ISMS Teil 3 Der Startschuss

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1 ISMS Teil 3 Der Startschuss Nachdem das TOP-Managenment die grundsätzliche Entscheidung getroffen hat ein ISMS einzuführen, kann es nun endlich losgehen. Zu Beginn sollte Sie noch die Grundlagen des ISMS verinnerlichen. Was Sie NIE aus den Augen verlieren sollten, sind die beiden Begrifflichkeiten: PDCA-Konzept und Risikomanagement Diese Begriffe werden Sie auf dem gesamten Weg zum ISMS begleiten. Was sie im einzelnen bedeuten und welchen Einfluss sie auf das ISMS haben, werden Sie später kennenlernen. Wie bereits in Teil 2 erläutert, basiert ein ISMS, wie viele Managementsysteme, auf dem PDCA- Konzept. Die Elemente des PDCA-Konzeptes sind: 1. PLAN 2. DO 3. CHECK 4. ACT Diese Elemente sind für den Aufbau des ISMS, aber auch und vor ALLEM für den Betrieb des ISMS wichtig. Die Anwendung dieses Konzeptes stellt eine kontinuierlichen Verbesserungsprozess dar und verhindert durch die Einhaltung der Reihenfolge der Elemente, dass keine "Schnellschüsse" die zu kostenintensiven und kontraproduktiven Scheinlösungen führen können, entstehen. Beginnen wir nun mit dem Element "PLAN". Als ersten beginnen wir mit der Festlegung des Anwendungsbereiches und der Grenzen des ISMS. Genau genommen, sollte dieser Schritt bereits bei der grundsätzlichen Planung zur Einführung erledigt worden sein. Aber nochmal zur Erinnerung: Der Anwendungsbereich beschreibt den Gegenstand des ISMS, also z.b. die Organisation oder Teile davon, Geschäftsprozesse, usw. Die Grenzen sollen klar die Trennung zwischen dem Gegenstand des ISMS und dem Rest festlegen. Wichtig ist hier, dass die Grenzen auch mit den Verantwortungsbereichen innerhalb der Organisation vereinbar sind! Copyright DSS Joerg Lammerich 1

2 Als zweites definieren wir die Informationssicherheitsleitlinie und die ISMS-Leitlienie. Die Informationssicherheitsleitlinie beschreibt im Grunde die vertraglichen, rechtlichen und gesetzlichen Anforderungen und verpflichtet die Mitarbeiter zur Einhaltung dieser Vorgaben. Die ISMS-Leitlinie beschreibt zusätzlich die Rahmenbedingungen um die geplante Informationssicherheit zu erreichen und beschreibt weiterhin, mit welchen Prinzipien das erreicht werden soll. Ferner gibt sie die Kriterien zum Risikomanagement und deren Bewertung vor. Die Leitlinien müssen vom Management freigegeben werden! Zu diesem Zweck ist ein entsprechender Beschluss anzufertigen und per Unterschrift in kraft zu setzen. Punkt drei der Planungsphase legt die Art und Weise der Risikoeinschätzung fest. Hier wird genau beschrieben, welche Methode zur Risikoeinschätzung angewendet werden soll. Wichtig ist hier, dass die gewählte Methode für das ISMS geeignet ist. Die Norm stellt hier die ISO zur Verfügung, die auf jeden Fall auf Eignung geprüft werden sollte. Sinnvollerweise, sollte die ISMS-Leitlinie erst in kraft gesetzt werden, wenn die Methode zur Risikoeinschätzung festgelegt wurde! Der nächste Punkt stellt die Identifizierung der Risiken dar. Risiken werden immer im Bezug auf bestimmte Informationswerte gesehen. Also müssen als erstes die eigentlichen Informationswerte definiert werden. Ein Informationswert ist etwas, was aus Sicht der Organisation eine Wert darstellt. Das können materielle, aber auch immaterielle Werte sein. Zu beachten ist hier, dass nur Werte betrachtet werden, die innerhalb des Anwendungsbereiches des ISMS liegen. Bei der Erfassung der Werte sind folgende Eigenschaften wichtig: Der Eigentümer Hier ist nicht das Besitzrecht gemeint, sondern Derjenige, der durch das Management die Rolle des Verantwortlichen für diesen Wert übertragen bekommen hat. Die Bedrohung Unter einer Bedrohung versteht man ein Ereignis, dass die Sicherheitsziele der Organisation im Bezug auf den Wert beeinflussen kann. Entscheidend ist hier NICHT, ob das Ereignis absichtlich, fahrlässig, unabsichtlich oder durch einen Defekt oder ein Elementarereignis hervorgerufen wird. Die Schwachstellen Schwachstellen beschreiben Defizite, die einen Angriff auf den Wert erleichtern oder erst möglich machen. Ferner ist zu identifizieren, ob die Schwachstellen ausnutzbar sind, sprich für einen Angriff auch sinnvoll genutzt werden können. Sind nun die ausnutzbaren Schwachstellen identifiziert, sind als nächstes die Auswirkungen einer Verletzung der Sicherheitsziele eines Wertes für die Organisation zu bestimmen. Copyright DSS Joerg Lammerich 2

3 Nun folgt die Risikoabschätzung und Bewertung. In der Risikoabschätzung sollten Sie folgende Fragen beantworten: Wie hoch ist der Schaden für die Organisation für jedes identifizierte Risiko? Mit welcher Häufigkeit wird der ermittelte Schaden eintreten? Aus diesen Faktoren ergibt sich nun die Bewertung der Risiken. Diese Bewertung sollte in jedem Fall klassifiziert werden. Folgende Klassen sind hier sinnvoll: tolerabel beträchtlich hoch katastrophal Mehr als 4 Klassen sollten hier nicht gebildet werden. zu bedenken ist auch, dass noch ganz andere Risiken vorhanden sein können, nämlich Risiken, die zur Zeit der Identifizierung unbekannt sind! Nachdem nun alle bekannten Risiken bestimmt und bewertet sind, werden diese in zwei Kategorien eingeteilt: 1. Risiken die OHNE weitere Gegenmaßnahmen getragen werden 2. Risiken die einer weitergehenden Behandlung bedürfen Der nächste Schritt ist die Risikobehandlung. Betrachtet werden jetzt nur die Risiken der Kategorie 2. Für diese Risiken gibt es drei grundsätzliche Optionen zur weiteren Steuerung. 1. Vermeidung der Risiken 2. Übertragung der Risiken auf Andere 3. Anwendung geeigneter Maßnahmen zur Risikoreduzierung Beispiele zu den einzelnen Optionen: 1. Risikovermeidung: Werte die Schwachstellen aufweisen könnten durch geeignete neue Werte ersetzt werden. (z.b. Austausch von Hardware) 2. Risikoübertragung: Nicht tragbare Risiken könnten durch Versicherungen abgedeckt oder vertraglich auf den Lieferanten übertragen werden. 3. Risikoreduzierung: Ein identifiziertes Risiko kann durch geeignete Maßnahmen so verändert werden, dass es die Auswirkungen nicht oder nur abgeschwächt auftreten können. möglicherweise lässt sich das Risiko so in eine niedrigere Klasse einstufen. Copyright DSS Joerg Lammerich 3

4 Nun folgt die Auswahl der Maßnahmenziele und Maßnahmen. Da nun fest steht, welche Risiken der Risikosteuerung unterliegen, nämlich die Risiken der Kategorie 2, müssen nun genau für diese Risiken die geeigneten Maßnahmenziele und Maßnahmen ausgewählt werden. Der Anhang A der Norm stellt hier eine Vielzahl zur Auswahl bereit. Die Organisation kann weitere Maßnahmenzielen und Maßnahmen, die nicht im Anhang A genannt sind festlegen. Allerdings bedarf eine Abweichung von der Norm einer klaren und plausiblen Begründung. Die ISO liefert hier zu jedem Maßnahmenziel und jeder Maßnahme eine Reihe von Hinweisen. Man kann also sagen, dass die ISO die Erläuterungsnorm zum Anhang A der ISO ist. Im nächsten Schritt, geht es um die Akzeptanz der verbleibenden Risiken durch das Management. In den vorangegangenen Schritte zur Risikobehandlung haben wir die verbleibenden Risiken, also die der Kategorie 1, identifiziert. Diese Risiken werden auf Grund ihrer Klassifizierung nicht weiter behandelt, da sie für die Organisation ohne weitere Gegenmaßnahmen getragen werden. Dieser Umstand ist ZWINGEND dem Management zu kommunizieren und am Besten durch eine entsprechenden Beschluss freizugeben. Ein Risiko das immer zu tragen ist, ist ein Risiko, dass der Organisation NICHT bekannt ist und somit als Restrisiko bezeichnet wird. Nachdem alle diese Schritte erledigt wurden, erfolgt der Auftrag zur Einführung und zum Betrieb des ISMS. Dem Management sind nun alle Risiken ausdrücklich bekannt und wurden akzeptiert. Nun folgen vor dem endgültigen Auftrag zur Einführung und zum Betrieb des ISMS noch folgende Entscheidungen: es müssen die zu erwartenden Kosten nach einmalig und wiederkehrend ermittelt werden es muss der zu erwartende Personaleinsatz ermittelt werden es muss der zu erwartende Ressourcenbedarf definiert werden nach den Kriterien Einführung und Betrieb Sind diese Fragen geklärt und durch das Management genehmigt, sollte der Auftrag zur Einführung und zum Betrieb des ISMS durch das Management erteilt werden. Copyright DSS Joerg Lammerich 4

5 Der letzte Schritt ist die Anfertigung einer Erklärung zur Anwendbarkeit (SoA / Statement of Applicability). Das SoA ist ein grundlegendes Dokument, ähnlich wie die ISMS-Leitlinen. Das SoA muss folgende Punkte enthalten: ALLE ausgewählten Maßnahmenziele und Maßnahmen Jede einzelne Auswahl MUSS begründet werden. Es soll durch dieses Vorgehen das Bewusstsein geschärft werden, warum genau diese Maßnahmenziele und Maßnahmen gewählt wurden. Es müssen alle bereits umgesetzten Maßnahmenziele und Maßnahmen aufgeführt sein. Was in der Regel eine "echte Teilmenge" aller ausgewählten ist. Ferner müssen alle NICHT ausgewählten Maßnahmenziele und Maßnahmen aufgeführt und eine entsprechende Begründung abgegeben werden. Mit der Fertigstellung des SoA ist die Planungsphase (PLAN) des ISMS abgeschlossen. Copyright DSS Joerg Lammerich 5

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