Informationspapier zur Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen an der TH Wildau

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1 Informationspapier zur Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen an der TH Wildau Gefördert durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg.

2 1 Warum ist Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen für die TH Wildau überhaupt ein Thema? Es gibt zwei Gründe, die das Thema Anrechnung wichtig machen: Gesetzliche Vorschrift: 22 BbgHG Brandenburgisches Hochschulgesetz (6) Außerhalb des Hochschulwesens erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten sind bis zu 50 Prozent auf ein Hochschulstudium anzurechnen, wenn sie nach Inhalt und Niveau dem Teil des Studiums gleichwertig sind, der ersetzt werden soll. Zukunftssicherung der Hochschule: Auch wenn die Studierenden- und Studienanfängerzahlen im Moment hoch sind, wird sich das in Zukunft auch bedingt durch den demografischen Wandel ändern. Jetzt müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit die TH Wildau auch in Zeiten zurückgehender Zahlen von Schulabgängern attraktiv bleibt. Dazu gehört unbedingt auch die bessere Erschließung von ergänzenden Zielgruppen, wie etwa beruflich Qualifizierte und Berufstätige. 2 An welche Zielgruppen richtet sich die Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen? Für die Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen kommen zwei Zielgruppen in Betracht: Absolventen der beruflichen Aus- und Weiterbildung: In der beruflichen Ausbildung und insbesondere der Fortbildung (z.b. Meister, Techniker, Fachwirt) werden Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen erworben, die das haben etliche Untersuchungen, z.b. im Kontext der BMBF-Initiative ANKOM gezeigt durchaus in Inhalt und Niveau vergleichbar sein können zu Kenntnissen, Fähigkeiten und Kompetenzen, die in einem Hochschulstudium erworben wurden. Neben solchen formalen Lernergebnissen werden in der Berufspraxis oft auch informell durch praktische Erfahrung Kompetenzen auf hohem Niveau erworben. Solche formell oder informell erworbenen Lernergebnisse sollten angerechnet werden: Im Sinne der Studierenden, um doppeltes Lernen zu vermeiden, und im Sinne der Hochschulen, um knappe Lehrressourcen nicht dafür aufwenden zu müssen, Personen Dinge zu vermitteln, die diese bereits beherrschen. Absolventen von Bachelor- oder Diplom-Studiengängen: Die Bologna-Reform führt dazu, dass zunehmend Bachelor-Absolventen zunächst ins Arbeitsleben eintreten, dabei aber beabsichtigen, zu einem späteren Zeitpunkt evtl. berufsbegleitend ein Masterstudium aufzunehmen. Auch diese Personen können sich während ihrer Berufstätigkeit formell oder informell Kompetenzen aneignen, die anrechnungsfähig sein können. Für beide Zielgruppen erhöht die Anrechnung bereits vorhandener Kompetenzen die Attraktivität der Studienangebote erheblich, insbesondere dann, wenn sie berufsbegleitend studieren möchten und entsprechend enge Zeitbudgets haben. 3 Warum ist die Qualität von Anrechnungsentscheidungen wichtig? Die Qualität von Anrechnungsentscheidungen ist aus drei Gründen wichtig: Rechtssicherheit: Studierende können Anrechnungsentscheidungen anfechten. Je belastbarer die Qualität der Entscheidung hergestellt, gesichert und dokumentiert ist, desto größer ist die Rechtssicherheit der Entscheidung. Die genannte Bestimmung des Brandenburgischen Hochschulgesetzes fordert die Anrechnung außerhochschulisch erworbener Kompetenzen, wenn sie nach Inhalt und Niveau dem Teil des Studiums gleichwertig sind, der ersetzt werden soll. Die Beurteilung dieser Gleichwertigkeit nach Inhalt und Niveau (Äquivalenz) erfordert,

3 auch im Hinblick auf die Rechtssicherheit, gültige und verlässliche Aussagen. Standardisierte und qualitätsgesicherte Anrechnungsverfahren führen zu solchen gültigen und verlässlichen Aussagen. Wahrung von Qualität der hochschulischen Bildung und Reputation der Hochschule: Durch Anrechnung erklärt die Hochschule, dass die angerechneten Lernergebnisse in Inhalt und Niveau denen entsprechen, die in einem Hochschulstudium erworben werden. Nur eine gültige und verlässliche Aussage zur inhaltlichen und niveaubezogenen Äquivalenz außerhochschulisch erworbener Kompetenzen stellt sicher, dass es nicht zum Qualitätsverlust der durch den Bachelor- oder Masterabschluss dokumentierten Kompetenz kommen kann. Nur so kann die Reputation der Hochschule als Produzent hochwertiger Kompetenzen gewahrt werden. Absicherung von Akkreditierungsprozessen: Anrechnungsverfahren werden im Rahmen von Akkreditierungsverfahren mit betrachtet. Dabei sind Qualitätsstandards zu wahren, die in der ANKOM-Anrechnungsleitlinie genannt werden. An der Erstellung dieser Leitlinie waren alle Akkreditierungsagenturen und der Akkreditierungsrat beteiligt. Zu diesen Qualitätsstandards gehören: Angemessenheit, Transparenz, Gültigkeit und Verlässlichkeit der Anrechnungsentscheidungen. Im Projekt Neue Wege, neue Chancen zum lebenslangen Lernen wurden für die TH Wildau individuelle und pauschale (s.u.) Anrechnungsverfahren entwickelt, die diesen Qualitätsstandards genügen. Diese stehen zur Einführung bereit. 4 Welche Arten von Anrechnungsverfahren gibt es, und welche Funktionen erfüllen sie? Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Anrechnungsverfahren: Individuelle dienen der Beurteilung der Kompetenzen einer bestimmten Person. Sie sind für jede Person einzeln durchzuführen. Individuelle bieten sich an, wenn nur sehr wenige Anrechnungsinteressierte zu erwarten sind. Informell durch praktische Erfahrung erworbene Kompetenzen können in der Regel nur mit individuellen angerechnet werden. Pauschale beziehen sich nicht auf individuelle Personen, sondern auf Abschlüsse (z.b. Techniker, Meister, Fachwirt), die in der Regel durch formelles Lernen erworben werden. Im pauschalen wird einmalig die Gleichwertigkeit zwischen beruflichen Lernergebnissen, die durch diese Abschlüsse dokumentiert sind, und hochschulischen Lernergebnissen etwa denen eines bestimmten Moduls eines Studiengangs beurteilt und ggf. festgestellt. Diese Entscheidung wird dann auch jeden individuellen Fall (individuelle Inhaber solcher Abschlüsse) automatisch ohne weitere Prüfung angewandt. Pauschale Anrechnungsverfahren bieten sich insbesondere dort an, wo es Affinitäten zwischen bestimmten beruflichen Fortbildungsabschlüssen und bestimmten Studiengängen gibt. Bei hohen Fallzahlen sind pauschale erheblich effizienter als individuelle. Beide können auch miteinander kombiniert werden. Dies erhöht das Anrechnungspotenzial für die Anrechnungsinteressierten. Ein solches kombiniertes macht also insbesondere dann Sinn, wenn die Hochschule der Zielgruppe beruflich Qualifizierte eine hohe, strategische Bedeutung zumisst.

4 5 Wozu braucht die TH Wildau standardisierte und qualitätsgesicherte Anrechnungsverfahren? Die Notwendigkeit von qualitätsgesicherten und standardisierten Anrechnungsverfahren für die TH Wildau ergibt sich aus folgenden Gründen. Die Qualität der Anrechnungsentscheidungen, wie oben dargestellt, und letztlich die Sicherung der Qualität der hochschulischen Abschlüsse erfordert standardisierte und qualitätsgesicherte Anrechnungsverfahren. Der Aufwand für die Herstellung belastbarer Anrechnungsentscheidungen kann durchaus erheblich sein. Bei individuellen Anrechnungsentscheidungen wächst er linear mit der Anzahl der Studierenden. Pauschale Anrechnungsentscheidungen stellen also ab einer kritischen Masse von Anrechnungsinteressenten ein notwendiges Mittel der Effizienzsteigerung und Rationalisierung dar. 6 Welchen Nutzen hat die TH Wildau also von der Einführung standardisierter und qualitätsgesicherten Anrechnungsverfahren? Durch die Einführung von standardisierten und qualitätsgesicherten Anrechnungsverfahren entsteht der TH Wildau also insgesamt folgender Nutzen: Rechtssichere Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben Absicherung von bzw. Konformität mit Akkreditierungsverfahren Sicherung der Qualität von Anrechnungsentscheidungen und Studienabschlüssen Erhöhung der Attraktivität der Hochschule und Erschließung zusätzlicher Studierendenpotenziale Effizienz der Anrechnungsentscheidung und darüber hinaus auch des Einsatzes von Lehrkapazitäten: Es wird nur das gelehrt, was noch nicht gelernt wurde. Darüber hinaus spielen Anrechnungsverfahren eine entscheidende Rolle im Kontext gebührenfinanzierter weiterbildender Studienangebote. Anrechnungsmöglichkeiten stellen hier ein zentrales Qualitäts- und Attraktivitätsmerkmal für berufsbegleitend Studierende dar. Die folgende Abbildung zeigt noch einmal im Überblick die wesentlichen Gründe und Bestimmungsfaktoren für die Einführung eines bestimmten individuellen, pauschalen oder kombinierten Anrechnungsverfahrens.

5 1 Nur informelle/ erfahrungsbasierte Lernergebnisse? Start individuelles 3 2 Sehr geringe Anzahl von Anrechnungskandidaten? Hohe Affinität einzelner Fortbildungen zu Studiengang? 4 pauschales Strategische Bedeutung der Zielgruppe für Hochschule? kombiniertes

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