Andreas Rohr, Thomas Meigen, André Fischer. Integration von SAP NetWeaver und Microsoft.NET

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1 Andreas Rohr, Thomas Meigen, André Fischer Integration von SAP NetWeaver und Microsoft.NET

2 Auf einen Blick Danksagung der Autoren Einleitung Basis: Integrationswerkzeuge Anwenderintegration Informationsintegration Prozessintegration Identity Management und Single Sign-on Wie könnte es weitergehen? Die Autoren Index

3 Inhalt Danksagung der Autoren Einleitung Zu diesem Buch Historie der Integration SAP R/3 auf Windows Server SAP R/3 auf Microsoft SQL Server Vom SAP RFC über den COM Connector zum.net Connector Integration mit Microsoft Office Plattformen für eine serviceorientierte Architektur SAP NetWeaver Microsoft.NET Eine neue Ebene der Partnerschaft durch Webservices Gelebte Partnerschaft Zusammenarbeit der Entwicklungsabteilungen Das SAP-Microsoft-Allianz-Team Das Collaboration Technology Support Center (CTSC) Basis: Integrationswerkzeuge SAP-Legacy-Schnittstellentechnologien Remote Function Call RFC Business Application Programming Interface (BAPI) DCOM Connector Intermediate Document IDoc Entwicklungswerkzeug SAP Connector for Microsoft.NET Beispiel einer.net-anwendung Beispiel eines ASP.NET-Webservice Webservices SAP Business Connector SAP Web Application Server SAP NetWeaver Application Server als Webservice-Provider

4 Inhalt SAP NetWeaver Application Server als Webservice-Client SAP NetWeaver Exchange Infrastructure (SAP XI) Enterprise Services Architecture Anwenderintegration Desktop-Integration mit Microsoft Office Microsoft Office innerhalb einer SAP-Oberfläche SAP innerhalb von Microsoft Office Duet Portalintegration: SAP NetWeaver Portal Entwicklungswerkzeug Portal Development Kit for.net Neuerungen in Version 2.0 des PDK for.net Collaboration Exchange-Integration: Outlook Web Access Informationsintegration SAP Business Information Warehouse Business Explorer Suite (BEx Suite) Upload von Daten in SAP BW Open Analysis Interfaces Open Hub Service Microsoft SQL Server 2000 und SAP Knowledge Management Dateisystem-Repository-Manager WebDAV-Repository-Manager Portal Drive Einfache Einbindung von KM in den Windows File Explorer Prozessintegration Integration über Standardadapter HTTP-Adapter SOAP-Adapter Reliable Messaging Industriestandards XI-Integrationsbeispiele SOAP-Adapter XI als Webservice-Provider XI als Webservice-Consumer BizTalk Adapter for mysap Business Suite

5 Inhalt 6 Identity Management und Single Sign-on Identity Management und Single Sign-on als Lösungsansatz Zentralisiertes Identity Management mit SAP NetWeaver und Microsoft Active Directory Active Directory User Management Engine (UME) Verzeichnisdienst-Integration von ABAP- Applikationen Zentrale Benutzerverwaltung (ZBV) SAP HR-LDAP-Schnittstelle Identity-Management-Systeme Wie funktioniert ein Identity-Management- System? HiPath SIcurity DirX Microsoft Identity Integration Server How-To Guides Konfiguration des LDAP Connector Konfiguration des SAP HR-LDAP-Interface Einrichten der ZBV-LDAP-Verbindung Single Sign-on SAP GUI for Windows SAP-Logon-Tickets Single Sign-on am SAP NetWeaver Portal mit integrierter Windows-Authentifizierung Single Sign-on zu SAP-Backend-Systemen Single Sign-on zu Nicht-SAP-Backend-Systemen SAML Wie könnte es weitergehen? SAP und Microsoft auf dem Softwaremarkt Die Zukunft der Interoperabilität Die Autoren Index

6 Für Unternehmen sind Informationen ein wichtiges Gut. Aus diesem Grund spielt die Bereitstellung von Information auch aus dem Blickwinkel von Interoperability und Integration eine wichtige Rolle. In diesem Kapitel werden die Möglichkeiten der Integration der Produkte zur Informationsverwaltung von Microsoft und SAP (BI und KM) beschrieben. 4 Informationsintegration Sowohl Microsoft als auch SAP bieten Produkte an, die Daten bzw. Informationen in unstrukturierter wie auch strukturierter Form verwalten oder aufbereiten können. Dabei handelt es sich aufseiten von SAP um SAP NetWeaver Business Intelligence und das SAP NetWeaver Portal (früher: SAP Enterprise Portal) inklusive des Knowledge Management (KM) und aufseiten von Microsoft um SQL Server, MS Exchange Server 2003 und die SharePoint-Produkte. SAP NetWeaver Microsoft.NET FRONTEND NetWeaver Portal Mendocino Office Windows SharePoint NetWeaver Developer Studio/ABAP/J2EE Mobile Infrastructure APPLICATIONS & SERVICES Knowledge Management Collaboration/TREX Search Business Intelligence APPLISTRUCTURE Exchange Infrastructure NetWeaver Application Server PDK for.net Windows Client/Internet Explorer ESA SOA Advanced Web Services.NET Connector Single Sign-on Active Directory/MIIS Solution Mgr. MOM/SMS IBF/VSTO Windows Mobile SharePoint Server/Exchange Srv. Collaboration/Search Business Intelligence BizTalk Server Windows Server SQL Server Microsoft Visual Studio/.NET Framework Abbildung 4.1 Information Interoperability zwischen SAP und Microsoft 195

7 4 Informationsintegration Abbildung 4.1 zeigt die vielfältigen Kombinationen von Interoperability-Szenarien zwischen allen diesen Produkten bzw. Systemen, von denen einige in diesem Kapitel näher betrachtet werden. 4.1 SAP Business Information Warehouse Das SAP Business Information Warehouse (BW) ist die zentrale Komponente von SAP NetWeaver Business Intelligence (BI). Es ist die Data- Warehouse-Lösung der SAP AG und hat die Aufgabe, Unternehmensdaten, den so genannten Business Content, aufbereitet und strukturiert zur Verfügung zu stellen. Dabei kann es sich sowohl um strukturierte Daten aus SAP ERP-Systemen als auch um Daten aus Drittsystemen handeln. Bestandteile von SAP BW Abbildung 4.2 zeigt die Bestandteile von SAP BW. Es besteht aus: dem SAP BW Server den Open Hub Services der Business Explorer (BEx) Suite der Administrator Workbench Abbildung 4.2 Übersicht Bestandteile SAP BW 196

8 SAP Business Information Warehouse 4.1 Innerhalb des SAP BW Server sind wiederum folgende Komponenten bezüglich der Datenbewegung von Interesse: die Persistent Staging Area (PSA) mit der Staging Engine das Operational Data Store (ODS) mit den ODS-Objekten die InfoCubes, d. h. die OLAP-Würfel des SAP BW Diese stellen die unterschiedlichen Bereiche des SAP BW Server dar, die die strukturierten Daten beinhalten. Neben der Darstellung der Daten über das SAP BW-Frontend, die Business Explorer (BEx) Suite, sind für Integrationsszenarien zwei Bereiche zu betrachten. Einerseits der Weg der Daten in das SAP BW und andererseits der Weg der Daten aus dem SAP BW heraus, also der Zugriff auf die Daten des SAP BW von außen. Darauf wird jeweils in den Abschnitten und eingegangen. Zunächst wollen wir aber einen Blick auf eine Microsoft/SAP-Integration werfen, die bereits seit der Einführung des SAP BW existiert: Die SAP BW Business Explorer Suite (BEx Suite) Business Explorer Suite (BEx Suite) Die Business Explorer Suite ist der erste Berührungspunkt eines SAP BW-Nutzers und bietet dem Konsumenten von SAP BW-Daten eine Reihe an Werkzeugen, um Abfragen (Queries), Berichte (Reports) und schließlich Analysen zu definieren und zu erstellen. Bestandteile der BEx Suite Business Explorer Suite (BEx) Information Broadcasting BEx Web BI Pattern BEx Analyzer Web Analyzer Web Application Designer Report Designer MS Excel Add-in BI Consumer Services BEx Query Designer Abbildung 4.3 Bestandteile der Business Explorer Suite 197

9 4 Informationsintegration Folgende BEx-Bestandteile werden näher betrachtet: BEx Analyzer BEx Query Designer BEx Report Designer BEx Web Application Designer Während es sich beim BEx Analyzer um ein Add-in für Microsoft Excel handelt, sind insbesondere die drei letztgenannten Komponenten deshalb interessant, weil es sich um Anwendungen handelt, die in der aktuellen Version in Visual Basic.NET neu entwickelt wurden und somit auf dem Microsoft.NET Framework basieren. BEx Query Designer Der BEx Query Designer (siehe Abbildung 4.4) ist eine eigenständige Desktop-Anwendung zum Definieren von multidimensionalen Abfragen (Queries) von Daten aus dem SAP BW. Dabei stellt er Funktionen zum Auswählen der Datenbasis (InfoCubes), zum Definieren der Kennzahlen und Dimensionen der Abfrage und zur Ablage der definierten Abfrage sowohl in einem Excel-Workbook als auch auf dem SAP BW-System zur Verfügung. Abbildung 4.4 BEx Query Designer BEx Report Designer Der BEx Report Designer ist das Werkzeug der BEx Suite zum Erstellen von Berichten. Dabei setzt er auf den Abfragen, die zuvor mit dem BEx Query Designer erstellt worden sind, auf. 198

10 SAP Business Information Warehouse 4.1 Die mit dem BEx Report Designer erstellten Reports beherrschen sowohl die Funktionen Drill-Down und Drill-Up zum Navigieren in multidimensionalen Datenstrukturen als auch die Slice&Dice-Funktion. Diese unterstützen die Möglichkeit von individuellen Sichten. Dabei beschreibt Slice die Möglichkeit, einzelne Scheiben (engl.»slice«) aus dem OLAP-Würfel zu schneiden, während Dice einen Sichtwechsel bzw. ein»kippen«dieser Sicht beschreibt. Abbildung 4.5 BEx Report Designer Der BEx Web Application Designer ist eine Desktop-Anwendung zum Erstellen von Webanwendungen, die SAP BW-spezifische Inhalte enthalten bzw. darstellen. Die Bestandteile einer solchen Webanwendung bezeichnet SAP als Web Item. Dabei kann es sich um Tabellen, Abfragen, Diagramme, Reports oder Karten handeln. Diese sind wiederum Bestandteil einer BEx Web Application. Dies ist eine HTML-Seite mit BW-spezifischen Inhalten. Der BEx Web Application Designer kann darüber hinaus diese Web Items als iviews direkt im Portal anlegen. Der BEx Analyzer unterscheidet sich von den zuvor beschriebenen Werkzeugen dadurch, dass er ein Add-in für Microsoft Excel ist. Er erweitert einerseits Microsoft Excel um spezielle SAP BW-Funktionalitäten und nutzt andererseits die gesamte Excel-Funktionalität. Er ist ein mögliches Frontend neben den vom BEx Web Application Designer erstellten Webanwendungen und dem SAP NetWeaver Portal. BEx Web Application Designer BEx Analyzer 199

11 4 Informationsintegration Wie auch die bereits vorgestellten BEx-Bestandteile ist der BEx Analyzer stark überarbeitet worden und liegt in einer neuen Version für MS Excel 2003 und SAP NetWeaver BI vor. Abbildung 4.6 BEx Web Application Designer Abbildung 4.7 Excel und der neue BEx Analyzer 200

12 SAP Business Information Warehouse 4.1 Was unterscheidet nun die aktuelle Version von ihren Vorgängern? Das herausragende Merkmal ist der neu hinzugekommene Designmodus. Dieser unterstützt die Erstellung von BI-Anwendungen direkt in Excel und ähnelt in seiner Funktionsweise dem BEx Web Application Designer. Abbildung 4.8 gibt einen ersten Einblick. Jeder BI InfoProvider kann dabei in MS Excel integriert werden. Für die Erstellung von Excel-basierten Applikationen werden von SAP eine Reihe von Design Items ausgeliefert. Design Items sind Objekte, die Daten aus Data Providern aufrufen. Die zwei wichtigsten sind die Analysetabelle, die die Ergebnisse einer Query anzeigt und der Navigationsbereich, der den Zugriff auf alle Merkmale und Strukturen in der Query liefert, die für die Navigation und Analyse verwendet werden können. Designmodus Weitere Design Items sind unter anderem eine Dropdown-Box, eine Checkbox-Group und eine Radiobutton-Group, die es ermöglichen, einen Filter über eine Dropdown-Box, ein Ankreuzfeld oder einen Auswahlknopf zu setzen. Designmodus Abbildung 4.8 Designmodus des neuen BEx Analyzer Die Integration mit Microsoft Excel wurde nochmals verbessert. Im Analysemodus können OLAP-Analysen auf Queries ausgeführt werden, die mit dem BEx Query Designer angelegt wurden. Die Ergeb- Benutzer- Interaktion (Analysemodus) 201

13 4 Informationsintegration nisse der Query werden in dem Design Item Analysetabelle angezeigt. Zusammen mit dem Design Item Navigationsbereich und anderen Design Items kann in dieser Tabelle über das Kontextmenü, über ein einfaches Drag&Drop oder über Symbole, wie Sortieren oder Aufklappen bzw. Zuklappen von Hierarchien, navigiert werden. Ferner ist es nun möglich, jeden InfoProvider aus Excel heraus anzusprechen, während in den früheren Versionen nur ein Zugriff auf InfoCubes bzw. die entsprechenden Queries oder Query Views möglich war. Lokale Berechnungen können durch den Benutzer leicht über das Kontextmenü in das Excel Workbook eingefügt werden und stellen eine Teilmenge der im Query Designer zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dar. Die Erstellung der Formeln erfolgt über einen intuitiven Dialog mit einfachen Buttons. Die so erstellten Berechnungen können zusammen mit dem Excel Workbook abgespeichert werden. Wenn eine Query im Query Designer als eingabebereit definiert wurde, können Sie Daten in die eingabebereiten Zellen einfügen. Damit werden Planungsfunktionen ausgeführt. Excel-Formatierungen und Formeln Zu den neuen Möglichkeiten, die der BEx Analyzer bietet, gehört auch, dass die nativen Formatierungsmöglichkeiten, die Excel bereitstellt, nun auch in vollem Umfang für BEx Workbooks genutzt werden können. Dazu gehören unter anderem die Verwendung von Leerzeilen oder auch unterschiedlichen Schriftarten. Jede Zelle des Result-Sets ist durch die Excel-Funktion BexGetData beschrieben. Die Kombination von Excel-Formatierungen und -Formeln erlaubt die Erstellung formatierter Workbooks hoher Qualität. Diese Funktionen können für jede Query, jeden Query View oder Info Provider genutzt werden Upload von Daten in SAP BW Ein Data Warehouse ohne Daten erfüllt nicht seinen Zweck. Aus diesem Grund muss es mit Daten befüllt werden. Dies erfolgt durch das Hochladen von Daten aus unterschiedlichen Quellsystemen. Man spricht im Data-Warehouse-Bereich auch von Extraktion, Transformation und Laden (ETL). Dies erfolgt beim SAP BW in der ersten Stufe in die Persistent Staging Area (PSA). Dort werden die Daten mithilfe unterschiedlicher Werkzeuge zunächst unverändert abgelegt. 202

14 SAP Business Information Warehouse 4.1 Abbildung 4.9 Formatiertes Excel Workbook mit zusätzlichen lokalen Excel- Berechtigungen (erstellt im Formelmodus) Wir befinden uns damit bereits im Datenladeprozess des SAP BW, den es näher zu betrachten gilt. Generell wird der Datenladeprozess immer vom SAP BW aus gesteuert. Es ist das aktive System. Das heißt, dass der Datenladeprozess im SAP BW definiert und gespeichert werden muss und vom SAP BW auch ausgeführt wird. Man spricht dabei auch vom Pull-Verfahren. Pull-Verfahren Der Datenladeprozess wird definiert durch: ein Quellsystem (Source System) eine InfoSource als Ziel eine oder mehrere DataSource(s) des Quellsystems die Zuweisung von DataSource und InfoSource die Fortschreibungsregeln die Übertragungsregeln Abbildung 4.10 zeigt beispielhaft die Auswahl des Quellsystems der Daten, Abbildung 4.11 zeigt die Festlegung der Fortschreibungs- und Übertragungsregeln. 203

15 4 Informationsintegration Abbildung 4.10 Quellsystem auswählen Abbildung 4.11 Festlegung der Übertragungsregeln Daten, die in den Staging-Bereich des SAP BW hochgeladen wurden, werden im nächsten Schritt konsolidiert und bereinigt entweder in InfoCubes oder in Objekte des Operational Data Store (ODS) geschrieben, wie Abbildung 4.12 verdeutlicht. 204

16 SAP Business Information Warehouse 4.1 Abbildung 4.12 Vom Staging-Bereich in die InfoCubes Was das Hochladen (Upload) von externen Daten in die PSA des SAP BW Server betrifft, so gibt es verschiedene Möglichkeiten. Oft wird mit einem Flat-File-Import gearbeitet. Es ist aber auch möglich, die entsprechenden Daten mittels der Staging BAPIs (BW-STA) hochzuladen (siehe Abbildung 4.13). Dabei handelt es sich um Methoden der Business-Objekte, die im Datenladeprozess die entscheidende Rolle spielen. Staging BAPI Staging BAPIs Abbildung 4.13 Staging BAPIs Deren Methoden werden als Staging BAPIs bezeichnet: Business-Objekt InfoObject Business-Objekt SourceSystem 205

17 4 Informationsintegration Business-Objekt DataProvider Business-Objekt InfoSourceTrans Business-Objekt InfoSourceTransXfer Business-Objekt InfoSourceMaster Business Objekt InfoSourceMasterXfer Business Objekt InfoSourceHirchyXfer All diese Objekte können über die bereits in Kapitel 2 erläuterte BAPI-Schnittstelle mittels Microsoft Visual Studio 2003 und des SAP Connector for Microsoft.NET 2.0 angesprochen und genutzt werden. Abbildung 4.14 zeigt die Objekte im Server-Explorer des Visual Studio Damit könnte eine auf dem Microsoft.NET Framework basierende Anwendung den Datenladeprozess von außen definieren und dirigieren. Abbildung 4.14 Staging BAPI im Server-Explorer SOAP-Übertragung Im Zeitalter von XML, SOAP und Webservices gibt es für das Hochladen der Daten in das SAP BW noch eine weitere Variante. Gemeint ist die SOAP-basierte Übertragung von Daten. Anders als beim für SAP BW sonst üblichen Pull-Verfahren, bei dem die Steuerung des Datenladeprozesses von SAP BW ausgeht, werden in dieser Variante die Daten von außen in eine Eingangsqueue des SAP BW geliefert. Diese Eingangsqueue ist die Delta-Queue des Service API des SAP BW. Das lässt den Rückschluss zu, dass das Laden der Daten im Delta-Verfahren erfolgt. Somit ist diese Variante nur eine Ergänzung zum eigentlichen Hochladen von (Massen-)Daten, die z. B. im Filetransfer erfolgt. Dies gilt es entsprechend zu berücksichtigen. 206

18 SAP Business Information Warehouse 4.1 Ausgangspunkt ist in dieser Variante eine File-DataSource. Bei der Definition der Übertragungsregeln gibt es die Möglichkeit, anzugeben, dass es sich um eine DataSource mit SOAP-Anschluss handelt. Dann wird in der Workbench eine XML-DataSource generiert. Diese ist für die Delta-Queue notwendig und für das Laden der Delta- Datensätze vorgesehen. Zu dieser XML-DataSource wird auch ein Funktionsbaustein (RFC) generiert, der die Verbuchung der eingehenden Daten durchführt. Dieser RFC wird in der Funktionsgruppe /BIO/QI<xml-datasource> angelegt und trägt den Namen /BIO/QI <xml-datasource>_rfc, wobei <xml-datasource> für den Namen der XML-DataSource steht. Diese DataSource ist auch der Import-Parameter des RFC. InfoSource Externe Anwendung Daten mit Belegcharakter generierte XML- DataSource File DataSource Push SOAP Delta Initial vollständig Massendaten Delta-Queue FTP Filesystem Abbildung 4.15 Ablauf SOAP-Übertragung Dieser RFC kann nun nach der Aktivierung der Datenübertragung von außen z. B. mittels eines Webservice angesprochen werden. Von der Delta-Queue aus werden die Daten mit den bereits beschriebenen Staging-Methoden weiterverarbeitet. Es ist aber die Einschränkung zu beachten, dass bei dieser SOAPbasierten Übertragung nur flache Strukturen verwendet werden können. Insbesondere Hierarchiedaten können nicht auf diesem Weg übertragen werden. Einschränkung bei der SOAP- Übertragung 207

19 4 Informationsintegration Open Analysis Interfaces Da nun das SAP BW eine offene Architektur ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, auf die SAP BW-Daten für Zwecke des Reportings über ein alternatives Frontend-Werkzeug zuzugreifen. MDX Die Hauptrolle spielen dabei die SAP BW Open Analysis Interfaces. Sie stellen eine Gruppe von Schnittstellentechnologien zur Verfügung, die es externen Anwendungen erlauben, Abfragen an den MDX-Prozessor des SAP BW-Systems zu adressieren. MDX steht für MultiDimensional Expression und ist eine der SQL-Syntax ähnliche Abfragesprache für multidimensionale Daten. Eine MDX-Query liefert auch immer eine mehrdimensionale Ergebnismenge. Zur den SAP BW Open Analysis Interfaces gehören: OLAP-BAPI XML for Analysis (XMLA) OLE DB für OLAP (ODBO) SAP BW Open Analysis Interfaces XMLA OLE DB OLAP BAPI Abbildung 4.16 Übersicht SAP BW Open Analysis Interfaces OLAP-BAPI Werfen wir zunächst einen Blick auf die OLAP-BAPIs. Ähnlich wie im Staging-Bereich wurden auch im OLAP-Bereich Business-Objekte und Methoden von SAP zur Verfügung gestellt. Konkret sind zwei OLAP-Business-Objekte vorhanden: MDDataProviderBW Das Business-Objekt MDDataProviderBW liefert einen multidimensionalen Provider für BW-Meta- und Stammdaten. 208

20 SAP Business Information Warehouse 4.1 MDDataSetBW Das Business-Objekt MDDataSetBW liefert eine Ergebnismenge für multidimensionale Abfragen zurück. Abbildung 4.17 Die OLAP-BAPI-Methoden Abbildung 4.17 zeigt die jeweiligen Methoden der beiden OLAP- Business-Objekte. Diese Objekte und BAPIs können, wie auch die anderen BAPIs zuvor, über Microsoft Visual Studio 2003 und den SAP Connector for Microsoft.NET 2.0 angesprochen werden. In einer VB.NET-Beispielanwendung sollen mithilfe des Business- Objekts MDDataProviderBW.Get_Cubes alle SAP BW-InfoCubes und ihre Metadaten aufgelistet werden. Dabei wird im VS-Projekt dem SAP-Proxy mittels Server-Explorer das Business-Objekt MDDataProviderBW.Get_Cubes hinzugefügt. Anschließend ist eine Windows- Form zu entwerfen. Abbildung 4.18 zeigt diese Beispielform. Beispielanwendung Abbildung 4.18 OLAP-Beispiel-Cube MiniBrowser 209

21 4 Informationsintegration Durch einen Klick auf den Button Zeige SAP BW Cubes soll die folgende VB.NET-Funktion ausgeführt werden: Private Sub Button1_Click(ByVal sender _ As System.Object, ByVal e As System.EventArgs) _ Handles Button1.Click 'BAPI-Parameter Dim ds_cubtab As BAPI6110CUBTable = New BAPI6110CUBTable Dim ds_ret2 As BAPIRET2 'SAP BW-Verbindungsdaten Dim bw_system As New SAP.Connector.Destination bw_system.appserverhost = "sapwebas640" bw_system.username = "BCUSER" bw_system.password = "MINISAP" bw_system.client = 400 bw_system.systemnumber = 0 'Verbindung zum BW herstellen Dim sap_bw_proxy As New SAPProxy1(bw_system.ConnectionString) 'BAPI-Aufruf sap_bw_proxy.bapi_mdprovider_get_cubes("", "", _ "", ds_ret2,_ ds_cubtab) 'Ergebnis im DataGrid anzeigen DataGrid1.DataSource = ds_cubtab DataGrid1.Refresh() End Sub Die Hauptfunktion besteht darin, dass der BAPI-Aufruf sap_bw_ proxy.bapi_mdprovider_get_cubes die SAP-Tabelle ds_cubtab auf Basis der BAPI6110CUBTable-Definition zurückgibt, die alle InfoCubes des angesprochenen SAP BW-Systems beinhaltet. Die SAP- Tabelle wird dem DataGrid als Datenquelle zugewiesen, und diese zeigt nach einem Refresh das Ergebnis, das in Abbildung 4.19 zu sehen ist, an. XML for Analysis Eine weitere Variante für kleine Datenmengen ist die Spezifikation XML for Analysis (XMLA), die auch zur Gruppe der SAP BW Open Analysis Interfaces gehört und einen Webservice-basierten Zugriff auf SAP BW-Daten erlaubt. XML for Analysis ist ein von Microsoft spezifiziertes Protokoll und wird mittlerweile sowohl von Microsoft als auch von SAP seit der Version BW 3.0 unterstützt. Es steht nach der Installation des SAP BW-Systems automatisch als Webservice zur Verfügung. 210

22 SAP Business Information Warehouse 4.1 Abbildung 4.19 Ergebnis des OLAP-BAPI-Aufrufs XMLA benötigt keine lokalen Client-Komponenten. Es ermöglicht den plattformunabhängigen Zugriff über Internet-Technologien auf das SAP BW-System. Dies bedeutet konkret, dass ein Webservice die XMLA-Schnittstelle anspricht, die ihrerseits an den MDX-Prozessor die Abfrage übermittelt. Abbildung 4.20 XMLA und der MDX-Prozessor Die URL des Webservice ist nach dem folgenden Schema aufgebaut: Eine Beschreibung des Webservice kann über die entsprechende URL der WSDL-Datei abgerufen werden: Folgende XMLA-Methoden des SAP BW können, wie Abbildung 4.21 zeigt, angesprochen werden: XMLA-Methoden 211

23 4 Informationsintegration Discover Diese Methode dient zur Abfrage von Metadaten und Stammdaten. Sie entspricht dem BAPI MDDataProviderBW. Execute Mit dieser Methode führt man MDX-Kommandos aus und erhält die entsprechende Ergebnismenge. Sie entspricht dem BAPI MDDataSetBW. Abbildung 4.21 Methoden des XMLA-Webservice OLE DB für OLAP (ODBO) Die dritte Variante ist eine Fat-Client-Variante, die auf dem COM- Protokoll beruht und nur auf einer Windows-Plattform einsetzbar ist. Es handelt sich dabei um die Verwendung des SAP BW OLE DB Provider. Dieser Provider muss zunächst auf dem Windows-System installiert werden. Dies ist über die Installation des SAP BW-Frontend möglich. Das entsprechende Setup 1 installiert die folgenden Komponenten des SAP BW-Frontend, die vom SAP BW OLE DB Provider benötigt werden: Mdrmsap.dll: SAP BW OLE DB for OLAP-Provider-Bibliothek Mdrmdlg.dll: Service-Bibliothek, um eine Verbindung zum SAP- Server aufzubauen 1 Das Setup befindet sich u. a. auf der SAP-GUI-Installations-CD. Es wird gemeinsam mit dem SAP BW-Frontend installiert. 212

24 SAP Business Information Warehouse 4.1 Scerrlkp.dll: Fehlerbehandlungsbibliothek Mdxpars.dll: MDX-Parser-Bibliothek Librfc32.dll: SAP-RFC-Bibliothek Wdtlog.ocx: SAP-RFC-Logon-Dialog-Komponente Saplogon.ini: SAP-Verbindungsparameter-Datei Die drei letzten Komponenten dürften nach dem Studium von Kapitel 2 bekannt sein, aber die Hauptrolle spielt die Mdrmsap.dll als Provider-Bibliothek. Diese Provider-Bibliothek baut vom Consumer- Client eine Verbindung zu den bereits beschriebenen OLAP BAPIs und deren Methoden auf dem BW-Server auf und ermöglicht den Online-Zugriff auf die gewünschten InfoCubes. Mdrmsap.dll Exemplarisch genutzt werden kann der SAP BW OLE DB for OLAP- Provider aus der Office-Anwendung Excel 2003 heraus, wie in Abbildung 4.22 zu sehen ist. Abbildung 4.22 Excel und SAP OLE DB Provider 213

25 4 Informationsintegration Das Ergebnis ist dann in einer Pivot-Tabelle auswertbar, wie Abbildung 4.23 zeigt. Abbildung 4.23 SAP OLE DB Daten in einer Pivot-Tabelle ODS-BAPI Eine weitere Variante, auf Daten des SAP BW-Systems zuzugreifen, gehört nicht zu den SAP BW Open Analysis Interfaces und setzt auch nicht auf dem multidimensionalen MDX-Prozessor auf, weil sie auch nicht auf multidimensionale Daten zugreifen soll. Es handelt sich dabei um die Verwendung des ODS Read BAPI. Wie bereits in Abschnitt beschrieben, ist die Datenhaltung im ODS relational und nicht multidimensional. Die von SAP zur Verfügung gestellten ODS-Methoden ermöglichen es, Daten aus diesen ODS-Objekten zu lesen und weiterzuverwenden. Folgende Methoden bzw. Funktionsbausteine werden dabei genutzt: ODSObject.GetList Gibt eine Liste der ODS-Objekte zurück. 214

26 SAP Business Information Warehouse 4.1 ODSObject.ReadData Liest die Daten aus dem gewählten ODS-Objekt. ODSObject.ReadDataUC Die entsprechende Unicode-Variante. Genau wie alle bereits beschriebenen BAPIs können auch die ODS- BAPIs über das Microsoft Visual Studio 2003 und den SAP Connector for Microsoft.NET 2.0 angesprochen und in einer Windows-Anwendung auf Microsoft.NET Framework-Basis integriert werden. Im folgenden Beispiel soll ein simpler ODS-Browser in Form einer Microsoft.NET-basierten Windows-Anwendung erstellt werden. Die Anwendung soll die derzeit aktiven ODS-Objekte des SAP BW-Systems anzeigen. Dabei spricht der SAP Connector for.net die Funktion BAPI_ODSO_GETLIST an. Es handelt sich dabei um die ABAP- Funktion des ODSObject.GetList-BAPI. Beispiel Abbildung 4.24 ODS-BAPI im Server-Explorer Auf der Form befindet sich ein Button, der angeklickt wird, um als auslösendes Ereignis das ODS-BAPI aufzurufen. Private Sub Button1_Click(ByVal sender _ As System.Object, ByVal e As System.EventArgs) _ Handles Button1.Click 215

27 4 Informationsintegration 'Parameter für den BAPI-Aufruf Dim ods_ret2 As BAPIRET2 Dim ods_ltab As New BAPI6116LTable Dim ods_sl16tab As New BAPI6116SLTable Dim ods_sl00tab As New BAPI6100SLTable 'SAP BW-Verbindungsdaten Dim bw_system As New SAP.Connector.Destination bw_system.appserverhost = "sapwebas640" bw_system.username = "BCUSER" bw_system.password = "MINISAP" bw_system.client = 400 bw_system.systemnumber = 0 'Verbindung zum BW herstellen Dim sap_bw_proxy As New SAPProxy1(bw_system.ConnectionString) 'BAPI-Aufruf sap_bw_proxy.bapi_odso_getlist("a", ods_ret2, ods_ltab, _ ods_sl16tab, ods_sl00tab) 'Ergebnis im DataGrid anzeigen DataGrid1.DataSource = ods_ltab DataGrid1.Refresh() End Sub Die Hauptfunktion in diesem Beispiel besteht darin, dass der BAPI- Aufruf sap_bw_proxy.bapi_odso_getlist die SAP-Tabelle ods_ltab auf Basis der BAPI6116LTable-Definition zurückgibt, die alle aktiven ODS-Objekte des angesprochenen SAP BW-Systems beinhaltet. Die SAP-Tabelle wird dem DataGrid als Datenquelle zugewiesen, und diese zeigt nach einem Refresh das Ergebnis, das in Abbildung 4.25 zu sehen ist, an. Abbildung 4.25 Ergebnis des ODS-BAPI 216

28 SAP Business Information Warehouse Open Hub Service Während die zuvor vorgestellten Schnittstellen der SAP BW Open Analysis Interfaces und des ODS-BAPI für den Anschluss von Frontend-Werkzeugen für das Reporting verwendet werden können, bietet SAP für den Export von Daten aus dem BW die Schnittstelle Open Hub Service. Der Open Hub Service ermöglicht es, Daten aus einem SAP BW-System in Nicht-SAP-Data-Marts, Analytical Applications und anderen Anwendungen zu verteilen. Bei den Open Hub Services handelt es sich um eine Komponente, die von SAP-Kunden gesondert lizenziert werden muss. Abbildung 4.26 Einordnung des Open Hub Service Der Open Hub Service lässt sich in der SAP BW Administrator Workbench aufrufen (Transaktion RSA1), wie Abbildung 4.27 zeigt. Bei der Verwendung des Open Hub Service ist es die zentrale Aufgabe, ein InfoSpoke zu definieren (siehe Abbildung 4.28). Innerhalb des InfoSpoke wird festgelegt: InfoSpoke die Open-Hub-Datenquelle der Extraktionsmodus das Ziel die Open Hub Destination Als Open-Hub-Datenquelle können sowohl ODS-Objekte, Info- Cubes, aber auch BW-Metadaten dienen. 217

4 Informationsintegration

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