Predigt Mt 5,1-3 am

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1 Predigt Mt 5,1-3 am Zu Beginn des Jahres ist es ganz gut, auf einen Berg zu steigen und überblick zu gewinnen. Über unser bisheriges Leben und wohin es führen könnte. Da taucht oft die Suche nach dem Glück auf. Heute gibt es dazu eine ganze Forschung. Materielles scheint nicht so wichtig (gelesen in Gemeindebrief? Fussnote?). Wo finden wir unser Glück im neuen Jahr? Tun wir das doch mit Jesus, ganz zu Beginn der Bergpredigt: gehen wir auf einen Berg beschrieben ganz zu Beginn der Bergpredigt: Lesung Mt 5,1-3: Als Jesus die Volksmenge sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger kamen zu ihm. 2Jesus begann zu reden und lehrte sie: 3"Glückselig sind die, die wissen, dass sie vor Gott arm sind. Denn ihnen gehört das Himmelreich. (Basisbibel) Auf den Berg steigen und Bergpredigt heisst hier: grosse Ankündigung und Offenbarung. Wie Sinai und 10 Gebote. Die neun Seligpreisungen reden davon, was unser Glück hier und jetzt ausmacht. Mit selig ist glücklich zu schätzen gemeint. Das von Luther verwendete Wort selig deutet viel zu stark auf das Jenseits. Gemeint ist aber beides: glücklich im vollen, unüberbietbaren Sinn und zwar hier und jetzt. Die mögliche Übersetzung göttlich glücklich sind deutet darauf, wie das Wort im Griechischen ursprünglich verwendet wurde: nur den Göttern vorbehalten und zwar für ihr leidloses, sorgenfreies, vom Tod nicht betroffenes Leben. Glücklich ist darum als Übersetzung fast etwas banal. Und: Die Verheissung für die Zukunft, wenn dieses Glück voll hier sein wird. 1

2 Bist du glücklich? Wir sind dann mit der Antwort rasch bei unseren Umständen. Und das greift Jesus auch auf: Selig sind die geistlich Armen. (Die traurigen, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit.) Das Radikale, das Unförmige, das Unbequeme und Störende ist: die Umstände, die hier beschrieben werden empfinden wir kaum als positiv und doch beschreibt sie Jesus als glücklich. Wer also ist glücklich zu schätzen? Glückselig? "Glückselig sind die, die wissen, dass sie vor Gott arm sind. Die Armen im Geist. Grammatikalisch kann es beides sein: die wirtschaftlich armen oder als Bild für niedrig, demütig. Geist könnte den menschlichen Geist oder aber den göttlichen Geist meinen. Darum fallen auch die Übersetzungen unterschiedlich aus. Ich verstehe die Armut im Geist als Bettler vor Gott sein. Die Erkenntnis, Gott nichts vorweisen zu können. Ob materiell oder immateriell. Von meiner Persönlichkeit oder meiner Begabung her. Am Anfang des Neuen Jahres ein ganz gutes Bild: da ist noch nicht viel vom neuen Jahr vorhanden und so auch wir. Wie ein leeres Blatt, ein Raum ohne Möbel, ein Teller ohne Inhalt. Diese Armut führt immer wieder zu einem einfachen Thema: Dankbarkeit kann ganz am Anfang des Jahres, des Tages, meines neuen Lebens stehen: nicht herumnörgeln, sondern dankbar sein, dafür, dass ich heute Morgen aufstehen und hierherkommen konnte. Etc. Dankbarkeit lässt mich glücklich sein. Nicht: wenn ich glücklich bin, dann bin ich dankbar. Dass ich sogar in meiner Armseligkeit und gerade darum bei Gott und den Menschen willkommen bin. Obwohl ich keinen Leistungsausweis vorweisen kann. Geistlich arm. 2

3 Meist erkenne ich das erst, wenn in einer hilflosen Situation bin: wenn ich nicht mehr anders kann als zugeben: jetzt brauche ich Gott. Jetzt hilft nur noch beten. Jetzt erkenne ich, dass ich ja gar nicht so gut und begabt und alles selber schaffen kann. Wir meinen oder leben oft danach, als hätten wir alles im Griff. Und brauchen nur ein wenig Glück und dann seien wir glücklich. Nein, glücklich ist, wer diese Abhängigkeit entdeckt. Und merkt, dass die Nähe zu Gott und seinem Reich im Grunde genommen alles. Es ist nicht, dass wir viele Dinge haben oder genug Geld oder Aktivitäten entwickeln. Oder gute Vorsätze im neuen Jahr. Nein, die arme Frau in Bangladesch sagt, sie sei glücklich, weil sie 2 mal am Tag esse, eine Familie habe und sie unter dem grossen, wunderbaren Himmel lebe. Ein wunderschönes Bild für unser Thema und die erste Seligpreisung. Diese Schlichtheit und Einfachheit ist das Leben im Reich Gottes. Diese Abhängigkeit gegenüber Gott und damit die Freiheit, viel weglassen zu können, ist das Radikale und das für unsere heutige Zeit zu Entdeckende. Das grösste Glück, die grösste Verheissung gehört uns: das Reich Gottes. Einfach leben: die Bereitschaft, sich jetzt gerade auf diesen Augenblick einzulassen genügt, um Freude zu erfahren. Anselm Grün Vielleicht sind wir als Christen darum so kraftlos und unglücklich, weil wir überall nach dem Glück suchen, anstatt es an diesem bewährten, einfachen und naheliegenden Ort zu suchen: bei Gott, in der Bibel, im Gebet, darin uns materiell mit dem Einfachsten zufrieden zu geben. Wir brauchen keine Aktionen und Sonderverkäufe. Gott nahe zu sein ist mein Glück. Wir lassen uns oft ablenken und von Nebensächlichem beeinflussen. In dieser komplizierten Welt ist das Glück doch nicht an diesen einfachen Orten zu finden, oder? So geben wir lieber der Institution Kirche die 3

4 Schuld, oder dieser Person oder diesem Umstand oder meiner Laune wie mich als Armer fühlen oder als Trauriger. Dann kann ich getrost die Seligpreisungen lesen und mich beglücken an ihnen. Denn Gott sagt mir zu, das Glück bei ihm zu finden, sogar dann wenn ich traurig und arm bin. Dankbarkeit ist eine gute Gelegenheit, mich glücklich werden zu lassen. Alle andern Faktoren, die die Glücksforschung uns vorrechnet, sind uns in der Schweiz von den Möglichkeiten her einfacher zugänglich als in andern Erdteilen: ein Einkommen, ein sicheres und freies Land, Gestaltungsmöglichkeiten für mein Leben, Gesundheit, und dann erscheint da auch der Zusammenhang, dass religiöse Menschen zufriedener und glücklicher sind. Voila! Diesen Faktor können wir heute bewusst verstärken, denn in dieser Einfachheit der Beziehung zu Gott liegt unser Glück. Da braucht es nicht viel. Die Erinnerung, dass er da ist und in mir lebt. Und das ich ihm Zeit und Geld und mich selbst zur Verfügung stelle. In aller Einfachheit und Schlichtheit. Dazu braucht es weder grosse Begabung, noch Geld, noch Fähigkeiten, noch Ausbildung. Es braucht diese einfache Erkenntnis. Glücklich zu schätzen bin ich durch Einfachheit, durch Sein bei Gott. Gott ist mein Glück. Ich schliesse mit einem Gedicht zum Jahres-Anfang: Was ist klein, was ist gross? Lass deine grossen Sprünge, tu einen kleinen Schritt! Wenn nur die Richtung stimmt, erreichst du viel damit. Lass deine grossen Gesten, wo Not ist, pack mit an! Schon eine kleine Hand dem Schwachen helfen kann. Lass deine grossen Sprüche, sag das was wichtig ist! Dein kleines Wort hat Wert, wenn du nur ehrlich bist. 4

5 Was ist klein, was ist gross? Was leuchtet und was blendet bloss? Auch das grösste Feuerwerk kann doch nur verglühn! In der winzigen Oase lässt Gott Blumen blühn. Jörg Swoboda / Theo Lehmann. Neukirchener Kalender Amen 5

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