Java-basierte Unternehmensportale

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1 Java-basierte Unternehmensportale Sebastian Klenk H o c h s c h u l e M ü n c h e n S e m i n a r A k t u e l l e T e c h n o l o g i e n z u r E n t w i c k l u n g v e r t e i l t e r J a v a - A n w e n d u n g e n S o m m e r s e m e s t e r

2 Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung Grundlagen Begriffsdefinition Unternehmensportal Funktionalitäten eines Unternehmensportals Architektur von Unternehmensportalen Vor- und Nachteile von Portalen Marktüberblick Standards für Portal-Applikationen Standards in der Softwareentwicklung Standards für webbasierte Portale Standards in der Technologie Java Konkrete Standards für Portal-Applikationen in Java JSR 168: Portlet Specification JSR 286: Portlet Specification JSR 170: Content Repository for Java TM technology API Einsatz eines Portal-Servers im Unternehmen am Beispiel Liferay Portal Über Liferay Portal Komponenten von Liferay Weitere nützliche Funktionalitäten Editionen des Portalservers Erweiterbarkeit der Umgebung Funktionsweise des Portalservers Liferay in der Praxis Bezug und Installation von Liferay Administration der Umgebung Konfiguration des Portal-Servers Entwicklung für Liferay Seite 1 von 58

3 4.2.5 Wartung und Pflege eines bestehenden Portals Dokumentation und Community Alternativen zu Liferay Fazit Abbildungsverzeichnis Tabellenverzeichnis Quellenverzeichnis Seite 2 von 58

4 1 Einleitung Im Jahre 1999 ist in der PC-Zeitschrift Computerwoche der Artikel Unternehmensportale stecken noch in den Kinderschuhen erschienen (vgl. Computerwoche1999, S.69 ff.). Zu diesem Zeitpunkt, als die Computertechnologie noch längst nicht so hochentwickelt war, wie sie es heute ist, wurde im Hinblick auf die Entwicklung der Corporate Portals schon die neue Ära des Informationsmanagements ausgerufen. Jedoch nennt der Autor in seinem Artikel zur damaligen Zeit nicht ausreichende Möglichkeiten der Kollaboration zwischen Mitarbeitern im Unternehmen und mangelnde Funktionalitäten im Bereich des digitalen Geschäftsprozess-Managements. Heute, dreizehn Jahre später stehen Unternehmen sehr ausgereifte Enterprise-Portale mit einem beachtlichen Funktionsumfang zur Verfügung. Auf dem Markt für Portallösungen ist eine Vielzahl von Anbietern präsent und veröffentlicht stets neue Versionen ihrer Portale mit immer neuen Funktionen, die die Zusammenarbeit im Unternehmen bequemer gestalten und vereinfachen sollen. Viele moderne Unternehmen setzen Portallösungen ein, um Informationen und dokumentiertes Wissen an zentraler Stelle verfügbar zu halten. Dabei haben Entscheider vor der Einführung einer solchen Software die Qual der Wahl zwischen Open Source-Lösungen und kommerziellem Anwendungen mit umfangreicher zusätzlicher Hersteller-Unterstützung. Unternehmensportale werden für die unterschiedlichsten Betriebssysteme entwickelt und bieten vor allem den Vorteil, die Fülle der separat betriebenen Anwendungen eines Unternehmens in eine zentrale Plattform zu integrieren. Durch diverse Software-Standards wird es ermöglicht, homogene und vor allem heterogene Anwendungen einheitlich in die Unternehmens- Infrastruktur zu integrieren. Gerade auf dem Gebiet der Kollaboration, die der Autor des Artikels Unternehmensportale stecken noch in den Kinderschuhen aus dem Jahre 1999 bemängelte (vgl. Computerwoche1999, S.69 ff.), sind riesige Fortschritte festzustellen. Die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiten einer Firma findet heutzutage häufig von unterschiedlichen Standorten statt sei es durch den Umstand unterschiedlicher Niederlassungen innerhalb einer Region bzw. eines Landes oder auf internationaler Ebene. Hierbei erleichtern Portallösungen die digitale Kollaboration erheblich. Der Fokus dieser Studienarbeit liegt, wie der Titel Java-basierte Unternehmensportale vermuten lässt, auf der Technologie Java. Im Rahmen der Arbeit soll zunächst auf allgemeine Grundlagen eingegangen werden, die zum Verständnis der Technologie notwendig sind. Hierbei erhält der Leser neben Begriffsdefinitionen und einer Erläuterung des Funktionsumfangs eines Unternehmensportals auch einen Überblick über die aktuelle Marktsituation auf dem Markt für Enterprise-Portale. Darüber hinaus werden in diesem Zusammenhang existierende Standards für Portal-Applikationen näher beschrieben und auf konkrete Standards in der Java-Technologie eingegangen. Dem Praxiseinsatz eines auf Java basierenden Portalservers wird ein weiteres Seite 3 von 58

5 Kapitel gewidmet. Dabei wird an Hand der freien Software-Lösung Liferay Portal die Installation, die Konfiguration und die Erweiterung durch Programmierung näher ausgeführt, um die Möglichkeiten eines Unternehmensportals in der Praxis zu veranschaulichen. Seite 4 von 58

6 2 Grundlagen In diesem Kapitel werden die Grundlagen behandelt, die zum allgemeinen Verständnis der Thematik notwendig sind. Dabei wird zunächst der Begriff Unternehmensportal erklärt und anschließend auf die Funktionalitäten und Architektur von Unternehmensportalen eingegangen. Im darauf folgenden Abschnitt erhält der Leser einen Überblick über die Stärken und Schwächen von Portalen. Abschließend wird die aktuelle Marktübersicht von Anbietern webbasierter Unternehmensportale vorgestellt. 2.1 Begriffsdefinition Unternehmensportal Der Begriff Portal kommt aus dem lateinischen (porta) und bedeutet Pforte. In der Informatik handelt es sich bei Portalen um Anwendungen, die einen zentralen Zugriff auf personalisierte Inhalte bereitstellen (vgl. Gurzki2012). Portale sollen zudem dabei helfen, zielgruppenspezifische und zielgruppengerechte Prozesse an der Schnittstelle zwischen Unternehmen und dem Nutzer, also in der Regel Mitarbeiter eines Unternehmens, anzubieten (vgl. Gurzki2012). In Unternehmen wird häufig eine Vielzahl von Software-Anwendungen separat betrieben. Unternehmensportale unterstützen den Anwender dabei, den Zugang zu den unterschiedlichsten Webanwendungen im Unternehmen unter einer Portalplattform zusammenzufassen. Bei Unternehmensportalen handelt es sich um Weboberflächen, die einen zentralen, personalisierten Zugriff auf Inhalte des Intranets bieten (vgl. Mindsquare2012). Im Englischen werden Unternehmensportale als Enterprise Information Portal, Enterprise Portal oder Corporate Portal bezeichnet. Auf die Vorzüge und Nachteile von Portalen wird in Abschnitt 2.4 eingegangen. In der Literatur findet man häufig die Unterscheidung zwischen horizontalen und vertikalen Portalen (vgl. Gartner2012). Abbildung 1 zeigt den Unterschied zwischen beiden Ausprägungen. Horizontale Portale vereinigen das gesamte Inhaltsspektrum des Internet in ihrem Angebot und fokussieren nicht auf eine bestimmte Zielgruppe oder ein bestimmtes Thema (vgl. Webagency2012). Vertikale Portale dagegen präsentieren spezifischere und detailliertere Informationen zu einem bestimmten Thema (vgl. Webagency2012) mit Ausrichtung auf eine festgelegte Zielgruppe. Seite 5 von 58

7 Abbildung 1: Unterscheidung zwischen horizontalen und vertikalen Portalen (eigene Darstellung, vgl. Webagency2012). Häufig findet darüber hinaus eine Einteilung von Unternehmensportalen in zwei Teilkategorien statt. Zum einen ermöglichen Integrationsportale einen einheitlichen Zugriff auf verschiedene Anwendungen und rücken applikationsübergreifende Leistungen in den Vordergrund. Zum anderen besitzen Zusammenarbeits-Portale als Kerneigenschaft die Verteilung und den Austausch von Informationen zwischen Benutzern des Systems (vgl. WikiPortal2012). 2.2 Funktionalitäten eines Unternehmensportals Unternehmensportale stellen umfangreiche Funktionalitäten bereit, die Firmen dabei helfen, den Betrieb und die Pflege von Software zu vereinheitlichen. Die nachfolgend erläuterten Funktionen sind häufig Bestandteil von Standardsoftware bei Unternehmensportalen. Durch Erweiterungen können die Funktionalitäten von Portalen nahezu beliebig ausgebaut werden. Deshalb erhebt die Beschreibung in dieser Studienarbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Vordergrund des Einsatzes stehen die Integration vorhandener und das Einbinden zukünftiger Webanwendungen in das unternehmensweit eingesetzte Portal. Jedoch stellt Portalsoftware auch gewisse Basisdienste bereit, die portalübergreifend genutzt werden können. Der Gesamtüberblick über die Architektur eines Unternehmensportals wird im folgenden Abschnitt 2.3 beschrieben. Eine komfortable technische Funktionalität ist der Einsatz von Single Seite 6 von 58

8 Sign-on. Dieser Mechanismus erlaubt es, durch einmalige Anmeldung am Unternehmensportal Zugriff auf unterschiedliche Anwendungen zu erhalten, ohne sich an jedem einzelnen System erneut anmelden zu müssen. Voraussetzung des Zugriffs auf die Subsysteme sind selbstverständlich die nötigen Zugriffsrechte des zugreifenden Benutzers (vgl. WikiSingle2012). Nach dem Grundsatz Wer macht was, wann, wie und womit? (vgl. Bednarz2008, S.29) sollen Geschäftsprozesse im Unternehmen festgelegt und zum ständigen Nachschlagen dokumentiert werden. Auch dazu kann ein Unternehmensportal einen wertvollen Beitrag leisten. Im direkten Zusammenhang mit Geschäftsprozessmanagement (engl. Business Process Management) steht das Workflow-Management, das laut Hans-Jörg Bullinger alle Aufgaben beinhaltet, die bei der Modellierung, der Simulation sowie bei der Ausführung und Steuerung von Geschäftsprozessen erfüllt werden (vgl. Bullinger1999, S.59). Ein typisches Beispiel dafür ist die Bearbeitung eines Dokumentes durch einen Mitarbeiter, anschließende Prüfung und Genehmigung eines Dokumentes durch einen Vorgesetzten und abschließende Wiedervorlage beim Sachbearbeiter. Die virtuelle Zusammenarbeit im Unternehmensalltag gewinnt auf Grund der oft verteilten Teams oder internationaler Kollaboration einen immer höheren Stellenwert. Deshalb ist die Bereitstellung von Arbeitsdokumenten an zentraler Stelle durch ein in das Portal integriertes Dokumentenmanagement-System angebracht. Auch die Pflege historischer Dateiversionen, die auch als Versionierung bezeichnet wird, oder das gleichzeitige Arbeiten an ein und demselben Dokument bietet sich in diesem Kontext an. Die Personalisierung von Inhalten steht bei Anwendern eines Unternehmensportals hoch im Kurs. Die unterschiedlichen Präferenzen der einzelnen Nutzer machen es erforderlich, eine Möglichkeit der Personalisierung einzelner Portalseiten zur Verfügung zu stellen. In der gleichen Weise wie Benutzer auf Betriebssystemen ihren Desktop nach eigenen Vorstellungen organisieren, sollen diese etwa auch Einstiegsseiten von Unternehmensportalen personalisieren können. Informationen, die für Benutzer A höchst relevant sind, können für das Aufgabengebiet von Benutzer B zweitrangig sein. Des Weiteren sind Suchfunktionen oder Listen zum Abspeichern verschiedenster Informationen gebräuchliche Funktionalitäten eines Intranet-Portals (vgl. WikiPortal2012). 2.3 Architektur von Unternehmensportalen Auch bei der Konzeption von Unternehmensportalen wird die in der Software-Technik häufig verwendete 3-Schichten-Architektur (engl. three tier architecture) verwendet. Der grundlegende Aufbau wird in Abbildung 2 verdeutlicht. Die Darstellungsschicht, die unter anderem auch als GUI-Schicht bezeichnet wird, realisiert die Benutzungsoberfläche einer Anwendung. Dazu gehören die Dialogführung und die Präsentation aller Daten in Fenstern, Berichten usw. (vgl. Balzert1999, S.372). Die Logikschicht, oder auch Fachkonzeptschicht, modelliert den funktionalen Kern der Anwendung (vgl. Balzert1999, S.372). Außerdem enthält diese Schicht Seite 7 von 58

9 laut Helmut Balzert auch die Zugriffe auf die Datenhaltungsschicht, in der die jeweilige Form der Datenspeicherung realisiert werde (vgl. Balzert1999, S.372). Die Trennung der einzelnen Schichten in Präsentations-, Logik- und Datenhaltungsschicht ermöglicht somit eine übersichtliche Strukturierung in Abstraktionsebenen und unterstützt die Wiederverwendbarkeit, die Änderbarkeit, die Wartbarkeit, die Portabilität und die Testbarkeit (vgl. Balzert2000, S.698). Diese Vorteile haben dazu beigetragen, dass sich dieser Entwurfsansatz bei der Konzeption von Software-Architekturen durchgesetzt hat. Abbildung 2: Schichten-Architektur in der Software-Entwicklung (vgl. Balzert1999, S.372). Im folgenden Abschnitt wird an Hand einer Beispielarchitektur exemplarisch der mögliche Aufbau eines Enterprise-Portals erläutert. Abbildung 3 zeigt diese abstrakte Architektur eines Unternehmensportals, die von Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation entwickelt wurde. In der Abbildung ist auch die oben beschriebene Aufteilung in drei Schichten wieder zu finden. Seite 8 von 58

10 Abbildung 3: Abstrakte Architektur für Portalsoftware (vgl. Gurzki2003). Seite 9 von 58

11 Die Präsentationsschicht enthält die Komponenten, mit deren Hilfe von Anwenderseite auf das Portal zugegriffen werden kann. Typischerweise handelt es sich dabei um Webbrowser für Desktop-PCs wie den Microsoft Internet Explorer oder den Mozilla Firefox. Auch der Zugriff über mobile Browser wird in Unternehmen durch die Ausstattung von Mitarbeitern mit Smartphones und Tablet-PCs immer wichtiger. In der Fachkonzeptschicht steht an zentraler Stelle der sogenannte Application Server, der die Bereitstellungsdienste wie den verwendeten Webserver und die eigentliche Portalsoftware umfasst. Die Portalsoftware untergliedert sich wiederum in die Basisdienste des Portals und die integrierten Portalanwendungen. Basisdienste beschreiben die Features, die Hersteller von Portalsoftware mit dem Produkt ausliefern (siehe Abschnitt 2.2). Portalanwendungen stellen die unternehmensspezifische Funktionalität eines Portals dar, was bedeutet, dass diese je nach Einsatzzweck von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sind. Für Portalanwendungen existieren auf dem Markt verschiedene Begrifflichkeiten wie Gadgets, I-Lets, Web Parts oder Portlets (vgl. Gurzki2003). Der Fokus dieser Studienarbeit liegt auf der Java-Technologie, daher wird der für Java-Anwendungen entstandene Portlet-Standard in Kapitel ausführlich beschrieben. Die Verabschiedung dieses Standards vereinheitlicht den Zugriff von oft heterogenen Portlets auf die Basisdienste einer Portalsoftware. In einer typischen Portalanwendung erfolgt der Zugriff auf die Datenhaltungsschicht über die sogenannten Integrationsdienste, durch die externe Datenquellen angesprochen werden können. Transaktionsdienste sorgen für eine transaktionssichere Ausführung von Abfragen über die integrierten Systeme hinweg (vgl. Gurzki2003). Der konkrete Einsatz einer Portalsoftware wird in Kapitel an Hand der in Java entwickelten Open-Source-Software Liferay Portal unter Verwendung des Webservers Apache Tomcat gezeigt. Hierbei wird auch auf die Funktionsweise eines Portalservers eingegangen. Seite 10 von 58

12 2.4 Vor- und Nachteile von Portalen Je nach Einsatzzweck können unterschiedliche Funktionalitäten einer Portallösung für Unternehmen von Vorteil sein oder ein eher zweitrangiges Merkmal darstellen. An dieser Stelle sollen Vor- und Nachteile der Integration von Webanwendungen in ein Portal gegenüber der Variante eines separaten Betriebes der Anwendungen aufgeführt werden. Eine Stärke von Unternehmensportalen ist die zentrale Anlaufstelle für Mitarbeiter eines Unternehmens und die damit einhergehende einheitliche Benutzeroberfläche. Portale stellen zudem laut Wikipedia bereits eine grundlegende Infrastruktur zur Verfügung [...], die einen Teil der Standardfunktionalität von Webanwendungen bereithalten (vgl. WikiPortal2012). Durch die Integration von Webanwendungen in ein gemeinsames Portal kann beispielsweise anwendungsübergreifend nach Informationen gesucht werden. Dies bietet den Vorteil, dass nicht jede einzelne Anwendung nach den gewünschten Daten durchsucht werden muss. Des Weiteren kann durch eine gemeinsame Datenbasis eine einfachere Verknüpfung von Daten zwischen einzelnen Anwendungen realisiert werden (vgl. WikiPortal2012). Wie in Kapitel 2.2 bereits erwähnt, ist auch die Benutzerauthentifizierung durch Single Sign-on ein großer Vorteil von Unternehmensportalen. Neben des Vorteils der Zeitersparnis durch die einmalige Anmeldung am System wird durch Single Sign-on auch zusätzliche Sicherheit erreicht, da sich der Anwender nur ein Passwort merken muss (vgl. Mindsquare2012). Schwierigkeiten können jedoch bei der Portierung bestehender Anwendungen in ein Unternehmensportal entstehen, da sich die Implementierungsweise und der Datenbestand häufig von den Standards unterscheiden, die für Portale festgelegt wurden. Ein weiterer Nachteil kann entstehen, wenn für ein Portal lediglich eine Programmiersprache zugelassen wird, bestehende Anwendungen jedoch in einer anderen Sprache entwickelt wurden (vgl. WikiPortal2012). Aus diesem Grund empfiehlt es sich, lediglich [...] gemeinsame, standardisierte Schnittstellen (vgl. WikiPortal2012) für den Zugriff zu verwenden. Diese Auflistung von Vor- und Nachteilen stellt nur einen Auszug der möglichen Gründe dar, die ein Unternehmen dazu bewegen können, sich für oder gegen ein Unternehmensportal zu entscheiden. Häufig überwiegen jedoch die Vorteile, deshalb sollen in dieser Studienarbeit die Vorzüge einer Portallösung im Vordergrund stehen. 2.5 Marktüberblick Vor der Einführung einer Portallösung im Unternehmen gilt es die Möglichkeiten des Marktes zu analysieren. Ein aktueller Überblick über verfügbare Software auf dem Markt für Portallösungen soll an Hand einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner gezeigt werden (vgl. Seite 11 von 58

13 Gartner2012). Gartner führt jährlich eine Marktanalyse im Segment der Anbietern von Portalsoftware durch. Das Marktforschungsunternehmen definiert ein Portal als Web software infrastructure that provides interaction with relevant information assets (for example, information/content, applications and business processes), knowledge assets and human assets by select targeted audiences, delivered in a highly personalized manner. (vgl. Gartner2012). Der Analyst definiert ein Portalprodukt als Software zur Erstellung und zum Betrieb von Unternehmensportalen. Darüber hinaus könnten diese Anwendungen zum Entwurf vertikaler und horizontaler Portale herangezogen werden (vgl. Abbildung 4). Kunden erwarten laut Gartner unter anderem hochgradig personalisierbare und einfach zu bedienende Unternehmensportale (vgl. Gartner2012). Auf dem Markt für Unternehmensportale konkurrieren eine Vielzahl von Anbietern untereinander dieser Umstand ermöglicht dem Konsumenten die Auswahl der für seine Zwecke am besten geeigneten Lösung und zwingt den Anbieter wiederum dazu, auf Kundenpräferenzen zu reagieren. Abbildung 4: Der Magic Quadrant für horizontale Portale nach Gartner (vgl. Gartner2012). Gartner unterteilt den Magic Quadrant in die Segmente Herausforderer, Marktführer, Nischenanbieter und Visionäre auf. Der Markt für Portalsoftware wird, wie aus Abbildung 4 abzulesen ist, von bekannten Software-Herstellern dominiert. Unter den Anbietern für Seite 12 von 58

14 horizontale Unternehmensportale sind namhafte Hersteller kommerzieller Software wie Microsoft mit seinem Produkt SharePoint, IBM mit WebSphere Portal, Oracle mit seiner Lösung WebCenter oder SAP mit NetWeaver vertreten, die in der Studie als Marktführer deklariert werden. Neben den genannten Global Playern findet sich jedoch auch das Unternehmen Liferay, Inc. in der Gruppe der Leader wieder Liferay bietet neben einer Enterprise-Version seiner Portalsoftware Liferay Portal auch eine Open Source-Lösung an. Als Herausforderer im Kampf um Marktanteile wird Red Hat (JBoss) von Gartner genannt, als Visionär salesforce.com. Als Nischenanbieter werden in der Studie unter anderem DotNetNuke und Drupal gelistet. Die vollständige Studie von Oktober 2011 ist über den Weblink abrufbar (vgl. Gartner2012) Seite 13 von 58

15 3 Standards für Portal-Applikationen Im diesem Kapitel werden Grundlagen von Standards in der Software-Entwicklung behandelt, bevor auf Standard für webbasierte Portale und Standards in der Technologie Java eingegangen wird. Abschließend erhält der Leser einen Überblick über konkrete Standards für Portal- Applikationen in Java. 3.1 Standards in der Softwareentwicklung In der Softwareentwicklung existieren für die unterschiedlichsten Teilbereiche Standards. Beispiele dafür sind Programmiersprachen, Netzwerkprotokolle oder Datenaustauschformate. Der Autor Henner Diederichs führt in seinem Fachbuch Komplexitätsreduktion in der Softwareentwicklung an, dass durch die Definition von Standards in der Softwareentwicklung wesentliche Merkmale der zu entwickelnden Anwendungssoftware bestimmt würden (vgl. Diederichs2005, S.102). Des Weiteren dient Standardisierung dem Ziel, allgemein akzeptierte und öffentlich zugängliche Regeln aufzustellen, die es ermöglichen, verschiedenartige Systeme im Verbund einzusetzen (vgl. Picot2003, S.182). Diese genannten Regeln erwirken eine Kompatibilität verschiedenartiger Systeme untereinander. Es wird zwischen De-facto- und De-jure-Standards unterschieden. De-facto-Standards entwickeln sich in der Praxis indem sich eine Spezifikation durchsetzt, ohne vom Gesetzgeber empfohlen oder vorgeschrieben zu sein (vgl. Diederichs2005, S.102), beispielsweise die Internetprotokollfamilie TCP/IP. De-jure-Standards werden verbindlich durch Industriekonsortien oder offizielle Institutionen festgelegt (vgl. Diederichs2005, S.102), hier kann das ISO-OSI-Referenzmodell zum Entwurf von Kommunikationsprotokollen in Rechnernetzen genannt werden (vgl. Picot2003, S.185; WikiOSI2012). Bekannte Standards zur Vorgehensweise in Sotwareentwicklungsprojekten sind etwa das Wasserfall-Modell oder das V- Modell XT. 3.2 Standards für webbasierte Portale Für webbasierte Portale existieren grundsätzlich alle Standards, die auch für Webentwicklung im Allgemeinen vorhanden sind. Hierbei sind HTML bzw. XHTML als textbasierte Auszeichnungssprachen für Inhalte im Internet (vgl. W3CHTML2012; W3CXHTML2012) oder XML als Sprache zur Auszeichnung von hierarchisch strukturierten Daten (vgl. W3CXML2012) zu nennen. In diesem Zusammenhang darf auch CSS zur Unterstützung der Layouterstellung nicht vergessen werden (vgl. W3CCSS2012). Der einheitliche Datenaustausch zwischen Seite 14 von 58

16 Anwendungsprogrammen über internetbasierte Protokolle wird im Standard für Webservices beschrieben (vgl. WikiWebservice2012, W3CWebservice2012). Zur Bereitstellung von Dateien im Internet findet etwa der offene Standard WebDAV (engl. Web-based Distributed Authoring and Versioning) Verwendung (vgl. WebDAV2012). Diese Technik findet auch in Unternehmensportalen ihren Einsatz zur Inhaltsverwaltung und Versionierung. 3.3 Standards in der Technologie Java Zur Weiterentwicklung der Programmiersprache Java bzw. der Java-Laufzeitumgebung und der zugehörigen Standardbibliothek wurde im Jahre 1998 der Java Community Process, kurz JCP, eingerichtet (vgl. WikiJCP2012; JCP2012). Die zukünftigen Erweiterungen erhalten den Titel Java Specification Request und müssen einen vordefinierten Prozess durchlaufen. Darüber hinaus erhalten alle JSRs eine fortlaufende Nummer (vgl. WikiJSR2012). Eine vollständige Liste aller JSRs kann über den Weblink abgerufen werden (vgl. JCPJSR2012). 3.4 Konkrete Standards für Portal-Applikationen in Java Nachfolgend werden drei konkrete Ausprägungen von Standards aufgeführt, die im Zusammenhang mit Portal-Applikationen in Java bedeutend sind und näher behandelt JSR 168: Portlet Specification Die Verabschiedung dieses Standards vereinheitlicht den Zugriff von oft heterogenen Portlets (Begriffsdefinition siehe Kapitel 2.3) auf die in Abschnitt 2.2 beschriebenen Basisdienste einer Portalsoftware. JSR 168 enthält das grundlegende Programmiermodell für Portlets. Die Funktionsweise eines Portalservers, die auch Bestandteil dieser Spezifikation ist, wird in Kapitel 0 behandelt. Die Portlet-Schnittstelle ist ein wesentliches Konzept dieses Standards - alle im Unternehmensportal eingesetzten Portlets implementieren dieses Interface entweder direkt oder über die Erweiterung einer Klasse durch Implementierung dieser Schnittstelle. Darüber hinaus ist auch der Lebenszyklus eines Portlets von der Erzeugung über die Initialisierung bis hin zur Auflösung in JSR 168 spezifiziert (vgl. JSR168, S.21). Zudem werden die unterschiedlichen Zustände beschrieben, die ein Portlet annehmen kann. Im VIEW-Modus kann durch eine oder mehrere Ansichten des Portlets navigiert werden. EDIT ermöglicht die Anpassung einer Portalanwendung im Bearbeitungsmodus und HELP stellt Benutzern unterstützende Informationen zur Verfügung. Individuelle Modi können von Portlet-Entwicklern implementiert werden. Seite 15 von 58

17 Die vollständige Spezifikation kann unter abgerufen werden (vgl. JSR168) JSR 286: Portlet Specification 2.0 Die Spezifikation JSR 286 erweitert JSR 168 und wurde im Jahr 2008 verabschiedet. Wesentlicher Inhalt ist die Ergänzung der ursprünglichen Spezifikation um die Standardisierung der Kommunikation zwischen zwei Portlets (vgl. JSR286). Neben JSR 286 selbst ist ein Artikel auf der Herstellerseite von Liferay Portal eine empfehlenswerte Ressource (vgl. LiferayJSR286). Die vollständige Spezifikation kann unter abgerufen werden JSR 170: Content Repository for Java TM technology API Die Spezifikation JSR 170 ist aus dem Umstand der vielfältigen Angebote von proprietären Content Repositories entstanden. Ein Content Repository ist ein Speicher für digitale Inhalte, der anwendungsunabhängigen Zugriff auf die darin abgelegten Inhalte ermöglicht (vgl. WikiContentRepository2012). Diese Speicher sind vergleichbar mit einer digitalen Bibliothek, ermöglichen jedoch zusätzlich zur Suche nach Inhalten und der gezielten Datenabfrage auch das Speichern und Ändern von Inhalten. Sie stellen die technische Grundlage für Content Management- und Dokumenten-Management-Systeme dar, weshalb sie für Portallösungen von nicht unerheblicher Bedeutung sind. Der Standard JSR 170 beschreibt den einheitlichen Zugriff auf Content Repositories und den Datenimport und export mittels des W3C-Standards XML (vgl. WikiJavaContentRepository2012; W3CXML2012). Abbildung 5 verdeutlicht den Vorteil der Standardisierung des Zugriffes auf Content Repositories (vgl. JSR170, S.14). Seite 16 von 58

18 Abbildung 5: Standardisierte Content Repositories in Portallösungen (vgl. JSR170, S.14). Die Implementierung der Spezifikation findet im Konkreten, wie auch bei anderen Spezifikationen, durch Verwendung von Schnittstellen statt, die in der zugehörigen API definiert sind. Der Nachfolger des JSR 170 wurde 2009 als JSR 283 verabschiedet und erweitert die Ausgangsspezifikation vor allem durch Rückmeldungen aus der Java-Community. Die vollständigen Spezifikationen können unter bzw. abgerufen werden. Seite 17 von 58

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20 4 Einsatz eines Portal-Servers im Unternehmen am Beispiel Liferay Portal Im folgenden Kapitel wird der Einsatz eines Portal-Servers im Unternehmen am Beispiel Liferay Portal erläutert. Nach einer allgemeinen Beschreibung der Software wird näher auf die Komponenten des Portal-Servers eingegangen und anschließend die Funktionsweise beschrieben. Des Weiteren werden die verfügbaren Editionen der Software und die Erweiterbarkeit der Umgebung geschildert. Darüber hinaus wird der Praxiseinsatz des Portal- Servers behandelt und der Leser erhält einen Überblick über mögliche Alternativen zu Liferay. 4.1 Über Liferay Portal Liferay Portal ist eine lizenzkostenfreie Open-Source-Software und das führende Open-Source- Portal auf dem Markt (vgl. LiferayAbout2012; WikiLiferay2012). Wie bereits im Marktüberblick in Kapitel 2.5 angeführt, ist Liferay laut Gartner einer der sogenannten Leader im Segment der horizontalen Portale und darüber hinaus die einzige Open-Source-Lösung unter den Markführern (vgl. Gartner2012). Die Unternehmenssoftware wird von der Firma Liferay, Inc. entwickelt und basiert auf der Java-Technologie, was den erheblichen Vorteil der Plattformunabhängigkeit mit sich bringt. Die Portalanwendung wurde bereits millionenfach von der Webseite des Anbieters Abbildung 6: Das Logo von Liferay. heruntergeladen (vgl. Sezov2008) und erfreut sich großer Beliebtheit. Liferay, Inc. bietet auf der Internetseite umfangreiche Ressourcen zur Recherche und Problemlösung an, weitere Quellen zur Informationsbeschaffung sind Online-Communities oder Fachbücher, wie etwa das 2011 erschienene Fachbuch Liferay in Action: The Official Guide to Liferay Portal Development von Richard Sezov (vgl. Sezov2011). Die Komponenten der Software, die verfügbaren Editionen und die Funktionsweise des Portalservers werden in den nachfolgenden Abschnitten näher beschrieben. Seite 19 von 58

21 4.1.1 Komponenten von Liferay Die Portalsoftware setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen, wobei Liferay Portal die Kernkomponente darstellt und als Basis für die beiden weiteren Elemente Liferay Content und Liferay Collaboration & Social fungiert. Der Kern der Anwendung stellt die Grundfunktionalitäten es Unternehmensportals zur Verfügung, darunter auch den in den Kapiteln 2.2 und 2.4 angesprochenen Single Sign-on-Mechanismus, die Unterstützung für mehrsprachige Organisationen oder die rollenbasierte Bereitstellung von Portalinhalten (vgl. LiferayFeatures2012). Die Funktionalitäten des integrierten Content Management Systems Liferay Content umfassen unter anderem die Organisation der Webinhalte des Portals, das Erstellen von Seitenvorlagen und eine leistungsfähige Suchfunktion. Die dritte Komponente Liferay Collaboration & Social ermöglicht die Zusammenarbeit im Team, zum Beispiel durch Wikis, Instant Messaging oder Umfragen, und integriert Funktionalitäten aus dem Bereich der Sozialen Netzwerke in das Portal (vgl. ebenfalls LiferayFeatures2012) Weitere nützliche Funktionalitäten Die folgende Aufstellung zeigt eine Reihe weiterer nützlicher Funktionen der Liferay Portal Community Edition, auf die im Rahmen dieser Studienarbeit jedoch nicht näher eingegangen wird: Funktionalität Audit Trails Social Networking Rules Engines Workflow Processes Zweck Verfolgung der Benutzeraktivitäten innerhalb eines Portals. Soziale Interaktion und Zusammenarbeit unter Benutzern eines Portals. Einsatz eines auf Geschäftsregeln basierenden Systems, mit dem das verhalten von Unternehmensprozessen gesteuert werden kann (vgl. Liebhart2007, S.84). In Liferay Portal integrierte, elektronisch unterstützte Arbeitsabläufe. Dynamic Data Lists Listen mit eigenen Datentypdefinitionen zur Erfassung der unterschiedlichsten im Unternehmen anfallenden Daten. Script Engine Bereitstellung umfangreicher Möglichkeiten, um mit verschiedenen Skriptsprachen auf die Funktionalitäten von Liferay Portal zuzugreifen. Tabelle 1: Weitere nützliche Funktionalitäten von Liferay Portal. Seite 20 von 58

22 4.1.3 Editionen des Portalservers Für Liferay Portal existieren zwei Ausgaben, die freie Liferay Portal Community Edition und die kommerzielle Liferay Portal Enterprise Edition. Die Community Edition ist kostenlos verfügbar, die Enterprise Edition ist kostenpflichtig, kann jedoch als 30-Tage-Testversion ausprobiert werden (vgl. LiferayReleases2012, WikiLiferay2012). Entwicklern steht sowohl für die freie, als auch für die kostenpflichtige Variante ein Plugin für die Entwicklungsumgebung Eclipse (vgl. Eclipse2012) zur Verfügung, der Hersteller bietet aber für Kunden der Enterprise Edition zusätzlich das Liferay Developer Studio an, das zusätzliche Vorteile für die Entwicklung für Liferay Portal bietet. Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Editionen ist der vom Hersteller Liferay, Inc. angebotene Supportumfang bei der Enterprise Edition. Dazu zählen etwa Telefon- und Online-Support, der unverzügliche Bezug von Sicherheitspatches oder der Zugang zu einem exklusiven Kundenportal. Weitere Angebote des Anbieters für Enterprise-Kunden sind Training und kostenpflichtige Unterstützung bei der Entwicklung, Leistungsoptimierung oder dem Umstieg auf neuere Versionen der Portalsoftware. Diese Möglichkeiten stehen Benutzern der Community Edition nicht zur Verfügung (vgl. LiferayEditionsvergleich2012). Eine vollständige Auflistung der Unterschiede zwischen beiden Ausgaben des Portalservers würde den Rahmen dieser Studienarbeit sprengen, kann jedoch bequem unter dem Weblink nachgeschlagen werden (vgl. LiferayEditionsvergleich2012). Seite 21 von 58

23 4.1.4 Erweiterbarkeit der Umgebung Liferay Portal basiert auf einer Reihe von Standardtechnologien und ist daher vielfältig erweiterbar. Unter anderem werden etwa PHP, Hibernate, jquery oder Ruby unterstützt (vgl. Sarang2009, S. 21). Eine vollständige Liste stellt der Hersteller unter bereit (vgl. LiferaySpezifikationen2012). Mit dem Downloadpaket von Liferay Portal wird sowohl mit der Enterprise Edition als auch der Community Edition bereits eine Vielzahl von Portlets in Form von Plugins bereitgestellt. Neben offiziellen Plugins existieren hunderte Community Plugins, die von der Liferay Community erstellt wurden und kostenlos von der Liferay-Webseite heruntergeladen werden können (vgl. LiferayCommunityPlugins2012). Plugins der Portallösung können wie in dargestellt kategorisiert werden. Typ des Plugins Portlet Plugin Theme Plugin Layout Template Plugin Hook Plugin Zweck des Plugins Ermöglichen der beliebigen Kombinierbarkeit der Komponenten einer Benutzeroberfläche (vgl. WikiPortlet2012) Schnelle Umgestaltung des Erscheinungsbildes eines Portals. Ermöglichen vordefinierte Layouts, die als Vorlage für neue Seiten dienen können. Bieten Entwicklern die Möglichkeit, Kernfunktionalitäten von Liferay Portal zu überschreiben oder zu ersetzen. Web Plugin Erweiterung von Liferay mit Java EE-Web-Modulen, die durch Portlets verwendet werden. Tabelle 2: Kategorisierung von Plugins unter Liferay Portal. Eine Liste mit Beschreibungen der wichtigsten mit Liferay Portal ausgelieferten Portlets ist unter abrufbar (vgl. LiferayPortlets2012). Des Weiteren können Unternehmen ihre eigens entwickelten Anwendungen in Zukunft über den Liferay Marketplace anbieten. Von einer kostenlosen Bereitstellung über eine monatliche Gebühr bis hin zu einem benutzerabhängigen oder einmaligen Beitrag sind unterschiedliche Ausprägungen der Kostenstruktur denkbar. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieser Studienarbeit war die Plattform zum Bezug der Anwendungen noch nicht veröffentlicht (vgl. LiferayMarketplace2012). Seite 22 von 58

24 Eine weitere Form der Erweiterung der Portallösung ist die Entwicklung und Integration eigener Softwarelösungen durch die Unterstützung der oben genannten Standards. Dadurch lassen sich Problemstellungen im eigenen Unternehmen zielgerichtet und maßgeschneidert lösen. In Kapitel 0wird dieser Aspekt näher behandelt. Seite 23 von 58

25 4.1.5 Funktionsweise des Portalservers Die generelle Aufbau eines Portalservers ist in Kapitel 2.3 beschrieben, nun sollen der spezifische Aufbau und die Funktionsweise von Liferay Portal dargelegt werden. Das grundlegende Berechtigungskonzept wird in Abbildung 7 veranschaulicht. Abbildung 7: Das Berechtigungskonzept von Liferay Portal. Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht den Zusammenhang zwischen den in Abbildung 7 gezeigten Elementen: Element Users (Benutzer) User Groups (Benutzergruppen) Eigenschaften Repräsentieren einen tatsächlichen Benutzer eines Systems. Vom Administrator des Portals verwaltete Benutzergruppen, die Mitglieder einer Organisation oder Site sein können. Einzelne Rollen können den Benutzergruppen zugewiesen werden. Seite 24 von 58

26 Element Roles (Rollen) Organizations (Organisationen) Sites Eigenschaften Rollen werden dazu verwendet, um Berechtigungen in einem bestimmten Gültigkeitsbereich festzulegen. Es gibt drei Arten von Rollen: Portal Roles (portalübergreifend), Organization Roles (organisationsübergreifend) und Site Roles (seitenübergreifend). Rollen können Benutzern, Benutzergruppen, Organisationen und Sites zugewiesen werden. Organisationen sind hierarchische Gruppierungen von Benutzern, etwa Niederlassungen oder Abteilungen einer Firma. Sites sind Ansammlungen einzelner Webseiten, die in den Formen Open (öffentlich), Restricted (eingeschränkter Benutzerkreis) und Private (privat) vorliegen können. Sites können für Organisationen erstellt werden. Teams Teams sind Gruppierungen von Benutzern mit ähnlichen Berechtigungen innerhalb einer Site und gleichzeitig Unterelemente einer Site. Tabelle 3: Zusammenhang zwischen den Elementen des Berechtigungskonzeptes. Ein Webportal besteht aus unterschiedlichen Webseiten, die auch als Portalseiten bezeichnet werden. Jede Portalseite besitzt einen sogenannten Header, den Kopfbereich, und einen Footer, den Fußbereich der Seite. Im Inhaltsbereich zwischen Header und Footer werden in Portallösungen Portlets beliebig kombinierbare Komponenten einer Benutzeroberfläche (vgl. WikiPortlet2012) dargestellt, um dem Benutzer Inhalte zu präsentieren. Ein Portlet kann als eigenständige Java-Anwendung innerhalb einer Webseite verstanden werden. Eine Portalseite kann ein oder mehrere Portlets inkludieren, die Portlets werden auf der Portalseite durch sogenannte Page Layouts (auch: Seitenlayouts) angeordnet (vgl. Abbildung 8). Die Verwaltung der Portlets findet durch den Portlet-Container statt dieser Container ist unter anderem dafür verantwortlich, für jedes Portlet eine Laufzeitumgebung zur Verfügung zu stellen und darüber hinaus die individuellen Nutzereinstellungen für jedes einzelne Portlet zu speichern. Wie in Kapitel 2.4 bereits erläutert, ist die Personalisierung von Inhalten ein Vorzug von Portallösungen. Eine weitere wichtige Aufgabe des Portlet-Containers ist die Verwaltung der Interaktion und Kommunikation zwischen den angezeigten Portlets einer Portalseite. Es werden Benutzeranfragen bzw. -eingaben entgegengenommen, an die entsprechenden Portlets weitergeleitet und dem Anwender schließlich die Ausgabe angezeigt (vgl. Sarang2009, S.22). Die Interna einer typischen Portalseite sind in Abbildung 8 aufgezeigt. Eine Portalseite enthält den Portlet-Container, der wiederum die einzelnen Portlets einschließt. Jedes Portlet besitzt seine eigene Gestaltung und ebenfalls eigene Steuerelemente, durch die das jeweilige Portlet Seite 25 von 58

27 individuell angepasst werden kann. Ein Beispiel ist das Verändern des Aussehens, zum Beispiel die Hintergrundfarbe, die Textformatierung oder die Breite des Portlets auf Knopfdruck (vgl. Sarang2009, S.22). Abbildung 8: Die Interna einer typischen Portalseite (vgl. JSR168, S.19). Nun soll auf die Schritte der Erzeugung einer Portalseite bis zur Darstellung im Browser eingegangen werden. Der Prozesses wird an Hand eines Beispiels aus der Portlet-Spezifikation JSR 168 (siehe auch Kapitel ) beschrieben (vgl. JSR168, S.20). Die Portalseite in Abbildung 9 enthält vier Portlets, zu deren Darstellung die folgenden Schritte durchlaufen werden (vgl. Sarang2009, S.24): 1. Jedes Portlet generiert die Inhalte für den Benutzer. 2. Der Portlet-Container erhält die Inhalte, die von den einzelnen Portlets generiert wurden. 3. Der Portlet-Container übergibt die Inhalte daraufhin an den Portalserver. Seite 26 von 58

28 4. Der Portalserver erzeugt die Portalseite, die einer HTML-Seite entspricht. Während des Erzeugungsprozesses wendet der Portalserver die vorliegenden Seitenlayouts an, um die Portlets an der richtigen, durch das Layout festgelegten Stelle zu positionieren. 5. Der Server sendet die eben erzeugte Seite an den Client. 6. Der Browser auf dem Client stellt dem Benutzer die Inhalte dar. Abbildung 9: Prozess der Erzeugung einer Portalseite (vgl. JSR168, S.20). Ab dem Zeitpunkt der geladenen und präsentierten Seite kann der Benutzer mit dem Portal interagieren und weitere Daten abfragen. Das in Abbildung 10 gezeigte Sequenzdiagramm macht die Interaktion zwischen Benutzer und dem Unternehmensportal deutlich (vgl. Sarang2009, S.25). Seite 27 von 58

29 Abbildung 10: Typische Benutzeraktion zum Abrufen weiterer Daten (vgl. Sarang2009, S.25). In obiger Abbildung finden folgende Ereignisse in sequentieller Abfolge statt (vgl. Sarang2009, S.25 f.): 1. Der Benutzer möchte Daten durch einen Klick auf der Portalseite aktualisieren. 2. Die Benutzeranfrage löst beim Portalserver ein Ereignis aus. 3. Der Portalserver löst daraufhin im Portlet-Container ein Ereignis aus. 4. Der Container stellt fest, dass die Benutzeranfrage aktualisierte Daten in Portlet A und B erfordert. 5. Der Container löst ein sogenanntes Action-Ereignis bei Portlet A aus, um die Datenaktualisierung zu bewirken. 6. Portlet A führt die gewünschte Aktion aus und gibt das Ergebnis, sofern verfügbar, zurück. 7. Der Container löst ein Action-Ereignis bei Portlet C aus, um ebenfalls eine Datenaktualisierung zu bewirken. 8. Portlet C führt die gewünschte Aktion aus und gibt das Ergebnis, sofern verfügbar, zurück. Seite 28 von 58

30 9. Zu diesem Zeitpunkt ist die Action-Phase der Benutzeranfrage abgeschlossen. Der Container besitzt nun alle benötigten Daten um die Seite für den Benutzer zu rendern. 10. Nun startet die sogenannte Rendering-Phase der Benutzeranfrage. 11. Der Container zündet ein Render-Ereignis an alle drei Portlets, entweder sequentiell oder parallel. 12. Der Container nimmt die Antworten aller drei Portlets wieder entgegen. 13. Der Container übergibt die aktualisierte Seite an den Server. 14. Der Server stellt die Seite im Browser des Benutzers dar. 15. Zu diesem Zeitpunkt ist die Benutzeranfrage vollständig abgearbeitet. 16. Der Server wartet nun auf weitere Befehle des Benutzers. Mit diesem Grundverständnis der internen Funktionsweise von Liferay Portal kann nun der Einstieg in die Praxis erfolgen. 4.2 Liferay in der Praxis In den folgenden Unterkapiteln wird die Installation, Administration und Konfiguration des Unternehmensportals praxisnah beschrieben. Darüber hinaus werden Entwicklungsmöglichkeiten für Liferay Portal angeführt und auf Aspekte der Wartung und Pflege eines bestehenden Portals eingegangen. Abschließend erhält der Leser einen Überblick über die Dokumentation und die Community um die Softwarelösung. Als Nachschlagewerk für den Einsatz von Liferay Portal in der Praxis kann das englischsprachige Buch Practical Liferay: Java- Based Portal Applications Development von Poornachandra Sarang empfohlen werden (vgl. Sarang2009) Bezug und Installation von Liferay Der Download von Liferay Portal erfolgt über die Internetseite Voraussetzung für die Installation und Lauffähigkeit ist die Java Platform, Standard Edition, kurz Java SE darin ist auch die Laufzeitumgebung für Java-Programme enthalten. Java SE wird zur Entwicklung und Bereitstellung von Java-Anwendungen auf Desktop-PCs und Servern benötigt (vgl. JavaSE2012). Durch die Java-Basis ist Liferay Portal plattformunabhängig und somit unter anderem für die Betriebssysteme Microsoft Windows, Linux und MacOS erhältlich. Alle folgenden Beispiele und Erläuterungen in dieser Studienarbeit werden an Hand der Community Edition von Liferay Portal in Kombination mit dem Webserver Apache Tomcat in der Version unter Verwendung des Betriebssystems Microsoft Windows 7 gezeigt. Liferay wird im Paket mit unterschiedlichen Webservern angeboten, neben Tomcat unter anderem mit auch Seite 29 von 58

31 mit Glassfish oder JBoss. Selbstverständlich ist auch eine Liferay-Installation mittels eines bestehenden Anwendungsservers möglich. Nach dem Herunterladen und Entpacken des Installations-Archivs kann der Webserver aus dem Verzeichnis tomcat /bin über das Skript startup.bat direkt gestartet werden (vgl. Abbildung 11). Abbildung 11: Die Verzeichnisstruktur der Software Liferay Portal. Folgende Meldung in der Kommandozeile des Webservers signalisiert den erfolgreichen Start in der angegeben Zeit: INFO: Server startup in ms Anschließend wird die Startseite des lokalen Webservers unter der Standardadresse automatisch geöffnet und die Einrichtung des Enterprise-Portals kann beginnen. Nach Angabe des Portalnamens, der gewünschten Standardsprache und der Administratordaten startet die Installation (vgl. Abbildung 12). Die im Beispiel gewählte Firma heißt Aloha Bikes. Seite 30 von 58

32 Abbildung 12: Einrichtung des Enterprise-Portals Liferay Portal. Liferay, Inc. empfiehlt für einen produktiven Betrieb der Software den Austausch der standardmäßig eingerichteten Datenbank HSQL, die nur zu Demo- und Entwicklungszwecken verwendet werden sollte. Die Vorgehensweise wird in dieser Studienarbeit nicht näher erläutert, kann jedoch auf den Internetseiten des Herstellers nachgeschlagen werden (vgl. LiferayDatenbank2012). Zum Schutz des Zugriffs auf das Portal wird zudem ein Passwort gewählt eine Sicherheitsfrage festgelegt, falls das Passwort einmal zurückgesetzt werden muss. Daraufhin wird auf die Willkommensseite des soeben erstellten Portalauftritts weitergeleitet (vgl. Abbildung 13). Seite 31 von 58

33 Abbildung 13: Die Willkommensseite des erstellten Portals. Seite 32 von 58

34 4.2.2 Administration der Umgebung Zur Administration des Unternehmensportals muss die Authentifikation als Administrator stattfinden. Am oberen Rand der Seite steht nun eine Administrationsleiste, die Dockbar, zur Verfügung. Dieses Menü ist auch für Standardbenutzer sichtbar, je nach Benutzerrolle jedoch nur mit eingeschränktem Befehlsumfang (vgl. Abbildung 14). Abbildung 14: Die Dockbar zum einfachen Zugriff auf administrative Funktionen. Die Befehlsgruppe Add dient dem Administrator zum hinzufügen von Elementen zur aktuellen Webseite oder der gesamten Webpräsenz. Darunter sind auch das Erstellen von zusätzlichen Webseiten und die Anpassung der Navigation. Über die Gruppe Manage können spezifische Einstellungen im aktuellen Kontext vorgenommen werden etwa das Auswählen des Seiten- Layouts oder Anpassung von Einstellungen des Webauftrittes. Bei Aktivierung des Kontrollkästchens Edit Controls können bestehende Portlets einer Seite von berechtigten Benutzern direkt editiert oder entfernt werden. Das Go to-menü ist eine Navigationshilfe innerhalb des Portals. Sie stellt Links auf benutzerspezifische Webseiten und darüber hinaus eine Verknüpfung auf das sogenannte Control Panel zur zentralen Verwaltung von Einstellungen bereit. Das Control Panel, auch als Systemsteuerung bezeichnet, enthält die in Tabelle 4 gezeigten Befehlsgruppen und zugehörigen Funktionen, selbst entwickelte Portlets können gegebenenfalls hinzugefügt werden. Befehlsgruppe Bereitgestellte Befehle User Name Benutzerspezifische Einstellungen der gerade angemeldeten Benutzers. Im Titel erscheint der Benutzername, in unserem Beispiel Sebastian Klenk. Content Portal Enthält Verweise auf alle Content Management-Funktionalitäten um z.b. Webinhalte, Dokumente oder Bilder zu verwalten. Darüber hinaus können über dieses Untermenü auch Wikis oder Kalender organisiert werden. Im Titel erscheint der Name des Portals, in unserem Beispiel Aloha Bikes. Allgemeine Portalverwaltung für Administratoren mit Benutzer-, Seite 33 von 58

35 Befehlsgruppe Bereitgestellte Befehle Seiten- und Rollenverwaltung. Server Enthält administrative Funktionen um Portalinstanzen, Plugins oder Updates zu überwachen. Tabelle 4: Einstellungsmöglichkeiten in der Systemsteuerung von Liferay Portal. Des Weiteren enthält die Dockbar den Namen des soeben angemeldeten Benutzers. Ein Klick darauf führt auf eine Detailseite, auf der alle Benutzereigenschaften und persönlichen Informationen editiert werden können. Am rechten Rand der Dockbar ist außerdem der Befehl zum Abmelden vom System erreichbar Konfiguration des Portal-Servers Liferay Portal kann an vielen Stellen umfangreich konfiguriert werden. Dies wird durch eine Kombination von Einstellungen in der Liferay-Datenbank (vgl. Kapitel ) und Einstellungen in Konfigurationsdateien bewerkstelligt. Die portalspezifische Konfigurationsdatei portal-setupwizard.properties, die bei der Verwendung des Einrichtungsassistenten erstellt wird, gestaltet sich folgendermaßen: admin. .from.name=sebastian Klenk default.admin.first.name=sebastian default.admin.last.name=klenk liferay.home=g:/liferay/liferay-portal-tomcat ce/liferayportal ce-ga1 company.default.name=aloha Bikes company.default.locale=en_us setup.wizard.enabled=false default.admin.screen.name=sklenk Darüber hinaus können über eine individuell angelegte Konfigurationsdatei namens portalext.properties nahezu beliebige Anpassungen vorgenommen werden. Die in diesen beiden genannten Dateien eingetragenen Anpassungen überschreiben die in der Standard- Konfigurationsdatei portal.properties vorhandenen Einstellungen, womit das Paradigma der portalübergreifenden Wiederverwendbarkeit unterstützt wird. Dadurch können von der Anpassung der Startseite über die Festlegung von Benutzereigenschaften bis hin zum Ausschluss der Inhalte eines Portlets aus dem Suchindex alle Einstellungen übersichtlich an Seite 34 von 58

36 zentraler Stelle vorgenommen und jederzeit angepasst bzw. durch Entfernen des Eintrages auf den Standardwert zurückgesetzt werden. Durch folgendes Praxisbeispiel der Anpassung von dargestellten Elementen in der Dockbar wird die Systematik der Konfiguration veranschaulicht. In der Standardkonfiguration enthält die Liste Applications in der Befehlsgruppe Add lediglich die folgenden vier Anwendungen: Web Content Display, Asset Publisher, Documents and Media Display und Navigation (vgl. Abbildung 15). Abbildung 15: Standardkonfiguration der Links in der Dockbar. Für die in Abbildung 15 gezeigte Darstellung existiert nur der folgende Eintrag in der Standard- Konfigurationsdatei: dockbar.add.portlets=56,101,110,71 Diese Zeile teilt dem Portalserver mit, dass die Portlets mit den IDs 56, 101, 110 und 71 in der Dockbar in der Kategorie Applications aufgenommen werden sollen. Die Belegschaft des Beispielunternehmens Aloha Bikes setzt sich aus Mitarbeitern unterschiedlicher Nationalitäten zusammen. Daher wird bei der täglichen Arbeit häufig das Wörterbuch verwendet und soll im oben beschriebenen Menü stets präsent sein. Das Wörterbuch-Portlet besitzt die System-ID 23, deshalb wird die individuelle Konfigurationsdatei portal-ext.properties im Wurzelverzeichnis von Liferay Portal angelegt und die folgende Zeichenkette als erste Zeile eingefügt. Seite 35 von 58

37 dockbar.add.portlets=56,101,110,71,23 Das Resultat spiegelt sich nach einem Neustart des Webservers folgendermaßen wieder: Abbildung 16: Individuelle Konfiguration der Links in der Dockbar. Um einen Überblick über den Umfang der verfügbaren Möglichkeiten der Anpassung zu erhalten, empfiehlt es sich unbedingt, einen Blick in die entsprechende Dokumentation unter zu werfen (vgl. LiferayKonfiguration2012). Seite 36 von 58

38 4.2.4 Entwicklung für Liferay In Kapitel wurden bereits die Möglichkeiten der Erweiterung eines Liferay-Portals durch Portlets, Themes, Layout Templates, Hooks und Web Plugins erörtert (vgl. Tabelle 2: Kategorisierung von Plugins unter Liferay Portal. ). In diesem Abschnitt soll näher auf die Entwicklung von Portlets für Liferay Portal in der Praxis eingegangen werden. Die Vorgehensweise bei der Entwicklung soll an Hand der Entwicklungsumgebung Eclipse in der Version Indigo mit entsprechenden Plugins für die Liferay- Entwicklung geschehen. Nach dem Download der Entwicklungsumgebung von der Herstellerseite (vgl. Eclipse2012) muss die Liferay IDE in Eclipse integriert und eine Laufzeitumgebung für Liferay Portal angelegt werden. In dieser Studienarbeit werden Beispiele an Hand der Liferay Portal Community Edition in der Version 6.1 in Kombination mit dem Webserver Apache Tomcat 7 gezeigt. Eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Integration in Eclipse kann unter abgerufen werden (vgl. LiferayIDE2012). Außerdem wird das Liferay Plugins SDK benötigt, was ebenfalls in Eclipse eingebunden werden muss. Die Vorgehensweise hierfür steht auf der Herstellerwebseite unter dem Link /wiki/main/liferay+ide+getting+started+tutorial zum Abruf bereit (vgl. LiferaySDK2012). Nach der Einrichtung der Entwicklungsumgebung kann der Webserver direkt aus Eclipse gestartet und gestoppt werden. Darüber hinaus kann mittels eines eingebauten Browsers durch die bestehenden Portalseiten des Unternehmensportals navigiert werden. Zudem kann im sogenannten Package Explorer durch das Liferay Plugins SDK navigiert werden. Über ein Konsolenfenster werden Statusmeldungen des Webservers angezeigt (vgl. Abbildung 17). Seite 37 von 58

39 Abbildung 17: Eclipse wurde für die Liferay-Entwicklung konfiguriert. Die Vorgehensweise bei der Entwicklung eines Portlets soll nun an Hand eines Beispiels veranschaulicht werden. Es soll ein Portlet mit dem Titel Product Launch entwickelt werden, das Mitarbeiter der Beispielfirma Aloha Bikes auf der Startseite des Unternehmensportals auf die noch verbleibende Zeit bis zur Produkteinführung eines neu entwickelten Rennrades hinweist. Zunächst wird ein neues Liferay Plugin-Projekt erzeugt, was in Abbildung 18 dargestellt ist. Es wird sowohl ein Projekt- als auch ein Anzeigename festgelegt. Zudem können in der Gruppe Configuration die Version des Liferay-SDKs und der Liferay-Laufzeitumgebung ausgewählt werden. Außerdem muss der zu erstellende Plugin-Typ und das gewünschte Portlet-Framework selektiert werden. Seite 38 von 58

40 Abbildung 18: Anlegen eines Liferay Plugin-Projektes. Nach Abschluss des Dialoges wird das Plugin-Projekt in Eclipse erstellt und erscheint im Package Explorer. Die nachfolgende Abbildung 19 zeigt die Verzeichnisstruktur eines in Eclipse zu entwickelnden Portlets. Seite 39 von 58

41 Abbildung 19: Verzeichnisstruktur eines mit Eclipse zu entwickelnden Portlets. Ein Portlet-Projekt besteht im Wesentlichen aus drei Bestandteilen, und zwar dem Java- Quellcode, verschiedenen Konfigurationsdateien und Client-seitigen Dateien wie JSP- und CSS- Dateien. In der Standard-Verzeichnisstruktur wird der Java-Quellcode unter docroot/web-inf/src gespeichert, die Konfigurationsdateien unter docroot/web-inf und die Client-seitigen Dateien finden direkt im Verzeichnis docroot ihren Platz. Für jeden Zustand, den ein Portlet zur Laufzeit annehmen kann, existiert eine JSP-Datei. Für den VIEW-Modus die Datei view.jsp, für den EDIT- Modus die Datei edit.jsp und für den HELP-Modus help.jsp (vgl. die Erklärung dieser Zustände in Kapitel ). Die folgende zeigt eine Übersicht der wichtigsten Konfigurationsdateien eines Portlet-Projektes. Konfigurationsdatei portlet.xml liferay-display.xml Funktion Standard-Konfigurationsdatei nach Portlet-Standard JSR 286. Beschreibt die Kategorie des Add-Menüs der Dockbar, in der ein Portlet angezeigt wird (vgl. Abbildung 22). Seite 40 von 58

42 Konfigurationsdatei liferay-portlet.xml Funktion Beschreibt optionale, Liferay-spezifische Verbesserungen für Portlets nach JSR 286. Ein Beispiel ist das Setzen eines Konfigurationsparameters der es erlaubt, mehr als eine Instanz eines Portlets auf einer Portalseite darzustellen. liferay-plugin-package.properties Beschreibt das Plugin für den Liferay Portal Hot Deployer. Abbildung 20: Die wichtigsten Konfigurationsdateien eines Portlet-Entwicklungsprojektes. Um ein selbst entwickeltes Portlet auf dem Unternehmensportal zur Verfügung zu stellen, bedarf es lediglich wenige Mausklicks. Im Server Explorer kann durch Rechtsklick auf den Liferay-Server der Befehl Add and Remove... ausgewählt werden. Dieser lässt den in Abbildung 21 dargestellten Dialog erscheinen und das gewünschte Portlet kann zur Veröffentlichung auf dem Server ausgewählt werden. Seite 41 von 58

43 Abbildung 21: Veröffentlichen eines selbst entwickelten Portlets in Eclipse. Sofern innerhalb des Dialoges in Abbildung 21 das Kontrollkästchen If server is started, publish changes immediately gewählt ist, werden alle Änderungen im Entwicklungsprojekt unverzüglich auf dem Portal veröffentlicht, sobald diese gespeichert werden. Dadurch findet ein sogenannter hot-deploy statt, der eine unmittelbare Anzeige der Änderungen im Portal bewirkt, ohne den Portalserver neu starten zu müssen. Dieses Verhalten kann auf der Portalseite überprüft werden, wie in Abbildung 22 gezeigt. Standardmäßig wird das neu veröffentlichte Portlet in der Kategorie Sample eingeordnet, diese Kategorisierung kann jedoch beliebig geändert und selbstverständlich auch eigene Kategorien angelegt werden. Seite 42 von 58

44 Abbildung 22: Unmittelbare Anzeige des neu erstellten Portlets in der Liste im Portal. Im Folgenden werden die Schritte erläutert, die nötig sind, um ein nützliches Portlet für Aloha Bikes zu entwickeln. Es soll ein Nachrichtentext, ein Ticker und das Produktbild eines neuen Fahrrades der Beispielfirma im Portlet angezeigt werden. Außerdem soll es für Anwender des Portals möglich sein, den Nachrichtentext zu aktualisieren. Hierfür ist in der Datei view.jsp folgender Quellcode nötig: <!-- Imports --> taglib uri="http://java.sun.com/portlet_2_0" prefix="portlet" %> page import="javax.portlet.portletpreferences" %> <portlet:defineobjects /> <!-- Festlegen des News-Eintrages --> <% PortletPreferences prefs = renderrequest.getpreferences(); Seite 43 von 58

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