Rainer Bartenstein. CFDs

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1 Rainer Bartenstein CFDs Mai 2009

2 Inhaltsverzeichnis 1 Was sind CFDs Die Vorteile im Überblick Handel Plattform Ordermöglichkeiten Kosten Transaktionskosten Orderkosten Spreads Finanzierungskosten Wirkungsweise des Hebels Risiken Verlustpotenzial durch Hebelwirkung Insolvenzrisiko des CFD-Brokers Steuern Anbieter von CFDs... 7 A. FAQ (Frequently Asked Questions)... 8 a. Was passiert bei Dividendenausschüttungen?... 8 b. Was passiert beim Handel mit CFDs hinter den Kulissen?... 8 c. Kann man den Hebel reduzieren?... 8 d. Demokonto... 8 B. Informationsquellen im Internet... 9 Seite 2

3 1 Was sind CFDs CFDs sind Derivate und bilden 1:1 das dazugehörige Underlying, d.h. den Basiswert ab. Sie sind entstanden aus dem Wunsch britischer Börsenhändler, Aktien ohne Stempelsteuer zu handeln. Sie erfanden daher einfach ein Wertpapier, welches 1:1 den Kurs von Aktien abbildete, ohne daß die Aktie selbst erworben oder veräußert werden musste. In den letzten Jahren traten CFDs einen Siegeszug um die Welt an. Neben Aktien als handelbare Underlyings sind schon länger auch Aktienindizes, Sektorenindizes (z.b. Pharma), diverse ETFs (Exchange Traded Funds), Rohstoffe (Öl, Metalle, Agrarprodukte), Devisen und Anleihen hinzugekommen. Das Besondere dabei ist, daß alle diese Werte über ein Konto gehandelt werden können. Die Kurse werden dabei immer von der für den jeweiligen Wert umsatzstärksten Börse geliefert. D.h. das ausländische Werte automatisch an der Heimatbörse gehandelt werden. 2 Die Vorteile im Überblick Niedriger Kapitaleinsatz (kein Erwerb des Basisproduktes nötig) Große Hebelwirkung Große Auswahl an handelbaren Werten Transparente Preise durch 1:1 Kursabbildung Möglichkeit auf steigende und fallende Kurse zu setzen Niedrige oder keine Transaktionsgebühren Keine Laufzeitbeschränkung (wie z.b. bei Optionsscheinen) 3 Handel 3.1 Plattform CFDs werden üblicherweise auf Online-Plattformen gehandelt, die vom Broker bereitgestellt werden. Grundsätzlich unterscheiden sich diese Plattformen nicht wesentlich von den Plattformen von Direktbanken, die ihren Kunden den Onlinehandel von Aktien ermöglichen. Allerdings wird üblicherweise eine Software auf dem Rechner installiert, die mit dem Rechner des Brokers in Verbindung steht und die Kursdaten in Echtzeit liefert sowie die Order Seite 3

4 platziert. Da sich CFDs eher an Trader wenden und dort Schnelligkeit zählt, gibt es auch kein Pin/Tan verfahren, sondern die Order wird einfach mit Knopfdruck bestätigt. Je nach Anbieter bieten diese Handelsplattformen unterschiedliche Funktionen. Allen gemein ist die Möglichkeit, Echtzeitkurse zu allen handelbaren Werten anzuzeigen, Charts zu zeichnen, diverse Indikatoren anzuzeigen sowie auch selbst Indikatoren zu erstellen. Darüber hinaus bieten die Plattformen oft auch die Möglichkeit, eigene Handelssysteme zu entwickeln und Back-Tests auszuführen. Eingegebene Orders werden zumeist im Chart als Linien angezeigt. Eine sehr schöne Funktion bei WHS ist die Möglichkeit, Orders im Chart per Drag and Drop anzupassen, z.b. eine Stopp-Loss-Order nachzuziehen. Lässt man die Linie am gewünschten Kurslevel los, fragt das System, ob der Stopp-Loss auf den angezeigten Preis angepasst werden soll, was sich mit einem Klick bestätigen lässt. 3.2 Ordermöglichkeiten An Ordermöglichkeiten gibt es eigentlich alles, was ein Trader sich wünscht: Market Order Kauf oder Verkauf zum aktuellen Kurs Limit Order Kauf, wenn niedrigerer Kurs oder Verkauf, wenn höherer Kurs erreicht ist Stopp Order Kauf, wenn höherer Kurs, oder Verkauf, wenn niedrigerer Kurs erreicht ist Trailing Stopp Stopp Loss, der im festgelegten Abstand dem Kurs folgt, aber nur in Gewinnrichtung If-Done Order Order, die nur dann aufgegeben wird, wenn die übergeordnete Order ausgeführt wird OCO Order Orderpaar, bei der die zuerst ausgeführte Order automatisch die andere Order löscht Seite 4

5 4 Kosten 4.1 Transaktionskosten Transaktionskosten fallen bei vielen CFD-Brokern nur für Aktien-CFDs an. Im Vergleich zu anderen Anlageprodukten sind die Transaktionskosten bei vielen CFD-Brokern recht moderat. CMC-Markets verlangt zum Beispiel bei Aktien-CFDs 0,08% vom Wert des Underlyings (Anzahl CFDs x Kurs der Aktie), alle anderen Underlyings wie Indizes, Devisen usw. sind gebührenfrei. 4.2 Orderkosten Gebühren für die Ordererstellung fallen bei den meisten CFD-Brokern nicht an. Gebühren im Rahmen einer Orderstellung wären zum Beispiel Kosten für eine limitierte Order, Gebühren für eine Stop-Order, eine OCO - One Cancels the Other order. 4.3 Spreads Der Spread ist der preisliche Unterschied zwischen Verkaufskurs (Geldkurs) und Kaufkurs (Briefkurs). Je größer dieser Spread ist, umso länger braucht man, um die Gewinnzone zu erreichen. Der CFD-Anleger kauft immer zum höheren (teureren) Briefkurs, den der Händler/Makler stellt - und er verkauft zum niedrigeren Geldkurs. Wenn sich der Kurs zwischen Kauf und Verkauf gar nicht bewegt, hat der CFD-Anleger sofort nach Kauf zunächst einen Verlust in Höhe des Spreads x CFD-Anzahl eingefahren. Die Breite des Spreads orientiert sich vorwiegend an den vorliegenden Kauf- und Verkaufsangeboten in den Orderbüchern der Börsenhändler bzw. des Xetra-Systems der Deutschen Börse. Bei Indizes (z. B. DAX) beträgt der Spread üblicherweise 2 Punkte. 4.4 Finanzierungskosten Beim Halten einer CFD-Aktienposition (häufig auch bei Indizes) über Nacht werden dem CFD-Anleger Finanzierungskosten in Form von Zinsen berechnet. Für eine Kaufposition (Long) muss der Anleger Zinsen zahlen, während der Short-Anleger (Verkaufsposition) Zinsen erhält. Für die Zinsberechnung orientiert man sich üblicherweise am Tagesgeldsatz, den sich Banken untereinander berechnen (z. B. EURIBOR oder EONIA). Je nach Anbieter setzen sich die Finanzierungskosten aus dem Tagesgeldsatz und einem internen Finanzierungskostensatz zusammen. Seite 5

6 5 Wirkungsweise des Hebels Anders als beim Erwerb von Aktien, muss beim Erwerb von CFDs nicht der volle Kaufpreis, sondern nur eine Sicherheit, die s.g. Margin hinterlegt werden. Je nach Underlying liegt diese zwischen 1% (z.b. bei Aktienindizes wie dem DAX) und 10% (bei Einzelwerten). Somit lassen sich mit dem verfügbaren Kapital das 10 bis 100! -fache Investitionsvolumen bewegen. Gewinne oder Verluste ergeben sich aber aus der Wertveränderung des Gesamtengagements, nicht der Margin! Darin liegt die besondere Gewinnchance, aber auch das besonders hohe Verlustrisiko. Nehmen wir an, ein mutiger Anleger hat zur Verfügung, und möchte damit soviel Anteile am DAX kaufen, wie möglich. Bei den meisten Brokern beträgt die Margin beim DAX nur 1%. Somit kann der Anleger den DAX im Gesamtwert von ! erwerben. Wenn der DAX nun um 5% steigt, steigt seine Position um 5% von = Er hat sein Kapital also verfünffacht. Fällt der DAX aber um 5%, so beträgt sein Verlust ebenfalls Er hat also nicht nur sein gesamtes Kapital verloren, sondern muss seinem Broker darüber hinaus noch weitere bezahlen. Dennoch, gerade in der Tatsache, daß mit einem relativ geringen Kapitaleinsatz große Positionen bewegt werden können, liegt der besondere Reiz beim CFD-Handel. Letztlich ist ein Handel auf Kredit nichts anderes, nur, daß die Kredithöhe beim Wertpapierkredit viel geringer ist (allenfalls 50% des Depotwertes) und die Zinsen viel höher sind. 6 Risiken 6.1 Verlustpotenzial durch Hebelwirkung Das Verlustpotential ist bei Long-Positionen grundsätzlich die volle Höhe des eingegangenen Engagements (und damit ein Vielfaches der hinterlegten Margin), bei Short-Positionen ist das Verlustpotential grundsätzlich sogar unbegrenzt, weil der Anleger einen zunächst verkauften Wert irgendwann zurückkaufen muss, und zwar um jeden Preis! In der Praxis wird Letzteres nicht passieren, weil der Broker eine Verlustposition nach vollständigem Verbrauch der vorhandenen Cash-Reserve (und vorheriger Warnung) automatisch glattstellt. Gutes Moneymanagement ist aber auf jeden Fall unverzichtbar. Bei jeder Position muss ein Anleger IMMER das eingegangene Engagement sehen, nicht die darauf hinterlegte Margin, und dann den maximal akzeptierten Verlust per Stop Loss absichern. Seite 6

7 Bsp: Möchte ein Investor pro Position nicht mehr als Verlust riskieren, einen Verkauf aber erst bei einem Kursrückgang von 10% tätigen, so darf er maximal in eine Position investieren. Die dafür nötige Margin (z.b. 10%) betrüge aber nur Insolvenzrisiko des CFD-Brokers Da der CFD-Anleger keine physischen Werte (Aktien, Rohstoffe, Anleihen etc.) besitzt, besteht ein permanentes Totalverlustrisiko durch Insolvenz des CFD-Anbieters. Die Anbieter führen aber ihre Konten (und damit die Unterkonten ihrer Kunden) bei namhaften Banken, der s.g. Depotbank, für die die Einlagensicherungsinstrumente des jeweiligen Landes gelten. Wichtig ist, ob der Anbieter für seine Kunden s.g. segregated Accounts führt, also getrennte Konten, so daß die Einlagensicherung in voller Höhe greift. 7 Steuern Ab gilt die Abgeltungssteuer mit 25% + Soli + Kirchensteuer, zusammen rund 28%. Die Abgeltungssteuer fällt an auf Ausschüttungen sowie auf Kursgewinne, unabhängig von der Haltedauer. Dies gilt uneingeschränkt auch für CFDs. Sofern das Konto bei einem ausländischen Broker geführt wird, wird die Abgeltungssteuer jedoch nicht von der Bank einbehalten und abgeführt. Der Steuerpflichtige muß die Einkünfte im Rahmen seiner Steuererklärung vielmehr selbst angeben. Damit entsteht ein gewisser Liquiditätsvorteil, da mit erzielten Gewinnen unterjährig bzw. bis zur Zahlung der Steuer gearbeitet werden kann. 8 Anbieter von CFDs Die größten Anbieter von CFDs sind CMC Markets (Marktführer), ABN AMRO marketindex, GCI Financial, IG Markets, Flatex, Saxo Bank, Synthesis Bank, actior, WH Selfinvest. Es kommen laufend Anbieter hinzu. Nußloch, im Mai 2009 Seite 7

8 Anhang A. FAQ (Frequently Asked Questions) a. Was passiert bei Dividendenausschüttungen? Dividendenausschüttungen werden bei Long-Positionen gutgeschrieben, bei Short- Positionen belastet. Damit wird die Kursdifferenz (ex Dividende) vollständig ausgeglichen. b. Was passiert beim Handel mit CFDs hinter den Kulissen? Der Gegenspieler beim CFD-Handel ist immer eine Bank, oder, wenn der Broker als Market-Maker agiert, der Broker selbst (z.b. CMC Markets). Die Bank bzw. der Broker wird im Normalfall das mit dem Kunden abgeschlossene Differenzgeschäft absichern. Beispiel: Der Kunde kauft 100 CFDs BASF zu 26. Steigt der Kurs auf z.b. 30 und der Kunde möchte verkaufen, so muß die Bank bzw. der Broker die 100 CFDs zu diesem Kurs wieder zurücknehmen. Die Bank sichert sich bei diesem Geschäft in der Form ab, daß sie in der Höhe, wie sie CFDs an den Kunden verkauft, die zugrundeliegende Aktie erwirbt und umgekehrt. Damit geht die Bank aus dem Geschäft kein eigenes Kursrisiko ein. c. Kann man den Hebel reduzieren? Nein, der Hebel ergibt sich immer zwingend aus der geforderten Margin. Das Risiko lässt sich aber ganz einfach dadurch reduzieren, daß der Anleger den Hebel nicht ausreizt. Hat der Anleger einen Anlagebetrag in Höhe von , so könnte er damit z.b. für Aktien-CFDs erwerben. Erwirbt er stattdessen nur für Aktien-CFDs, so ist der Hebel automatisch von 10 auf 5 reduziert. Es ist daher immer sinnvoll, nicht die Margin, sondern das gehandelte Volumen zu betrachten. d. Demokonto Nahezu alle CFD-Anbieter bieten die Möglichkeit an, für eine bestimmte Zeit ein Demokonto anzulegen. Damit lässt sich der Umgang mit der Plattform sowie die unterschiedlichen Oderarten ausprobieren. Seite 8

9 B. Informationsquellen im Internet Allgemein Allgemein Abgeltungssteuer Anbieter nach Einlagensicherung Anbieter Kontakt: Rainer Bartenstein Dipl.- Betriebswirt (FH) Steinäcker Nußloch Mobil 0172 / Seite 9

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