Soziale Verantwortung in der Beschaffungspraxis der Unternehmen. Ansätze am Beispiel der Lieferketten für Bekleidung

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1 Soziale Verantwortung in der Beschaffungspraxis der Unternehmen. Ansätze am Beispiel der Lieferketten für Bekleidung Referat von Bernhard Herold «Wirtschaft Live», Zug, 7. November 2014

2 Inhalt 1. Soziale Verantwortung der Unternehmen (CSR Corporate Social Responsability): aktueller Stand der Debatte 2. Externe Einflussfaktoren 3. Reaktionen der Unternehmen 4. Lösungsansätze in den Lieferketten für Bekleidung

3 1. Verantwortungsvolle Unternehmensführung (CSR): aktueller Stand der Debatte Von Philanthropie zu ganzheitlichen Ansätzen CSR Thema gewinnt an Bedeutung in internationalen Foren Bisherige Ansätze stossen an Grenzen («audit fatigue») Forderungen nach Regulierung («level playing field») CSR bleibt sogar in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf der Agenda Unternehmen müssen sich an diese Realität anpassen

4 2. Externe Einflussfaktoren Kampagnen von NGOs ab Ende 1990er Jahre

5 2. Externe Einflussfaktoren Kampagnen von NGOs ab Ende 1990er Jahre

6 2. Externe Einflussfaktoren Rana Plaza Einsturz am Tote und 2438 Verletzte Mai 2013: Abkommen zum Brand- und Gebäudeschutz in Bangladesch (u.a. H&M, C&A, Charles Vögele) Opfer-Entschädigung schleppend

7 2. Externe Einflussfaktoren

8 2. Externe Einflussfaktoren

9 2. Externe Einflussfaktoren Entwicklungen auf internationaler Ebene: UN Global Compact (2000) OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen (2011 revidiert) ISO (2010) UNO-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte (2011, UN Guiding Principles on Business and Human Rights)

10 2. Externe Einflussfaktoren UNO-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte (erarbeitet von John Ruggie, UNO- Sonderbeauftragter für Wirtschaft und Menschenrechte) 3 Säulen: a) Pflicht der Staaten, die Menschenrechte zu schützen (auch gegenüber Bedrohungen seitens wirtschaftlicher Akteure) b) Pflicht der Unternehmen, die Menschenrechte zu respektieren c) Recht auf Wiedergutmachung im Falle erlittener Menschenrechtsverletzungen durch wirtschaftliche Akteure.

11 2. Externe Einflussfaktoren Neu: Kampagne «Recht ohne Grenzen» «Selbstregulierung allein reicht nicht»

12 2. Externe Einflussfaktoren Jüngste Entwicklungen Schweiz: Postulat APK NR : Rechtsvergleichender Bericht. Sorgfaltsprüfung bezüglich Menschenrechten und Umwelt im Zusammenhang mit den Auslandaktivitäten von Schweizer Konzernen (angenommen) : Veröffentlichung des Berichts des Bundesrats : APK-NR will Schweizer Unternehmen, die im Ausland tätig sind, zu einer Sorgfaltsprüfung im Bereich Menschenrechte und Umwelt verpflichten und hat den Bundesrat im Rahmen einer Motion beauftragt, einen entsprechenden Vorschlag auszuarbeiten.

13 3. Reaktionen der Unternehmen Hintergrund: Outsourcing in «Billiglohnländer» ab 1990er Jahre, insb. arbeitsintensive und vergleichsweise wenig anspruchsvolle Industrien (z.b. Bekleidung) Erste Reaktion auf Kampagnen/Missstände: Aufbau von Auditierungs- und Verifizierungs-Systemen (FWF, BSCI) Krise des Auditierungs-Ansatzes: Kaum nachweisebarer Impakt, hohe Kosten, «race to the bottom» bei Anbietern, Korruptionsanfälligkeit, Fabrikeinstürze, Arbeitskämpfe, Trend zu ganzheitlicheren Ansätzen, Übernahme von Verantwortung für ganze Lieferkette, Erkennung des «business case» von CSR, (langsame) Anerkennung von Existenzlohn-Ansatz

14 4. Lösungsansätze in den Lieferketten für Bekleidung Als Reaktion auf NGO-Kampagnen entstehen ab 2000 verschiedene Initiativen: Unternehmensinitiativen (z.b. BSCI) Sog. Multi-Stakeholder-Initiativen (Beteiligung von Unternehmen, Verbänden, NGOs und Gewerkschaften auf allen Entscheidebenen der Organisation. Beispiele: Ethical Trading Initiative (ETI) Fair Labour Association (FLA) Fair Wear Foundation (FWF)

15 4. Lösungsansätze in den Lieferketten für Bekleidung Business Social Compliance Initiative (BSCI) Entstanden : Revidierter Verhaltenskodex 11 Prinzipien Kritikpunkte: - Kein verpflichtender Existenzlohn - Keine externe Verifikation

16 4. Lösungsansätze in den Lieferketten für Bekleidung Fair Wear Foundation (FWF) entstanden 1999 verlangt von jedem Mitglied umfassendes Kontrollkonzept Verifikationsaudits Beschwerdemechanismus Neu: Brand Performance Check Kritikpunkt: Zwar Kontrollsystem für Existenzlohn («Lohnleiter») aber kein klarer Zeitplan für Erreichung

17

18 Factory B

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