Forschungsbericht 1999

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1 Zusammenfassung Im Rahmen des Projektes werden Konzepte und Instrumente zur Durchführung von Kongressen über Internet, Intranet und dedizierte Netze entwickelt. Zielsetzung ist eine virtuelle Kongressteilnahme mit Video- und Audio-informationen in Realtime und on- Demand zu ermöglichen. Das Abrufen von zusätzlichen Informationen und Interaktion zwischen virtuellen Teilnehmern und Teilnehmern vor Ort wird integriert. 1. Vorbemerkung In der Regel ist die Teilnahme an Fachkongressen, Pressekonferenzen oder Hauptversammlungen nur durch persönliche Anwesenheit am Veranstaltungsort möglich. Dies bedeutet für die teilnehmende Person/Firma Aufwand für Tagungs-gebühren und Reisekosten. Entscheidender ist jedoch die Abwesenheit der Mitarbeiter für ein bis mehrere Tage vom Arbeitsplatz. So wird bei lediglich 34% der Teilnehmer eine Entfernung von mehr als 200 km bei mehrtägigen Veranstaltungen akzeptiert; bei eintägigen Veranstaltungen liegt die Rate sogar nur noch bei 22%. Durch die allgemeine Zugänglichkeit weltweiter Informationsnetze und -dienste mit deren Integrierbarkeit in neue multimediale Anwendungen sind die Möglichkeiten und Akzeptanz für neue Lösungen erheblich gestiegen. Ganz besonders trifft dies auf die neuen Möglichkeiten der internet-basierenden Systeme zu. So ist damit zu rechnen, dass zunehmend Produkte und Dienstleistungen über Online- bzw. Internet- /Intranetdienste entwickelt, angeboten und genutzt werden, die bislang fast nicht bzw. mit sehr hohem Aufwand realisierbar sind. Zur Gruppe dieser Innovationen gehören auch Konzepte und Lösungen, welche die Nutzung weltweiter Netze für Kongresse beinhalten. 2. Zielsetzung Im Rahmen des Forschungsprojektes "Livesystems Virtuell Congressing" werden Konzepte und multimediale Instrumente für die Durchführung von Kongressen über Internet, Intranet und dedizierte Netze entwickelt. Zielsetzung ist es, eine virtuelle Kongressteilnahme mit folgenden Funktionen zu ermöglichen: Video- und Audioinformationen in Realtime abrufen Video- und Audioinformationen on-demand (nach der Veranstaltung) abrufen Abrufen und Selektieren von zusätzlichen Informationen Interaktion zwischen virtuellen Teilnehmern und Teilnehmern vor Ort Bereitstellung von Informations- und Diskussionsforen Suchmaschine zum Auswählen von Kongressen Seite 1 von 6 Seiten

2 3. Szenario einer virtuellen Teilnahme Über Internet wird eine Teilnahme an Kongressen ohne Anreise möglich. Der Mitarbeiter kann an seinem Arbeitsplatz, z.b. für Rückfragen, zur Verfügung bleiben. Über eine Internetteilnahme wird auch die gezielte Auswahl von Beiträgen möglich. Somit kann sich der Teilnehmer auf die für ihn wesentlichen Inhalte zeitlich und finanziell konzentrieren: unabhängig von Zeit und Ort. Abbildung 1: Kongress Umweltgerechte Entwicklung 11/98 (S. Nieser - MCC/Smart) Am Beispiel des im Projektrahmen durchgeführten Kongresses Umweltgerechte Entwicklung lassen sich typische Funktionalitäten darstellen (vgl. Abb.1). Während des Kongresses konnte der User im Internet nach seinem Zugang über Passwort das Livevideo aus dem Kongresssaal in der linken oberen Bildschirmhälfte sehen. Darunter befand sich das Foto und der Namen des aktuellen Referenten mit einem Auswahlmenü zum Aufrufen von Hilfe, anderen Beiträgen und Zugang zu weiteren Informationsseiten sowie einem Forum. In der rechten Bildschirmhälfte wurden die Vortragsfolien prä- Seite 2 von 6 Seiten

3 sentiert. Der User hatte die Möglichkeit, die Folien selbst zu steuern, d.h. den Wechsel auf die neue Folie an den Wechsel im Kongresssaal zu binden oder Folien nach eigenem Bedürfnis zu wechseln. Die Folien konnten ausgedruckt werden. Im Forum hatte der Teilnehmer die Möglichkeit, per Tastatureingabe, Fragen an die Referenten zu stellen. 4. Vorgehensweise / Umsetzung Eine Virtualisierung von Kongressveranstaltungen erfordert nicht nur die Bereitstellung von Tools zur technischen Umsetzung. Ebenso sind die einzelnen Prozesse bei der Durchführung von Kongressen sowie die Möglichkeiten der neuen Medien zu berücksichtigen. Von besonderer Beachtung neben der Datenübertragung von Ton und Bild sind somit Fragestellungen wie: Anwenderakzeptanz Bedienerfreundlichkeit / Oberflächen Zugangsvoraussetzungen Interaktivität bei Diskussionen Zeitaktualität Umsetzung und Integration vor Ort Sicherheit (Daten, Zugang, Qualität...) Entscheidend für die Realisierung ist die didaktisch sinnvolle Darstellung der Inhalte, die auf die jeweiligen Datenübertragungsraten (Bandbreite) abgestimmte Bereitstellung und Aufbereitung der Informationen, die Umsetzung vor Ort sowie der Aufbau der erforderlichen Technik. Hier wird auch in der Zukunft ein Schwerpunkt der Forschungsarbeit liegen. 4.1 Didaktisches Konzept Ein Vortrag/Kongress besteht aus einer Vielzahl von Informationsquellen, die vom Besucher vor Ort in beliebiger Reihenfolge, teilweise auch gleichzeitig, abgerufen werden können. Nicht alle Informationen sind dabei von gleicher Bedeutung: das gesprochene Wort (z.b. Vortrag, Fragen, Antworten) bewegtes Bild (z.b. Vortragende, Hintergründe, Sonstiges) unbewegtes Bild (z.b. Dias, Folien, Tafelbilder) oder Text Zusatzinformationen (z.b. Hintergründe, Erläuterungen, Übersetzungen) Seite 3 von 6 Seiten

4 Hier kommt es darauf an, anhand eines Drehbuches dem Nutzer diese Informationen gezielt und abwechselnd zur Verfügung zu stellen. Da nicht alle Informationsarten den gleichen Datenübertragungsaufwand erzeugen, können diese in Abhängigkeit von den aktuellen Ressourcen des Anwenders vom System und/oder vom Nutzer ausgewählt werden. 4.2 Datenverdichtung und Datenreduktion Im Rahmen des Projektes wurde zunächst auf bereits bestehende Algorithmen zurückgegriffen. So wurde Videokomprimierungssoftware von Realnetworks (Realplayer), von Apple (Quicktimeplayer) und Microsoft (Mediaplayer) für Übertragungen genutzt. Die Videodaten werden hier mit einem MPEG-Verfahren gegenüber dem Normalbild um ca. den Faktor 5000 reduziert. Eine Erweiterung der für diesen Zweck effizientesten Kompressionsverfahren sowie Experimente mit Wavelett oder Fraktalkompression ist geplant. Die für die Kommunikation erforderlichen Informationen werden begrenzt. So können z.b. die Zonen um Augen/Mund des Redners in hoher Bildauflösung, der Rest in niedriger Auflösung übertragen werden. Eine große Anzahl von Informationen wie Hintergrundbilder, Texte, Folien u.a. kann bereits im Vorfeld der Liveübertragung - z.b. beim Einloggen in den Kongress - auf den Rechner des Teilnehmers übertragen werden. Somit muss nur noch der Steuerungsimpuls zum Aufrufen der aktuell benötigten Daten an den Rechner übermittelt werden (laut Drehbuch). Informationen können auch im Vorfeld auf CD-ROM zur Verfügung gestellt werden. 4.3 Umsetzung vor Ort Die Herausforderungen des Mediums Internet für Kongressübertragungen beginnen schon bei der Anwendung der klassischen Videotechnik. Ebenso wie beim Fernsehen gilt es, das Geschehen vor Ort aus verschiedenen Perspektiven mit mehreren Kameras und mittels eigener Regie einzufangen. Parallel hierzu ist der Ton aus unterschiedlichen Quellen (Referent, Moderator, Fragen aus dem Publikum...) beizumischen. Diese Thematik muss von mehreren Seiten erschlossen werden: Einerseits kann nur professionelle Video- und Audiotechnik ausreichende und sichere Signalqualität zur Verfügung stellen. Andererseits sprengt der Einsatz solcher Geräte jeden Budgetrahmen eines Kongresses und liefert eine zu hohe Signalstärke. Es wurde daher unterschiedliche Hardware getestet, die sowohl auf der Audio- /Videoseite, als auch bei der Computerhardware ein optimales Zusammenspiel in einem finanzierbaren Rahmen ermöglicht. Durch das Fernsehen ist der Zuschauer an beste Bildaufnahmen gewöhnt. Das Bild im Internet erreicht (zur Zeit noch) nur Zigarettenschachtelgröße (240 x 180 Pixel, ca 9 * 7 cm, je nach Auflösung) und ist etwas unscharf bei geringerer An- Seite 4 von 6 Seiten

5 zahl Bilder je Sekunde. Diese Qualität läßt sich durch richtiges Zusammenspiel aller Komponenten und durch angepasste Kameraführung optimieren. Andererseits kann das Bild nur so gut sein, wie die Aufnahme. Während bei Fernsehaufnahmen jeder Teilnehmer vor Ort sowie der Veranstalter selbst gerne bereit ist, einige Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen (Veranstaltung wird unterbrochen, zusätzliche Beleuchtung wird eingeschaltet, Kameramann darf dazwischen laufen etc.), darf die Internetübertragung die Veranstaltung in keiner Weise stören. So waren Lösungen z.b. zur Beseitigung störender Geräusche durch Overheadprojektoren, bei unzureichender Beleuchtung, bei Gegenlicht durch Reflektion auf der Leinwand usw. zu erarbeiten. 4.4 Übertragungstechnik und Server Am Ort des Kongresses werden Video- und Audiodaten digitalisiert und mit Hilfe eines Encoders komprimiert und über dedizierte Netze an einen Streamserver übertragen und dort zum Abruf zur Verfügung gestellt. Abbildung2: Technik Der virtuelle Kongressteilnehmer (Client) greift mit seinem Browser auf den WWW- Server des Kongressanbieters zu (1). Der WWW-Server schickt Metadaten zum Client zurück (2). Diese Metadaten werden benötigt, um das Hilfsprogramm im Browser des Client zu starten (3) und um dem Hilfsprogramm die Adresse des abzurufenden Videostreams vom Videoserver mitzuteilen (4). Anschließend wird die Verbindung zum Streamserver aufgebaut. Der Streamserver sendet komprimierte Datenpakete (5) - z.b. im RTSP-Protokoll - mit Videoinformationen. Anders als beim Download werden die Seite 5 von 6 Seiten

6 Daten nicht im Dateisystem des Clientrechners abgelegt, sondern kurz (ca. 10 Sekunden) zwischengespeichert und zusammengesetzt und dann mit dem Hilfsprogramm im Browserfenster abgespielt. 5. Stand / Entwicklung Mit den von uns aufgebauten Servern und Konzepten ist es möglich, die Vorteile von Präsenzveranstaltungen mit den neuen Möglichkeiten des Internet zu verbinden: Real-Time-Übertragung von Live-Fachvorträgen mit Audio- und Videodaten Möglichkeit der interaktiven Kommunikation mit den Referenten Bereitstellung aller Fachinhalte und Videos der Vorträge zur zeitunabhängigen Teilnahme auch noch nach den Live-Veranstaltungsterminen Folien und sonstige Schriftbeiträge können von dem Teilnehmer individuell aufgerufen werden. Im Rahmen des Projektes ITES (Information-Technologies in European Sport and Sport Science, wird ein technisches und didaktisches Konzept für ein europäisches Expertenseminar beispielhaft aufgebaut. Aus technischer Sicht ist in den nächsten Jahren die folgende Entwicklung abzusehen: vereinfachter Zugang und einfache Installation aller erforderlicher Software Aufwandsreduzierung bei der Vorbereitung und Aufbereitung Reduzierung des Installationsaufwands vor Ort größere Bandbreiten im Internet, neue Internet-Zugangstechniken wie Satellit oder Power-Line sowie bessere Komprimierungsalgorithmen Ein verstärktes Angebot sowie eine große Internetverbreitung werden zu höherem Bekanntheitsgrad und großer Nachfrage führen. Institutionen und Unternehmen, nicht nur Kongressveranstalter, sollten sich daher mit den Zukunftschancen dieser neuen Medien beschäftigen, um für den dann grenzenlosen Wettbewerb gut gerüstet zu sein. Es ist damit zu rechnen, dass bereits in 2 Jahren ein Anteil von über 20% aller Lehr- und Weiterbildungsveranstaltungen durch entsprechende Internettechniken unterstützt wird. Prof. Dr. Klaus-Jürgen Schmidt, Fachbereich Grundlagen, Informatik, Sensortechnik, Tel. 0681/ , Wissenschaftliche Mitarbeiter Dipl. Wirt.-Ing. Jörg Bernarding, Tel. 0681/585040, Fax 0681/585042, Seite 6 von 6 Seiten

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