Internationale Wirtschaft Kapitel 17: Produktion und Wechselkurs in kurzer Frist Kapitel 17: Produktion und Wechselkurs in kurzer Frist

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1 Kapitel 17: Produktion und Wechselkurs in kurzer Frist 1

2 Kapitelübersicht Determinanten der volkswirtschaftlichen Nachfrage in einer offenen Volkswirtschaft Die Gleichung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage Die Bestimmung der Produktionsmenge in kurzer Frist Das Gütermarktgleichgewicht in kurzer Frist: die DD-Kurve Der Vermögensmarkt im kurzfristigen Gleichgewicht: die AA-Kurve Das kurzfristige Gleichgewicht einer offenen Volkswirtschaft: die DDund AA-Kurve 2

3 Kapitelübersicht Vorübergehende Änderungen der Geld- und Fiskalpolitik Inflationsbias und andere Probleme der Politikfindung Dauerhafte Veränderungen der Geld- und Fiskalpolitik Makroökonomische Politik und Leistungsbilanz Allmähliche Anpassung der Handelsströme und die Dynamik der Leistungsbilanz Zusammenfassung Anhang I: Intertemporaler Handel und Konsumnachfrage 3

4 Einführung Makroökonomische Veränderungen, die Wechselkurse, Zinssätze und Preisniveaus verändern, können sich auch auf die Produktion auswirken. In diesem Kapitel wird eine neue Theorie vorgestellt, die aufzeigt, wie sich der Gütermarkt an Nachfrageverschiebungen anpasst, wenn die Angleichung der Güterpreise in der Volkswirtschaft nur langsam erfolgt. Anhand eines Modells für den Gütermarkt einer offenen Volkswirtschaft in der kurzen Frist wird analysiert wie sich politische Instrumente zur Beeinflussung der Makroökonomie auf die Produktion und die Leistungsbilanz auswirken. wie diese Instrumente zur Gewährleistung der Vollbeschäftigung eingesetzt werden können. 4

5 Determinanten der privaten Nachfrage in einer offenen Volkswirtschaft Gesamtwirtschaftliche Nachfrage Die Menge der Güter und Dienstleistungen eines Landes, die von Privathaushalten und Unternehmen auf der ganzen Welt nachgefragt wird. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach den Produkten einer offenen Volkswirtschaft setzt sich aus vier Komponenten zusammen: Private Konsumnachfrage (C) Investitionsnachfrage (I) Nachfrage der öffentlichen Haushalte (G) Nettoexportnachfrage (NX) 5

6 Determinanten der privaten Nachfrage in einer offenen Volkswirtschaft Determinanten der privaten Nachfrage Bei einer Erhöhung des verfügbaren Einkommens (Nationaleinkommen abzüglich Steuern) steigt die Gesamtnachfrage. Die Steigerung der privaten Nachfrage bleibt allerdings in der Regel hinter der Erhöhung des verfügbaren Einkommens zurück, weil ein Teil des Einkommenszuwachses gespart wird. 6

7 Determinanten der privaten Nachfrage in einer offenen Volkswirtschaft Determinanten der Leistungsbilanz Der Leistungsbilanzsaldo ergibt sich aus der Differenz zwischen der Nachfrage nach den Exporten eines Landes und seiner eigenen Importnachfrage. Er wird von zwei Faktoren bestimmt: Dem realen Wechselkurs der Inlandswährung gegenüber der Auslandswährung (q = EP*/P) Dem inländischen verfügbaren Einkommen (Y d ) 7

8 Determinanten der privaten Nachfrage in einer offenen Volkswirtschaft Die Wirkung realer Wechselkursänderungen auf die Leistungsbilanz Eine Erhöhung von q erhöht EX und verbessert die inländische Leistungsbilanz. Für jede inländische Produktionseinheit kann man fortan weniger ausländische Produktionseinheiten eintauschen. Die ausländischen Konsumenten reagieren mit einer erhöhten Nachfrage nach inländischen Exporten. Eine Erhöhung von q kann IM heben oder senken, seine Wirkung auf die Leistungsbilanz ist uneindeutig. IM bezeichnet den Wert der Importe gemessen in inländischen Produktionseinheiten. 8

9 Determinanten der privaten Nachfrage in einer offenen Volkswirtschaft Der reale Wechselkurs birgt zwei Effekte: den Mengeneffekt (Substitutionseffekt) Verschiebung der Konsumentenausgaben für Export- und Importgüter Werteffekt (Einkommenseffekt) Veränderung des Werts einer gegebenen Menge ausländischer Importgüter in inländischer Produktion. Ob sich die Leistungsbilanz verbessert oder verschlechtert, hängt davon ab, welcher Effekt einer realen Wechselkursänderung überwiegt. Wir nehmen zunächst an, dass der Mengeneffekt gegenüber dem Werteffekt stets vorherrschend ist. 9

10 Determinanten der privaten Nachfrage in einer offenen Volkswirtschaft Leistungsbilanzeffekte von Veränderungen des verfügbaren Einkommens Eine Erhöhung des verfügbaren Einkommens (Y d ) verschlechtert die Leistungsbilanz. Ein Anstieg von Y d veranlasst die inländischen Konsumenten, ihre Ausgaben für sämtliche Güter (einschließlich der Importgüter) zu erhöhen. 10

11 Determinanten der privaten Nachfrage in einer offenen Volkswirtschaft 11

12 Die Gleichung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage Die Verbindung der vier Komponenten ergibt die Formel für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage (D): D = C(Y T) + I + G + NX(EP*/P, Y T) Wie diese Gleichung zeigt, kann die Gesamtnachfrage nach inländischer Produktion in folgende Form gebracht werden: D = D(EP*/P, Y T, I, G) 12

13 Die Gleichung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage Der reale Wechselkurs und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage Ein Anstieg von q (EP*/P) steigert NX und D. Er verbilligt inländische Güter und Dienstleistungen im Verhältnis zu ausländischen. Er verlagert die inländischen und ausländischen Ausgaben von den ausländischen auf die inländischen Güter. Eine reale Abwertung der Inlandswährung hebt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach inländischen Produkten. Eine reale Aufwertung senkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach inländischen Produkten. 13

14 Die Gleichung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage Realeinkommen und gesamtwirtschaftliche Nachfrage Ein Anstieg des inländischen Realeinkommens hebt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach inländischen Produkten. Ein Rückgang des inländischen Realeinkommens senkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach inländischen Produkten. 14

15 15

16 Die Bestimmung der Produktionsmenge in kurzer Frist Der Gütermarkt befindet sich im kurzfristigen Gleichgewicht, wenn die reale Produktion, Y, gleich der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage nach inländischen Produkten ist: Y = D(EP*/P, Y T, I, G) (17.1) 16

17 17

18 Das Gütermarktgleichgewicht in kurzer Frist: die DD-Kurve Produktion, Wechselkurs und Gütermarktgleichgewicht Bei fixen Preisniveaus im In- und Ausland verteuert ein Ansteigen des nominalen Wechselkurses ausländische Güter und Dienstleistungen gegenüber einheimischen. Jeder Anstieg von EP*/P führt zu einer Aufwärtsverschiebung der Gesamtnachfragefunktion und zu einer Produktionsausdehnung. Jedes Sinken von EP*/P führt zu einem Produktionsrückgang. 18

19 19

20 Das Gütermarktgleichgewicht in kurzer Frist: die DD-Kurve Ableitung der Gütermarktkurve DD DD-Kurve Sie zeigt sämtliche Kombinationen von Produktion und Wechselkurs, bei denen sich der Gütermarkt im kurzfristigen Gleichgewicht befindet (Gesamtnachfrage = Gesamtproduktion). Ihre positive Steigung ergibt sich daraus, dass ein Anstieg des Wechselkurses zu einer Produktionsausdehnung führt. 20

21 21

22 Das Gütermarktgleichgewicht in kurzer Frist: die DD-Kurve Faktoren, die zu einer Verschiebung der DD-Kurve führen Nachfrage der öffentlichen Haushalte Steuern Investitionen Inländisches Preisniveau Ausländische Preisniveaus Konsumverhalten im Inland Verschiebungen der Nachfrage zwischen Inlands- und Auslandsprodukten Eine Störung, welche die Gesamtnachfrage nach inländischen Produkten hebt (senkt), verschiebt die DD-Kurve nach rechts (links). 22

23 23

24 Der Vermögensmarkt im kurzfristigen Gleichgewicht: die AA- Kurve AA-Kurve Sie widerspiegelt sämtliche Kombinationen von Wechselkurs und Produktionsmenge, bei denen sich der inländische Geldmarkt und der Devisenmarkt im Gleichgewicht befinden. 24

25 Der Vermögensmarkt im kurzfristigen Gleichgewicht: die AA- Kurve Produktion, Wechselkurs und Vermögensmarktgleichgewicht Aus der Verbindung von Zinsparität und Geldmarkt leiten wir das Vermögensmarktgleichgewicht in der kurzen Frist ab. Die Zinsparität, die das Devisenmarktgleichgewicht bestimmt, lautet: R = R* + (E e E)/E wobei gilt: E e ist der erwartete zukünftige Wechselkurs R ist die Verzinsung inländischer Währungseinlagen R * ist die Verzinsung ausländischer Währungseinlagen 25

26 Der Vermögensmarkt im kurzfristigen Gleichgewicht: die AA- Kurve Der inländische Zinssatz R, der die Zinsparität erfüllt, muss auch das reale inländische Geldangebot auf dasselbe Niveau bringen wie die aggregierte reale Geldnachfrage: M s /P = L(R, Y) Bei sinkendem Zinssatz steigt die aggregierte reale Geldnachfrage L(R, Y), weil damit auch die Attraktivität verzinslicher nichtmonetärer Vermögenswerte sinkt. 26

27 27

28 Der Vermögensmarkt im kurzfristigen Gleichgewicht: die AA- Kurve Die Aufrechterhaltung des Vermögensmarktgleichgewichts erfordert: Eine Ausdehnung der inländischen Produktion muss von einer Aufwertung der eigenen Währung begleitet werden. Ein Rückgang der inländischen Produktion muss von einer Abwertung der eigenen Währung begleitet werden. 28

29 Der Vermögensmarkt im kurzfristigen Gleichgewicht: die AA- Kurve Ableitung der Vermögensmarktkurve Sie zeigt, bei welchen Verhältnissen von Wechselkursen und Produktionsniveaus sich die Geld- und Devisenmärkte im Gleichgewicht befinden. Sie weist eine negative Steigung auf, weil eine Produktionsausdehnung zu einem Anstieg des Inlandszinssatzes und einer Aufwertung der Inlandswährung führt. 29

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31 Der Vermögensmarkt im kurzfristigen Gleichgewicht: die AA- Kurve Faktoren, die zur Verschiebung der AA-Kurve führen inländische Geldmenge inländisches Preisniveau erwarteter zukünftiger Wechselkurs Auslandszinssatz Änderungen der aggregierten realen Geldnachfrage 31

32 Das kurzfristige Gleichgewicht einer offenen Volkswirtschaft: die Kombination von DD- und AA-Kurve Das kurzfristige Gleichgewicht der Volkswirtschaft als Ganzer muss sowohl den Güter- als auch die Vermögensmärkte ins Gleichgewicht bringen. Es muss also auf der DD- und der AA-Kurve zugleich liegen. 32

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35 Vorübergehende Änderungen der Geld- und Fiskalpolitik Zwei Formen staatlicher Politik: Geldpolitik Gezielte Veränderungen der Geldmenge. Fiskalpolitik Veränderungen der Ausgaben der öffentlichen Haushalte oder der Steuern Vorübergehende politische Maßnahmen werden in den Augen der Öffentlichkeit in naher Zukunft wieder zurückgenommen und haben keine Auswirkungen auf die langfristigen Wechselkurserwartungen. Wir gehen davon aus, dass sich eine Veränderung der Politik weder auf den Auslandszinssatz noch auf das Auslandspreisniveau auswirkt. 35

36 Vorübergehende Änderungen der Geld- und Fiskalpolitik Geldpolitik Eine Erhöhung der Geldmenge (eine expansive Geldpolitik) führt zu einer Ausdehnung der Produktion. Die Erhöhung der Geldmenge schafft einen Angebotsüberschuss an Geld, der den Inlandszinssatz senkt. Folglich muss die Inlandswährung abwerten (Inlandsprodukte verbilligen sich im Verhältnis zu Auslandsprodukten), und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigt. 36

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38 Vorübergehende Änderungen der Geld- und Fiskalpolitik Fiskalpolitik Gesteigerte Staatsausgaben, Steuersenkungen oder eine Kombination von beidem (eine expansive Fiskalpolitik) bedingt eine Ausdehnung der Produktion. Die Produktionsausdehnung steigert mittels vermehrter Transaktionen die reale Geldnachfrage. Dies wiederum treibt den Inlandszinssatz nach oben. Folglich muss die Inlandswährung aufwerten. 38

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40 Vorübergehende Änderungen der Geld- und Fiskalpolitik Vollbeschäftigungspolitik Vorübergehende, eine Rezession auslösende Störungen können durch eine expansive Geld- oder Fiskalpolitik abgewendet werden. Andererseits kann man Störungen, die zu Überbeschäftigung führen, durch Kontraktionsmaßnahmen entgegentreten. 40

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43 Inflationsbias und andere Probleme der Politikfindung Probleme der Politikfindung: Inflationsbias Hohe Inflationsraten ohne durchschnittlichen Produktionszuwachs infolge staatlicher Maßnahmen zur Abwendung einer Rezession. Bestimmung der Ursachen konjunktureller Veränderungen Bestimmung der Dauer konjunktureller Veränderungen Folgen der Fiskalpolitik für den Staatshaushalt Verzögerte zeitliche Umsetzung politischer Maßnahmen 43

44 Allmähliche Anpassung der Handelsströme und die Dynamik der Leistungsbilanz Die J-Kurve Wenn sich die Importe und Exporte mit zeitlicher Verzögerung an Veränderungen des realen Wechselkurses anpassen, kann die Leistungsbilanz dem Muster der J-Kurve folgen: Sie verschlechtert sich nach einer realen Währungsabwertung zunächst, um anschließend zu steigen. Die Währungsabwertung kann zunächst zu einem Produktionsrückgang führen, und das Überschießen des Wechselkurses wird verstärkt. Sie beschreibt die zeitliche Verzögerung, mit der eine reale Währungsabwertung die Leistungsbilanz verbessert. 44

45 45

46 Allmähliche Anpassung der Handelsströme und die Dynamik der Leistungsbilanz Wechselkurs-Preis-Zusammenhang und Inflation Bei der Bestimmung der Leistungsbilanz im DD-AA-Modell gingen wir davon aus, dass Änderungen des nominalen Wechselkurses in kurzer Frist zu proportionalen Änderungen der realen Wechselkurse führen. Wechselkurs-Preis-Zusammenhang Der Prozentsatz, um den die Importpreise bei einer einprozentigen Abwertung der Inlandswährung steigen. Im DD-AA-Modell nimmt er den Wert 1 an. International segmentierte Märkte schränken den Wechselkurs-Preis-Zusammenhang ein. Die Änderung der relativen Preise, die das Handelsvolumen bestimmen, bleibt hinter der Wechselkursänderung zurück. 46

47 Zusammenfassung Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach der Produktion einer offenen Volkswirtschaft setzt sich aus vier Komponenten zusammen: Konsumnachfrage, Investitionsnachfrage, Nachfrage der öffentlichen Haushalte und Leistungsbilanz. Die Produktionsmenge wird in kurzer Frist durch die Gleichheit von Gesamtnachfrage und Gesamtangebot bestimmt. Das kurzfristige Gleichgewicht liegt bei dem Wechselkurs und Produktionsniveau, zu denen die Gesamtnachfrage gleich dem Gesamtangebot ist und sich die Vermögensmärkte ebenfalls im Gleichgewicht befinden. 47

48 Zusammenfassung Eine vorübergehende Erhöhung der Geldmenge bewirkt eine Abwertung der Währung und eine Ausdehnung der Produktion. Wenn sich die Exporte und Importe allmählich an reale Wechselkursänderungen anpassen, verläuft die Leistungsbilanz im Anschluss an eine reale Währungsabwertung bisweilen nach dem Muster der J-Kurve: Sie verschlechtert sich zunächst, um sich anschließend zu verbessern. 48

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