DVZ.info. Grün hinter den Ohren? Vision und Gegenwart von Green-IT. Via Fingertipp ins Amt. Lebenserwartung: 110 Jahre

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1 Gemeinsam Visionen verwirklichen. 01 MAI 2012 Via Fingertipp ins Amt Mobile Apps für die öffentliche Verwaltung Lebenserwartung: 110 Jahre Wie digitale Daten fast unsterblich werden Grün hinter den Ohren? Vision und Gegenwart von Green-IT

2 Impressum Herausgeber: DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern GmbH lübecker Straße Schwerin Chefredakteur & Anzeigen: Andrè Korsch (V. i. S. d. P.) Redaktion: katrin Becker (Art Director), Bettina Deuil (Chefin vom Dienst/Textchefin), sonja Kucharzewski Foto-und Bildnachweis: Cisco Systems Inc. (S. 3, S. 18) Bundesministerium des Innern (S. 24); NASA (S. 13) Fotolia: olly (Titelbild, S. 2, S. 4); N-Media-Images (S. 2); dephoto (S. 3); Vjom (S. 3); Peter Wienerroither (S. 6); Benicce (S. 10); XtravaganT (S. 11); Sashkin (S. 14); Sandra Brunsch (S. 14); lassedesignen (S. 15); thongsee (S. 15); Butch (S. 15); zzve (S. 16); iqoncept (S. 19); Scanrail (S. 20, S. 28); Magnum (S. 21); S.John (S. 22); carolina K Smith MD (S. 22); ISO K - photography (S. 23); ynamaku (S. 26) Die Rechte aller weiteren Fotos und Grafiken liegen bei der DVZ M-V GmbH Quellennachweis: BITKOM (Hrsg.), Empfehlungen für die umweltfreundliche Beschaffung von Desktop-PCs (Leitfaden 1.1), 2009, Abs. 2:3 Fischer, Benjamin, MV als Vorreiter: Politiker setzen aufs ipad, in: Ostsee Zeitung, , S. 2 cisco Systems GmbH (Hrsg.), Video- und TelePresence Produkt-Portfolio, Juli 2011, S. 7 cisco Systems GmbH (Hrsg.), Videokonferenz Leitfaden, Juli 2011, S. 7 Justizministerium M-V (Hrsg.), Pressemeldung Nr. 99/11, Pilotprojekt Einführung von Videotelefonie im Justizvollzug und in den Sozialen Diensten der Justiz gestartet!, Bundesverwaltungsamt (Hrsg.), Verbindungsnetz DOI, Dienste/DOI/ node.html? nnn=true, Banner, Tobias (Hrsg.), Definition nonverbale Kommunikation, definition.php, Grafik & Layout: Janner & Schöne Medien GmbH Druck: Turo Print GmbH Ausgabe: 1. Mai 2012 Auflage: Exemplare Die nächste Ausgabe erscheint am 1. November Die finden Sie auch in elektronischer Form im Archiv auf

3 EDITORIAL Alles öko? Liebe Leserinnen, liebe Leser, Green-IT ist als Modewort bereits seit einigen Jahren im Gespräch. Doch was genau der Begriff eigentlich bedeutet und welche Maßnahmen bzw. Lösungsansätze dahinter stehen, dazu existieren dutzende Definitionen und Expertenmeinungen. Dennoch, die Bedeutung des Themas bleibt durch den gewachsenen Stellenwert von Ökologie und Klimaschutz sowie die immens gestiegenen Energiekosten ungebrochen. Weltweit fordern Gesetzgeber und Kunden von der IT-Branche mehr Nachhaltigkeit. Als IT-Dienstleister und Betreiber eines Rechenzentrums sind wir uns der damit verbundenen Verantwortung bewusst. Die Frage ist nur, wo fängt Green-IT an und wo hört sie auf? Für uns sind es vor allem alle umweltorientierten und ressourcenschonenden Bestrebungen, die eine Steigerung der Energieeffizienz insgesamt verbessern und fördern. Anfang des Jahres geriet unser Unternehmen selbst in die Kritik, entgegen der für Mecklenburg- Vorpommern vorgesehenen Energiewende keinen Ökostrom in seiner aktuellen Strom-Ausschreibung zu berücksichtigen. Diesen Vorwurf konnten wir ausräumen, denn im DVZ schlägt ein grünes Herz. Green-IT ist für uns nicht nur eine hohle Marketingphrase ohne Substanz. Im Gegenteil, wir arbeiten intensiv daran, entsprechende Anforderungen langfristig in unserem Unternehmen umzusetzen. Nein, wir sind nicht grün hinter den Ohren was die Green-IT betrifft. Warum ich das behaupten kann, lesen Sie in unserem Leitartikel. Ihr Hubert Ludwig 01 I Mai

4 Inhalt TITELTHEMA INFORMIEREN BEWEGEN 04 GREEN-IT Ist es mehr als nur ein Hype? Ein Blick hinter die Kulissen 10 SOCIAL MEDIA Fluch und Segen Sozialer Netzwerke für Unternehmen 27 mobile Devices Das Spannungsfeld zwischen Funktionalität und Sicherheit mobiler Endgeräte 21 Prozessmanagement Teil 2 zur Themenreihe: Der Referenzprozess und seine Phasen 23 Lebenszyklus Verwaltung Über die Herausforderung, Daten langfristig elektronisch bereitzustellen und zu sichern 13 GAMING- PARTNERSCHAFT Spielerischer Umgang mit Konfliktsituationen und Alltagsproblemen 2 01 I Mai 2012

5 MITTENDRIN ENTWICKELN VERNETZEN 14 KRIMINALITÄT IM Internet GENERALTEST Im DVZ STEUEr ERSPar NISSE IN M-V 15 MICROSOFT GOLD ZERTIFIZIERUNG 19 Mobile Apps Das noch unentdeckte Potential mobiler Verwaltungsdienstleistungen für Bürger, Unternehmen und die Verwaltung selbst 08 PORTALtECHNo LOGIE Im Gespräch: Roland Völz und Rüdiger Ruppin über das Umweltinformationssystem M-V 26 PROVISIONING RAP.ID beschreitet neue Wege für die dezentrale Administration im CUCM 16 Videokonferenzen in HD Moderne Kommunikation mit Deutschland Infrastruktur Online 12 CN LAVINE Technischer Generationswechsel zum 20. Geburtstag 11 Tech-Talk: IPv6 Wie sich die öffentliche Verwaltung auf die IPv6-Umstellung vorbereiten kann 01 I Mai

6 4 01 I Mai 2012

7 TITELTHEMA Grün hinter den Ohren? Green-IT: Vision und Gegenwart Als Green-IT auf der CeBIT 2008 in einer Sonderschau vorgestellt wurde, war die Euphorie groß. Es folg ten in 2009 die Green-IT-World und in den folgenden Jahren weitere Sonderschauen zum Thema. Die IT-Branche schmückte sich gerne mit dem wohlklingenden Etikett. Doch konstruktive Ansätze, die das Thema abseits diverser Marketingstrategien vorantrieben, folgten nur zögerlich. Zwar wurden Markenrechte definiert, aber die Entwicklung prüfbarer Kriterien zu grünen Eigenschaften von Produkten schleppte sich dahin. Lange bewegte sich das Thema im Spannungsfeld zwischen Modewort und wirtschaftlicher Notwendigkeit. Nicht nur aufgrund des bedrohlich prognostizierten Klimawandels und damit aus ökologischen Aspekten gewinnt Green-IT an Bedeutung, sondern auch weil der Stromverbrauch zum mitunter größten Kostenfaktor aufgestiegen ist. Rechenzentren gelten heute als Fabriken des Informationszeitalters, die mehr Strom fressen als alte Industrieanlagen. Kein Wunder, denn allein die starke Internetnutzung sorgt für stetigen Bedarf. Dazu stehen laut dem Bun desverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BIT kom) derzeit ca. 26,5 Millionen Com puter oder Notebooks in deutschen Büros und Arbeitszim mern. Und diese verbrauchen mit über 3,9 Terawattstunden mehr Strom als ein Kernkraftwerk im Jahr produziert. Tendenz steigend. Nach aktuellen Schätzungen wird sich die Anzahl bis 2020 auf 37,5 Millionen Computer erhöhen. Ökologie versus Ökonomie? Bislang führte eine höhere Wirtschaftsleistung automatisch zu höherem Energiebedarf Ökologie und Öko - nomie standen ein ander weitgehend unversöhnlich gegenüber. Doch der Ansatz der Ökolo gischen Wirtschaftspolitik zeigt, dass gerade innovative Tech no lo gien große Leis tun gen bei Ener gie effi zienz und Klima schutz bieten. Der Verbrauch lässt sich vom Wirtschaftswachstum entkoppeln. Bei diesem Paradigmenwechsel kommt der In formations- und Kom mu ni ka tionstechnologie (IKT) eine wich tige Rolle zu. Vor allem Green-IT birgt innerhalb der Branche ein enormes Potential und ermöglicht den Wirtschaftsbereichen eine Senkung des Energie- und Materialverbrauchs durch entsprechende Produkte und Anwendungen. Dabei ist das zentrale Ziel der Green-IT die Senkung des CO 2 -Ausstoßes. Informationstechnologie soll über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg umwelt- und res sour censchonend ge staltet werden. 10 % des Stromverbrauchs in Deutschland gehen auf die Informations- und Kommuni ka tions - branche zurück Somit differenziert sich der Begriff in zwei wichtige Ansätze: Green in IT verankert, dass IKT-Geräte selbst nachhaltig effizien ter sind, weniger Ressourcen bzw. Material benötigen, Schadstoffe in der Hardware vermeiden und die Geräte zu recyceln sind. Laut BIT kom lie ßen sich allein durch ein fache Maß nah men rund 20 % an Energie einsparen. Der zweite Ansatz Green durch IT verfolgt den Aspekt, dass der intelligente Einsatz von In formations- und Kom mu ni ka tions technologie in an deren Branchen Ener gie und Ressour cen sparen kann. 01 I Mai

8 Awareness: Eine DVZ-interne Kampagne appelliert an die Eigenverantwortung jedes Mitarbeiters Würden allein 20 % der Geschäftsreisen in der EU durch Video- oder Telefonkonferenzen ersetzt werden, ließen sich jährlich mehrere Millionen Tonnen CO 2 einsparen, so BITKOM. In der Konsequenz überdenken die öffentliche Verwaltung und viele Unternehmen ihre ökologischen Strategien. Dem Hype um Green-IT folgt jetzt eine rationale Auseinandersetzung mit dem Thema. Hinter den Kulissen Als IT-Dienstleister und Betreiber des Landesrechenzentrums M-V ist das DVZ doppelt gefordert, liegt doch das größte relative Einsparpotenzial bei den Rechenzentren selbst. Während der in den letzten Jahren konsequent verfolgten Modernisierung der hauseigenen IT-Infrastruktur spielten Energieeffizienz und Nachhaltigkeit eine große Rolle. Ein hohes Optimierungspotential bietet neben der Rechenzentrumskühlung die Konsolidierung, also die Ver ein heitlichung und das Zu sammenführen von Server- oder Desktop-Systemen, Appli ka - tionen sowie Daten bestän den. Dazu er möglicht die Virtualisie rung eine bessere Ka pa zi tätsauslastung. Eine langfristig angeleg te Messung und Ist-Analyse des Energiever brauchs wird außerdem versteckte bzw. über sehene Lastspitzen auf decken. Insgesamt ver folgt das DVZ unterschied liche dauer haft ausgerichtete Maß nah men und Strate gien, in deren Fokus die Verringerung des Energiebedarfs und der Emission von Treibhausgasen stehen. Dazu gehört ebenfalls die Ausstattung der Mitarbeiter mit arbeitsplatzbezogenen, aufgabenausgerichteten Technologien, die Visualisierung der Verbräuche und damit verbunden die Sensibilisierung der Mitarbeiter in Hinblick auf energiesparendes und ressourcenschonendes Verhalten am Arbeitsplatz. So ist zum Ende der ersten Jahreshälfte u. a. eine Awareness-Kampagne geplant, die innerhalb des DVZ durch entsprechende Poster und Bildschirmschoner an die grüne Verantwortung der Mitarbeiter und Besucher appelliert. Gerade am klassischen Arbeitsplatz können die auf den ersten Blick kleinen Maßnahmen einen großen Beitrag zur Reduzierung des Energieverbrauchs leisten. Fest steht, dass der effiziente Betrieb in einem Rechenzentrum leichter zu erzielen ist, als an vielen kleinen dezentralen Standorten. Beschaffung als grüner Treiber Wer beim Kauf von Hardware systematisch die Energieeffizienz als Entscheidungskriterium berücksichtigt, schont langfristig sein Budget. Denn unabhängig von Preis und Funktionsmerkmalen weisen IT-Geräte oftmals erhebliche Unterschiede im Stromverbrauch auf. So kann sich dieser bei Computern mit vergleichbarer Ausstattung und Leistung ohne Weiteres um 50 % und mehr unterscheiden. Weitere Eigenschaften, die bei der Auswahl aller Geräte vom Rechner bis zum Drucker berücksichtigt werden sollten, sind deren Recyclingfähigkeit ENERGIE-SPARER Nutzen Sie das Energiesparmanagement Ihres Computers, Monitors, Druckers etc. Trennen Sie bei längerem Nichtgebrauch die Geräte völlig vom Strom. Vermeiden Sie überflüssige Ausdrucke. Ziehen Sie Ladegeräte nach dem Aufladen aus der Steckdose. Nutzen Sie PC-Fax-Lösungen (spart extra Faxgerät). Passen Sie die Heizung dem tatsächlichem Bedarf an (z. B. das Abdrehen bei Abwesenheit oder Lüften). Lüften Sie stoßweise. Schalten Sie beim Verlassen eines Raumes Licht und Radio aus. Tipp: Viele Verbraucherzentralen verleihen kostenlos Strom-Messzähler. Diese können Sie zwischen Steckdose und Gerät schalten und so versteckten Stromräubern auf die Spur kommen I Mai 2012

9 Energieeffizienz erhält den Lebensraum der Natur - auch rund um das DVZ sowie die Einhaltung von Umwelt- und Gesundheitsstandards bei Materialien und Produktion. Genau an diesem Punkt kommt mit dem Beschaffungsmanagement des DVZ ein weiterer zentraler Aspekt der Green in IT zum Tragen. Neben den Herstellern sind auch die Einkäufer gefragt, indem sie energie- und ressourceneffiziente Produkte tatsächlich nachfragen. Hier besitzt das öffentliche Beschaffungswesen eine Schlüsselrolle, da Bund, Länder und Kommunen mit jährlichen Ausgaben von insgesamt 250 Mrd. EUR ein enormes Marktpotential besitzen. Dieses sollte neben der Vorbildfunktion gezielt für die Nachfrage von umweltfreundlichen Produkten eingesetzt werden, um technische und systematische Innovationen anzuregen und Umweltentlastungseffekte zu realisieren. Doch die Schwierigkeit liegt oftmals in der praktischen Umsetzung der eher abstrakt formulierten Umweltziele anhand von konkreten Richtwerten und entsprechend definierten Nachweisregelungen. In der europäischen Energieeffizienz-Richtlinie von 2006 heißt es bspw.: Bei EU-weiten Vergaben zum Kauf technischer Geräte/Ausrüstungen oder zur Ersetzung/Nachrüstung [ ] sind von den Bietern Angaben insbesondere zum Energieverbrauch der Geräte und Ausrüstungen zu fordern. Der Energieverbrauch kann als Zuschlagskriterium berücksichtigt werden. ( 4 Abs. 6 VgV 2010). In solchen Fällen ist schlichtweg Eigeninitiative gefragt. Daher hat das DVZ für sich aus dem Kann ein Muss gesetzt. Das heißt, mit Ablauf der alten Rahmenverträge in 2011 hat die Beschaffung Energieverbrauchswerte innerhalb der Bewertungskriterien aufgenommen. Abgefragt werden u. a.: das Ersatzteilmanagement für eine optimale Ausgestaltung des Lebenszyklus eines Gerätes sowie für eine Verlängerung der Lebensdauer, ein Nachweis über das vorschriftsmäßige, umweltverträgliche Recycling der Geräte, etablierte Siegel, Herstellernachwei se und anerkannte Umweltzertifikate, der konkrete Energieverbrauch im Be triebs-/ruhemodus sowie der jähr - liche Stromverbrauch bei einer an genommenen Produktlebensdauer von 4 Jahren (Richtwert: 0,19 EUR/kWh). Sparen: Nicht nur der Umwelt zuliebe Die Bevorzugung von Produkten, die die Umwelt bei der Herstellung, dem Gebrauch oder der Entsorgung so wenig wie möglich belasten, ist ein wichtiger Schritt, die Anforderungen der Green in IT umzusetzen. Nicht nur die Einsparung an Umweltressourcen sondern auch die Reduzierung der Nutzungskosten ist erheblich. Nimmt man exemplarisch den Stromverbrauch eines PCs aus einer aktuellen DVZ-Ausschreibung mit 41,8 kwh pro Jahr, so ergeben sich bei einer Produktlebensdauer von 4 Jahren und dem Richtwert von 0,19 kwh Stromkosten in Höhe von 31,77 EUR. Ein gleichwertiger PC mit einem Verbrauch von kwh pro Jahr schlug dagegen noch mit 60,80 EUR zu Buche. Betrachtet man nun die gesamte öffentliche Verwaltung ergibt sich allein durch die systematische Erneuerung der Arbeitsplatztechnik ein enormes Einsparpotential. Dabei ist die richtige Nutzung entscheidend. Die meisten Geräte verfügen zwar über Energiesparfunktionen, aber diese sind nicht immer automatisch aktiviert. Die optimale Konfiguration dieser Sparfunktionen ist jedoch wichtig, da sie Abschaltungen einzelner Systemkomponenten automatisch steuern. Wird das Gerät nicht benötigt, verbraucht es auch kein Strom (z. B. der Bildschirm). Daher ist es sinnvoll, die entsprechenden Einstellungen zu überprüfen und durchgängig anzupassen. Alles in allem lassen sich im Bereich Green in IT aber die größten Erfolge erzielen, wenn alle Mitarbeiter in die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen eingebunden sind und eine gezielte Sensibilisierung für energieeffizientes Verhalten erfolgt und zwar vom einzelnen Nutzer über den Systemadministrator bis hin zum Verantwortlichen für die IT-Beschaffung. bd 01 I Mai

10 ENTWICKELN Die Pilzstelle im Wald Das Umweltinformationssystem M-V Die Überwachung und der Umweltschutz sind Querschnittsaufgaben der Verwaltung. Roland Völz, Leiter des Dezernats Informationstechnik und Umweltinformationssystem, und Rüdiger Ruppin, DVZ- Experte für E-Lösungen und Geoinformation, sprachen über die Herausforderung, die Fülle an Daten und Informationen für die Öffentlichkeit aufzubereiten - und das bei jeder Wetterlage... : Herr Völz, das Umweltinformationssystem von Meck lenburg-vorpommern (UIS M-V) versteht sich als zentrales Eingangsportal zu umweltrelevanten Daten rund um unser Bundesland. Wie ist das zu verstehen? Roland Völz: Umwelt und Gesundheit sind herausragende Themen unserer Zeit, die zunehmend in den Fokus von Öffentlichkeit und Politik rücken. So verpflichten die EU-Richtlinie 2003/4/EC und das Landesumweltinformationsgesetz vor allem behördliche Einrichtungen dazu, Interessenten einen freien Zugang zu ihren umweltbezogenen Informationen zu gewährleisten. Das Problem war aber bisher die breite, unübersichtliche Streuung dieser Daten durch verschiedenste Anbieter. Und da schafft das UIS-Portal Abhilfe? Völz: Genau, denn das Umweltinformationssystem vernetzt diese Informationsanbieter aus M-V miteinander. Das sind dann sowohl Behörden als auch andere Einrichtungen mit relevanten Datenangeboten wie Forschungseinrichtungen oder Umweltverbände. Dabei ist aber einer unserer wichtigsten Grundsätze: Keine doppelte Datenhaltung! Die Inhalte werden also nicht kopiert, sondern der Zugang erfolgt über Teaser, die als Themenhinweis und Wegweiser fungieren. Dar über wird der Interessent dann direkt zur Originalseite des Anbieters und damit zur ursprünglichen Information geleitet. Rüdiger Ruppin: Bei Anbietern mit einem sehr umfangreichen Angebot und hohem Aktualisierungsgrad erstellen wir sogenannte Parser, die relevante Inhalte automatisch ins UIS M-V einstellen. Wenn also das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V z. B. etwas Neues über Ökolandbau einstellt, erscheint diese Nachricht beim nächsten Update auch im UIS M-V. Das Portal ist quasi die Pilzstelle im Wald. Überall findet man vereinzelt Pilze, aber an dieser Stelle wachsen ganz besonders viele I Mai 2012

11 Neu in M-V Farbenfroh wie die Natur und facettenreich wie die Umweltthemen: das Logo des UIS M-V Das hört sich mehr nach einem Geheimtipp an. Völz: Nein, ganz und gar nicht! Seitdem das Portal in Betrieb gegangen ist, verzeichnen wir stetig wachsende Zugriffszahlen. Trotzdem kann man sich nach gut einem halben Jahr natürlich nicht einfach zurücklehnen. Im Gegenteil: Wir arbeiten täglich daran, den Bekanntheitsgrad zu steigern und das Angebot des Portals nicht nur bei Behörden sondern auch in der Bevölkerung zu etablieren. Das Portal ist aber vorrangig an die Anforderungen und Arbeit der Behörden ausgerichtet. Wie wird denn die Öffentlichkeit einbezogen, Herr Ruppin? Ruppin: Das Portal lebt von Informationen, mit denen die öffentliche Verwaltung täglich arbeitet. Es ist damit also ein Spiegel dieser Arbeit. Dank des zentralen Ansatzes hat der Bürger jetzt eine Anlaufstelle, um nach umweltrelevanten Daten zu suchen. Eine erste Orientierung und Einladung zum Durchstöbern der Seiten bieten die 21 Umweltthemen von A wie Abfall bis W wie Wasser. Dazu kann über die Suchfunktion themenspezifisch recherchiert werden. Außerdem sind im Servicebereich aktuelle Presseberichte und Mitteilungen von den verschiedenen Anbietern ebenso zu finden wie Publikationen und geplante Veranstaltungen. Völz: Gerade die Pressemitteilungen und das Wetterwarn- Modul zählen zu unseren Top-Seiten. Sehr beliebt ist auch das Kartenportal Umwelt M-V. Und dank des weiterführenden Links zum Umweltportal Deutschland schließt sich Das Umweltinformationssystem M-V wird seit dem 9. August 2011 vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie betrieben und gepflegt. Entwickelt wurde die Anwendung vom DVZ, das die Lösung auf Grundlage bereits bestehender Basiskomponenten in die Infrastruktur des Landes Mecklenburg-Vorpommern integrierte. (www.uis-mv.de) der Kreis zu den anderen Umweltinformationssystemen der Bundesländer. Was müssen die Anbieter umweltrelevanter Daten tun, damit sie mit dem UIS M-V vernetzt werden? Völz: Mit uns Kontakt aufnehmen. Die gegenseitige Vernetzung an sich verläuft ohne Aufwand. Daneben treten wir natürlich selber mit Behörden, Forschungseinrichtungen oder Umweltverbänden aus M-V in Kontakt und stellen das UIS M-V vor. Und die Resonanz darauf ist durchweg positiv. Das heißt, damit ist die Zusammenarbeit mit dem DVZ beendet? Ruppin: Nein, denn das Portal wird weiter systematisch ausgebaut. Geplant sind u. a. die Erweiterung des Angebots und der Informationsanbieter. Daneben wird das System auch funktionstechnisch weiterentwickelt. Das schließt eine Reduzierung des Pflegeaufwandes ebenso ein wie die beständige Verbesserung der Nutzung des Portals. Völz: Das Portal zum Laufen zu bringen war für beide Seiten und die jeweils dahinterstehenden kleinen Teams eine Herausforderung, die wir innovativ gemeistert haben. Jetzt warten eine Menge weiterer Ideen darauf, das Portal in seiner Gesamtheit zu verbessern und darauf freuen wir uns. Denn so wie wir das DVZ kennengelernt haben, zweifeln wir nicht, dass dafür die bestmögliche Lösung gefunden wird. bd TEAMARBEIT Roland Völz konzipierte 2008 nach umfangreicher Recherche und Analyse der Umweltinformationssysteme in Deutschland den Aufbau des Portals für Mecklenburg-Vorpommern. Rüdiger Ruppin entwickelte mit seinem Fachbereich nach dieser Vorlage ein Feinkonzept mit entsprechendem Maßnahmenplan konnte darauf der Pilot aufgesetzt werden. 01 I Mai

12 INFORMIEREN Fluch oder Segen? Einsatz von Social Media zur unternehmerischen Darstellung Wie der morgendliche Kaffee gehört ein Blick ins Netz zu meinen täglichen Ritualen nach dem Aufstehen. Denn auf Facebook kann ich schnell und bequem mit Freunden oder Bekannten Kontakt halten, die ich nicht jeden Tag sehe. Gerade die einfache Art und Weise, an Informationen zu gelangen und sie wiederum aktiv zu teilen, macht Soziale Netzwerke so beliebt. Rund jeder dritte Computerbesitzer ist registrierter Facebook-Nutzer. Besonders Jugendliche wachsen mit und quasi innerhalb dieser Plattformen auf. Ein Leben ohne den virtuellen Treffpunkt: Nicht vorzustellen! Auch für viele Unternehmen gehört Social Media mittlerweile zu den gängi gen Kommunikationsstrategien. Doch der private Gebrauch unterscheidet sich maßgeblich vom unternehmerischen und die Entscheidung, das Firmenprofil, Produkte oder Services auf Sozialen Netzwerken zu präsentieren, will gut durchdacht sein. Sicher ist: Unternehmen und öffentliche Einrichtungen können mit geringen Aufwänden eine große Menge an Personen bei verhältnismäßig geringen Werbekosten erreichen und ihre Zielgruppen klar abgrenzen. So wird beispielsweise Facebook von der Polizei M-V bei der Suche nach Vermissten genutzt. Ebenso könnten Behörden oder Ministerien besonders gefragte Informationen auf diesen Portalen zur Verfügung stellen. Unternehmerisches Denken in vernetzten Strukturen: Durch Social Media lassen sich Kunden, Partner, aber auch künftige Angestellte oder Arbeitgeber finden. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten Soziale Netzwerke bringen diverse Risiken mit sich. Fehlende Rahmenbedingungen zum Umgang mit Informationen, Partyfotos von Angestellten oder negative Bemerkungen bezüglich des Unternehmensumfeldes wirken sich rufschädigend auf den Arbeitgeber aus. Zudem sind die Datenschutzbestimmungen der meisten Plattformen extrem undurchsichtig. Das birgt die Gefahr, dass kritische Informationen unkontrolliert nach außen dringen. In den Medien spricht man diesbezüglich vom gläsernen Nutzer. Noch problematischer wird die ganze Thematik durch die Eigenheiten des World Wide Web, denn: Das Internet vergisst nichts! Auch die Betreuung und Pflege der Seiten sollte nicht unterschätzt werden. Ein vorschnelles Nein zu Social Media aufgrund der Risiken halte ich trotzdem für falsch. Vielmehr muss sich ein Unternehmen detailliert mit diesem Thema auseinandersetzen und hinterfragen, ob und welche Sozialen Netzwerke zum eigenen Profil passen. Denn Social Media ist in meinen Augen mittlerweile kein Trendthema mehr sondern eine ernsthafte Alternative zur gängigen Kundenkommunikation mit großem Potential. René Wolfgramm NETZWERKER René Wolfgramm setzt sich als Werksstudent intensiv mit dem Thema Social Media in Unternehmen auseinander. In seiner vom DVZ unterstützten Bachelor-Thesis wird er Chancen und Risiken der strategischen Nutzung von Sozialen Netzwerken durch das DVZ prüfen und darauf basierend Handlungsempfehlungen aussprechen. Er selbst verwaltet bei Facebook stolze 223 Freunde, Bekannte und Verwandte I Mai 2012

13 VERNETZEN TECH-TALK: IPv6 Für den Großteil der Bürger unbemerkt, schreitet die Einführung von IPv6 bereits seit Jahren langsam aber stetig voran. Jetzt ist allerdings der Zeitpunkt erreicht, an dem die Einführung gezielt gefördert werden muss, um eine flächendeckende Verbreitung zu erreichen. Ursache ist die Ausschöpfung des europäischen IPv4-Adressraums. Weltweit stehen dann keine freien Adressen mehr für weitere Nutzer zur Verfügung. In der Konsequenz bringt die Deutsche Telekom noch in diesem Jahr IPv6 zum Endkunden. Kleinere Anbieter tun dies bereits. Doch was bedeutet die Umstellung für die öffentliche Verwaltung? Auf kurze Sicht muss die Kommunikation nach außen für IPv6 tauglich werden. Sonst können Bürger, denen nur die Version 6 des Internet Protokolls zur Verfügung steht, nicht auf angebotene Dienste und Informationen zugreifen. Gerade bei der mobilen Nutzung mit ipad und Android ist dies zu erwarten. Daher sollten der eigene Webauftritt, die dort angebotenen Inhalte als auch der -Verkehr über IPv6 laufen. Diese Ziele sind schnell umzusetzen. So können und Webauftritt zu einem entsprechenden Anbieter ausgelagert werden. Eine Alternative bietet die Verbindung über den Reverse-Proxy. Dabei wird parallel zu bestehenden Diensten ein Reverse-Proxy-Server geschaltet, der IPv6-Anfragen entgegennimmt und sie als IPv4-Kommunikation an das eigentliche Ziel weiterleitet. Um selbst Webinhalte über die Version 6 des Internet Paralleler Protokoll-Betrieb während der Umstellung von IPv4 auf IPv6 Protokolls abzurufen, kann ebenfalls der Proxy-Server als kosteneffiziente Variante eingesetzt werden. In diesem Fall fragt der eigene PC über IPv4 eine Webseite beim Proxy- Server an, worauf dieser entscheidet, ob der Aufruf IPv6 erfordert. Anschließend liefert er die im Auftrag abgerufenen Inhalte per IPv4 an den PC aus. Beide vorgestellten Lösungen erfordern einen IPv6-fähigen Internetanschluss. Für die Verwaltung hat der Bund hierfür bereits deutschlandweit einen einheitlichen Adressblock beschafft. So erhält das Land Mecklenburg-Vorpommern einen Anteil von 4 Mrd. Netzen mit jeweils mehr Adressen als das gesamte heutige Internet. Genügend Platz für Wachstum! Mittelfristig vereinfacht IPv6 die Kopplung von Behördennetzen, da Überschneidungen privater Adressräume und NAT-Gateways entfallen. Anwendun gen, die Ende-zu- Ende Kommunikation erfordern (VoIP), profitieren ebenfalls von IPv6. Eine kurzfristige Umstellung des eigenen Netzwerks auf einen Parallelbetrieb von IPv4 und IPv6 bringt hingegen keine Vorteile, erhöht aber den administrativen Aufwand. Martin Hase 01 I Mai

14 VERNETZEN Quantensprünge zum Geburtstag Pünktlich zum 20. Geburtstag des landesweiten Verwaltungsnetzes CN LAVINE erfolgte mit Abschluss der Umstellung auf die MPLS-Technologie (Multi Protocol Label Switching) der bisher umfangreichste vorgenommene technische Generationswechsel ø 5 Mbps, max. 2x10 Gbps, 630 Lokationen 1992 max. 64 kbps, 5 Lokationen ø 512 kbps, max. 622 Mbps, 330 Lokationen Der Vorteil von MPLS ist, dass verschiedene Kundennetze (VPN) einfach und sicher voneinander getrennt auf derselben Infrastruktur betrieben werden können. Im Gegensatz zu ATM (Asynchronous Transfer Mode) entfällt zudem die Schaltung von starren künstlichen virtuellen Verbindungen (VC). Diese Technologie unterstützt im speziellen Kommunikationsstrukturen, bei denen mehrere Standorte nach dem Prinzip Jeder mit Jedem (any to any) miteinander kommunizieren. Damit werden Routing-Systeme entlastet und verfügbare Bandbreiten der Weitverkehrs-Übertragungsleitungen besser ausgenutzt. Dazu kommt der nun mögliche Einsatz von Quality of Service (QoS). Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Möglichkeit der Daten-Priorisierung innerhalb des Netzes. So werden bei der Übertragung von Daten und Informationen definierte Service-Level vereinbart, die Anwendungen, feste Bandbreitenanteile und Laufzeiten zur Verfügung stellen. Geschützte Daten- und Sprachdienste sind dabei genauso selbstverständlich wie der sichere und äußerst leistungsfähige Zugang zum Internet. Auch deshalb wird das MPLS-Vermittlungsverfahren überwiegend von Betreibern großer Transportnetze eingesetzt, die Sprach- und Datendienste auf Basis von IP nutzen. Außerdem sind durch den Einsatz von MPLS den maximalen Leitungsgeschwindigkeiten innerhalb des Netzes keine Grenzen mehr gesetzt. Derzeit beträgt die schnellste aktuelle Verbindung im Netz 2x10 Gbps: Ein AUTOR Bekanntes Gesicht mit neuer Aufgabe: Gut betreut und beraten wurden unsere Kunden der öffentlichen Verwaltung von Normen Ibendorf in seiner Funktion als Account-Manager. In enger Verbindung zum Kunden steht er auch zukünftig: Zum September 2011 hat er die Leitung des Sachgebietes Weitverkehrsnetze übernommen. Quantensprung im Vergleich zu den Werten von maximal 64 Kbps aus dem Geburtsjahr Die technologische Umstellung des CN LAVINE von ATM auf MPLS dauerte ca. 2 Jahre und wurde an allen ca. 630 Lokationen parallel zum laufenden Netzbetrieb als sogenannte sanfte Migration durchgeführt. Das heißt, der Technologiewechsel verlief für den Endanwender nahezu unbemerkt. Eine bemerkenswerte Leistung des beteiligten Teams, betrachtet man den Umfang und die Komplexität des Netzes. Auch die enge Abstimmung und gute Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Inneres und Sport M-V als Auftraggeber des Landes war für die erfolgreiche Durchführung von enormer Bedeutung. Zusammenfassend zeigt sich: CN LAVINE ist mit 20 Jahren besser denn je für die zukünftig steigenden Anforderungen an Bandbreiten und die immer komplexer werdenden Anwendungen gerüstet. In diesem Sinne: Happy Birth day! Normen Ibendorf I Mai 2012

15 BEWEGEN Bis zum Mond und wieder zurück Können wir jetzt starten?, so die entscheidende Frage des Spielleiters an die Teilnehmer im ganztägigen Seminar, das mehr als ungewöhnlich ist. Denn alle befinden sich in einem NASA-Kontrollzentrum, um die Astronauten der Apollo 13-Mondmission zu betreuen. Jeder hat seine Rolle gelesen und verstanden, z. B. als Ansprechpartner der Astronauten, als Mitarbeiter bei der Systemüberwachung, als Support- Team, als Change-Manager, als Chef des Kontrollzentrums oder als Lieferant. Deshalb hebt jeder die Hand, wohlwissend, dass noch einiges auf diesem Flug zum Mond passieren wird. Und doch gestaltet sich die erste Runde als ein hektisches Durcheinander im Missionsabschnitt. Warum, das entdecken die Seminarteilnehmer in über vier Spielrunden auf ihrer Reise zum Mond und zurück. So kennen zwar alle ihre eigenen Aufgaben, aber was der andere macht und wie er helfen kann, wird häufig ignoriert. Das verdeutlicht: Zum einen schafft man allein nur wenige Dinge, zum anderen gefährden die Akteure das nächste gemeinsam zu erreichende Etappenziel. Dieser Erkenntnisprozess ist ein elementares Ergebnis nach einem Tag voller Spielfreude, Abwechslung und Nachdenken. Besonders durch die Reflexion der einzelnen Runden werden Spiel-Situationen auf den beruflichen Alltag der Teilnehmer übertragen. Dadurch gestaltet sich die Nutzung des interaktiven Workshops als äußert vielseitig, um z. B.: ITIL-Begrifflichkeiten und zugehörige Prozesse verständlich zu machen, berufliche Alltagssituationen im Zusammenspiel der Beteiligten zu verbessern, bestehende Arbeitsweisen auf den Prüfstand zu stellen, Mitarbeiter und Kollegen wieder als Team zu stärken, neue Rollen im Berufsalltag für Mitarbeiter greifbar zu gestalten oder Mitarbeiter mit Arbeitsaufgaben aus anderen Bereichen zu konfrontieren, um das Verständnis der voneinander abhängigen Arbeitsergebnisse zu erhöhen. Die Spielidee an sich stammt von der Firma Gamingworks (Niederlande), mit der das DVZ partnerschaftlich zusammenarbeitet. Mit Hilfe dieser ungewöhnlichen Seminarerfahrung ermöglichen ausgebildete DVZ-Trainer sowohl Kunden als auch den eigenen Mitarbeitern, ihre Kommunikation und den alltäglichen Arbeitsprozess zu hinterfragen und zu verbessern. Jörn Oldag SPIELLEITER Sie haben Interesse? Sprechen Sie uns an: Als zertifizierter Gamingworks-Trainer begibt sich Dr. Jörn Oldag mit Ihnen gerne auf die Reise zum Mond und wieder zurück Über die -Adresse können Sie Verbindung zur Raumstation aufnehmen. Unter dem Motto Mach mit, mach s nach, mach s besser können Sie auch in den kommenden Ausgaben nachlesen, warum alternative Formen der Wissensvermittlung durch Interaktion in Workshops und Seminaren alles andere als langatmig und trocken sind. 01 I Mai

16 MITTENDRIN Aufgezählt Wir zeigen die rote Karte! Gleich drei Mal am Tag zeigen wir Deutschen unseren Mitmenschen via Mausklick im Schnitt die rote Karte, wenn es darum geht, der Kriminalität im Internet Einhalt zu gebieten. (2011. Quelle: LKA M-V) Über die Online-Meldestelle der Kam pagne NETZVERWEIS sind im ersten Quartal 2012 insgesamt 209 verdächtige Internetseiten gemeldet worden. 43 x rot gegen Kinder pornografie 10 x rot gegen Extremismus 101 x rot gegen Computer Kriminalität (55 Meldungen enthielten sonstige Verdachtsmomente) Spam und offensichtliche Fake- s sind dabei schon nicht mehr mitgezählt. Im Landeskriminalamt sichten die Beamten der Dienststelle Cybercrime die angezeigten Delikte und leiten entsprechend die Strafverfolgung durch die zuständigen Behörden ein. kb 18 : = 0? Zentraler Generaltest im DVZ Was nach einer einfachen mathematischen Gleichung aussieht, war in der Realität um einiges komplexer. Insbesondere wenn man bedenkt, was dahinter steckt: nämlich eine hochverfügbare Landes-IT-Infrastruktur mit zahlreichen Fachanwendungen, landesweiten Kommunikationsdiensten und sensibelsten Daten. Die blanken Zahlen verdeutlichen den Umfang der kürzlich durchgeführten Notfalltests: insgesamt 18 beteiligte Fachbereiche, 33 Teammitglieder in Rufbereitschaft und 12 Spezialisten vor Ort im Einsatz. Die Aufgabe: zahlreiche Tests, unter anderem an beiden Anlagen der Unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV), der Netzersatzanlagen (NEA) und an der redundanten Einspeisung. Durch Simulation diverser Ausfall szenarien wurden alle Sicherheitsmechanismen getestet. Das Ergebnis: 0 Störungsmeldungen oder Ausfälle. Ein glatter Erfolg. Alle Beteiligten sind sich einig: wir brauchen keinen Notfall. Aber wenn er kommen sollte, sind wir vorbereitet. Das gibt uns ein gutes Gefühl und auch unseren Kunden. ak Tablet-PC statt Papierstapel Der Landtag M-V hat als erstes Landesparlament seine Abgeordneten mit ipads ausgerüstet und spart dadurch enorme Druck- und Papierkosten ein. Seit Dezember 2011 wird ein Großteil an Anträgen und Unterlagen nur noch digital zur Verfügung gestellt. Nach Berechnungen des Landtages spart das jährlich bis zu EUR Steuergelder sowie knapp 5 Millio nen Papierseiten (ca. 25 Tonnen). bd I Mai 2012

17 Der Lack war ab... also haben wir die kräftig renoviert! Gefällt es Ihnen oder vielleicht auch nicht? Dann schreiben Sie an Dabei geht es uns nicht nur um die Optik. Was sagen Sie zu den kürzeren Artikeln oder neuen Rubriken? Wie gefällt Ihnen die Themenauswahl? Sie sehen, wir wollen alles wissen: angefangen von Ihren Änderungswünschen bis hin zu Themenvorschlägen für das nächste Heft. Als Dankeschön verlosen wir unter allen Einsen dungen 10 DVZ-Notizbücher. (Einsendeschluss: ) Diese Nachricht ist Gold wert Seit 1. März 2012 ist das DVZ Microsoft Gold Certified Partner. Der höchste erreichbare Microsoft-Partnerstatus überprüft und bewertet neben Kundenzufriedenheit und Referenzprojekten das aktuelle Lösungsportfolio, die Mitarbeiterqualifikation und die eingesetzten Technologien. Als Qualitätsmerkmal für Fachkompetenz, Know-how und Zuverlässigkeit stellt der Gold-Status sicher, dass DVZ-Kunden die bestmögliche Qualifikation für ihre Projektumsetzung erhalten. Dazu sind mit der Zertifizierung auch besondere Leistungen von Microsoft verbunden. Neben dem Einblick in neueste Entwicklungen und Trends können Fachleute des DVZ an speziellen Schulungen zum Einsatz neuer Technolo gien teilnehmen. Wissen, dass wir gerne an unsere Kunden weitergeben. bd 1974 war das Jahr, in dem die DDR nach 25 Jahren umfassend internationale Anerkennung erlangte, das Kfz-Länderkennzeichen D durch DDR ersetzt und auf den neuen Banknoten die Währungs bezeichnung Mark der DDR gedruckt wurde. Bei der Fußball-WM siegte die Mannschaft der DDR sensationell durch ein Tor von Jürgen Sparwasser mit 1:0 gegen den späteren Weltmeister BRD. Der erste VW Golf kam auf den Markt und Hewlett Packard stellte mit dem HP 65 den ersten programmierbaren Taschenrechner her. Vielleicht aber war es die Tatsache, dass 1974 der Urlaubsanspruch in der DDR von 15 auf 18 Tage pro Jahr erhöht wurde, die unseren damals blutjungen Kollegen Ulrich Leonhardt (Foto aus späteren Tagen) dazu bewog, seinen Dienst als Pro grammierer IV im VEB Maschinelles Rechnen anzutreten. Insbesondere in seiner langjährigen Tätigkeit als Ab teilungsleiter und Prokurist hatte er maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Unternehmens. Anfang des Jahres ist Uli nach knapp 38 Jahren in den wohlverdienten Ruhe - stand getreten. Alles Gute! Die Funktion als zweiter Prokurist übernimmt Klaus-Guntmar Goldberg. ak 15

18 VERNETZEN Telefonierst Du noch oder kommunizierst Du schon? Moderne Videokonferenzlösungen helfen Zeit zu sparen, Nerven zu schonen und langfristig die Haushaltskasse zu entlasten I Mai 2012

19 Die Themen und Aufgaben in der Arbeitswelt von heute werden immer komplexer und die notwendigen Abstimmungsprozesse zwischen verschiedensten Interessenvertretern zeit- und kostenaufwendiger. Wenn die beteiligten Personen dazu noch regional weit voneinander getrennt agieren, kann es zu Pro blemen kommen. Schon viele Projekte sind gescheitert, weil entweder zu wenig oder falsch kommuni ziert wurde. Moderne Videotelefonielösungen könnten hier Abhilfe schaffen. Auch die Verwaltung hat das für sich erkannt. Auf Basis des Konzeptes zum Einsatz moderner Videokonferenzsysteme zur Ver waltungs ebenen übergreifenden Kommunikation wurde vom DVZ gemeinsam mit einigen Partnern ein erster Prototyp entwickelt und ausführlich getestet. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem zentralen Videodienst über DOI (Deutschland-Online Infrastruktur). Büroalltag. Irgendwo in Deutschland. ER zu IHR am Telefon: Haben Sie das neue Angebot bekommen? SIE (verschmitzt grinsend): Ja, aber das ist doch nicht Ihr Ernst? ER (sichtlich siegessicher) Doch. Wieso? SIE (souverän zurückgelehnt): Das ist doch viel zu teuer, das bekomme ich anderswo zum halben Preis! ER (augenrollend): Das glaube ich nicht. SIE (unschuldig blickend): Doch doch, das können Sie. Da müssen Sie mir wohl noch mal entgegenkommen. ER (kämpferisch, den Oberkörper aufgerichtet und den Kopf schüttelnd): Kann ich nicht. Das ist schon das Maximum. SIE (entspannt sitzend): Ja dann...? ER (genervt an die Decke starrend): Ja dann was? So kommen wir einfach nicht weiter... Verständigung ohne Worte Zugegebenermaßen ist dieses fiktive Beispiel in der Darstellung etwas überspitzt. Jedoch macht es deutlich, dass unserer heutigen Kommunikation, insbesondere wenn sie elektronisch oder fernmündlich passiert oft eine ganz wichtige Komponente fehlt. Die Nonverbale. Dabei erleben wir sie jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Denn Gestik, Mimik und andere optische Zeichen sind die älteste Form zwischenmenschlicher Verständigung. So können ein Gesichtsausdruck oder eine bestimmte Körpersprache zum Inhalt der Aussage passen oder aber etwas vollkommen anderes verraten. Und in nicht wenigen Gesprächssituationen sind es genau diese Informationen, die einen Großteil unserer Gesamtbeurteilung in der erlebten Kommunikation ausmachen beispielsweise in Bewerbungsgesprächen, Projektgruppensitzungen oder aber in schwierigen Preisverhandlungen. Grund genug, vielerorts über den Einsatz geeigneter Videokonferenzlösungen nachzudenken. Prototyp: Videodienst über DOI Der IT-Planungsrat, das zentrale Steuerungsgremium auf Bundesebene für die IT, beschloss im März 2011, den Einsatz moderner Videokonferenzsysteme zur verwaltungsebenen-übergreifenden Kom munikation zu konzipieren. In der Folge wurde der Prototyp als zeitlich begrenzte Testinstallation aufgebaut. Neben dem DVZ waren das ITDZ Berlin, die IZLBW Baden Württemberg und das LDI Rheinland-Pfalz beteiligt. Ende Januar 2012 konnten die Tests zwischen den Partnern erfolgreich abgeschlossen werden. Der Ergebnisbericht attestiert unter anderem erfolgreich durchgeführte Multipunkt-Videokonferenzen über DOI in Full-HD-Qualität bei Einsatz von Videokonferenzprodukten un ter schiedlicher Hersteller. Basierend auf den vielversprechenden Ergebnissen wurden die nächsten Schritte zur Umsetzung eines DOI-Videokonferenzdienstes vereinbart. Das sind unmittelbar nach der Wahl eines Betreibers bis Ende des Jahres die Erarbeitung eines technischen Feinkonzeptes, eines Betriebskonzeptes, eines Verrechnungs-/ Mit dem Vorhaben Deutschland-Online Infrastruktur wird allen Behörden der Deutschen Verwaltung bundesweit eine IT-Infrastruktur zur Verfügung gestellt, die eine ebenenübergreifende sichere Kommunikation zwischen Bundesnetzen, den Ländernetzen und Netzen der Kommunen ermöglicht und zusätzlich als Zugang zum stesta-netz fungiert. Grundlage des Projektes ist der Aktionsplan Deutschland-Online in der von den Regierungschefs des Bundes und der Länder am 22. Juni 2006 gebilligten Fassung. In der Folge wurde die Netz infra - struktur TESTA-D durch das DOI-Netz abgelöst. VERBINDUNGSNETZ DOI Das bietet neben dem reinen Netzzugang zusätzlich verschiedene Basis- und Mehrwertdienste wie -Relay, DNS, Krypto- Management, PKI-Dienste, Verzeichnisdienste und perspektivisch auch Videodienste. Bis 2010 war der Verein Deutschland-Online Infrastruktur e.v. verantwortlich. Diese Aufgaben wurden zum 1. Januar 2011 auf das Bundesverwaltungsamt übertragen. Für die operative Ausführung ist hier die Koordinierungsstelle DOI der Bundesstelle für Informationstechnik (BIT) verantwortlich. 01 I Mai

20 8900 Series E20 EX60/EX Series Telefon und Multimedia per fekt vereint. Hintergrundbeleuchtetes, 5 -Mediadisplay, VGA-hochauflösend, 640 x 480 Pixel, höhenverstellbar für ein angeneh mes Betrachten bei unterschiedlichsten Lichtverhältnissen E20 Das Schreibtischtelefon neu erfunden. Integrierter16:9 LCD-Bildschirm (10,6 ) mit WXGA-Auflösung, Ultrabreitband-Lautspre chertelefon, akustische Echokompensa tion, hochauflösende Kamera mit integrierter Blende EX60/EX90 Vom All-in-One-Gerät zur High-Performance auf dem Schreibtisch. HD-Videoauflösung bis zu 1080p auf dem 21,5/24 -Monitor, separater 8 -Touchscreen, Precision-HD-Kamera mit optimalem 50 -Sichtfeld Finanzierungsmodells und die Festlegung allgemeiner Standards und Rahmenbedingungen. Mittendrin statt nur dabei Als Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen des Girls Day 2006 aus Berlin und von Angesicht zu Angesicht mit einer Schülergruppe im DVZ kommunizierte, steckte die Videotelefonie zugegebenermaßen noch in den Kinderschuhen. Aber schon damals war allen Beteiligten klar, dass der Siegeszug dieser Technologie nicht aufzuhalten ist. Die Tatsache, dass bereits seit geraumer Zeit nicht nur der Bund sondern auch länderübergreifende Gremien aktiv an dem Thema arbeiten, sind der eindeutige Beleg dafür. Zudem hat sich die Technik in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Die heutigen Endgeräte ermöglichen eine hochauflösende Bildwiedergabe, sind designtechnisch bzw. ergonomisch ausgereift und zum Teil so konzipiert, dass sie sich umfänglich in den Arbeitsplatz integrieren lassen. Nicht zu vergessen: Auch die Netzinfrastrukturen wie hierzulande das Verwaltungsnetz CN LAVINE sind durch Standards wie MPLS entsprechend leistungsfähiger. Seit 2010 beschäftigen sich die Fachleute im DVZ verstärkt mit der Videotelefonie. Bereits frühzeitig wurden in Abstimmung mit dem Bundesverwaltungsamt technische Konzepte für den Aufbau länderübergreifender Videolösungen entwickelt und als Teststellung umgesetzt. Die entstandene Plattform kann für einen weiteren Betrieb genutzt und sogar ausgebaut werden auch für den zentralen Betrieb des DOI-Videodienstes. Einsatzszenario: Strafvollzug Vodafone hat nach eigenen Angaben mit der Einführung der Videotechnologie Flüge eingespart und damit neben t CO 2 -Emissionen auch jede Menge Reisekosten gespart und Zeit gewonnen. Diese Dimension wird ein lokaler Einsatz durch die Justiz in M-V sicher nicht erreichen. Dennoch macht es gerade in unserem Flächenland Sinn, über den punktuellen Einsatz von Videokonfe renzlösungen nachzudenken. Mit dem von der DVZ M-V GmbH unter stützen Pilotprojekt Einführung von Videotelefonie im Justizvollzug und in den Sozialen Diensten der Justiz im Landesamt für ambulante Straffälligenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern wollen die Justizbehörden den praktischen Einsatz der Videotelefonie testen. Erprobt werden soll die neue Form der Kommunikation zwischen Mitarbeitern der Sozialen Dienste, den Justizvollzugsanstalten aber auch mit Strafgefangenen, zum Beispiel im Rahmen von Fallkonferen zen oder bei der Aufnahme bzw. der Entlassung aus dem Justizvollzug. Allesamt Anwendungsfälle, in denen die nonverbale Kommunikation eine entscheidende Rolle spielt. ak IHR KOMMUNIKATIONSPARTNER Hartmut Ruhkieck ist als verantwortlicher Sachgebietsleiter mit seinem Team federführend an der Entwicklung des Prototypen für den DOI-Verbund beteiligt. Darüber hinaus nutzt er selbst seit mehr als einem Jahr - wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen - ein Cisco IP-Telefon der 8900 Serie. Die Tatsache, dass man den Gesprächspartner nicht nur hören, sondern auch sehen kann, war anfangs schon gewöhnungsbedürftig. So bekommen Gespräche, insbesondere zu heiklen und kontrovers geführten Themen, plötzlich eine völlig neue Qualität. Mit Sicherheit werden die Videotelefoniegeräte ein persönliches Gespräch nie zu Einhundertprozent ersetzen können. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich auch die Zahl der internen Abstimmungen durch die Videotelefonie verringern lässt I Mai 2012

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