Grundlagen der Verwendung von make

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1 Kurzskript zum Thema: Grundlagen der Verwendung von make Stefan Junghans Gregor Gilka 16. November Einleitung In diesem Teilskript sollen die Grundlagen der Verwendung des Programmes make und der Aufbau der dafür notwendigen Makefiles erklärt werden. Dabei wird sich auf die für den Kurs Einführung in die Informationstechnik für Ingenieure (EDV1) relevanten Themen beschränkt. Im Folgenden wird meistens von der Verwendung von make in Verbindung mit dem Kompilieren von Programmen geredet. Dies hängt mit der Zuschneidung dieses Skripts für den genannten Kurs zusammen, make kann jedoch ausdrücklich auch für alle möglichen Kommandos der Shell verwendet werden, nicht nur zum Kompilieren! Für weitere Informationen (es gibt weitaus mehr Features als hier beschrieben) sei auf die folgenden Links und euer eigenes Suchvermögen verwiesen: Motivation Warum benutzen wir komplizierte Makefiles und tippen unsere Kompilierkommandos nicht einfach so in die Kommandozeile? Die Entwicklung eines Programms wird im Allgemeinen nicht mit einmaligem Quelltext schreiben und anschließendem Kompilieren getan sein. Üblicherweise 1

2 wächst ein Programm schrittweise und Fehler müssen andauernd ausgemerzt werden. Je komplizierter ein Programm wird, desto komplizierter wird auch der Kompiliervorgang. Es müssen viele Module aktualisiert und Bibliotheken eingebunden werden. Möglicherweise sollen auch noch weitere Schritte, wie das Kopieren oder Löschen von temporären Dateien, ausgeführt werden. Diese Kommandos immer wieder einzeln einzugeben kann sehr aufwändig und fehleranfällig werden. Entschieden komfortabler und sicherer ist es, einfach make einzutippen und sich auf die einmal festgelegten Regeln verlassen zu können. Das Programm erkennt weiterhin, welche Programmteile aktualisiert werden müssen und welche Teile wiederverwendet werden können (siehe Ablauf). Besonders in großen Projekten sind diese Abhängigkeiten kaum zu überblicken. Ebenso kann in solchen Projekten das Kompilieren von ein paar einzelnen Modulen im Vergleich zum Kompilieren des gesamten Programms einen Unterschied von mehreren Stunden ausmachen. Im Open Source Bereich ist es durchaus üblich, Programme mit Makefiles zu veröffentlichen. Dadurch wird die Erstellung des Programms für den Endnutzer deutlich erleichtert. 3 Benutzung und Aufbau Bei der Verwendung von make gibt es zwei Teile, die wir betrachten müssen: das Programm selbst und das Makefile. Wichtig für diesen Teil: die größer und kleiner Zeichen <> gehören nicht zum Makefile! Sie werden hier nur verwendet um kenntlich zu machen, dass es sich um Platzhalter handelt! make Das Programm make sucht in dem Ordner, in dem es gestartet wurde, eine Datei namens Makefile oder makefile. Ist ein Makefile sowohl in groß- als auch kleingeschriebener Version im Ordner vorhanden, wird das Kleingeschriebene bevorzugt. Im Anschluss wird das Makefile ausgelesen und die darin enthaltenen Kommandos gemäß dem erstellten Ablauf ausgeführt. make wird ausgeführt, indem man im entsprechenden Ordner make in die Kommandozeile eingibt. Dabei wird standardmäßig das erste Ziel anvisiert. Will man ein spezielles anderes Ziel im Makefile erreichen, muss make <Zielname> eingegeben werden. makefile Ein Makefile ist eine gewöhnliche Textdatei. Darin stehen die Regeln, die festlegen wann und in welcher Reihenfolge unsere Kommandos abgearbeitet werden. Schematisch sieht ein Makefile so aus: 1 <Z i e l 1 >: <Abhaengigkeit1> <Abhaengigkeit2> 2 <Kommando1> 3 <Kommando2> 5 # <Kommentar> 6 <Z i e l 2 >: <Abhaengigkeit3> 7 <Kommando3> Ziel Ein Ziel repräsentiert meistens eine Datei (Ausnahmen siehe.3), d.h. make wird im entsprechenden Ordner eine Datei mit dem Namen des Ziels suchen. Ist diese Datei nicht vorhanden oder nicht aktuell, werden die mit dem Ziel verbundenen Abhängigkeiten geprüft und danach die entsprechenden Kommandos ausgeführt. Aktuell bedeutet in diesem Fall, dass das Ziel einen neueren Zeitstempel als jede seiner Abhängigkeiten besitzt und dass diese Abhängigkeiten ihrerseits auch aktuell sind. Beim Kompilieren von Programmen müssen wir also immer die Datei, die aus den Kommandos entsteht als Zielnamen benutzen. So wird sie nur neu erstellt, falls sie nicht aktuell oder nicht vorhanden ist. 2

3 Abhängigkeiten Eine Abhängigkeit ist eine Datei oder ein anderes Ziel im gleichen Makefile. Abhängig bedeutet, dass die zum Ziel gehörigen Kommandos erst ausgeführt werden, wenn alle Abhängigkeiten vorhanden und aktuell (siehe Ziele) sind. Abhängigkeiten werden mit je einem Leerzeichen voneinander getrennt. Kommandos Hier stehen Kommandos, wie sie auch in die Kommandozeile geschrieben werden können. Aliase funktionieren hier jedoch nicht! 1 Zum Erreichen eines Ziels können mehrere Kommandos nötig sein. Diese werden einfach untereinander geschrieben. Wichtig ist hierbei, dass die Kommandos einmal mit der Tabulatortaste und nicht mit Leerzeichen eingerückt werden müssen, um als solche erkannt zu werden! Kommentare Zur besseren Übersichtlichkeit und Dokumentation kann ein Makefile auch kommentiert werden. Das Rautezeichen # steht dabei für den Anfang einer Zeile, die von make ignoriert wird, also mit beliebigem Kommentar versehen werden kann. Beispiel Wir haben ein Programm geschrieben, das aus drei verschiedenen Quelltexten besteht. Diese Quelltexte (main.f, einlesen.f und rechnung.f) sollen zu dem Programm Taschenrechner kompiliert werden. Das benötigte Makefile soll nun Schritt für Schritt aufgebaut werden. 1. Objektdateien erzeugen Um immer nur die wirklich veränderten Module zu kompilieren, führen wir die vier Schritte des Kompilierens nicht auf einmal durch, sondern übersetzen die Quelltexte vorerst in Objektdateien und Linken sie noch nicht. Zuerst definieren wir also ein Ziel für jede Objektdatei. Diese ist jeweils abhängig von ihrer Quelltextdatei, da ohne Quelltext natürlich nichts erzeugt werden kann. Die Datei rechnung.f befindet sich jedoch nicht in unserem Hauptordner, sondern im Unterordner Rechnungsmodul. Dies ist kein Problem, da es sich bei den Dateibezeichnungen um nichts anderes als relative Pfadangaben handelt. Absolute Pfadangaben sind auch möglich, jedoch in unserem Beispiel nicht sinnvoll. Das Kommando ist hier der Befehl des jeweiligen Compilers um nur die ersten drei Schritte des Kompilierens (Pre-Compile, Compile, Assemble) durchzuführen, das Linken also auszulassen. Unser Makefile sieht nun so aus: 1 # Z i e l e f u e r e i n z e l n e Module/ Objektdateien 2 main. o : main. f 3 i f o r t FR c main. f 5 e i n l e s e n. o : e i n l e s e n. f 6 i f o r t FR c e i n l e s e n. f 7 8 rechnung. o : Rechnungsmodul/ rechnung. f 9 i f o r t FR c Rechnungsmodul/ rechnung. f 2. Objektdateien zu Programm linken Nun müssen die Objektdateien noch zum fertigen Programm gelinkt werden. Das Programm ist abhängig von den Objektdateien, für welche wir die Ziele bereits definiert haben. Das Kommando ist der Linkbefehl des jeweiligen Kompilers. Als Zielname muss hierbei der Name des resultierenden Programms gewählt werden, da make das Programm sonst nicht findet, deswegen immer denkt, es wäre nicht vorhanden und folglich immer neu kompiliert, auch wenn das Programm auf dem aktuellsten Stand ist. Das Makefile sieht nun so aus: 1 ll würde also bspw. nicht erkannt, während ls -l wie gewünscht eine erweiterte Auflistung des derzeitigen Ordnerinhalts liefern würde. 3

4 1 # Linken des f e r t i g e n Programms 2 Taschenrechner : main. o e i n l e s e n. o rechnung. o 3 i f o r t main. o e i n l e s e n. o rechnung. o o Taschenrechner 5 # Z i e l e f u e r e i n z e l n e Module/ Objektdateien 6 main. o : main. f 7 i f o r t FR c main. f 8 9 e i n l e s e n. o : e i n l e s e n. f 10 i f o r t FR c e i n l e s e n. f rechnung. o : Rechnungsmodul/ rechnung. f 13 i f o r t FR c Rechnungsmodul/ rechnung. f 3. Zusätze Unser Makefile entspricht nun bereits den vorher gestellten Anforderungen, es soll aber noch etwas aufgewertet werden. Zum einen soll ein clean-ziel erstellt werden, welches die Objektdateien nach dem Kompilieren wieder löscht, falls wir das wollen. Das clean-ziel hat keine Abhängigkeiten, es soll bei Aufruf einfach alle vorhandenen Objektdateien löschen. Zusätzlich soll ein all-ziel definiert werden, welches verschiedene Ziele verknüpft. Das können beispielsweise mehrere Programme sein, die in einem Makefile zusammen kompiliert werden sollen. Um die Verwendung im Beispiel verständlich zu machen, wird jetzt ein weiteres Programm Kalender eingeführt. Bei diesem Programm wird noch einmal die Nutzung von relativen Pfadangaben verdeutlicht. Das all-ziel benötigt dabei keine eigenen Kommandos. Es funktioniert, indem es make anweist, seine Abhängigkeiten zu erfüllen. Die beiden Ziele all und clean repräsentieren in unserem Denken zwar keine Dateien, make behandelt sie jedoch wie alle anderen Ziele auch als solche. Dieser Umstand ist für uns aber kein Hindernis. Beim Aufruf von all oder clean wird weiterhin eine Datei mit entsprechendem Namen gesucht. Da diese Dateien üblicherweise nicht existieren, werden die geforderten Kommandos immer ausgeführt, wie von uns erwünscht. Wir bedienen uns bei diesen Zielen also gewissermaßen eines kleinen Tricks. Dieser Trick kann dann Probleme bereiten, wenn es beispielsweise Dateien gibt, die doch den Namen clean besitzen. Deshalb gibt es Möglichkeiten reine Ziele zu definieren, die explizit keine Dateien repräsentieren (sogenannte.phony-ziele), die jedoch für EDV1 nicht relevant sind. Das Makefile sieht nun so aus: 1 a l l : Taschenrechner Kalender 2 3 # Linken des f e r t i g e n Programms Taschenrechner : main. o e i n l e s e n. o rechnung. o 5 i f o r t main. o e i n l e s e n. o rechnung. o o Taschenrechner 6 7 # Z i e l e f u e r e i n z e l n e Module/ Objektdateien 8 main. o : main. f 9 i f o r t FR c main. f e i n l e s e n. o : e i n l e s e n. f 12 i f o r t FR c e i n l e s e n. f 13 1 rechnung. o : Rechnungsmodul/ rechnung. f 15 i f o r t FR c Rechnungsmodul/ rechnung. f # Kompilieren des Programms Kalender 18 Kalender : k a l e n d e r /main. o k a l e n d e r /datum. o 19 i f o r t k a l e n d e r /main. o k a l e n d e r /datum. o o Kalender k a l e n d e r /main. o : k a l e n d e r /main. f 22 i f o r t FR c k a l e n d e r /main. f o k a l e n d e r /main. o 23 2 k a l e n d e r /datum. o : k a l e n d e r /datum. f 25 i f o r t FR c k a l e n d e r /datum. f o k a l e n d e r /datum. o

5 26 27 c l e a n : 28 rm f main. o e i n l e s e n. o rechnung. o k a l e n d e r /main. o k a l e n d e r /datum. o 5 Ablauf eines make-aufrufs Der Anfang Wir haben nun die drei Quelltexte und unser im vorigen Kapitel erstelltes Makefile. Um nur das Programm Taschenrechner zu erstellen und nicht das all-ziel auszuführen (und damit auch Kalender zu erstellen) geben wir make Taschenrechner in die Kommandozeile ein. make betrachtet das geforderte Ziel und seine Abhängigkeiten. Zuerst wird gepr uft, ob Taschenrechner vorhanden und aktuell ist. Das Programm wurde bisher nicht kompiliert, also ist es noch nicht vorhanden. Die erste Abhängigkeit main.o ist nicht im derzeitigen Ordner aufzufinden. Gibt es ein Ziel mit gleichem Namen, wird erst versucht dieses Ziel zu erfüllen, andernfalls wird hier abgebrochen. Das Ziel main.o ist jedoch definiert und so wird für dieses geprüft, ob seine Abhängigkeit main.f im Ordner vorhanden ist. main.f ist vorhanden, da wir den Quelltext bereits geschrieben haben. Somit kann das Kommando zum Erstellen der Objektdatei main.o aus dem Quelltext main.f ausgeführt werden. Nun kommt die Rückmeldung an das vorige Ziel, dass main.o bereitsteht. Die gleichen Schritte von eben werden nun auch für einlesen.o und rechnung.o durchgeführt. Sind alle Abhängigkeiten vorhanden und aktuell, wird das Kommando zum Linken ausgeführt und das fertige Programm erstellt. Aktualisieren Angenommen wir haben das Programm bereits kompiliert und alle Objektdateien noch vorrätig. Ändern wir nun etwas an dem Quelltext main.f, muss erneut kompiliert werden um das Programm auf dem aktuellen Stand zu halten. Wir geben wie im vorigen Beispiel make ein. make sieht sich also das Ziel all an und prüft die erste Abhängigkeit Taschenrechner auf Aktualität. Um dies herauszufinden müssen wiederum alle Abhängigkeiten von Taschenrechner auf Aktualität geprüft werden. Dabei stellt sich heraus, dass main.o nicht aktuell ist, da seine Abhängigkeit main.f einen neueren Zeitstempel besitzt als die Objektdatei selber (der Quelltext wurde ja soeben geändert). main.o muss also neu kompiliert werden. Die beiden anderen Objektdateien sind auf dem neuesten Stand und müssen somit nicht erneut kompiliert werden. Da mindestens eine Abhängigkeit von Taschenrechner einen neueren Zeitstempel als das Programm selber hat, muss das Programm nun neu aus den aktuellen Objektdateien gelinkt werden. Für unser zweites, nicht näher beschriebenes Programm Kalender werden ebenso die Abhängigkeiten auf Existenz und Aktualität geprüft und gegebenenfalls das Programm aktualisiert. Den Ordner aufräumen Wir haben ein clean-ziel erstellt um temporäre Dateien, die während dem Kompiliervorgang entstehen (z.b. die Objektdateien) schnell löschen zu können, falls gewünscht. Um das clean-ziel aufzurufen, geben wir in die Kommandozeile make clean ein. Im Ordner ist keine Datei vorhanden, die clean heisst, das Ziel muss also in jedem Fall neu ausgeführt werden. Abhängigkeiten sind keine vorhanden, somit wird das Kommando des clean-ziels sofort ausgeführt und die Objektdateien gelöscht. 5

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