Traumapädagogik in der stationären Jugendhilfe ein Weg aus der Ohnmacht. Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen (Wilma Weiß, 41)

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1 Traumapädagogik in der stationären Jugendhilfe ein Weg aus der Ohnmacht Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen (Wilma Weiß, 41)

2 Wer sind wir? Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz, Münster bietet Leistungsangebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Tagesgruppen, Regel- und Intensivwohngruppen, im Inobhutnahmesystem, in Bereitschaftspflegefamilien und WPF- Pflegefamilien, in betreuten Wohnformen sowie im Eltern-Kind-Haus und der Förderdiagnostischen Klasse Qualifizierung aller Fachkräfte von in Traumapädagogik Untersuchungsergebnisse belegen, dass 75 % der Mädchen und Jungen in der Jugendhilfe von einem oder mehreren traumatische Ereignissen berichten (Schmid, Wiesinger, Janitz 2008) bei 63% traumatische Erfahrungen bestätigt wurden und bei 25 % ein begründeter Verdacht vorliegt (Krautkrämer-Oberhoff, Macsenaere, Klein 2014) Wir sind überzeugt, dass ein traumapädagogisches Konzept in der Arbeit mit Traumatisierten bedeutsam ist und Entwicklungspotentiale frei setzt Maria Krautkrämer-Oberhoff, Dipl. Pädagogin, Supervisorin DGSv, Traumapädagogin, KJH St. Mauritz, Münster 2

3 Traumapädagogik Pädagogik adaptiert Fachkenntnisse Psychotraumatologie Bindungsforschung Neurobiologie Konsequenz für die Pädagogik Konzepte zur Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen im Alltag Konzepte des Sicheren Ortes Konzepte der Bindungspädagogik der institutionellen Feinfühligkeit zum Umgang mit Übertragung Konzepte der Psychoedukation Konzepte der Entlastung und Stressreduktion Maria Krautkrämer-Oberhoff, Dipl. Pädagogin, Supervisorin DGSv, Traumapädagogin, KJH St. Mauritz, Münster 3

4 Traumatisierung beeinträchtigt Maria Krautkrämer-Oberhoff, Dipl. Pädagogin, Supervisorin DGSv, Traumapädagogin, KJH St. Mauritz, Münster 4

5 Traumapädagogisches Arbeiten Physische, psychische und soziale Stabilisierung am sicheren Ort Betroffene sind in ständiger Alarmbereitschaft und haben ein erhöhtes Kontrollbedürfnis Mit Geduld und Ermutigung verlässliche Beziehungen anbieten Angebote zur Verbesserung der Selbst-, Fremd- und Körperwahrnehmung Kränkendes, abwertendes und verletzendes Verhalten auf Beziehungsangebote Selbst- und fremdzerstörerisches Verhalten Entlastungs- und Reflexionsangebote für die PädagogInnen Selbstwirksamkeit durch Teilhabe, Erfolge und Psychoedukation Gefahr bei den PädagogInnen mit Frustration und Unverständnis zu reagieren Mir kann keiner helfen! Ich bin nichts wert! 5

6 Traumapädagogische Haltung in der Beziehung zum Kind / Jugendlichen auf Teamebene Institutionsebene Respekt und Anerkennung der Person Den guten Grund im Verhalten sehen Normale Reaktionen auf unnormale Ereignisse Verhalten als Überlebensstrategie anerkennen zur Beziehungsgestaltung mit den Jugendlichen zu Regeln und Absprachen zum Tagesablauf zu Teilhabe bzw. Partizipation der Jugendlichen zum Umgang mit Gewalt im Krisenmanagement - mentale und praktische Vorbereitung Anerkennung der pädagogischen Arbeit durch Leitung Sicherheit und Schutz für MitarbeiterInnen und KlientInnen Maßnahmen zum Erhalt einer Kultur des Sicheren Ortes! Schutzkonzept sowie Krisenplan Supervision, Teamberatung, Fortbildung Maria Krautkrämer-Oberhoff, Dipl. Pädagogin, Supervisorin DGSv, Traumapädagogin, KJH St. Mauritz, Münster 6

7 Einrichtung als Sicheren Ort erleben Kultur der Sicherheit durch Beziehung und Wertschätzung für alle für die Mädchen und Jungen für die PädagogInnen Traumapädagogische H A L T U N G Normales Verhalten auf eine unnormale Situationen Maria Krautkrämer-Oberhoff, Dipl. Pädagogin, Supervisorin DGSv, Traumapädagogin, KJH St. Mauritz, Münster 7

8 Der sichere Ort als pädagogische Aufgabe Pschychoedukation Maria Krautkrämer-Oberhoff, Dipl. Pädagogin, Supervisorin DGSv, Traumapädagogin, KJH St. Mauritz, Münster 8

9 Der Sichere Ort als Chance zur Stabilisierung Triggersuche zur Stabilisierung. Befragung des Kindes / Jugendlichen Was regt Dich auf? Was macht Dir Angst? Was stresst Dich? Analyse von Stresssituationen mit den Jugendlichen und erkannte Trigger dokumentieren. Ressourcen suchen zum Erleben von Selbstwirksamkeit Innere Welt von Traumatisierten ist voller schrecklicher Bilder / Gedanken bzw. höchst unangenehmen körperlichen Empfindungen Traumatisierte kennen oft keine Stärken mehr. Was kann er/sie? (geistig, körperlich, praktisch) Was macht Spaß? Fähigkeiten suchen und ihnen eine Bedeutung geben Traumasensible Biografiearbeit Vergangenheit: Wo komme ich her und wo gehöre ich hin? Gegenwart: Wer bin geworden? Meine Identität! Zukunft: Wo soll mein Weg hingehen? Was will ich werden? Skills zur Emotionsregulierung Maria Krautkrämer-Oberhoff, Dipl. Pädagogin, Supervisorin DGSv, Traumapädagogin, KJH St. Mauritz, Münster 9

10 Skills können mit Jugendlichen zu ihrer Stabilisierung zusammengestellt werden, z. B. Gegenstände, die Halt geben, die der Jugendliche mag oder starke Reize, die in besonderer Weise die verschiedenen Sinne ansprechen. Maria Krautkrämer-Oberhoff, Dipl. Pädagogin, Supervisorin DGSv, Traumapädagogin, KJH St. Mauritz, Münster 10

11 Entlastung durch Psychoedukation Erklärung, dass das Verhalten normal ist und eine Folge schlimmer erlebter Ereignisse (Verhalten hat einen guten Grund) die belastenden Erfahrungen von früher lange wirken unkontrollierte Zustände (Flashback, Dissoziation) wieder kommen können der Kopf aufgrund der schlimmen Erlebnisse ein Notfallprogramm gelernt hat, welches nicht einfach zu stoppen ist, aber beruhigt werden kann es sinnvoll ist, präventiv Krisen vorzubeugen (Was regt den Betroffenen auf? Trigger suchen! Was beruhigt?) der Betroffene lernen kann, sich selbst zu verstehen was die Sorge nimmt, verrückt zu sein Emotionale Unterstützung Verständnis, Mitgefühl und Trost Kontakte untereinander Transparenter Plan zur Krisenintervention bei z.b. Suizidalitätsbekundung oder Impulsausbrüchen Aufklärung darüber, was dann wie passiert! Maria Krautkrämer-Oberhoff, Dipl. Pädagogin, Supervisorin DGSv, Traumapädagogin, KJH St. Mauritz, Münster 11

12 Selbstfürsorge der Fachkräfte Schutz durch Achtsamkeit, Ausgleich und soziale Kontakte Bewusstmachen der anstrengenden und lohnenswerten Arbeit Reflexion eigener Reaktionen auf bestimmtes Klientenverhalten Wie reagiere ich auf Aggression? Angst? Ohnmacht? Hilflosigkeit? Lasse ich mich schnell in Machtkämpfe verstricken? Herausfinden was mich als Fachkraft beruhigt und was mir Sicherheit gibt Distanzierungsmethoden einüben Überprüfung der eigenen Kompetenz für die traumapädagogische Arbeit! Maria Krautkrämer-Oberhoff, Dipl. Pädagogin, Supervisorin DGSv, Traumapädagogin, KJH St. Mauritz, Münster 12

13 Literatur Bausum, Jacob u.a. (Hg.) (2009): Traumapädagogik, Grundlagen, Arbeitsfelder und Methoden. Weinheim (Beltz) Herman, Judith (2006): Die Narben der Gewalt Krautkrämer-Oberhoff Maria, Klein Joachim, Macsenaere Michael: (2014) Schulungsprojekt Traumapädagogik als Antwort auf Traumafolgesstörungen. In: Unsere Jugend, 66. Jahrg. Weiß, Wilma (2013) Philipp sucht sein Ich. Weinheim (Beltz) 13

14 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Maria Krautkrämer-Oberhoff, Dipl. Pädagogin, Supervisorin DGSv, Traumapädagogin, KJH St. Mauritz, Münster 14

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