10 Jahre Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien (ZÖSS) , 18:15 Uhr, Universität Hamburg, ESA 1, R 221

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1 Seite 1 von 10 Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Wissenschaft und Forschung DIE SENATORIN 10 Jahre Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien (ZÖSS) , 18:15 Uhr, Universität Hamburg, ESA 1, R 221 Es gilt das gesprochene Wort. Sehr geehrter Herr Prof. Heise, sehr geehrte Frau Mayer-Ahuja, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich freue mich, Sie in unserer Stadt begrüßen zu dürfen. Gern überbringe ich Ihnen die besten Grüße des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg. Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Tagung und einen angenehmen Aufenthalt bei uns.

2 Seite 2 von 10 Außerdem gratuliere ich dem Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien an der Universität Hamburg, dem ZÖSS, sehr herzlich zum 10jährigen Bestehen! Meine Damen und Herren, ich weiß, Sie haben schon einen anstrengenden Konferenztag mit vielen Vorträgen und Diskussionen über komplexe Themen hinter sich. Daher möchte ich auch nur einen kurzen Blick auf die Geschichte Ihres Gastgebers, des ZÖSS, werfen. Die Arbeit des Zentrums stand wie die des Fachbereichs Sozialökonomie insgesamt von Anfang an im Spannungsfeld zwischen zwei ganz unterschiedlichen Kräften: Auf der einen Seite bestand und besteht der Anspruch, die Tradition der ehemaligen Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik zu bewahren und fortzuführen; also vor allem deren Anspruch, Berufserfahrene ohne

3 Seite 3 von 10 Abitur zum Studium zuzulassen und Wirtschaft immer im sozialen, politischen und juristischen Kontext zu betrachten. Auf der anderen Seite stand die Notwendigkeit, die ehemalige HWP in die Strukturen der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg zu integrieren. Hinzu kam die Bologna- Reform und damit die Konzeption und Einrichtung des damaligen Masterstudiengangs Ökonomische und Soziologische Studien. Soweit ich sehen kann, sind dem ZÖSS diese Aufgaben gut gelungen. Zusammen mit dem Erfolg des Fach-bereichs Sozialökonomie stimmt mich das zuversichtlich, dass Hamburg auch weiterhin ein Ort sein wird, an dem bedeutsame sozialökonomische Erkenntnisse gewonnen, veröffentlicht und an jüngere Generationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weitergegeben werden; ein Ort, an dem das

4 Seite 4 von 10 Studium der Wirtschaftswissenschaften eng verbunden ist mit großer Nachdenklichkeit und Verantwortlichkeit im Hinblick auf individuelle und gesellschaftliche Aspekte von Wirtschaft und Märkten. Spätestens die jüngste weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat daran erinnert, was gut wirtschaften heißt: nämlich sich immer auch der gesellschaftlichen Dimensionen des eigenen Tuns bewusst zu sein. Kluge Unternehmen wollen nicht nur verkaufen. Vor allem das, selbstverständlich. Aber kluge Unternehmen interessiert nicht in erster Linie der kurzfristige Gewinn, sondern vor allem der langfristige. Allein schon deshalb berücksichtigen immer mehr Unternehmensleitungen die langfristigen Bedürfnisse ihrer Kunden, ihrer Mitarbeiter und der nachfolgenden Generationen.

5 Seite 5 von 10 Diese Art des Wirtschaftens führt automatisch dazu, soziale Belange zu berücksichtigen, die Umwelt zu schonen und qualitätsvoll zu produzieren. Heute nennen wir das Nachhaltigkeit. Meine Damen und Herren, in diesem Sinne sollten auch Forschung und Lehre einer wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Wirtschaft nie isoliert betrachten, sondern immer im Kontext gesellschaftspolitischer Implikationen von Handel und Arbeit. Diese Auffassung findet sich im Selbstverständnis des Fachbereichs Sozialökonomie der Universität Hamburg wieder. Und sie findet sich selbstverständlich auch in den Forschungsansätzen des Zentrums für Ökonomie und Soziologische Studien wieder. Ich finde es dabei ausgesprochen bewundernswert, wie die ehemalige Hamburger Universität für Wirtschaft

6 Seite 6 von 10 und Politik ihre Integration in die Strukturen der Universität Hamburg angenommen und gemeistert hat und das zeitgleich zur Umsetzung der Bologna- Reform! Sie wissen, dass ich mich damals aus der Opposition heraus gegen die Schließung der HWP stark gemacht habe. Die HWP war ja eine echte Hamburgensie, noch dazu gemeinwirtschaftlichgewerkschaftlichen Ursprungs. Hervorgegangen war sie ja um den Bogen noch weiter zu spannen aus der Akademie für Gemeinwirtschaft, dann der Akademie und folgend der Hochschule für Wirtschaft und Politik. Ich begrüße es daher sehr, dass es dem Fachbereich Sozialökonomie offenbar gelingt, die Vorteile und Besonderheiten der früheren Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik in den neuen Strukturen zu erhalten. Dazu gehört zuallererst ihre Durchlässigkeit, sprich: die Möglichkeit, ohne Abitur zu studieren.

7 Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialökonomie schaffen es offensichtlich, die Wertschätzung von Berufserfahrung und Berufserfahrenen auch in den neuen Studiengängen innerhalb der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu erhalten und diesen wertvollen Erfahrungsschatz zu nutzen. Seite 7 von 10 Tragen Sie diese weitgehenden Alleinstellungsmerkmale in die Universität Hamburg hinein! Nehmen Sie diese Vorreiterrolle an! Arbeiten Sie mit daran, dass noch viel mehr junge Menschen mit beruflicher Bildung sich trauen, auch zu studieren! Seit Inkrafttreten der Novelle des Hamburgischen Hochschulgesetzes sind alle Hamburger Hochschulen noch stärker als bisher schon dazu aufgefordert, Berufserfahrenen ohne Abitur in zunehmendem Maße den Zugang zu einem Studium zu ermöglichen und dafür entsprechend Studienplätze bereitzustellen. Aber

8 Seite 8 von 10 die meisten Fachbereiche und Studiengänge stehen in dieser Hinsicht noch ganz am Anfang, auch die anderen staatlichen Hochschulen. Der Fachbereich Sozialökonomie ist bislang der einzige, der mit Fug und Recht das Attribut Durchlässigkeit in vollem Umfang für sich in Anspruch nehmen kann. In unserer Wissensgesellschaft ist die Durchlässigkeit der Bildungsbereiche ein ganz besonderes Ziel. Hamburg braucht alle Talente zum einen wegen des demografischen Wandels. Aber auch, weil jeder und jede das Recht hat, seine oder ihre individuellen Fähigkeiten und Begabungen entfalten zu können und die bestmögliche Qualifikation zu erreichen. Wie in unserem Perspektivpapier vom Sommer dieses Jahres dargestellt, wünschen wir uns daher von den Hochschulen, dass sie sich neuen Studierendengruppen öffnen auch und gerade beruflich Qualifizierten. Die gesetzgeberischen Möglichkeiten

9 Seite 9 von 10 dazu gibt es, das habe ich bereits erwähnt. Darüber hinaus planen wir die Einführung einer Vorabquote von 3 Prozent für beruflich qualifizierte Studienbewerber ohne Hochschulzugangsberechtigung aus der Schule. Die Hochschulen sollten diese Möglichkeiten konsequent nutzen und die Anrechnung von beruflichen Qualifikationen erleichtern. Meine Damen und Herren, angesichts der wechselvollen Geschichte der Hamburger Sozialökonomie können Sie gewiss sein: Was Inhalte, Besonderheiten und Strukturen des Fachbereichs angeht, werde ich mich immer für deren Erhalt einsetzen. Der Ansatz, ökonomische, soziale und rechtliche Aspekte in einer Wissenschaftsdisziplin zusammenbringen, hat nichts von seiner Aktualität verloren. Umgekehrt, denke ich, kann man von solch einem traditionsreichen Fachbereich und einem Zentrum wie

10 Seite 10 von 10 dem ZÖSS erwarten, dass sie nunmehr auch die Universität als Ganze im Blick behalten, sich als Teil einer Institution mit erheblicher Verantwortung für die Zukunftsfähigkeit der Freien und Hansestadt Hamburg begreifen. Noch einmal meinen herzlichen Glückwunsch zum 10jährigen Bestehen des ZÖSS! Ihnen allen eine interessante Jubiläumskonferenz und schöne Tage in Hamburg.

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