Wer immer regelmäßig alle Sicherheitsupdates für den Virenscanner installiert, kann sich auf der sicheren Seite wähnen zu hundert Prozent. Oder?

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1 Patchmanagement Gefährliche Irrtümer Wer immer regelmäßig alle Sicherheitsupdates für den Virenscanner installiert, kann sich auf der sicheren Seite wähnen zu hundert Prozent. Oder? In einer zunehmend komplexer werdenden IT-Welt ist Sicherheit ein permanenter Prozess, der ganzheitlich betrachtet werden muss und immer auch ein Wettlauf mit der Zeit ist. Oft wird unterschätzt, dass heute die Virenscanner allein durch die schiere Menge an neuer Malware und wir sprechen hier von mehr als pro Tag nicht mehr alles finden können, selbst durch deren neuere, ergänzenden Funktionen wie Verhaltensanalyse und Cloudfunktionen nicht. Überwiegend fehlt noch das Bewusstsein dafür, wie wichtig zeitnahe Sicherheitsupdates für Software und -hardware sind. Geschweige denn, man kennt die komplette im Unternehmen vorhandene Soft- und Hardware. Und jeder Bestandteil dieses Konglomerats ist ein potenzieller Risikofaktor. Wie schließt man Sicherheitslücken? Da zahlreiche Softwareprodukte eingesetzt werden, ist es schwierig, einen Überblick sowohl über die neuesten Angriffstypen, als auch über die zur Verfügung stehenden Sicherheitsupdates zu haben. Manche Programme enthalten eine automatische Updatefunktion. Häufig muss jedoch jeder Anwender seine IT eigenständig auf dem neuesten Stand halten. Besonders große Angriffsflächen bieten Schwachstellen in Standardsoftware, wie dem Betriebssystem oder dem Browser. Im Betriebssystem stehen vor allem Funktionen, die aus dem Internet erreichbar sind im Fokus. Durch die Zunahme von Clouddiensten, Webservices und -anwendungen ist der Browser eine zu diesen Funktionen vergleichbare Zielscheibe. Um Fehler im Browser auszunutzen, werden Internetseiten mit besonders präparierten Programmen versehen. Aber auch -Systeme sind betroffen, indem Mails versendet werden, die mit entsprechenden Programmfunktionalitäten versehen sind. Ebenso können Office-Programme Dateien und Websites im Internet öffnen, wie andere Programme PDF-Dateien, Animationen, Videos oder Musikdateien. Einige der Sicherheitslücken ermöglichen es den Schadprogrammen, ihre Funktionen im Hintergrund des Browsers unbemerkt auszuführen. Wer eine Internetseite betreibt, muss sich auch um die Sicherheitslücken der Präsentations- beziehungsweise Content-Management-Systeme kümmern, wenn er

2 sich nicht wie unzählige andere dauerhaft einen Platz in den Auflistungen zu Datenschutzverstößen oder gekaperten Internetauftritten wiederfinden möchte. Auch Sicherheitsprogramme werden angegriffen. Vor allem hier sollte darauf geachtet werden, dass Schwachstellen und Sicherheitslücken umgehend geschlossen werden, da Cyberkriminelle in der Regel hervorragend informiert sind. Eine Funktion Automatisches Update leistet in diesem Fall gute Dienste. Was Microsoft-Updates abdecken Microsoft-Updates aktualisieren vor allem das Betriebssystem und einige betriebssystemnahe Anwendungen. Zudem können alle anderen Softwareangebote, allen voran der Windows Internet Explorer, automatisch mit Updates versorgt werden. Die meisten Unternehmen kennen die monatlichen Patches von Microsoft: An jedem zweiten Dienstag eines Monats gibt Microsoft seine aktuellen Sicherheits- und Softwarepatches heraus allgemein auch als Patch-Dienstag bekannt. Auf jedem PC sind diverse Programme verschiedenster Hersteller installiert. Zwei Drittel aller Schwachstellen finden sich bei Programmen wie beispielsweise Adobe Flash-Player oder Runtime-Software (Laufzeitkomponente für weitere Programme) wie Java. Hier den Überblick zu behalten, ist eine Herausforderung für jeden Administrator. Flexible Arbeitsplätze und mobile Geräte erhöhen zudem das Risiko, dass beim zentralen Update Smartphones, Tablets und Laptops nicht angeschlossen oder vergessen werden. Es muss daher gewährleistet sein, dass auch diese mit den nötigen Sicherheitsupdates versorgt werden. Der richtige Zeitpunkt Patches von Microsoft und auch von allen anderen Herstellern können prinzipiell bedarfsorientiert jederzeit herausgegeben werden. Wenn ein Softwarehersteller eine große Bedrohung sieht, wird er den Patch sofort herausgeben und nicht bis zum nächsten regulären Patchtermin warten. Allerdings hält nicht jede Software eine automatische Updatefunktion bereit. So ist es durch die vielzähligen und regelmäßigen Aktualisierungen sehr zeitaufwendig und fehleranfällig, die IT immer auf dem neuesten Stand zu halten. Unternehmen können daher nicht grundsätzlich sicher sein, dass sie auch wirklich alle aktuellen Patches, die für ihr Netzwerk und ihre Systeme erforderlich sind, installiert haben.

3 Patchmanagement Noch umfangreicher wird das Patchmanagement mit der wachsenden Anzahl an Hardware und ihren Treibern oder ihrer funktionsunterstützenden Software, über die auch Schadsoftware auf den Rechner gelangen kann. Bei Hardware denkt man zunächst an die offensichtlichen Geräte wie Server, Desktopcomputer und Notebooks, die mit Patches gesichert werden. Betroffen sind jedoch jegliche Art mobiler Geräte wie beispielswese Smartphones, Tablets oder mobile Datenträger. Für die zahlreichen Updates gibt es unterstützende Software, zum Beispiel Secunia Personal Security Inspector (PSI). Dieses Programm ist für den Privatgebrauch kostenlos. Es beinhaltet eine Sammlung der gängigsten Programme und scannt das System auf installierte Software. Die Updates der gelisteten Programme können dann bequem per Mausklick durchgeführt werden. Auf diese Weise wird zumindest ein elementarer Grundschutz erreicht. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass grundsätzlich jede installierte Software über das Internet auf Patches untersucht wird. Denn Cyberkriminelle nutzen diese Techniken genauso, um gezielt Malware auf die gefundenen Lücken hin zu programmieren. Deshalb sollte im gesamten Netzwerk eine Bestandsaufnahme durchgeführt werden, also eine Liste der insgesamt installierten Software erstellt werden. Nur so ist es möglich, alles regelmäßig zu patchen, Programmhygiene zu betreiben und die Systeme zu härten, also nur die Programme zuzulassen, die für die Arbeit benötigt werden. Damit wird die mögliche Angriffsfläche spürbar verringert. Für größere Netzwerke empfiehlt es sich daher eine Client-Management-Software einzusetzen. Diese übernimmt den Inventarisierungsprozess der netzweit installierten Software und kann bei Bedarf zentral gesteuert Patches ausrollen. Einige Hersteller bieten darüber hinaus, zeitnah nach Erscheinen eines Patches, vorkonfigurierte Pakete für eine Vielzahl von Software an. Damit entfällt der aufwändige manuelle Prozess der Kontrolle auf neu verfügbare Patches. Stabilität versus Sicherheit Gemäß dem Motto Never change a running system stellt jede Veränderung an einem IT-System eine potentielle Gefahr für die Stabilität dar. Auch Patches bergen die Gefahr, dass nicht nur Fehler behoben, sondern auch neue eingeführt werden. Nicht alle Patches lassen sich dann ohne Probleme wieder deinstallieren. Steht ein einzelner PC vorübergehend nicht zur Verfügung, kann das tolerierbar sein. Fällt jedoch eine auf fast allen PCs häufig genutzte Software wie ein Mail-Programm aus, so können schnell wichtige Arbeitsprozesse betroffen sein. Noch kritischer sind zentrale Serversysteme, wie beispielsweise der zentrale Anmeldeserver. Deshalb ist es empfehlenswert im Vorfeld ein Testverfahren festzulegen, um das Risiko eines Ausfalls zu minimieren.

4 Für kritische Server kann ein eigenes Testumfeld aufgebaut werden, in dem nach dem Einspielen des Patches die wichtigsten Serverfunktionen kurz getestet werden. Sofern ein zweiter Server vorhanden ist, kann alternativ auch im ersten Schritt nur ein Server mit den Patches bestückt werden. Der zweite wird dann je nach Kritikalität der Lücke zeitversetzt gepacht. Steht nur ein Server zur Verfügung, legt man die Patchinstallation in lastarme Zeiten, verbunden mit einem vorherigen Backup. Bei virtuellen Servern lässt sich dieses leicht durch einen Snapshot erreichen. In jedem Fall ist es notwendig, sich mit den Verantwortlichen wichtiger Geschäftsprozesse zu synchronisieren. So ist beispielsweise das Ausrollen eines Patches während der wichtigsten Messe des Jahres für ein Unternehmen sehr genau abzuwägen. Bei Clients kann der Ausrollprozess ebenfalls in Stufen erfolgen. Definieren Sie eine geeignete Gruppe an Clients, die die Patches zuerst erhalten. Diese Gruppe sollte die betroffene Software möglichst im täglichen Betrieb nutzen. Gravierende Fehler sollten dadurch schnell erkannt werden. Im Falle eines Fehlers im Patch sind dann nur wenige Mitarbeiter betroffen. Sehen Sie auch eine Möglichkeit vor, einzelne Systeme verzögert zu patchen. Wird eine Produktpräsentation bei Ihrem wichtigsten Kunden durch eine Patchinstallation unterbrochen, zeigt das sicher ein sehr hohes Sicherheitsbewusstsein, könnte aber das eigentliche Ziel der Präsentation stören. Die Dringlichkeit Steht in einem konkreten Fall die Sicherheit im Konflikt mit anderen Zielen, muss eine schnelle und fundierte Entscheidung getroffen werden. Ad Hoc dazu die notwendigen Entscheidungsträger zusammen zu bekommen und eine kurzfristige Entscheidung zu treffen, ist nicht immer möglich. Daher ist es ratsam, schon im Vorfeld eine Entscheidungsmatrix festzulegen, die je nach Kritikalität des Patches und des Systems zeitliche Rahmenbedingungen zur Installation vorgibt. Bei Sicherheitslücken wird üblicherweise der Schweregrad mit dem international anerkannten CVSS-Wert (Common Vulnerability Scoring System) gemessen. Dabei wird jede Lücke auf einer Skala von 0 (unkritisch) bis 10 (hochkritisch) klassifiziert. Softwarehersteller geben diesen Wert häufig bei den Erläuterungen zu ihren Patches mit an. Bilden Sie auf Basis dieser Skala ihre Klassifikation von Patches (bsp 10-7 = kritisch;6,99-4 = mittel; = gering). Falls der Hersteller keine CVSS-Werte angibt, bilden Sie die herstellereigene Klassifikation auf ihr Schema ab. Bilden Sie ebenfalls für ihre Systeme Kritikalitätsklassen (bsp. direkter Datenempfang aus dem Internet = Exponiert, Empfang transformierter Daten aus dem Internet = geschützt, kein Datenempfang aus dem Internet = isoliert). In der Matrix der Systemund Schwachstellenkritikalität können Sie nun individuelle Reaktionszeiten für die verschiedenen Szenarien festlegen.

5 Schwachstelle System Exponiert Geschützt Isoliert Kritisch < 3 Tage < 10 Tage < 30 Tage Mittel < 5 Tage < 10 Tage < 30 Tage Gering < 10 Tage <30 Tage < 30 Tage Tabelle 1: Beispiel einer Reaktionsmatrix Ungepatchte Lücken Was nun? Immer wieder kommt es vor, dass Sicherheitslücken bekannt werden, zu denen noch kein Patch existiert. Besonders problematisch ist dieses, wenn die Lücke schon aktiv für kriminelle Zwecke ausgenutzt wird. In so einem Fall kann nur Ad Hoc entschieden werden, welches Risiko (möglicher Sicherheitsvorfall oder Betriebsbeeinträchtigung) schwerer wiegt. Besonders häufig von einer solchen Situation sind Browser und Browser-Plugins wie Java oder Flash betroffen. Hier kann man schon bei der Softwarebeschaffung Notsituationen vorbeugen. Im Zweifelsfall sollte man in unternehmenskritischen Anwendungen auf Plugins verzichten. Bietet der Hersteller beispielsweise Support für mehrere Browser, so kann man im Notfall einfacher den Browser wechseln. Falsche Patches Ein weiteres Risiko sind falsche Patches. Gelegentlich erhält man s, die wie die des Microsoft-Supports aussehen und an notwendige Patches erinnern. Darin sind Links enthalten, die zu den aktuellen Patches führen sollen. Besonders beliebt ist dieses Verfahren auch bei Smartphone-Software. Tatsächlich handelt es sich aber um Schadsoftware, die aufgespielt werden soll. Große Hersteller wie Microsoft, Adobe oder Oracle informieren ihre Nutzer nicht über Mail, da sie diese typischerweise nicht direkt kennen. Seien Sie skeptisch, wenn Sie eine solche Updat erhalten. Leider gibt die Absende-Adresse einer Mail keinen sicheren Hinweis auf die Echtheit der Mail, sofern die Mail nicht zusätzlich signiert ist. Wenn Sie unsicher sind, ob die Mail echt ist, prüfen Sie den Sachverhalt im Internet. Gibt es auf der Webseite des Herstellers Hinweise auf einen Patch oder ein Update? Zeigen mögliche Links in der Mail wirklich auf die Update-Seite des Herstellers? Installieren Sie keine Updates, die als Anhang an eine Mail kommen. Dieses gilt auch

6 für Smartphones, wo insbesondere im Android-Umfeld Kriminelle diesen Weg nutzen um Trojaner zum Ausspähen möglicher SMS-TANs zu installieren. Auch öffentliche Netze können ein Risiko für einen Patch darstellen. In öffentlichen Netzen wie bsp. Hotel- oder Konferenz-WLANs lassen sich Server-Antworten, die nicht über eine verschlüsselte Kommunikation gehen, leicht manipulieren. Sollten Sie sich bei einem Download eines Patches in einem öffentlichen Netz befinden, prüfen Sie, ob das Installationsprogramm vom richtigen Hersteller signiert wurde. Wer das Setup- Programm signiert hat, gibt Windows beispielsweise in einem Hinweisfenster vor dem Ausführen der Datei ein. Leider werden vor allem im Bereich der Freeware-Software vielfach Programme noch nicht signiert. Verschieben Sie den Download dann auf einen Zeitpunkt in dem Sie sich in einem kontrollierten Netz befinden. Nutzen Sie in der Zwischenzeit das Programm möglichst nicht. Tipps für Ihr Patchmanagement: Verschaffen Sie sich einen Überblick über die eingesetzten Programme. Legen Sie im Vorfeld fest, in welchen Zeiträumen Sie Patches ausrollen und wie die notwendigen Testprozeduren aussehen. Prüfen Sie, ob oder zu welchen Produkten Sie automatisch Updates erhalten. Prüfen Sie die Vertrauenswürdigkeit der Downloadquelle. Machen Sie es sich zur Regel, Hinweise auf Updates zu beachten und nicht wegzuklicken. Erstellen Sie eine Übersicht darüber, für welche Programme Sie eigenständig auf Updates achten müssen. Informieren Sie sich regelmäßig über Updates etwa durch Newsletter oder Branchenplattformen. Laden Sie Patches rasch herunter und installieren diese. Klassifizieren Sie Ihre Systeme nach Kritikalität, um so Prioritäten setzen zu können. Achten Sie auf Mitteilungen, die ankündigen, dass ein Supports für ein Produkt abläuft. Installieren Sie gegebenenfalls Upgrades, also neue Programmversionen. Denken Sie für unternehmenskritische Anwendungen den Notfall einer noch nicht patchbaren Sicherheitslücke vor Man muss etwas tun Allerdings muss auch jedem klar sein, dass das alleine in einem hochkomplexen IT- Umfeld nicht ausreichen kann. Auch wenn ein Virenscanner alleine nicht die einzige Absicherung eines Gerätes darstellen sollte, ist guter und aktueller Virenscanner immer eine wesentliche Komponente eines gesamten Sicherheitskonzepts.

7 Jedes zusätzliche Gerät, das auf das Unternehmensnetzwerk zugreifen kann und jedes noch so unbedeutende Miniprogramm, das vielleicht aus Spaß installiert wird, kann ein Risikofaktor sein, wenn es nicht regelmäßig gepatcht wird. Ohne Sensibilisierung für die Gefahren, ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit und Sorgfalt kann absolute Sicherheit kaum noch gewährleistet werden. Patchmanagement bedeutet eine lückenlose Auflistung im Unternehmen eingesetzter Hard- und Software sowie deren regelmäßige Aktualisierung. Das kann durch Unterstützung von Tools erfolgen, aber auch manuell. DATEV eg, 2013

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