COMPUTEREINSATZ IM DAF-UNTERRICHT ZUR ENTWICKLUNG SPRACHLICHER FERTIGKEITEN

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1 COMPUTEREINSATZ IM DAF-UNTERRICHT ZUR ENTWICKLUNG SPRACHLICHER FERTIGKEITEN INHALTSVERZEICHNIS 1. EINFÜHRUNG DER COMPUTER IM UNTERRICHT ZUM BEGRIFF COMPUTER HISTORISCHE ENTWICKLUNG DES COMPUTERS ALS UNTERRICHTSMITTEL Historische Entwicklung der Hardware Historische Entwicklung der (Lern-) Software Die Entwicklung der Elektronischen Kommunikation VERWENDUNG DES COMPUTERS IM UNTERRICHT Terminologie des Computers als Unterrichtsmittel Computer in der Vorschulzeit und in der Volksschule Computer in der Sekundarschule Computer in der universitären Bildung DER COMPUTER IM FREMDSPRACHEN- UND DAF-UNTERRICHT Der Computer als ein Hilfsmittel im Fremdsprachenunterricht Der Computer als ein intelligenter Tutor im Fremdsprachenunterricht FORSCHUNGSERGEBNISSE UND DISKUSSIONEN ÜBER DIE KONSEQUENZEN DES COMPUTEREINSATZES IM FREMDSPRACHENUNTERRICHT... Alyaz, Y. 3. KRITERIEN ZUR BEURTEILUNG DER QUALITÄT VON LERNSOFTWARE FÜR DAF MEDIENSPEZIFISCHE UND SOFTWAREERGONOMISCHE KRITERIEN Formale und strukturelle Kriterien Technische Kriterien Interaktionsbezogene Kriterien Preis- und Kostenkriterien DIDAKTISCHE UND METHODISCHE KRITERIEN Kommunikativ-interaktive Bereiche Themen, Situationen, Sprachhandlungen und intentionen Rezeptive, interaktive und produktive Fertigkeiten...

2 Sprachsystematische Bereiche Wortschatz Grammatik KRITERIENKATALOG FÖRDERUNG SPRACHLICHER FÄHIGKEITEN DURCH DAF-LERNSOFTWARE LERNSOFTWARE FÜR DEUTSCH ALS FREMDSPRACHE Komplette Lernprogramme Programme mit bestimmten, beschränkten Zwecken Autorenprogramme Zusammenfassende Bewertung der Programme FÖRDERUNG DER REZEPTIVEN, INTERAKTIVEN PRODUKTIVEN UND KOGNITIVEN SPRACHLICHEN FERTIGKEITEN IN DEN DAF-LERNPROGRAMMEN Förderung kommunikativ-interaktiver Bereiche in den DaF-Lernprogrammen Themen, Szenarien, Situationen und Sprechabsichten Förderung der rezeptiven Fähigkeiten Förderung des Leseverstehens Förderung des Hörverstehens Förderung des Hörsehverstehens Förderung der interaktiven Fähigkeiten Förderung des dialogischen Sprechens Förderung des dialogischen Schreibens Förderung produktiver Fähigkeiten Förderung mündlicher Produktion (des monologischen Sprechens) und der Aussprache Förderung schriftlicher Produktion (des monologischen Schreibens) und der Orthografie Förderung sprachsystematischer Fertigkeiten Förderung des Wortschatzes Förderung der Grammatik SCHLUSS... Bibliographie... Internetquellenverzeichnis... Softwareverzeichnis... Anhang (Dialogbeispiele mit den KI-Systemen)...

3 Erweiterte Zusammenfassung der Dissertationsarbeit In diesem Schlusskapitel sollen die in den vorherigen Kapiteln behandelten Themen, nämlich der Computereinsatz im Deutschunterricht zur Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten und die Ergebnisse der Deutschlernsoftwareanalyse, zusammengefasst und interpretiert dargestellt werden. In dem deskriptiven Kapitel 2 Computer im Unterricht wurden in den einzelnen Subkapiteln die Definition des Begriffs Computer, die historische Entwicklung des Computers (der Hard-, der Software und des Internets) als Unterrichtsmittel, Vorurteile und negative Stellungen gegen den Computereinsatz, Schwierigkeiten des computerunterstützten Lernens,, die Einsatzmöglichkeiten des Computers in den Primar- und Sekundarschulen und in der universitären Bildung, im Fremdsprachenund im Deutsch- als-fremdsprache-unterricht behandelt. Daraus ergibt sich, dass der Computer im Unterrichtswesen sowie im Deutschunterricht als 1) Hilfsmittel und 2) Tutor verwendet wird. Als Hilfsmittel erfüllt der Computer eine instrumentelle Funktion und ersetzt die traditionellen Lehr- und Lernmittel wie Schreibmaschine, Tonbandgerät, Videorekorder, TV, Dia - und Tageslichtprojektor, u.a. Der Computer bildet nicht nur eine Alternative zu diesen klassischen Medien, sondern bringt sie in einer multi- und hypermedialen Umgebung zusammen und fügt neue Funktionen und Bearbeitungsmöglichkeiten wie z.b. flexible, dynamische Präsentation, Interaktion mit dem Benutzer, usw. hinzu, über die diese einzelnen Medien alleine nicht verfügen. Die Verwendung des Computers in den Schulen, Universitäten oder Instituten wird mit verschiedenen Modellen realisiert: 1) Für jede Klasse ein PC mit Multimediaanlagen, den der Lehrer im Unterricht einsetzen kann, wann er es für notwendig hält; 2) Mediathek-, Self-Access-Center-, Medien- oder Info-Ecke-Modell, wobei der Computer außerhalb der Klasse platziert wird, damit der Computer den Schülern bzw. den Deutschlernenden sowie den Lehrern auch außerhalb der Unterrichtsstunde zur Verfügung steht; 3) Computerlabor-Modell, in dem je nach Bedarf der Schule mindestens 20 PCs und ein Terminal zur Verfügung stehen, die von mehreren Klassen oder Benutzern in der Unterrichtsstunde für unterrichtliche Anwendungen und in der Freizeit für freie Arbeit in Anspruch genommen werden kann. Der Computer ist dabei nur im Mediathek- und Labormodell zur freien Arbeit und daher allgemein zugänglich. Die Sachverständigen empfehlen eines dieser Modelle je nach dem Bedarf, der Benutzerzahl oder den finanziellen Bedingungen. Wie in allen Schultypen, Schulstufen und Schulfächern wird der Computer auch im Fremdsprachen-, darunter auch im DaF-Unterricht, instrumental und tutoriell verwendet. Alle diese Formen des Computereinsatzes sind nur durch eine adäquate Software möglich. Zur instrumentellen Verwendung des Computers im FU bzw. im DaF-Unterricht stehen verschiedene spezielle Programme oder Mehrzweckprogramme als Textverarbeitungs-, Präsentations- oder Kommunikations-Software zur Verfügung. Zur tutoriellen Verwendung des Computers im FU oder DaF-Unterricht kommt eine speziell zu diesem Zweck entwickelte Software in Frage. Die tutoriellen Möglichkeiten des Computers hängen von dieser Software und der Leistungsfähigkeit der Hardware ab. Daher wurden in der Arbeit die Möglichkeiten und Hardwareanforderungen des Computereinsatzes für eine effektive DaF- Aktivität am und mit dem Computer behandelt. Um die Frage nach der Effektivität des Computereinsatzes beantworten zu können, wurden im letzten Subkapitel (2.5.) des zweiten Kapitels die Konsequenzen des Computereinsatzes im Fremdsprachenunterricht anhand der Forschungsergebnisse und Diskussionen veranschaulicht. Die Diskussion über die Effektivität des CALL läuft seit langem unter Lehrern, Fachleuten und Eltern. Es gibt aber, wie viele CALL-Wissenschftler betonen, nur wenige Forschungen über die Auswirkung des Computers auf den Lernerfolg. Die Forschungsprojekte und verschiedene Vergleichsstudien ergeben, dass bei der computerunterstützten Lernaktivität nur 0.30 % Effektivitätsstärke in Frage kommt. Einige andere Untersuchungen ergeben entweder nur geringe oder gar keine Effektivitätsdifferenzen zwischen den computergestützten und klassischen Lernaktivitäten. Diese Ergebnisse stellen die Sachverständigen zur Diskussion. Es wird nicht nur die Effektivität des Computereinsatzes, sondern auch die Objektivität dieser Vergleichsstudien und Effizienzforschungen diskutiert, da es noch keine

4 allgemeingültigen Messinstrumente und Vergleichskriterien gibt und daher Lernerfolg und Effizienz sich nicht objektiv messen lassen; d.h., ob diese Untersuchungen die Potenzen des Computers wirklich angemessen behandeln, ist eines der meist diskutierten Themen. Die meisten Untersuchungen ergeben aber, dass computerunterstützte Aktivitäten die Lernenden motivieren, dass besonders die instrumentelle Verwendung des Computers Zeitersparnis bringt und dass die multi- und hypermedialen Anwendungen den einzelnen klassischen Medien überlegen sind. Yildiz und Atkins setzen hinter die Effektivitätsforschungen einen vorläufigen Schlusspunkt, indem sie in ihrer Untersuchung zum Schluss kommen, dass die Erziehungswissenschaftler es besser aufgeben, die Effektivität des Computereinsatzes im Vergleich zu anderen Technologien zu evaluieren, und stattdessen ihre Kräfte darauf konzentrieren sollten, die Relationen von Lernaufgaben und Lerngemeinschaften zu erforschen. Kapitel drei befasst sich in diesem Kontext genau mit dem, was die Diskussionen über die Konsequenzen betrifft: Kriterien zur Beurteilung der Lernsoftwarequalität. Wie gesagt, ist der Computereinsatz einerseits auch mit Softwareeinsatz zu identifizieren. Daher müssen, wie die Lehrund Lernmittel jeder Art, auch die (DaF-)Lernprogramme vor allem über bestimmte, objektive, allgemeingültige, technische und methodisch-didaktische Kriterien verfügen, damit mit ihnen angemessene computerunterstützte Deutschlernaktivitäten durchgeführt werden können. Institute und Organisationen wie CALICO, SODIS, FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft) u.a. beobachten den Softwaremarkt und bewerten die Lernprogramme nach bestimmten technischen und methodisch-didaktischen Einsetzbarkeitskriterien. Da diese Institute sich entweder auf die Lernprogramme für allgemeine Schulfächer oder auf Fremdsprachen konzentrieren, wurden ihre Kriterien nicht völlig übernommen, da sie in mancher Hinsicht die erforderlichen Kriterien für einzelne Sprachen nicht enthalten. Daher werden in der vorliegenden Arbeit neben der Softwarebewertungskriterien dieser Institute auch die methodisch-didaktischen Kriterien des CEFR, des Zertifikats Deutsch (ZD) und des Österreichischen Sprachdiploms (ÖSD) in Anspruch genommen, da das CEFR die didaktischen Grundlagen für die Vermittlung der europäischen Sprachen definiert und das ZD und das ÖSD diese Prinzipien auf Deutsch anwenden. Anhand dieser Quellen werden im dritten Kapitel die technischen, softwareergonomischen Prinzipien bzw. Kriterien für angemessene (computerunterstützte) Deutschlernaktivitäten wie Begleit- und Zusatzmaterialien, Übersichtlichkeit, Verständlichkeit, Betriebssicherheit, Geschwindigkeit, Flexibilität, Hypertextualität und -medialität, Adaptivität, Kompatibilität, Interaktionsmöglichkeiten, Spracherkennung, Antwortverarbeitung, Preis- Leistungs-Verhältnis sowie die methodisch-didaktischen Kriterien für die Analyse von Themen, Situationen, Szenarien, vermittelten Sprachintentionen, Materialien und Aktivitäten zur Förderung rezeptiver, interaktiver, produktiver und kognitiver Fertigkeiten (Lese-, Hör-, Hörsehverstehen, dialogisches und monologisches Sprechen, Schreiben, Wortschatz, Grammatik, Orthografie und Aussprache) behandelt. Die in den ersten zwei Teilen des dritten Kapitels (3.1. und 3.2.) erläuterten Kriterien werden im dritten Teil des Kapitels (3.3.) zusammenfassend aufgelistet angeboten, wodurch der Leser eine kompakte, übersichtliche Liste der Softwarebewertungskriterien getrennt nach computerbezogenen und fachdidaktischen Gesichtspunkten vor sich hat. Im Kapitel 4 Förderung sprachlicher Fertigkeiten durch DaF-Lernsoftware werden die Möglichkeiten der Deutsch-Lernprogramme untersucht. Im ersten Teil des vierten Kapitels (4.1. und die Subkapitel) werden 9 Programme mit ihren allgemeinen Besonderheiten und mit den technischen Spezifikationen beschrieben und nach den technischen Kriterien bewertet, die im dritten Kapitel erläutert wurden. Zur Analyse werden hier 3 Tutorials, 3 Programme mit beschränkten Zielen und 3 Autorenprogramme gewählt, um die verschiedenen Softwaretypen und damit möglichst alle Einsatzmöglichkeiten anhand konkreter Beispiele erläutern zu können. Die kompletten Lernprogramme erheben den Anspruch, die Funktion eines gesamten Kurses zu simulieren. Die Programme mit beschränkten Zielen dagegen konzentrieren sich auf bestimmte Fertigkeitsbereiche wie z.b. Grammatik, Aussprache u.a. und Aktivitätsbereiche wie Übungen. Die Deutsch- Lernprogramme Einblicke Lernprogramm Deutsch, Tell me More und Lina und Leo sind komplette Lernprogramme und enthalten situativ-kommunikative Themen mit Multimediainhalten, grammatischen Erläuterungen und Übungsaktivitäten zu den sprachlichen Fertigkeiten. Einblicke und Tell me More sind offline-lernprogramme, d.h. sie können in einem einzelnen PC oder in einer Netzwerk- oder Intranetumgebung bearbeitet werden. Lina und Leo ist on- und offline verfügbar.

5 Das Programm kann mit CD in einem einzelnen Computer oder auf der Webseite des Goethe-Instituts bearbeitet werden. Die Programme Lehr- und Übungsprogramm der deutschen Grammatik (Grammatik), German Pronunciation Tutor (Aussprache) und Diktat Deutsch als Fremdsprache (Diktat) enthalten Aktivitäten nur für bestimmte Fertigkeitsbereiche. Eine andere Gruppe der Programme, die in diesem Zusammenhang untersucht wurden, sind die Autorenprogramme, die zur Herstellung von Lernmaterialien dienen. In dieser Arbeit werden 3 Typen von Autorenprogrammen analysiert ; Programme zum offline- (Widas Autorensuite), on- und off-line Autoring (Half-Baked Hot Potatoes) und Autoring für schriftliche Aktivitäten (Übungsblätter per Mausklick). Die Untersuchungen im ersten Teil des vierten Kapitels ergeben, dass die Hersteller die technischen Potenzen des Computers nicht immer ausnützen und die softwareergonomischen Kriterien vielfach nicht berücksichtigen. Die meisten Programme informieren den Käufer nicht ausreichend. Nur das Grammatikprogramm Lehr- und Übungsprogramm der deutschen Grammatik bietet klare, eindeutige Begleitmaterialien mit technischen und didaktischen Inhalten. Die restlichen Programme verfügen nur über kleine (Werbe-) Prospekte mit schlagwortartigen Informationen über den Programminhalt. Die Angaben über Hardwareanforderungen der Programme sind oft nicht realistisch, weil sie die Minimal- Konfigurationen empfehlen, mit denen im betreffenden Programm nicht effektiv gearbeitet werden kann. Dies beeinträchtigt besonders die Geschwindigkeit, Multimediaqualität und unter Umständen die Betriebssicherheit. Die Programme Einblicke, TmM, L&L, DD, AS und HP bieten Online- Informationen im Internet. Mehrsprachige Hilfsanweisungen stehen in den meisten Programmen nicht zur Verfügung; nur Tell me More und Lina und Leo bieten diese, auch in anderen als den Lingua- Franca-Sprachen (Englisch und Französisch), wie Türkisch, Japanisch, Holländisch, Italienisch u.a. In den schriftlichen, online- oder im Programm abrufbaren elektronischen Hilfsanweisungen stehen keine Hinweise zur Didaktisierung des Programms. Die meisten Programme bieten eine benutzerfreundliche Verwendung durch übersichtlichen, verständlichen Aufbau und ebensolche Arbeitsschritte. Bei den Farbkombinationen und bei der Bildschirmgestaltung werden die softwareergonomischen Kriterien zum großen Teil berücksichtigt. Die Programme werden nicht besonders hypertextuell bzw. hypermedial aufgebaut. Trotzdem laufen die meisten Programme nicht linear. Durch modularen, übersichtlichen Programmaufbau und durch Abzweigungen zeigen sie, dass die Zeit der Programme mit strikt linearem Programmablauf vorbei ist. In den meisten Programmen wird die Lerneradaptivität durch Programmaufbau und flexible Programmabzweigungen relativ gut unterstützt, während das auf der inhaltlichen Ebene nicht der Fall ist. Alle hier genannten Lernprogramme, ausgenommen die Autorenprogramme, sind Turnkey- Programme, d.h. sie alle verfügen über feste Inhalte, die weder vom Programm noch vom Benutzer variiert oder erweitert werden können. Die Abwechslung der Übungen in Form, Typ und Aufgabenstellung wird in keinem Programm in Anspruch genommen, was die Monotonie bei den Widerholungen vermeiden würde. Die Abwechslung der Positionen der Elemente in den Zuordnungsaufgaben wird nur ansatzweise verwendet. Durch die Abwechslung der Materialien auf o.g. Weise könnten die Programme auch ihre Funktion nach dem ersten Gebrauch nicht verlieren. Leistungsanzeige, Spracherkennung, Antwortverarbeitung und Interaktion sind die Schwächen der Lernprogramme. Nur Tell me More, Einblicke, Lehr- und Übungsprogramm der deutschen Grammatik und Diktat Deutsch als Fremdsprache verfügen über eine Leistungsanzeige, die den Lernenden über seine Übungsaktivitäten grafisch, mündlich und mit Zahlen informiert. Einblicke und LÜDG liefern nur in den Testmodulen einen vorläufigen Bericht in Zahlen über das Testergebnis, der nicht gespeichert und daher im nächsten Schritt vergessen wird. Die Leistung des Lernenden in den Übungsschritten berichtet TmM in Zahlen und stellt das Ergebnis auch in einer Grafik dar. So bekommt der Lernende eine grobe Bewertung seiner Leistung, wie viele Fragen und in welchen Übungsschritten er diese richtig beantwortet hat. Diese Leistungsanzeige zeigt nicht, dass der Lernende den Inhalt des betreffenden Moduls gelernt hat, sondern nur, welche Übungen er erfolgreich bearbeitet hat. Diese Ergebnisse werden gespeichert und so kann sie der Lerner in beliebiger Zeit abrufen, was in Einblicke und LÜDG nicht der Fall ist. Das Übungsprogramm Diktat Deutsch als Fremdsprache dagegen liefert dem Lernenden technisch und inhaltlich eine ziemlich informative

6 Leistungsanzeige. Das Programm berichtet über die Leistung des Lernenden akustisch, schriftlich und grafisch. Es stehen im Programm zwei Grafiken zur Verfügung, eine aktuelle und eine Langzeitfehlerstatistik. Die Spracherkennungsmöglichkeit wird nur im Programm TmM angeboten. Die restlichen Programme verfügen über diese Möglichkeit nicht. Auch die Antwortverarbeitung wird in den Programmen nur ansatzweise in Anspruch genommen. In den Programmen werden nur Worteingaben oder Sätze Wort für Wort analysiert. Dies führt dazu, dass die richtigen Wörter an der falschen Stelle im Satz nicht erkannt werden und daher als falsch angesehen werden. Die Worteingaben werden erst nach einem bestimmten Prozentansatz der richtigen Schreibweise (60 70 %) akzeptiert. Da die Antwortverarbeitung ziemlich schwach ist, können die Fehler zwar lokalisiert, aber nicht ausreichend verständlich klassifiziert und dargestellt werden. Nur im Programm DD werden die Eingaben präzise verarbeitet und die Fehler lokalisiert, klassifiziert und grafisch, mündlich und schriftlich dargestellt. Die Programme interagieren mit dem Lernenden akustisch, mündlich, schriftlich, grafisch und audiovisuell. Die Interaktion mit dem Lernenden kommt nur bei den Übungsaktivitäten zum Tragen: Das Ergebnis einer Lernerantwort wird dem Lernenden durch die o.g. Techniken vermittelt. Nicht alle Programme verfügen über diese Interaktionsmöglichkeiten, sondern in jedem Programm sind diese Interaktionstechniken jeweils anders nur ansatzweise verwendet. Einblicke verwendet z. B. die audiovisuelle Interaktionsform nur in wenigen Übungsschritten, zum großen Teil interagiert das Programm mit den Lernenden auf nichtsprachlich-akustische oder schriftliche Weise. Die audiovisuelle Form der Interaktion, auch wenn nur ansatzweise angewendet, zeigt die Möglichkeiten des Computers im Interaktionsbereich. TmM interagiert mit dem Lernenden nur grafisch und nichtsprachlich-akustisch. DD interagiert mit dem Lernenden grafisch, schriftlich und akustisch-sprachlich, d.h. neben den nichtsprachlichen Techniken werden die Hinweise, Aufgaben und eventuellen Fehler dem Lernenden auch mündlich vermittelt. Die Interaktionsform des DD bildet ein anderes gutes Beispiel, das die Grenzen und die Möglichkeiten des Computers deutlich aufzeigt. Die hier untersuchten Programme verwenden kombinierte Multimediaelemente wie Text, Ton, Bild, Film, Animation, u.a. zur Vermittlung und zum Training der sprachlichen Inhalte. Die Programme Einblicke, TmM L&L und DD zeigen die Überlegenheit des Computers im multimedialen Sinn, wenn sie mit den passenden Hardwarekonfigurationen verwendet werden. Besonders der multimediareiche Inhalt der Lernprogramme Einblicke und TmM verfügen, technisch abgesehen, über beispielhafte Multimediamöglichkeiten. Damit erfüllt der Computer die Funktion der klassischen Mediengeräte wie Tonbandgerät, Video, u.a. und bietet alle Funktionen dieser Geräte kompakt in einem Programm. Die Programme mit ihren Multimediamöglichkeiten verfügen über neue Funktionen, die diese einzelnen Medien nicht besitzen: So können z.b. Text, Bild, Video und Übungsaktivitäten in einer Lernumgebung kombiniert zur Bearbeitung angeboten werden. Die Preise der hier behandelten Deutschlernprogramme liegen zwischen DM 50,- und DM je nach Bedingung wie Einzel-, Schul- oder Institutslizenz. Es ist aber immer schwer das Preis- /Leistungsverhältnis eines Programms zu bestimmen. Dass das Programm über multimediale Elemente, genug Materialien zur Förderung der sprachlichen Fertigkeiten u.a. verfügen soll, kann ohne weiteres behauptet werden, da sonst die Leistungskapazität des Computers nicht in Anspruch genommen werden kann. Aber der Preis dieser Leistungen kann nicht beurteilt werden. Von welchem Käufer-Profil soll man ausgehen, um den Preis des Programms als angemessen oder nicht angemessen bezeichnen zu können? Aber eines kann schon gesagt werden: Ein Programm, das über die o.g. technischen Eigenschaften nicht verfügt, bringt dem Lernenden nichts, auch wenn es sehr preisgünstig wäre. Andererseits kann nur der Käufer anhand der Programmspezifikationen selber entscheiden, ob er sich ein Programm mit bestimmten Eigenschaften zum angebotenen Preis leisten kann. Auch wenn man zu den Preis-Leistung-Verhältnis nichts vorschreiben kann, soll hier doch auf andere kostenlose Programme als Beispiel gezeigt werden: Die Hyperwave elearning-suite als ein gesamtes Autorensystem des Grazer Instituts IICM (Institute for Information Processing and Computer Supported New Media at the Technical University Graz) 1, das Online-Autorenprogramm Hot Potatoes der University of Victoria 2 und das Deutschlernprogramm Lina und Leo des Goethe- 1 Hyperwave elearning Suite : 2 Half Baked Hot Potatoes :

7 Instituts 3 werden im Internet für unterrichtliche Anwendungen kostenlos angeboten. Sie bilden ein gutes Beispiel, dass auch die umfangreichsten Programme kostenlos oder, ohne Gewinnmaximierung zu erzielen, auf den Markt gebracht werden können. Der zweite Teil des vierten Kapitels (4.2. und die Subkapiteln) befasst sich mit der Untersuchung der Deutschlernprogramme nach methodisch-didaktischen Kriterien, die im zweiten Teil des dritten Kapitels (3.2. und die Subkapiteln) behandelt wurden. Die Untersuchungen hier bilden den Kern dieser Arbeit, nämlich den Computereinsatz zur Entwicklung sprachlicher Fertigkeiten. Diese analytische Untersuchungen zeigen was und wie die Deutschlernsoftwarehersteller anbieten, ob diese Software dem DaF-Unterricht angemessen beitragen, inwieweit sie die einzelnen Fertigkeiten fördern. Die Unterstützung der kommunikativ-interaktiven Fähigkeiten durch Themen, Szenarien und Situationen basiert in den meisten Programmen nicht auf einer konzeptuellen Basis. Nur die Themen der Einblicke basieren auf einem bekannten, anerkannten DaF-Konzept, nämlich auf dem Konzept des "Zertifikat Deutsch". In den restlichen Programmen ist kein konzeptueller Themenaufbau erkennbar. Auch die Hersteller geben nicht an, ob oder welc hes DaF-Konzept hinter den Programminhalten steht. So bieten viele Programme Themen und weitere Inhalte ohne eine angemessene, anerkannte DaF-Systematik an. Bei der Themenwahl, besonders im landeskundlichen Kontext, gehen die Programme in ganz verschiedene Richtungen. Während die deutschen Produkte Themen wie Alltag, Kulturleben, Geschichte, Landeskunde, Wirtschaft usw. Deutschlands vermitteln, ist das in den in den nicht deutschsprachigen Ländern hergestellten Produkten nicht der Fall. In diesen Programmen wird von Deutschland oder einem anderen deutschsprachigen Land im kulturellen Sinn fast nichts vermittelt. In keinem der Programme wird die Plurizentrizität des Deutschen durch Themen oder landeskundliche Informationen behandelt, was jedoch das 'Zertifikat Deutsch' vorsieht. Auf diese Weise wird der kulturelle bzw. interkulturelle Aspekt des DaF-Unterrichts in den Programmen vernachlässigt. Das Fehlen einer konzeptuellen Systematik beeinträchtigt auch die Situationsadäquatheit der Themeninhalte, da sie nic ht immer auf kommunikativen Situationen basieren, in denen das sprachliche Material vermittelt wird. Die o.g. Themen werden in den Programmen durch Filme oder Animationen vermittelt. Die thematischen Lese- und Hörtexte werden entweder nur in den Übungsphasen oder in der Einführungsphase nur ansatzweise zur Verfügung gestellt und ergänzen die thematischen Filme. Die Programme sollten auch thematische Hör- und Lesetexte zur Verfügung stellen, da die Filme sie nicht ersetzen können. Die Filme, Lese- und Hörtexte sind ganz unterschiedliche Materialien, die im Lernprozess ganz unterschiedliche Funktionen erfüllen. Zur Förderung der rezeptiven Fähigkeiten wie Lese-, Hör- und Hörsehverstehen bieten die Lernprogramme verschiedene Materialien und Aktivitäten an. In dieser Arbeit werden die Materialien und Aktivitäten der Programme in drei Schritten untersucht: Der erste Schritt ist die Beschreibung dessen, was angeboten wird. Im zweiten Untersuchungsschritt werden die Aktivitäten zur Förderung der betreffenden Fertigkeit bearbeitet. Als letzter Schritt werden die Qualität und Quantität der Materialien und der Aktivitäten anhand methodisch-didaktischer Kriterien bewertet und die Schwächen und Stärken des Computers bzw. der Lernprogramme festgestellt. Aktivitäten zum Leseverstehen sind nur in einem Programm, nämlich in Einblicke enthalten. Zum Leseversehen bietet das Programm authentische Zeitungstexte und Übungsaktivitäten dazu. Die Textinhalte entsprechen den Deutschlernenden mit allgemeinem Interesse. Bei den Text- und Übungstypen sowie der Anzahl der Übungen wird die Kapazität des Computers nicht genügend ausgenutzt. Das Programm bietet weniger Texte, Texttypen, Übungen und Übungstypen als die gedruckten DaF-Lehrwerke. Es werden meistens mechanische Multiple-Choice- und Zuordnungsaufgaben eingesetzt, mit denen Detail- und Globalverstehen trainiert werden. Aktivitäten zum selektiven Verstehen werden in den Programmen nicht unterstützt. 3 Deutschlernprogramm Lina und Leo :

8 Aktivitäten zum Hörverstehen dagegen werden in den kompletten Lernprogrammen zur Verfügung gestellt. Es werden allerdings keine speziellen Hörtexte, sondern die Gespräche der thematischen Filme als Hörtexte bearbeitet. HV-Aktivitäten kommen in den Programmen in Medienkombination Text-Audio und vorwiegend in Form von Zuordnungs-, Diktat- und Multiple-Choice-Aufgaben vor. In allen Programmen werden die Hörtexte mit akzentfreiem Hochdeutsch geboten und die regionalen oder plurizentrischen Merkmale des Deutschen nicht beachtet. In den meisten Hörtexten werden die paralinguistischen Elemente und Nebengeräusche eliminiert. Dadurch werden die Texte einerseits klarer und verständlicher, andererseits wird aber die Authentizität der Texte beeinträchtigt. Da die Hörtexte den thematischen Filmen entnommen werden, spielen sie eine ergänzende Rolle. Sie ergänzen die in den thematischen Modulen angebotenen Themen und entsprechen den Deutschlernenden mit allgemeinem Interesse. Da die meisten Aktivitäten in Diktat-Trainingsform vorkommen, werden die Verstehenstypen wie Global-, Detail- und Selektivverstehen nicht besonders unterstützt. In den HV-Aktivitäten werden keine Fragen zum Verstehen des gehörten Inhalts, sondern richtiges Hören und dementsprechend Ordnen der Elemente zueinander oder Schreiben der gehörten Wörter/Sätze bearbeitet. Ähnlich wie beim LV wird die Speicherkapazität des Computers nicht genügend ausgenutzt. Mit den Materialien, Übungen, Übungszahlen und Übungstypen leistet hier der Computer nicht mehr als die klassischen Medien, da die Programme über die meisten Materialien und Aktivitätstypen des klassischen DaF-Unterrichts nicht verfügen. Die Aktivitäten zum Hörsehverstehen (HSV) werden besonders in den Tutorials gefördert. Dazu stehen in den Programmen Filme und Animationen zur Verfügung, die in verschiedenen Medienkombinationen wie Text-Film, Text-Bild-Film, Bild-Audio und Text-Film-Audio vorgeführt und weiterbearbeitet werden. Das Lernprogramm Einblicke bietet dazu mehr Aktivitäten als zu anderen Fertigkeitsbereichen, Tell me More degegen bietet ungefähr gleich viele Aktivitäten wie zu den anderen Fertigkeiten. Zu den Hörsehverstehensaktivitäten werden in den Programmen thematische Filme vorgeführt und dann Übungsaktivitäten in Form von Multiple -Choice-, Richtig-Falsch-, Lückentext-, Textrekonstruktions- und Korrekturaufgaben gestellt. Die Filme sind bestenfalls semiauthentisch. Die Authentizität der Filme wird nicht in allen Programmen berücksichtigt. Die meisten HSV-Materialien entsprechen den Deutschlernenden mit allgemeinem Interesse. Nur Lina und Leo bietet landeskundeorientierte Materialien, die die Deutschlernenden mit kulturellem Interesse stärker fördern. Mit den Materialien und Aktivitäten zeigen diese Programme die multimediale Überlegenheit des Computers gegenüber den klassischen Medien. Nur das Programm Tell me More stellt Aktivitäten zum dialogischen Sprechen und nur Einblicke Aktivitäten zum dialogischen Schreiben zur Verfügung. TmM bietet interaktive Dialogmöglichkeiten mit dem Computer. Der Deutschlernende kann mit dem Computer mündlich interagieren. Durch Spracherkennungstechnologie wird eine erfolgreiche Interaktion mit dem Computer durchgeführt. Inhaltlich sind aber die Dialoge ziemlich begrenzt. Die Dialogthemen und Äußerungen sind vorprogrammiert und Dialogsituationen, in denen der Lernende seinen erle rnten aktiven Wortschatz ins Spiel bringt und dadurch seine kommunikative Kompetenz entwickelt, kommen nicht in Frage. Bestenfalls wird ein Dialog vorgelesen und durch das Mikrophon eingegeben. Eine spontane Dialogmöglichkeit mit dem Computer ist aus technischen, linguistischen und finanziellen Gründen ziemlich aufwendig. Die KI- und Computerlinguistik- und Projekt-Forschungen aber bieten flexiblere Mensch-Maschine-Interaktionsmöglichkeiten, die in die Programme integriert werden könnten, was aber die Hersteller finanziell belasten würde. Was hier zum dialogischen Sprechen angeboten wird, ist eine Probe der Mensch-Maschine-Interaktion, die nur ansatzweise in Anspruch genommen wird. In dieser Form dienen die Aktivitäten zum dialogischen Sprechen mehr zum Wortschatztraining, zur Festigung sprachlicher Formen durch Wiederholung und zum Training bzw. zur Verbesserung der Aussprache und der müdlichen Produktion. Diese Interaktionsform, wie sie in TmM vorzufinden ist, sollte weiterentwickelt, verfeinert und in allen Fertigkeitsbereichen eingesetzt werden. Trotz dieser relativ erfolgreichen Simulation der Mensch-Maschine-Interaktion ist das dialogische Sprechen als eine der interaktiven Fähigkeiten der am meisten vernachlässigte Fertigkeitsbereich in den Deutschlernprogrammen, da die meisten Programme keine Aktivitäten zum dialogischen Sprechen anbieten.

9 Aktivitäten zum dialogischen Schreiben sind nur in Einblicke und nur mit 4 Beispielen ansatzweise vertreten. In diesen Aktivitäten werden dem Lernenden Briefbeispiele in lückentextähnlicher Form angeboten, die er vervollständigen soll. Freies Schreiben im Sinn einer Aufsatzaktivität wird hier nicht trainiert. Die Lernertexte werden vom Computer nicht verarbeitet. Die Aktivitäten zum dialogischen Schreiben dienen bestenfalls zum Schreibtraining und zur Festigung des Wortschatzes und der Äußerungen der thematischen Filme durch Wiederholung der Schreibaktivitäten, da der Computer mit dem abgeschlossenen Lernprogramm die Rolle eines Korrespondenzpartners nicht übernehmen kann. Wie das dialogische Sprechen ist das dialogische Schreiben eine der meist vernachlässigten Fertigkeiten in den Lernprogrammen. Die Verarbeitung von frei erzeugten Lernertexten ist, wie das dialogische Schreiben, aus technischen, linguistischen und KI-bezogenen Gründen nicht leicht realisierbar. Aber was der Computer in diesem Bereich leisten kann, wird in den Lernprogrammen nicht integriert. Es gibt Beispiele, die zeigen, was der Computer im schriftlich-mündlichen dialogischen Bereich leisten kann. Besonders mit einer eingeschränkten Themenzahl kann der Computer mit dem Lernenden in einem bestimmten Ausmaß interagieren. Dadurch wird zwar noch nicht ermöglicht, dass der Computer die Rolle eines Korrespondenzpartners übernimmt, der dem Lernenden die Briefe oder s beantwortet. Die vorhandene Technologie kann aber bessere Verarbeitungsmöglichkeiten der Lernertexte anbieten, wenn sie in die Lernprogramme integriert werden. Die meisten Programme bieten auch Aktivitäten zu den produktiven Fähigkeiten d.h. dem monologischen Sprechen und Schreiben. Orthografie und Aussprache werden in dieser Arbeit im Zusammenhang mit dem (monologischen) Schreiben und Sprechen untersucht. Die Programme bieten die Möglichkeit an, Texte akustisch zu präsentieren, seine eigene Stimme durch Mikrophon aufzunehmen und mit dem Originalmuster des Computers zu vergleichen. Im Programm TmM werden die Grammatik und Wortschatzaktivitäten mündlich bearbeitet, wobei der Computer die mündliche Produktion des Lerners verarbeitet und ihm Rückmeldungen liefert. In den restlichen Programmen werden die Aktivitäten in Form von Listen & Repeat angeboten, wobei der Computer zur Bewertung nichts tut und damit nur die Rolle eines Hochleistungstonrekorders spielt. Dasselbe gilt auch für Ausspracheaktivitäten; der Lerner kann jeweils Texte bzw. Wörter hören, dann seine eigene Stimme aufnehmen und selber vergleichen und entscheiden, ob seine Aussprachequalität gut genug ist. Nur in einem Programm, in TmM werden die Äußerungen des Lerners in einer interaktiven Umgebung bearbeitet, wobei der Computer die Aussprachequalität des Lerners bewertet und ihm Feedback vermittelt. Die Programme Einblicke und German Pronunciation Tutor vermitteln theoretische Informationen über Aussprache, die wieder auf einer theoretischen Ebene trainiert werden. In den anderen Programmen werden Informationen weder über Aussprache noch über Orthografie zur Verfügung gestellt. Die Aktivitäten zur mündlichen Produktion und Aussprache werden weder von der Übungszahl noch dem Bearbeitungsverfahren her angemessen gefördert. Die Schwierigkeiten zur Verarbeitung von frei erzeugten mündlichen Äußerungen sind wie das dialogische Sprechen und Schreiben ziemlich zeit- und kostenaufwendig. Aber wie die Aktivitäten von TmM zeigen, kann die vorhandene Sprech- und Sprachtechnologie bessere Arbeitsmöglichkeiten zur mündlichen Produktion und Aussprache anbieten, wenn diese in die Lernprogramme integriert werden, was hier in vielen Lernprogrammen nicht der Fall ist. Auch die Aktivitäten zur mündlichen Produktion spielen eine ergänzende Rolle, indem sie dem Lernenden eine Möglichkeit anbieten, die Wörter oder die Äußerungen der thematischen Filme zu wiederholen. Zur Förderung des produktiven (monologischen) Schreibens stellen die meisten Lernprogramme keine Aktivitäten zur Verfügung. Nur in Einblicke werden zwei Beispiele zum produktiven Schreiben angeboten, die wieder genauso wie die Schreibaktivitäten zum dialogischen Schreiben durchgeführt werden. Dem Lernenden werden Texte (eine Annonce und ein Tagebuch) in Lückentextform gegeben, die er ergänzen soll. Entwicklung der Schreibkompetenz durch das Schreiben mit dem erlernten Wortschatz kommt hier nicht in Frage. Außer diesen zwei Beispielen werden in den Lernprogrammen weder die Materialien, noch die Aktivitäten angeboten, die in den klassischen Lehrwerken enthalten sind. Was zum dialogischen Schreiben und Sprechen und zur mündlichen Produktion gesagt wurde, gilt auch für das produktive Schreiben; es gibt technische Schwierigkeiten, Materialien bzw.

10 Aktivitäten zur Unterstützung der Schreibfertigkeit zu erstellen. Die Computertechnologie ermöglicht jedoch mehr als das, was die Programme anbieten. Derzeit werden produktiven Fertigkeiten nicht genügend unterstützt. Zur Förderung sprachsystematischer Fertigkeiten, nämlich des Wortschatzes und der Grammatik, werden in den meisten Programmen Materialien und Aktivitäten angeboten. Zur Vermittlung und zum Training des Wortschatzes werden multimediale Elemente wie die thematischen Filme, Animationen, Bilder, Zeichnungen und Gespräche verwendet. Alle Tutorials verfügen über spezielle Module zum Wortschatztraining. In den anderen Programmen dagegen wird der Wortschatz auf eine indirekte Weise trainiert. In den Programmen wird der Wortschatz in den thematischen Filmen, Animationen, Lese- und Hörtexten eingeführt und dann in den Wortschatzübungsmodulen trainiert. Bei der Vermittlung des Wortschatzes berücksichtigt nur Einblicke das konzeptuelle Systematik eines anerkannten Konzepts, nämlich des 'Zertifikat Deutsch', wodurch der Wortschatz in einem thematischen Kontext vermittelt wird. In den anderen Programmen dagegen wird bei der Wortschatzvermittlung keine konzeptuelle Systematik erkennbar. Das Fehlen eines konzeptuellen Backgrounds führt dazu, dass der Grundwortschatz zu einem Thema entweder nicht oder nur unordentlich ohne Zusammenhang mit dem kommunikativen Thema vermittelt wird. Zum Training des eingeführten Wortschatzes werden Übungen in Form von Multiple -Choice-, Zuordnungs-, Lückentext-, und Spielaktivitäten in verschiedenen Medienkombinationen wie Text-Bild-Film-Audio angeboten. Bei den Wortschatzaktivitäten werden Oberbegriff-Unterbegriff-, Antonymie-Synonymie- Aktivitäten sowie semantische Wortfeld-Relationen, Bildbeschreibungen, Definitionen u.a. eingesetzt. Mit der Übungszahl und Übungsvielfalt zum Wortschatztraining wird die Speicherkapazität des Computers im Vergleich zu den anderen Fertigkeitsbereichen, ausgenommen Hörsehverstehen, relativ gut ausgenutzt. Die Programme bieten trotzdem weniger Aktivitäten als die gedruckten Lehrwerke und nutzen die Kapazität und damit die Überlegenheit des Computers gegenüber den klassischen Medien nicht genügend. Die Grammatik des Deutschen wird in den kompletten Lernprogrammen in drei Schritten bearbeitet : Einführung, Erläuterung und Training. Im Grammatikprogramm Lehr- und Übungsprogramm der deutschen Grammatik dagegen wird die Grammatik ohne thematische bzw. situative Einführung durch Tabellen oder Erläuterungen vermittelt und dann trainiert. In 'Einblicke' wird die Grammatik in semiauthentischen Situationen eingeführt und anhand konstruierter Texte oder Tabellen erläutert. In Tell me More dagegen wird in den Filmen zu den behandelten grammatischen Themen jeweils ein Satz ohne kommunikative Situation vermittelt. Zur Vermittlung der Grammatik werden in TmM extra Situationen mit nicht authentischen Animationen verwendet. Dadurch wird die Authentizität und Situationsadäquatheit der thematischen Materialien beeinträchtigt. Die Verwendung von konstruierten Texten oder nicht authentischen Animationen zur Verdeutlichung der grammatischen Strukturen statt der Verwendung derselben Beispiele im Film stört den Zusammenhang zwischen den Themen und den sprachlichen Strukturen. Nur in L&L werden die Bespiele von den thematischen Animationen zur Erläuterung der grammatischen Strukturen genommen. Die Programme bieten die Grammatikthemen in unterschiedlicher Reihenfolge und mit verschiedenen Termini an, die eher selten sparsam und einheitlich gebraucht wird. Es werden auch lateinische oder englische Termini verwendet, die den Lernenden eher unverständlich als informativ sind. So wird in den Programmen bei der Vermittlung der Grammatik keine konzeptuelle Systematik berücksichtigt. Das führt dazu, dass bei der Anordnung und Vermittlung die Ebenen der Wort-, Satz- und Textgrammatik und Semantik nicht berücksichtigt oder nicht deutlich präsentiert werden. Das Fehlen eines konzeptuellen Hintergrunds beeinträchtigt auch die kommunikative Vermittlung der Grammatik in Situationen anhand der Szenarien und Diskursstrategien. So wird die Grammatik oft nur durch tabellarische Erklärungen vermittelt. In den Programmen werden Erläuterungen und Aktivitäten zu den Wort- und Satzebenen angeboten. Textgrammatik dagegen wird in keinem Programm gefördert. Als Festigungsübungen werden in den Programmen Multiple-Choice-, Lückentext-, Ordnungs-, Transformations- und Satzrekonstruktions- Aufgaben gestellt. In den Programmen werden mehr Übungsaktivitäten als andere Fertigkeiten, ausgenommen Hörsehverstehen, angeboten. Daher ist die Unterstützung der Grammatik durch Übungsanzahl und -vielfalt besser als bei anderen Fertigkeitsbereichen. In den meisten Programmen

11 aber wird die Kapazität des Computers nicht genügend ausgenutzt. LÜDG bildet in die sem Sinn ein gutes Beispiel, indem es auf 6 Floppy-Disketten mehr Übungen als andere Programme enthält, die auf CD angeboten werden und ca. 75mal mehr Speicherplatz als LÜDG haben. Die Programme bieten aber wie zu den anderen Fertigkeitsbereichen auch zur Grammatik weniger Aktivitäten als die gedruckten Lehrwerke und nützen die Speicherkapazität des Computers nicht ausreichend. In allen Fertigkeitsbereichen werden vorwiegend Multiple -Choice- und Ordnungsaufgaben gestellt. Aktivitäten wie Transformations-, Lückentextaufgaben, Schreiben, Sprechen u.a. sind dagegen deutlich unterrepräsentiert, da deren Verarbeitung aufwendiger als Multiple -Choice- oder Ordnungsaufgaben sind. Damit wird aber der Computer zu einem mechanischen Lernmittel, obwohl der Computer technisch abgesehen in der Lage ist, auch offene, flexiblere Arbeitsformen zu unterstützen. Offene Aktivitäten wie Transformationsaufgaben, Schreiben oder Sprechen (interaktiv und produktiv) u.a. werden entweder nur ansatzweise angeboten oder überhaupt nicht verarbeitet. Die Antwortverarbeitung wird in den Programmen bestenfalls nur Wort für Wort durchgeführt, die Lernereingaben werden nach genauer Übereinstimmung mit der richtigen Antwort geprüft und die Fehler werden erst nach % Übereinstimmung bearbeitet. Alternativ richtige Antworten werden in keinem Programm unterstützt. Der Lernende soll nicht eigene, zum Kontext passende Lösungen, sondern unbedingt die vom Hersteller vorgeschriebene Lösung finden. Auf diese Weise verliert der Computer seinen flexiblen und interaktiven Charakter und wird zu einem Textblättermaschine, die Texte schreiben lässt und dann andere Texte als Lösung zeigt, was in den vorliegenden Programmen der Fall ist. Die Programme interagieren mit dem Lernenden akustisch, grafisch, mündlich und audio-visuell und vermitteln auf diese Weise Feedbacks zu den Lernerantworten. Die Feedbacks werden vorwiegend mit Meldungen wie z.b. Ihre Antwort ist richtig / falsch geliefert, die den Lernenden nur ganz abstrakt und daher zu wenig über das Ergebnis informieren. In dieser Form sind die Interaktionsformen natürlichsprachnah, aber pädagogisch gesehen nicht informativ. Diese Meldungen sind genauso informativ wie die nichtsprachlichen, impliziten akustischen oder grafischen Signale, die das Ergebnis vermitteln. Feedbackformen, die den Fehler beschreiben und den Lernenden über die Gründe des Fehlers informieren und ihn damit zur Lösung führen und auch die richtigen Antworten bewerten, werden nur ansatzweise in bestimmten Ordnungsaufgaben in Anspruch genommen. Einblicke und Diktat Deutsch als Fremdsprache verfügen über diese informativen Feedbackformen und zeigen die Grenzen und Möglichkeiten des Computers im interaktiven Kontext. Diese Feedback- und Interaktionsformen sollen weiterentwickelt und in allen Fertigkeitsbereichen verwendet werden, damit der Computer zu einem flexiblen interaktiven Lernmittel wird. Alle hier behandelten Programme sind selbstlernorientiert, d.h. sie sind für Lernumgebungen wie Mediatheken oder außerschulische, individ uelle Arbeit (z.b. Zuhause) entwickelt worden, wenn kein Lehrer zur Verfügung steht. Die Lernleistung des Lernenden wird in den meisten Programmen entweder nicht bewertet oder nur vorläufig und innerhalb eines Übungsschritts oder eines Moduls bearbeitet und beim nächsten Schritt vergessen. Daher muss der Lerner selber notieren (vielleicht auf einem Papier!), was er geleistet, welche Fragen er richtig beantwortet, wie viele Punkte er bekommen hat, wodurch der Computer seinen tutoriellen Charakter verliert. Die Programme Tell me More und Diktat Deutsch als Fremdsprache verfügen über Leistungsanzeigemöglichkeiten, die den Lernenden über seine Lernleistung grafisch, statistisch und in Zahlen informieren. TmM zeigt die Lernerleistung in den einzelnen Modulen (HSV, Dialog, Aussprache, usw.), so dass der Lerner seine Schwächen oder Stärken erkennen kann. DD lokalisiert die Fehler, vermittelt ausreichend schriftliche, grafische und sprachliche Informationen zu den Fehlern, sammelt diese Fehler und zeigt die Ergebnisse in zwei Statistikgrafiken, die dem Lernenden seine Leistung mit der aktuellen Arbeit auf Dauer vermitteln. So kann der Lerner im Lauf der Zeit sehen, welche Fehler er häufiger macht. Die Leistungsanzeige beider Programme sind im Vergleich zu den anderen Programmen besser und erfüllen die Rolle eines Tutors. Aber beide Formen der Leistungsanzeige vermitteln nur grobe, ungefähre Ergebnisse und sollen daher weiterentwickelt oder so verfeinert werden, dass sie den Lernenden über seine Leistung präziser

12 informieren, z.b. darüber, was er in welchem Schritt/Fertigkeitsbereich oder in welchen Lektionen bzw. Themen geleistet hat, was hier nicht der Fall ist. Die o.g. Untersuchungen im vierten Kapitel ergeben, dass die Probleme des computerunterstützten Deutschlernens technischer und didaktischer Art sind. Die Grenzen der Computertechnologie bestimmen die Grenzen der Aktivitäten zum Schreiben und Sprechen. Da die Verarbeitung von frei erzeugten schriftlichen und mündlichen Äußerungen ziemlich zeit-, kosten- und programmieraufwendig sind, können sie in die Selbstlernprogramme nicht integriert werden. Systeme solcher Art müssten jedoch in größere schulische oder institutionelle Projekte integriert werden, was zur Zeit noch nicht erprobt wird. Die technischen Schwächen der Sprachlernprogramme, die das behindern, hängen jedoch von den Softwareherstellern ab. Die technischen Überlegenheiten des Computers wie multimedialer Einsatz, Kapazität, die mehrere Hunderte von Materialien oder Aktivitäten ermöglicht, Spracherkennung, Antwortverarbeitung u.a. werden in den Programmen nur ansatzweise verwendet und lassen erkennen, was alles von den Herstellern noch in Lernprogramme integriert werden könnte. Die methodisch-didaktischen Schwächen des Computereinsatzes bilden den zweiten Teil der Problematik und sind im Vergleich zu den technischen Schwächen leichter zu überwinden. Die Berücksichtigung eines anerkannten DaF-Konzepts wie ZD, ÖSD u.a. kostet dem Hersteller nichts. Die informativen, pädagogisch sinnvollen Feedbacks und natürlichsprachlichen Interaktionsformen, Leistungsanzeigen u.a. werden in den Programmen nur ansatzweise eingesetzt. Diese Schwäche der Deutschlernprogramme zeigt aber, dass Feedbacks usw. technisch in weit größerem Ausmaß realisiert werden können, was aber bisher von den Herstellern nicht berücksichtigt wurde. Die eventuellen Gründe, warum die Softwarehersteller diese technischen und didaktischen Kriterien nicht berücksichtigen, können finanzieller und zeitlicher Art sein. Die Integration der auf KI- Forschungen basierenden Module, die die technischen Schwierigkeiten des Computers bei der Verarbeitung interaktiver und produktiver Aktivitäten wie Schreiben und Sprechen berücksichtigen, kann die Hersteller finanziell belasten. Wenn man davon ausgeht, dass für das Verbmobil-Projekt, das Texte, die durch ein Handy oder ein Mikrophon frei gesprochen werden, bearbeitet und ins Englische und Japanische (und umgekehrt) übersetzt, mehr als DM 150 Mio. ausgegeben wurden, ist es selbstverständlich, dass diese Investitionssumme für einen Softwarehersteller fast unerschwinglich ist und sich nicht auszahlen würde. Da die Computertechnologie sich jedes Jahr ändert, können die Privatunternehmen wahrscheinlich größere Summen für ein solches Projekt nicht investieren, das in wenigen Jahren veraltet ist. Solche Projekte können nur in einer institutionellen und staatlichen Zusammenarbeit verwirklicht werden. Auch wenn solche Projekte in wenigen Jahren veralten, können sie eine Basis für zukünftige computerunterstützte Lernumgebungen vorbereiten. Die Berücksichtigung der methodisch-didaktischen Kriterien wie z.b. Aufbau und Vermittlung der Inhalte, angemessene Förderung der sprachlichen Fertigkeiten, Qualität (Authentizität, Situationsadäquatheit, usw.) der Materialien und Aktivitäten, etc. nach den Kriterien der anerkannten fachbezogenen Konzepte ist auch für die Privatunternehmen nicht kostenaufwendig. Dazu sollen die Hersteller sorgfältige Vorarbeiten leisten, indem sie die wissenschaftlichen Forschungen berücksichtigen und deren Ergebnisse bei der Software-Evaluation verwenden, was bisher in den meisten Lernprogrammen nicht der Fall ist.

13 Hacettepe Üniversitesi Sosyal Bilimler Enstitüsü, Ankara 2002 Kontakt Adresse des Authors : Uludag Üniversitsi Egitim Fakültesi Almanca Bölümü Görükle Kampüsü TR Bursa Turkey Tel: (184) Fax: URL:

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