Examenskolloquium zum Modul Internationales Management (32641)

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1 Examenskolloquium zum Modul Internationales Management (32641) (Kurse 42061, 42062, 42063) Übungsaufgabe B Hans-Jürgen Gralke Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation und Planung Univ.-Prof. Dr. Ewald Scherm 1

2 Übungsaufgabe B Wissenschaft befasst sich in vielfältiger Weise mit Kultur. Auch innerhalb der internationalen Managementforschung existieren verschiedene Formen dieser Auseinandersetzung. Dabei können die Ergebnisse der Kulturforschung die Entscheidungsfindung in internationalen Unternehmen unterstützen. Setzen Sie sich vor diesem Hintergrund mit Kultur im Rahmen des internationalen Managements auseinander, indem Sie wie folgt vorgehen: 2

3 1. Skizzieren Sie das Konstrukt Kultur, indem Sie die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Kulturbegriffe zugrunde legen. 2. Erläutern Sie kurz, was nach dem Kulturverständnis Hofstedes unter dem Begriff mentale Software zu verstehen ist. 3. Grenzen Sie ein emisches von einem etischen Vorgehen innerhalb der Kulturforschung ab. 4. Stellen Sie die vier ursprünglichen von Hofstede entwickelten Kulturdimensionen dar. 5. Nennen Sie die neun im Rahmen der GLOBE-Studie entwickelten Kulturdimensionen. 6. Nehmen Sie in Hinblick auf die Arbeiten Hofstedes zu folgender Aussage Stellung: Eine Koordination in Form persönlicher Weisung eignet sich insbesondere in Ländern mit einer geringen Machtdistanz. 7. Nehmen Sie zu folgender Aussage Stellung: Der ethnozentrische Forschungsansatz geht von der Überlegenheit der eigenen Managementmethoden aus und folgt daher der culture-free-these. 3

4 Lösungsrelevante Themenbereiche aus den Kurseinheiten (KE) Landeskultur KE I Koordination im internationalen Unternehmen KE II 4

5 1. Skizzieren Sie das Konstrukt Kultur, indem Sie die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Kulturbegriffe zugrunde legen. Lösung Kultur kann verstanden werden als ein System von kollektiven Verhaltensnormen, -mustern und -resultaten, die im Zuge der Sozialisation weitervermittelt werden, im Zeitablauf relativ stabil sind, dem Zusammenhang und der Funktionsfähigkeit der sozialen Gruppe sowie der Anpassung an die Umweltbedingungen dienen. 5

6 2. Erläutern Sie kurz, was nach dem Kulturverständnis Hofstedes unter dem Begriff mentale Software zu verstehen ist. Lösung Hofstede bezeichnet damit o das Muster des Denkens, Fühlens und potenziellen Handelns, o das ein Mensch von frühester Kindheit an sein Leben lang erlernt (hat). Mentale Software ist o die kollektive Programmierung des Geistes, o die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von einer anderen unterscheidet. 6

7 3. Grenzen Sie ein emisches von einem etischen Vorgehen innerhalb der Kulturforschung ab. Lösung emisches Vorgehen der Forscher nimmt einen Standpunkt innerhalb des Systems ein die Untersuchung beschränkt sich auf eine Kultur der Forscher deckt eine bereits bestehende Struktur auf das Vorgehen orientiert sich an systemimmanenten Merkmalen etisches Vorgehen der Forscher nimmt einen Standpunkt außerhalb des Systems ein es wird eine vergleichende Untersuchung mehrerer Kulturen vorgenommen der Forscher schafft selbst die Struktur das Vorgehen ist absolut und universell 7

8 4. Stellen Sie die vier ursprünglichen von Hofstede entwickelten Kulturdimensionen dar. Lösung Machtdistanz o Ausmaß, bis zu dem erwartet und akzeptiert wird, dass Macht in einer Gesellschaft ungleich verteilt wird o Hohe Machtdistanz bedeutet dann eine hohe Ungleichverteilung der Macht. Unsicherheitsvermeidung o erfasst, inwieweit sich Menschen durch ungewisse oder unbekannte Situationen bedroht fühlen. o Je stärker diese empfundene Bedrohung, desto größer das Bestreben, Unsicherheit zu vermeiden. 8

9 Individualismus/Kollektivismus o Individualistische Gesellschaften: Beziehungen zwischen Individuen sind locker. Jeder soll für sich und seine unmittelbare Familie sorgen. o Kollektivistische Gesellschaften eine von Geburt an starke Einbindung in geschlossene Gruppen Diese geschlossenen Gruppen wirken in alle Lebensbereiche hinein, geben Sicherheit, verlangen Loyalität. Maskulinität/Femininität o Maskulinität deutlich abgegrenzte Geschlechterrollen Männer: Bestimmtheit, Leistungsorientierung, materielle Orientierung Frauen: Bescheidenheit, Feinfühligkeit, immaterielle Orientierung o Femininität Überschneidung der Geschlechterrollen Gleichgewichtung der maskulinen und femininen Werte 9

10 5. Nennen Sie die neun im Rahmen der GLOBE-Studie entwickelten Kulturdimensionen. Lösung Unsicherheitsvermeidung (Uncertainty Avoidance) Machtdistanz (Power distance) Kollektivismus I / gesellschaftlicher Kollektivismus (Societal Collectivism) Kollektivismus II (In Group Collectivism) Geschlechtergleichheit (Gender Egalitarism) Selbstbewusstsein (Assertiveness) Zukunftsorientierung (Future Orientation) Leistungsorientierung (Performance Orientation) Humane Orientierung (Humane Orientation) 10

11 6. Nehmen Sie in Hinblick auf die Arbeiten Hofstedes zu folgender Aussage Stellung: Eine Koordination in Form persönlicher Weisung eignet sich insbesondere in Ländern mit einer geringen Machtdistanz. Lösungsvorschlag Eine geringe Machtdistanz bedeutet unter anderem, dass Mitarbeiter erwarten, in Entscheidungen mit einbezogen zu werden. Die persönliche Weisung stellt ein hierarchisches Koordinationsinstrument dar. o Es schränkt den Entscheidungsspielraum des angewiesenen Mitarbeiters auf eine einzige Alternative ein. o Der angewiesene Mitarbeiter wird damit nicht in die Entscheidung mit einbezogen. Der Aussage kann insofern nicht zugestimmt werden. 11

12 12

13 7. Nehmen Sie zu folgender Aussage Stellung: Der ethnozentrische Forschungsansatz geht von der Überlegenheit der eigenen Managementmethoden aus und folgt daher der culture-free-these. Lösungsvorschlag Culture-free-These: Managementprinzipien und -techniken werden (von den sogenannten Universalisten) als unabhängig von den kulturellen Bedingungen (kulturinvariant) und daher als immer und überall in gleicher Weise einsetzbar betrachtet. Der ethnozentrische Ansatz geht zwar von der Überlegenheit der eigenen (amerikanischen) Managementmethoden aus, unterstellt aber nicht deren Universalität, d. h. er unterstellt nicht die kulturinvariante Anwendbarkeit von Managementmethoden. Universalität wird vielmehr gesucht. Der Ansatz will klären, inwieweit Managementmethoden in fremden Kulturen angewendet werden können. Ursachen für Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede in verschiedenen Kulturen werden nicht hinterfragt. Damit muss der Aussage widersprochen werden. 13

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