Wir sind Nationalmannschaft. Analyse der Entwicklung und gesellschaftlichen Bedeutung der Fußball-Nationalelf. ISBS Research Series Issue 7

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1 Wir sind Nationalmannschaft Analyse der Entwicklung und gesellschaftlichen Bedeutung der Fußball-Nationalelf ISBS Research Series Issue 7

2 Vorbemerkung Während Leistung systematisch gefördert werden kann, sind Siege und Titel nicht planmäßig organisierbar. Erfolg bedeutet im internationalen Fußball genauso wie in der Wirtschaftswelt, besser zu sein als die Konkurrenz. Dauerhafte Erfolge sind allerdings nur denjenigen Teams vorbehalten, die in der Lage sind, nicht nur ihre Leistungen kontinuierlich weiter zu steigern, sondern auch Wettbewerbsvorteile unter sich stets ändernden Rahmenbedingungen zu erringen, zu halten und auszubauen. Um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen, unterziehen sich Hochleistungsorganisationen sowohl Phasen des»evolutionären«als auch des»revolutionären«wandels (Tushman et al., 1986). Dabei zeigt sich nicht nur in der Unternehmenspraxis, sondern auch in der Fußballwelt, dass die größte Kunst darin besteht, sich auch und gerade im Erfolg eine grundlegende Veränderungsbereitschaft zu bewahren. Dabei ist der Fußball für erfolgreiche Nationen noch brutaler als die Wirtschafts praxis, denn hier zählt am Ende nur der Sieg bei einer EM oder WM; der zweite Platz gilt bereits als Enttäuschung. In der Wirtschaftswelt hingegen können zeitgleich auch mehrere Unternehmen weltweit Spitze sein und sich feiern. Mit ihrer Weltranglistenplatzierung (Platz 2 zwischen Juli 2012 und August 2013) und den erfrischenden Auftritten in der Qualifikation zu und an EM- und WM-Turnieren durchlebt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft eine der konstantesten und erfolgreichsten Phasen in ihrer Geschichte. Die vorbildliche Nachwuchsarbeit und der Fußball»Made in Germany«werden international anerkannt und als Vergleichsmaßstab verwendet. Nur der Titel bei einem großen Turnier fehlt der Nationalmannschaftsgeneration um Khedira, Özil, Lahm und Schweinsteiger noch; die Erwartungshaltung ist dementsprechend hoch. Um die DNA der aktuellen Fußball-Nationalmannschaft ergründen und systematisch zukünftige Entwicklungspotentiale identifizieren zu können, erscheint die Analyse der Vergangenheit aus wissenschaftlicher Sicht unumgänglich. Denn der Status quo der Nationalmannschaft ist immer auch das Ergebnis eines langjährigen Entwicklungsprozesses mit diversen Pfadabhängigkeiten (Schreyögg/ Sydow, 2010). In der vorliegenden Studie wird die Entwicklung der letzten 14 Jahre ( ) der Nationalmannschaft analysiert und mit Wandelbzw. Entwicklungsprozessen in Unternehmen verglichen. Selbstverständlich sind Wirtschaft und Fußball nicht denselben Gesetzmäßigkeiten ausgesetzt. Der Fußball ist für erfolgreiche Nationen noch brutaler als die Wirtschaftspraxis, denn hier zählt am Ende nur der Sieg bei einer EM oder WM und der zweite Platz gilt bereits als Enttäuschung. In der Wirtschaftswelt hingegen, können zeitgleich auch mehrere Unternehmen weltweit spitze sein und sich»feiern«lassen. Trotzdem lassen sich interessante Ähnlichkeiten entdecken und zumindest

3 Vorbemerkung 3 Oliver Kahn:»Es ist wie in der Wirtschaft, wer nicht permanent bereit ist, sich weiterzuentwickeln, wird ganz schnell überholt.«anregungen aus der Unternehmenspraxis für die Nationalmannschaft ableiten. So werden die jeweiligen Amtszeiten der Bundestrainer beleuchtet und daraufhin untersucht, welchen Beitrag sie zur längerfristigen Entwicklung und zum Erfolg der Nationalmannschaft geleistet haben. Wohl wissend, dass die Nationalmannschaft natürlich untrennbar mit dem DFB (Deutscher Fußball-Bund) verbunden ist und sportliche wie wirtschaftliche Erfolge immer auch das Ergebnis eines Ineinandergreifens aller Verbandsstellen bedeuten, liegt der Fokus der wissenschaftlichen Untersuchung auf der Nationalmannschaft als Teil des DFB und betrachtet nicht alle Aktivitäten des DFB im Detail. Mit dem sportlichen Erfolg sind aufgrund der außerordentlichen öffentlichen Beachtung und Wertschätzung der Nationalmannschaft natürlich auch immer enorme gesellschaftliche und wirtschaftliche Abstrahleffekte verbunden. Sicherlich besteht weitgehend Konsens darüber, dass die Nationalmannschaft als Vorbild und Vermittler von Werten agiert und von ihr eine integrierende Wirkung ausgeht. Dennoch fehlen bislang detaillierte empirische Grundlagen zu ihrer sportlichen Entwicklung und der damit verbundenen gesellschaftlichen und ökonomischen Wirkung. Fragen, wen die Nationalmannschaft innerhalb der Gesellschaft erreicht, welche Identifikationswirkung sie auslöst, wo sozialer Mehrwert für die Gesellschaft geschaffen wird und welche Verantwortung und Herausforderungen hiermit für die Spieler und das Team Nationalmannschaft einhergehen, sind bisher kaum erforscht worden. Mit der vorliegenden Studie beabsichtigen wir, Antworten auf diese Fragen zu finden. Darüber hinaus möchten wir Erfahrungen aus der Wirtschaftspraxis nutzen, um Anregungen und Impulse zur Fortsetzung der Erfolgsgeschichte der Nationalmannschaft bis zur WM 2014 und darüber hinaus leisten zu können. Die Grundlage unserer Studie bilden neben einer umfangreichen Sekundärdatenanalyse sowie einer Mehrfachbefragung von knapp Teilnehmern zu drei Zeitpunkten 52 Gespräche mit aktuellen und ehemaligen Nationalspielern und -trainern, DFB-Verantwortlichen, Sport-Journalisten und Meinungsführern aus den Bereichen Politik, Kirche, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Durchführung unserer Studie»Wir sind Nationalmannschaft«wäre ohne die Unterstützung des DFB und der Nationalmannschaft selbst nicht möglich gewesen. Wir bedanken uns insbesondere bei Wolfgang Niersbach, Oliver Bierhoff, Georg Behlau und seinem Team, Jens Grittner, Ulrich Voigt und allen befragten Experten für die gute Zusammenarbeit sowie bei Prof. Dr. Benno Torgler von der Queensland University of Technology, Brisbane, für die methodische Begleitung der Studie. Prof. Dr. Sascha L. Schmidt und Andreas Bergmann

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5 Inhaltsverzeichnis 5 Inhaltsverzeichnis Zentrale Thesen der Studie Die aktuelle Stärke der Nationalmannschaft ist das Ergebnis eines langjährigen Wandelprozesses Auftauphase: Verzicht auf radikale Veränderungen und überwiegend evolutionäre Impulse unter Ribbeck und Völler Wandelphase: Revolutionäre Veränderungen unter Klinsmann, dem richtigen Mann zur richtigen Zeit Verstetigung der Leistung in der evolutionären Stabilisierungsphase: Der Glücksfall Löw Die systematische Talentförderung ist Auslöser höherer fußballerischer Qualität und Homogenität der Nationalmannschaft Die Nationalmannschaft als sinnstiftende Quelle einer Volks-Identifikation Vierte Macht im Staat? Die Nationalmannschaft erreicht jeden Winkel der Gesellschaft Die»Magie«der Nationalmannschaft generiert sozialen Mehrwert für die Gesellschaft Die Nationalspieler besitzen Vorbildfunktion: Das Team als Mittler von Werten Die»Inter-Nationalmannschaft«steht für Integration innerhalb der Gesellschaft Die Nationalmannschaft als Quelle individuellen und kollektiven Wohlbefindens Durch hohe mediale Reichweite und positives Image generiert die Nationalmannschaft ökonomischen Mehrwert für den deutschen Fußball Dauerhafte Wettbewerbsvorteile der Nationalmannschaft sind nur durch rechtzeitige Anpassung der Erfolgsrezepte möglich Beherrschung von»ambidextrie« Bewusstes Management der Homogenität/Heterogenität innerhalb der Mannschaft Bewusster Umgang mit gestiegener wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verantwortung Ausblick Anhang Studiendesign und Methodik Primärdatenerhebung: Onlineumfragen Primärdatenerhebung: Semi-strukturierte Experteninterviews Sekundärdatenanalyse Verwendete statistische Verfahren Weitere Auswertungen Zusatzinformationen zur Auftauphase unter Erich Ribbeck ( ) Zusatzinformationen zur Auftauphase unter Rudi Völler ( ) Zusatzinformationen zur Wandelphase unter Jürgen Klinsmann ( ) Zusatzinformationen zur Stabilisierungsphase unter Löw ( ) Einführung eines flächendeckenden Fördersystems in Deutschland Statistische Auswertungen zur Identifikationswirkung der Nationalmannschaft Literaturverzeichnis Über das Institute for Sports, Business & Society ISBS Research Series... 71

6 6 Zentrale Thesen der Studie Zentrale Thesen der Studie 1. Die aktuelle Stärke der Nationalmannschaft ist das Ergebnis eines langjährigen Wandelprozesses Die Entwicklung der Nationalmannschaft in den letzten 14 Jahren ist mit typischen Wandelprozessen von Unternehmen zur nachhaltigen Steigerung der Organisationsleistung vergleichbar. Analog hierzu kann die Ära Ribbeck/ Völler als Auftauphase, die Zeit unter Klinsmann als radikale Wandelphase und die Ära Löw als Stabilisierungsphase gesehen werden. 2. Die systematische Talentförderung ist Auslöser höherer fußballerischer Qualität und Homogenität der Nationalmannschaft Das hohe Leistungsniveau der Nationalmannschaft ist im Wesentlichen der flächendeckenden Nachwuchsförderung durch das 2000 lancierte DFB-Talentprogramm sowie der Einführung der Bundesliga-Nachwuchsleistungszentren im Jahr 2002 zu verdanken. Neben der Steigerung der fußballerischen Qualität trägt diese einheitliche Ausbildungspraxis zu einem Anstieg der Homogenität der Nationalmannschaft bei.

7 Zentrale Thesen der Studie 7 3. Die Nationalmannschaft als sinnstiftende Quelle einer Volks-Identifikation Während tradierte gesellschaftliche, politische und soziale Institutionen in der breiten Bevölkerung als Identitätsstifter zunehmend an Bedeutung verlieren, erweist sich der Fußball als Fels in der Brandung. Der wahrgenommene Erfolg der Fußball- National mannschaft gepaart mit hohen Sympathiewerten ermöglicht ihr eine außergewöhnliche Identifikationswirkung in der Gesellschaft. 4. Vierte Macht im Staat? Die Nationalmannschaft erreicht jeden Winkel der Gesellschaft Egal ob Männer oder Frauen, Berufstätige oder Arbeitslose, Groß- oder Geringverdiener, Ein- oder Mehrpersonenhaushalte, Eltern oder Kinderlose, Groß- oder Kleinstädter, sozial engagiert oder nicht alle identifizieren sich gleichermaßen mit ihrer Fußball-Nationalmannschaft. Gemeinsam mit Singles weisen Personen mit niedrigerem Bildungsniveau sowie ausländische Staatsbürger mit kurzer Verweildauer in Deutschland die höchsten Identifikationswerte auf. 5. Die»Magie«der Nationalmannschaft generiert sozialen Mehrwert für die Gesellschaft Die Nationalmannschaft schafft einen sozialen Mehrwert für die Gesellschaft, indem sie integrierende Wirkung entfacht und für verbindende Gemeinschaftserlebnisse der Nation sorgt. Zudem nehmen die Nationalspieler eine persönliche und gesellschaftliche Vorbildfunktion ein. 6. Durch hohe Reichweite und positives Image generiert die Nationalmannschaft ökonomischen Mehrwert für den deutschen Fußball Die Nationalmannschaft erzeugt durch ihre positiv wahrgenommene Markenpersönlichkeit ein einzigartiges öffentliches Interesse über alle Medien hinweg. Durch Turnierteilnahmen und die Vermarktung der Länderspiele trägt die Nationalmannschaft zur finanziellen Stabilität des DFB bei. 7. Dauerhafte Wettbewerbsvorteile der Nationalmannschaft sind nur durch rechtzeitige Anpassung der Erfolgs rezepte möglich Um die Erfolgsgeschichte innerhalb und über die Ära Löw hinaus fortschreiben zu können, erscheinen gezielte Maßnahmen notwendig. Im Zentrum stehen hierbei die gleichzeitige Ausnutzung vorhandener und die Entwicklung neuer strategischer Ressourcen. Zudem kommt dem bewussten Management der Homogenität/Heterogenität innerhalb der Mannschaft sowie der zunehmenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verantwortung außerhalb des Platzes besondere Bedeutung zu.

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9 1. Die aktuelle Stärke der Nationalmannschaft ist das Ergebnis eines langjährigen Wandelprozesses 9 1. Die aktuelle Stärke der Nationalmannschaft ist das Ergebnis eines langjährigen Wandelprozesses

10 10 Erich Ribbeck:»Während meiner Zeit verliefen die Entwicklungen in der Nationalmannschaft eher peu à peu. Ich musste mehr auf die Fortführung des Bestehenden setzen.«rudi Völler:»Betrachtet man die Anzahl und Qualität der Spieler, ist die Situation von damals mit der heutigen überhaupt nicht mehr vergleichbar. Aufgrund der Nachwuchsarbeit des DFB und der Leistungszentren der Vereine steht dem Bundestrainer, im Vergleich zu meiner Zeit, heute eine viel breitere Basis an potentiellen Nationalspielern zur Verfügung.«Matthias Brügelmann (Chefredakteur, Sport Bild):»Erich Ribbeck hat den nationalen Fußball verwaltet statt gestaltet, so haben wir dann auch gespielt.«jens Mende (Sportjournalist, dpa und Buchautor):»Rudi Völler hat von seiner Popularität gelebt, viele seiner Entscheidungen sind aus dem Bauch heraus entstanden.«michael Horeni (Sportjournalist, FAZ und Buchautor):»Die Bereitschaft zum Wandel war in der Phase Völler relativ schwach ausgeprägt. Mayer-Vorfelder wollte zwar wieder den sportlichen Anschluss finden und die Jugendarbeit systematisch fördern, aber alles andere, wie etwa grundsätzliche Fragen zu adressieren und der Mut zu Strukturreformen, waren sehr schwach ausgeprägt. In der Phase Völler hieß es deshalb: einfach weiter so.«1. Die aktuelle Stärke der Nationalmannschaft ist das Ergebnis eines langjährigen Wandelprozesses Seit dem Jahr 1998 wurde die deutsche Fußball-Nationalmannschaft von vier Trainern bzw. Teamchefs geleitet: Erich Ribbeck, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und Joachim Löw. Mit dem Wechsel der Bundestrainer sind jeweils unterschiedliche Entwicklungsphasen der Nationalmannschaft mit unterschiedlichen Leistungsniveaus zu beobachten. Die Analyse der Leistungsentwicklung der Nationalmannschaft über die letzten 14 Jahre ( ) zeigt gewisse Parallelen zu typischen Organisationsentwicklungs verläufen in der Wirtschaftspraxis. Diese erscheinen plausibel, obwohl im Fußball immer nur eine Nation alle zwei Jahre den EM- oder WM-Titel gewinnen kann, Unternehmen aber unabhängig voneinander jedes Jahr Rekordergebnisse erzielen können. Erfolgreiche Wandelprozesse in Unternehmen folgen einem idealtypischen Schema (Lewin, 1958) von evolutionären, revolutionären und erneut evolutionären Phasen. Dabei dient die vorausgehende Auftauphase (unfreezing) zur Vorbereitung einer radikalen Wandelphase (change), welcher eine Stabilisierungsphase (refreezing) der Organisation auf einem erhöhten Leistungsniveau folgt. Analog hierzu kann die Zeit unter Ribbeck und Völler ( ) als Phase des evolutionären Wandels, die Zeit unter Klinsmann ( ) als Phase eines revolutionären Wandels und die Entwicklung unter Joachim Löw ( ) wiederum als evolutionäre Phase angesehen werden (siehe Abb. 1) Auftauphase: Verzicht auf radikale Veränderungen und überwiegend evolutionäre Impulse unter Ribbeck und Völler Die Zeit, in der Erich Ribbeck ( ) und Rudi Völler ( ) die Nationalmannschaft als Bundestrainer bzw. Teamchef führten, erscheint aus heutiger Sicht als eine vor allem evolutionär geprägte Auftauphase innerhalb der langjährigen Entwicklung der Fußball-Nationalmannschaft (siehe 9.1 und 9.2). Eine solche Auftauphase, in der die Bereitschaft für grundlegende Veränderungen des Organisationssystems geschaffen wird, ist Voraussetzung dafür, dass eine Organisation durch radikalen Wandel auf ein höheres Leistungsniveau gebracht werden kann (Lewin, 1958). Die Amtszeiten von Ribbeck und Völler begannen und endeten jeweils mit einem enttäuschenden Abschneiden der Nationalmannschaft bei einer WM bzw. EM. Dennoch waren offenbar die Bereitschaft und der Druck für tiefgreifende Veränderungen im Kreise der Nationalmannschaft nicht ausreichend, um die grundlegende Veränderung von Prozessen und Strukturen im bestehenden»system Nationalmannschaft«in Angriff zu nehmen (siehe 9.1 und 9.2). Zwar wurden vom DFB im Jahr 2000 mit der Aufstockung des jährlichen Nachwuchsetats und der flächendeckenden Einrichtung von Förderstützpunkten wegweisende Veränderungen in der Nachwuchsarbeit vorgenommen (siehe 9.5). Diese hatten zunächst aber keinen unmittelbaren Einfluss auf die Nationalmannschaft, sondern machten sich erst später mit dem Heranwachsen einer neuen Spielergeneration innerhalb der Mannschaft bemerkbar.

11 12 Abb. 2: Trainerbilanzen ERICH RIBBECK Spiele Unentschieden 10 8 Siege Niederlagen RUDI VÖLLER Spiele Unentschieden Siege Niederlagen Christoph Metzelder:»Klinsmann hatte 2006 eine unglaubliche Macht, da die Spieler unter keinen Umständen auf die Heim-WM verzichten wollten. Da haben sich sogar etablierte Spieler eingereiht, was unter anderen Umständen oder im Verein undenkbar gewesen wäre.«jürgen Klinsmann:»Es gab keine vorab festgeschriebene Grundkonstellation mehr. Es sollte ein klarer Wettbewerb auf allen Positionen geschaffen werden.«erich Ribbeck:»Jürgen Klinsmann konnte in seinen zwei Jahren vieles ohne Risiko ausprobieren, denn die Mannschaft war als Gastgeber bereits für die Weltmeister - schaft qualifiziert.«georg Behlau:»Mit Jürgen Klinsmann kam ein Bundestrainer, der sich neben den sportlichen Dingen auch um die organisatorische Ausrichtung der Einheit Nationalmannschaft Gedanken machte.«1.2. Wandelphase: Revolutionäre Veränderungen unter Klinsmann, dem richtigen Mann zur richtigen Zeit Im Jahr 2004 eröffnete sich nach dem Ausscheiden bei der EM in Portugal und dem Blick auf die anstehende Heim-WM ein Zeitfenster, in welchem die Chance für einen nachhaltigen, strukturellen Wandel des Systems Nationalmannschaft bestand und genutzt wurde. Mit der Berufung Jürgen Klinsmanns ( ) begann eine Phase von Veränderungen. Klinsmann schaffte es mit seinem Team, das Selbstverständnis der Organisation zu verändern sowie Innovationen im organisatorisch-strukturellen Bereich anzustoßen. Hierzu zählten das Engagement von Spezialisten im Betreuerstab und der Aufbau des»teams Nationalmannschaft«mit Einrichtung der Stelle des»managers der Nationalmannschaft«(siehe 9.3.1). Da sich solch grundlegende Umgestaltungen nicht über Nacht vollziehen, sondern sich vielmehr als dynamischer Prozess über die Zeit entfalten, ist ein strukturiertes Projekt- und Change-Management erforderlich, welches im Idealfall durch einen sogenannten»change- Agent«angeführt wird. Klinsmann sollte als solcher in einem eng umrissenen Zeitrahmen bis zur Heim-WM und mit einer neuen Vision das»projekt WM 2006«leiten, notwendige Reformen durchsetzen sowie Hindernisse und Widerstände überwinden, die der erfolgreichen Weiterentwicklung der Nationalmannschaft im Wege standen. Mit der Heim-WM im Rücken hatte er für seine Mission natürlich besonders günstige Rahmenbedingungen. Auch wenn Klinsmann häufig als Galionsfigur des Wandels gesehen wird, sind die tatsächlichen Veränderungen natürlich nicht allein sein Werk, sondern das Ergebnis kollektiver Anstrengungen innerhalb des Teams Nationalmannschaft und des DFB. Er legte von Tag eins an großen Wert auf ein funktionierendes Team. Ihm war bewusst, dass er zwar von außen Impulse setzen, aber keine Veränderungen erzwingen konnte. Mit dem eingeleiteten Wandel gelang es, eine deutliche Verhaltensänderung (siehe 9.3.2) und die Basis für eine nachhaltige Leistungssteigerung der Spieler zu legen (siehe 9.3.4). Allerdings führten die Umbaumaßnahmen nicht unmittelbar zu sportlichem Erfolg. Nachdem Klinsmann das Nationalteam im Juli 2004 auf Platz 12 bzw. 13 der Weltrangliste übernommen hatte, stürzte die Mannschaft zunächst innerhalb der ersten zwölf Monate bis auf Rang 21 (Juni 2005) und damit unver-

12 1. Die aktuelle Stärke der Nationalmannschaft ist das Ergebnis eines langjährigen Wandelprozesses 13 JÜRGEN KLINSMANN JOACHIM LÖW seit dem * 34 8 Spiele Unentschieden 20 6 Siege Niederlagen Spiele Unentschieden Siege Niederlagen *Stand hältnismässig deutlich im Vergleich zu den Gastgebern anderer großer Turniere ab (siehe Abb. 1). Nach dem dritten Platz im Confederations Cup und einem kurzen Zwischenhoch (Rang 11) fiel Deutschland bis zu Beginn der WM 2006 sogar auf Rang 22 zurück und verbuchte damit seine schlechteste Platzierung seit Bestehen der Fifa-Weltrangliste. Die Öffentlichkeit, Medien, Politik und DFB-Verantwortlichen waren verunsichert und Zweifel an Klinsmanns Strategie kamen auf. Die Leistungsschwankungen der Mannschaft während der Amtszeit von Jürgen Klinsmann sind im Vergleich zur vorausgegangenen Auftauphase und nachfolgenden Stabiliserungsphase erwartungesgemäß am höchsten (siehe Standardabweichung von 3,43 Abb. 1). Dies ist für radikale Wandelphasen typisch, da sich grundlegende strukturelle Veränderungen nicht unmittelbar, sondern erst über die Zeit auf das Leistungsniveau auswirken. Auch Unternehmen verlieren in revolutionären Umstrukturierungsphasen oftmals vorrübergehend Marktanteile oder an Börsenwert (siehe Bollinger 2010; Yukl, 2009, Connor 1995), was jedoch für eine nachhaltige Neuaufstellung der Organisation in der Regel unvermeidlich ist. So war es auch für die Entwicklung der Nationalmannschaft wichtig, dass sich Klinsmann von aller Kritik nicht entmutigen ließ und seinen eingeschlagenen Weg rigoros fortsetzte. Mit dem Umbau der Organisation und dem Hinzuziehen externer Experten (siehe 9.3.1), mit der Reformierung der Nationalmannschaftskultur (siehe 9.3.2) sowie der Umstellung grundlegender Trainingsmethoden (siehe 9.3.3) wurde zunächst Verunsicherung ausgelöst und ein Leistungsabfall bewirkt. Mit der Zeit aber fingen Klinsmanns Maßnahmen an, zu greifen und die gewünschte Leistungssteigerung der Nationalmannschaft auszulösen. Beim Neuaufbau der Mannschaft kam Klinsmann natürlich entgegen, dass die im Jahr 2000 angestoßenen Maßnahmen der DFB-Talentförderung sowie die Einrichtung der Nachwuchsleistungszentren der Bundesligaclubs in 2002 bereits erste Früchte trugen. Der WM-Erfolg am Ende der Klinsmann-Ära und die damit verbundene Rückkehr des Teams in die Top-10 der Weltrangliste im Juli 2006 (Rang 9) bildeten sodann die Basis eines steilen Aufstiegs der Nationalmannschaft (siehe Abb. 1). Jürgen Klinsmann:»Du musst die Leute einfach dafür gewinnen, auch mal mit Risiko etwas Neues zu probieren, weil du sonst ewig in deiner alten Struktur festhängst. Die Veränderung von Strukturen ist immer ein gemeinschaftliches Werk. Ich habe zwar den Kopf für das Ganze hingehalten, aber so eine Umstrukturierung kann nur funktionieren, wenn alle Leute mitziehen und das von innen heraus leben. Der Wandel muss vom Zentrum heraus stattfinden und kann nicht einfach von außen aufgedrückt werden.«oliver Kahn:»Jürgen war in der Tat derjenige, der seine Vorstellungen kompromisslos durchgesetzt hat. Wenn er in dieser Sache nicht so konsequent gewesen wäre, hätten die Veränderungen wohl nicht so schnell gegriffen.«jürgen Klinsmann:»Der Wandel hat nur deswegen funktioniert, weil der deutsche Fußball so viele neue Talente mit frischem Schwung durch die Leistungszentren geschleust hat. Man kann ja nicht sagen, man mache jetzt alles neu, aber habe die Qualität von Leuten nicht. Du kannst nur neue Strukturen und Dinge angehen, wenn du qualitativ das Fundament dafür hast.«

13 1. Die aktuelle Stärke der Nationalmannschaft ist das Ergebnis eines langjährigen Wandelprozesses 15 Abb. 4: Erzielte Platzierungen der Bundestrainer ø 7, ø 16, ø 3,84 beste Platzierung schlechteste Platzierung durchschnittliche Platzierung Standardabweichung Unter seiner Ägide konnte die Nationalmannschaft mehr als zwei Drittel ihrer absolvierten Spiele gewinnen. Dies entspricht einer Siegquote von 69%. Analog hierzu konnten die Tor- und Punktequoten in Spielen der deutschen Mannschaft auf Rekordniveau gesteigert werden. Löw weist mit 71% gewonnener Spiele zudem die höchste Siegquote gegen Top-10 Mannschaften der letzten 14 Jahre auf. Damit konnte Löw über die letzten acht Jahre hinweg eine durchschnittliche Platzierung von Rang 3,8 in der Weltrangliste erreichen. Dies bedeutet den besten Schnitt aller Bundestrainer im Betrachtungszeitraum und liegt oberhalb des deutschen Gesamtdurchschnitts aller Platzierungen (Platz 5,95) seit Einführung der Weltrangliste im Jahre Seit Juli 2006 befindet sich die deutsche Nationalmannschaft zudem ununterbrochen in den Top-10 des Fifa-Rankings, seit Juli 2010 stets unter den besten vier, seit Juni 2011 durchgehend unter den besten drei und von Juli 2012 bis August 2013 konnte sich die Mannschaft sogar ununterbrochen auf Rang zwei der Tabelle behaupten (siehe Abb. 1). Andreas Köpke:»Über die Zeit hat sich einiges geändert. Ab 2004 wurde begonnen, einen anderen Stil reinzubringen und auch offensiver zu spielen. Jürgen Klinsmann hat das angestoßen und mit Joachim Löw ist dies immer weiter perfektioniert worden.«günter Netzer:»Joachim Löw war und ist ein Glücksfall für den deutschen Fußball. Er hat dafür gesorgt, dass die Mannschaft wieder internationale Akzeptanz erfährt. Neben der Physis und Charakterstärke wird sie heute vor allem für ihre taktischen und spielerischen Fähigkeiten gefürchtet.«oliver Bierhoff:»Joachim Löw hat die National mannschaft in eine Feinmechanik- Werkstatt verwandelt, in der er mit der Mannschaft ständig an den kleinen Dingen feilt und winzige Stellschrauben justiert.«joachim Löw:»Die Basis unseres Handelns ist eine ausformulierte Spielphilosophie. Darin stehen unsere Grundprinzipien, wofür wir stehen und natürlich sehr detailliert, wie wir spielen wollen. Nur dies ist für uns entscheidend bei der gezielten Auswahl der Spieler, nichts anderes.«hansi Flick:»Mit den deutschen Tugenden allein erreichst du heute gar nichts mehr, denn professionelle Arbeit stützt sich immer auf Daten und Fakten. Wir nutzen dabei gezielt die technischen Möglichkeiten der Spiel- und Spieleranalyse. Zahlen lügen nicht.«manuel Neuer:»Mit der Nationalmannschaft ist es in den letzten Jahren, vor allem seit der WM 2006 stetig bergauf gegangen. Bereits 2006 haben wir das Halbfinale erreicht und waren seitdem immer unter den letzten Vier. Zwar hat es für den ganz großen Coup noch nicht gereicht, aber das ist das klare Ziel für die nächsten Jahre.«Günter Netzer:»So hoch wie das fußballerische Niveau unter Jogi Löw heutzutage ist, war es wahrscheinlich noch nie in Deutschland.«Oliver Bierhoff:»Für ein zeitgemäßes Coaching sind moderne Spielanalysetools unerlässlich. Die Kombination von Videos, Animationen und Statistiken bieten den Trainern eine optimale Grundlage zur Identifizierung von Verbesserungs potentialen der einzelnen Spieler und gesamten Mannschaft.«

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15 2. Die systematische Talentförderung ist Auslöser höherer fußballerischer Qualität und Homogenität der Nationalmannschaft Die systematische Talentförderung ist Auslöser höherer fußballerischer Qualität und Homogenität der Nationalmannschaft

16 18 Abb. 5: Sterneverteilung der Leistungszentren 24% 24% 3 Sterne 2 Sterne 1 Stern im Aufbau 18% Saison 2007/08 34% 39% 39% 13% 9% Saison 2012/13 Ulf Schott:»Ziel des breit angelegten Ausbildungsprogramms ist es, eine bestmögliche Entwicklung von jungen Talenten nachhaltig zu gewährleisten, so dass sich die Nationalmannschaft auch in Zukunft in der Weltspitze behaupten kann.«christian Seifert:»Die Liga leistet einen wesent lichen Beitrag für die Erfolge der Nationalmannschaft. Durch die hervorragende Arbeit in den Leistungszentren gibt es heute einen systematischen Zufluss von mehr und besser ausgebildeten Spielern als je zuvor. Von dieser Basis profitiert auch der Bundestrainer.«Oliver Kahn:»Inwieweit in den Leistungszentren vom Typus her ähnliche Charaktere herangezogen werden, kann ich aus der Distanz schwer beurteilen. Es besteht natürlich die Gefahr, eher gleichförmige hochtalentierte Fußballspieler heranzuziehen, die ähnliche Verhaltensweisen entwickeln. Frühere Generationen haben das Fußballspielen auf unterschiedliche Weise gelernt und wurden dadurch unterschiedlich geprägt.«2. Die systematische Talentförderung ist Auslöser höherer fußballerischer Qualität und Homogenität der National mannschaft Innerhalb der Strategielehre bietet die ressourcenorientierte Denkschule interessante Anregungen. Sie verweist im Blick auf die Entwicklung nachhaltiger Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens auf die Existenz und Nutzung einzigartiger unternehmensspezifischer Ressourcenbündel (Rühli, 1995; Amit/Schoemaker, 1993; Barney, 1991; Dierickx/Cool, 1989). In Anlehnung an eine solche ressourcenorientierte Sicht kann auch eine Nationalmannschaft durch (im Vergleich zur Konkurrenz) wertvollere Humanressourcen (Spieler) und einen von der Konkurrenz nicht erwarteten Einsatz dieser ihre Wettbewerbsposition erheblich verbessern. Die heutige Generation der Nationalspieler verdankt ihre Erfolge nicht zuletzt der einheitlichen, systematischen Nachwuchsförderung durch den DFB (seit 2000) sowie der Einführung der Bundesliga-Nachwuchsleistungszentren im Jahr Die flächendeckende Sichtung und Auswahl der vielversprechendsten Talente sowie die kontinuierliche Verbesserung der Trainingsarbeit zeigt positive Wirkung auf die sportliche Leistungsfähigkeit der Nachwuchsspieler. Mit der einheitlichen Ausbildungspraxis gehen eine durchschnittliche Erhöhung der athletischen Fähigkeiten (Schnelligkeit, Gewandtheit, etc.) und der fußballspezifischen Fertigkeiten (Dribbling, Ballkontrolle, Torschuss, etc.) einher. Diese Entwicklung wird durch die messbare Steigerung der jährlich ermittelten technisch-motorischen Leistungswerte der Nachwuchsspieler verdeutlicht. Die Auswertung der Testdaten zeigt, dass im Zeitraum von 2004 bis 2013 über alle Messdimensionen hinweg eine Leistungssteigerung ,71 44,75 43,64 42,42 41,29 der Nachwuchskohorten in den Altersklassen U11 bis U15 von 3% (im Mittelwert Gesamtscore) zu verzeichnen ist (siehe Abb. 6). Dieser Wert erscheint sogar eher konservativ, da hochtalentierte Spieler heute wesentlich früher als noch vor wenigen Jahren aus der DFB-Stützpunktförderung in die Leistungszentren der Bundesligaclubs wechseln und somit in den Leistungstests nicht mehr berücksichtigt werden. Großen Anteil an den ressourcenbedingten Wettbewerbsvorteilen haben neben den DFB-Stützpunkten sicherlich die 2002 eingeführten Nachwuchsleistungszentren der Bundesligaclubs. Die Nachwuchsleistungszentren werden einmal pro Jahr extern evaluiert. Bei Betrachtung der Evaluationsergebnisse über die Zeit wird deutlich, dass innerhalb der Leistungszentren eine deutliche Qualitätssteigerung stattgefunden hat. So erhielten in der Saison 2007/08 neun der 38 zertifizierten Zentren (24%) die Höchstbewertung von 3 Sternen. In der Saison 2012/13 sind dies mit 18 von 46 Zentren doppelt so viele mit höchster Bewertungsstufe. Dies entspricht einem Anstieg um 63% in der höchsten Qualitätskategorie. Nachdem die nicht vorhandene Qualität der in Deutschland vorherrschenden Talentförderung in der Vergangenheit oftmals für das schlechte Abschneiden der Nationalmannschaft bei Turnieren verantwortlich gemacht wurde, wird darin mittlerweile ein bedeutender Erfolgsfaktor für die Nationalelf gesehen. Offenbar ist es gelungen, ressourcenbedingte Wettbewerbsvorteile aufzubauen, die zumindest kurzfristig nur schwer imitierbar erscheinen. Die sukzessive Verbesserung der Ausbildung der Nachwuchskicker seit der Jahrtausendwende kann mit Qualitätsverbesserungen innerhalb von Produktionsprozessen in der Wirtschaft verglichen werden. Mit der Verbesserung der Abb. 6: Kontinuierlicher Anstieg der Gesamtscores (Mittelwert) der sportmotorischen Testung im Zeitraum Durchschnittliche Leistungssteigerung über alle Jahrgänge 3 % 47,15 46,14 44,80 43,50 42,69 40 Frühjahr

17 2. Die systematische Talentförderung ist Auslöser höherer fußballerischer Qualität und Homogenität der Nationalmannschaft 19 Produktionsabläufe ist z.b. eine Abnahme des Ausschusses und der Streuung der durchschnittlichen Endproduktqualität verbunden. Analog hierzu ist anzunehmen, dass auch in den DFB-Stützpunkten und Leistungszentren»Ausreißer«frühzeitig ausgesondert und die Unterschiede in der Leistungsentwicklung der Geförderten über die Zeit gesenkt wurden. Damit erscheint es plausibel, dass eine systematische Optimierung der Nachwuchsarbeit sowohl zu höherer fußballerischer Qualität als auch zu einer Annäherung der Leistungsfähigkeit der Nachwuchskicker um ein gemeinsames Mittel führt. Für eine steigende Uniformität in der Persönlichkeitsausprägung der Nachwuchstalente spricht zudem, dass die Ausbildung im Talentprogramm des DFB und den Nachwuchsleistungszentren der Bundesligaclubs vermehrt in vergleichbaren Umfeldern stattfindet. Auffallend ist zudem, dass in den letzten 14 Jahren immer mehr Nationalspieler bereits zuvor in den U-Mannschaften des DFB im Einsatz waren (siehe Abb. 7). Während in den Aufgebo- 15(3) 15(3) von von (10) 22 (10) von von Abb. 7: Spieler mit U-Erfahrung im Kader 15(3) von (10) von 23 15(3) von (10) von , wird deutlich, dass der Erfahrungsschatz von aggregiert 20 gespielten Turnieren aller Spieler im Jahr 2000 (bei ähnlicher Streuung) um 50% auf insgesamt 30 im Jahr 2012 anstieg (siehe Abb. 8). Schließlich lässt sich auch anhand der allgemeinen Personenmerkmale (wie z.b. Alter) der in den letzten 14 Jahren eingesetzten Nationalspieler ein Trend zur Homogenität erkennen. So war z.b. die Streuung (Standardabweichung) des Alters der Nationalspieler bei der EM 2012 so niedrig wie nie zuvor im Betrachtungszeitraum. Insbesondere seit der WM 2006 gleichen sich die Nationalspieler hinsichtlich des Alters immer mehr an (siehe Abb. 9). Abb. 9: Angleichung des Alters der Spieler (in Jahren) Abb. 8: Kumulierte A-Turniererfahrung + 50 % Philipp Lahm:»Heute kann es nicht mehr nur einen Einzelnen geben, der vorne weg geht. Es müssen immer mehrere gleichzeitig diese Aufgabe übernehmen.«bastian Schweinsteiger:»Eine flachere Hierarchie bedeutet eine Annäherung der Spieler. Es gibt nicht mehr Einzelne, die sich Besonderheiten herausnehmen können. Das stärkt den Zusammenhalt und die Zufriedenheit im Team.«Mario Götze:»Was die Hierarchie betrifft, sind da natürlich erfahrene Spieler manchmal mehr in der Verantwortung als andere. Aber Fußball ist ein Mannschaftssport, die Verantwortung in der Nationalelf ist auf mehreren Schultern verteilt und lastet nicht auf einem einzigen Führungsspieler.«EM EM EM EM EM 2000 EM 2012 EM 2000 EM 2012 gesamter gesamter Kader Kader gesamter Spieler mit Kader U-Erfahrung Spieler Spieler mit U-Erfahrung mit U-Erfahrung Spieler mit U-Erfahrung Spieler Spieler mit mit zusätzlicher zusätzlicher mit zusätzlicher U21-Turniererfahrung Spieler U21-Turniererfahrung mit zusätzlicher U21-Turniererfahrung Standardabweichung des Alters 4,01 3,46 EM 2000 (28,98) WM 2002 (28,15) 4,68 4,93 EM 2004 (27,46) WM 2006 (26,84) 4,18 3,93 EM 2008 (27,22) WM 2010 (25,35) Durchschnittsalter des Kaders in Jahren 3,22 EM 2012 (24,98) Matthias Brügelmann (Chefredakteur, Sport Bild):»Die Hierarchie hat sich verändert. Früher gab es einen Capitano, heute gibt es einen Primus inter pares. Viele Nationalspieler sind Leistungsträger in ihren Vereinen; so kommen ganz viele Führungsspieler zusammen. Dadurch wird die Hierarchie flacher und die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt.«ten der Jahre 2000 und 2002 nur 15 Spieler den gemeinsamen Erfahrungsschatz aus U-Mannschaften aufwiesen, durchliefen im Kader der EM 2012 mit einer Ausnahme (Miroslav Klose) alle Spieler mindestens eine der U-Mannschaften (U15-U21). Zudem stieg der Anteil der Spieler mit einer U21-Turniererfahrung im Team von drei Spielern im Aufgebot zur EM 2000 auf zehn Spieler im Kader der EM 2012 an. Ein weiterer Einflussfaktor auf die Homogenität der Mannschaft ist die gemeinsame Erfahrung in der A-Nationalmannschaft. Insbesondere ein gemeinsam absolviertes EM- oder WM-Turnier inklusive intensiver Vorbereitungsphase spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Vergleicht man die Teamzusammensetzung zum Zeitpunkt der EM 2000 mit der der WM Durch die gemeinsame Sozialisation im deutschen Fördersystem wird der Entwicklungshintergrund des Teams hinsichtlicht dieser Merkmale immer homogener, und auch die Beziehungsdichte (Kohäsion) erhöht sich. Hoch kohäsive Gruppen weisen eine größere Bereitschaft zu gemeinschaftlichen Leistungen auf als schwach kohäsive Gruppen. Sie erzielen bei hoher Leistungsorientierung eine höhere Produktivität und Zufriedenheit (Likert, 1961). Schließlich hat in den letzten Jahren den Beobachtungen und Interviews zufolge eine ebenfalls homogenitätsfördernde Verschiebung des Teamgefüges hin zu einer flacheren Hierarchie innerhalb des Nationalteams stattgefunden, was die interne Kommunikation erleichtert und dadurch die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen und Konflikten senkt.

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19 3. Die Nationalmannschaft als sinnstiftende Quelle einer Volks-Identifikation Die Nationalmannschaft als sinnstiftende Quelle einer Volks-Identifikation

20 22 Abb. 10: Entwicklung der Mitgliederzahlen gesellschaftlicher Institutionen in Deutschland (Mitgliederzahl im Jahr 1998 als 100% Indexwert) Abb. 11: Kirchenbesucher in Sonntagsgottesdiensten (ev. + kath.) 115% 110% 109,4 % +0,6 % CAGR 105% 100% 102,4 % +0,2 % 100% 100 % 95% 90% 85% 87,6 % -0,9 % 60% 64% % 75% 70% 74,0 % 71,9 % Deutscher Fußball-Bund (DFB) DOSB ohne DFB Kirchen (ev. + kath.) Deutscher Gewerkschafts Bund (DGB) -2,1 % -2,3 % Alle Parteien (Bundestag) Abb. 12: Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen Abb. 13: Erfolgswahrnehmung der Nationalmannschaft über die Zeit 90% 5 2,42 3,78 2,42 4,25 4,17 4,48 4,38 82% 71% 1 EM 2000 WM 2002 EM 2004 WM 2006 EM 2008 WM 2010 EM % 2009 Rainer Kalb (Sportjournalist, SID und Buchautor):»Fußball ist sinnstiftend. Alles geschieht auf 70x120m; es gibt einen Gegner und ein klares Ziel wie im richtigen Leben, nur einfacher. Und es passiert in 90 Minuten, im Zeitraffer, nicht in Jahren. Daher fällt die Analyse leichter.«horst R. Schmidt:»Viele andere Organisationen spüren einen Mitgliederschwund und nutzen daher oftmals den sogenannten Fußballeffekt. Sie integrieren fußballbezogene Ereignisse in ihre eigenen Aktivitäten und nutzen die Faszination des Fußballs für ihre Bewegung.«Hans-Joachim Watzke:»Sport und insbesondere der Fußball haben heute in einer Gesellschaft, die insgesamt von sehr vielen Fliehkräften bedroht ist und in der zum Beispiel Parteien und Kirchen permanent Mitglieder verlieren, einen höheren Stellenwert als noch vor 25 Jahren. Heute gibt es kaum mehr sinnstiftende Elemente, und da ist der Fußball in die Bresche gesprungen.«3. Die Nationalmannschaft als sinnstiftende Quelle einer Volks-Identifikation Personen erhalten durch die Identifikation mit bestimmten Gruppen die Möglichkeit, Erfolge zu feiern, die über ihre eigenen Grenzen hinausgehen. Sie können dadurch am Erfolg dieser Gruppen persönlich teilhaben (Tajfel, 1978; Taijfel/Tumer, 1985; Katz/Kahn, 1978; Cialdini et al., 1976). Die Identifikation mit einer tatsächlich erfolgreichen bzw. erfolgreich wahrgenommenen Gruppe kann dadurch zur Quelle der Steigerung des individuellen Selbstwertgefühls werden (Ashforth/Mael, 1989; Ashmore et al., 2004; Eisnestadt/Giesen, 1995; Turner et al., 1987). Während tradierte gesellschaftliche, politische und soziale Institutionen in der breiten Bevölkerung als Identitätsstifter zunehmend an Bedeutung verlieren, erweist sich der Sport als Fels in der Brandung. So konnten die beiden größten Sportverbände in Deutschland, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der DFB, innerhalb der letzten 14 Jahre ( ) ihre Mitgliederzahlen insgesamt um 2,4% bzw. 9,4% steigern. Dabei profitiert diese positive Entwicklung der DFB-Mitgliederzahlen sicherlich von den rasanten Zuwächsen der Vereinsmitgliederzahlen der Bundesligaclubs, deren Mitglieder allerdings zumeist keine aktiven Fußballer sind. Trotzdem ist das gestiegene Interesse an Mitgliedschaften erstaunlich. So konnte z.b. der Branchenprimus FC Bayern München allein im Laufe der letzten Saison neue Mitglieder gewinnen. Dagegen verloren in Deutschland im gesamten Betrachtungszeitraum Gewerkschaften 26%, Parteien fast 30% und Kirchen 12% ihrer Mitglieder (siehe Abb. 10), was sich natürlich ebenfalls in einer deutlich verringerten Beteiligung an Bundestagswahlen sowie weniger Besuchern von Sonntagsgottesdiensten niederschlägt (siehe Abb. 11, 12). Sport im Allgemeinen und der Fußball als Volkssport Nummer eins im Besonderen, erscheint als Sinnstifter in unserer zunehmend fragmentierten Gesellschaft. Hierbei nimmt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Vergleich zu anderen Organisationen und Mannschaften sicherlich eine gewisse Sonderrolle ein. Zur Entfaltung der Identifikationseffekte ist neben dem tatsächlichen Erfolg vor allem der wahrgenommene Erfolg einer Mannschaft von Bedeutung. Die Erfolgswahrnehmung der Nationalmannschaft befindet sich dabei auf sehr hohem Niveau. Während der EM 2012 wurde sie hinsichtlich des Merkmals»erfolgreich«auf einer fünfstufigen Skala (1=nicht erfolgreich, 5=absolut erfolgreich) im Durchschnitt von den Umfrageteilnehmern mit 4,38 bewertet. Zwei weitere Erhebungen vor ( ) und nach ( ) den Pflichtspie-

21 3. Die Nationalmannschaft als sinnstiftende Quelle einer Volks-Identifikation 23 len gegen die Färöer-Inseln und Österreich zeigen jedoch, dass die Erfolgswahrnehmung der Nationalmannschaft zumindest kurzfristig durch einzelne Spielergebnisse tangiert wird. So ist es nicht erstaunlich, dass nach der bitteren EM-Niederlage gegen Italien die Erfolgswahrnehmung (von 4,38) absinkt (auf 3,78) und dann nach den beiden Siegen gegen Österreich und die Färöer-Inseln wieder ansteigt (auf 3,89). Allerdings zeigen die Umfrageergebnisse auch, dass der wahrgenommene Erfolg ( ) der deutschen WM/EM-Turniermannschaften sich seit einem sprunghaften Anstieg nach der WM 2006 auf hohem Niveau gefestigt hat (siehe Abb. 13). Seitdem sind natürlich auch die Erwartungen an den Erfolg der Mannschaft entsprechend gestiegen. Neben der Erfolgswahrnehmung entfaltet die Nationalmannschaft ihre Identifikationswirkung ebenso durch hohe Sympathiewerte und ein positives Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit. Bei einem nahezu hundertprozentigen Bekanntheitsgrad (Sport und Markt 2010, 2012) wird die Nationalmannschaft durchwegs positiv von der Bevölkerung wahrgenommen und mit Attributen wie Teamgeist, Begeisterung, Spielfreude, Erfolg, Sympathie und Zusammenhalt assoziiert (Sport und Markt 2010, 2012). So gaben auch 94% der Umfrageteilnehmer an, dass sie das Auftreten der Nationalmannschaft als»vorbildlich«ansehen (siehe Abb. 15). Über 90% der Befragten sehen sich selbst als großen bzw. sehr großen Fan der Nationalmannschaft (siehe Abb. 16). Ihr Fan-Dasein begründeten sie an erster Stelle mit der Übereinstimmung der Spielphilosophie (80%) und danach mit einer Zustimmung von 72% darin, dass die Nationalmannschaft Werte verkörpert, die sie gut finden. Interessant hierbei ist, dass der rein sportliche Erfolg des Teams in dieser Rangfolge erst an siebter Stelle mit lediglich 47% Zustimmung zu finden ist (siehe Abb. 14). Die Umfrageergebnisse dieser Studie konnten im Folgenden mit der Auswertung der Studie Deutschland braucht den Superstar (Schmidt/ Högele, 2011) zum Fan-Verhalten bzgl. Bundesligaclubs und -spieler verglichen werden. Obwohl die Nationalmannschaft mit ihren Länderspielen im Gegensatz zu Bundesligaclubs über das Jahr nur punktuell in Erscheinung tritt, löst sie eine mit dem Lieblingsverein eines Bundesligafans vergleichbar hohe Identifikationswirkung aus (vgl. Schmidt/Högele 2011). Unterschiede ergeben sich jeweils in Abhängigkeit von bestimmten soziodemografischen Merkmalen der Befragten. 80% 72% mir die Spielphilosophie zusagt 67% die Spiele für mich ein gesellschaftl. Erlebnis darstellen Abb. 15:»Das Auftreten der Nationalmannschaft sehe ich als vorbildlich an«94 % Abb. 16:»Als wie großer Fan der Nationalmannschaft sehen Sie sich?«90,5 % Zustimmung 52 % 38,5 % 8 % 1% 0,5 % Zustimmung Kein Fan Sehr großer Fan 55 % 39 % 5 % 0,8 % 0,2 % Trifft überhaupt nicht zu Trifft vollkommen zu Abb. 14:»Ich bin Fan der deutschen Fußballnationalmannschaft, weil «sie Werte verköpert, die ich gut finde 60% meine Lieblingsspieler dort spielen ich viele Erinnerungen mit ihr verbinde 47% sie erfolgreich ist 70% 68% Zustimmung Stimme überhaupt nicht zu Stimme vollkommen zu 38% meine Freunde ebenfalls Fans sind es sich einfach gehört, sie zu unterstützen 25% meine Eltern ebenfalls Fans sind Prof. Dr. Wolfgang Huber:»In unserer Gesellschaft brechen immer mehr sinnstiftende Elemente weg. Doch über die Nationalmannschaft wird mehr denn je gesprochen sie bedeutet Identifi kation und Orientierung.«Dr. Michael Vesper:»Mit der zunehmenden Digitalisierung und Virtualisierung der Welt ist der Sport eine der letzten Inseln der Realität. Wichtig ist nicht, was auf dem Bildschirm, sondern was auf dem Platz passiert. Und da erfüllt der Sport in gewisser Weise die Sehnsüchte der Menschen.«Rainer Kalb (Sportjournalist, SID und Buchautor):»Ländergrenzen verschwimmen zunehmend wir haben mittlerweile nur noch eine europäische Währung und die Politik spielt sich auch immer mehr in Brüssel ab. Die Nationalmannschaft verbleibt als letzter Träger eines gemeinschaftlichen Nationalgefühls.«Philipp Lahm:»Ich glaube, dass sich die Leute mit unserer Nationalmannschaft wirklich identifizieren können. Das ist das Schöne und das merkt man auch als Spieler. Deswegen hat die Nationalmannschaft, die ja den deutschen Fußball repräsentiert, einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert.«

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23 4. Vierte Macht im Staat? Die Nationalmannschaft erreicht jeden Winkel der Gesellschaft Vierte Macht im Staat? Die Nationalmannschaft erreicht jeden Winkel der Gesellschaft

24 N Vierte Macht im Staat? Die Nationalmannschaft erreicht jeden Winkel der Gesellschaft Die Umfrageergebnisse zeigen, dass mit zunehmendem Lebensalter die Identifikation mit der Nationalmannschaft sinkt. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren identifizieren sich am stärksten, Senioren über 50 Jahre am schwächsten mit der Nationalmannschaft. Dagegen üben soziodemographische Merkmale wie Geschlecht, Einkommen, Beschäftigungsstatus, Kinderstatus, Haushaltsgröße, Wohnort und gesellschaftliches Engagement/Vereinsaktivität keinen signifikanten Einfluss auf das Ausmaß der Identifikation mit der Nationalmannschaft aus (siehe 9.6). Eine Gegenüberstellung mit der Auswertung von Bundesliga-Fans (Schmidt/Högele, 2011) bringt zudem interessante Einsichten zu Tage. Frauen identifizieren sich mit der Nationalmannschaft im selben Ausmaß wie Männer Die Ergebnisse zeigen, dass hinsichtlich der Identifikation mit der Nationalmannschaft keine signifikanten Gruppenunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Umfrageteilnehmern bestehen. Dies verhält sich bei Bundesligafans anders: Männer identifizieren sich deutlich mehr mit ihrem Lieblingsclub als Frauen. Die Nationalmannschaft erreicht Berufstätige genauso wie Personen ohne Beschäftigung Die Identifikation mit der Nationalmannschaft ist ebenso unabhängig vom Beschäftigungsstatus. Sie erreicht Personen ohne Beschäftigung genauso wie Personen mit Beschäftigung, egal ob Angestellte, Beamte, Freiberufler oder Hausfrauen/-männer. Dieser Zusammenhang gilt auch altersbereinigt für alle Befragten über 25 Jahre. SIGNIFIKANTE UNTERSCHIEDE BEZIEHUNGSSTATUS Die Nationalmannschaft erreicht alle Einkommensklassen gleichermaßen Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass die Identifikation mit der Nationalmannschaft einkommensunabhängig ist. So bestehen im Mittelwertvergleich über alle Einkommensklassen hinweg (500 EUR bis über EUR Nettoverdienst pro Monat) keine signifikanten Unterschiede. Im Gegensatz zur Nationalmannschaft bestehen hinsichtlich der Identifikation mit Bundesligaclubs zwischen Umfrageteilnehmern aus verschiedenen Einkommensgruppen hochsignifikante Unterschiede. Personen aus den untersten Einkommensgruppen (<500 EUR Nettoverdienst pro Monat) identifizieren sich dabei signifikant mehr mit ihrem Lieblingsclub als Personen aus höheren Einkommensgruppen. in einer verheiratet alleinstehend Beziehung mittl. BILDUNGSNIVEAU kein Hauptschul- Promo- Schulabschl. abschl. Reife Abitur Studium tion < ALTER > 50 dt. Staats- ausl. Staats- ausl. Staats- ausl. Staats- bürgersch. bürgersch. bürgersch. < bürgersch. STAATSANGEHÖRIGKEIT UND AUF- <= 5 J. in D. <= 1 J. in D. ENTHALTSDAUER IN DEUTSCHLAND Mio > 1 Mio EINWOHNERZAHL Geringste Geringste Identifikation H Geringste Identifikation < 500 DES HEIMATORTES

25 Vierte Macht im Staat? Die Nationalmannschaft erreicht jeden Winkel der Gesellschaft 27 UF- AND Staats- ersch.. in D. Abb. 17: Identifikation mit der Nationalmannschaft in Abhängigkeit von 1 männlich GESCHLECHT weiblich Die Nationalmannschaft erreicht Ein- genauso wie Mehrpersonenhaushalte Die Befragungsergebnisse zeigen, dass, hinsichtlich der Identifikation mit der Nationalmannschaft, zwischen Ein- und Mehrpersonenhaushalten kein signifikanter Unterschied besteht. Die Nationalmannschaft erreicht Personen aus Einpersonenhaushalten genauso wie Personen aus Haushalten mit zwei, drei, vier, fünf oder mehr Personen. Dagegen beeinflusst die Haushaltsgröße die Identifikation der Fans mit ihren Lieblings-Bundesligaclubs deutlich. Fans aus Einpersonenhaushalten identifizieren sich signifikant mehr mit ihrem Lieblingsclub als Fans aus Mehrpersonenhaushalten HAUSHALTSGRÖSSE 3 Die Nationalmannschaft erreicht Eltern und Kinderlose gleichermaßen Es bestehen keine Unterschiede hinsichtlich der Identifikation mit der Nationalmannschaft zwischen kinderlosen Personen und Eltern. Dabei ergeben sich auch keine Identifikationsunterschiede der Eltern in Abhängigkeit von der Anzahl ihrer Kinder Höchste Höchste Identifikation 00 > 1 Mio io Höchste Identifikation < > 4000 NETTO-MONATSEINKOMMEN ohne Beschäftigung 4 5 und mehr in Beschäftigung und mehr 3 BESCHÄFTIGUNGSSTATUS KINDERZAHL KEINE SIGNIFIKANTEN UNTERSCHIED Die Nationalmannschaft erreicht die Bevölkerung unabhängig von der Größe des Wohnortes Die Identifikation mit der Nationalmannschaft ist flächendeckend über alle Siedlungsgrößen hinweg annähernd gleich ausgeprägt, d.h. die Nationalmannschaft erreicht die Bevölkerung im ländlichen Raum (Heimatort <500 Einwohner) genauso wie die in einer Großstadt (> Einwohner) lebenden Personen. Die Nationalmannschaft erreicht gesellschaftlich wenig engagierte genauso wie sozial vernetzte Personen Die Identifikation mit der Nationalmannschaft ist unabhängig vom persönlichen Engagement in einem Verein oder einer wohltätigen Organisation. Die Nationalmannschaft erreicht damit auch diejenigen, die weniger aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Vereinsfußballspieler bilden hier die Ausnahme, da sie sich erwartungsgemäß stärker mit der Nationalmannschaft identifizieren als andere. Aus der statistischen Analyse der Umfragedaten resultiert zudem, dass Beziehungsstatus, Bildungsniveau, Staatsangehörigkeit und Verweildauer in Deutschland einen signifikanten Einfluss auf die Identifikation der Umfrageteilnehmer mit der Nationalmannschaft ausüben (siehe Abb. 17).

26 28 Oliver Kahn:»Zu Spielen der National mannschaft gehen mittlerweile nicht nur mehr Väter mit ihren Söhnen, sondern auch Mütter mit ihren Töchtern.«Rainer Kalb (Sportjournalist, SID und Buchautor):»Fußball besitzt die Fähigkeit, seine Anhänger zu begeistern. Doch die Nationalmannschaft besitzt darüber hinaus das Potential, das ganze Land zu begeistern.«wolfgang Niersbach:»In der National mann - schaft bündelt sich das Gesamtinteresse aller Fußballfans.«Prof. Dr. Wolfgang Huber:»Ich verwende bei Predigten vor stark durchmischten Kirchengemeinden immer wieder einmal die Nationalmannschaft für Vergleiche. Dabei kann ich mir sicher sein, dass alle Zuhörer, ob jung oder alt, ob Mann oder Frau und egal aus welchem sozialen Milieu, wissen, wovon ich rede.«singles identifizieren sich mehr mit der Nationalmannschaft als Personen in einer festen Beziehung Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Identifikation mit der Nationalmannschaft mit zunehmender Bindung an einen Partner abnimmt. Alleinstehende weisen die höchste, Verheiratete die geringste Identifikation mit der Nationalmannschaft auf. Die Identifikationswerte von Unverheirateten, die aber in einer Beziehung leben, liegen dazwischen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Nationalmannschaft durchaus als»beziehungsersatz«dienen kann. Weniger Gebildete identifizieren sich stärker mit der Nationalmannschaft als Akademiker Die Auswertung zeigt, dass mit steigendem Bildungsniveau die Identifikation mit der Nationalmannschaft sinkt. Die höchsten Identifikationswerte weisen Personen ohne Schulabschluss auf, die geringsten Werte dagegen promovierte Umfrageteilnehmer. Es liegt nahe, dass mit zunehmender Bildung Themen außerhalb des Fußballs an Bedeutung gewinnen. Ausländische Umfrageteilnehmer identifizieren sich stärker mit der Nationalmannschaft als deutsche Die Identifikation mit der Nationalmannschaft ist abhängig von der Staatsangehörigkeit der Befragten. So identifizieren sich ausländische Umfrageteilnehmer stärker mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft als deutsche. Ihr Identifikationswert sinkt, je länger sie bereits in Deutschland ansässig sind, und nähert sich dem Wert von deutschen Staatsbürgern über die Zeit an. Dieser Zusammenhang wird weder durch das Alter noch durch das Bildungsniveau der Befragten signifikant beeinflusst. Im Gegensatz zur Nationalmannschaft ist hinsichtlich der Identifikationswirkung eines Bundesligaclubs zwischen deutschen Staatsangehörigen und ausländischen Umfrageteilnehmern kein Unterschied zu beobachten. Demnach erscheint die Nationalmannschaft aufgrund ihrer Breitenwahrnehmung in der Bevölkerung gerade für ausländische Mitbürger als wichtiger Anknüpfungspunkt für ihre gesellschaftliche Integration.

27 4. Vierte Macht im Staat? Die Nationalmannschaft erreicht jeden Winkel der Gesellschaft 29 Aufgrund ihrer landesweiten Strahlkraft über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg erscheint der Vergleich mit den drei staatlichen Gewalten: der Judikative, der Legislative und der Exekutive gar nicht so abwegig. Häufig wird ja bereits von den öffentlichen Medien als vierte, virtuelle Macht im demokratischen System der Gewaltenteilung gesprochen. Ähnlich wie den Medien könnten der Nationalmannschaft auch eine Sozialisations-, Integrations-, Rekreations-, Gratifikations- und soziale Orientierungsfunktion (siehe Burkart, 2002; Ronneberger, 1971, 1985; Saxer, 1974) und damit durchaus die Legitimität einer vierten Macht im Staat zugesprochen werden. Wolfgang Niersbach:»Der Frauenanteil der Zuschauer bei Länderspielen ist mittlerweile auf 40% angestiegen. Dies liegt nicht nur an den modernen Stadien, sondern sicherlich auch am Auftreten und dem Erscheinungsbild der Nationalmannschaft in der Öffentlichkeit.«Dr. Michael Vesper:»Es überrascht mich nicht, dass die Identifikationskraft der Fußball-Nationalmannschaft für Menschen mit Migrationshintergrund höher ist als für Deutsche. Als gemeinsames Gesprächs - thema bietet sie barrierefreien Zugang zur Gesellschaft.«Jens Mende (Sportjournalist, dpa und Buchautor):»Die Nationalmannschaft müsste noch mehr auf ihre Ausnahmestellung in der Gesellschaft aufmerksam gemacht werden.«oliver Kahn:»Ich hatte 2002 eine starke WM gespielt und sowohl Schröder als auch Stoiber sind damals im Vorfeld der Bundestagswahl nach Yokohama gereist. Stoiber hat damals im Spaß zu mir gesagt, wenn du jetzt Bundeskanzler werden wolltest, würdest du es locker schaffen.«

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29 5. Die»Magie«der Nationalmannschaft generiert sozialen Mehrwert für die Gesellschaft Die»Magie«der Nationalmannschaft generiert sozialen Mehrwert für die Gesellschaft

30 32 Abb. 18: Persönliche Vorbildfunktion der 10 beliebtesten Spieler Toni Kroos Mario Götze Gerald Asamoah Bastian Schweinsteiger Manuel Neuer Oliver Kahn Lothar Matthäus Marco Reus Miroslav Klose Mario Gomez (3,88) (3,48) (3,24) (3,18) (3,17) (3,14) (3,13) (3,13) (3,10) (3,08) Bastian Schweinsteiger:»Es ist ein unheimlicher Stolz, für Deutschland zu spielen. Egal wo du auf der Welt bist, es gibt deutsche Fans. Wenn man an die großen Spieler denkt, die in der Vergangenheit für Deutschland gespielt haben, da möchte man auch einfach dazugehören.«mario Götze:»Der Traum eines jeden Fußballers ist es doch, einmal dort unten auf dem Feld zu stehen und die Nationalhymne zu singen.«axel Balkausky (Sportchef, ARD):»Da die Nationalmannschaft nicht mit hoher Regelmäßigkeit, sondern nur sehr punktuell in Erscheinung tritt, ist und bleibt sie etwas ganz Besonderes.«Per Mertesacker:»Der Mehrwert einer erfolgreichen, sympathischen Nationalmannschaft ist nicht nur für den Fußball, sondern auch für das gesamte Land sehr groß.«christoph Metzelder:»Nationalspieler besitzen nicht nur eine sportliche Verantwortung auf dem Fußballplatz, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung neben dem Platz.«Marco Reus:»Natürlich hat man als Nationalspieler auch eine gewisse Vorbild funktion für manche ist man ein fußballerisches Vorbild für andere in der Art und Weise, wie man sich verhält. Das gehört dazu und dessen bin ich mir auch bewusst.«5. Die»Magie«der Nationalmannschaft generiert sozialen Mehrwert für die Gesellschaft Nicht nur für die einzelnen Spieler sondern auch für das gesamte Land scheint die Nationalelf eine gewisse Magie zu besitzen. Die Nationalmannschaft schafft einen sozialen Mehrwert für die Gesellschaft, indem sie eine persönliche und gesellschaftliche Vorbildfunktion einnimmt, integrierende Wirkung entfacht und für Gemeinschaftserlebnisse der Nation sorgt. 5.1 Die Nationalspieler besitzen Vorbildfunktion: Das Team als Mittler von Werten Die Nationalmannschaft als Ansammlung von Stars besitzt Vorbildcharakter und dient als typischer Mittler von gesellschaftlichen Werten, was durch die Auswertung der Umfrage bestätigt wird. Fast 40% aller Teilnehmer sehen in ihrem Lieblingsnationalspieler ein persönliches Vorbild (Abb. 19); über zwei Drittel (68%) sehen in ihm ein gutes Vorbild für die Gesellschaft (Abb. 21). Hierbei ist interessant zu beobachten, dass die Befragten in ihrem Lieblingsspieler allerdings eher ein Vorbild für andere als für sich selbst sehen. Dieses Phänomen konnte bereits in der Umfrage mit Bundesliga-Fans beobachtet werden (Schmidt/Högele, 2011). Beim Vergleich der Werte wird ein interessanter Unterschied ersichtlich: Während die Lieblingsspieler aus der Bundesliga zu 55% als gesellschaftliches Vorbild gesehen werden, stimmen dieser Aussage im Falle der Nationalspieler sogar zwei Drittel (68%) der Befragten zu (siehe Abb. 21). Nach den Umfrageergebnissen sind die Top-5 der beliebtesten (innerhalb der letzten zwölf Jahre aktiven) Nationalspieler: 1. Miroslav Klose, 2. Bastian Schweinsteiger, 3. Oliver Kahn, 4. Manuel Neuer und 5. Lukas Podolski. Dagegen werden am ehesten Toni Kroos (Durchschnittswert = 3,88 von 5), Mario Götze (3,48) und Gerald Asamoah (3,24) von ihren Fans als persönliches Vorbild gesehen (Abb. 18). Bei der Frage nach der gesellschaftlichen Vorbildfunktion werden Manuel Neuer (4,14), Philipp Lahm (4,12) und Miroslav Klose (4,11) von den eigenen Fans am besten bewertet (siehe Abb. 20). Abb. 19:»Ich sehe meinen Lieblingsspieler als Vorbild für mich an«39 % 14% 25% 26% 17% 18% Zustimmung Stimme überhaupt nicht zu Stimme vollkommen zu

31 5. Die»Magie«der Nationalmannschaft generiert sozialen Mehrwert für die Gesellschaft 33 Abb. 20: Gesellschaftliche Vorbildfunktion der 10 beliebtesten Spieler Manuel Neuer Philipp Lahm Miroslav Klose Gerald Asamoah Toni Kroos Mario Götze Mats Hummels Mario Gomez Marco Reus Bastian Schweinsteiger (4,14) (4,12) (4,11) (4,10) (4,04) (4,03) (4,01) (3,92) (3,92) (3,86) Eine detaillierte Analyse der Kriterien für die Auswahl des Lieblingsspielers zeigt das interessante Ergebnis, dass dem Verhalten der Nationalspieler neben dem Platz eine ebenso hohe Bedeutung wie dem Verhalten und der Leistung des Spielers auf dem Platz beigemessen wird (siehe Abb. 22). Fans eifern den Verhaltensweisen ihrer Idole nach, wodurch bestimmte Werte und Ansichten der Nationalmannschaft an ihre Anhänger vermittelt werden. Vor dem Hintergrund der enormen Popularität und Reichweite der Nationalelf ist hiermit natürlich eine hohe Verantwortung verbunden, die es für die Nationalspieler auch außerhalb des Platzes wahrzunehmen gilt. Zahlreiche aktuelle und ehemalige Nationalspieler wie z.b. Christoph Metzelder, Per Mertesacker, Manuel Neuer oder Philipp Lahm unterhalten eigene Stiftungen und unterstützen karitative Veranstaltungen. Die National mannschaft verpflichtet sich zudem der gesellschaftlichen Verantwortung, einem der Grundwerte des DFB. So unterstützt die National mannschaft regelmäßig die DFL-Stiftung, die Kulturstiftung des DFB, die Sepp-Herberger-Stiftung, die Robert-Enke-Stiftung sowie weitere gemeinnützige Einrichtungen mit Millionenbeträgen aus Benefizspielen. Diese sozialen Aktivitäten der Nationalmannschaft wirken sich auch auf die Spendenbereitschaft der befragten Fans aus. Die Umfrage ergab, dass mit steigender Identifikation der Befragten mit der Nationalmannschaft auch deren Spendenbereitschaft zunimmt. Zudem sind Fans eher bereit, an wohltätige Organisationen zu spenden, wenn die Nationalmannschaft dafür wirbt. Dies gilt erstaunlicherweise auch für Personen, die sich aktuell nicht aktiv für eine gemeinnützige Organisation engagieren. Thomas Müller:»Ich bin mir schon bewusst, dass vor allem viele Kinder und Jugendliche zu mir aufschauen, und dementsprechend muss ich mich auch verhalten. Man sollte sich stets bewusst sein, dass man auch Vorbild für andere ist, aber das macht ja auch Spaß.«Helmut Sandrock:»Die Vorbildfunktion der Spieler ist für sie Segen und Fluch zugleich. Einerseits ist es schön, im Mittelpunkt zu stehen, hohe Anerkennung zu erfahren; andererseits sind mit der öffentlichen Beachtung aber auch eine weitreichende Verantwortung und ein immenser Erwartungsdruck verbunden.«mario Götze:»Es ist schon ein Unterschied, ob man für einen Verein oder für das ganze Land spielt. Bei wichtigen Länderspielen fühlt man natürlich die hohe Erwartungshaltung der ganzen Bevölkerung.«Miroslav Klose:»Mit dem Bundesadler auf der Brust lasten die ganze Verantwortung und all die Erwartungen und Sehnsüchte von zig Millionen Menschen auf deinen Schultern.«Franz Beckenbauer:»Überall auf der Welt schauen Kinder und Jugendliche, wie sich ihre Fußballidole verhalten, was sie so treiben, auch wenn sie nicht auf dem Platz stehen. Sie eifern ihnen nach und übernehmen vieles, ohne groß darüber nachzudenken, Gutes und auch nicht so Gutes.«Horst R. Schmidt:»Die Orientierungsbereitschaft von jungen Leuten an Fußball, großen Sportereignissen und den Spielern ist in letzter Zeit stark gewachsen.«christoph Metzelder:»Ich will meinem Land etwas zurückgeben; daher habe ich meine eigene Stiftung gegründet. Neben der Bekämpfung von Kinderarmut liegt dabei ein Schwerpunkt auf der Förderung von Projekten in den Bereichen Bildung, Ausbildung und Migration.«Per Mertesacker:»2006 habe ich die Per- Mertesacker-Stiftung ins Leben gerufen. Zur Förderung der Integration und sportlichen Ausbildung von sozial benachteiligten Jugendlichen sowie der Unterstützung unverschuldet in Not geratener Menschen versteigere ich regelmäßig Trikots und veranstalte Benefizspiele mit Prominenten.«Manuel Neuer:»Mit der Manuel-Neuer-Kids- Foundation möchte ich mein Glück teilen und meiner sozialen Verantwortung gerecht werden. Ich unterstütze insbesondere notleidende Kinder in der Region Gelsenkirchen und will einen Beitrag leisten, ihnen dadurch neue Perspektiven fürs Leben zu eröffnen.«abb. 21:»Mein Lieblingsspieler ist ein gutes Vorbild für die Gesellschaft«68 % 27% 41% 23% 7% 2% Zustimmung Stimme überhaupt nicht zu Stimme vollkommen zu

32 Die»Inter-Nationalmannschaft«steht für Integration innerhalb der Gesellschaft hoff in der Funktion des Managers der Nationalmannschaft als Schirmherr für den DFB und Mercedes-Benz Integrationspreis. Axel Balkausky (Sportchef, ARD):»Der Fußball ist der größte gesellschaftliche Kitt, der momentan existiert. Es gibt sonst nichts mehr, was in der Gesellschaft so verbindet und zusammenführt wie der Fußball und dabei insbesondere natürlich die Nationalmannschaft.«Cacau:»Deutschland ist ein buntes, weltoffenes Land. Dafür steht unsere Nationalmannschaft, genauso wie viele Mannschaften und Vereine in ganz Deutschland.«(dfb.de) Mesut Özil:»Egal, welchen Hintergrund einer hat, ob Türke oder Tunesier wir bei der Nationalmannschaft sind wie eine kleine Familie. So soll es auch überall in Deutschland sein.«bastian Schweinsteiger:»Beim FC Bayern haben wir auch sehr viele Anhänger, aber polarisieren natürlich. Bei der Nationalmannschaft vereinen wir alle Fußballfans.«Wolfgang Niersbach:»Die Lebensläufe der Nationalspieler sind ein Abbild der Gesellschaft sie zeigen was alles möglich ist.«horst R. Schmidt:»In der Integrations debatte wird oftmals herausgestellt, dass es neben dem DFB kaum eine andere Einrichtung oder Bewegung im Land gibt, die in ähnlicher Weise erfolgreich integrierend auf die Gesellschaft wirkt.«helmut Sandrock:»Fußball besitzt eine enorme integrative Kraft. Er zeigt anschaulich, wie soziale Barrieren überwunden werden können.«die Nationalmannschaft steht als Repräsentant Deutschlands im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und wird häufig als»spiegelbild der Gesellschaft«(Bierhoff) und»vorbild für Integration«(Merkel) bezeichnet. Eine besondere gesellschaftliche Integrationswirkung, die von der Nationalmannschaft ausgeht, wird durch die Ergebnisse der Umfrage bestätigt. Eine deutliche Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, dass die Nationalmannschaft hinsichtlich Personen unterschiedlicher Herkunft oder Kulturen (88% Zustimmung) nicht nur integrationsfördernd wirkt, sondern auch zwischen unterschiedlichen Altersgruppen (75% Zustimmung) und sozialen Schichten (70% Zustimmung) sowie über Glaubensrichtungen (51% Zustimmung) hinweg als verbindendes Element dient (Abb. 23). Besonderen Einsatz in dieser Hinsicht zeigen hierbei Nationalspieler mit Migrationshintergrund wie z.b. Serdar Tasci und Cacau, welche sich als DFB Integrationsbotschafter aktiv für Integrationsbemühungen in Deutschland einsetzen. Ebenso engagiert sich Oliver Bier- 4,33 Verhalten auf dem Platz 5.3. Die Nationalmannschaft als Quelle individuellen und kollektiven Wohlbefindens Im Vergleich zu anderen Sportarten oder Mannschaftswettkämpfen steht gerade bei Spielen der Fußball-Nationalmannschaft neben dem sportlichen Ereignis das Gemeinschaft stiftende Element im Mittelpunkt. So gaben mehr als zwei Drittel der Befragten an, dass sie Fan der Nationalmannschaft sind, weil die Spiele der Nationalmannschaft für sie ein»gesellschaftliches Erlebnis«darstellen (siehe Abb. 14). Durch ein verbindendes, soziodemografisch übergreifendes Event wie das»gemeinschaftserlebnis Nationalmannschaft«wird laut wissenschaftlichen Studien»sozialer Klebstoff«erzeugt (Putnam, 1995), der die Mitglieder einer Gesellschaft zusammenhält. Damit leistet die Nationalmannschaft einen Beitrag zur Schaffung von sogenanntem»sozialkapital«(cox, 1995; Sutton et al., 1997). Die Nationalmannschaft ist offensichtlich in der Lage, ein gesamtgesellschaftliches Mas- Abb. 22: Kriterien für die Auswahl des Lieblingsspielers (Cluster) 4,33 Verhalten neben dem Platz 4,32 Talent/Leistung im Spiel Zustimmung 3,45 Persönlichkeit 2,31 Bezug zu Lieblingsverein Stimme überhaupt nicht zu Stimme vollkommen zu Abb. 23:»Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft trägt zur Integration bei, zwischen Menschen unterschiedlicher «88 % 75 % 70 % 51 % Herkunft/Kulturen Altersgruppen sozialer Schichten Glaubensrichtungen Zustimmung Stimme überhaupt nicht zu Stimme vollkommen zu

33 5. Die»Magie«der Nationalmannschaft generiert sozialen Mehrwert für die Gesellschaft 35 senphänomen hervorzurufen. Sie erreicht insbesondere während EM- und WM-Turnieren auch Personen, die sich ansonsten nicht für Fußball interessieren. So wurde der Gefühlsrausch des»sommermärchens 2006«wohl nicht allein durch das Sportereignis an sich, sondern vor allem durch die gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnisse in der Gruppe ausgelöst. Public Viewing ist nach der WM 2006 in Deutschland auch auf andere Fußballwettbewerbe übertragen worden. Das kollektive Fußballschauen wird mehr denn je zur sozialen Konvention und bildet so den»sozialen Klebstoff«, der für den Bestand der Gesellschaft unerlässlich ist. Dadurch, dass die Fußball-Nationalmannschaft in Deutschland als Aushängeschild und Vertreter der gesamten Nation wahrgenommen wird, erfolgt eine gefühlte Gleichsetzung des Teams mit dem ganzen Land. Aus der Auflösung der Grenzen zwischen Heimatland und Nationalmannschaft ergeben sich Wechselwirkungen zwischen der Team identifikation (»Fan der Mannschaft«) und Patriotismus (»Fan des Landes«, siehe Abb. 25). Damit ruft die Nationalmannschaft insbesondere während EM- und WM-Turnieren einen gesteigerten Fußballpatriotismus in Deutschland hervor (Mutz, 2013; Schediwy, 2012). Die Tragweite der gesellschaftlichen Wirkung der Nationalmannschaft wird durch die Umfrageergebnisse bestätigt. So geben 95% der Umfrageteilnehmer an, dass die Leistung der Nationalmannschaft die Stimmung im Land beeinflussen kann (siehe Abb. 24). Prof. Dr. Wolfgang Huber:»Die Umweltkomplexität hat sich enorm erhöht daher stirbt ein Gespräch über Politik in wenigen Sekunden. Über ein Länderspiel können wir ewig reden. Die Nationalmannschaft dient als gemein - samer Nenner für alle.«wolfgang Niersbach:»Bei den Menschen besteht das Bedürfnis nach einem Gemeinschaftserlebnis. Wenn es um die Nationalmannschaft geht, ist die Nation voll und ganz geeint, denn sie polarisiert nicht.«walter Straten (Sportchef, Bild):»Die Nationalmannschaft ist eines der letzten Lagerfeuer der Nation, um das man gemeinsam zusammen sitzt, welches wärmt und verbindet.«jan Christian Müller (Sportjournalist, Frankfurter Rundschau):»Während der Weltmeisterschaft verfolgen auch diejenigen, die sich sonst nicht für Fußball interessieren, die deutschen Länder - spiele. Das Gemeinschaftserlebnis steht für sie im Mittelpunkt.«Marco Reus:»Die Nationalmannschaft steht unter ständiger Beobachtung, nicht nur unter der der Fans, sondern auch unter der Beobachtung aller Deutschen. Unsere Länderspiele verfolgen auch Menschen, die normalerweise keine Fußball-Fans sind.«jan Christian Müller (Sportjournalist, Frankfurter Rundschau):»Meine Tochter mit 12 Jahren würde niemals zu Hause allein ein Länderspiel verfolgen, aber mit ein paar Freundinnen auf der Fanmeile, da wäre sie sofort dabei. Der Eventcharakter bei Weltmeisterschaften zieht auch die normalerweise nicht fußballinteressierte Masse magisch an.«prof. Dr. Wolfgang Huber:»Wir erleben durch die Nationalmannschaft einen Fußballpatriotismus und keinen Fußballnationalismus, d.h. wir sind stolz auf die eigene Leistung, zeigen aber gleichzeitig Respekt für die Leistung anderer Nationen.«Franz Beckenbauer:»Damals, im WM-Sommer 2006, blühte Deutschland regelrecht auf ein richtiges Gemeinschaftserlebnis im besten Sinne. Auch Menschen, die sich sonst weniger für Fußball begeistern, ließen sich mitreißen. Das ganze Land feierte ein großes Fest.«Axel Balkausky (Sportchef, ARD):»2006 hat bewiesen, dass der Fußball viel Positives bewegen kann, dass wir wieder eine nationale Identität erlebt haben, ohne dass es ins Nationalistische überschlägt und sowohl national als auch international positiv wahrgenommen wurde. Das Bild von Deutschland hat sich seitdem verändert.«jens Mende (Sportjournalist, dpa und Buchautor):»Die WM 2006 war ein Wendepunkt in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Die Nationalmannschaft hat es durch die WM geschafft, den deutschen Nationalstolz wieder herzustellen. Das Verlangen war in der Bevölkerung schon lange da, doch erst Klinsmann hat es wieder salonfähig gemacht.«franz Beckenbauer:»Es gibt Situationen, da beeinflusst das Auftreten unserer Nationalmannschaft, ihre Spielweise und vor allem ihr sportlicher Erfolg die Seele der ganzen Nation.«Jens Mende (Sportjournalist, dpa und Buchautor):»Wenn die Mannschaft erfolgreich ist, hebt das auch die Stimmung im Land.«Abb. 24: Die Leistung der Nationalmannschaft kann die Stimmung im Land beeinflussen Abb. 25: Zusammenhang Identifiaktion mit der Nationalmannschaft - Patriotismus (Selbsteinschätzung) 95 % 62 % 3,06 3,46 3,71 3,91 Ausprägung Patriotismus 4, % 4 % 0,8 % Zustimmung Stimme überhaupt nicht zu Stimme vollkommen zu 0,2 % niedriges Identifikationsniveau hohes Identifikationsniveau 1

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35 6. Durch hohe mediale Reichweite und positives Image generiert die Nationalmannschaft ökonomischen Mehrwert für den deutschen Fußball Durch hohe mediale Reichweite und positives Image generiert die Nationalmannschaft ökonomischen Mehrwert für den deutschen Fußball

36 38 Michael Horeni (Sportjournalist, FAZ und Buchautor):»Insbesondere seit 2006 gab es auf einmal eine veränderte Vorstellung von Fußball. Die Berichterstattung ging über den Platz hinaus, denn die Leute interessieren heutzutage mehr Facetten, wodurch die Berichte vielschichtiger geworden sind. Diese erweiterte Strahlkraft des Fußballs wurde vor allem durch den Beckham-Popstar-Effekt getrieben, das gewachsene Interesse an taktischen Fragen und eine größere kulturelle Bandbreite durch Nationalspieler mit Migrationshintergrund.«Axel Balkausky (Sportchef, ARD):»Ich erwarte auch in Zukunft, dass die Länderspiele und insbesondere Turnierspiele mit Abstand die besten Einschaltquoten des Jahres erzielen werden. Die Lust auf die großen Events ist ungebrochen. Auch Personen, die sich normaler - weise nicht für Fußball interessieren, können sich während großer Turniere kaum der breiten Berichterstattung und der emotionalen Anziehungskraft der Nationalmannschaft entziehen.«oliver Bierhoff:»Die Nationalmannschaft ist die Premiummarke des DFB, eine starke Marke aus einem starken Kern. Unsere Nationalspieler dienen als weltweite Botschafter dieser Marke.«Stefan Hans:»Die Werbekraft unserer Nationalspieler schlägt sich natürlich positiv auf der Einnahmenseite des DFB nieder.«bastian Schweinsteiger:»Nicht nur der sportliche Erfolg der Nationalmannschaft zieht Sponsoren an.«6. Durch hohe mediale Reichweite und positives Image generiert die Nationalmannschaft ökonomischen Mehrwert für den deutschen Fußball Das mit der enormen Identifikationskraft einher gehende öffentliche Interesse an der deutschen Fußball-Nationalmannschaft spiegelt sich in TV-Quoten und TV-Marktanteilen wider. Während WM- und EM-Turnieren erreichen die Spiele der Nationalmannschaft regelmäßig 20 bis 30 Mio. TV-Zuschauer und Marktanteile bis zu 90%; sie stellen damit in der Regel die meistgesehenen TV-Übertragungen des Jahres (siehe Abb. 26). Neben dem klassischen TV-Medium erfreut sich die Nationalmannschaft auch in den neuen sozialen Medien großer Verbreitung. Die Facebook-Seite der Nationalmannschaft besitzt mit 1,8 Mio. Anhängern zehnmal so viele Online-Fans wie die Facebook -Seiten aller (in der letzten Legislaturperiode) im Bundestag vertretenen Parteien zusammen. Vergleicht man den (nach Facebook-Fans) beliebtesten deutschen Nationalspieler Mesut Özil mit der beliebtesten Politikerin Angela Merkel, ergibt sich ein Verhältnis von 32:1. Zugleich verzeichnen die zehn beliebtesten Nationalspieler im August 2013 in Summe etwa 56-mal mehr Facebook-Fans als die, laut ZDF-Politbarometer (08/2013), zehn wichtigsten Politiker des Landes (siehe Abb. 28). Mit ca Fans vereinen die Top- Ten deutscher Bundespolitiker zu sammen weniger Facebook-Fans als Philipp Lahm ( ), der Platz 10 der beliebtesten Nationalspieler belegt. Die hohe Beliebtheit der Nationalmannschaft hängt mit ihrer wahrgenommenen Markenpersönlichkeit zusammen. In unserer Umfrage zeigt sich, dass sich über die letzten zwölf Jahre die Wahrnehmung des Nationalteams sehr positiv entwickelt hat. So verzeichnen die Messwerte der»brand-personality-scale«für»vertrauen und Sicherheit«sowie»Temperament und Leidenschaft«in der Umfrage einen deutlichen Anstieg im Betrachtungszeitraum. Zudem nehmen die Fans die Nationalmannschaft zunehmend als geschlossenes, multikulturelles Team mit einer immer flacher werdenden Hierarchie wahr (siehe Abb. 27). Die sportlichen Leistungen und die positiv wahrgenommene Markenpersönlichkeit in Verbindung mit der enormen Reichweite in klassischen und digitalen Medien bietet natürlich beste Voraussetzungen zur gezielten Positionierung der Nationalmannschaft als exklusive Marke des DFB. Der erfolgreiche Aufbau und die Vermarktung der Nationalmannschaft als Premiummarke wirken sich insbesondere vorteilhaft auf die Einnahmen aus Länderspieltagen, Merchandising und Sponsoring aus. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass in WM- und EM-Turnierjahren natürlich wesentlich höhere Einnahmen als in Jahren ohne Großanlass zu erzielen sind. Jährlich finden im Schnitt etwa fünf Heimund fünf Auswärtsspiele der Nationalmannschaft statt, die in einem Turnierjahr zu Länderspieleinnahmen von insgesamt ca. 60 Mio. EUR führen. Ein bedeutender Anteil dieser Einnahmen wird durch die TV-Übertragungsrechte der Länderspiele durch öffentlich-rechtliche Sender generiert. Heimspieleinnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten (mit einer Preisspanne von 20 EUR bis 100 EUR) tragen zusammen mit den Erlösen aus ca. 800 Hospitality-Paketen ebenfalls zu den Länderspieltagseinnahmen bei. Ein weiterer Teil stammt aus der Vermietung von Bandenwerbung über eine Vermarktungsagentur. Von der Popularität der Nationalmannschaft profitiert auch das Sponsoring. So konnten in den letzten Jahren neben dem DFB-Generalsponsor Mercedes-Benz und dem DFB-Generalausrüster adidas auch neue DFB-Premium-Partner und zahlreiche DFB-Partner für die Nationalmannschaft gewonnen und die Abb. 26: TV-Reichweite der Fußball-Nationalmannschaft (Deutschland) ø 76% ø 23 Mio EM 2000 WM 2002 EM 2004 WM 2006 EM 2008 WM 2010 Marktanteil bei Turnieren in % EM 2012 EM 2000 WM 2002 EM 2004 WM 2006 EM 2008 WM 2010 TV-Quoten bei Turnieren in Mio. EM 2012

37 6. Durch hohe mediale Reichweite und positives Image generiert die Nationalmannschaft ökonomischen Mehrwert für den deutschen Fußball 39 Abb. 27: Positive Entwicklung der Markenpersönlichkeit (retrospektive Betrachtung) 1 5 Geschlossenes Team 2,70 Multikultureller Hintergrund 1,95 4,60 4,30 Vertrauen und Sicherheit (gebündelter Faktor) 2,97 4,14 Temperament und Leidenschaft (gebündelter Faktor) Steile Hierarchie 2,59 2,55 3, ,88 Sponsoringerlöse des DFB über die letzten zehn Jahre deutlich gesteigert werden. Dabei liegt die Vermutung nahe, dass die Nationalmannschaft einen großen Anteil an den Zuwächsen im Sponsoring hat. Eine weitere, durch die hohe Reichweite und das positive Image der Nationalmannschaft direkt beeinflusste Einnahmenkategorie bildet das Merchandising. Neben den Einnahmen aus verkauften Merchandisingprodukten der Nationalmannschaft werden Lizenzen an Dritte vergeben und dadurch ebenfalls finanzielle Rückflüsse generiert. Aktuell vertreiben diese Lizenznehmer zusammen über 300 zugelassene Nationalmannschafts-Produkte. Unabhängig von den Popularitätswerten kommen schließlich Einnahmen aus den Teilnahmen an Welt- und Europameister- schaften der Nationalmannschaftskasse zu Gute. Die in Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg gezahlten Prämien lagen bei den letzten Turnieren im Schnitt bei etwa 12,5 Mio. EUR. So resultierte bei der WM 2006 ein Überschuss von ca. 7,0 Mio. EUR, bei der EM 2008 von 6,5 Mio. EUR, bei der WM 2010 von ca. 3,8 Mio. EUR und bei der EM 2012 von ca. 4,0 Mio. EUR für die Nationalmannschaft. Erzielte Netto-Turnierüberschüsse der Nationalmannschaft fließen laut Beschluss des DFB-Präsidiums jeweils zur Hälfte an den DFB und an die DFL. Dies setzt jedoch voraus, dass die Nationalmannschaft vordere Platzierungen bei den Endturnieren erreicht. Aufgrund der begrenzten zeitlichen Verfügbarkeit der Nationalspieler, die durch vielfältige Verpflichtungen ihrer privaten und clubeigenen Sponsoren bereits stark ausgelastet sind, erscheint es allerdings äußerst schwierig, die Nationalmannschaftseinnahmen kontinuierlich zu steigern. Hinzu kommen begrenzte zusätzliche Werbemöglichkeiten, da bestehende Sponsorenverträge die verfügbaren Werbeplattformen bereits weitgehend beanspruchen. Steigerungsmöglichkeiten bestehen indes in der Ausschreibung bei der Neuvergabe bestehender Werberechte (wie z.b. für die derzeit laufende Bandenvermarktung) für Nationalmannschaftsspiele. Die erzielten Überschüsse werden vom DFB mehrheitlich in die professionelle Nachwuchsförderung, zur Unterstützung von Landesverbänden, zur Errichtung neuer Infrastruktur, zur Förderung des Amateur- und Frauenfußballs sowie zur Unterstützung von sozialen und gesellschaftspolitischen Aktivitäten verwendet. Somit profitiert letztendlich auch der Hobbyfußballer vom positiven Image und der professionellen Vermarktung der Nationalmannschaft. 10,8 Mio. Denni Strich:»Die Nationalmannschaft ist die finanzielle Lokomotive des DFB. Der größte Teil der Überschüsse geht an die Basis und kommt Jugendmannschaften, dem Amateurbereich und Frauenteams zu Gute.«Wolfgang Niersbach:»Die Nationalmannschaft ist und war für den DFB auch immer wirtschaftlicher Motor nur dadurch ist eine deutschlandweite Talentförderung ohne öffentliche Mittel möglich.«horst R. Schmidt:»Die Nationalmannschaft trägt einen enormen Teil zum Finanzhaushalt des DFB bei. Mit den generierten Geldern können vielfältige gemeinnützige Aktivitäten des Verbandes gefördert werden.«denni Strich:»Die Vermarktung der Nationalmannschaft ist nicht unendlich skalierbar. Wir haben die Spieler ja nicht ständig um uns herum, sondern nur innerhalb ganz enger Zeitfenster, und hier stehen natürlich die sportlichen Aspekte im Vordergrund. Bei der Umsetzung von Marketing - Maßnahmen haben wir immer auch die Interessen der Vereine sowie individuelle Werbeverträge der Spieler im Blick.«Abb. 28: Vergleich der Facebook-Fans = Fans 25,6 Mio. x 56 x 10 x 32 1,8 Mio. 180 Tsd. 336 Tsd. 460 Tsd.

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39 7. Dauerhafte Wettbewerbsvorteile der Nationalmannschaft sind nur durch rechtzeitige Anpassung der Erfolgsrezepte möglich Dauerhafte Wettbewerbsvorteile der Nationalmannschaft sind nur durch rechtzeitige Anpassung der Erfolgsrezepte möglich

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41 7. Dauerhafte Wettbewerbsvorteile der Nationalmannschaft sind nur durch rechtzeitige Anpassung der Erfolgsrezepte möglich Dauerhafte Wettbewerbsvorteile der Nationalmannschaft sind nur durch rechtzeitige Anpassung der Erfolgsrezepte möglich 7.1. Beherrschung von»ambidextrie«so positiv die sportliche Entwicklung der Nationalmannschaft in den letzten Jahren auch gewesen sein mag, so liegt der letzte Titelgewinn bei einer EM 17 Jahre und bei einer WM doch schon 23 Jahre zurück. Daher stellt sich die Frage, wie die für einen Titel»entscheidenden Prozentpunkte«(Bierhoff) noch aus der Mannschaft herausgeholt werden können. Hier zeigt sich die Kehrseite der Stabilisierung der Leistungsfähigkeit nach den radikalen Veränderungen unter Klinsmann. Analog zu Unternehmen, die lange Zeit in der Stabilisierungsphase verharren, stellt sich auch für das Team Nationalmannschaft die Frage, wie und welche Impulse für weitere Leistungssteigerungen gesetzt werden können. Ein Blick in die Unternehmenspraxis könnte hilfreiche Anregungen für eine weitere Leistungsoptimierung innerhalb einer evolutio nären Entwicklungsphase liefern. So ist aus der Wirtschaftspraxis bekannt, dass erfolgreiche Hochleistungsorganisationen durchaus in der Lage sind, gleichzeitig evolutionäre und revolutionäre Prozesse auf unterschiedlichen Handlungsebenen zu managen. Die sogenannte Ambidextrie bzw.»beidhändigkeit«ermöglicht Organisationen, die Ausnutzung vorhandener Ressourcen (Exploitation) mit der Entwicklung neuer Ressourcen (Exploration) in Einklang zu bringen, um nachhaltig flexibel, anpassungsfähig und damit erfolgreich agieren zu können (Raisch/ Birkinshaw, 2008; O Reilly/Tushman, 2008). Die grundlegende Herausforderung in diesem Zusammenhang besteht darin, genügend Ressourcen in die Bewältigung und Optimierung laufender Prozesse zu investieren, jedoch gleichzeitig auch ausreichend Energie in neuartige, zukunftsweisende Entwicklungsprojekte zu stecken (Tushman/Smith, 2002; Benner/Tushman, 2003; Gibson/Birkinshaw, 2004; Tushman et al., 2010). Insbesondere in erfolgreichen Phasen ist es allerdings schwierig, die Notwendigkeit radikaler Neuerungen zu begründen. Ungeachtet dessen spielt Ambidextrie auch für die Weiterentwicklung der Nationalmannschaft im derzeitigen Stadium eine maßgebende Rolle. Dem ökonomischen Gesetz des abnehmenden Grenznutzens zurfolge wird es mit der Zeit auch für das Team Nationalmannschaft immer aufwändiger, weitere Verbesserungen im System zu erzielen. Es geht darum, die unter Löw eingeleiteten evolutionären Verbesserungsaktivitäten mit revolutionären Ansätzen zu verbinden, um einen weiteren Innovations- und Leistungssprung zu ermöglichen. Um revolutionäre Impulse zu setzen, könnten beispielsweise Experten mit den Eigenschaften eines Querdenkers wie z.b. Wolfgang Holzhäuser, Horst Hrubesch oder Jürgen Klinsmann herangezogen und zumindest zeitlich begrenzt ins Team Nationalmannschaft integriert werden. Unkonventionelles»out-ofthe-box«-Denken könnte neue Impulse verleihen und einen Sprung auf die nächsthöhere Entwicklungskurve ermöglichen. Zudem könnte analog zur Wirtschaftspraxis innerhalb des Führungsteams bewusst die Rolle eines»advocatus Diaboli«(Anwalt des Teufels) vergeben werden, um positive Spannungen zu erzeugen und damit ein stärkeres Hinterfragen von Entscheidungen mit dem Zweck der Qualitätssteigerung zu bewirken. Eine solche Rolle wird häufig externen Experten auf Zeit übertragen, da sie im Vergleich zu Internen einen objektiveren Standpunkt vertreten und losgelöst von politischen Zwängen agieren können (Yukl, 2009; Bollinger, 2010). Die Hinzunahme eines Querdenkers bezweckt natürlich nicht, die Nationalmannschaft wieder in eine Phase radikalen Wandels mit zumindest kurzfristigem Leistungseinbruch zu überführen. Dies wäre mit Blick auf das derzeitige Leistungsniveau und die im nächsten Jahr anstehende WM sicher nicht zielführend. Vielmehr sollten analog zum Innovationsmanagement (S-Kurven-Theorie, Kaizen-Kaikaku-Konzept) Innovationssprünge in die Entwicklung eingebettet werden, die einem Schumpertschen Verständnis von»kreativer Zerstörung«bewährter Routinen gleichen (Schumpeter, 2006). Diese Sprünge münden dann wiederum in einen evolutionären Verbesserungsprozess. Eine solche Integration von evolutionären und revolutionären Maßnahmen setzt jedoch ein hohes Maß an Offenheit und die Bereitschaft des Führungsteams voraus, sich ständig selbst zu hinterfragen und teilweise auch neu zu erfinden. Helmut Sandrock:»Für Erfolg gibt es keinen Ersatz und das muss jeden Tag neu erarbeitet werden. Nur wer sich ständig hinterfragt, wer Herausforderungen konsequent als Chance zur Verbesserung ansieht, der bestimmt in der Regel seinen Weg selbst und ist nachhaltig erfolgreich.«oliver Bierhoff:»Schlimm wäre ein Ausruhen auf Erfolgswerten oder wenn jetzt ein Sicherheitsdenken à la wir machen jetzt erst einmal langsam und keinen Schritt zu viel einsetzen würde. Die Entwicklung darf nicht wieder einschlafen. Wir dürfen nicht selbstzufrieden sein.«rainer Franzke (Chefredakteur, Kicker):»Klinsmann und Löw profitierten hauptsächlich von früheren Entscheidungen. Denn viele Dinge wie das Talentförderprogramm und die Leistungszentren wurden bereits nach dem Desaster von 2000 gesät und trugen erst später Früchte.«Dieter Gruschwitz (Sportchef, ZDF):»Dank Löw läuft in der Nationalmannschaft momentan alles sehr harmonisch. Es wird aber in naher Zukunft wieder eine Phase notwendig sein, wo gezielt Reize gesetzt werden müssen.«andreas Rettig:»Bisher folgten Krisen im deutschen Fußball oftmals auf vorausgegangene Euphoriephasen. Deshalb dürfen wir uns keinesfalls auf dem hohen Leistungsniveau der Nationalspieler und den aktuellen Erfolgen der Bundesligamannschaften ausruhen. Dies soll vielmehr Anlass zum Nachdenken sein, wie wir auch in den kommenden Jahren Maßstäbe in der Talentförderung setzen können.«michael Horeni (Sportjournalist, FAZ und Buchautor):»Zu Beginn der Ära Klinsmann war der deutsche Fußball sehr konservativ ausgerichtet. Die Veränderungen von Klinsmann sind mittlerweile angekommen und verstetigt worden. Unter Löw wird es nun wieder konservativer; auch die Strukturen und Personen sind noch identisch mit der aus der Phase Klinsmann, deshalb bedarf es wieder frischer Impulse.«

42 44 Oliver Kahn:»Ich selbst habe ja keine Förderoder Ausbildungszentren durchlaufen, sondern Vieles beim Fußballspielen auf der Straße, auf dem Schulhof und in Freizeitmannschaften mit meinen Freunden gelernt. Heute haben junge Spieler gar nicht mehr die Chance dazu, solche unterschiedlichen Erfahrungen zu machen.«michael Horeni (Sportjournalist, FAZ und Buchautor):»Die systematische Ausbildung führt dazu, dass die Fußballer mit Ecken und Kanten auf der Strecke bleiben, weil wir so viele gute Talente haben, die sich einfacher einfügen lassen, weniger Reibung erzeugen und am Ende des Tages viel besser funktionieren. Als Paradebeispiel gelten die Brüder Boateng: Kevin Boateng ist im deutschen Fußball gescheitert, weil er Ecken und Kanten hatte, aber er verkörpert eine Mentalität, die der deutschen Mannschaft in schwierigen Situationen fehlt bzw. gut tun würde. In schwierigen Situationen sind, um erfolgreich zu sein, oft auch unkonventionelle Ideen oder eine andere Form von Persönlichkeit gefragt, z.b. die Durchsetzungsfähigkeit gegen alle Widerstände.«Jens Mende (Sportjournalist, dpa und Buchautor):»Die Fähigkeit, sich in brenzligen Situationen wehren zu können, geht der Nationalmannschaft zu oft ab.«walter Straten (Sportchef, Bild):»Das ist eine Super-Generation aber es fehlt irgendwas. Das Spiel gegen Schweden war zum Beispiel so ein symbolhaftes Erlebnis. Bis 4:2 haben wir uns keine Sorgen gemacht, aber dann hätte der Impuls kommen und das Spiel so richtig abgezockt über die Bühne gebracht werden müssen.«7.2. Bewusstes Management der Homogenität/Heterogenität innerhalb der Mannschaft Offensichtlich haben sich über die letzten 14 Jahre die Nationalspieler hinsichtlich ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie ihrer Persönlichkeitsmerkmale angeglichen und damit die Homogenität der Mannschaft erhöht. Die analogen Ausbildungswege und die gemeinsame Turniererfahrung der Nationalspieler lässt zudem eine gestiegene Homogenität in den Persönlichkeitseigenschaften der Nationalspieler vermuten. Durch die gleichartige Sozialisation in den Förderzentren und U-Mannschaften liegt die Vermutung nahe, dass sich auch die Persönlichkeitsentwicklung der Spieler entsprechend angenähert hat. Wie die betriebswirtschaftliche Praxis zeigt, bringt jedoch ein hoher Grad an Homogenität neben zahlreichen Vorteilen (u.a. hohe Beziehungsdichte, geringere Belastungs-, Spannungs- und Angstgefühle, hohe Kommunikationseffizienz) auch Nachteile mit sich. So kann die zu stark ausgeprägte Homogenität einer Gruppe zwar eine harmonisierende Identitätsbildung fördern, aber zugleich insbesondere die Kreativität, Wachsamkeit und Informationsverarbeitung eines Teams einschränken (Lehmann, 2003; Wegge, 2001). Darüber hinaus kann ein hohes Maß an Homogenität die Teamdynamik reduzieren und das»gruppendenken«fördern (Janis, 1982), was sich in bestimmten Fällen negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirken kann (Thomas, 1999). Als Folge werden neue Impulse verhindert und vorherrschende Denkmuster sowie verwendete Methoden nicht mehr ausreichend hinterfragt. Zwar ist der Zusammenhang zwischen Homogenität/Heterogenität eines Teams und seiner Leistung in der empirischen Forschung nicht eindeutig belegt, sondern jeweils von der Komplexität der untersuchten Aufgabenstellung abhängig. Allerdings hat sich in zahlreichen Studien gezeigt, dass sich insbesondere die Leistung von heterogenen Teams bei komplexen Aufgabenstellungen erhöht (Higgs et al., 2005; Jones, 2012; Stapelton, 2007; Watson et al., 1993). Sicherlich hat sich die Komplexität des professionellen Fußballspiels in den letzten Jahren stark erhöht: ein Spieler muss heute in der Lage sein, sein Positionsspiel unmittelbar wechselnden Spielsystemen anzupassen und sowohl offensiv als auch defensiv zu agieren, was mitunter hohe Anforderungen an die kognitiven Fähigkeiten der Spieler stellt. In einer heterogenen Teamzusammensetzung kann daher das Risiko des»gruppendenkens«vermindert und die individuelle Kreativität gesteigert werden. Von daher erscheint es prüfenswert, inwieweit sich die Hinzunahme von Spielern, die vom derzeitigen Team gerade in punkto Persönlichkeitseigenschaften abweichen, lohnen könnte. Bei der Entscheidung der Nachwuchstrainer, wer in den U-Mannschaften verbleibt bzw. hinzugenommen oder verabschiedet wird, spielen trotz systematischer Kriterien natürlich immer auch subjektive Empfindungen der Entscheider eine Rolle. Wie aus der Psychologie bekannt ist, tendieren Entscheider gemäß dem»similar-to-me-effekt«häufig dazu, Leute auszuwählen, die ihnen selbst in der Persönlichkeitsstruktur oder vergangenen Erfolgsprofilen gleichen (Howard/Ferris, 1996). Zudem werden gemäß dem»status quo bias«(kahneman et al., 1991) Spieler,

43 7. Dauerhafte Wettbewerbsvorteile der Nationalmannschaft sind nur durch rechtzeitige Anpassung der Erfolgsrezepte möglich 45 die von einem bestimmten Trainer einmal als förderfähig bewertet wurden, zu einem späteren Zeitpunkt tendenziell weniger kritisch beurteilt. Im Endeffekt fördert beides natürlich wieder die Auswahl gleichförmiger Spieler in den Förder- und Leistungszentren. Im Blick auf diese Entwicklung sollte daher bedacht werden, dass Diversität in den Persönlichkeitseigenschaften der Spieler die Kreativität, Wachsamkeit sowie Informations verarbeitung im Team steigern kann. Dieser Einfluss hat sich bei der Nationalmannschaft bereits durch Einbezug von Spielern mit Migrationshintergrund bestätigt. Während der EM-Kader von 2000 mit Mehmet Scholl, Darius Wosz und Paolo Rink lediglich drei Spieler mit Migrationshintergrund aufwies, fuhr Joachim Löw mit elf Spielern mit Migrationshintergrund zur WM 2010 nach Südafrika. Von dieser Diversität innerhalb der Mannschaft hat das Spiel der Deutschen sicherlich profitiert. Um die Heterogenität der Nationalmannschaft gerade in Bezug auf die Persönlichkeitseigenschaften der Spieler gezielt zu erhöhen, könnte es sinnvoll sein, verstärkt psychologische Kriterien in die Auswahlentscheidungen der Förderzentren einzubeziehen. Analog zu Personalauswahlent- scheidungen in Unternehmen könnten z.b. Persönlichkeitstests wie etwa der BIP-6F zur Ermittlung der Persönlichkeitsmerkmale Engagement, Disziplin, Dominanz, Stabilität, Kooperation und Sozialkompetenz (Hossiep/Krüger, 2012) an die spezifischen Bedürfnisse des Fußballs angepasst und eingesetzt werden. Neue Instrumente wie der»footbonaut«ermöglichen es zudem, die kognitive Leistungsfähigkeit eines Spielers systematisch zu messen und zu trainieren. Neben einer breiteren Abstützung und Verbesserung der Qualität von Auswahlentscheidungen würden solche Erhebungen im Längsschnitt schließlich ermöglichen, den Zusammenhang zwischen psychologischen Kriterien und sportlichem Erfolg zu ergründen. Auf dieser Basis ließe sich, sofern eine vergleichbare sportliche Qualität der Spieler vorhanden ist, dann auch eine gewünschte Diversität in den Persönlichkeitsprofilen der Elitekicker durch Vorgaben an die Förderzentren herstellen. Zudem könnte die Erkenntnis aus dem Innovationsmanagement helfen, dass Entscheidungsgremien mit unvoreingenommenen Personen helfen, subjektive Perspektiven zu hinterfragen und die Qualität der Entscheidungen zu verbessern. Best-Practice-Firmen beteiligen an ihren Rekrutierungs- bzw. Personalent wicklungsprozessen Personen mit diversen fachlichen Hintergründen und beziehen gezielt externe Experten in ihre Entscheidungsgremien mit ein. Dementsprechend könnten unabhängige Personalexperten, Sozialpädagogen oder auch Trainer, die die Nachwuchskicker nicht aus dem Trainingsbetrieb kennen, in die Beurteilung und Nominierung von Kandidaten in die U-Mannschaften einbezogen werden. Oliver Kahn:»Die Nationalmannschaft spielt auf einem extrem hohen Niveau. Auch wenn sich alle Nationalspieler im Qualitätsniveau angenähert haben, braucht es trotzdem immer noch den ganz besonderen Spieler wie einen Messi, Robben oder Ribéry, der durch einen Geniestreich den Weg zu einem Titelgewinn ebnen kann.«christoph Metzelder:»Es wäre schade, wenn die Instinktfußballer in Zukunft aus den Leistungszentren verschwinden. Die Spieler, die den Unterschied machen, bauen auf Ihr Bauchgefühl. Im normalen Leben scheitern sie damit aber auch häufig.«günter Netzer:»Natürlich beeinflusst die Homogenität die Leistungsfähigkeit ab einem gewissen Grad negativ. Die Fußballwelt ist einmal nicht rosarot. Reibereien in der Gruppe sind, wenn sie intern geführt werden, durchaus wünschenswert.«helmut Sandrock:»Die systematische Erhebung, Auswertung und Entwicklung von Persönlichkeitsmerkmalen der Spieler wird neben der sportlichen Ausbildung immer wichtiger.«dieter Gruschwitz (Sportchef, ZDF):»Der DFB sollte bis zum Schluss, bewusst und systematisch, unterschiedliche Charaktere fördern. In der Spitze können dann zwar aufgrund der individuellen Vorstellungen des jeweiligen Bundestrainers gewisse Typen rausfallen, aber bis dahin sollte der DFB im Sinne einer gewissen Flexibilität und breiten Auswahl nicht nur eindimensional denken, sondern Vielfalt fördern.«axel Balkausky (Sportchef, ARD):»Es ist denkbar, dass sich ergänzend auch Psychologen die Spieler und eine Mannschaft anschauen und bei der Bewertung unterstützen. Die Auswahlteams könnten dadurch erweitert werden; und zwar nicht nur punktuell sondern durch flächendeckendende Integration solcher Experten in den Auswahlprozess.«

44 46 Lars Wallrodt (Fußballchef, Die Welt):»Weil es in der digitalen Welt keine Platzbegrenzung mehr gibt, ist die Berichterstattung deutlich differenzierter und quantitativ umfang - reicher geworden. Früher gab es für ein Länderspiel eine Seite mit Aufmacher, Randnotiz und Einzelkritik, dann war diese voll. Heutzutage gibt es im Internet keine Begrenzung mehr, jede Geschichte findet ihren Platz.«Jens Grittner:»Das Interesse der Medien an Themen rund um die Nationalmannschaft ist in den letzten Jahren enorm angestiegen. Um diese Nachfrage an sehr wenigen Terminen professionell bedienen zu können, ist eine systematische Planung der Pressearbeit unerlässlich.«dr. Michael Ilgner:»Die enorme Reichweite des Fußballs und insbesondere der Nationalmannschaft bringt aufgrund der breiten Massenwirksamkeit auch eine immer größere gesellschaftspolitische Verantwortung mit sich.«uli Voigt:»Nicht nur in den klassischen Medien wie Print oder TV, sondern vor allem im Onlinebereich beobachten wir ein zunehmendes Interesse an der Berichterstattung über die Fußball-Nationalmannschaft.«Bernd Daubenmerkl:»Heute sind Personenkult und Selbstvermarktung bei den Spielern sehr ausgeprägt. Es ist ein Hauen und Stechen um Aufmerksamkeit. Hierzu tragen die neuen Medien natürlich maßgeblich bei.«stefan Merx (Sportbusiness Journalist, Handelsblatt, WStJ):»Das Medieninteresse wird immer größer. Bei der WM 2010 fand ich es schon erstaunlich, dass sogar einzelne Wortfetzen von Reservespielern wie eine Sensation verkauft wurden.«wolfgang Niersbach:»Man darf den Fußball nicht überfordern er ist kein Allheilmittel, kann auch keine Probleme lösen, die die Politik nicht löst.«dr. Michael Vesper:»Wie auch viele andere Gruppierungen sucht die Politik die Bühne des Sports. Der Fußball muss dabei nur aufpassen, dass er nicht missbraucht wird.«helmut Sandrock:»Fußball kann zwar Vieles erreichen, aber wir sind auch nicht der universelle Reparaturbetrieb der Gesellschaft.«7.3. Bewusster Umgang mit gestiegener wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verantwortung Unter Jürgen Klinsmann wurde der Posten des Managers der Nationalmannschaft geschaffen sowie die Ausgliederung der zentralen Einheit»Team Nationalmannschaft«vorgenommen. In dieser Konstellation agiert das Team um Oliver Bierhoff (Manager der Nationalmannschaft) und Georg Behlau (Leiter des»büro National mannschaft«) seitdem mit zwei weiteren festen Mitarbeitern. Diese Einheit koordiniert und managt mit Rückgriff auf DFB-Direktionen alle organisatorischen, finanziellen und vermarktungstechnischen Angelegenheiten inklusive TV-Verträgen, Sponsorenbeziehungen und Turnierreisen für die Nationalmannschaft. Daneben sorgt sich das Team zusammen mit der Direktion Kommunikation um das externe Stakeholder-Management. Da sich eine Mehrheit der Deutschen am Verhalten und Auftreten der Nationalmannschaft orientiert, vorgelebte Werte übernimmt und Verhaltensweisen nachahmt, tragen die Nationalspieler eine große gesellschaftliche Verantwortung. Dies erfordert sowohl das Bewusstsein der enormen Tragweite des eigenen Verhaltens als auch einen verantwortungsvollen Umgang damit. Die neuen Medien führen zu einer nie da gewesenen individuellen medialen Reichweite der Nationalspieler. Dies birgt auch zahlreiche Risiken in sich, die aktiv gemanagt werden müssen. Allerdings ist dieses Risikomanagement ohne Durchgriffsrecht auf die Nationalspieler, die kein Arbeitsverhältnis mit dem DFB haben, nur begrenzt möglich und stellt hohe Anforderungen an die Kommunikation. Zudem erscheint es sinnvoll, bewusst die Grenzen der Positionierung der Nationalmannschaft zu setzen und lediglich Themen zu vertreten, die glaubwürdig im Zusammenhang mit Fußball stehen wie z.b. Fairplay, Toleranz oder Integration.

45 7. Dauerhafte Wettbewerbsvorteile der Nationalmannschaft sind nur durch rechtzeitige Anpassung der Erfolgsrezepte möglich 47 Die organisatorische Aufstellung des Teams Nationalmannschaft und deren Ressourcenausstattung wurde seit 2006 nicht strukturell an die gestiegenen Anforderungen in der Vermarktung und an die professionelle Kommunikation nach außen angepasst. In Anbetracht des herausragenden Stellenwerts der Einheit Nationalmannschaft innerhalb des DFB stellt der Ausbau dieser Einheit bzw. die Stärkung der in Anspruch genommenen DFB-Direktionen einen gangbaren Weg zur Übernahme vermehrter gesellschaftlicher Verantwortung sowie zur weiteren Steigerung der Einnahmen durch die Nationalmannschaft dar, von welcher in erster Linie der DFB mit all seinen Aktivitäten (und damit der Amateursport) profitieren würde.

46 48 Ausblick

47 Ausblick 49 Ausblick Die vorliegende Untersuchung konnte die Bedeutung von inkrementellen und radikalen Veränderungen für den Erfolg der Nationalmannschaft aufzeigen. Da die Nationalmannschaft untrennbar mit dem DFB verbunden ist, bestehen natürlich vielfältige Wechselwirkungen. Einerseits ist die Nationalmannschaft abhängig von der Nachwuchsförderung des DFB, andererseits profitiert der Mutterverband von den sportlichen und ökonomischen Erfolgen der Nationalmannschaft. Der letzte radikale Strukturwandel des DFB liegt bereits über eine Dekade zurück. Seit der einschneidenden Reform des Nachwuchsbereichs nach der WM 1998 und der Einführung des bundesweiten Talentprogramms nach der EM 2000 ist es zu keiner vergleichbaren Veränderung mehr innerhalb des DFB gekommen. In der Zwischenzeit haben andere Nationen längst begonnen, die Erfolgsrezepte der Deutschen in der Nachwuchsförderung zu kopieren und weiterzuentwickeln. Mit Blick auf das jüngste Ausscheiden der U21-Nationalmannschaft bei der EM in Israel, sowie das mehrmalige Scheitern der U19 in vergangenen EM-Qualifikationen, drohen andere Nationen wieder an Deutschland vorbeizuziehen. So gilt es auch für den DFB als»talentlieferant«der Nationalmannschaft, Herausforderungen der Ambidextrie zu bewältigen und gleichzeitiges»säen«und»ernten«zu realisieren. Erste Anzeichen in diese Richtung sind bereits zu vernehmen. So wird 2014 z.b. die Anzahl der Honorartrainer von auf aufgestockt; gleichzeitig werden freiwillige Nachwuchsleistungszentren der 3. und 4. Liga verstärkt finanziell unterstützt (7,6 Mio. EUR bis 2016). Solche Maßnahmen entsprechen allerdings eher Verbesserungen des bestehenden Systems. Deshalb stellt sich die Frage, ob der DFB nicht auch strukturelle Schritte einleiten sollte, um die zukünftige internationale Wettbewerbsfähigkeit seines Nachwuchses sicherzustellen, ohne eine vorausgegangene Krise bewältigen zu müssen. Ein sinnvoller Schritt könnte z.b. in der viel diskutierten Errichtung eines nationalen Leistungszentrums bestehen. Um damit allerdings einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen und nicht nur dem Beispiel anderer Nationen wie Frankreich (Clairefontaine), Holland (KNVB Academy), Italien (Coverciano) oder England (St. Patrick) zu folgen, müsste neues Terrain betreten werden. Vor diesem Hintergrund erscheint die Idee plausibel, ein nationales Leistungszentrum zu errichten und als zentrale Plattform für einen vermehrten Austausch zwischen allen DFB-Auswahlmannschaften, Trainern, Medizinern, Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und Scouts zu nutzen. Diese Plattform könnte dann einerseits zum Transfer von Wissen in die Vereine an der Basis dienen, andererseits aber auch zum internationalen Erfahrungsaustausch mit weltweit erfolgreichen Mannschaften (auch anderer Disziplinen) genutzt werden. In einem neu errichteten Zentrum könnten zudem Labore und Messstationen zur Persönlichkeitsdiagnostik der Spieler beheimatet sein und damit wichtige Leistungs- und Persönlichkeitsdaten regelmäßig und einheitlich erhoben, aggregiert und ausgewertet werden. Erfolgskritisch erscheint für den Aufbau eines solchen nationalen Leistungszentrums allerdings die enge Verzahnung mit den Nachwuchsleistungszentren der Bundesligaclubs, wo die Nachwuchsfußballer zeitlich einen Großteil ihrer Förderung erfahren. Nur wenn es gelingt, das Zusammenspiel zwischen nationaler Förderung der U-Mannschaften und lokaler Ausbildung durch die Bundesligaclubs synergetisch zu gestalten und übergreifende Aufgaben (Datenerfassung, Analyse, Benchmarking, etc.) zu zentralisieren, die für ein einzelnes Nachwuchsleistungszentrum zu aufwendig oder isoliert nicht sinnvoll erscheinen, kann ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Nationen erzielt werden. Ferner könnte die Errichtung eines solchen nationalen Leistungszentrums mit einer Strukturreform des DFB verbunden werden. Sie könnte zum Anlass genommen werden, bestehende Organisationsstrukturen, Prozesse und Verantwortlichkeiten zwischen Nationalmannschaft und DFB-Direktionen, zwischen Sportdirektor und Bundestrainer und ggf. sogar zwischen DFB und DFL zu hinterfragen und nach dem Prinzip»Wir sind Nationalmannschaft«neu auszurichten. Helmut Sandrock:»Der Beschluss zum Bau eines nationalen Leistungszentrums wäre eine strategisch weitreichende Entscheidung für den DFB und muss daher wohl abgewogen sein. Grundsätzlich stehe ich dem Projekt positiv gegenüber.«christian Seifert:»Das Kompetenzzentrum läuft auf eine weitere Verzahnung der Nationalmannschaft und der Bundesliga hinaus. Das muss das Leistungszentrum des deutschen Fußballs werden.«günter Netzer:»Ein nationales Leistungs - zentrum ist absolut zeitgemäß und entspricht den aktuellen internationalen Anforderungen. Man muss sich dann weniger Angst um die Zukunft machen, denn es macht die Arbeit berechenbarer, wenn Kompetenzen zentral gebündelt werden. Nie vergessen darf man, dass wir in Deutschland eine einzigartige Konstruktion der Sportschulen haben.«rainer Franzke (Chefredakteur, Kicker):»Ein nationales Leistungszentrum macht nur Sinn, wenn dort dann auch alle Bereiche und verant - wortlichen Personen zusammengezogen werden. Dies muss die Zentrale der Nationalmannschaft werden.«

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49 Anhang 51 Anhang 8. Studiendesign und Methodik (S.52 54) 9. Weitere Auswertungen (S.55 63)

50 52 8. Studiendesign und Methodik 8.1. Primärdatenerhebung: Onlineumfragen Bei der Primärdatenerhebung handelt es sich um eine explorative Onlineumfrage, die über verschiedene Internetseiten verbreitet (darunter und über einen -Verteiler versandt wurde. Sie war von Beginn der Europameisterschaft 2012 (07. Juni 2012) bis wenige Tage nach dem Finale des Turniers (06. Juli 2012) online erreichbar. Zur Sicherstellung der Datenqualität wurden die Umfrageergebnisse der ca befragten Personen um unvollständige Datenreihen (bis max. fünf nicht-beantworteter Fragen) bereinigt und schlussendlich Teilnehmer berücksichtigt. Das Durchschnittsalter der Umfrageteilnehmer innerhalb der Stichprobe ist mit 29,9 Jahren relativ niedrig, und liegt in der Größenordnung vergleichbarer Studien (z.b. 29,2 Jahre - Schmidt/ Högele, 2011). Die Altersgruppe»18-24 Jahre«macht mit 32% den größten Anteil der Teilnehmer aus. Über 50-jährige Umfrageteilnehmer bilden mit 7% die Minderheit. Die Quote der weiblichen Umfrageteilnehmer betrug 40%. Darüber hinaus wurden nach der Europameisterschaft 2012 zwei weitere Erhebungen zur Zeitreihenanalyse vor ( ) und nach ( ) den ersten Pflichtspielen der Nationalmannschaft gegen die Färöer-Inseln und Österreich mit den zuvor befragten Personen durchgeführt. Insgesamt antworteten 442 Personen auf alle drei Befragungen vollständig. Im Zentrum der Befragung standen die Konstrukte Identifikation, Vorbild und Markenpersönlichkeit. Es ging darum, herauszufinden, welche Identifikationswirkung von der Nationalmannschaft ausgeht, welche Vorbildfunktion sie in Deutschland einnimmt und welche Markenpersönlichkeit ihr von den Umfrageteilnehmern zugeschrieben wird. Darüber hinaus wurden Kriterien für die Auswahl der Lieblingsspieler der Befragten aus der Literatur hergeleitet Definition und empirische Erfassung von Identifikation Für die Entwicklung der sozialen Identität spielt insbesondere die Identifikation bzw. das Gefühl der Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen eine zentrale Rolle (Ashforth/Mael, 1989; Ashmore et al., 2004, Eisenstadt/Giesen, 1995; Turner et al., 1987). Menschen besitzen das intrinsische Bedürfnis nach positiver Selbstbewertung und streben danach, eine positive soziale Identität zu erlangen oder diese stets zu verbessern. Die subjektive Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen und die Grenzziehung zu anderen Kollektiven ermöglicht aufgrund einer gesellschaftlich positiven Bewertung der eigenen Identifikationsgruppe die Ableitung positiver Effekte für die individuelle Selbstwahrnehmung (Tajfel, 1978, Tajfel/Tumer, 1985). Personen erhalten durch die Identifikation mit bestimmten Gruppen die Möglichkeit, Erfolge zu feiern, die über ihre eigenen Grenzen hinausgehen, und können dadurch am Erfolg dieser Gruppen persönlich teilhaben (Katz/Kahn, 1978). Dieser Prozess wird in der Wissenschaft als basking-in-reflected-glory (BIRGing)-Effekt bezeichnet (Cialdini et al., 1976). Die Identifikation mit einer erfolgreich wahrgenommenen Gruppe kann das individuelle Selbstwertgefühl steigern und damit einen Mehrwert für das individuelle Wohlbefinden von Personen erzeugen. Besonders häufig treten BIRGing-Effekte im Sport auf, da hier die emotionalen Beziehungen sowie die Identifikation mit einer bestimmten Mannschaft vergleichsweise stark ausgeprägt sind (Sutton et al., 1997). In diesem Kontext spricht man von»teamidentifikation«. Der Fußball stellt einen nahezu idealtypischen Generator für Identifikationsprozesse dar. Je höher die Teamidentifikation einer Person ist, desto mehr beschäftigt sie sich mental mit der Lieblingsmannschaft und desto stärker fühlt sie sich auch zu ihr hingezogen (Wann/Branscombe, 1993). Verschiedene Studien haben gezeigt, dass eine hohe Teamidentifikation einerseits positive Effekte auf das allgemeine und psychologische Wohlbefinden des Einzelnen (Wann/ Pierce, 2005), andererseits aber auch einen Beitrag zur Schaffung von sogenanntem»sozialkapital«in der Gesellschaft leisten kann (Sutton et al., 1997). Letzteres wird in der wissenschaftlichen Literatur auch als»sozialer Klebstoff«bezeichnet, der die Mitglieder einer Gesellschaft zusammenhält (Cox, 1995). Zur Messung der Identifikation mit der Nationalmannschaft wurden in der Onlinebefragung auf Basis der Sport Spectator Identification Scale von Wann/Branscombe (1993), der Team Identification Scale von Mael/ Ashforth (1992) und des Fragebogendesigns von Kwon/Trail (2001) und Ngan et al. (2011) sechs Aussagen wie z.b.»wenn jemand meinen Lieblingsclub kritisiert, dann fühle ich mich persönlich beleidigt«oder»die Erfolge der Nationalmannschaft sind meine Erfolge«vorgegeben. Diese Aussagen mussten von den Befragten auf einer Skala von 1 (trifft überhaupt nicht zu) bis 5 (trifft vollkommen zu) bewertet werden Definition und empirische Erfassung von Vorbildern Die zweifache Funktion von Vorbildern leitet sich in der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur aus dem englischen Begriff»role model«her. Auf der einen Seite sind Vorbilder Modelle, die beim Erlernen neuer Fähigkeiten oder sozialer Normen hilfreich sein können (Bandura, 1977; Miller/Dollard, 1941). Auf der anderen Seite fungieren sie aufgrund ihrer exponierten sozialen Rolle als Identifikationsfiguren, welche für die eigene Selbstdefinition herangezogen und als Motivator wahrgenommen werden (Erikson, 1950; Foote, 1951). Siegmund Freud (1921) spricht in diesem Zusammenhang von der partiellen Identifikation mit einer Führungsfigur, mit der man Gemeinsamkeiten teilt und deren Qualitäten man als ideal und somit als maßgeblich für das eigene Verhalten ansieht. Beide Aspekte des Vorbildbegriffs sind für die vorliegende Studie relevant. Zum einen können Fußballstars aufgrund ihrer hohen Präsenz in der Öffentlichkeit vor allem von Kindern und Jugendlichen als Verhaltensmodelle angesehen werden und damit einen Beitrag zur Erlernung von sozialen Normen leisten. Sie können allerdings auch als negative bzw. abschreckende Vorbilder wahrgenommen werden, wenn sie selbst kein gesellschaftskonformes Verhalten an den Tag legen (Gibson, 2004). Zum anderen gehen wir davon aus, dass sich viele Fans mit ihrem Fußballstar persönlich identifizieren und sich von ihm motivieren lassen nicht nur in Bezug auf Fußball. Zur Messung der Vorbildfunktion wurden auf Basis von Rich (1997) und Dix et al. (2010) Aussagen zur Vorbildfunktion wie z.b.»ich sehe meinen Lieblingsspieler als Vorbild an«,»mein Lieblingsspieler ist ein gutes Vorbild für die Gesellschaft«vorgegeben, die die Umfrageteilnehmer auf einer Skala von 1 (trifft überhaupt nicht zu) bis 5 (trifft vollkommen zu) bewerten mussten.

51 8. Studiendesign und Methodik 53 VERTRAUEN & SICHERHEIT Zuverlässig Unverfälscht Ehrlich Bodenständig Erfolgreich INDIKATOREN NACH HIERONIMUS (2003) Definition und empirische Erfassung der Markenpersönlichkeit TEMPERAMENT & LEIDENSCHAFT Temperamentvoll Leidenschaftlich Phantasievoll Fröhlich Wagemutig Kotler (1989) definiert Marke als»name, Begriff, Zeichen, Symbol, Gestaltungsform oder eine Kombination aus diesen Bestandteilen zum Zwecke der Kennzeichnung der Produkte oder Dienstleistungen eines Anbieters oder einer Anbietergruppe und zu ihrer Differenzierung gegenüber Konkurrenzangeboten«(S. 379). Eine Marke regt Personen zur Inanspruchnahme oder zum Kauf an, die sich mit dem Angebot identifizieren können. Durch die Beschreibung mittels Persönlichkeitsmerkmalen und der Zuordnung von Charaktereigenschaften wird der Marke eine Identität verliehen. Zur Bestimmung der Markenpersönlichkeit entwickelte Aaker (1997) auf Basis des Big Five-Konstrukts der menschlichen Persönlichkeit die fünffaktorielle Struktur der Brand Personality Scale. Hieronimus (2003) reduzierte diese Skala für den deutschen Sprachraum auf zwei Faktoren:»Vertrauen & Sicherheit«sowie»Temperament & Leidenschaft«, die sich jeweils in fünf Indikatoren aufgliedern lassen. Im Rahmen der Studie wurde das Modell von Hieronimus (2003) verwendet, um die wahrgenommene Markenpersönlichkeit der Nationalmannschaft zu erfassen. Zur Spezifizierung der Markenpersönlichkeit der Nationalmannschaft wurden zudem drei weitere Indikatoren, die sich in ersten Expertengesprächen als zentrale Beschreibungsmerkmale der Nationalmannschaft herauskristallisierten, in die Bewertung mit aufgenommen. INDIKATOREN THEMENSPEZIFISCH Grad der Multikulturalität Hierarchiestruktur Grad der Geschlossenheit Kriterien für die Auswahl des Lieblingsspielers Jeder Teilnehmer der Online-Umfrage wurde nach der Auswahl seines Lieblingsspielers um eine Bewertung von hierfür ausschlaggebenden Kriterien gebeten. Die Befragten wurden aufgefordert, auf einer Skala von 1 (trifft überhaupt nicht zu) bis 5 (trifft vollkommen zu) anzugeben, welche Bedeutung die einzelnen Kriterien für die Auswahl ihres Lieblingsspielers hatten. Der zugrunde liegende Kriterienkatalog ist angelehnt an Lockwood/Kunda (1997) und Lines (2001) und umfasst fünf adaptierte Dimensionen, denen insgesamt 18 Kriterien für die Auswahl des Lieblingsspielers zugeordnet sind: Talent/Leistung: 1) besitzt/besaß außergewöhnliche Fähigkeiten und Talent, 2) zeigt(e) auf dem Fußballplatz herausragende Leistungen, 3) hat(te) eine spektakuläre Spielweise 4) trägt/trug durch seine Leistung maßgeblich zum Erfolg der Nationalmannschaft bei Verhalten auf dem Platz: 5) ist/war ein Führungsspieler, 6) verhält sich auf dem Fußballplatz vorbildlich, 7) stellt(e) sich in den Dienst der Mannschaft und spielt(e) nicht egoistisch, 8) zeigt(e) vollen Einsatz auf dem Fußballplatz Verhalten neben dem Platz: 9) verhält sich abseits des Fußballplatzes vorbildlich 8.2. Primärdatenerhebung: Semi-strukturierte Experteninterviews Insgesamt wurden im Rahmen der Studie 40 explorative und 12 diskursive Interviews durchgeführt und ausgewertet. Ziel war es, mit Hilfe der Interviews implizit vorhandenes Expertenwissen zu gewinnen, welches mittels quantitativer Methoden nicht zugänglich ist. Um das größtmögliche Detailwissen aus den Experteninterviews (Meuser/Nagel, 2002, 2009) herauszuholen, wurden diese in Form semi-strukturierter Leitfadeninterviews persönlich durchgeführt (Groeben, 1990; Flick, 2009). Fragen zu spezifischen Themengruppen wurden dazu vorab formuliert und anhand eines Gesprächsleitfadens mit den Gesprächspartnern durchgegangen. Die gewählte Interviewform erlaubte den Befragten weitestgehende Freiheit in der Äußerung eigener Ansichten und Erfahrungen. Sofern im Verlauf des Gesprächs neue Aspekte auftauchten, war der Interviewer stets in der Lage, diese gezielt anzusprechen und detaillierte Nachfragen zu stellen. Schlussendlich erleichterte die Teil-Strukturierung der Gespräche die Vergleichbarkeit und Bewertung getätigter Aussagen. In diskursiven Interviews (Hopf, 1995) konnten gewonnene Erkenntnisse auf ihre Plausibilität, Stichhaltigkeit und die subjektiv wahrgenommene Adäquatheit hin überprüft und angepasst bzw. erweitert werden. Für die Interviews konnten ausgewiesene Experten wie DFB-Entscheidungsträger, aktuelle/ehemalige Nationalspieler und -trainer, Vertreter der DFL (Deutsche Fußball Liga) sowie Sport- und Fußballexperten, Journalisten und namhafte gesellschaftliche Vertreter gewonnen werden (siehe Tabelle 1). Persönlichkeit/Auftreten/Aussehen: 10) pflegt(e) einen glamourösen und spektakulären Lebensstil, 11) hat(te) eine charismatische Ausstrahlung, 12) hat(te) eine coole und lockere Art, 13) sympathisches Auftreten, 14) faires Auftreten, 15) ist/war bodenständig und nahbar, 16) sieht/sah gut aus Club: 17) spielt für meinen Lieblingsclub oder hat für ihn gespielt, 18) kommt/kam aus der Jugendabteilung meines Lieblingsclubs

52 54 8. Studiendesign und Methodik Tabelle 1: Liste der Interviewpartner Verantwortliche DFB/Team Nationalmannschaft Wolfgang Niersbach DFB-Präsident Helmut Sandrock DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt DFB-Schatzmeister Ulf Schott DFB-Direktor, Talent- und Nachwuchsförderung Stefan Hans DFB-Direktor, Recht, Sport gerichtsbarkeit, Finanzen und Personal Denni Strich DFB-Direktor, Marketing Oliver Bierhoff Sportliche Leitung Manager der Nationalmannschaft Hansi Flick Sportliche Leitung Assistenz-Trainer der Nationalmannschaft Andreas Köpke Sportliche Leitung Torwart-Trainer der Nationalmannschaft Dr. Hans-Dieter Hermann Sportpsychologe der Nationalmannschaft Jens Grittner Pressesprecher der Nationalmannschaft Uli Voigt Medienverantwortlicher der Nationalmannschaft Harald Stenger Pressesprecher der Nationalmannschaft a. D. Bernd Pfaff DFB-Direktor, Sportl. Koordinator d. Nationalmannschaft a.d. Jörg Daniel Sportlicher Leiter DFB-Talentförder programm Jürgen Eißmann DFB-Projektleiter, Fan Club Nationalmannschaft Bundestrainer/Teamchefs Joachim Löw Bundestrainer Jürgen Klinsmann Bundestrainer a.d. Rudi Völler Teamchef a.d. Erich Ribbeck Bundestrainer a.d. Franz Beckenbauer Teamchef a.d. Nationalmannschaft Julian Draxler Aktueller Nationalspieler (FC Schalke 04) Mario Götze Aktueller Nationalspieler (FC Bayern München) Oliver Kahn Ehemaliger Nationalspieler (FC Bayern München) Miroslav Klose Aktueller Nationalspieler (Lazio Rom) Philipp Lahm Aktueller Nationalspieler (FC Bayern München) Per Mertesacker Aktueller Nationalspieler (Arsenal London) Christoph Metzelder Ehemaliger Nationalspieler (FC Schalke 04) Thomas Müller Aktueller Nationalspieler (FC Bayern München) Manuel Neuer Aktueller Nationalspieler (FC Bayern München) Mesut Özil Aktueller Nationalspieler (Arsenal London) Marco Reus Aktueller Nationalspieler (Borussia Dortmund) Bastian Schweinsteiger Aktueller Nationalspieler (FC Bayern München) DFL Deutsche Fußball Liga Christian Seifert Vorsitzender der Geschäftsführung, DFL Deutsche Fußball Liga Andreas Rettig Geschäftsführer, DFL Deutsche Fußball Liga Fußballexperten/Journalisten Axel Balkausky Sportchef, ARD Matthias Brügelmann Chefredakteur, Sport Bild Bernd Daubenmerkl Geschäftsführer, Eurosport Media Rainer Franzke Chefredakteur, Kicker Dieter Gruschwitz Sportchef, ZDF Michael Horeni Sportjournalist, FAZ und Buchautor Rainer Kalb Sportjournalist, SID und Buchautor Jens Mende Sportjournalist, dpa und Buchautor Stefan Merx Sportbusiness Journalist, u.a. Handelsblatt, WStJ Jan Christian Müller Sportjournalist, Frankfurter Rundschau Günter Netzer Fußballkritiker und ehem. Fußballexperte, ARD Walter Straten Sportchef, Bild Lars Wallrodt Fußballchef, Die Welt Hans-Joachim Watzke Vorsitzender der Geschäftsführung, Borussia Dortmund Sport und Gesellschaft Prof. Dr. Wolfgang Huber Ehemaliger Bischof und Ratspräsident, EKD Dr. Michael Ilgner Vorstandsvorsitzender, Deutsche Sporthilfe Dr. Michael Vesper Generaldirektor, Deutscher Olympischer Sportbund 8.3. Sekundärdatenanalyse In die Sekundärdatenanalyse floss umfassendes Datenmaterial aus dem DFB-Archiv sowie den DFB-Direktionen und Abteilungen ein. Zudem wurden Studien, wissenschaftliche Forschungsarbeiten, Bücher und Medienberichte zum Thema Nationalmannschaft berücksichtigt. Insgesamt konnten im Rahmen der Studie ca Seiten an Informationen in digitaler und gedruckter Form analysiert und verarbeitet werden. Diese umfangreiche Datenmenge ermöglichte eine sogenannte Triangulation (Denzin, 1989; Flick, 2007, 2009; Mayring, 2002). Hierbei werden Informationen aus unterschiedlichen Datenquellen, von unterschiedlichen Autoren und unterschiedlichen Erfassungszeitpunkten verglichen, um in der Gesamtheit subjektive Verzerrungen einzelner Datenquellen auszugleichen und die Validität der Ergebnisse zu erhöhen (Brown, 2001) Verwendete statistische Verfahren Im Rahmen der statistischen Auswertung wurden primär bivariate Analysemethoden verwendet. So wurden für verschiedene Gruppen innerhalb der Stichprobe Mittelwertvergleiche anhand von t-tests durchgeführt. Darüber hinaus kamen zur Analyse der Identifikationswirkung multiple Paarvergleiche nach dem Bonferroni-Verfahren, welches eine potenzielle Alphafehler-Kumulierung neutralisiert, zum Einsatz. Auffallend an den statistischen Ergebnissen ist, dass trotz der großen Stichprobe (n = 2.106) zahlreiche Mittelwertvergleiche keine statistisch signifikanten Unterschiede aufzeigen. Zur Überprüfung und Verifizierung der Ergebnisse aus den bivariaten Vergleichen wurden multivariate Regressionsmodelle erstellt und ausgewertet. Um eine stabile Schätzung des Regressionskoeffizienten und eine adäquate Modellinterpretation der Varianzanalyse gewährleisten zu können, wurden die unabhängigen Variablen auf Multikolinearität getestet. Dabei konnte eine starke Korrelation der erklärenden Variablen aufgrund der durchgehend niedrigen Varianzinflationsfaktoren ausgeschlossen werden. Sämtliche Werte liegen unter 2.13 und damit deutlich unter dem Richtwert (von 10) für Multikolinearität laut Baum (2006).

53 9. Weitere Auswertungen Weitere Auswertungen 9.1. Zusatzinformationen zur Auftauphase unter Erich Ribbeck ( ) Im September 1998 übernahm Erich Ribbeck die Nationalmannschaft als Europameister von 1996 mit der Aufgabe, sie auf den Confederations Cup 1999 in Mexiko und auf die Europameisterschaft 2000 vorzubereiten. Nachdem die Nationalmannschaft beim Confederations Cup in der Vorrunde ausschied, konnte sie sich aber für die Endrunde der kommenden Europameisterschaft qualifizieren und zur EM 2000 nach Holland und Belgien fahren. Erich Ribbeck:»In meiner Amtszeit ging es ums reine Überleben.«Die deutsche Auswahl schied dann mit einem 1:1 Unentschieden gegen Rumänien, einer 0:1 Niederlage gegen England und einer 0:3 Pleite gegen Portugal als Gruppenletzter vorzeitig aus dem Turnier aus. Franz Beckenbauer: «Die deutsche Mannschaft bot bei der EM 2000 wenn man ehrlich ist müden Rumpel-Fußball, der streckenweise in Misshandlung des Balles ausartete. Man konnte fast denken, Deutschland spielte bei einer B-Europa - meisterschaft, während die A-Europameisterschaft woanders stattfand.«bereits 18 Stunden nach dem Turnier-Aus trat Erich Ribbeck als Bundestrainer zurück. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass der mittlerweile als zukünftiger Bundestrainer vorgesehene Christoph Daum erst nach Ablauf der Bundesligasaison 2000/2001 aus seinem Vertrag bei Bayer 04 Leverkusen aussteigen konnte, musste eine Interimslösung für den Posten des Bundestrainers gefunden werden. Dies geschah bei einem Treffen von Clubvertretern und des DFB am 2. Juli in Frechen-Königsdorf bei Köln, als Rudi Völler zunächst als Übergangs- und (nach Christoph Daums Kokainaffäre) schließlich als Dauerlösung auserkoren wurde. Neben diesen personellen Veränderungen folgte 2000 unmittelbar nach der EM die Gründung der sogenannten Task Force zur»rettung des deutschen Fußballs«bestehend aus einflussreichen Vertretern der Bundesligaclubs. Diese»schnelle Eingreiftruppe«sollte konkrete Empfehlungen für das zukünftige Trainingskonzept der Nationalmannschaft sowie die Verbesserung der Talentförderung und Nachwuchsarbeit geben (Schulze-Marmeling, 2008). Deutschland erreichte in der Ära Ribbeck (von bis ) eine Durchschnittsplatzierung von 4,7 in der Fifa-Weltrangliste und bewegte sich dabei zwischen Platz 3 im November 1998 und Platz 6 im Juni Bezieht man allerdings die Leistung während der Turniermonate, in denen die Weltrangliste nicht laufend erneuert wird, in die Betrachtung mit ein, hatte das von Ribbeck verantwortete Vorrunden-Aus bei der EM 2000 einen Absturz auf Platz 11 im August 2000 zur Folge. Er ist bis heute der einzige Bundestrainer, der die Mehrzahl seiner Länderspiele nicht gewinnen konnte (10 Siege in 24 Spielen) Zusatzinformationen zur Auftauphase unter Rudi Völler ( ) Rudi Völler erhielt den Auftrag, die Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft 2002 und die Europameisterschaft 2004 zu führen sowie auf die Heim-WM 2006 vorzubereiten. Die Ära Völler ( bis ) bildet den zweiten Teil der Auftauphase. Laut eigenem Bekunden trat Völler an, um»den Menschen den Glauben an den deutschen Fußball und an»ihre«nationalmannschaft zurückzugeben«(völler in Kötter, 2000). Dies sollte ihm in der ersten Zeit auch recht gut gelingen. Mit seinem Amtsantritt war eine deutliche Veränderung in der Führung des Teams zu spüren. Als»Kultfigur«genoss er mit seiner authentischen Art und natürlichen Ausstrahlung sowohl bei den Spielern als «Idol der vergangenen Epoche«(Mayer-Vorfelder), als auch in der Öffentlichkeit hohes Ansehen. Zudem konnte er bei den Medienvertretern durch seine Persönlichkeit zahlreiche Sympathiepunkte sammeln. Unterstützend kam hinzu, dass sowohl das erste Spiel unter seiner Leitung gegen Spanien als auch die darauffolgenden WM-Qualifikationsspiele gegen Griechenland und England gewonnen werden konnten. Miroslav Klose:»Rudi war natürlich ein ganz anderer Typ als Erich Ribbeck. Er war eine Art Kumpeltyp von nebenan und viele Nationalspieler duzten ihn auch. Wer mochte den Rudi denn nicht?«jan Christian Müller (Sportjournalist, Frankfurter Rundschau):»Der Rudi klopfte einem schon mal in seiner unveränderlichen Art im Vorbeigehen auf die Schulter. Den Rudi mochten wir Journalisten doch alle gern. Wie übrigens auch Joachim Löw.«Mit seiner Erfahrung als 90-facher Nationalspieler, Weltmeister und dreimaliger WM-Teilnehmer schaffte Völler mit der Nationalmannschaft, wenn auch über die Relegation, die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea. Völler konnte in der Mannschaft einen neuen Teamgeist entfachen und so den unverhofften Finaleinzug realisieren. Mit etwas Losglück musste das Nationalteam bis zum Einzug ins Finale keine Top-10-Mannschaft besiegen. Matthias Brügelmann (Chefredakteur, Sport Bild):»Mit seiner speziellen Art schaffte es Rudi Völler innerhalb von zwei Jahren, einer total niedergeschlagenen Mannschaft wieder frischen Teamgeist und neues Selbstbewusstsein einzuhauchen.«mit einem überraschenden Erreichen des 2. Platzes wurde ein Fußballrausch im ganzen Land entfacht. Die Lobeshymnen auf die Person des Teamchefs gipfelten in den Fangesängen»Es gibt nur ein Rudi Völler«nach der Rückkehr des Teams aus Asien. Insgesamt ist die sportliche Bilanz der Nationalmannschaft innerhalb der Amtszeit von Rudi Völler mit einer Durchschnittsplatzierung von Rang 8,4 in der Fifa Weltrangliste jedoch eher durchwachsen. Völler übernahm das Team im August 2000 auf Platz 11. Dem Höhepunkt mit der Vizeweltmeisterschaft und Platz 4 in der Fifa-Weltrangliste folgte eine sportliche Talfahrt. So konnte die Nationalmannschaft unter Völler kein Spiel mehr gegen eine Top- 10 Mannschaft gewinnen. Das Ausscheiden in der Vorrunde der EM 2004 läutete eine weitere Abwärtsbewegung in der Weltrangliste bis auf Rang 13 ein und bewegte Völler zum Rücktritt.

54 56 Rudi Völler:»Ich habe bis 2006 nicht mehr den Kredit, etwas auszuprobieren und auch Spiele zu verlieren; das kann nur einer, der unbefleckt ist, der nicht persönlich den Rucksack mit dem EM- Vorrunden-Aus schleppen muss ( ). Für die Weltmeisterschaft im eigenen Land braucht es jemand, der volles Vertrauen genießt und das habe ich nicht mehr.«(rücktrittspressekonferenz, ) Das EM-Aus und der Rücktritt von Rudi Völler erzeugten im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2006 letztendlich auch die Bereitschaft zu grundlegenden Veränderungen im Kompetenzbereich Nationalmannschaft Zusatzinformationen zur Wandelphase unter Jürgen Klinsmann ( ) Nachdem bereits über mögliche Nachfolger von Rudi Völler spekuliert und neben Otto Rehhagel vor allem Ottmar Hitzfeld eine Favoritenrolle zugesagt worden war, rief der neue DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder die sogenannte»trainerfindungskommission«ins Leben. Ihr gehörten neben ihm Franz Beckenbauer, Ligapräsident Werner Hackmann und DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt an. Schließlich konnte Jürgen Klinsmann als neuer Bundestrainer vorgestellt werden. Die Ära Klinsmann ( ) steht idealtypisch für eine radikale Wandelphase (Lewin 1958; Jenewein, 2008). Durch seine Verpflichtung wurde die Bereitschaft offensichtlich, sowohl den Status quo der Nationalmannschaft grundlegend zu hinterfragen, als auch tiefgreifende Strukturveränderungen initiieren und aktiv umsetzen zu wollen. Bis zur WM im eigenen Land waren noch zwei Jahre Zeit, um die geplanten Veränderungen von existierenden Verhaltensweisen, Denkmustern, Organisationsstrukturen, Prozessen und Ressourcen durchzuführen. Analog zu radikalen Wandelprozessen in Unternehmen (Staehle, 1999) lassen sich auch in der Ära Klinsmann wesentliche Veränderungen (1) in der Aufbauund Ablauforganisation (2) im Selbstverständnis der Organisation sowie (3) in konkreten Entwicklungsmaßnahmen zur Verhaltensänderung und Leistungssteigerung des Einzelnen erkennen Strukturveränderungen beim DFB: Das Büro Nationalmannschaft und der Manager der Nationalmannschaft Mit seiner Berufung zum Bundestrainer ließ sich Jürgen Klinsmann weitreichende Entscheidungsbefugnisse bezüglich der Personalwahl und Ausgestaltung seines Führungsteams zusichern. Mit dieser Handlungsfreiheit konnte Klinsmann einschneidende Veränderungen und Umstrukturierungen weitgehend durchsetzen (Jenewein, 2008). Im Zentrum der Reformen im administrativen Bereich stand die Neustrukturierung der organisatorischen Nationalmannschaftsbelange in bestimmte Kompetenzbereiche sowie die Bündelung aller Verantwortlichkeiten rund um die Nationalmannschaft. Ein Eingriff in die Aufbauorganisation erfolgte durch Gründung und Ausgliederung der Stabsstelle»Büro Nationalmannschaft«. Das Büro Nationalmannschaft übernahm zentral die Administration, Organisation, Planung, Logistik sowie die Vertretung der Interessen der Nationalmannschaft nach außen gegenüber Fans, Medien, Vereinen und Sponsoren. Es wurde direkt dem Generalsekretär zugeordnet und mit eigener Budgetverantwortung ausgestattet, so dass es unter anderem eigenständig Verträge mit Exklusivsponsoren für die Nationalmannschaft abschließen konnte. Dabei arbeitete das Büro Nationalmannschaft eng mit einzelnen DFB-Direktionen und -Abteilungen zusammen und konnte deren Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Dem neuen Team wurden in der DFB-Zentrale im Hermann Neuberger-Komplex in Frankfurt Büroräumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Zwar war der Gedanke einer professionell organisierten Unterstützung der Nationalmannschaft nicht grundlegend neu, aber die klare Trennung zwischen sportlichen und administrativen Belangen und die neue Teilautonomie waren geradezu revolutionär. Unter Franz Beckenbauer wurde erstmals ein kleines»team hinter dem Team«fest installiert, wonach sich seit 1992 Bernd Pfaff in der Funktion als DFB-Direktor und Sportlicher Koordinator um die Nationalelf kümmerte. Dabei war das Teammanagement der Nationalmannschaft nur eine Aufgabe von vielen in seiner Direktion. Bernd Pfaff:»Mein Arbeitsbereich umfasste neben dem Teammanagement der National - mannschaft unter anderem die Talentförderung, den Bereich Schule, alle Angelegen heiten rund um die U-Mannschaften, das Trainerwesen sowie die gesamte Organisation des Jugendbereichs.«Mit der Ausgliederung des Büros Nationalmannschaft wurde die Funktion des Sportlichen Koordinators aufgegeben und die neue Position des»managers der Nationalmannschaft«geschaffen. Dieser gibt die strategische Ausrichtung der Einheit Nationalmannschaft vor, welche durch das Büro Nationalmannschaft umgesetzt wird. Die sportlichen Entscheidungen hinsichtlich der Nationalmannschaft oblag und obliegt weiterhin allein dem Bundestrainer und seinen Assistenten. Andreas Köpke:»In den USA war die Begleitung von professionellen Teams durch Sportpsychologen seit Jahren üblich, in Deutschland dauerte es jedoch sehr lange, bis sich dieser Standard etablierte.«klinsmann erweiterte die Organisation um einen Betreuerstab mit zusätzlichen Spezialisten. Als Vorbild dienten ihm Vereine der amerikanischen Football- und der Basketball-Liga, die bereits seit etlichen Jahren mit Fitness- und Schnelligkeitstrainern zusammenarbeiteten und auch psychologische Betreuung für die Sportler anboten. Klinsmann berief den amerikanischen Fitnesstrainer Mark Verstegen und seine Partner sowie den Sportpsychologen Hans-Dieter Hermann in seinen Betreuerstab und richtete die Stelle eines Chefscouts ein, welche er mit dem Schweizer Urs Siegenthaler besetzte. Zudem baute er die Medienabteilung der Nationalmannschaft aus. So wurde z.b. der ehemalige Fußballchef von RTL, Ulrich Voigt, in das Medienteam berufen; er verantwortete fortan alle Angelegenheiten im TV-Bereich. Jürgen Klinsmann:»Es ist wichtig, dass du eine Überzeugung hast und dich unermüdlich für diese einsetzt. Dabei ist in so einer Phase klar, dass du auch ein paar Wellen überstehen musst.«mit der Einrichtung des»büro Nationalmannschaft«waren allerdings nicht nur Veränderungen der Aufbauorganisation verbunden, sondern es wurde gleichzeitig eine Neuausrichtung der bestehenden Arbeitsprozesse im Bereich PR/Kommunikation und Marketing vorgenommen. Durch die Berufung Oliver Bierhoffs zum Manager der Nationalmannschaft konnte die neu geschaffene Position mit einem bekannten Ex-Nationalspieler und diplomierten Betriebswirt besetzt werden. Bierhoff vertritt die Interessen der Nationalmannschaft aktiv nach außen und geht im Marketing neue Wege. Zur gezielten Vermarktung der National mannschaft wurde unter Feder-

55 9. Weitere Auswertungen 57 führung des»büro Nationalmannschaft«z.B. ein eigenes Logo, eine ausgegliederte Homepage, ein Nationalmannschafts-Twitterkanal und eine nationalmann schaftsspezifische Facebook-Fanpage erstellt. Zudem schnürte das Team neue Pakete für Exklusivsponsoren. Andreas Köpke:»Wir haben auch alte Wege verlassen und über den Tellerrand hinausgeschaut. Dafür wurden wir anfangs oft belächelt, aber nur so konnten wir dazu lernen und herausfinden, was man alles verbessern kann.« Entwicklung einer neuen Nationalmannschaftskultur: Die Mannschaft im Mittelpunkt Ein radikaler Wandelprozess erfordert neben relativ schnell wirksamen strukturellen Maßnahmen auch nachhaltige Veränderungen im Bewusstsein und in den Verhaltensweisen aller unmittelbar beteiligten Personen (Kostka/Mönch, 2006). Um klare Zeichen des Aufbruchs zu setzen, wurde unter Klinsmann ein in diesem Ausmaß bisher nicht dagewesener Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft entfacht. Damit einher ging die Infragestellung von etablierten Spielern wie etwa des»titans«oliver Kahn als Stammtorwart und Kapitän. Klinsmann setzte Kahn in direkten Konkurrenzkampf mit Jens Lehmann um die Torhüterposition und entzog ihm unmittelbar vor seinem ersten Länderspiel als Teamchef die Kapitänsbinde zugunsten des Feldspielers Michael Ballack. Jedem Spieler sollte damit bewusst gemacht werden, dass aktuelle Leistung Vorrang vor Erfahrung haben würde. Jürgen Klinsmann:»Der Grundsatz war klar, jeder Einzelne musste mitziehen. Wenn einer meinte, er hätte dies nicht nötig, dann waren wir gezwungen, zum Wohle der Mannschaft Konsequenzen zu ziehen.«mit der Aufhebung der Stammplatzgarantie experimentierte und rotierte Klinsmann so intensiv wie kein Bundestrainer zuvor und setzte in seiner zweijährigen Vorbereitungszeit auf die WM in 27 Partien insgesamt 39 unterschiedliche Spieler ein. Die Neuausrichtung der Nationalmannschaftskultur wurde zudem durch die Umstellung des Spielsystems und der damit verbundenen offensiven Spielweise der Mannschaft geprägt. Um dem neuen Tempofußball mit aggressiv-offensiver Ausrichtung auch optisch Ausdruck zu verleihen, wurden die traditionellen Trikotfarben Grau, Grün und Schwarz-Weiß durch ein Trikot in auffälligem Rot ergänzt. Damit sollten auch optisch die Werte Dynamik, Feuer, Energie, Leidenschaft und Aggressivität nach außen verkörpert werden (Mende, 2006). Darüber hinaus war es ein erklärtes Ziel Klinsmanns, den Mannschaftsgeist zu stärken. Ihm war im Umgang mit Spielern innerhalb des Betreuerstabs gegenseitiger Respekt extrem wichtig, so dass er einen sehr kollegialen Umgang pflegte und die Mitglieder seines Führungsteams als Partner auf Augenhöhe behandelte. Helmut Sandrock:»Unter Klinsmann wurden die Zuständigkeiten, die Organisation und das Personal rund um die Nationalmannschaft gravierend verändert.«die Mannschaftsquartiere wurden in Zonen unterteilt, die je nach Zulassungsberechtigung dem Betreuerteam, Angehörigen, Sponsoren oder den DFB-Vertretern zugänglich waren. Ein innerer Zirkel war hier lediglich den Spielern und Betreuern vorenthalten. Das Mannschaftsquartier sollte zur»wohlfühloase«für die Spieler werden und zur guten Atmosphäre in der Mannschaft beitragen. Anstelle von abgeschiedenen Landhotels wurden moderne Innenstadt-Herbergen gewählt. Zudem wurden sogenannte Spielerlounges im Hotel eingerichtet. Klinsmann änderte auch für die Spieler den seit Jahrzehnten etablierten organisatorischen Ablauf der Länderspiel-Reisen. In der Nacht nach der Partie versammelte sich das Team im Hotel zur Spielauswertung, um die wichtigsten Erkenntnisse unmittelbar nach dem Spiel festzuhalten Individuelle Förderung der Spielerentwicklung Neben der strukturellen und kulturellen Neuausrichtung strebte Klinsmann auch die Stärkung der individuellen Leistungsfähigkeit aller Spieler an. Dieser Ansatz deckt sich mit Best Practices des Change Managements, wo gezielte Entwicklungsmaßnahmen zur Verhaltensänderung und Leistungssteigerung des Einzelnen ergriffen werden, um die Voraussetzungen für erfolgreichen Wandel zu schaffen (Rischar, 2005). Dabei ging es Klinsmann insbesondere darum, jeden Spieler nicht nur sportlich sondern auch persönlich voranzubringen. Jürgen Klinsmann:»Zwei Dinge waren mir wichtig: Die Spieler sollten sich nicht nur sportlich weiterentwickeln, sondern auch menschlich von der Zeit bei der Nationalmannschaft profitieren.«für die sportliche Entwicklung der Nationalspieler wurde das Training mit der Mannschaft individualisiert. Von Trainingseinheiten, bei denen alle 23 Spieler gleichzeitig auf dem Platz agieren und dasselbe Training absolvieren, wurde bewusst Abstand genommen. So kümmerte sich Klinsmann häufig allein um die Stürmer, während Assistenztrainer Joachim Löw mit der Abwehr arbeitete und sich Mark Verstegen parallel mit den verbleibenden Spielern im Fitnessbereich engagierte (Jenewein, 2008). Auf Basis von Laktattests wurden spezifische Fitnessprogramme individuell zusammengestellt und unterstützend wurden auf den jeweiligen Spieler zugeschnittene Ernährungspläne erstellt. Zudem führte Klinsmann individuelle Trainingspläne mit Zusatzübungen ein, die die Nationalspieler im Anschluss an ihr jeweiliges Club-Mannschaftstraining absolvieren sollten. Diese Sonderschichten trugen die Spieler jeweils in ihre persönlichen Trainingsbücher ein. Klinsmann akzeptierte nur Nationalspieler, die bereit waren, konsequent an sich zu arbeiten und identifizierte Defizite abzubauen. Hansi Flick:»Jürgen Klinsmann hat sehr viel Wert auf physische Perfektion gelegt. Da hat er noch viel Potential gesehen.«bei der Neuaufstellung der Mannschaft kam Klinsmann natürlich entgegen, dass die im Jahr 2000 angestoßenen Maßnahmen der DFB-Talentförderung sowie die Einrichtung der Nachwuchsleistungszentren der Bundesligaclubs 2002 bereits erste Früchte trugen.

56 58 Zudem bot die 2002 geschaffene Perspektivmannschaft»Team 2006«als Auswahlpool für den Bundestrainer Alternativen an. Neben den üblichen Trainingseinheiten initiierte Klinsmann erstmalig Kurse zur Förderung der Persönlichkeitsentwicklung. Besonders wichtig war es für ihn, dass sich die Spieler eigenverantwortlich mit ihrem Beruf auseinandersetzen. Er bemängelte, dass den Profispielern zuviel Verantwortung abseits des Platzes abgenommen werde und damit Eigeninitiative oder selbstständiges Denken zu kurz kommen. Mit seinen eingeleiteten Maßnahmen wollte er dies zumindest für die»elite des deutschen Fußballs«ändern. Mit Hilfe von Schulungen im Bereich EDV, Internet, Recht, Steuern und Finanzen sollten Spieler unterstützt werden, eigenverantwortlich ihre Karriere voranzutreiben und weniger von ihren Spielerberatern abhängig zu sein. Abgerundet wurde das Schulungsangebot durch Vorträge über Hochleistung und Extrembelastungen von Unternehmensvertretern wie Herbert Henzler (McKinsey) oder von Spitzenathleten aus anderen Sportarten wie z.b. Bahnradsportler Robert Bartko, Wasserballer Patrick Weissinger, Hockeyspieler Tibor Weißenborn, Extremkletterer Stefan Glowacz. Schließlich wurde den Nationalspielern auf gemeinsamen Reisen angeboten, Eindrücke außerhalb des Fußballfelds (Bosporus-Rundfahrt, Museumsbesuche, etc.) zu sammeln. Mit der Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft sollte den Spielern bewusst werden, welche Vorbildfunktion sie als»aushängeschilder«des deutschen Fußballs einnehmen. Für ein professionelles Auftreten und einheitliches Erscheinungsbild wurden Regeln über den Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln, Leitlinien zum Auftritt in der Öffentlichkeit vereinbart Leistungsentwicklung innerhalb der Klinsmann-Ära Nachdem Klinsmann das Nationalteam im Juli 2004 auf Platz 12 bzw. 13 der Weltrangliste übernommen hatte, stürzte die Mannschaft innerhalb der ersten zwölf Monate bis auf Rang 21 (Juni 2005) ab. Dieser Abstieg im Ranking war knapp ein Jahr vor der WM natürlich ein herber Rückschlag und auch unverhältnismässig deutlich im Vergleich zu anderen Gastgebern von großen Turnieren. Da ein Gastgeberland keine Qualifikationsrunde spielt und alternative Test- und Freundschaftsspiele mit einem geringeren Punktefaktor für die Weltrangliste gewichtet werden, ist die Einbuße einiger Plätze im Ranking normal. Wenn man allerdings seit Einführung der Fifa-Weltrangliste im August 1993 die Platzierungen der jeweiligen Gastgeberländer in der Vorphase zur Weltmeisterschaft betrachtet, verloren diese im Schnitt lediglich 1,75 Plätze, Deutschland dagegen im selben Zeitraum 8 Plätze. Nach dem Erreichen des dritten Platzes im Confederations-Cup im Juni 2005 konnte die Mannschaft ein Zwischenhoch mit Rang 11 in der Weltrangiste erreichen, doch bis zur WM ging es fortan wieder nach unten, bis schließlich im März 2006, also wenige Monate vor Beginn des Turniers, nach einer 4:1 Niederlage gegen Italien der Tiefpunkt mit Platz 22 zu verbuchen war. Dies war die schlechteste Platzierung Deutschlands seit Bestehen der Fifa-Weltrangliste. Die Öffentlichkeit, Medien, Politik und DFB-Verantwortlichen waren verunsichert und an Klinsmanns Strategie kamen Zweifel auf. Es gab Pläne, Klinsmann vor den Sportausschuss des Bundestages zu laden, um dort seinen Plan, wie er Weltmeister werden wollte, zu erläutern. Sein Konzept und seine Person standen stark in der Kritik, sogar eine kurzfristige Ablösung Klinsmanns 100 Tage vor dem Turnier schien nicht mehr ausgeschlossen. In der Öffentlichkeit wurde breite Kritik an seiner Arbeitsweise laut und auch in den Medien kippte die Stimmung gegen ihn. Auf Seiten des DFB-Präsidiums gab es zu dieser Zeit laut dem damaligen Präsidenten Theo Zwanziger bereits einen»plan B«. Falls»sich bei der WM tatsächlich ein sportliches Desaster abzeichnen sollte und Klinsmann nicht mehr zu halten wäre, so beschlossen wir, sollte kurzfristig Matthias Sammer das Ruder übernehmen«(zwanziger, 2012). Jedoch ließ sich Klinsmann von aller Kritik nicht entmutigen und setzte seinen eingeschlagenen Weg fort. Allen Unkenrufen zum Trotz wurde das Auftreten der Nationalmannschaft bei der Heim-WM bekanntlich zum»sommermärchen«und endete mit dem Erreichen des dritten Platzes. Der WM-Erfolg am Ende der Klinsmann Ära und die damit verbundene Rückkehr des Teams in die Top-10 (Rang 9) der Weltrangliste im Juli 2006 bildete den Beginn eines steilen Aufstiegs der Nationalmannschaft. Auch wenn Klinsmann der Titel im eigenen Land verwehrt blieb, konnte er am Ende seiner Amtszeit neben einem gelungenen Wandelprozess auch auf eine sportlich respektable Zeit zurück blicken Zusatzinformationen zur Stabilisierungsphase unter Joachim Löw ( ) Nachdem Jürgen Klinsmann wenige Tage nach der WM 2006 seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte, wurde der mit den eingeleiteten Reformen vertraute Joachim Löw am als Nachfolger berufen. Insofern endete mit dem Ausscheiden von Jürgen Klinsmann eine revolutionäre Phase der Nationalmannschaft. Mit Joachim Löw wurde der Übergang zu einer, von evolutionären Entscheidungen geprägten, Entwicklungsphase eingeleitet. In der Wirtschaftspraxis ist es ein oft beobachtetes Phänomen, dass mit dem Wechsel innerhalb der Führungsspitze auch eine strategische Neuausrichtung verbunden ist (Miller, 1993). Insbesondere extern berufene Unternehmensführer tendieren dazu, einen eigenen Fußabdruck hinterlassen zu wollen und unmittelbare Veränderungen anzustoßen. Für eine Stabilisierung der gesteigerten Betriebsleistung nach einem radikalen Wandel ist das natürlich suboptimal. Die Stabilisierungsphase sollte dagegen solange dauern, bis ein Rückfall des Systems in vorherige Strukturen und Verhaltensweisen unwahrscheinlich, die Leistung auf hohem Niveau abgesichert und weiter ausbaufähig ist. Auch der Übergang in die Stabilisierungsphase wurde geprägt durch kontinuierliche Verbesserungen in kleinen Schritten in den Dimensionen Struktur, Kultur und Individuum sowie auf Mannschaftsebene.

57 9. Weitere Auswertungen Verstetigung der Nationalmannschaftsstruktur und -kultur In Analogie zum Wandelmodell von Lewin (1958) erscheint die Ära Löw als idealtypische Stabilisierungsphase, in der die Verankerung und Verstetigung der durch Klinsmann zuvor herbeigeführten Veränderungen im Mittelpunkt steht. Mit der Berufung von Joachim Löw, der bereits den Aufbau des Teams Nationalmannschaft, den Einsatz eines Managers und das Engagement von Spezialisten im Betreuerstab mitgetragen und unterstützt hatte, wurde der eingeschlagene Kurs Klinsmanns nahtlos weitergeführt. Für die Verstetigung der radikalen Veränderung des Systems Nationalmannschaft und die kontinuierliche Weiterentwicklung innerhalb des Systems kann Löw als Glücksfall betrachtet werden. Günter Netzer:»Der Übergang von Jürgen Klinsmann zu Joachim Löw war nicht nur ein personeller Wechsel, sondern bedeutete auch eine spürbare Veränderung im Füh rung s stil der Mannschaft: vom Motiva tionskünstler zum sachlichkompetenten Fußballlehrer.«Löw hielt am zentral gesteuerten, ansonsten aber stark individualisierten Trainingsprozess fest. Er ließ sich weiterhin von zahlreichen Spezialisten für Fitness, Technik, Taktik und Spielanalyse sowie von Experten für Koordination, Reaktionsschnelligkeit und Mental training unterstützen. Unter Bundestrainer Löw wird in der Trainingsarbeit wesentlich mehr Wert auf die technische, taktische und kognitive Weiterentwicklung der Spieler gelegt als auf Athletik und Fitness, die im Fokus von Klinsmanns Wirken standen. Mit der Weiterbeschäftigung von Andreas Köpke als Torwarttrainer, den Fitnesstrainern, dem Chefscout Urs Siegenthaler und dem Sport-Psychologen Hans-Dieter Hermann setzte er Klinsmanns Personalpolitik in bewährter Weise fort. Joachim Löw:»Wir führen nicht nur etablierte Prozesse und erfolgreiche Innovationen von Jürgen fort, sondern optimieren und implementieren auch stets weiterführende Konzepte.«Die frei werdende Position des Assistenztrainers, die Löw vorher selbst bekleidete, wurde mit Hansi Flick besetzt. Dieser sollte vor allem modernste Methoden zur Analyse und Trainingsgestaltung wie die im Jahr 2005 eingeführte Datenbank zu aktuellen und potenziellen Nationalspielern weiter ausbauen. Mittlerweile wurde diese auch auf die Spieler der U21-Mannschaft ausgeweitet. Hansi Flick:»Die damalige Grundidee von Klinsmann, offensiv und aggressiv zu spielen, hat sich nicht verändert, aber die Art und Weise der Umsetzung hat sich verändert. Joachim Löw hat das übernommene Konzept in akribischer Detailarbeit zunehmend verfeinert.«das öffentliche Auftreten der Nationalelf wurde unter Löw und Bierhoff weiter professionalisiert. Zudem entwickelte das Team Nationalmannschaft spezifische Verhaltensregelungen bezüglich der Erstellung von Twitter- und Facebook-Posts und baute die Öffentlichkeitsarbeit und Fanbetreuung über Social-Media-Kanäle aus. Bei Werbeauftritten wird zudem im Sinne des Mannschaftsgeistes weiterhin großen Wert darauf gelegt, dass Spieler nie allein, sondern immer als Gruppe öffentlich auftreten Integration von Nachwuchsspielern in der Nationalmannschaft und Ausbau datengestützten Coachings Löw profitiert wie kein Bundestrainer zuvor von der Einführung von Nachwuchsleistungszentren, DFB-Stützpunkttrainings und der Junioren-Bundesliga, die einen systematischen Zustrom hochqualifizierter junger Spieler gewährleisten. Folglich sind die mögliche Auswahl an Spielern und die Anzahl an Alternativen auf einzelnen Positionen deutlich angestiegen, die eine Verjüngungskur der Nationalmannschaft und die Heranführung bzw. Integration immer jüngerer Spieler ermöglicht. Jens Mende (Sportjournalist, dpa und Buchautor):»Löws größte Errungenschaft ist, dass er zeigen konnte, dass Alter keine Rolle spielt.«hansi Flick:»Wir sind aktuell in der komfortablen Lage, unsere Spieler aus einem hochqualitativen Portfolio auswählen zu können. Dies entfacht einen ständigen Konkurrenzkampf im Team und hält die Leistungsbereitschaft des Einzelnen stets hoch.«erich Ribbeck:»Im Vergleich zu allen Trainern vor ihm hat Löw eine sehr große Auswahl an guten Spielern. Ihm ist es gelungen, daraus die besten auszuwählen und den nachrückenden Spielern eine Chance zu geben vielleicht auch mal auf Kosten eines schlechteren Spiels. Wenn man sieht, wie viele gute, technisch begabte Spieler wir haben, ist das enorm.«um eine übergangslose Integration der Nachwuchsspieler in den Kader der A-Nationalmannschaft zu gewährleisten, sind klare Vorgaben und Erwartungen an die Neuen zentral. So entwickelten Löw und sein Trainerteam eine detaillierte Spielphilosophie für die Mannschaft und legten diese schriftlich nieder. Jeder neue Spieler erhält seitdem eine Positionsbeschreibung mit klaren Anforderungen an die zu spielende Position und Kriterien, wie die individuelle Leistung gemessen und bewertet wird. Hansi Flick:»Wenn das Kriterium lautet, ein Innenverteidiger muss den Ball immer flach und vertikal spielen, einer die Bälle aber immer hoch und horizontal spielt, dann weiß ich eindeutig, dass er bei uns fehl am Platz ist.«zudem spielt für die taktische Schulung der Nationalspieler die Spielanalyse eine immer wichtigere Rolle. Zur zeitgemäßen Spielanalyse werden Animationen, Videobeispiele (mit Superzeitlupe) via Tablet-PC genutzt, um den Nationalspielern faktisch zu belegen, wo der einzelne im Vergleich zu den Mannschaftkollegen leistungsmäßig steht und wo individueller Verbesserungsbedarf besteht. Neben den Leistungsdaten werden externe Spielanalysedaten und Scouting-Auswertungen eines Teams der Sporthochschule Köln in eine zentrale Datenbank integriert, die via Intranet für alle Betreuer und Spieler zugänglich ist. Diese Maßnahmen dienen u.a. auch einer weiteren Verbesserung der durch Klinsmann eingeleiteten systematischen, datenorientierten Matchvorbereitung der Nationalmannschaft.

58 60 Ähnlich wie in der Wirtschaftspraxis spielen sogenannte»best Practices«eine wichtige Rolle in der täglichen Trainingsarbeit der Nationalmannschaft unter Löw. Dabei geht es darum, von den Besten zu lernen. So wurde z.b. die Spielbeobachtung ausgedehnt, um Entwicklungen in führenden Fußball-Ligen und Turnieren ohne deutsche Beteiligung (Afrika-Cup, Südamerika-Cup) zu analysieren und die wichtigsten Erkenntnisse unmittelbar in die Trainingsarbeit einfließen zu lassen. Schließlich wird unter Löw neben der sportlichen auch großer Wert auf die persönliche Weiterentwicklung der einzelnen Spieler gelegt. So werden Weiterbildungsangebote, Knigge-Kurse, Medienschulungen sowie kulturelle Veranstaltungen in die Nationalmannschaftsaufenthalte integriert Leistungsentwicklung innerhalb der Löw-Ära Die konsequente individuelle Förderung der Spieler und das datengestützte Coaching der Mannschaft resultieren in der sichtbaren Verbesserung von individuellen Leistungsdaten. So verringerte sich z.b. die durchschnittliche Ballkontaktzeit pro Spieler (von Ballannahme bis Abspiel) von 2,8 Sekunden in 2005 auf 1,1 Sekunden in In den WM-Spielen 2010 gegen England und Argentinien lag diese sogar bei lediglich 0,9 Sekunden. Auch zahlreiche weitere Auswertungen der systematisch erfassten Spielanalysedaten zeigen, dass sich Leistungswerte in der Offensive und Defensive in weiten Bereichen positiv entwickelt haben (Nopp, 2013): Die Erfolgsquote von Angriffen der Nationalelf ins letzte Drittel des Gegners konnte von 59% in der Länderspielsaison 2005/06 auf mittlerweile 83% in der Saison 2012/2013 gesteigert werden. Die Quote von erfolgreichen, tief gespielten Pässen zum eigenen Mannschaftskollegen, konnte von 66% in 2006 auf 89% in der Saison 2012/13 gesteigert werden. Die durchschnittlichen Foulspiele pro Spiel konnten bei der WM 2010 und EM 2012 im Vergleich zur WM 2006 um die Hälfte reduziert werden; die durchschnittliche Anzahl von Fouls im eigenen Abwehrdrittel sank dabei von 3,7 in 2006 auf einen aktuellen Wert von 0,6. Die zurückgelegte Gesamtlaufstrecke in hoher Intensität pro Spiel und Spieler liegt mittlerweile um 20% höher als 2006/07. Dazu nahmen in der gleichen Zeit die Abstände zwischen den Läufen in hoher Intensität erheblich ab (-17%), wodurch ersichtlich wird, dass sich die Spieler mittlerweile länger und häufiger im intensiven Bereich bewegen als noch zu Beginn der Ära Löw. Die kontinuierlichen Verbesserungsmaßnahmen von Joachim Löw und seinem Team spiegeln sich auch deutlich in der Entwicklung der sportlichen Leistungen der Nationalmannschaft im relativen Vergleich zu anderen Nationen wider. Über die letzten acht Jahre hinweg konnte die Nationalmannschaft eine durchschnittliche Platzierung von Rang 3,8 in der Weltrangliste erreichen, was den besten Durchschnittswert aller betrachteten Phasen darstellt. Seit Juli 2006 befindet sich die deutsche Nationalmannschaft zudem ununterbrochen in den Top-10 des Fifa-Rankings, seit Juli 2010 ist sie stets unter den besten vier und seit Juni 2011 durchgehend unter den besten drei der Weltrangliste zu finden. Von Juli 2012 bis August 2013 konnte sich die Mannschaft sogar dauerhaft auf Rang zwei der Tabelle festsetzen. Die Dominanz und durchgehende Leistungskonstanz des Teams zeigt sich in den Ergebnissen der EM- und WM-Qualifikations runden für die letzten Europa- und Weltmeisterschaften. Mit acht Siegen, drei Unentschieden und einer Niederlage konnte sich das deutsche Team als erste Nation nach den Gastgeberländern Österreich und Schweiz für die Teilnahme an der Europameisterschaft 2008 qualifizieren. Darauf folgte die erfolgreiche Qualifikationsphase für die Endrunde der WM 2010 in Südafrika, wo sich Deutschland mit acht Siegen, zwei Unentschieden und ohne Niederlage als Tabellenerster für das Turnier qualifizierte. Schließlich stellte die Nationalmannschaft mit einer makellosen Bilanz von zehn Siegen in zehn Spielen einen neuen Rekord auf und konnte sich damit eindrucksvoll für die EM 2012 in Polen und der Ukraine qualifizieren. Ein weiteres Indiz für die Konstanz des Leistungsniveaus der Mannschaft sind die 15 Siege in 15 aufeinanderfolgenden Pflichtspielen, welche das Team zwischen dem 10. Juli 2010 (Spiel um Platz 3 bei der WM 2010 gegen Uruguay) und dem 22. Juni 2012 (Viertelfinale der EM 2012 gegen Griechenland) absolvierte und damit eine neue internationale Bestmarke aufstellen konnte Einführung eines flächendeckenden Fördersystems in Deutschland Ressourcenbedingte Wettbewerbsvorteile sind nur dann nachhaltig wirksam, wenn sie einzigartig und nur schwer imitierbar sind. Ansonsten werden sie schnell durch Nachahmung von Wettbewerbern erodiert (Prahalad/Hamel, 1990). Nachhaltige Wettbewerbsvorteile sind vor allem in Ressourcen begründet, die über einen längeren Zeitraum aufgebaut werden. Die heutige Nationalspielergeneration verdankt ihre Erfolge nicht zuletzt der einheitlichen, systematischen Nachwuchsförderung, deren Anfänge bereits auf die Amtszeit von Bundestrainer Berti Vogts zurückgehen. Er gewann 1996 die Europameisterschaft mit Nationalspielern, die er bereits in den U16-, U18- oder U20-Mannschaften trainierte. Doch trotz erheblichen persönlichen Einsatzes gelang es Vogts letztlich nicht, ein flächendeckendes Talentprogramm auf Vereins- und Landesverbandsebene zu etablieren. Erst das schlechte Abschneiden bei der WM 1998 und der EM 2000 führte zum bundesweiten Aufbau von Stützpunkten zur Förderung der 13- bis 17-Jährigen. Aktuell werden in Deutschland in einem zweistufigen Verfahren aus den etwa zwei Millionen Jugendlichen unter 18 Jahren, die in ca Fußballvereinen organisiert sind, die jeweils Talentiertesten eines Jahrgangs identifiziert. Das DFB-Förderprogramm bietet ein durchgehendes Trainingsangebot ab dem elften Lebensjahr und bezweckt,»jedem Talent die gleich guten Chancen zu geben, gesichtet und gefördert zu werden«(ulf Schott) und damit auf einen möglichen Einsatz in Bundesliga und Nationalelf bestmöglich vorbereitet zu werden (DFB, 2007, 2009, 2010). Die Sichtung der talentiertesten 11- bis 14-Jährigen Spieler erfolgt momentan in 366 flächendeckend über das Land verteilten Stützpunkten. Eine weiterführende Förderung der besten Talente erfolgt in 46 zertifizierten Leistungszentren (von 36 Bundesligaclubs und 10 Amateurvereinen). Seit 2002 sind die am Spielbetrieb der Bundesliga teilnehmenden Vereine für eine erfolgreiche Lizenzierung dazu verpflichtet, Leistungszentren für ihre Nachwuchsspieler zu betreiben. Ziel der Leistungszentren ist es, die bereits in den Stützpunkten erworbenen sportlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten gezielt auszubauen und zu perfektionieren. Geht es in den frühen Jahren in den Stützpunkten vermehrt um allgemeine bewegungstechnische und spielerische Vielseitigkeitsschulungen, stehen mit zunehmendem Fortschritt in

59 9. Weitere Auswertungen 61 den Leistungszentren neben systematischer Konditionsschulung und fußballspezifischem Grundlagentraining vor allem Gruppen- und mannschaftstaktische Übungen sowie individuelles, positionsspezifisches Techniktraining im Vordergrund. Dazu wird ein Schwerpunkt auf das Einstudieren komplexer Spielformen sowie die Optimierung und Stabilisierung der erworbenen Fähigkeiten gelegt (DFB-Ausbildungskonzeption, 2010). Typischerweise unterhalten die Bundesligaclubs sieben bis neun Mannschaften in ihren Leistungszentren in den Altersklassen U12 bis U19 mit jeweils bis zu 22 Spielern (Schmidt/Weiss, 2010). In der Saison 2011/2012 gaben die Bundesliga-Vereine zusammen 77 Mio. EUR für ihre Leistungszentren aus; seit 2001 waren es insgesamt 713 Mio. EUR (DFL, 2013). Zudem investierte der DFB seit 2002 etwa 208 Mio. EUR in die Talentund Nachwuchsförderung. Von Anfangs ca. 10 Mio. EUR im Jahr 2002 steigerte sich der Etat bis auf aktuell ca. 25 Mio. EUR im Jahr Wolfgang Niersbach:»Nur durch die jährliche Investition von DFB und Liga in die Nachwuchsförderung können wir zukünftige Spitzenfußballer ausbilden und damit eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit der Nationalmannschaft auf Weltklasseniveau gewährleisten.«zwar endet die offizielle Stützpunktförderung im Alter von 14 Jahren. Dennoch können Spieler bis zum 17. Lebensjahr, die bis dahin noch nicht in einem Leistungszentrum untergekommen sind, weiterhin in den Landesverbänden trainieren. Dadurch wird gewährleistet, dass auch Spätentwickler nicht durchs Netz fallen und den Sprung zu einem Bundesligisten später noch schaffen können. Dies ist bei etwa 40% der aktuellen Bundesligaspieler der Fall, welche als 15-Jährige noch nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum trainierten. Von diesem mittlerweile etablierten Nachwuchsprogramm und den Leistungszentren der Bundesligaclubs profitiert vor allem der Bundestrainer durch einen Auswahlpool an gut ausgebildeten Spielern für den Einsatz in der Nationalmannschaft. So durchliefen aus dem aktuellen Kader der Nationalmannschaft alle Spieler die Leistungszentren eines Lizenzvereins und konnten damit den Sprung in den Profifußball und schlussendlich in die Nationalelf schaffen. Mit Ausnahme von Miroslav Klose führte ihr Weg jeweils über einen U-Kader des DFB, dem sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten angehörten. Christian Seifert:»Die Leistungszentren der Bundesligaclubs sind die Talentschmieden des deutschen Fußballs. In ihnen wachsen die Fußballhelden von morgen heran.«als Ergebnis der flächendeckenden Einführung des DFB-Talentförderprogramms und der Leistungszentren der Bundesligaclubs gilt der Gewinn der U21-Europameisterschaft neun Jahre später. Von dem 23-köpfigen Aufgebot der U21 EM Sieger in 2009 schafften mittlerweile zehn Spieler den Sprung in die deutsche A-Nationalmannschaft und vier weitere Spieler entschieden sich für eine ausländische Staatsbürgerschaft und kamen im A-Team der USA, Tunesien, Iran und Polen zum Einsatz. Günter Netzer:»Die seit Jahren kontinuierlich stattfindenden Investitionen der Clubs und des DFB in eine systematische Nachwuchsarbeit haben sich ausgezahlt.«die von DFB und DFL seit 2002 in die Nachwuchs förderung geleisteten Investionen zahlen sich offensichtlich aus. Während Deutschland zur Jahrtausendwende führenden Fußballnationen wie den Niederlanden (»Ajax-Schule«) oder dem amtierenden Welt- und Europameister Frankreich (Claire Fontaine), die bereits in den 90er Jahren einheitliche Ausbildungskonzepte landesweit umsetzten, hinterherhinkten, gilt die deutsche Nachwuchsförderung heute international als Benchmark. Demnach ist es in den letzten zwölf Jahren gelungen, ressourcenbedingte Wettbewerbsvorteile aufzubauen, die kurzfristig nur schwer imitierbar erscheinen Statistische Auswertungen zur Identifikationswirkung der Nationalmannschaft Die Identifikation der Umfrageteilnehmer mit der Nationalmannschaft wurde anhand eines sechsgliedrigen Konstrukts, welches vorrangig auf der»team Identification Scale«von Ngan et al. (2011) basiert, gemessen. Ein Durchschnittswert von 5.00 stellt dabei die höchstmögliche Identifikationsstufe, 1.00 die niedrigste Identifikationsstufe dar. Die durchgeführten Analysen zeigen, dass die überwiegende Anzahl soziodemografischer Merkmalsausprägungen, darunter die jeweiligen Ausprägungen der Variablen Geschlecht, Beschäftigungsstatus, Einkommensniveau, Haushaltsgröße, Kinderstatus, Größe des Wohnortes und Grad des gesell- schaftlichen Engagements/Vereinsaktivität keinen signifikanten Einfluss (p.05) auf die Identifikationsstärke nehmen. Demgegenüber bestehen hochsignifikante (p <.001) Unterschiede hinsichtlich der Identifikation mit der Nationalmannschaft in Abhängigkeit vom Beziehungsstatus, Bildungsniveau und von der Nationalität der befragten Umfrageteilnehmer. Darüber hinaus zeigt sich in den Auswertungen ein Alterseffekt. Um ausschließen zu können, dass die Ergebnisse durch diesen Effekt überlagert werden, wurden zusätzlich altersbereinigte Analysen durchgeführt. Alle auf Basis der aus Mittelwertvergleichen und t-tests gewonnenen Erkenntnisse konnten anhand eines multivariaten Regressionsmodells, welches die gegenseitigen Wechselwirkungen der Variablen berücksichtigt, bestätigt werden. Die Ergebnisse wurden zudem auf Multikolinearität hin überprüft. Die Spannweite der Varianzinflationsfaktoren bewegt sich zwischen 1.02 und 2.13 und liegt somit durchwegs unter dem kritischen Wert von 10 (vgl. Baum, 2006; Allison, 1999). Multikollinearität kann für dieses Modell dementsprechend ausgeschlossen werden. Schließlich wurden die Identifikationswerte von Nationalmannschaft und Bundesligaclubs verglichen. Die Basis hierfür liefern die vom Stichprobenumfang vergleichbaren Daten der Studie Deutschland braucht den Superstar (Schmidt/Högele, 2011), in der die Identifikation der Umfrageteilnehmer mit ihrem jeweiligen Lieblings-Bundesligaclub abgefragt wurde. Während die Identifikationswirkung nahezu gleich ist, variiert der Einfluss unterschiedlicher soziodemografischer Merkmale auf die Identifikation. Insbesondere der Einfluss der Variablen Geschlecht, Einkommen, Haushaltsgröße und Herkunft variiert hier mitunter zwischen National mannschaft und Bundesligaclubs deutlich.

60 Alter Um sicherstellen zu können, dass die Analyse des möglichen Einflusses weiterer soziodemografischer und psychografischer Merkmale auf die Teamidentifikation durch einen Alterseffekt nicht überlagert wird, erfolgten altersbereinigte Betrachtungen. Zunächst wurde der mögliche Einfluss des Alters auf die Teamidentifikation untersucht. Die Ergebnisse zeigen einen hochsignifikanten Effekt des Lebensalters auf die Identifikation der Befragten mit der Nationalmannschaft, (F(4, 2.093) = 22.98, p =.0000). Mit zunehmendem Lebensalter sinkt die Identifikation mit der Nationalmannschaft, (r = , p =.0000). Mit jedem zusätzlichen Lebensjahr verringert sich die Identifikation mit dem Team um durchschnittlich.014 Punkte. Dies ist ein bekannter Effekt, der in dieser Größenordnung, den Werten aus Vergleichsstudien entspricht (vgl. Schmidt/Högele, 2011). Dementsprechend zeigen Umfrageteilnehmer, die zum Zeitpunkt der Befragung jünger als 18 Jahre alt waren, die höchste Identifikation (M = 3.31, SD =.77), während die Identifikation mit dem Team in der Gruppe der über 50-Jährigen am geringsten ist (M = 2.70, SD =.86) Geschlecht Zudem wurde der mögliche Einfluss des Geschlechts auf die Teamidentifikation untersucht. Die Ergebnisse zeigen keinen signifikanten Effekt des Geschlechts auf die Identifikation mit der Nationalmannschaft, (t(2.080) =.4935, p =.5912). Das Identifikationsniveau weiblicher Umfrageteilnehmer (M = 3.05, SD =.81) unterschied sich nicht signifikant von dem der befragten Männer (M = 3.07, SD =.82). Betrachtet man den Einfluss des Geschlechts auf die Identifikationswerte von Fans hinsichtlich ihres Lieblingsbundesligaclubs, zeigt sich dort ein anderes Bild. Während es im Hinblick auf die Identifikation mit der Nationalmannschaft keine geschlechterspezifischen Unterschiede gibt, identifizieren sich Männer (M = 3.40, SD =.86) mit ihrem Lieblingsbundesligaclub signifikant mehr als Frauen (M = 3.25, SD =.93), (t(2.099) = , p =.0047) Beschäftigungsstatus Auch der mögliche Einfluss des Beschäftigungsstatus auf die Teamidentifikation erweist sich (mit Ausnahme junger, sich in Ausbildung befindender Umfrageteilnehmer) als nicht signifikant. Die Identifikation der Umfrage-Teilnehmer ohne Beschäftigung (M = 2.95, SD =.89) unterscheidet sich dabei im Mittel nicht signifikant von jenen mit Beschäftigung (M = 2.95, SD =.85), (t(1.143) = , p =.7681). Im Hinblick auf einen möglichen Alterseffekt wurde zudem die Gruppe der 25-Jährigen genauer betrachtet, für die nach Schulausbildung, Ausbildung oder Studium erstmals auch der Beschäftigungsstatus ohne Beschäftigung relevant erscheint. Die Gruppenunterschiede sind auch in diesem Fall nicht signifikant, (t(1.024) = , p =.3883) Einkommensgruppe Analog zum Beschäftigungsstatus zeigt sich auch im Rahmen der Untersuchung des möglichen Einflusses des monatlichen Nettoeinkommens auf die Teamidentifikation kein signifikanter Effekt auf dem 5%-Niveau, (F(5, 1.997) = 2.05, p =.0685). Diese Beobachtung wird durch multiple Paarvergleiche bestätigt, welche, nach Ausschluss eines möglichen -Fehlers (nach der Methode von Bonferroni), ebenfalls ausnahmslos nicht signifikante Identifikationsunterschiede aufzeigen. Da das Erreichen einzelner Nettoeinkommensgruppen insbesondere für junge Umfrageteilnehmer mit einem gemeinhin höheren Identifikationsniveau unwahrscheinlich erscheint, wurde zudem die Gruppe der über 30-Jährigen genauer betrachtet. Dort lässt sich ebenfalls kein signifikanter Einfluss des monatlichen Nettoeinkommens auf die Team identifikation feststellen, (F(5, 819) = 1.63, p =.1498). Im Gegensatz zur Nationalmannschaft zeigen sich bei der Untersuchung des möglichen Einflusses des monatlichen Nettoeinkommens auf die Teamidentifikation des Lieblingsfußballvereins hochsignifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Einkommensgruppen (F(5, 1.843) = 8.91, p =.000). Personen aus den untersten Einkommensgruppen (<500 EUR Nettoverdienst pro Monat) identifizieren sich dabei signifikant mehr als Personen aus höheren Einkommensgruppen mit ihrem Lieblingsclub Haushaltsgröße Untersucht man den Einfluss der Haushaltsgröße auf die Teamidentifikation, zeigen sich ebenso keine signifikanten Effekte zwischen Personen aus Haushalten mit ein (M = 3.04, SD =.82), zwei (M = 3.03, SD =.82), drei (M = 3.02, SD =.84), vier (M = 3.09, SD =.84) oder fünf (oder mehr) Personen (M = 3.19, SD =.75), (F(4, 2.096) = 2.10, p =.0784). Während im Hinblick auf die Identifikation mit der Nationalmannschaft kein Einfluss der Haushaltsgröße ersichtlich wird, erweist sich der Einfluss dieser Variable im Hinblick auf die Identifikation mit dem Lieblingsverein innerhalb der Fußball-Bundesliga als hochsignifikant. So identifizieren sich Umfrageteilnehmer in Mehrpersonenhaushalten signifikant mehr mit ihrem Lieblingsverein als jene in Einpersonenhaushalten (F(4, 2.096) = 9.21, p =.0000) Kinderstatus Zur Überprüfung des Einflusses der Anzahl leiblicher Kinder auf die Identifikation mit der Nationalmannschaft wurden (um Verzerrungen zu vermeiden) lediglich Personen über 30 Jahre, dem durchschnittlichen Alter einer Frau zum Zeitpunkt der Geburt ihres ersten Kindes in Deutschland (Statistisches Bundesamt, 2012), betrachtet. Die Identifikation der Umfrageteilnehmer ohne (eigenes) Kind (M = 2.89, SD =.84) unterscheidet sich nicht signifikant von jener der Umfrageteilnehmer mit mindestens einem Kind (M = 2.86, SD =.86), (t(847) =.3984, p =.6905). Frauen mit Kind (M = 2.78, SD =.83) identifizieren sich ähnlich stark mit dem Nationalteam wie Frauen ohne eigenes Kind (M = 2.84, SD =.87), (t(256) =.5744, p =.5682). Schließlich weisen auch multiple Paarvergleiche zwischen den einzelnen Gruppen (mit unterschiedlicher Kinderzahl) ausnahmslos nicht signifikante Identifikationsunterschiede auf (F(4, 456) =.36, p =.8336). Dies bedeutet, dass kein signifikanter Unterschied zwischen der Identifikation von Kinderlosen und Eltern als auch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Eltern untereinander (unabhängig von der Anzahl der Kinder) zu beobachten sind.

61 9. Weitere Auswertungen Größe des Wohnortes Untersucht man den Einfluss der Größe des Wohnortes auf die Teamidentifikation, zeigt sich durchgehend ebenso kein signifikanter Effekt (F(8, 2.095) =.83, p =.5721). So liegen die Identifikationswerte dabei im ländlichen Raum, d.h. bei Personen aus Heimatorten mit weniger als 500 Einwohnern (M = 3.09, SD =.07), auf einem ähnlichen Niveau wie bei Personen aus Metropolen mit mehr als Einwohnern (M = 3.13, SD =.06) Gesellschaftliches Engagement Die Auswertung der Umfragedaten belegt, dass zudem keine signifikanten Unterschiede zwischen Befragten die sozial stärker vernetzt sind, d.h. Mitglied in mindestens einem Verein sind (M = 3.10, SD =.82), und solchen, die in keiner wohltätigen Organisation aktiv sind (M = 3.05, SD =.84), bestehen (t(2.104) = , p =.3140). Eine Ausnahme bilden jedoch Mitglieder eines Fußballvereins; sie identifizieren sich erwartungsgemäß hochsignifikant mehr mit der Nationalmannschaft (M = 3.20, SD =.78) als Personen, die aktuell nicht Mitglied eines Fußballvereins sind (M = 3.03, SD =.82), (t(2.104) = , p =.0009) Beziehungsstatus Hochsignifikante Unterschiede zeigen sich bei der Untersuchung des möglichen Einflusses des Beziehungsstatus auf die Teamidentifikation. Hier stehen die Identifikationswerte in einem deutlichen Zusammenhang mit dem jeweiligen Beziehungsstatus des Umfrageteilnehmers; je enger die Bindung an einen Partner ist, umso geringer ist die Identifikation mit der Nationalmannschaft. Alleinstehende weisen dabei die höchste (M = 3.15, SD =.86), Verheiratete die geringste Identifikation mit der Nationalmannschaft auf (M = 2.85, SD =.85). Unverheiratete, sich in einer Beziehung befindende Umfrageteilnehmer liegen dabei zwischen den beiden Extrempolen (M = 3.07, SD =.81), (F(2, 2.082) = 21.99, p =.0000). Dieser Effekt zeigt sich auch in einer altersbereinigten Betrachtung für Personengruppen ab 25 Jahren, (F(2, 1.171) = 5.55, p =.0040) Bildungsniveau Auch mit steigendem Bildungsniveau sinkt die Identifikation mit der Nationalmannschaft in hoch signifikanter Weise. Während Personen ohne Schulabschluss die höchsten Identifikationswerte aufweisen (M = 3.28, SD =.79), liegt die Teamidentifikation promovierter Umfrageteilnehmer deutlich darunter(m = 2.40, SD =.90), (F(5, 2.084) = 12.57,p =.0000). Dieser Effekt zeigt sich auch in einer altersbereinigten Betrachtung für Umfrageteilnehmer über 25 Jahre (F(2, 1.171) = 5.55, p =.0040) Nationalität Schließlich zeigen sich auch beim möglichen Einfluss der Nationalität auf die Teamidentifikation hochsignifikante Gruppenunterschiede. Vergleicht man die Identifikationswerte deutscher Staatsangehöriger mit den Werten von ausländischen Staatsbürgern, zeigt sich, dass sich ausländische Teilnehmer hochsignifikant mehr mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft identifizieren (M = 3.48, SD =.92) als deutsche Teilnehmer der Umfrage (M = 3.05, SD =.82), (t(2.093) = , p =.0002). Der Identifikationswert sinkt dabei je länger die Person in Deutschland ansässig ist, ehe er sich langsam dem Identifikationswert deutscher Staatsbürger annähert. Mögliche überlagernde Einflüsse sowohl des Alters (t(2.086) =.4073, p =.6838) als auch des Bildungsniveaus (t(2.079) = , p =.5498) konnten durch entsprechende Tests ausgeschlossen werden. In beiden Fällen unterscheiden sich beide Gruppen nicht signifikant. Vergleicht man dieses Ergebnis mit dem Einfluss der Nationalität auf die Identifikationswerte eines Fans mit seinem Lieblingsverein innerhalb der Fußball-Bundesliga, zeigt sich erneut ein anderes Bild (vgl. Schmidt/Högele, 2011). Hier gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen deutschen Staatsangehörigen (M = 3.38, SD =.86) und Befragten mit ausländischer Staatsbürgerschaft (M = 3.34, SD =.98), (t(2.099) = , p =.4622) Spendenbereitschaft Die Spendenbereitschaft für Projekte, für die die Nationalmannschaft wirbt, korreliert hochsignifikant positiv mit der Identifikation der Befragten (r =.2537, p =.000); je größer die Identifikation mit der Nationalmannschaft ist, desto mehr steigt bei den Umfrageteilnehmern die Bereitschaft, für wohltätige Organisationen zu spenden, die von der Nationalmannschaft ideell unterstützt werden. Dies gilt auch für den Fall, dass die Nationalmannschaft selbst als Spender auftritt (r =.2485, p =.000). Interessanterweise gilt dies auch für die Umfrageteilnehmer, die sich bislang nicht in aktiver Weise sozial engagieren; je höher die Identifikation mit der Nationalmannschaft innerhalb dieser Gruppe ist, desto höher liegt auch hier die Bereitschaft dieser Personen, sich für wohltätige Organisationen passiv (d.h. durch Spenden) zu engagieren, die auch von der Nationalmannschaft in ideeller (r =.2343, p =.000) oder monetärer Weise (r =.2201, p =.000) unterstützt werden.

62 64

63 Literaturverzeichnis 65 Literaturverzeichnis

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67 69

68 70 Über das Institute for Sports, Business & Society Im Zentrum der ISBS-Forschungsagenda stehen die folgenden vier Schwerpunkte: Sozialer Wandel durch Sport Ermittlung der ökonomischen und sozialen Abstrahleffekte (Return to Society) durch Spitzensport, sportpolitische Maßnahmen, Förderprogramme auf Städte, Regionen und Länder Entwicklung sportspezifischer Maßnahmen zum systematischen Vergleich makroökonomischer und sozialer Auswirkungen des Sports Humankapital im Sport Analyse von Persönlichkeitseigenschaften und Potentialen von Spitzensportlern zur Ermittlung von sportartspezifischen Fähigkeitsprofilen für die Wirtschaft Identifikation von Best Practices in den Bereichen Sourcing, Rekrutierung, Platzierung und Weiterbildung von Spitzesportlern Strategisches Sportmarketing und -sponsoring Weiterentwicklung bestehender Methoden und Instrumente zur Messung des ökonomischen und sozialen Sponsoringerfolgs Analyse von Fanverhalten und -bedürfnissen zur Identifikation von Erfolgsfaktoren in der Club- und Sportlervermarktung Ermittlung neuer Geschäftsmodelle für Randsportarten Sports Consumer Behaviour Analyse von Fanverhalten/-bedürfnissen zur Identifikation von Erfolgsfaktoren in der professionellen Club- und Sportlervermarktung Weiterentwicklung bestehender Methoden und Instrumente zur Messung des ökonomischen und sozialen Sponsoring-Erfolgs Das Institute for Sports, Business & Society (ISBS) der EBS Universität für Wirtschaft und Recht untersucht die sozialen und ökonomischen Wirkungen des Sports. Neben wissenschaftlichen Studien mit hoherpraktischer Relevanz und der Identifikation neuer Trends im Zusammenspiel von Sport, Wirtschaft und Gesellschaft bietet das Institut eine Plattform für Unternehmensführer, Wissenschaftler, Sportler und den Führungsnachwuchs. Ziel des ISBS ist es, relevante und attraktive Themen anhand wissenschaftlicher Methoden zu analysieren und für den Dialog mit Meinungsführern in Sport, Wirtschaft und Gesellschaft aufzubereiten. Kontakt Prof. Dr. Sascha L. Schmidt Institutsleiter Institute for Sports, Business & Society EBS Business School EBS Universität für Wirtschaft und Recht Rheingaustr Oestrich-Winkel Telefon

69 ISBS Research Series 71 ISBS Research Series Issue 1, Integration durch Profifußball Eine Analyse der Leistungszentren der Bundesliga Autoren: Prof. Dr. Sascha L. Schmidt und Christian Weiss ISBS Research Series Issue 2, In the Line of Fire Verweildauer von Bundesligatrainern und CEOs in Deutschland Autoren: Prof. Dr. Sascha L. Schmidt und Dominik Schreyer ISBS Research Series Issue 3, Adler sind keine Fliegengewichte mehr Skispringen im Wandel der Zeit Autoren: Prof. Dr. Sascha L. Schmidt und Verena Jung ISBS Research Series Issue 4, Deutschland braucht den Superstar Die gesellschaftliche Bedeutung von Vorbildern im Profifußball Autoren: Prof. Dr. Sascha L. Schmidt und Daniel Högele ISBS Research Series Issue 5, Die Stadt und ihr Profifußball Eine ganz normale Beziehung Autoren: Prof. Dr. Sascha L. Schmidt und Florian Bünning ISBS Research Series Issue 6, Kollege Spitzensportler Chancen für Wirtschaft und Athleten Autoren: Prof. Dr. Sascha L. Schmidt und Thomas Saller ISBS Research Series Issue 7, Wir sind Nationalmannschaft Analyse der Entwicklung und gesellschaftlichen Bedeutung der Fußball-Nationalelf Autoren: Prof. Dr. Sascha L. Schmidt und Andreas Bergmann

70 Kontakt Prof. Dr. Sascha L. Schmidt Andreas Bergmann Institute for Sports, Business & Society EBS Business School ggmbh Universität für Wirtschaft und Recht Rheingaustraße Oestrich-Winkel Telefon Design bdax, Düsseldorf Grafiken Sebastian Struch Grafik Design, München Bildnachweise Mit freundlicher Unterstützung der Getty Images Deutschland GmbH Institute for Sports, Business & Society Oestrich-Winkel 11/2013

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