E-Portfolios in der Hochschullehre

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1 Stefanie Siebenhaar, Nadine Scholz, Angela Karl, Carolin Hermann, Regina Bruder E-Portfolios in der Hochschullehre Mögliche Umsetzung und Einsatzszenarien Zusammenfassung Im Fokus des Workshops steht neben der Darstellung der technischen Realisierung und Möglichkeiten eines E-Portfolios auch die praktische Um setzung im Seminarkontext. Der Workshop ist für Anfänger ohne Vorkennt nisse im E-Portfolio-Bereich gedacht und wird durch unterschiedliche Beispiele aus der fachdidaktischen Praxis unterstützt, macht die Verbindung von Theorie und Technik deutlich und zeigt die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von E-Portfolios in der Lehre auf. Die eingesetzte E-Portfolio-Software ist Mahara. Für die aktiven Workshop-Phasen ist das Mitbringen eines eigenen PCs Vor aussetzung. Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen begrenzt. 1 Theorie des E-Portfolio-Einsatzes und Ausgestaltung im dikopost-projekt an der TU Darmstadt Die Bedeutung von elektronischen Portfolios in der Hochschullehre hat in den vergangenen Jahren vor allem im deutschsprachigen Raum zugenommen. Aufgrund dieses Trends ist anzunehmen, dass das E-Portfolio, ähnlich wie in vielen angelsächsischen Ländern, als Lerninstrument, Assessment- oder Bewerbungstool weiter an Bedeutung gewinnen wird. Ein E-Portfolio bezeichnet, kurz gesagt, eine elektronische Sammelmappe. Im Bildungskontext ist der Portfolio-Begriff zentral mit der Sammlung, Reflexion über die eigenen Kompetenzen, Selektion und, je nach Kontext, Präsentation oder Assessment von selbstständig erstellten Arbeitsprodukten durch die Lernenden verbunden (Häcker, 2011). Im Gegensatz zu papierbasierten Portfolios weisen Bauer und Baumgartner jedoch darauf hin, dass die elektronische Sammelmappe nicht nur eine Abbildung der Möglichkeiten auf Papier darstellt, sondern aufgrund der digitalen Möglichkeiten neue Vorteile bietet, die auf diese Weise papierbasiert nicht realisierbar sind (Bauer & Baumgartner, 2012). Vorteile von E-Portfolios setzen sich wie folgt zusammen: multimediale Darstellung und Einbindung in das eigene Portfolio, Verknüpfung von Lernzielen und Assessment, einfache Speicherung, Duplizierung und Sicherung, 407

2 Stefanie Siebenhaar, Nadine Scholz, Angela Karl, Carolin Hermann, Regina Bruder zeit- und ortsunabhängige Feedback-Nutzung unterschiedlicher Nutzergruppen sowie Schulung der Medienkompetenz auf mehreren Ebenen (Hilzensauer & Hornung-Prähauser, 2006). Vor allem die schnelle Reaktionsmöglichkeit auf ein Arbeitsprodukt, einen Kommentar oder sonstige Aspekte des Lernprozesses zum richtigen Zeitpunkt stellt einen wesentlichen Vorteil des E-Portfolios gegenüber des papierbasierten Portfolios dar (Brunner & Born, 2007). Seit 2010 läuft an der Technischen Universität Darmstadt das Projekt dikopost (Digitales Kompetenzportfolio für Studierende) 1, welches durch das Zentrum für Lehrerbildung beantragt wurde und durch QSL-Mittel der Universität gefördert wird. Das Ziel des Pilotprojekts von war es, erste Einsätze und Erfahrungen von Lehrenden mit einem Kursportfolio in der universitären Lehre zu dokumentieren und auszuwerten sowie aus diesem Rahmen Best-Practice- Beispiele für die restliche Universität zu identifizieren. Aus diesen Erfahrungen wurde eine Handreichung für Lehrende erstellt, in der die ersten Erfahrungen festgehalten wurden. Es fanden bisher über 125 Lehrveranstaltungen (Stand: Juni 2013) aus den Bereichen Mathematik, Germanistik, Sportwissenschaften, Physik, Pädagogik etc. mit E-Portfolio-Einsatz statt. Aktuell sind über Teilnehmende bei Mahara, der eingesetzten E-Portfolio-Software, registriert. Bis Mai 2013 fanden über (mündliche oder schriftliche) Prüfungen statt, die ein E-Portfolio als Basis hatten. Die Möglichkeit der Prüfungsdurchführung ist von den Prüfungsmodalitäten der einzelnen Fachbereiche abhängig. Das dikopost-projekt basiert auf drei Säulen: Didaktik, Technik und Evaluation, welche wiederum die drei involvierten Stakeholder Lehrende, Tutor/-inn/-en und Studierende unterstützen sollen. Interessierte Lehrende können Einzelund Gruppenschulungen im Bereich (E-)Portfolioarbeit und Mahara-Technik durch das Portfolioteam erhalten. Tutor/-inn/-en erhalten Schulungen in Gesprächsführung, dem Bereich (E-)Portfolioarbeit und der Mahara-Technik und nehmen an verpflichtenden Supervisionen mindestens einmal im Semester teil. Studierende erhalten, je nach Lehrveranstaltungskonzept, eine technische Einführung durch die Tutor/-inn/-en und werden im weiteren Semesterverlauf bei der Portfolioarbeit unterstützt. Allen Interessierten steht der E-Learning- Helpdesk zur Verfügung. Im Zuge der Verstetigung werden die oben genannten Elemente an die Hochschuldidaktische Arbeitsstelle und das elearning Center der TU Darmstadt übergeben. Eine Evaluation, in der Interviews und eine Online-Befragung durchgeführt werden, stellen die kontinuierliche Weiterentwicklung und Qualitätssicherung des Projekts dar. Ein typischer Ablauf eines E-Portfolio-Einsatzes im Semesterverlauf sieht folgendermaßen aus:

3 E-Portfolios in der Hochschullehre Abbildung 1: Typischer Einsatz eines E-Portfolios mit dikopost im Semester In den Beratungen und Einführungen für Lehrende werden die in der Abbildung 1 und unten dargestellten Komponenten gemeinsam durchgesprochen und als Anregung für den eigenen E-Portfolio-Einsatz gegeben. Eine differenzierte Darlegung erfolgte bereits in Ballweg et al., (2011, 223ff.) und Scholz et al. (2011, 135ff.), daher hier nur eine kurze Zusammenfassung der Elemente: 1. Kompetenzprofil: Der/Die Lehrende wird angehalten, ein Profil für die Lehrveranstaltung zu erstellen, in dem die zu erwerbenden Kompetenzen dargelegt und wiederholt in der Veranstaltung aufgenommen werden. 2. Arbeitsprodukte: Während des Semesters müssen Arbeitsprodukte entstehen, welche die Studierenden in ihr E-Portfolio einstellen können, um den Prozesscharakter des E-Portfolio-Einsatzes zu stärken. 3. Feedback: Studierende sollten durch Lehrende, Peers oder Tutor/-inn/-en Feedback zu ihren Portfolios/Arbeitsdokumenten erhalten können, welches als Grundlage für die Überarbeitung der Produkte dienen kann. 4. Reflexion: Studierende sollen durch Reflexionsfragen, Aufgaben, die Reflexionscharakter enthalten, oder ein abschließendes E-Portfolio-Gespräch zur Reflexion über ihre erstellten Arbeitsprodukte angeregt werden. Die oben dargelegten Punkte werden in den Schulungen und Einzelberatungen mit den Lehrenden besprochen, die konkrete Ausführung und der tatsächliche Einsatz sowie die Verantwortung obliegen den Lehrenden. Die technische Realisierung erfolgt mithilfe der Software Mahara, die aufgrund folgender Punkte ausgewählt wurde. Es handelt sich um ein Open-Source- Produkt, welches eine mögliche Schnittstelle zu Moodle bietet (Learning- Management-System an der TU Darmstadt), sowie die Bewertungsgrundlage von Himpsl und Baumgartner (2009). Mahara bietet vielfältige technische Möglichkeiten, die eine bessere Strukturierung und Darstellung des E-Portfolios ermöglichen. Die folgende Darstellung greift einige der didaktisch wichtigsten 409

4 Stefanie Siebenhaar, Nadine Scholz, Angela Karl, Carolin Hermann, Regina Bruder Punkte in diesem Zusammenhang heraus: So können einzelne Portfolioseiten zu einer Sammlung zusammengestellt werden. Auch lassen sich die Bestandteile des E-Portfolios flexibel (Re-)Positionieren und durch unterschiedliche Layouts (Spaltenformate, Darstellung) individuell gestalten. Durch das Einbinden von externen Inhalten, wie z.b. Videos, Bildern und Dokumenten (doc, pdf), ergeben sich vielfältige mediale Möglichkeiten. Der relevanteste Faktor, vor allem auch von Nutzerseite, ist, dass die Kontrolle über die Freigabe der Inhalte stets bei den Nutzer/-inne/-n liegt: Durch diese sehr granularen Freigabeoptionen kann er/ sie individuell einstellen, was, wann, wie lange und für wen an Inhalten sichtbar wird. Insgesamt bietet Mahara somit viele technische Möglichkeiten, die Nutzer/ -innen zur Sammlung, Auswahl und Präsentation ihres Portfolios verwenden können, ohne dabei zu hohe Anforderungen hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit zu stellen. 2 Praktischer E-Portfolio-Einsatz in der Lehre Die reine Existenz einer E-Portfolio-Plattform macht diese noch lange nicht brauchbar für didaktische Lernszenarien, denn für E-Portfolio gestützte Seminare wird, vor allem auch aufgrund der Offenheit des Portfoliokonzepts, eine fundierte und funktionale Aufbereitung der Inhalte benötigt (Schmiedinger, 2008). Häufig werden sowohl die Komplexität des portfoliogestützten Lehrens und Lernens als auch die Anforderungen und Voraussetzungen, die für eine gelingende Portfolioarbeit benötigt werden, unterschätzt (Bräuer, Keller & Winter, 2012). Folglich müssen für die Arbeit mit Portfolios spezielle Rahmenbedingungen beachtet werden, welche in drei Hauptkategorien zusammengefasst werden können: Planung bzw. Kontextdefinition, Kommunikation sowie Organisation (Winter, 2012c). In einem ersten Schritt muss definiert werden, welche Art von Portfolio zu welchem Zweck eingesetzt werden soll. Ein Portfolio kann zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt werden, wie bspw. als alternatives Beurteilungsinstrument, als Diagnoseinstrument, als Entwicklungsinstrument oder als persönliches Dokumentationsinstrument. Sicherlich lassen sich auch mehrere Konzepte miteinander verbinden und sind nicht als sich gegenseitig ausschließend zu verstehen. Es werden beispielsweise im entsprechenden Portfolio nicht nur die Endprodukte aufgezeigt, sondern es finden zudem auch Anfangs- und Zwischenprodukte sowie eigene Reflexionen Eingang in das Portfolio (Schmiedinger, 2008). Aus diesem Grund muss festgelegt werden, in welcher Art und Weise das Portfolio im Kontext der Veranstaltung steht, welche Produkte gesammelt und ausgewählt werden sollen und welcher Zielsetzung die Portfolioarbeit unterliegt (Winter, 2012a). Der erhoffte Mehrwert durch den Portfolioeinsatz kann oft erst nach Abschluss der 410

5 E-Portfolios in der Hochschullehre Veranstaltung deutlich werden, jedoch wird er bereits in den Zielen widergespiegelt, die mit der Portfolioarbeit verbunden werden (Winter, 2012b). Für die Konzeption einer E-Portfolio gestützten Veranstaltung sollte ein Hauptaugenmerk auf den nachfolgenden Fragen liegen: Welche Ziele können mit der Portfolioarbeit verbunden werden? Wie wird das E-Portfolio für die eigene Veranstaltung sinnvoll nutzbar? Wie können Seminarstruktur und Seminarinhalte an die Portfolioarbeit angepasst werden? Welche Rahmenbedingungen sind für eine gelingende Portfolioarbeit notwendig? Welchen Nutzen haben Studierende und Lehrende durch die Portfolioarbeit? 3 Konzept des Workshops Während der GMW soll daher in diesem Rahmen ein Workshop zur E-Portfolio arbeit angeboten werden, der besonders die obigen Fragestellungen und Ansatzpunkte berücksichtigt. Folglich sollen im ersten Teil des Workshops gemeinsam die Grundlagen für den Portfolioeinsatz erarbeitet werden. Danach findet eine technische Einführung in die Plattform Mahara statt und es werden erste praktische Erfahrungen im Erstellen von E-Portfolios gesammelt. Im Anschluss wird eine Aufteilung der Gruppe hinsichtlich der individuellen Schwerpunkte und eigenen Arbeitsfelder (Hochschule, Schule) vorgenommen. In diesen Kleingruppen werden anhand von Beispielportfolios die Spezifika der E-Portfolioarbeit für die verschiedenen Bereiche herausgearbeitet. Darüber hinaus sollen individuelle Aufgabentypen vorgestellt werden, welche sich besonders gut für die E-Portfolio-Arbeit eignen und eine exemplarische Hinführung zur Generierung von Portfolioaufgaben darstellen. Die in den Kleingruppen erarbeiteten Rahmenbedingungen werden dann im Plenum vorgestellt, gemeinsam ergänzt und sollen den Teilnehmenden bei der zukünftigen Konzeption von E-Portfolio gestützten Seminaren eine Hilfestellung bieten. In der letzten Phase sollen anhand der ermittelten Rahmenbedingungen für die jeweiligen Bereiche eigene Portfoliokonzepte in Ansätzen entwickelt und anschließend vorgestellt werden. Durch die Verknüpfung von theoretischen Grundlagen und praktischen Phasen, in denen eigenständig mit dem E-Portfolio gearbeitet wird, soll vor allem auch deutlich gemacht werden, welche Vorzüge die Plattform neben der Bereitstellung von Seminar-, Vorlesungs- oder Unterrichtsmaterialien bietet. Der Workshop endet mit einer abschließenden Diskussions- und Feedbackrunde. 411

6 Stefanie Siebenhaar, Nadine Scholz, Angela Karl, Carolin Hermann, Regina Bruder Literatur Ballweg, S., Scholz, N., Richter, K. & Bruder, R. (2011). Schreibend lehren lernen unterstützt durch ein digitales Kompetenzportfolio für Lehramtsstudierende (dikopost). In G. Bräuer & K. Schindler (Hrsg.), Schreibarrangements in Schule, Studium, Beruf (S ). Freiburg im Breisgau: Fillibach. Bauer, R. & Baumgartner, P. (2012). Schaufenster des Lernens: Eine Sammlung von Mustern zur Arbeit mit E-Portfolios. Münster: Waxmann. Bräuer, G., Keller, M. & Winter, F. (2012). Vorwort der Herausgeber. In: G. Bräuer, M. Keller & F. Winter (Hrsg.), Portfolio macht Schule. Unterrichts- und Schulentwicklung mit Portfolio (S. 7-8). Seelze: Klett/Kallmeyer. Brunner, I. & Born, J. (2007). Arbeiten mit Portfolios Erfahrungen mit einem Online-Seminar. In M. Gläser-Zikuda & T. Hascher (Hrsg.), Lernprozesse dokumentieren, refl ektieren und beurteilen (S ). Bad Heilbrunn: Klinkhardt. Häcker, T. (2011). Vielfalt der Portfoliobegriffe. In I. Brunner, T. Häcker & F. Winter (Hrsg.), Das Handbuch Portfolioarbeit: Konzepte, Anregungen, Erfahrungen aus Schule und Lehrerbildung (S ). Seelze: Klett/Kallmeyer. Hilzensauer, W. & Hornung-Prähauser, V. (2006). eportfolio. Methode und Werkzeug für kompetenzbasiertes Lernen. Salzburg: Salzburg Research Forschungs gesellschaft. Online: ( ). Himpsl, K. & Baumgartner, P. (2009). Evaluation von E-Portfolio-Software Teil III des BMWF-Abschlussberichts E-Portfolio an Hochschulen : GZ /0064- VII/10/2006. Forschungsbericht. Krems: Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien, Donau Universität Krems. Schmiedinger, E. (2008). Das Portfolio als Unterrichtsstrategie. In I. Brunner, T. Häcker & F. Winter (Hrsg.), Das Handbuch Portfolioarbeit. Konzepte, Anregungen, Erfahrungen aus Schule und Lehrerbildung (S ). Seelze: Klett/Kallmeyer. Scholz, N., Menhard, I. & Bruder, R. (2011). Studierendensicht zum digitalen Kompetenzportfolio an der TU Darmstadt. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 6(2), Winter, F. (2012a). Lernen, ohne Rezept zu kochen. In G. Bräuer, M. Keller & F. Winter (Hrsg.), Portfolio macht Schule. Unterrichts- und Schulentwicklung mit Portfolio (S ). Seelze: Klett/Kallmeyer. Winter, F. (2012b). Das Portfolio vom möglichen Mehrwert her planen. In G. Bräuer, M. Keller & F. Winter (Hrsg.), Portfolio macht Schule. Unterrichts- und Schulentwicklung mit Portfolio (S ). Seelze: Klett/Kallmeyer. Winter, F. (2012c). Portfolioarbeit lernen im internationalen Netzwerk. In G. Bräuer, M. Keller & F. Winter (Hrsg.), Portfolio macht Schule. Unterrichts- und Schulentwicklung mit Portfolio (S ). Seelze: Klett/Kallmeyer. 412

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