Fachkräfte sichern. Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Ausbildung

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1 Fachkräfte sichern Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Ausbildung

2 Impressum Herausgeber Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Öffentlichkeitsarbeit 1119 Berlin Redaktion Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung Düsseldorfer Straße Eschborn Autorinnen/Autoren: Dr. Vera Erdmann, Dr. Susanne Seyda Stand Februar 12 Gestaltung und Produktion PRpetuum GmbH, München Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ist mit dem audit berufundfamilie für seine familienfreundliche Personalpolitik ausgezeichnet worden. Das Zertifikat wird von der berufundfamilie ggmbh, einer Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, verliehen. Diese Broschüre ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit des Bundes ministeriums für Wirtschaft und Technologie. Sie wird kostenlos abgegeben und ist nicht zum Verkauf bestimmt. Nicht zulässig ist die Verteilung auf Wahlveranstaltungen und an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben von Informationen oder Werbemitteln.

3 Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Ausbildung 1 Das Wichtigste in Kürze Jugendliche mit Migrationshintergrund sind ein wichtiges Potenzial für die Ausbildung, das branchenübergreifend von mehr als jedem vierten Unternehmen bereits gezielt genutzt wird. Ihre Motivation und ihr Engagement werden seitens der Unternehmen eingeschätzt als bei einem durchschnittlichen Auszubildenden, gleiches gilt für Kenntnisse und Fähigkeiten. Sie schneiden damit jedoch ab, als dies ihrem durchschnittlichen Schulabschluss entspricht. Daher fördert etwa jedes siebte ausbildungsaktive Unternehmen diese Auszubildenden durch Nachhilfe oder als Teilnehmer in der Berufsvorbereitung. Für Unternehmen bietet diese Zielgruppe noch große ungenutzte Potenziale für die betriebliche Ausbildung, da bislang viele Jugendliche mit Migrationshintergrund keine Berufsausbildung absolvieren. 1. Jugendliche mit Migrationshintergrund als Auszubildende Mehr als jedes vierte ausbildungsaktive Unternehmen hat Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Ausbildung beschäftigt (Abbildung 1). Hierbei nimmt der Anteil an Auszubildenden mit Migrationshintergrund mit steigender Unternehmensgröße stark zu. Dies liegt auch daran, dass große Unternehmen im Durchschnitt mehr Auszubildende beschäftigen als kleine und mittlere Unternehmen. Sie bilden häufig viele verschiedene Zielgruppen in unterschiedlichen Berufen aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich darunter auch Jugendliche mit Migrationshintergrund befinden, ist also vergleichsweise hoch. Der Blick auf die Branchen ergibt ein gleichmäßiges Bild: In den ausbildungsaktiven Unternehmen Gesellschaftsnaher beschäftigen rund drei von zehn Unternehmen Jugendliche mit Migrationshintergrund, während der Anteil bei den Unternehmensnahen sowie in der Industrie jeweils rund 25 Prozent beträgt (Abbildung 2). Abb. 1: So viele Unternehmen bilden Jugendliche mit Migrationshintergrund aus (ausbildungsaktive Unternehmen nach Größenklassen, 11, in %) Abb. 2: So viele Unternehmen bilden Jugendliche mit Migrationshintergrund aus (ausbildungsaktive Unternehmen nach Branchen, 11, in %) , 1 bis 49 47,3 5 bis ,7 ab 25 27,6 alle Unternehmen , Industrie 24,6,3 Unternehmensnahe Gesellschaftsnahe 27,6 Gesamt

4 2 Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Ausbildung Erläuterung der Branchenzuordnungen Industrie: Chemie/Gummi und Kunststoff, Metallerzeugung und -bearbeitung, Maschinenbau, Elektroindustrie, Fahrzeugbau, andere Branchen des Verarbeitenden Gewerbes, Bauwirtschaft Unternehmensnahe : Verkehr, Logistik, Nachrichtenübermittlung, Großhandel, Wirtschaftsnahe Dienste (zum Beispiel Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung, Werbung, Marktforschung, Vermietung beweglicher Sachen, Arbeitnehmerüberlassung, Reinigung, Bewachung, Architekten und Ingenieure), Banken, Versicherungen, Finanzdienstleistungen, Datenverarbeitung und Datenbanken, Forschung und Entwicklung Gesellschaftsnahe : Einzelhandel, Gastgewerbe, Gesellschaftsnahe Dienste (zum Beispiel Erziehung und Unterricht, Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen, Dienstleistung im Bereich Kultur, Sport und Unterhaltung, Abwasser und Abfallbeseitigung, sonstige Entsorgung) 2. Rekrutierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund Tabelle 1: So viele Unternehmen rekrutieren sehr häufig oder regelmäßig Jugendliche mit Migrationshintergrund als Auszubildende (aus bildungsaktive Unternehmen nach Größenklassen, 1, in %) Unternehmensgröße Anteil 1 bis 49 22,9 5 bis ,7 ab 25 49,2 alle Unternehmen 23,6 Quelle: IW-Qualifizierungsmonitor, 1. Welle Aussagekräftiger als der Anteil der ausbildungsaktiven Unternehmen, der Jugendliche mit Migrationshintergrund beschäftigt, im Hinblick auf die Bedeutung der Zielgruppe ist der Anteil der Unternehmen, der solche Jugendlichen für die Ausbildung rekrutiert. Knapp jedes vierte ausbildungsaktive Unternehmen wirbt gezielt Jugendliche mit Migrationshintergrund an (Tabelle 1). Bei Betrachtung der Unternehmensgröße werden jedoch Unterschiede. So steigt der Anteil der Unternehmen, die sehr häufig oder regelmäßig Jugendliche mit Migrationshintergrund rekrutieren, mit der Unternehmensgröße an: 22,9 Prozent der kleinen Unternehmen rekrutieren Jugendliche mit Migrationshintergrund, während von den mittleren 32,7 Prozent und von den großen Unternehmen 49,2 Prozent Jugendliche mit Migrationshintergrund als Zielgruppe erkannt haben. Die mit zunehmender Unternehmensgröße ansteigende Rekrutierung könnte auch damit zusammenhängen, dass große Unternehmen häufiger Erfahrungen mit dieser Zielgruppe als Auszubildende gemacht haben. Der Vergleich nach Branchen zeigt, dass es kaum Unterschiede in Bezug auf die Rekrutierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund für die Ausbildung gibt (Abbildung 3). Insgesamt rekrutieren mehr als 67 Prozent der Unternehmen Jugendliche mit Migrationshintergrund zumindest gelegentlich. Abb. 3: So viele Unternehmen rekrutieren so häufig Jugendliche mit Migrationshintergrund als Auszubildende (ausbildungsaktive Unternehmen nach Branchen, 1, in %) 5 4,2 42,9 1 2,7 Industrie 26,4 15,1 44,8,9 Sehr häufig Regelmäßig Selten Nie Quelle: IW-Qualifizierungsmonitor, 1. Welle 3,8 23,5 44,1 26,6 1,6 Unternehmensnahe Gesellschaftsnahe 3,,6 44, Gesamt 27,6

5 Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Ausbildung 3 3. Einschätzung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund als Auszubildende Eine Bewertung der Kenntnisse und Fähigkeiten von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist nur dann möglich, wenn es eine sinnvolle Vergleichsgruppe gibt. Die Einschätzung der Jugendlichen durch Unternehmen erfolgt daher stets im Vergleich zu einem durchschnittlichen Auszubildenden. Die Einordnung des durchschnittlichen Auszubildenden kann dabei je nach Unternehmen verschieden sein und ist davon abhängig, was das Unternehmen als durchschnittlich bewertet. Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Auszubildenden schätzt die Mehrzahl der Unternehmen die Motivation und das Engagement von Auszubildenden mit Migrationshintergrund in etwa als gleich hoch ein (Abbildung 4). Die Unterschiede nach Unternehmensgrößenklassen sind dabei gering. Insgesamt liegt die Motivation von Auszubildenden mit Migrationshintergrund leicht unter der eines durchschnittlichen Jugendlichen in Ausbildung, da gut 25 Prozent der Unternehmen eine Bewertung unter dem Durchschnitt, aber nur rund 13 Prozent eine überdurchschnittliche Bewertung vornehmen. Etwas fällt die Bewertung von Kenntnissen und Fähigkeiten aus. Knapp sechs von zehn befragte Abb. 4: Einschätzung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Bezug auf Motivation und Engagement im Vergleich zu einem durchschnittlichen Auszubildenden (ausbildungsaktive Unternehmen, 11, in %) ,1 Abb. 5: Einschätzung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Bezug auf Kenntnisse und Fähigkeiten im Vergleich zu einem durchschnittlichen Auszubildenden (ausbildungsaktive Unternehmen, 11, in %) , 2,7 59,4 gleich 24, Unternehmen schätzen Jugendliche mit Migrationshintergrund hierbei genauso ein wie einen durchschnittlichen Auszubildenden. Auch hier ist jedoch der Anteil der Unternehmen, die Jugendliche mit Migrationshintergrund bewerten als einen durchschnittlichen Auszubildenden, mit etwa einem Drittel höher als der Anteil der Unternehmen, die diese Jugendlichen bewerten (2,7 Prozent). Die Unterschiede nach Unternehmensgrößenklassen sind hier weitgehend gering. Dabei sehen rund sechs von zehn kleinen Unternehmen die Kenntnisse und Fähigkeiten von Auszubildenden mit Migrationshintergrund als durchschnittlich an, jedoch nur rund die Hälfte der mittleren und großen Unternehmen. Letztere bewerten Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger als als durchschnittliche Auszubildende. 9,4 4 1,8 12,6 gleich 19,8 5,9 Unternehmen der Gesellschaftsnahen, die Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger in der Ausbildung beschäftigen, schätzen diese Gruppe hinsichtlich Kenntnissen und Fähigkeiten häufiger als durchschnittlich ein als Unternehmen anderer Branchen. In Bezug auf Motivation und Engagement unterscheiden sich die Unternehmenseinschätzungen nach Branchen nur wenig.

6 4 Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Ausbildung 4. Besondere Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund Durch die eigene Gestaltung der Ausbildung versuchen Unternehmen, den unterschiedlichen Eingangsvoraussetzungen und Potenzialen ihrer Auszubildenden gerecht zu werden. Etwa jedes siebte ausbildungsaktive Unternehmen fördert Auszubildende mit Migrationshintergrund dabei gezielt durch Nachhilfe oder Stützunterricht (Abbildung 6). Mit der Unternehmensgröße steigt auch der Anteil an Unternehmen, die den Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Teilnahme an Stützunterricht beziehungsweise Nachhilfe ermöglichen. Etwa ein Fünftel der mittleren und großen Unternehmen fördert Jugendliche mit Migrationshintergrund durch die Teilnahme an der Berufsvorbereitung und bietet ihnen so einen Einstieg in die Berufsausbildung. Bei den kleinen Unternehmen sind es lediglich knapp 14 Prozent. Abb. 6: So viele Unternehmen fördern und unterstützen Jugendliche mit Migrationshintergrund (ausbildungsaktive Unternehmen nach Größenklassen, 11, in %) 25,9 19,7 27,8 18, ,6 13,5 14,1 13, bis 49 5 bis 249 ab 25 alle Unternehmen Nachhilfe/Stützunterricht Teilnahme in der Berufsvorbereitung

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