6-10 KREATIV STIMME ALS INSTRUMENT SACH INFORMATION FRÜH ÜBT SICH,... LEBENDES INSTRUMENT

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1 SACH INFORMATION Es gibt kaum physiologische Unterschiede zwischen Kinderstimmen und Erwachsenenstimmen.Trotzdem klingen Kinder anders als Erwachsene. Das hat mit dem ständigem Wachstum des kindlichen Körpers zu tun. Der Kopf eines Babys ist sehr groß. Im weiteren Verlauf der Entwicklung wachsen andere Teile des Körpers viel schneller als der Kopf. So verschiebt sich das Verhältnis zwischen Kopf und Körper langsam in die Richtung des allgemeinen 1:5, 1:7 Verhältnisses. Die Stimmorgane wachsen auch nicht immer gleichmäßig. Die Größenverhältnisse wirken sich aber stark auf die Klangfarbe aus. Die Kopfresonanzräume sind bei Kindern stärker ausgeprägt als andere Teile des Körpers, zum Beispiel die Brust. Dadurch klingen Kinderstimmen viel heller und leichter als Erwachsenenstimmen. FRÜH ÜBT SICH,... Wenn Kinder versuchen die typische Klangfarbe durch Forcieren und zu lautes Singen zu ändern, vielleicht weil sie irgendwelchen Anforderungen entsprechen möchten, können sie sich auch in diesem Alter bereits bleibende Schäden zufügen. Zwischen drei und sechs Jahren erprobt ein kleines Kind spielerisch seinen ganzen Tonraum. In dieser Zeit braucht es einerseits viel Freiheit für seine Experimente, andererseits das Gefühl, dass man ihm zuhört und ihm auch antwortet. So werden Gehör, Kraft und die Fähigkeit die Stimme einzusetzen geschult. Durch die Größe des Kopfes beim Baby sind die Resonanzräume im Kopfbereich besonders gut ausgebildet. INFO SERVICE: Mehr dazu erfahren Sie im Ordner Kreativ, Kapitel Gesang Gesangstechnik. LEBENDES Wenn wir einen Ton von uns geben wollen, verwandelt sich unser ganzer Körper in ein Instrument. Ähnlich dem Korpus einer Gitarre oder Geige dient unser Körper als Resonanzkörper.Trotzdem ist die Stimme mit keinem anderen Musikinstrument vergleichbar. Der Ton kommt aus einem lebendigen Organismus und seine Lautstärke, Klangfarbe und Qualität wird von unserem ganzen Befinden beeinflusst. Auch an der Tonerzeugung ist eine ganze Reihe von Körperteilen beteiligt. Die Energie kommt vom Atem. Dafür brauchen wir die Lunge, die Atemwege und die Muskeln im Brustkorb. Gähnen ist gesund: Das Gehirn wird mit Sauerstoff versorgt und der Gesangsapparat gelockert. ÖKO LOG NIEDERÖSTERREICH 2.1

2 SACH INFORMATION STIMMFUNKTION Der Ton wird im Kehlkopf erzeugt. Da befinden sich zwei Stimmfalten, die in Schwingung versetzt werden. Der Kehlkopf hat auch weitere lebenswichtige ZUSAMMENFASSUNG: Vom Weinen des Babys bis zum richtigen Singen macht der Körper eine erstaunliche Entwicklung durch. Während der Spracherwerb bei Kindern beobachtet und sehr unterstützt wird, schenkt man der Entwicklung der Gesangsfähigkeit nicht immer genug Aufmerksamkeit. Kleinkinder probieren ihre Fähigkeiten sehr bewusst aus. Das Erarbeiten des Stimmumfanges und der stimmlichen Möglichkeiten geht Hand in Hand mit der Verbesserung der Sprachfähigkeit und der Koordination. An der Erzeugung eines Tones ist der ganze Körper beteiligt. Die Lunge sorgt für Atemenergie, im Kehlkopf gut versteckt erzeugen kleine starke Muskeln den Ton, mit Luft gefüllte Hohlräume, die sogenannten Resonanzräume verstärken ihn. Beim Singen fungiert der ganze menschliche Körper als Resonanzkörper. Ähnlich dem Korpus einer Gitarre verstärkt er die Schwingungen und macht den Ton gut hörbar. Funktionen. Unter anderem verhindert er, dass das Essen in die falsche Kehle kommt. Die Stimmfalten sind zwei kräftige Muskelsysteme. Sie bestehen aus weiteren vier Muskelpaaren, den Stimmlippen, weiter aus dem Stellknorpel, aus der Stimmritze und aus den Stimmfaltenrändern, die ganz allgemein Stimmbänder genannt werden. Wenn man ausatmet, werden die aneinander liegenden Stimmbänder auseinander gedrängt und nachdem der Druck wieder kleiner geworden ist, schließen sie sich wieder. Damit diese kleinen Muskeln laute Töne erzeugen können, müssen sie durch Resonanzräume verstärkt werden. Das sind alle Hohlräume des Körpers, die mit Luft gefüllt sind, zum Beispiel die Nasennebenhöhlen und der Brustraum. Auch die Knochen leiten Schwingungen weiter. OÖ.Tourismus/Fellner 2.1 ÖKO LOG NIEDERÖSTERREICH

3 DIDAKTISCHE UMSETZUNG Alle Menschen, die funktionsfähige Organe haben und sprechen können, können auch singen. Richtig singen, die Töne richtig zu treffen, gut zu intonieren, wie das in der Fachsprache heißt, können nicht alle. Das bedeutet aber nicht, dass Singen den Menschen, die das nicht können, nicht auch große Freude bereitet. Die Gefahr ist groß, dass Kindern durch Bemerkungen wie Du kannst nicht singen, sei lieber still! oder durch Spötteleien durch SchulkameradInnen die Lust am Singen für das ganze Leben genommen wird. Solche Kinder können immer miteinbezogen werden, vielleicht als spielerische Begleitung, mit kleinen rhythmischen Übungen, klatschen, schnippen usw. Es gibt auch Kinder, die lieber Musik machen als zu singen. Die Beschäftigung mit dem Gesang wird aber auch auf sie positiv wirken. Wichtig ist, dass die SchülerInnen von Anfang an mit dem eigenen Körper als Tonerzeuger vertraut gemacht werden und dass die Faszination der eigenen Möglichkeiten den Druck, alle Erwartungen erfüllen zu müssen, übertrifft. Der Kehlkopf ist leicht ertastbar. Er spielt eine zentrale Rolle bei der Tonerzeugung. LERNZIELE: Die Kinder lernen die Entstehung des Tones und die Funktion der daran beteiligten Körperteile kennen. Eine Beziehung zum eigenen Körper wird aufgebaut und Interesse geweckt. Die Kinder verlieren Berührungsängste. Auf einem Tasteninstrument kann man mehrere Töne gleichzeitig spielen. Im Gegensatz dazu kann der Mensch immer jeweils nur einen Ton auf einmal singen. INFORMATIONSTEIL: Es ist leider nicht möglich das Instrument Stimme während der Tonerzeugung zu beobachten. Auch ein Vergleich mit anderen Instrumenten ist aufgrund der einzigartigen Funktionsweise der Stimme nicht wirklich sinnvoll. Es ist aber möglich eine Vorstellung von der Funktionsweise zu bekommen, indem man ein Gespür für die natürlichen Vorgänge im Körper entwickelt. Mit der Stimme in anderen Formen, wie Sprechen, Lachen und Schreien, sind auch die Kinder vertraut. Die Funktion, die dahinter steckt, ist genau die gleiche wie beim Singen. Den SchülerInnen wird anhand von Anschauungsmaterial der Aufbau vom Tonerzeugungssystem erklärt. Dabei soll auf eine sehr einfache Sprache geachtet werden. Mit den Übungen vom anschließenden Arbeitsblatt können die Funktionen spielerisch erprobt werden. ÖKO LOG NIEDERÖSTERREICH 2.1

4 DIDAKTISCHE UMSETZUNG ORT: Klassenraum oder Turnhalle, darauf achten, dass der Boden warm ist. Bei schönem Wetter auch im Freien möglich. ZEITAUFWAND: ein bis zwei Unterrichtsstunden. MATERIALIEN: Auflagen für den Boden, Matten oder Decken, Arbeitsblatt. Je nach Möglichkeit Anschauungsmaterial aus einer HS oder AHS ausborgen. Schädel und Muskelmodelle,Tafeln, Kopien der Fotos und Zeichnungen aus dem Kapitel Stimme als Instrument. KOSTEN: keine. Lachen gehört genauso wie Sprechen oder Schreien zu den Möglichkeiten die Stimme einzusetzen. Beim Singen dagegen haben viele Menschen Hemmungen. UMSETZUNG: Am besten sitzen die Kinder in einem Halbkreis auf dem Boden, der/die LehrerIn setzt sich dazu. Es werden einfache Fragen gestellt, zum Beispiel wo die Lunge ist, ob wir einen oder zwei Lungenflügel haben und was ihre Aufgabe ist. Mit den Fragen tasten sich die Kinder langsam an die einzelnen Körperteile, die beim Singen eine Rolle spielen, heran. Anhand der Demonstrationsmaterialien können die Kinder das Besprochene visualisieren. Spielerische Übungen, teilweise zu zweit, ergänzen das Programm. 2.1 ÖKO LOG NIEDERÖSTERREICH

5 ARBEITSBLATT Euer/eure LehrerIn hat euch vielleicht Bilder und Modelle vom Kehlkopf und vom Gesangsapparat gezeigt. Jetzt schauen wir uns das einmal in Ruhe an! Kehlkopf Rückansicht Als Erstes versuchen wir den Kehlkopf zu ertasten. Wenn ihr die Fingerspitze vom Kinn sanft den Hals hinunter gleiten lässt, findet ihr einen harten Teil. Das ist die Spitze des Schildknorpels, der am meisten hervorstehende Teil unseres Kehlkopfes. Im Volksmund nennt man ihn auch Adamsapfel. Wer war eigentlich Adam? Legt den Kopf weit nach hinten in den Nacken und versucht zu schlucken. Der Mund ist dabei geschlossen. Geht das? Warum nicht? Weil der Kehlkopf eine natürliche und lockere Position braucht um optimal arbeiten zu können. Kehlkopf Vorderansicht Legt den Finger in den Halsansatz unter das Kinn und schluckt jetzt. Merkt ihr, wie sich der Kehlkopf auf und ab bewegt? Beim Gähnen schaut in den Spiegel. Hinten im Mundraum befindet sich das Gaumenzäpfchen. Es hebt sich beim Gähnen um der einströmenden Luft viel Platz zu lassen. ÖKO LOG NIEDERÖSTERREICH 2.1

6 ARBEITSBLATT Jetzt summt einen Ton mit geschlossenem Mund. Legt euch die Hände gegenseitig auf eure Wangen, auf die Brust und auf den Hals. Merkt ihr, wie alles schwingt? Versucht den Mittelpunkt der Schwingung zu finden. Wo ist sie am stärksten? Summt einen Ton mit geschlossenem Mund. Achtet darauf, dass in eurer Mundhöhle ganz wenig Platz ist. Legt die Zunge richtig groß auf den Gaumen. Jetzt lockert die Zunge, macht den Mund langsam auf, während ihr den Ton auf a weitersingt. Was hat sich geändert? Ist der Ton lauter geworden? Indem ihr die Mundhöhle ganz klein gemacht habt, wurde der Resonanzraum auch ganz klein. Das bedeutet, dass ihr viel weniger Schwingungen produziert habt. Durch die lockere Zunge ist die Nase frei geworden, und mit offenem Mund ist der Resonanzraum ganz groß geworden.versucht während der Übung nicht lauter zu singen, als es euch leicht fällt. Erzählt euren Eltern, wie die Tongebung funktioniert. Sie werden sicher sehr von euren Kenntnissen beeindruckt sein. Wenn ihr nach Hause geht, schaut einmal beim Papa und bei der Mama, wie die Spitze des Schildknorpels aussieht. Gibt es einen Unterschied in der Größe? Männer haben oft einen sehr ausgeprägten Adamsapfel. 2.1 ÖKO LOG NIEDERÖSTERREICH

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