Open Source Java-Enterprise: Plattformen, Mediatoren und Communities. Mille Plateaux

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1 Open Source Java-Enterprise: Plattformen, Mediatoren und Communities von Frank Bensberg und Lofi Dewanto Mille Plateaux Viele Projekte, die im Vorfeld bereits als tot erklärt wurden, konnten sich als Open-Source-Projekt retten. Oft wird ein Quellcode erst freigegeben, wenn es an Motivation und/oder Geld für die Weiterentwicklung mangelt. Aber egal aus welchen Beweggründen ein Open-Source-Projekt initiiert wurde, die Sammlung der Open-Source-Produkte umfasst mittlerweile ein beeindruckendes Spektrum. Von Datenbanksystemen bis hin zu Texteditoren wird alles auf dem Open-Source-Markt angeboten. In diesem Artikel soll aufgezeigt werden, welche Plattformen, Mediatoren und Communities für Java Enterprise existieren. Abb. 1: Allgemeine Architektur einer Enterprise-Anwendung Architektur der Java Enterprise- Anwendungen Die Bedeutung der Java 2 Enterprise-Edition (J2EE) wird in der heutigen unternehmensweiten Anwendungsentwikklung kaum noch jemand bestreiten wollen. Der Kern der J2EE-Architektur ist die starke Mitte, der sogenannte Application Server. Nach Freigabe der J2EE- Spezifikation in der Version 1.1 schossen zahlreiche unterschiedliche Application Server wie Pilze aus dem Boden, sodass derzeit aus über zwanzig verschiedenen ausgewählt werden kann. Für eine klare Struktur bei der Entwicklung von J2EE-Anwendungen sorgt Suns J2EE-Blueprint. Dieser Blueprint stellt ähnlich wie bei einem gewöhnlichen Hausbau einen Plan dar, der für die Anwendungserstellung Entwurfsrichtlinien vorgibt. Zwei Begriffe sind hierbei wesentlich: die Architektur und das Entwurfsmuster. Beide Begriffe beinhalten allerdings für die Anwendungsentwicklung keine wesentlich neuen Erkenntnisse. Bereits 1997 wurde von Pountain und Montgomery [1] beispielsweise eine mehrschichtige Architektur (Multi-Tier-Achitektur) von Enterprise- Anwendungen vorgestellt. Sie hat sich dank des Internets schnell durchgesetzt und dient heutzutage als Basis jeder Enterprise- Anwendung. Was hat sich also während der letzten vier Jahre geändert? Technologisch gesehen gar nichts. Im Entwurfsbereich jedoch sehr viel. In entwicklungsorientierten Diskussionsforen fallen bemerkenswert häufig die Begriffe Architektur und Entwurfsmuster. Letztendlich ein unverkennbares Zeichen dafür, dass die Entwickler sich zahlreiche Gedanken zu dieser Thematik machen, bevor die tatsächliche Codierung durchgeführt wird. Die altbewährte Architektur von Enterprise- Anwendungen, die sogenannte mehrschichtige Architektur, kann Abbildung 1 entnommen werden. Eine Instanziierung dieser Architektur mit J2EE-Komponenten und die abschließende Ersetzung durch vorhandene Open-Source-Produkte stellt die Open Source Java-Enterprise-Architektur (siehe Abb. 2) dar. Durch die Instanziierung werden Komponenten wie EJB-Server, 74

2 java & open source Webserver und DBMS in diese Architektur eingesetzt. Anschließend können einzelne Komponenten durch die tatsächlichen Produkte ersetzt werden. In unserem Fall werden sie durch Open- Source-Produkte ausgetauscht. Die in Abbildung 2 verwendeten Open-Source- Produkte sind nur eine Beispielauswahl. Es existieren zahlreiche andere Open- Source-Produkte, die wir im nächsten Abschnitt genauer betrachten werden. Integrierte Open Source Enterprise- Plattform Zu Beginn waren viele Open-Source-Projekte, deren primäres Ziel eine bestimmte Problemlösung war, isolierte Werke. Nachdem sich das Jahr 2000 aus welchen Gründen auch immer als wahres Boom-Jahr erwiesen hat, werden immer mehr Open-Source-Projekte vorgestellt. Ausgehend von einem Projekt werden diverse Unterprojekte initiiert. Eine Vielzahl der Projekte stellen heute nicht mehr eine einzige Open-Source-Anwendung dar, sondern in Anbetracht des Inhalts eher eine Open-Source-Plattform. Diese Plattform beinhaltet mehrere Projekte, die in funktionaler Abhängigkeit von den entsprechenden Unterprojekten stehen und umgekehrt. Einige Open Source Java-Enterprise-Plattformen sind bereits im Internet vorhanden. Eines haben sie alle gemeinsam: Begonnen wurde mit einem einzigen Produkt normalerweise mit der integrierten Plattform. Anschließend werden weitere Projekte und Unterprojekte gestartet, die die integrierte Plattform unterstützen und vervollständigen. Der allgemeine Aufbau solch einer Plattform kann Abbildung 3 entnommen werden. Drei Komponenten sind hiernach wie folgt zu definieren: 1. Die Basis-Plattform bzw. integrierte Plattform dient als Grundlage für die gesamte Plattform. Die restlichen Komponenten werden auf dieser eingesetzt. In unserer Enterprise-Architektur befindet sich die integrierte Plattform primär in der Mitte. Man stelle sich hierfür einfach einen Application Server vor, auf dem anschließend mehrere Komponenten (JSPs, Servlets und EJBs) installiert werden können. Abb. 2: Architektur einer Open Source Java-Enterprise-Anwendung Abb. 3: Integrierte Enterprise-Plattform 2. Die Frameworks sind die wiederverwendbaren Komponenten, die für die Anwendungsentwicklung intensiv genutzt werden können. Einerseits vereinfachen solche Frameworks die Anwendungsentwicklung durch die bereitgestellte Funktionalitäten. Andererseits erhöhen sie die Abstraktionsebene einer Anwendungsentwicklung, sodass die programmierten Anwendungen eine bessere Übersichtlichkeit besitzen und folglich eine einfachere Wartung durchlaufen können. 3. Die Werkzeuge/Tools sind die kleinen Helfer, die überall eingesetzt werden können. Ein Debugger kann sowohl für die Erstellung der integrierten Plattform als auch für eine normale Anwendung Hilfe leisten. Nicht vorhandene funktionale Abhängigkeiten zwischen Open-Source-Projekten und -Unterprojekten bewirken, dass lediglich eine unverbundene Sammlung von Projekten entsteht. Wichtig innerhalb solcher Sammlungen ist, dass die einzelnen Projekte schnell und effizient gefunden werden können. Für diesen Zweck werden auf einem Marktplatz mit Hilfe von Medi- 75

3 atoren und Communities diverse Dienste für den Informationsaustausch zwischen Anbietern und Nachfragenden zur Verfügung gestellt. Im nächsten Abschnitt werden einige Plattformen detailliert angeschaut. Anschließend sollen einige bekannte Mediatoren und Communities vorgestellt werden. Ein Seeotter, der gerne Java-Kaffee trinkt Mittlerweile kennt jeder Java-Enterprise- Entwickler den süßen Seeotter von Enhydra (www.enhydra.org). Mit der Version hat Enhydra ein erfolgreiches Open-Source-Debüt gestartet. Mit vielen Detailverbesserungen und neuen Features liegt derzeit die Version 3.1 zum Download bereit. In enhydra.org entstehen fast monatlich neue Unterprojekte, die funktionale Interdependenzen mit bereits vorhandenen Projekten nachweisen können. Dies bewirkt, dass sich Enhydra zu einer der vollständigsten Plattform für Enterprise- Anwendungen entwickelt hat. Die neu entworfene Website spiegelt den grundlegenden Plattform-Gedanken (siehe Abb. 4) wieder. Das Enhydra-Gesamtkonzept gehört zweifellos zu einer der am besten konzipierten. Drei umfangreiche Produkte stehen als Basis- bzw. integrierte Plattform zur Verfügung: Enhydra-Application Server (Standard), Enhydra-Enterprise-Server (J2EE-basierter Application Server) und InstantDB (Java-Datenbankmanagementsystem). Viele Teile des Enhydra-Enterprise-Servers basieren selbst auf dem Standard-Enhydra-Server. Hierbei ist interessant zu sehen, dass Enhydra ebenfalls eine erworbene Datenbank InstantDB anbietet. Mit diesen integrierten Plattformen deckt Enhydra bereits die Mitte und das Backend einer Java-Enterprise-Anwendung ab. Was kommt nun als Topping auf die integrierten Plattformen? In die Framework-Kategorie passt auf jeden Fall das Unterprojekt namens Barracuda. Es stellt ein Präsentations-Framework dar, das eine standardisierte Vorgehensweise und Komponentenorientierung bei der Abb. 4: Enhydra-Plattform Erstellung der Präsentationsschicht ermöglicht. Barracuda kann mit folgenden Frameworks verglichen werden: Struts [2] und Turbine beide von Apache und Hammock [3]. Barracuda wird auf der Standard-Servlet-Spezifikation aufgebaut, sodass ebenfalls eine andere Servlet- Werkzeug kxml XMLC Kelp DODS Osage Mapper Zeus Verwendung Tabelle 1: Enhydras Werkzeuge XML-Parser, SOAP-Implementierung für J2ME. Umgebung anstatt des Enhydra-Servers verwendet werden könnte. Die bereitgestellten Werkzeuge sind die letzte Komponente dieser Plattform. Die große Anzahl der Werkzeuge der Enhydra-Plattform wirkt auf den ersten Blick sehr unübersichtlich. Tabelle 1 zeigt eine Übersicht. XML-Compiler. Er wird für die Erstellung von Enhydra-Anwendungen genutzt. Zudem kann er isoliert für Barracuda verwendet werden. Der Compiler übersetzt beispielsweise HTML-Seiten in die entsprechenden Java-Klassen in Form von DOM (Document Object Model). Hilfsassistenten für die Entwicklungsumgebungen. Derzeit existiert eine Kelp- Version für JBuilder. Mit Hilfe von Assistenten vereinfacht Kelp die Erstellung von Enhydra-Anwendungen innerhalb der bekannten Entwicklungsumgebungen. Objekt-To-Relational-Mapping. DODS ermöglicht eine strikte Trennung von Geschäfts- und Datenobjekten ohne Verwendung von EJB. Zudem bietet DODS eine Benutzeroberfläche an, sodass die Erstellung von relationalen Tabellen grafisch erfolgen kann. XML- und JDBC-basiertes Objekt-To-Relational-Mapping, ähnlich wie DODS. Dieses Tool wird demnächst mit DODS verschmolzen werden. Mapper bietet einige Komponenten und Assistenten an, sodass Enhydra-Anwendungsentwickler effektive Unterstützung für ihre Arbeit erhalten. Hiermit können Entwickler bei der Erstellung einer Enhydra-Anwendung die gewohnten Einzelschritte, wie bei der Erstellung einer Swing-Anwendung durchführen. Es existieren Container, Komponenten und ereignisorientierte Programmierung für diesen Zweck. Zeus ist das neueste Unterprojekt von Enhydra (der Chef dieses Projektes ist der bekannte XML Buchautor Brett McLaughlin) und beschäftigt sich mit der Erzeugung von Java-Objekten aus einem XML-Dokument und umgekehrt. Mit Zeus ist es möglich, auf ein XML-Dokument mittels einer höheren Abstraktionsebene zuzugreifen. 76

4 java & open source Zudem stellt Enhydra einige fertige Anwendungen zur Verfügung: Brock (eine Art von Content Management System), jfaq (eine häufig gestellte Fragen -Anwendung) und Abalone (Kontaktverwaltungs-Anwendung).Diese dienen als Anwendungsbeispiel des Enhydra-Servers, sodass interessierte Entwickler schnell den Anschluss in die Enhydra-Welt finden können. Von allen in diesem Artikel vorgestellten Plattformen stellt Enhydra eine der Besten dar. Enhydra zeigt eine klare Zielsetzung und ein gutes Konzept: Der Seeotter ist zweifellos der Gewinner bei den Plattformen für Open Source Java-Enterprise-Anwendungen! Ein verirrter Indianer? Begonnen hat alles mit dem Webserver Apache. Nun tummeln sich einige Projekte und Unterprojekte unter dem Namen dieses Indianerstamms im Internet herum (www.apache.org). Auf den ersten Blick wirkt die Apache-Organisation recht unübersichtlich: Einige Java-, XML-Projekte, u.v.a.m. Wie sieht es mit den funktionalen Abhängigkeiten zwischen den Projekten und Unterprojekten aus? Nach einem klaren Konzept suchen Außenstehende vergeblich. (Mit diesem Thema wird sich ein Extra-Artikel in diesem Heft auseinandersetzen). Ein kraftvoller Wal! Für die Open-Source-Communities setzt die ObjectWeb-Gruppe (www.objectweb.org) sich das Ziel, ein breites Angebot von verteilten Middleware-Technologien insbesondere für den Telekommunikationsbereich anzubieten. Die Hauptsponsoren dieser Gruppe kommen primär aus dem Telekommunikationsbereich. Zudem unterstützen viele französische akademische Institutionen dieses Vorhaben und viele Entwickler von ObjectWeb kommen aus diesem Bereich. Bekannt ist ObjectWeb durch den EJB-Server namens JOnAs, der mittlerweile in der Version 2.4 vorliegt. Bis zu dieser Version unterstützt JOnAs leider noch keine Message-Driven-Beans. Zu hoffen ist, dass sich dies bei dem nächsten Upgrade ändern wird. Eine Integration mit JMS (Java Messaging Service) wurde in JOnAs bereits verwirklicht, sodass ein asynchroner Methodenaufruf aus Enterprise JavaBeans ausgeführt werden kann. Dies ist möglich dank Joram, der zweiten integrierten Plattform von ObjectWeb, die als JMS-Implementierung fungiert. Als Plattform für verteilte J2EE- Middleware stellt also ObjectWeb gleich zwei integrierte Plattformen zur Verfügung. Hinzu kommt die nächste Basis- Plattform Jonathan, die für eine offene verteilte Umgebung erstellt wurde. Jonathan basiert auf DPE (Distributed Processing Environment) und bietet einige APIs an. Derzeit existieren zwei Haupt-APIs in Jonathans Welt werden sie als Personalien bezeichnet David und Jeremie. David ist eine reine Implementierung von CORBA, und Jeremie stellt dagegen eine eigene Implementierung von RMI dar. Durch die Integration von Jeremie in JOnAs ist es möglich, statt Suns RMI Jeremie für die Infrastruktur des EJB-Servers zu verwenden. Das einzige Tool der ObjectWeb- Plattform stellt RmiJdbc dar. Mit RmiJdbc steht nicht nur ein Typ 3 JDBC- Treiber für einige Datenbanken zur Verfügung, sondern auch ein verteilter Zugriff auf diese Datenbanken. RmiJdbc ist ein Client/Server JDBC-Treiber, der auf RMI basiert. Einfach gesagt: RmiJdbc baut eine Brücke, die den Zugriff auf den entfernten JDBC-Treiber ermöglicht. In Zukunft wird JOnAs seinen Platz bei den Enhydra-Enterprise-Servern finden. So eine Zusammenarbeit wünscht man sich eigentlich bei allen Open- Source-Projekten. Statt einfach mit einem neuen Projekt anzufangen, wird die zur Verfügung stehende Energie auf bereits vorhandene Projekte gelenkt. Wie heißt es doch so schön: Gemeinsam sind wir stark! Wer ist hier der Boss? Der erste JBoss-Artikel im Java Magazin ist vor fast einem Jahr erschienen. Inzwischen kann Jboss (www.jboss.org) mit der zweiten Version glänzen. JBoss stellt heute eine vollständige Plattform dar, die als integrierte Plattform auf JBoss/Server basiert. Abbildung 5 zeigt die gesamten Komponenten der JBoss-Plattform. Mit JBoss/JBossMQ wird ein JMS- Dienst basierend auf der JMS Spezifikation angeboten. Zudem können Web- Services mit Hilfe von JBoss/Tomcat und JBoss/Jetty zur Verfügung gestellt werden. D.h. der JBoss-Programmierer kann ebenfalls JSPs und Servlets für seine Anwendungen nutzen. Wie Vielen bereits bekannt ist, stellt Jetty einen alternativen 100% HTTP-Server [4] dar. JBoss/Zola spezifiziert die Beispiele und Entwurfsmuster, die auf der JBoss-Plattform verwendet werden können. Die vorgestellten Beispiele zeigen, wie J2EE-Anwendungen für JBoss/Server geschrieben werden können. Für die abschließende Überprüfung der geschriebenen Anwendungen hilft JBoss/Test. Interessant ist das Tool JBoss/Jaws, das für das zugrundeliegende OR-Mapping der Plattform dient. Dies bedeutet, dass alle Datenbankzugriffe objektorientiert von JBoss/Jaws gekapselt werden können. Komplettiert wird die JBoss-Plattform mit einem Tool namens JBoss/Castor, das für die Implementierung von JDO (Java Data Object) zuständig ist. Inzwischen hat sich die Dokumentation von JBoss, die zuvor nur als mangelhaft bezeichnet werden konnte, stark verbessert. Die Hilfsbereitschaft der JBoss-Entwickler ist erfreulicherweise unverändert. In den Produktionssystemen kann sich diese Plattform auf jeden Fall behaupten. In vielen Internet-Portalen wird die JBoss-Plattform bereits eingesetzt. Beans for Business (www.beansfor business.com) hat es beispielsweise geschafft, innerhalb von sechs Stunden das gesamte Portal mit JBoss 2.0 fertigzustellen. OpenJoda (siehe auch den OpenJoda-Artikel in diesem Heft) liefert ebenfalls JBoss als EJB-Server mit seiner Portallösung. Von geringem Interesse am JBoss-EJB-Server kann also nicht die Rede sein. JBoss hat die besten Voraussetzungen, um die Open Source Java-Enterprise- Plattform erfolgreich zu vertreten. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann JBoss als Referenz-Implementierung des EJB-Servers das sein wird, was Apache-Tomcat derzeit für JSP und Servlet ist. 77

5 Abb. 5: JBoss-Plattform Exotische Plattform Ähnlich wie die ObjectWeb-Plattform bietet ExoLab (www.exolab.org) eine Reihe von Open-Source-Produkten an, die für Enterprise-Anwendungen konzipiert sind. Drei integrierte Plattformen stehen jedem Entwickler zur Verfügung: OpenEJB, OpenJMS und OpenORB. Wie der Name bereits sagt, geht es dabei um einen EJB-, JMS- und Object Request Broker (CORBA)-Server. Derzeit gibt es noch keine Download- Möglichkeit für die integrierte Plattform OpenEJB, die für Enterprise- Java-Entwickler sehr interessant sein wird. Hauptentwickler dieses EJB-Servers ist Richard Monson-Haefel (der bekannte Autor von Enterprise JavaBeans). Das hochgesteckte Ziel von OpenEJB lautet folgendermaßen: Unterstützung der EJB-Spezifikation 2.0 und Realisierung eines verteilten EJB- Servers auf mehreren JVMs. Für die asynchrone Kommunikation wird eine Implementierung von JMS unter dem Namen OpenJMS angeboten. Derzeit liegt eine Beta-Version zum Download bereit. Die einzige integrierte Plattform, die sich bereits in der Endversion befindet, ist OpenORB. Hier ereignet sich ein äußerst interessantes Phänomen: In den Zeiten des J2EE-Hype wird doch tatsächlich ein CORBA ORB-Server schneller realisiert! Zwei Werkzeuge werden von ExoLab zur Verfügung gestellt: Castor und Tyrex. Castor bietet eine Reihe von Übersetzungen bzw. Verbindungen von Java-Objekten zu XML-Dokumenten, SQL-Tabellen (JDO) und LDAP-Verzeichnis an. Tyrex ist ein Tool, das für Security, Authentication, lokale und verteilte Transaktionen und Monitoring, Ressource-Konfiguration und -Pooling gedacht ist. Da bis heute die ExoLab-Basis-Plattformen noch kaum im Einsatz sind, müssen sie ihre Praxistauglichkeit noch beweisen. Wir werden Ihnen demnächst mehr über diese ExoLab-Plattform berichten. Mediatoren und Communities Wenden wir uns nun einigen Mediatoren und Communities zu, die Vermittlungsdienste zwischen Angebot und Nachfrage auch für Java-Enterprise-Anwendungen verrichten. In diesen Mediatoren sammeln sich bis zu Hunderten von Java-Open-Source-Projekten, sodass es unmöglich ist, alle Projekte vorzustellen. Übrigens, es können hier sowohl Java-Enterprise-Anwendungen als auch einfache Java-Anwendungen gefunden werden. Was einem Open-Source-Entwickler bei seiner täglichen Arbeit fehlt, ist eine Metasuchmaschine, die die vorhandenen Mediatoren kapselt. Jeder Mediator beinhaltet zur Zeit leider nur eine eigene Suchmaschine, sodass ausschließlich innerhalb dieses Mediators gearbeitet werden kann. Wünschenswert für die Zukunft wäre eine Metasuchmaschine, auf der nicht nur Projekte, sondern ebenso Methoden/Funktionen und Algorithmen mediatorenweit ermittelt werden können. Schließlich wird nicht ohne Grund über die Vorteile der Verwendung von Knowledge-Management geredet! SourceForge-Mediator (http://sourceforge.net): Die Nummer Eins der Mediatoren ist momentan immer noch Source- Forge. SourceForge ist der größte Open-Source-Mediator sowohl hinsichtlich der Projektumfänge als auch in Anbetracht der Entwickleranzahl. Da wir bereits mehrfach über SourceForge berichtet haben, verweisen wir unsere Leser an dieser Stelle auf die vorherigen Ausgaben des Java Magazins. BerliOS-Mediator (www.berlios.de): BerliOS ist eine deutsche Kopie von SourceForge. Da das SourceForge-System selbst eine Open-Source-Anwendung darstellt, kann sie natürlich weltweit kostenfrei genutzt werden. Anzunehmen ist, dass durch BerliOS die Last von SourceForge verringert werden kann. SourceXchange-Mediator (www.source xchange.com): Anders als bei Source- Forge liegt bei SourceXchange der Arbeitsschwerpunkt in der Koordination und Kommunikation zwischen Sponsoren und Open-Source-Entwicklern. Es geht hierbei also um die Finanzierung und das Sponsoring von Open-Source- Projekten. Gemäß des Prinzips des homo oeconomicus müssen Open-Source-Entwickler ihren Lebensunterhalt wie jeder andere auch finanzieren. Es stehen ebenfalls einige Open Source Java-Enterprise-Projekte zur Verfügung. Es lohnt sich auf jeden Fall, die vorhandenen Open-Source-Projekte anzuschauen, da die Qualität der hier beendeten Projekte sehr hoch ist. Java-GNU (www.gnu.org/software/ java/java-software.html): Als Vorreiter der Open-Source-Bewegung bietet GNU ebenfalls einige Java-Open-Source-Projekte an. Viele von diesen Projekten werden bei SourceForge verwaltet. JMK gehört beispielsweise zum GNU-Projekt für einen plattformunabhängigen Build-Prozess, ähnlich wie das Tool Ant von Apache. Für den USB-Bereich stellt das Projekt jusb eine Implementierung der USB-Spezifikation für die Java-Programmiersprache zur Verfügung, die derzeit leider nur für Linux existiert. Mit den Aktivitäten von Sun in diesem Bereich muss jedoch gerechnet werden. Die Frage ist, welches Projekt sich weiter auf Seite 80 78

6 java & open source Was bisher geschah: Java & Open Source Artikel zum Thema Java und Open Source im Java Magazin im Überblick Java Magazin 4/2000 Claus Augusti: 2001 Odyssee im Webraum: Der Open Source Browser Mozilla, S. 68 Kay Glahn: Winnetous Erben Open Source-Projekte rund um Java und XML: Apache Software Foundation S. 72 Lars Röwekamp: Open Sources Voices from the Open Source Revolution Buchrezension,S. 95 Java Magazin 5/2000 Frank Bensberg und Lofi Dewanto: Bohnen-Server for free JonAs: Java Open Application Server, S. 79 Java Magazin 6/2000 Frank Bensberg und Lofi Dewanto: Ein Wasserbär mag Java-Kaffee Enhydra: Applikations/XML-Server von und für Java. S. 75 Java Magazin 7/2000 Frank Bensberg und Lofi Dewanto: Tanz der Versionen - CVS: Concurrent Versions System für Open Source-Projekte S. 83 Java Magazin 8/2000 Frank Bensberg und Lofi Dewanto: Wer ist hier der Boss? Der Open Source EJB-Server jboss 2.0, S. 69 Volker Reichel: X auf dem Server: Cocoon Eine Alternative zu JavaServer Pages, S. 91 Java Magazin 9/2000, Claus Augusti: Geist der Offenheit: Die vierte O Reilly Open Source Convention, S. 14 Frank Bensberg und Lofi Dewanto: Gemeinsam für ein Ziel? Der Java Community Process Eine Bestandsaufnahme, S.16 Volkert Reichelt: Achtung Ameise: Ant Noch ein Make, S. 90 Java Magazin 10/2000 Frank Bensberg und Lofi Dewanto: Relational & Open Source: Die Datenbanken HypersonicSQL und InstantDB S. 71 Manuel Klein: Alles im Web: Der Open Source Application Server Zope S.76 Java Magazin 11/2000 Frank Bensberg und Lofi Dewanto: Be Open! Open Source: Hintergründe, Projekte und die Beziehung zu Java, S. 60 Dies.: Vermittlungsdienste: Open Source Softwareentwicklungs Mediatoren. S.65 Dies.: Ein Wasserbär spricht XML: Ein Praxisbeispiel mit Enhydra, XMLC und Kelp, S. 82 Java Magazin 12/2000 Volker Reichel: Eingesponnen: Webpublishing mit Cocoon 1.8 XSP- Dokumente und andere Komponenten S. 91 Java Magazin 1/2001 Volker Reichel: Das Open Source-Projekt Struts Framework für Web-Applikationen mit MVC und JSP, S. 38 Daniel Haischt: Portier mit Speed Jetspeed: Aufbau und Konfiguration der Open Source-Lösung, S.66 Stefan Heller: Adler Open Source m-e-c eagle: O pen Source B2B Lösung, S. 98 Java Magazin 2/2001 Thomas Tieke: Alles Open Source: Online Shops mit jshopz, S. 55 Frank Bensberg und Lofi Dewanto: Quellcode-Schmiede SourceForge: Komponenten und Dienste für die Open Source-Entwicklung, S. 58 Dies.: Der kleine Webdienst Jetty und Hiawatha Zwei Java HTTP-Server stellen sich vor S. 89 Volker Reichel: Bunte Bilder oder mehr? Das Batik-Projekt: Entwickeln von SVAG-Applikationen, S. 97 Java Magazin 3/2001 Frank Bensberg und Lofi Dewanto: World Wide Wireless Wireless-Anwendungen mit der Enhydra-Plattform, S

7 durchsetzen wird. Schön wäre eine Integration beider Projekte. A Web-Ring for sites supporting Open Source Java Development (www.web ring.org/cgibin/webring?ring=osj123;li st): Hier sind einige Linksammlungen für Java-Open-Source-Projekte, die von Yahoo! zur Verfügung gestellt werden. Leider lässt die Qualität der Einträge teilweise sehr zu wünschen übrig. JFA Construction Zone (http://jfa.java lobby.org): JavaLobby Foundation Applications (JFA) versucht ebenfalls, einige Open-Source-Java-Projekte zu unterstützen. Der Schwerpunkt liegt hier bei den täglichen Java-Anwendungen, wie Datei-Explorer, Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogramm. Es kann jedoch gesagt werden, dass sich fast alle Projekte noch im Alpha-Stadium befinden. Ein interessante Sache gibt es jedoch: die Icon Collection, die eigentlich nichts mit Java Enterprise zu tun hat. Java-Entwickler können hier einige schöne Icons herunterladen und in eigene Anwendungen integrieren. Tigris (www.tigris.org): Tigris versucht, einige Open-Source-Projekte mit dem Schwerpunkt Kollaborationsanwendungen zu unterstützen. Das beste Ergebnis ist bis heute das Java-Open- Source-UML-Werkzeug namens Argo- UML, das eine große Hilfe für den vernünftigen Entwurf einer Java-Enterprise-Anwendung leistet. CampusSource-Mediator (www.cam pus source.de): CampusSource bietet eine Sammlung von Plattformen für universitäre Zwecke an. Viele von diesen Plattformen sind bereits in Java geschrieben, sodass eine Integration mit eigenen Java Enterprise-Anwendungen kein Problem darstellt. Sowohl in den US-amerikanischen als auch in deutschen Universitäten ist die Programmiersprache Java heutzutage eine Pflichtveranstaltung. Laut dem Analysten Gartner Group hat Java in der universitären Umgebung sogar C++ den Rang abgelaufen (5). Die Softwarebörse wird im April 2001 eröffnen, sodass Interessierte dann ausgewählte Plattformen herunterladen und verwenden können. Clientseitige Architektur? Spielt die clientseitige Architektur in unserer Enterprise-Welt eigentlich gar keine Rolle mehr? Brauchen wir tatsächlich nur einen Webbrowser auf unserem Client- Rechner? Soweit sind wir leider bzw. glücklicherweise noch nicht. Einige Komponenten auf dem Client-Rechner sind absolut notwendig: offline Office-Produkte, Datei-Manager, Zip-Manager, Anti-Virus, -Client, Entwicklungsumgebung u.v.a.m. Derzeit fehlt eine umfangreiche und eine in 100% Java geschriebene Benutzeroberfläche für den Client-Rechner. Statt den heiligen Krieg zwischen KDE und Gnome zu unterstützen, bräuchten wir lediglich eine plattformunabhängige Benutzeroberfläche in Java. Dies würde anschließend eine Integration zwischen der Linux- und der Windows-Welt ermöglichen. Die Behauptung, dass zu wenig Anwendungen für Linux vorhanden seien und sich Linux deshalb im Client-Bereich bis heute nicht durchsetzen könne, ist nicht zu halten. Es existieren bereits zahlreiche und vielfältige Linux-Anwendungen. Trotzdem garantiert dies noch keinen Erfolg für Linux im Client-Bereich. Die Durchsetzung des Open-Source- Betriebssystems Linux im Client-Bereich ist nur möglich, wenn die Nutzer die Freiheit haben, selbst über das eingesetzte Betriebssystem zu entscheiden. Wenn alle bedeutenden Client-Anwendungen und auch die gesamte Benutzeroberfläche bereits in Java laufen, wird das Betriebssystem zwangsläufig eine untergeordnete Rolle spielen. Dies bedeutet letztendlich, dass es für die Endbenutzer nicht mehr wichtig zu wissen ist, ob Windows oder Linux das grundlegende Betriebssystem ist. Als Beispiel kann JBuilder genutzt werden. Durch die 100%Java-Implementierung ist es nun für viele Entwickler irrelevant, welches Betriebssystem verwendet wird. Derzeit existieren einige gute Open Source Java-Anwendungen für den Client-Rechner wie beispielsweise der Text-Editor jedit (http://jedit.sourcefor ge.net) mit Plug-in-Funktionalität oder der Entwickler-Editor Jext (http://jext. sourceforge.net). Diese Anwendungen können als Java-Vorzeige-Anwendungen schlechthin aufgeführt werden. Sobald die übrigen Java-Client-Anwendungen ähnlich wie jedit geschrieben werden, wird das Betriebssystem in kurzer Zeit nur mehr eine sehr unbedeutende Rolle spielen! Letztendlich zeigen heutige Rechner eine geeignete Prozessorleistung, um mit Java-Programmen zurecht zu kommen. Open Source, quo vadis? Nachdem wir einige Plattformen und Mediatoren kennen gelernt haben, fragt man sich zwangsläufig: Wie lange wird das Nebeneinander von diversen Open- Source-Plattformen und Mediatoren anhalten? Oder wird es sich bald mal wieder zeigen, dass der Starke den Schwächeren übernimmt? Ungeachtet dessen hat die Zukunft in diesem Bereich allemal Interessantes zu bieten. Nicht ignoriert werden darf, dass in diesem Bereich ebenfalls Geld verdient werden muss, da sich die vorhandenen Konzepte für Plattformen, Mediatoren und Communities ansonsten nicht lange auf dem Markt halten können. Also, wie wird es bei unseren Open Source Java-Enterprise-Plattformen weitergehen? Es kann angenommen werden, dass die neue Java-Generationen, bestehend aus Schülern und Studenten, angefangene Open-Source-Projekte weiter unterstützen werden. Vorzeigbare Aktivitäten in einem bekannten Open-Source- Projekt schadet zudem keinem Lebenslauf! Literatur [1] Pountain, D., Montgomery, J. (1997): Web Components in: Byte, August 1997, S [2] Reichel, V. (2001): Struts your Web! in: Java Magazin, 1.01, S [3] Pöschmann, T. (2000): Swinging Web in: Java Magazin, 12.00, S [4] Bensberg, F., Dewanto, L. (2001): Der kleine Webdienst in: Java Magazin 2.01, S [5] Stewart, B. (2001): Java as a Teaching Language unter: news/teachjava_0101.html ( ) 80

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