Seminar Javabasierte Webtechnologien

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1 Wikis Seminar Javabasierte Webtechnologien Otto-von-Guericke Universität Magdeburg Fakultät für Informatik Tobias Kühne IF 2000 Matrikelnummer:

2 Gliederung: 1. Einleitung & Motivation 2. Ward Cunningham 3. Wiki-Engines 4. Javabasierende Wikis 5. JSPWiki 6. FitNesse 7. Beispiele für Wikis 8. Zusammenfassung 9. Quellen 2

3 1. Einleitung & Motivation Definition Wiki (aus [1]): Wikis, auch WikiWikis und WikiWebs, sind im World Wide Web verfügbare Seitensammlungen, die von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online geändert werden können. Sie sind damit offene Content Management Systeme. Der Name bezieht sich auf wiki, das hawaiianische Wort für "schnell". Aus dieser Definition geht bereits das Konzept eines Wikis hervor. Die Besonderheit - im Vergleich zu normalen, statischen Webseiten - ist, daß jeder Besucher eines Wikis die besuchte Seite sofort und ohne Anmeldung ändern kann. Damit ist es möglich, schnell und unkompliziert Fehler zu korrigieren und Informationen hinzuzufügen. Natürlich können böswillige Personen auch Inhalte löschen oder falsche Informationen auf einer Seite einfügen. Dies kann durch geschickte Versionsverwaltung, welche die Wiki-Engines bieten, vermieden bzw. rückgängig gemacht werden. Wikis können in sehr vielen Fällen zum Einsatz kommen: als Projektdokumentation, Linkliste oder zur Planung von Veranstaltungen. Auch einige große Firmen nutzen intern Wikis. Motorola Ingenieure kommunizieren über Wikis und die Lufthansa Systems Berlin verwaltet damit technische Dokumente. Die erste Wiki-Engine wurde 1995 von Ward Cunningham entwickelt (siehe Abschnitt 2). Mittlerweile gibt es sehr viele verschiedene Wiki-Engines in mehr als 20 unterschiedlichen Programmiersprachen. Es haben sich teilweise riesige Communities gebildet, die Wikis betreuen. Das wohl bekannteste Wiki ist die Wikipedia ( oder auf deutsch Die Wikipedia ist ein freies Online-Lexikon. Die englische Version wurde im Januar 2001 gestartet. Die englische Wikipedia umfaßt heute mehr als Artikel und die deutsche Version besteht aus über Artikeln mit rasch steigender Tendenz. 3

4 2. Ward Cunningham Ward Cunningham kann als der Erfinder des Wiki-Konzepts bezeichnet werden. Er hat 1995 das erste Wiki, das Portland Pattern Repository gegründet. Dieses Wiki ist immer noch aktiv und wird auch noch von Ward betreut. Er ist weiterhin der Ko-Autor des Buches The Wiki Way Quick collaboration on the web (ISBN X). Außerdem hat er bei der Entwicklung der objektorientierten Programmierung und des Extreme Programming mitgewirkt. Seit 2003 arbeitet Ward Cunningham für Microsoft in der Arbeitsgruppe pattern & practices. 3. Wiki-Engines Die Anzahl der verfügbaren Wiki-Engines steigt kontinuierlich. Eine Liste mit unzähligen Engines ist unter [4] zu finden. Obwohl auch einige dieser Engines in so exotischen Programmiersprachen wie z.b. Erlang oder Prolog geschrieben sind, beschränkt sich der überwiegende Teil auf die im Internet verbreiteten Sprachen wie Java, Perl und PHP. Eine Seite innerhalb eines Wikis hat zwei Darstellungsformen: interne Form mit Wiki-Syntax HTML-Form welche aus der internen Form erzeugt wird Die meisten Wiki-Engines verwenden eine ähnliche Syntax zum Bearbeiten von Artikeln. Interne Links werden über CamelCase Syntax (Zeichenfolgen mit Großbuchstaben am Anfang und in der Mitte des Wortes) oder doppelte eckige Klammern erzeugt: [[Link]]. Für den Fall, daß ein Artikel zu einem internen Link noch nicht existiert, so kann er durch klicken auf den Link erstellt werden. Externe Links werden nach Eingabe einer URL automatisch generiert. Text zwischen doppelten Hochkommata wird kursiv und bei dreifachen Hochkommata wird der Text fett formatiert. Eine ausführliche Übersicht zur Wiki-Syntax gibt es unter [5]. Alle Wiki-Engines haben die Gemeinsamkeit, daß das Bearbeiten von Seiten schnell gehen soll ( wiki ). Nachfolgend werden vier beliebte Wiki-Engines erläutert. Dabei wird die WikiWikiWeb-Engine von Ward Cunningham vernachlässigt, da diese mit den moderneren Plattformen vom Funktionsumfang her nicht mehr mithalten kann. 4

5 MediaWiki Die MediaWiki-Engine ist die Basis der Wikipedia und basiert auf einer PHP/MySQL Implementation. Inzwischen gibt es auch weitere Wikis, die auf der MediaWiki-Engine aufsetzen (z.b. Wiktionary, Wikiquote, Wikibooks, Wikitravel, Kamelopedia, usw.). Die Installation verläuft über den Aufruf einiger PHP- und MySQL-Skripte. Die aktuelle Version der MediaWiki-Engine steht unter [6] zum Download bereit. Eine Dokumentation (natürlich in Wiki-Form) entsteht mit dem Meta- Wiki [7]. Das Interface ist in ca. 20 Sprachen verfügbar. MediaWiki bietet viele Funktionen, um den Nutzern das Erstellen und Bearbeiten von Artikeln so komfortabel wie möglich zu machen: Verfolgen von Änderungen einer Seite Automatische Generierung von Inhaltsverzeichnissen bei mehr als drei Überschriften Namensräume (Trennung von Inhalten, Diskussionen, Bildern usw.) einfache Rechteverwaltung ( Sysops und Entwickler ) Wiederherstellung von gelöschten Seiten PhpWiki PhpWiki ist eine auf PHP basierende Engine [8]. Als Datenbank kann, wie bei MediaWiki, MySQL genutzt werden, es sind aber auch andere Backends einsetzbar (msql, Postgresql, GDBM). Die Benutzerschnittstelle steht in sieben Sprachen zur Verfügung. Die Funktionalität von PhpWiki läßt sich über Plug-ins erweitern. Beim gleichzeitigen Bearbeiten einer Seite von verschiedenen Benutzern versucht PhpWiki die Änderungen zusammen zu fassen. Weiterhin bietet PhpWiki die Möglichkeit in Content Management Systeme eingebunden zu werden. TWiki Die TWiki-Engine [9] ist in Perl geschrieben und wird häufig in Intranets eingesetzt. Die Engine wird auf der Projekt-Homepage ausführlich dokumentiert (auch durch Einsatz der TWiki-Engine). TWiki benutzt keine Datenbank als Backend, sondern speichert die Daten über das GNU-Revisionskontrollsystem RCS. Um eine Seite bearbeiten zu können ist eine Registrierung nötig. TWiki bietet einen sehr umfangreichen Zugriffsschutz. Es ist eine Vielzahl von Plugins für TWiki verfügbar. UseModWiki Wie TWiki ist auch UseModWiki [10] in Perl entwickelt und eine sehr beliebte Engine, was darauf zurückzuführen ist, daß es einfach zu installieren ist und einen großen Funktionsumfang hat. UseModWiki benutzt keine Datenbank zur Speicherung von Artikeln, sondern ein eigenes proprietäres Format. 5

6 4. Javabasierende Wikis Auf [4] sind momentan 24 Wiki-Engines aufgelistet, die in Java bzw. mittels Java Server Pages (JSP) implementiert sind. Einige dieser Engines setzen auf Frameworks wie Struts oder Cocoon auf und viele sind Open-Source und stehen unter der General Public License (GPL) zur Verfügung. Es gibt jedoch auch komerzielle Varianten (z.b. Confluence, the professional J2EE wiki ). Wiki-Engines die in Java entwickelt werden haben den Vorteil z.b. gegenüber ASP Lösungen daß sie plattformunabhängig sind. Die javabasierenden Wiki-Engines setzen das MVC-Konzept um, das bereits im Seminar vorgestellt wurde. D.h. Trennung von Inhalt, Technologie und Darstellung. Dabei bildet die Datenbank bzw. das der Wiki-Engine zugrunde liegende Backend das Model, die eigentliche Engine bildet das Control Objekt und die Darstellung im Web-Browser beim Nutzer entspricht der View. Alle dieser Engines orientieren sich an dem ursprünglich von Ward Cunningham entwickeltem Konzept und erweitern dieses teilweise sehr stark. Eine Versionsund Rechteverwaltung bieten die meisten Engines. Einige beinhalten zusätzlich noch Unterstützung für Plug-Ins (z.b. XWiki [11]). Das VeryQuickWiki [12] ist sehr schnell zu installieren. EclipseWiki [13] ist ein Plug-In für die Java-IDE Eclipse und ermöglicht die direkte Erstellung von Dokumentationen innerhalb der IDE, mit Links zu lokalen EclipseWiki Dateien, URL's, Java Source Code usw. In den beiden folgenden Abschnitten werden zwei Engines (JSPWiki und FitNesse) näher erläutert. 5. JSPWiki Die Projekt-Homepage des JSPWiki ist unter [14] zu finden. Wie der Name bereits andeutet, basiert JSPWiki auf Java Server Pages. Die Syntax des JSPWiki ist der der MediaWiki-Engine ähnlich, mit jedoch kleinen Unterschieden. Links werden durch einfache eckige Klammern erzeugt [Link]. Eine einfach zu nutzende Plug-In Schnittstelle ist ebenso vorhanden wie Unterstützung für Templates und Skins (zur Bestimmung des Aussehens des Wikis). Weiterhin bietet JSPWiki Support für Tabellen, Fußzeilen, log4j, usw. Die Daten verwaltet JSPWiki, wie TWiki, entweder über das GNU RCS oder in einer MySQL Datenbank. Die aktuelle stabile Version ist und auf der Projekt-Homepage als Download sowohl im Quelltext als auch als Binärpaket (Web-Application.war Archiv) verfügbar. Die Dokumentation ist (natürlich als JSPWiki implementiert) ebenfalls auf der Homepage zu finden. Eingesetzt wird JSPWiki unter anderem von dem Institut für Datenverarbeitung in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der Universität Linz. 6

7 6. FitNesse FitNesse [15] ist im Gegensatz zu den meisten anderen Wiki-Engines ein Standalone Wiki. D.h. es benötigt weder eine Web-Server-Umgebung noch eine Datenbank. Auch eine Installation ist nicht notwendig. Die einzige Vorraussetzung an das System, ist daß eine Java Umgebung oder höher vorhanden ist. Gestartet wird FitNesse durch den Aufruf der run.bat Datei unter Windows bzw. run.sh unter Unix und Unix-ähnlichen Systemen. FitNesse bietet ein sehr einfaches und übersichtliches User-Interface. Ältere Versionen von Beiträgen lassen sich mit wenigen Mausklicks wiederherstellen. Auch FitNesse verwendet eine Syntax, die der von MediaWiki weitgehend gleicht. Eine Besonderheit ist jedoch der PasteFromExcel Button, der es ermöglicht, Tabellen aus Excel zu importieren. Diese werden dann automatisch in die FitNesse Syntax umgewandelt. Das Look-and-feel läßt sich über CSS anpassen. Eine einfache Userverwaltung ist auch vorhanden. Die Vorteile von FitNesse bestehen darin, daß es Stand-alone läuft, keine Installation notwendig ist. Daraus ergibt sich jedoch der Nachteil, daß diese Wiki-Engine nicht ohne weiteres in vorhandene Web-Seiten eingebunden werden kann. 7. Beispiele für Wikis Nachfolgend werden einige bekannte oder interessante Wikis kurz vorgestellt. Wikipedia Die freie Online-Enzyklopädie ist wohl das bekannteste und mit Abstand größte Wiki. Verfügbar in sehr vielen Sprachen (englisch, deutsch, spanisch, französisch, italienisch, polnisch, russisch, chinesisch,...) LinuxWiki - Das LinuxWiki ist ein deutsches Wiki zum Thema Linux. Es enthält u.a. eine KnowledgeBase, in der Informationen über das freie Betriebssystem gesammelt werden, eine Liste von Linux User Groups und einen Frage&Antwort Teil. Software Entwickler Wiki Ein Wiki zum Thema Software-Entwicklung (Design, Qualität, Dokumentation, Test, Programmiersprachen usw.). Kamelopedia Nicht ganz ernstzunehmendes Wiki zum Thema Kamele. Eine Parodie auf die Wikipedia. Basiert auch auf der MediaWiki-Engine. 7

8 8. Zusammenfassung Wer zum ersten Mal von dem Wiki-Konzept hört, wird eventuell skeptisch darüber sein, wie dieses im Internet funktionieren kann. Wiki-Engines bieten ein ausgereiftes Versionsverwaltungs-System, welches es ermöglicht, frühere Versionen von Seiten ohne großen Aufwand zu vergleichen und wiederherzustellen. Bösartige Nutzer können auf IP-Basis blockiert werden. Weitere Vorteile des Wiki-Konzepts sind: Benutzer benötigen keine technischen Kenntnisse (HTML, PHP) Administrator ist nicht für Inhalte zuständig keine bzw. geringe Hemmschwelle zum Editieren eines Artikels alle Internet-Nutzer können von den Inhalten der Wikis profitieren Struktur und Querverweise Mit der Entwicklung des ersten Wikis hat Ward Cunningham 1995 einen großen Schritt zur Bereicherung des Internets getan. Mittlerweile gibt es eine unüberschaubare Anzahl von Wikis und Wiki-Engines im World Wide Web Tendenz steigend. 8

9 9. Quellen [1] Definition Wiki [2] [3] - Portland Pattern Repository (erstes Wiki) [4] Übersicht über Wiki-Engines [5] Wiki-Syntax am Beispiel der Wikipedia [6] MediaWiki [7] MediaWiki Dokumentation [8] - PHPWiki [9] - TWiki [10] UseModWiki [11] - XWiki [12] - VeryQuickWiki [13] - EclipseWiki [14] - JSPWiki [15] - FitNesse [16] c't Magazin für Computertechnik, 2/2003, Torsten Kleinz - Schreibrecht für alle!, Seite 176 [17] c't Magazin für Computertechnik, 25/2003, Erik Möller - Schreibwerkstätten, Seite 202 9

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