T H E M E N S E R V I C E

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1 Interview Wichtig ist, was jemand weiß und kann Der DQR macht Aufstiegschancen sichtbar Anhand des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) lassen sich Bildungswege in Deutschland und europaweit leichter vergleichen. Welche Vorteile sich auf Arbeitnehmer- und auf Arbeitgeberseite daraus ergeben und was das für die berufliche Bildung bedeutet? Antworten hierzu liefert ein Gespräch mit Kornelia Haugg, Abteilungsleiterin Berufliche Bildung und Lebenslanges Lernen beim Bundesministerium für Bildung und Forschung. Foto Tom Maelsa für BMBF: Kornelia Haugg, Abteilungsleiterin 2013 T H E M E N S E R V I C E Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) ist ein Instrument, das uns in der Berufswelt in Zukunft sicher öfter begegnen wird. Wozu ist der DQR gut? Kornelia Haugg: Der DQR macht verschiedene Abschlüsse der beruflichen Bildung und der Hochschulausbildung transparent und erstmals miteinander vergleichbar. Er stärkt damit vor allem die Anerkennung unseres dualen Bildungssystems und der Aufstiegsfortbildung in Deutschland, weil er zeigt, auf 22. Mai 2013 Themenservice Auf der Überholspur mit Aufstiegsfortbildung Seite 1

2 welch hohem Niveau wir uns hier befinden. Das ist auf nationaler wie auf europäischer Ebene wichtig, weil unsere Arbeitswelt zunehmend mobiler wird und das lebenslange Lernen massiv an Bedeutung gewinnt. Denken Sie nur an die Beschleunigung der Veränderungsprozesse in der Berufswelt durch die neuen Kommunikationstechnologien. Wie müssen wir uns den Deutschen Qualifikationsrahmen konkret vorstellen und was leistet das Instrument genau? Kornelia Haugg: Sie müssen sich den DQR wie ein großes Raster vorstellen, in dem auf acht Niveaus die den einzelnen Berufs- und Hochschulqualifikationen zugeordneten Befähigungen hinterlegt sind. Der DQR schlüsselt dabei sehr genau die jeweiligen Kompetenzen auf und bezieht dabei Lernergebnisse formalen und künftig auch non-formalen Lernens ein. In dieser grundsätzlichen Ausrichtung auf Lernergebnisse macht der DQR nachvollziehbar, wie sich etwa ein Meisterabschluss in Deutschland von einem Meisterabschluss in einem europäischen Nachbarland unterscheidet. Auch zeigt er, dass hinter einer in Deutschland abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung Kompetenzen stecken können, die ich sonst nur mit einem Bachelor oder Master an einer Hochschule erwerbe. Wertet das jetzt die berufliche Bildung und die Aufstiegsfortbildungen auf und damit gleichzeitig die Hochschulqualifikation ab? Kornelia Haugg: Weder noch! Vielmehr sensibilisiert der DQR auf einer klar definierten wissenschaftlichen Grundlage für die längst gegebene Wertigkeit der beruflichen Bildung und der Aufstiegsfortbildung. Dass der Meister im Handwerk, der Fachwirt und der Industriemeister neben dem Bachelor auf Niveau 6 des DQR angesiedelt sind, trägt zur Attraktivität der beruflichen Bildung und des lebenslangen Lernens bei. Damit erfüllt der DQR eine wichtige Funktion auch im Rahmen des Europäischen Qualifikationsrahmens, der auf europäischer Ebene das Ziel verfolgt, berufliche Mobilität und lebenslanges Lernen zu fördern. 22. Mai 2013 Themenservice Auf der Überholspur mit Aufstiegsfortbildung Seite 2

3 Bedeutet der Einsatz des DQR denn in der Konsequenz, dass sich die Aufstiegschancen für die Einzelnen erhöhen? Kornelia Haugg: Ja, und sehr viel mehr als das. Denn es wird viel klarer und transparenter, wo und auf welcher Grundlage ich jemanden mit dieser oder jener Qualifikation beschäftigen kann, und zwar europaweit. Im immer härteren Wettbewerb um hoch qualifizierte Fachkräfte ist das ein entscheidendes Erfolgskriterium auch für die Wirtschaft. Denn das erleichtert es auch angesichts der unübersehbaren Vielfalt an beruflichen Qualifikationen, Kandidatinnen oder Kandidaten für Führungspositionen zu identifizieren, die man sonst nicht beachtet hätte, weil man sich unter dem jeweiligen Berufsabschluss allein nicht viel hat vorstellen können. Der DQR hilft mit seiner Systematik, alle Begabungspotenziale auszuschöpfen. Das ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des damit verbundenen Fachkräftemangels für ein Innovationsland wie Deutschland essenziell, um zukunftsfähig zu bleiben. Wer legt die Kriterien und Niveaus des DQR fest, finden hier Arbeitgeberund Arbeitnehmerseite gleichermaßen Berücksichtigung? Kornelia Haugg: Oh ja, das ist ganz entscheidend. Der DQR wird unter dem Vorsitz von Bund und Ländern von einem Arbeitskreis erarbeitet, an dem sich Vertreterinnen und Vertreter von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Hochschulen, Bildungsanbietern außerhalb des staatlichen Bildungssystems und der Bundesagentur für Arbeit sowie Bildungs- und Berufsbildungsforscher beteiligen. Ein anspruchsvoller wie lohnender Prozess: 2012 haben wir das Raster verabschiedet und erste Zuordnungen vereinbart. Mit der Unterzeichnung des Gemeinsamen Beschlusses zum Deutschen Qualifikationsrahmen durch Bund und Länder wurde nun die Grundlage für die Umsetzung des DQR geschaffen. Welche Aufstiegsfortbildungen wurden bereits zugeordnet? Kornelia Haugg: Fachexperten haben beispielsweise 20 Berufsbilder aus dem IT- Bereich analysiert und festgehalten, welche Fach- und Personalkompetenzen ein IT-Spezialist, ein Operativer IT-Professional oder ein Strategischer IT-Professional vorweisen kann. Dabei geht es auch um Führungskompetenz. Der IT-Spezialist 22. Mai 2013 Themenservice Auf der Überholspur mit Aufstiegsfortbildung Seite 3

4 wurde dem DQR-Niveau 5 zugeordnet. Der Operative IT-Professional ist bereits auf Niveau 6 angesiedelt. Das heißt, der Abschluss einer solchen Aufstiegsfortbildung ist mit dem Bachelor vergleichbar. Und wer sich zum Strategischen IT-Professional weiterqualifiziert, bewegt sich zusammen mit Absolventinnen und Absolventen eines Master-Abschlusses auf Niveau 7. Werden demnächst noch weitere Aufstiegsfortbildungen mit dem Bachelor und dem Master vergleichbar? Kornelia Haugg: Unbedingt. Auch der Fachberater oder der geprüfte Betriebswirt sollen hier beispielsweise Berücksichtigung finden. Wir arbeiten daran, dass die unterschiedlichen Ebenen der Aufstiegsfortbildung hier Eingang finden, und wir halten das auch für notwendig. Ich sage Ihnen dazu eine Zahl: Rund Menschen schließen pro Jahr eine Berufsausbildung ab. Aber nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer absolvieren eine Fortbildungsprüfung. Das müssen mehr werden. Und das erreichen wir nur durch die angemessene Anerkennung dieser Qualifikationen. Was sind aus Ihrer Sicht die nächsten wichtigen Schritte, um das zu erreichen? Kornelia Haugg: Der Fokus muss auch in den Fortbildungsordnungen noch stärker auf Kompetenzen und Lernergebnisse gerichtet werden. Entscheidend ist: Was weiß und kann jemand? Es muss für jeden, der eine Berufsausbildung beginnt, von vornherein klar sein: Wo sind meine Aufstiegsmöglichkeiten und wie schöpfe ich sie geschickt aus? Da gibt es zwei Wege: einerseits den Weg in eine anschließende akademische Ausbildung. Dazu müssen wir perspektivisch auch den Übergang an die Hochschulen erleichtern. Aber wichtig ist jetzt erst einmal, dass deutlich wird, welche attraktiven Karrieremöglichkeiten die Aufstiegsfortbildung bietet. Das macht es hoffentlich auch für Unternehmen interessanter, Weiterbildungsangebote anzubieten und zu finanzieren. 22. Mai 2013 Themenservice Auf der Überholspur mit Aufstiegsfortbildung Seite 4

5 Abdruck honorarfrei Informationen zur beruflichen Weiterbildung sowie zu den Förderprogrammen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: Aktuelles zur Informationsoffensive Berufliche Bildung praktisch unschlagbar : Kontakt/Bildmaterial auf Anfrage: Infobüro Berufliche Weiterbildung c/o A&B One Kommunikationsagentur GmbH Telefon: Fax: Mai 2013 Themenservice Auf der Überholspur mit Aufstiegsfortbildung Seite 5

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