Prinzipal-Agent. Agent-Theorie in einer Kreditbeziehung

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1 Prinzipal-Agent Agent-Theorie in einer Kreditbeziehung Andreas Muradjan

2 Gliederung: 1. Grundlagen 2. Akerlof - Modell Markt der Zitronen 3. Hidden Information 3.1. Maßnahmen gegen Hidden Information 3.2. Beispiel: Unsicherheit über Bonität bei Schuldnern Pooling Gleichgewicht Separierendes Gleichgewicht 4. Hidden Action 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals 5.1. entscheidungsrelevante Agency-Kosten 6. Quellen 2

3 1. Grundlagen Prinzipal Auftraggeber Agent - Auftragnehmer Informationsasymmetrien über die Qualität des Vertragsgegenstandes zwischen den beiden Vertragspartnern Prinzipal und Agent 3

4 1. Grundlagen Beschaffung der Informationen ist mit Kosten verbunden 2 Ausprägungen: Hidden Information - Informationsasymmetrie vor Vertragsabschluss Hidden Action - Informationsasymmetrie nach Vertragsabschluss 4

5 2. Akerlof - Modell Markt der Zitronen sehr gute Veranschaulichung der Informationsverteilung am Beispiel des Gebrauchtwagenmarktes durch Akerlof im Jahre 1970 Grundsatz: auf dem Markt herrscht Unsicherheit bezüglich der Qualität des Gutes und diese kann NICHT abgebaut werden, Annahme einer durchschnittlichen Qualität 5

6 2. Akerlof - Modell Markt der Zitronen Anbieter von Gütern guter Qualität sind sich dieser bewusst, bieten diese aber nicht am Markt an, da sie keine entsprechenden Preise dafür erzielen können Grund hierfür ist die Unsicherheit der Nachfrager über die Qualität Prozess der Adversen Selection 6

7 2. Akerlof - Modell Markt der Zitronen einzig die Anbieter von Gütern mit schlechter Qualität verbleiben am Markt, da diese natürlich bessere Preise erzielen aufgrund der Informationsvorteile, dadurch sinkt die durchschnittliche Qualität Handel mit Zitronen dies wird von den Nachfragern antizipiert, Folge daraus Preissenkung, weiteres Ausspülen von Anbietern Endresultat mögliches Marktversagen 7

8 3. Hidden Information - Informationsasymmetrie vor Vertragsabschluss Agent hat Informationsvorteil gegenüber dem Prinzipal Insiderstellung des Agenten gegenüber dem Prinzipal (z.b. Wissen über Marktpotenzial, Konkurrenz, zukünftige Höhe und Verteilung von Zahlungsüberschüssen, sowie auch über Fähigkeiten des Agenten) Agent hat keinen Einfluss auf dieses Wissen, aber es kann wichtig sein, z.b. bei Bewertung eines Unternehmens 8

9 3. Hidden Information - Informationsasymmetrie vor Vertragsabschluss Gefahr des Verschleierns vor Vertragsabschluss, um Nutzen des Agenten zu erhöhen Akerlofsches Modell lässt sich auch auf Fremdkapital übertragen 9

10 3. Hidden Information - Informationsasymmetrie vor Vertragsabschluss Kreditrationierung aufgrund der Unsicherheit der Kreditgeber gegenüber der Qualität der Schuldner gute Schuldner sind demnach aufgrund hoher Zinsforderungen der Kreditgeber nicht zum Abschluss bereit, übrig bleiben nur Schuldner schlechter Qualität hier besser niedriger Zins und Rationierung des Kredites 10

11 3. Hidden Information 3.1. Maßnahmen gegen Hidden Information Abbau der Informationsasymmetrien durch Offenlegung der Informationen seitens der Agenten gegenüber den Kapitalgebern 3 Möglichkeiten: Screening Self Selection Signaling 11

12 3. Hidden Information 3.1. Maßnahmen gegen Hidden Information Screening: Überprüfung der Qualität des Vertragsgegenstandes durch den Prinzipal oder durch einen neutralen Dritten, z.b. Jahresabschluss, Prüfbericht eines Wirtschaftsprüfers, Bankberichte bei Emissionstätigkeiten 12

13 3. Hidden Information 3.1. Maßnahmen gegen Hidden Information Self Selection: Prinzipal unterbreitet dem Agenten mehrere Alternativen des Vertrages bzw. einer Finanzierung anhand der Auswahl des Agenten zieht der Prinzipal Rückschlüsse auf die Qualität des Vertragsgegenstandes 13

14 3. Hidden Information 3.1. Maßnahmen gegen Hidden Information Signaling: Agent versucht Qualität durch bestimmte Aktionen zu signalisieren um die Erwartungen des Prinzipalen zu beeinflussen es bleibt dabei allerdings zu beachten unter welchen Bedingungen Signaling überhaupt einsetzbar ist und in wieweit es glaubwürdig ist Voraussetzung für Signaling ist die Annahme, das nur erfolgreiche Unternehmen hohe Erfolge signalisieren, da die Kosten für solche Signale bei erfolglosen Unternehmen zu hoch wären 14

15 3. Hidden Information 3.2. Beispiel: Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern vereinfachende Annahme von 2 Typen von Schuldnern: Typ 1: entspricht dem des guten Risikos, dieser ist bereit einen Kredit in dem vereinbarten Zeitraum, samt Zinsen, zurück zu zahlen 15

16 3. Hidden Information 3.2. Beispiel: Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern Typ 2: stellt schlechtes Risiko dar, ist einzig mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit p in der Lage den Kredit samt Zinsen und Tilgung zu begleichen, hier besteht Gegenwahrscheinlichkeit von 1-p (damit insolvent), zur weiteren Vereinfachung wird angenommen, das bei Insolvenz keinerlei Zahlung mehr erfolgt, Wiedergewinnungssatz (recovery rate) für den Gläubiger dadurch gleich 0 16

17 3. Hidden Information 3.2. Beispiel: Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern alle Kreditnehmer fragen bei der Bank einen Kredit K nach Bank verhält sich risikoneutral, Zinskonditionen z werden so veranschlagt, das im Schnitt weder Gewinne noch Verluste entstehen 17

18 3. Hidden Information 3.2. Beispiel: Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern Pooling Gleichgewicht gute und schlechte Schuldner durch die Bank nicht von vorn herein zu unterscheiden daher an alle gleiche Zinsforderung z 18

19 3. Hidden Information 3.2. Beispiel: Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern Pooling Gleichgewicht Anzahl guter Kreditnachfrager an Gesamtmenge gerade P(Typ1) = q Anzahl schlechter Schuldner entspricht P(Typ2) = 1- q i entspricht risikolosem Kapitalmarktzinssatz als Refinanzierungsbzw. Anlageopportunität 19

20 3. Hidden Information 3.2. Beispiel: Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern Pooling Gleichgewicht durch folgende Bedingung qk(1+z)+(1-q)pk(1+z)=k(1+i) ergibt sich durch Umformung Zinssatz z z= 1+i -1 p+q-pq 20

21 3. Hidden Information 3.2. Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern Pooling Gleichgewicht Bank kalkuliert positive Prämie ein, um Ausfallrisiko zu minimieren (P=z-i) Grund dafür ist gleiche Verzinsung wie bei Anlage zu risikofreiem Zins keine Differenzierung zwischen den Typen 1 und 2 = gleiche Konditionen = gepoolter Markt 21

22 3. Hidden Information 3.2. Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern Pooling Gleichgewicht Kreditnachfrager vom Typ 1 versuchen naturgemäß diesen Markt zu verlassen und sich Kredit zum Zinssatz i zu verschaffen Kreditnachfrager vom Typ2 verbleiben auf dem Markt (Marktversagen) Folge: Zinssatz z steigt da q=0 z Typ2 =1+i-1 p 22

23 3. Hidden Information 3.2. Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern Pooling Gleichgewicht den Banken kann durch die Nachfrager vom Typ 1 deren besondere Kreditwürdigkeit signalisiert werden, dadurch würden diese lediglich den Zinssatz i zahlen dies würde zu einem separierendem Gleichgewicht führen 23

24 3. Hidden Information 3.2. Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern Separierendes Gleichgewicht Glaubwürdigkeit nur bei Inkaufnahme der Signalisierungskosten durch Typ 1 Signalisierungskosten zum Preis c Typ 1 (Bruchteil des Kreditbetrages) für Typ 2 zum Preis c Typ2 >c Typ1 24

25 3. Hidden Information 3.2. Beispiel: Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern Separierendes Gleichgewicht separierendes Gleichgewicht nur unter folgenden Bedingungen: i) c Typ1 <z Typ2 -i ii)c Typ2 >p(z Typ2 -i) 25

26 3. Hidden Information 3.2. Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern Separierendes Gleichgewicht i) Zinsvorteile dürfen nicht durch die Signalisierungskosten überschritten werden ii) Kosten übersteigen definitiv den Zinsvorteil Pooling Gleichgewicht wieder durch Bedingung c Typ1 <z-i, kein Anreiz mehr für Signalisierung, daher keine Bewegung in Richtung separierendes Gleichgewicht 26

27 3. Hidden Information 3.2. Beispiel: Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern Separierendes Gleichgewicht Banken konnten in Vergangenheit keine sachgerechte bonitätsmäßige Differenzierung der Unternehmen durchführen dadurch Preisgestaltung anhand durchschnittlicher Kreditnehmerqualität (Pooling Gleichgewicht) 27

28 3. Hidden Information 3.2. Bsp.:Unsicherheit über Bonität t bei Schuldnern Separierendes Gleichgewicht Folge daraus Verschlechterung der Kreditportefeuilles, da gute Kreditnehmer,bei besserer Differenzierung der Konditionen, auf Anleihemärkte ausweichen konnten Risikoprämien werden nun individueller berechnet, aufgrund etablierter interner und externer Ratings, dadurch soll zukünftige adverse Selektion vermieden werden 28

29 4. Hidden Action - Informationsasymmetrie nach Vertragsabschluss Aktionen bzw. Handlungen des Agenten sind nach Vertragsschluss nicht oder nicht kostenlos ex post beobachtbar Grund hierfür Leistungen des Agenten sind durch exogene Risiken und seinen eigenen Handlungen bestimmt eine Realisation des externen Risikos ist durch den Prinzipalen nicht beobachtbar und erlaubt daher keinen Rückschluss auf die Handlungen des Agenten 29

30 4. Hidden Action - Informationsasymmetrie nach Vertragsabschluss dadurch entsteht ein Handlungsspielraum, Agent nutzt diesen, bei vorausgesetztem rationalem Handeln, zur eigenen Nutzenmaximierung diese muss nicht zwangsläufig mit der des Prinzips einhergehen Moral Hazard Möglichkeit des Nachteils für Prinzipal 30

31 4. Hidden Action - Informationsasymmetrie nach Vertragsabschluss Agency-Kosten werden unterschieden in Kosten des Eigenkapitals und in Kosten des Fremdkapitals, je nach Minderung des Kapitals durch das Verhalten des Agenten 31

32 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals hier erfolgt keine Unterscheidung zwischen Managern und Anteilseigner wie bei Ansatz Agency-Kosten des Eigenkapitals Agency-Kosten resultieren aus dem erhöhten Ausfallrisiko durch den steigenden Verschuldungsgrad hohe Insolvenzkosten drücken nachweislich den Unternehmenswert 32

33 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals durch steigenden Verschuldungsgrad wird mögliche Zahlungsunfähigkeit als Konkursgrund angenommen hoher Ertragswert des Unternehmens wird dadurch vernachlässigt 33

34 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals Eigenkapitalgeber gehen riskantere Investitionsprojekte ein, wohingegen Gläubiger keinen Gegenwert für das erhöhte Ausfallrisiko erhalten mögliche Restriktionen bei Kreditvergabe kann eine Unterinvestition zur Folge haben Investitionen mit positivem Kapitalwert können nicht umgesetzt werden 34

35 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals ABER: werden Konflikte zwischen Management und Kapitalgebern sowie zwischen Eigentümern und Gläubigern berücksichtigt sind keine Effekte erkennbar 35

36 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals Moral Hazard Risiko soll gemindert werden, auch um Agency-Kosten zu senken Anreize für Agenten so gestalten, das Handeln im Sinne des Prinzipals erfolgt 36

37 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals aus Sicht der Gesellschafter führt der Ersatz des Eigenkapitals durch Fremdkapital zur Senkung der Agency- Kosten des Eigenkapitals Fremdkapital ist über einen begrenzten Zeitraum verfügbar, stellt somit eine fixe Zahlungsverpflichtung dar 37

38 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals Agent muss diese Verpflichtungen aus dem laufenden Geschäft befriedigen schafft er dies nicht, wird er an den Kapitalmarkt herantreten und muss sich somit zwangsläufig der Kontrolle der Kapitalgeber unterwerfen 38

39 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals weiterhin erfolgt eine regelmäßige Überprüfung des Agenten bei Prolongationen von Krediten durch die Banken bei einer Mittelverweigerung durch die Kreditinstitute besteht die Gefahr einer Insolvenz, einhergehend mit dem Verlust des Arbeitsplatzes und der Reputation des Agenten 39

40 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals eine hohe Verschuldung des Unternehmens erhöht gleichzeitig das Risiko des Managers/Agenten und sorgt so automatisch für eine bessere Unternehmensführung 40

41 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals die Bedeutung des Verschuldungsgrades sinkt mit der steigenden Anzahl der Eigenkapitalgeber der Aufsichtsrat hat nur dann eine Kontrollfunktion, wenn sich das Unternehmen bereits in einer Schieflage befindet 41

42 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals Management/Agent wird nur bei einem Großaktionär seitens der Gesellschafter kontrolliert, bei Kleinaktionären wäre der Aufwand viel zu groß, dadurch großer Handlungsfreiraum für Management daher eine Kontrolle seitens der Fremdkapitalgeber umso wichtiger 42

43 5. Agency-Kosten des Fremdkapitals 5.1. entscheidungsrelevante Agency-Kosten Monitoring Costs: Kosten entstehen durch die Überwachung des Agenten durch den Prinzipal Bonding Costs: Kosten entstehen durch Eingrenzung der Handlungsspielräume des Agenten Residual Loss: in Geld bewerteter Residualverlust durch eine second best Handlung des Agenten aus Sicht des Prinzipals 43

44 6. Quellen Perridon/Steiner (2002): Finanzwirtschaft der Unternehmung, München Breuer, Wolfgang (1998): Finanzierungstheorie. Eine systematische Einführung, Wiesbaden 44

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