Hamburger Kreditbarometer Ergebnisse der Sonderbefragung zur Kreditversorgung im Rahmen der Handelskammer-Konjunkturumfrage, I.

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1 Ergebnisse der Sonderbefragung zur Kreditversorgung im Rahmen der Handelskammer-Konjunkturumfrage, I. Quartal 2015 Zugang zu Fremdkapital für Unternehmen weitgehend problemlos Nur 6,4 % der Hamburger Unternehmen zählen Finanzierungsschwierigkeiten zu den größten Risiken für die eigene Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten. Zum Vergleich: Die TOP- Benennungen ungünstige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und nachlassende Inlandsnachfrage sind für 45,7 % bzw. 42,9 % der Unternehmen Grafik 1: derzeit relevant (s. Grafik 1). Dies ergibt eine Sonderbefragung im Rahmen der vierteljährlichen Konjunkturerhebungen der Handelskammer. Alles in allem hat das potentielle Geschäftsrisiko Finanzierungsschwierigkeiten in den letzten Jahren tendenziell an Bedeutung verloren (17,4 % im III. Quartal 2010; 8,2 % im I. Quartal 2014). Obgleich das Thema Finanzierung insgesamt also für die weitere wirtschaftliche Entwicklung keine herausragende Rolle spielt, gilt es dennoch, insbesondere die Situation kleinerer Unternehmen und bestimmter Branchen im Blick zu behalten. Herausgeber: Handelskammer Hamburg Adolphsplatz Hamburg Tel. 040 / Bearbeitung: Dr. Torsten König und Andreas Müller Die aktuellen Ergebnisse des Hamburger Kreditbarometers und die Resultate der vorangegangenen Erhebungen stehen unter Dok. Nr als Download bereit. Zusätzliche Informationen zur Entwicklung der Hamburger Konjunktur finden Sie unter

2 I. Finanzierungssituation aus Sicht der Hamburger Unternehmen 1. Hamburger Betriebe überwiegend zufrieden mit Fremdkapitalzugang Die Umfrageergebnisse für das 1. Quartal 2015 weisen darauf hin, dass der Zugang zur externen Finanzierung weiterhin gut und sogar noch etwas besser als im Vorjahresquartal ist. So nimmt der Anteil an Unternehmen, die ihren Zugang aktuell als gut bewerten mit 42,6 % einen langjährigen Spitzenwert ein. Gleichzeitig ist der Anteil an Unternehmen, die als Antwort schlecht (4,3 %) oder keine externe Finanzierung erhalten (1,7 %) genannt haben, mit zusammen 6,0 % vergleichsweise niedrig. Aus der Differenz der Prozentanteile resultiert ein Saldo in Höhe von +36,6, der sogar den schon recht hohen Wert des Jahres 2013 (+35,8) noch übertrifft. Im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht gesunken ist der Anteil derjenigen Betriebe, die keine externe Finanzierung benötigen um drei Prozentpunkte auf nunmehr 29,4 % (vgl. Grafik 2). Grafik 2: Trotz des nach wie vor relativ niedrigen Anteils an Unternehmen mit schlechtem oder keinem Zugang zu externer Finanzierung, empfiehlt sich ein genauerer Blick auf die Ursachen. Die betroffenen Betriebe nennen folgende Haupthindernisse: Sicherheiten (36,5 %), eigener Finanzierungsanteil (21,1 %), Dokumentationspflichten (8,6 %) und Zinsen (4,1 %). Zumindest die Zinsen scheinen demnach kaum noch ein Problem für den Zugang zu Fremdfinanzierung zu sein. 2

3 2. Bedarf an externer Finanzierung unterscheidet sich deutlich nach Branchen Bei der Branchenbetrachtung werden teils große Unterschiede in der Einschätzung des Finanzierungszugangs sichtbar. Besonders positiv ist diese im Verarbeitenden Gewerbe mit einem Spitzensaldo von +51,2. Ebenfalls überdurchschnittlich ist der Saldo im Handel (+44,2). Demgegenüber sollte die Situation im Gastgewerbe im Blick behalten werden, da hier ein relativ hoher Anteil der befragten Unternehmen den Zugang zur externen Finanzierung als schlecht bewertet (17,1 %). Zwar liegt der entsprechende Saldo immer noch im positiven Bereich (+13,7), im Vergleich zu den anderen Branchen und auch im Vergleich zum Vorjahresquartal (+24,9) fällt er jedoch deutlich ab. Grafik 3: Etwas entspannt hat sich die Lage seit dem letzten Kreditbarometer demgegenüber in der Medien- und IT-Branche. Lag der Saldo vor einem Jahr nur knapp über Null (+3), so ist er aktuell auf +22,4 angestiegen und damit wieder deutlich im positiven Bereich. Diese Entwicklung geht einher mit einer weiteren Steigerung des Anteils an Unternehmen, die überhaupt keine externe Finanzierung benötigen. Während dieser im Vorjahr noch bei rund 47,1 % gelegen hatte, ist er aktuell auf stattliche 64,1 % gewachsen (s. Grafik 3). 3

4 3. Kleinere Unternehmen kommen immer häufiger ohne Fremdkapital aus Vor allem bei großen Unternehmen ab 300 Mitarbeitern gibt es bezüglich des Zugangs zu Fremdkapital kaum Klagen. Einem Anteil von 59,0 %, die diesen als gut bewerten, stehen lediglich 2,8 % entgegen, die diesen als schlecht (1,4 %) bewerten oder keine externe Finanzierung erhalten (1,4 %) haben. Daraus ergibt sich mit +56,2 ein relativ hoher Saldo. Auch bei mittelgroßen Unternehmen mit 50 bis 299 Beschäftigten liegt der Saldo in Höhe von +35,2 deutlich im positiven Bereich. Etwas geringer ist der Saldo mit +25,5 bei den kleinen Unternehmen bis 49 Beschäftigte. Allerdings lag er im Vorjahreszeitraum noch bei +14,8 und ist damit aktuell spürbar gestiegen, was auf eine verbesserte Finanzierungssituation hinweist. Auffallend ist auch, dass rund 40 % der kleinen Unternehmen gar keine externe Finanzierung benötigen. Grafik 4: Besonders deutlich gestiegen ist der Saldo bei den Betrieben mit bis zu drei Beschäftigten. Lag er im Vorjahreszeitraum noch bei +4,5, so beträgt er aktuell +17,6. Über die Hälfte der kleinen Unternehmen bewerten ihren Finanzierungszugang als gut (27,9 %) oder zumindest befriedigend (23,0 %). Rund 10 % bewerten ihn als schlecht (9,1 %) oder haben keine externe Finanzierung erhalten (1,2 %). Insgesamt ist die Finanzierungssituation damit auch für kleinere Unternehmen im langfristigen Vergleich gut. 4

5 4. Immer mehr Hamburger Existenzgründer starten ohne Bankkredit Im letzten Jahr haben fast 400 Existenzgründer eine individuelle Existenzgründungsberatung der Handelskammer in Anspruch genommen. Diese Existenzgründer wurden anschließend u.a. nach ihren Erfahrungen bei der Finanzierung ihres Vorhabens gefragt (Rücklaufquote 16,3 %). Drei Viertel der Umfrageteilnehmer hatten zum Zeitpunkt der Umfrage (noch) kein Darlehen beantragt (s. Grafik 5). Im Vorjahr lag der Anteil noch bei rund Zweidrittel. Der Anteil an Existenzgründern, die eine Finanzierung beantragt und diese auch erhalten haben, ist demgegenüber von einem Viertel im Jahr 2014 auf ca. ein Fünftel gesunken. 5,4 % der Existenzgründer haben ein beantragtes Darlehen nicht erhalten (Vorjahr 6,2 %). Von jenen Existenzgründern, die bereits Gespräche mit Kreditinstituten geführt haben, gaben rund Dreiviertel an, dass es keine Probleme bei der Kreditgewährung gegeben hat. Grafik 5: 5

6 II. Entwicklung der Kreditvergabe aus Sicht der Kreditinstitute Kreditvergabe entwickelt sich weiterhin positiv Lediglich 6,4 % der Hamburger Kreditinstitute geben an, dass ihre Kreditvergabe für Investitionen im 1. Quartal 2015 gegenüber dem Vorquartal gesunken ist. Demgegenüber meldete über ein Drittel der Institute (38,4 %) eine Steigerung. Etwa gleich geblieben ist die Kreditvergabe für Investitionen bei 55,2 % der Banken. Zieht Grafik 6: man den Prozentanteil der gesunken - Antworten vom Anteil der gestiegen - Antworten ab, erhält man einen Saldo, der mit +32,0 auf eine wenn auch weniger deutlich als im Vorquartal insgesamt weiter gestiegene Kreditvergabe für Investitionen hinweist. Grafik 6 zeigt die Entwicklung der Salden im Zeitverlauf. Auch bei der Kreditvergabe für Betriebsmittel übertrifft der Prozentanteil der gestiegen -Antworten (26,3 %) jenen der gesunken -Antworten (0 %) deutlich, so dass ein Saldo in Höhe von +26,3 resultiert. 73,7 % der Kreditinstitute gaben eine etwa gleich gebliebene Kreditvergabe für Betriebsmittel an. Wie schon im Vorquartal liegt der Saldo damit aktuell auf einem relativ hohen Niveau. 6

7 Hinweise zur Systematik des Kreditbarometers: Von den 648 Teilnehmern an der Konjunkturumfrage unserer Handelskammer ( Hamburger Konjunkturbarometer ) im I. Quartal 2015 haben sich 540 Unternehmen (83 %) im Rahmen der Sonderbefragung auch zu Finanzierungskonditionen geäußert. Das dargestellte Gesamtbild der Finanzierungskonditionen für die Hamburger Wirtschaft ergibt sich aus den nach Unternehmensgrößen gewichteten Stimmen der von unserer Handelskammer befragten Unternehmen der Real- und der Kreditwirtschaft. Die Realwirtschaft wird nach ihrem aktuellen Finanzierungszugang befragt, die Kreditinstitute nach ihrer Kreditvergabe. Ergebnisse für das Hamburger Kreditbarometer liegen für Befragungen zu folgenden Quartalsenden vor: III. und IV. 2008, III. und IV. 2009, I. bis IV. 2010, I. 2011, I. und III sowie jeweils für das I. Quartal der Jahre 2013 bis Ab dem I. Quartal 2012 wurden erstmals die Kategorien keine externe Finanzierung erhalten und keine externe Finanzierung benötigt abgefragt. Dies ist in den Grafiken entsprechend gekennzeichnet. 7

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