Schlussbericht der Unfalluntersuchungsstelle für Bahnen und Schiffe

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1 Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation Département fédéral de l Environnement, des Transports, de l Energie et de la Communication Dipartimento federale dell Ambiente, dei Trasporti, dell Energia e delle Comunicazioni Federal Department of the Environment, Transport, Energy and Communications U V E K E T E C A T E C E T E C Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe U U S Reg. Nr Schlussbericht der Unfalluntersuchungsstelle für Bahnen und Schiffe über den Personenunfall Sprung eines Reisenden durchs Wagenfenster des fahrenden S-Bahn Zuges Donnerstag, 21. August 2003 Telephon Telefax Adresse +41 (0) (0) Schwarztorstr (0) CH-3003 Bern

2 Dieser Bericht wurde ausschliesslich zum Zweck der Verhütung von Unfällen beim Betrieb von Eisenbahnen, Seilbahnen und Schiffen erstellt. Die rechtliche Würdigung der Umstände und Ursachen von Unfällen ist nicht Gegenstand der vorliegenden Untersuchung gemäss Art. 25 der Verordnung über die Meldung und Untersuchung von Unfällen und schweren Vorfällen beim Betrieb öffentlicher Verkehrsmittel (VUU, SR ). 0. ALLGEMEINES 0.1 Kurzdarstellung Bei der Fahrt des Regionalzuges von Laupen nach Bern wollte ein Fahrgast sich der Fahrausweiskontrolle entziehen. Kurz vor der Einfahrt um ca Uhr auf die Haltestelle Flamatt-Dorf bei der Sensebrücke kniete sich der Verunfallte auf das Fensterbrett und sprang aus dem offenen Fenster des noch mit ca 40 km/h fahrenden Zuges. Dabei wurde er tödlich verletzt. 0.2 Untersuchung Die Unfalluntersuchungsstelle UUS wurde um Uhr durch die Meldestelle REGA über das Ereignis informiert. Der nebenamtliche Untersuchungsleiter Joseph Zeder rückte unverzüglich an den Unfallort aus. Situationsplan UD KAPO BE 1. FESTGESTELLTE TATSACHEN 1.1 Vorgeschichte Die Regionalzüge der S-Bahn Bern, Linie S1, verkehren in der Regel ohne Zugspersonal. Die Fahrausweiskontrolle geschieht nach dem System Selbstkontrolle. Sporadisch werden durch Stichkontrolleure die Fahrausweise im Zug überprüft. So geschehen im Zug vom 21. August Als die Stichkontrolleure sich in den Zwischenwagen begaben um die Fahrausweise zu kontrollieren, mussten sie zusehen, wie ein Fahrgast sich aus dem offenen Fenster der Fahrausweiskontrolle entziehen wollte. 1.2 Verlauf der Fahrt Zwischen Neuenegg und Flamatt-Dorf waren vier Mitarbeiter der BLS dabei im S- Bahnzug stichkontrollartig die Fahrausweise der Fahrgäste zu kontrollieren. Ein Fahrgast, offensichtlich ohne gültigen Fahrausweis, bemerkte dies und wollte sich der Fahrausweiskontrolle entziehen. Zu diesem Zweck kniete er auf das Fensterbrett, um dann durch das offene Fenster aus dem fahrenden Zug zu springen. Der Zug hatte zu diesem Zeitpunkt noch eine Fahrgeschwindigkeit von ca. 40 km/h. In diesem Moment befuhr der Zug die Sensebrücke vor der Haltestelle Flamatt-Dorf. Die Brücke 2/5

3 weist seitlich neben dem Trassee einen erhöhten Steg auf. Der Verunfallte wurde dann vom Zug einige Meter mitgeschleift, bevor er zwischen Steg und Zug unter den Zug gerissen wurde. Er blieb auf dem Gleiskörper schwer verletzt liegen und verstarb in der Folge an seinen Verletzungen. Richtung Flamatt Station Beginn der Schleifspuren Fahrrichtung des Zuges Sicht in Fahrrichtung des Zuges Foto: UUS, zej 1.3 Personenschäden Bahnpersonal Reisender Drittpersonen Tödlich verletzt: Sachschäden am Rollmaterial und an der Infrastruktur des Bahnunternehmens Weder am Fahrzeug noch an der Infrastruktur entstand Schaden. 1.5 Sachschäden Dritter 1.6 Beteiligte Personen Lokpersonal Lokführer SBB, Personenverkehr Depot Bern Zugkontrolleure vier Zugkontrolleure der BLS 3/5

4 1.7 Schienenfahrzeuge Eigentümer: Zugskomposition: SBB, Division Personenverkehr 5-teiliger, lokbespannter Pendelzug der S-Bahn Bern Wagennummer: Triebfahrzeug: Re 4/4 Nr Ausgeschaltete Bremsapparate: 1.8 Wetter, Schienenzustand Tag, Schienen trocken, Aussentemperatur über Befunde an den Bahnfahrzeugen Die optische Kontrolle der Fahrzeuge der SBB ergab Beanstandungen Feuer Beim Ereignis trat kein Feuer auf Ueberlebensmöglichkeiten Der Verunfallte hat durch seinen Ausstieg durch das Fenster eines fahrenden Zuges das Risiko in Kauf genommen. Er hatte Ueberlebenschance Informationen über Organisation und Verfahren Um die Kosten zu minimieren, wird die Fahrausweiskontrolle in den Zügen der S- Bahn Bern nur stichprobeartig durchgeführt. Dabei werden 1-2 Zweierequipen eingesetzt, damit zwischen zwei Haltepunkte möglichst viele Fahrgäste überprüft werden können. 2. BEURTEILUNG 2.1 Technisches Die Schienenfahrzeuge waren technisch in Ordnung. 2.2 Betriebliches Fahrtechnisch war der Lokführer nicht direkt in den Unfall involviert. Das Drama wickelte sich ausserhalb seines Einflussbereiches ab. Da zu dieser Zeit eine grosse Hitzeperiode herrschte, waren die Fenster im Zug geöffnet, was dem Verunfallten überhaupt ermöglichte, ohne eine Zugriffsmöglichkeit des Bahnpersonals durch das Fenster zu fliehen. Er floh, bevor die Kontrolleure ihn ansprechen konnten, als er offenbar feststellen musste, dass die Fahrausweise kontrolliert werden. 3. SCHLUSSFOLGERUNGEN 4/5

5 3.1 Befunde Das Vorgehen des Zugspersonals, wie die Fahrausweiskontrolle durchgeführt wurde, entspricht dem gängigen Vorgehen und ist nicht zu beanstanden. Der Lokführer hatte vom Vorfall Ahnung. Die Flucht war unüberlegt und risikoreich. Er floh, bevor es überhaupt zu einem Gespräch zwischen dem Verunfallten und den Kontrolleuren kam. 3.2 Ursache Der Verunfallte stürzte sich aus dem fahrenden Zug und ging dabei das Risiko eines Unfalls mit Todesfolge ein. 4. SICHERHEITSEMPFEHLUNGEN Die Untersuchung wurde von Joseph Zeder geführt. Bern, 21. Januar 2004 Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe Joseph Zeder nebenamtl. Untersuchungsleiter 5/5

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