Weiteren sind mehrere Server zwecks Aufgabenteilung zu Server-Verbundnetzen kaskadierbar. Ein Einsatzbeispiel wird zum Abschluss (siehe Seite 56-57) die Einsatzmöglichkeiten aufzeigen. Der hat alle wesentlichen Merkmale eines normalen Middleware- Servers: Er läuft typischerweise als Daemon-Prozess auf einem zentralen Host und ist gekoppelt mit einer Datenbank und/ oder anderen Backend-Systemen. Allerdings bauen seine Clients eine Mehrfachverbindung über mindestens zwei Netzwerkkanäle auf. Request/Response-Kanal: Über diesen Kanal kann der Client synchrone oder asynchrone Anfragen (Requests) absetzen und eine entsprechende Antwort (Response) erhalten. Bei einer synchronen Anfrage wartet der Client, bis die Response empfangen wird, was typischerweise ganz schnell geschieht. Bei der asynchronen Anfrage erhält der Client die Response später in einer Nachricht zugeschickt und muss deshalb nicht blockieren. Message-Kanal: Über diesen Kanal empfängt der Client asynchrone Servernachrichten (Messages). Der Server ist somit in der Lage, alle eingeloggten Clients zu informieren, wenn sich beispielsweise ein Datensatz in der Datenbank geändert hat. Dadurch haben alle Clients stets die aktuellste Sicht der Daten, wodurch sich das sonst übliche ständige Nachfragen (Server Polling) erübrigt. Client-Sessions: Beide Kanäle werden vom Server als jeweils eine Client-Session verwaltet. Da die Kopplung über eine stehende TCP-Verbindung realisiert ist, gibt es keine Verzögerungen durch ständigen Verbindungs-Auf-/Abbau. Ausgehende Client-Anfragen und eingehende Servermeldungen können zeitlich überlappen. Requests/Responses sowie Messages können jeweils ein beliebiges serialisierbares Java-Objekt als Argument transportieren. So geschieht der Datenaustausch zwischen Client und Server einfach und performant. Bei Bedarf können zwei weitere Kanäle betrieben werden: Abb. 1: Die Verbindung des Clients zum EsprIT-Server Transfer-Kanal: Dieser Kanal dient dem transaktionsorientierten (nach dem Motto ganz oder gar nicht) Hoch- oder Herunterladen großer Datenmengen (File- Sets). Solche Übertragungen laufen i.d.r. asynchron und mit einer niedrigen Priorität, um die sonstige Funktion des Servers möglichst wenig zu stören. Web-Kanal: Hierbei handelt es sich um einen integrierten Web Service, über den ein Client HTML-Dokumente abrufen kann. Im Unterschied zu einem normalen Web Service werden Anfragen nur von solchen Clients akzeptiert, die eine authentifizierte Verbindung zum Server haben. Agenten im Netz Flexibel einsetzbar sind sog. Agenten, die eine Kernfunktionalität des Servers ausmachen. Dies sind spezielle Objekte, die als

2 Abb. 2: Die Benutzeroberfläche des Administrator-Clients erlaubt die dynamische Konfiguration des Servers sowie das Monitoring seiner Laufzeitparameter. Argument eines Requests mitgeschickt werden. Derartige Agenten enthalten neben puren Daten auch Java-Code des Clients, der allerdings auf Serverseite ausgeführt wird. Eventuelle Ergebnisdaten werden ebenfalls im Agenten gespeichert und schließlich an den Client zurückgeschickt. Wie Requests sind auch Agenten synchron oder asynchron ausführbar. Die Ergebnisse einer asynchronen Ausführung können dem Client auch als eine Serie von Teilergebnissen zugestellt werden. Beim Lesen großer Datenmengen aus der Datenbank beispielsweise werden mehrere sequenzierte Ergebnis-Agenten geschickt, die jeweils eine Teilmenge der gefundenen Da- tensätze enthalten so kann der Client beobachten, wie sich seine Ergebnisstabelle füllt. Aynchrone Agenten werden hauptsächlich für Aktionen verwendet, die länger dauern und deshalb die Benutzeroberfläche nicht blockieren sollen. Anhand einer Ident-Nummer ist der Client in der Lage, deren Ausführung auf dem Server jederzeit abzubrechen. Wird ein vom Client vorgegebener Time-out-Wert überschritten oder der Client gänzlich terminiert, dann erfolgt auf Serverseite ein automatischer Abbruch des Agenten. Wenn der Client den Agenten vom Server zurückerhält, sei es direkt in der Re- Anzeige Vielfalt der Nachrichten Eine Besonderheit des EsprIT-Servers ist der zusätzliche Message-Kanal, über den die Clients unterschiedlichste Servernachrichten empfangen können, wie z.b.: Alarmmeldungen des Servers: Der Server meldet eigene Zustandsänderungen bzw. die Zustände von Backend-Systemen (z.b. Hauptspeicher knapp oder Datenbankverbindung unterbrochen). Logmeldungen des Servers: Der Server schreibt Log-Meldungen nicht nur in seine Log-Datei(en), sondern sendet sie auch per Nachricht an die Clients, wo der Benutzer sie direkt in einer Konsole verfolgen kann. Prozessmeldungen des Servers: Auf dem Server laufende Prozesse melden den Clients ihre Fortschritte, die dadurch auf Client-Seite in einem Laufbalken visualisiert werden können. Meldungen über Datenbankänderungen: In der Datenbank geänderte Datensätze werden den Clients in einer Nachricht geschickt, die daraufhin dann ihre lokale Sicht aktualisieren, ohne selbst eine Datenbank-Anfrage machen zu müssen. Nachrichten von anderen Clients: Ein Client kann per Anfrage eine Nachricht an sich selbst, einen anderen Client oder an alle eingeloggten Clients senden. Auf diesem Wege können Clients auch direkt miteinander kommunizieren. Agenten-Nachricht: In einer solchen Nachricht erhält der Client die Antwort auf eine von ihm gestellte Agenten-Anfrage. Client-Kommandos: Eine Nachricht kann ein Kommando enthalten, das der Client ausführt. So kann der Server den Spieß umdrehen und dem Client sagen, was er tun soll; eine Option, die viele Möglichkeiten eröffnet. Sofern der Client nicht selbst der Verursacher einer Nachricht ist, erhält er Servernachrichten eines bestimmten Typs nur dann, wenn er sich explizit dafür registriert hat. So bekommt z.b. nur der Administrator-Client die Log-Meldungen des Servers zugeschickt.

3 Abb. 3: Das System HiLocate von Isa-Telematik wird in weltweit eingesetzt, wo es bis zu Fahrzeuge gleichzeitig überwacht. Abb. 4: Viele Server lassen sich zu einem Verbundnetz kaskadieren. Client-Anfragen können von Server zu Server durchgereicht werden. sponse oder später in einer asynchronen Message, dann wird beim Empfang automatisch darin eine Methode aufgerufen, in der formuliert ist, wie seine Reaktion aussehen soll. So könnten z.b. die empfangenen Daten in eine Tabelle eingetragen werden, um sie dem Anwender zu präsentieren. Der Agent enthält also sowohl den Java-Code zur Ausführung auf dem Server als auch für das Postprocessing auf dem Client und hat damit alles, was zur Implementierung einer bestimmten Funktionalität erforderlich ist. Damit kann man einen Agenten auch als Programmierschnittstelle betrachten. Die Entwicklung einer Anwendung besteht praktisch darin, die erforderlichen Agenten zu schreiben ohne jegliche sonstige Eingriffe oder Erweiterungen in der Serversoftware. Auch dann, wenn der Client einen asynchronen Agenten beim Server sozusagen in Auftrag gibt, erhält er in der Response eine Kopie des Agenten wieder zurück. Dieser Response-Agent wurde bereits synchron auf dem Server ausgeführt und kann deshalb schon Ergebnisse enthalten, die durch den später in einer Nachricht erhaltenen asynchronen Agenten komplettiert werden. Diese Möglichkeit wurde z.b. bei der Applikation HiLocate der Firma ISA- Telematik benutzt [2], um ein zeitliches Parallel-Processing auf Client- und Serverseite zu realisieren. Das HiLocate-System erlaubt die Verfolgung von mit GPS-Empfängern ausgestatteten Fahrzeugen auf einer elektronischen Landkarte. Die Positionen der Fahrzeuge werden mit beschrifteten Fähnchen grafisch markiert. Damit es keinen Fähnchen-Wald gibt, wenn sich Fahrzeuge an bestimmten Positionen häufen, wurden so genannte Stapel- Fähnchen erfunden, die jeweils eine Gruppe von Fahrzeugen anzeigen. Die Berechnung der Fahrzeuggruppierung und Fähnchen-Platzierung ist nicht trivial und erfordert einige Rechenzeit auf Client-Seite. Andererseits erfordert die Erzeugung des Bildes für den darzustellenden Landkartenausschnitt einige Rechenzeit auf Serverseite. Die Agenten-Lösung sieht nun so aus: Der Client schickt den ImageChangeAgent an den Server und erhält in der Response die Koordinaten der darzustellenden Fahrzeuge. Nun kann der Client bereits die Platzierung der Fähnchen berechnen, während gleichzeitig der Server asynchron an der Erzeugung des Landkartenbildes arbeitet. Ist das Bild fertig, erhält es der Client in einer Nachricht zugeschickt und aktualisiert damit seine Darstellung. Durch die Parallelisierung dieser beiden Vorgänge konnte die Performance eines Bildwechsels erheblich gesteigert werden. Zusammenschalten mehrerer Server Ein Server kann sich mit einem oder mehreren anderen Servern (seinen sog. Co-Servern) verbinden und ist dann deren Co- Client. Auf diese Weise sind Server kaskadierbar und können zu komplexen Server-Verbundnetzen zusammengeschaltet werden, wobei jeder Einzelne typischerweise auf einem anderen Host läuft und andere Aufgaben hat. Per Konfiguration ist jedem Server bekannt, wer seine Co- Server und Co-Clients sind, sodass er sich nach zeitweiligem Netzwerkausfall oder nach einem Restart automatisch wieder korrekt in das Netzwerk einklinken kann. In einem solchen Server-Verbund können Client-Agenten von Server zu Server weitergereicht werden, wobei jeder Server im Agenten seinen speziellen Teil erledigt. Beispielsweise kann der Zentralserver die Datenbankabfrage erledigen (denn er hat die Datenbankverbindung) und dann den mit Zwischenergebnissen gefüllten Agenten weitersenden an einen Compute-Server, der in der Lage ist, spezielle geometrische Berechnungen durchzuführen. Wenn der Client seinen Agenten schließlich zurückerhält, weiß er im Prinzip nicht, wie viele Server denn für ihn daran gearbeitet haben. Einer der Vorteile des Agentenkonzeptes liegt darin, dass Aufgaben auf verschiedene Server verteilt werden können. Dabei brauchen die involvierten Server keine spezielle Intelligenz zu besitzen. Den Java- Code, den sie ausführen sollen, müssen sie selbst nicht kennen sie erhalten ihn quasi im Agenten zugeschickt. Für die Praxis be

4 deutet dies, dass alle Server bis auf Unterschiede in ihrer Konfiguration identisch sind. Die alte Diskussion: Rich Client oder Web Client? Die hier beschriebene Client/Server-Technologie ist insbesondere für die Unterstützung sog. Rich Clients geeignet. Letztere haben gegenüber den Web Clients den Vorteil der wesentlich leichter handhabbaren Komplexität und besseren Performance, da der Overhead eines Webbrowsers und die damit verbundenen Schwierigkeiten entfallen. Als Nachteil wurde bisher die Notwendigkeit gesehen, dass die Software auf jedem einzelnen Client installiert werden muss. Seit dies aber von Java Webstart automatisch erledigt wird, dürfte die Diskussion um Web oder Rich Client sich neu entfachen. Zusammenfassung Aufgrund der Multi-Kanal-Verbindung können Clients nicht nur gewöhnliche Anfragen an den Server richten, sondern auch asynchrone Nachrichten empfangen. So kann der Server seine Clients dynamisch z.b. über Änderungen in der Datenbank auf dem Laufenden halten und so Inkonsistenzen von vornherein vermeiden. Die Kommunikation basiert auf Agenten, die den Java-Code zur Ausführung sowohl auf Server- als auch auf Client-Seite enthalten und damit eine eine besonders einfache Programmierschnittstelle zur Imple- mentierung kundenspezifischer Funktionalität darstellen. Mit dem EsprIT-Server als Basiskomponente lassen sich in kurzer Entwicklungszeit intelligente Client/Server Systeme für die unterschiedlichsten Anwendungen erstellen, insbesondere zur Unterstützung sog. Rich Clients. Ggf. kann diese Technologie auch als preiswerte Alternative zu hochkomplexen Enterprise-Application- Servern in Betracht gezogen werden. Dipl.-Phys. Rainer Buesch studierte Physik in Bonn. Als Chip-Designer bei Siemens/München lernte er die CAE/CAD Systeme kennen und wurde in den folgenden elf Jahren Tätigkeit bei Computervision, Prime und Mentor Graphics zum Spezialisten in diesem Fach. Seit zwölf Jahren arbeitet er selbstständig als Trainer und Coach in den Bereichen Betriebssysteme, Datenbanken und Java-Programmierung. Sein Spezialgebiet heute ist die Entwicklung von Client/Server- und Datenbank-Applikationen mit Java. Links & Literatur [1] Suite: Products/SRVSuite.htm [2] HiLocate-Telematik-System: [3] DBObject Suite: Products/DBOSuite.htm [4] buesch_js_04_03.pdf [5] Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover: [6] Pointbase: Anzeige Datenbank-Zugriff mit DBObjects Aus Sicht eines Middleware-Servers ist eine Datenbank lediglich ein Medium, wo man Daten persistent ablegen und jederzeit wieder auslesen kann. Um mit der Datenbank zu reden, muss der Server SQL sprechen und da beginnt das Problem, denn verschiedene Datenbanken sprechen verschiedene SQL-Dialekte. Ein Middleware-Server möchte davon jedoch möglichst unabhängig sein! Darüber hinaus ist es naturgemäß sehr aufwendig, die in einer relationalen Datenbank in atomisierter Form gespeicherten Daten in leichter handhabbare Objekte abzubilden, wie sie in der Programmierwelt benötigt werden. Deshalb verwendet der EsprIT-Server sog. DBObjects [3] als eine zwischengeschaltete Persistenzschicht. Ein DBObject ist eine Java-Klasse, die einen Datensatz als Objekt modelliert. Es trägt die Information des Datensatzes und weiß selbst, wie dieser aus der Datenbank zu lesen und dort zu speichern ist. Der Programmierer arbeitet mit diesen DBObjects wie mit jedem anderen Java-Objekt und merkt im Prinzip gar nicht, dass er mit der Datenbank kommuniziert. Dadurch ist er von SQL und anderen Datenbank-Spezifika entbunden. Die DBObject-Klassen werden einmalig mithilfe des DBObject Compiler aus der existierenden Datenbank automatisch erzeugt eine Sache von Sekunden. Sollten Tabellenstrukturen in der Datenbank verändert werden, genügt ein erneutes Kompilieren. Aus solchen Änderungen resultierende Fehler im Programm werden vom Java-Compiler erkannt und treten nicht etwa zur Laufzeit auf, wie es bei SQL-basierenden Programmen der Fall wäre. Die Möglichkeiten und Vorteile der DBObjects zu erläutern, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Der Leser sei auf [4] verwiesen.

5 Qualitäts-Managementsystem für Finite-Elemente-Analysen Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) [5], Hannover, ist als Fachbehörde des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit die zentrale wissenschaftlich-technische Institution zur Beratung der Bundesregierung in allen georelevanten Fragestellungen. Die Abteilung B2 ist in der BGR die Organisationseinheit für den Bereich Geotechnische Sicherheit/Endlagerung und befasst sich hauptsächlich mit der Endlagerung radioaktiver Abfälle. Neben den Endlagerarbeiten gehören die geotechnische Bewertung untertägiger Bauwerke (z.b. Salzkavernen) sowie Georisiken (z.b. Rutschungen, Erdbeben) zu den Tätigkeiten dieser Abteilung, die auch auf internationaler Ebene stattfinden. Im Referat B2.6 (Modellberechnungen, Numerische Verfahren) der Abteilung B2 werden in einem heterogenen Netzwerk (PCs, Unix/Linux Workstations, Linux-Server, Sun-Server) Finite-Elemente- Analysen durchgeführt. Hierzu erstellen Wissenschaftler auf dem Desktop (PC/Workstation) Berechnungsmodelle (Pre-Processing), die sie anschließend auf einem leistungsfähigen Compute- Server analysieren lassen. Die Ergebnisse einer solchen Berechnung werden auf dem Desktop visualisiert und ausgewertet (Post-Processing). Schließlich archivieren die Benutzer sämtliche Daten der Modellberechnungen auf einem zentralen File-Server. Bisher mussten die Benutzer sämtliche Programmaufrufe und Datentransfers von Hand ausführen und die Berechnungen selbst starten und überwachen. Um diese Abläufe zu automatisieren und potenzielle Fehlerquellen zu minimieren, sollte eine Software entwickelt werden, die auf der vorhandenen Infrastruktur sämtliche Remote-Logins sowie manuelle File-Transfers überflüssig macht und komplett vom Desktop zu bedienen ist. Zusätzlich sollte eine Benutzerverwaltung mit einem mehrstufigen Berechtigungsmodell implementiert werden. Abb. 5: Genereller Aufbau des Inca-Systems Als generelles Konzept wurde dafür eine zweistufige Client-Server-Architektur angestrebt, mit einem zentralen Server, der sämtliche Daten vorhält, Benutzer verwaltet sowie Berechnungen steuert und überwacht. Das Projekt sollte in akzeptabler Zeit mit möglichst geringem Kostenaufwand realisiert werden. Zusätzlich sollte es auf einer heterogenen Infrastruktur möglichst wenig Portabilitätsprobleme mit sich bringen und sowohl unter Unix/Linux als auch unter Windows eine grafische Benutzeroberfläche anbieten. Unter Berücksichtigung dieser Randbedingungen wurde als Programmiersprache Java ausgewählt. Um den Programmieraufwand und damit die Kosten zu minimieren, wurde nach Modulen recherchiert, die in diesem Projekt genutzt werden können. Als Datenbank-Management-System wurde PointBase von DataMirror [6] ausgewählt, da es SQL beherrscht, eine JDBC-Schnittstelle besitzt, keine langwierige Installations- oder Administrationarbeit mit sich bringt und gut lokal oder auf dem zentralen Server läuft. Als eine Art Baukasten für Client-Server-Lösungen wurde der EsprIT-Server von TnTsoft azusgewählt. Dieser sollte als Basis dienen und bietet Unterstützung für die Persistenz-Schicht DBOSuite, ebenfalls von TnTsoft, mit der ein Zugriff auf Datenbanken einfach zu realisieren ist. Am Anfang der Programmierarbeit stand ein SQL Script, das die PointBase-Datenbank aufbaut. Mithilfe des DBOCompilers aus der DBOSuite wurde dann auf Basis dieser Datenbank für jede Tabelle eine Java-Zugriffsklasse (DBObject) im Quellcode erstellt. Der Vorteil dabei liegt darin, dass die Schnittstelle zur Datenbank fehlerfrei ist und das zeitaufwendige Erstellen eigener DataAccess-Objekte entfällt. Nach Modifikationen beziehungsweise Erweiterungen des Datenmodells wird der DBOCompiler erneut gestartet, wodurch sämtliche Änderungen im Quellcode der DBObjects vorgenommen werden. Die generierten DBObjects kommunizieren mit der Datenbank in Verbindung mit dem EsprIT-Server auch von Clients aus, ohne die Datenbank direkt zu kontaktieren. Dazu verbindet sich der Client mit dem, der als Tunnel zur Datenbank agiert und Netzwerk- und Datenbank-Last reduziert. Da die DBOSuite ein eigenes konfigurierbares Connection-Pooling enthält, wird außerdem ein Teil der Lizenzkosten für die Datenbank eingespart. Im zweiten Schritt wurden erste Agenten programmiert, welche die Schnittstelle zwischen einem Client und dem EsprIT-Server bilden. Diese enthalten sowohl den Programmcode des Clients als auch den des Servers. Dadurch steht der Quellcode kompakt in einer einzigen Klasse. Im Ergebnis ist der Code einfach wartbar und man hat eine gute Übersicht über die Abläufe. Den Transport und das Handling dieser Agenten und der enthaltenen Daten übernimmt der EsprIT-Server. Synchrone oder asynchrone Ausführung, mit oder ohne Rückmeldung, oder die Rückmeldung des Ergebnisses als Response oder Message all das kann man in seinen eigenen Agenten konfigurieren. Als Drittes wurde ein erstes einfaches Client-GUI für Tests erstellt, das diese Agenten an den EsprIT- Server sendet. Dabei funktionierte der Server auf Anhieb und arbeitete die Agenten sauber und robust ab. Dadurch war der Grundstein für die Realisierung des Projektes gelegt. Die nächste Aufgabe bestand darin, einen spezialisierten EsprIT-Server, den Zentralknoten-Server (ZK-Server, Abb.6) zu erstellen. Besondere Merkmale sind hier neben der Konfiguration eines eigenen UserAuthenticator der ProjectManager und der PermissionManager. Diese regeln die Zugriffe auf die Datenbank und ins Dateisystem. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die Aktionen auf dem ZK-Server geprüft und protokolliert ablaufen. Die ZK-Agenten können auf Serverseite direkt den ProjectManager ansprechen und z.b. für einen bestimmten Berechnungslauf die Dokumentation abrufen. Stammt der Agent von einem nicht autorisierten Benutzer, so wird die Anfrage mit einer Fehlermeldung abgelehnt. Um auch große Datenmengen zwischen dem Zentralknoten und den Clients austauschen zu können, wurde der Transfermechanismus des EsprIT-Servers getestet. Dazu erstellt man eine FileTransferList, die detailliert konfigurierbar ist. Die Angaben von Quelle und Ziel, ASCII oder binär, mit oder ohne Erzeugung fehlender Ziel-Verzeichnisse und sogar ein gemischter Transfer von Up- und Downloads sind machbar. Für diesen Austausch nutzt der Server eine separate Verbindung (Transfer-Kanal), um die Serverlast gering zu halten. Für dieses besondere Feature war ser

6 alle User oder ausgewählte Sessions schicken. Der Inhalt einer solchen Message ist frei programmierbar. Dies kann ein Text, ein DBObject oder sogar ein ClientCommand sein, das auf Client-Seite ausgeführt wird. Mit diesem Mechanismus werden z.b. vom ZK-Server alle eingeloggten Clients über Änderungen im Projektbaum oder über neue Berechnungsergebnisse dynamisch informiert. Diese Aktualisierung erfolgt natürlich nur dann, wenn der betroffene User auch Rechte an den jeweiligen Informationen hat. Dies steuert ein spezialisierter MessageDispatcher. Abschließend formuliert, versetzt der EsprIT-Server den Entwickler in die Lage, sich viel mehr um das Was als um das Wie zu kümmern. Die Netzwerkproblematik ist ausgeblendet und die Hauptaufgabe besteht in der Entwicklung einer guten Benutzeroberfläche und der dazugehörigen Agenten. Thomas Stecher, BGR Hannover Abb. 6: Struktur des ZK-Servers verseitig kein zusätzlicher Quellcode notwendig, da das Verfahren letztendlich identisch mit dem der Agenten ist. Für den produktiven Betrieb wurde ein zweigeteiltes GUI entwickelt, das eine effiziente Navigation durch die vielen Modellberechnungen bietet (Abb. 7). Links sind diejenigen Teile des Projektbaumes zu sehen, für die man Zugriffberechtigungen hat und rechts erhält man zu dem jeweils selektierten Knoten einen HTML-Report. Dessen HTML-Code wird jedoch nicht komplett vom Server abgerufen, sondern vom Client selbst dynamisch generiert. Dies geschieht teilweise aus den im Projektbaum präsentierten DBObjects und zum anderen aus Informationen, die per Agenten vom Server geholt werden. Lediglich die Bilder kommen per HTTP Request direkt vom Web-Kanal des EsprIT-Servers. Auch diese Zugriffe werden geprüft beziehungsweise gegebenenfalls verweigert. Die letzte Komponente des Systems bildet der Compute-Server (CS). Diesen kann es in mehreren Ausführungen auf beliebig vielen Rechnern geben, je nachdem welche Analyse-Software dort vorhanden ist. Ein Compute-Server ist nichts weiter als ein unmodifizierter EsprIT-Server, der seine speziellen Fähigkeiten aus den Agenten bekommt, die der ZK-Server ihm aus dem ProjectManager heraus schickt. Zur Verbindung mit dem ZK-Server wird der eingebaute Server-Kaskadierungsmechanismus genutzt. Hervorzuheben ist noch, dass ein EsprIT-Server als ein einziger Prozess im Betriebssystem läuft, der allerdings multithreaded arbeitet. Für jeden verbundenen Client werden mindestens zwei Threads gestartet: Der erste empfängt Requests und arbeitet sie ab und der zweite sendet asynchron Messages an den Client. Messages können allerdings vielfachen Ursprungs sein. Welcher Client welche Message bekommt, entscheidet der MessageDispatcher. Auf diesem Wege kann man Nachrichten entweder an eine einzelne Session, einen User, an Abb. 7: Screenshot der grafischen Benutzeroberfläche des Inca-Systems Thomas Stecher ist staatlich geprüfter Informatikassistent Fachrichtung Wirtschaft. Seit 1992 arbeitet er bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe im Referat B2.6 (Modellberechnungen, Numerische Verfahren) als Systemadministrator und Softwareentwickler

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