Schwerpunktthema: Verkehrsdaten, Privatsphäre und Datenflut

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1 its-ch Swiss Platform for the Promotion of ITS Schwerpunktthema: Verkehrsdaten, Privatsphäre und Datenflut Verkehrsdaten, Privatsphäre und Datenflut Betreut durch: EPFL Bericht: 16. Mai 2013 (Partnersitzung) Verkehrs- und Mobilitätsdaten sind für die Einführung von ITS-Dienstleistungen unverzichtbar. Die Einführung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien bietet ein grosses Potenzial für die Erfassung und Übertragung mobilitätsbezogener Informationen. Die schnelle Entwicklung dieser Technologien ist vielversprechend, birgt aber auch Risiken hinsichtlich der Verwaltung grosser Datenmengen, des Eindringens in die Privatsphäre und einer missbräuchlichen Verwendung. In diesem ersten Bericht werden Probleme des Datenqualitätsmonitorings, Fragen der Zertifizierung, Methoden der Datenanonymisierung und die Möglichkeiten der Betrugsbekämpfung detailliert dargelegt. Vertreter: Name: Pierre-Yves Gilliéron Organisation: Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne Adresse: EPFL - Laboratoire de Topométrie, Station 18, 1015 Lausanne, c/o VSS Sihlquai 255 CH-8005 Zürich Telefon: Telefax:

2 Zusammenfassung Für die meisten ITS-Dienstleistungen sind Daten unverzichtbar, so z.b. für die Steuerung, Planung, Regulierung und Kontrolle des Verkehrs oder die Güter- und Personenmobilität. In den Verkehrsdatenerfassungssystemen konzentrierte man sich bislang auf die Erfassung relevanter Informationen, da der Datenerwerb kostspielig war. Die Entwicklung neuer Technologien, insbesondere in der Telekommunikation, ermöglicht nun die Erfassung zahlreicher Informationen ohne fest installierte und kostenintensive Einrichtungen. Aber diese neue Art der Datenflut verursacht auch Probleme. Die Redundanz der Daten kann eine gezielte Massnahmenkampagne nicht einfach ersetzen. Privatpersonen und Fahrzeuge werden als Träger von Telekommunikationsmitteln zu Verkehrsteilnehmern, die Informationen empfangen, übertragen und gewisse Daten auch lokal erfassen können. Dies zieht einen Paradigmenwechsel nach sich. Wir erleben einen Übergang von fest installierten Monitoringsystemen zu mobilen und miteinander kommunizierenden Empfängern. Somit dringen wir in die Privatsphäre der Nutzer ein, die bei der Datenbereitstellung nun eine aktive Rolle erhalten, im Gegenzug dafür aber Informationen bekommen, die für ihre Reisebewegungen wichtig sind. Im Rahmen dieses Schwerpunktthemas müssen also Antworten auf Fragen gefunden werden, die sich durch die immer grössere Vielfalt der Datenquellen und die zunehmende Verflechtung der Akteure (Öffentlichkeit, Dienstleister, Nutzer) stellen, und zwar angesichts der Herausforderung, die darin besteht, zuverlässige ITS-Dienstleistungen bei gleichzeitiger Respektierung der Privatsphäre der Nutzer zu erbringen. Wie werden Daten erfasst und durch wen? Wer ist verantwortlich für die Datenpflege und -speicherung? Wie werden die Daten gesichert? Werden Anonymität und Privatsphäre garantiert? Diese Fragen können sich Bürgerinnen und Bürger als Nutzerinnen und Nutzer der verschiedenen Verkehrsmittel durchaus stellen. Mit dem hier dargelegten Ansatz haben wir die Funktion und unterschiedliche Beschaffenheit der Verkehrsund Mobilitätsdaten im Rahmen der von its-ch vorgeschlagenen Zukunftsthemen definiert. Bei den in diesen Themen beschriebenen Herausforderungen spielen Daten meist eine zentrale Rolle. Das könnte bei der Bereitstellung von ITS-Dienstleistungen ein Risiko darstellen, sofern die verwendeten Daten nicht der erforderlichen Qualität entsprechen. In dieser ersten Analyse werden Vorschläge zur Vertiefung gemacht, die grösstenteils den im Rahmen der Zukunftsthemen identifizierten Herausforderungen entsprechen (its-ch, 2010): - Methoden und Instrumente für das Qualitäts-Monitoring der Verkehrs- und Mobilitätsdaten. - Zertifizierung der Daten für sicherheitsrelevante Anwendungen oder Anwendungen mit rechtlichen oder kommerziellen Auswirkungen. - Mechanismus der Datenanonymisierung und -sicherung. - Betrugsbekämpfung und Bekämpfung der missbräuchlichen Verwendung von Daten. Diese Vertiefungsvorschläge umfassen Forschungsthemen, die über rein fachliche Überlegungen hinausgehen und neue, grundlegende Fragen zur Funktion der Daten im Kontext der Mobilität in unserer Gesellschaft aufwerfen. Wir unterstützen die interdisziplinäre Forschung, die sich mit Aspekten des Ingenieurwesens, der Informations- und Kommunikationswissenschaften, aber auch mit Themen der Geistes- und Sozialwissenschaften befasst. 1. Lage und Entwicklung Die Thematik der Verkehrsdaten ist breit gefächert und findet sich in den meisten ITS-Dienstleistungen und -Anwendungen wieder. Bevor wir den prospektiven Ansatz für diese Schlüsselthematik genauer darlegen, ist es erforderlich, einige nützliche Definitionen anzuführen, um den Entwicklungsstand beschreiben zu können. 1.1 Definitionen In diesem Teil des Berichts werden 2 für die Verkehrsdaten und den Verkehr spezifische Gruppen von Konzepten beschrieben. In der ersten Gruppe wird die Funktion der Daten, d.h. deren Verwendung innerhalb 2/10

3 der einzelnen Themenbereiche, beschrieben. In der zweiten Gruppe wird die Beschaffenheit der Daten beschrieben, und zwar entweder mittels ihrer Eigenschaften oder durch die Auswirkungen, die sie auf die verschiedenen Akteure (Datenverwalter, Behörden, Nutzer) haben Funktion der Daten - Dokumentation, Historisierung: Dank der Daten kann ein Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt oder über einen Zeitraum hinweg beschrieben werden. Durch die Daten muss es möglich sein, Situationen aus der Vergangenheit zu rekonstruieren oder Statistiken zu erstellen (Beispiel: Entwicklung des Verkehrs auf einem bestimmten Strassenabschnitt). - Information (der Nutzer): Meldungen, durch welche die Nutzer der Verkehrsnetze informiert werden können. Sie enthalten zusammenfassende Informationen zur aktuellen Verkehrslage, zu Vorfällen etc. - Modellierung: Durch (statische und dynamische) Basisdaten können Verkehrs- und Beförderungsmodelle mit Daten gefüttert werden. Diese müssen es ermöglichen, eine Vielzahl verkehrsrelevanter Aspekte modellhaft darzustellen. - Planung: Dank der Daten können Pläne zur Mobilität und zum Verkehrs- und Beförderungsmanagement erstellt werden. - Management: Dank der Daten können Verkehrsnetze auf verschiedenen Ebenen (Knoten, Achse, Netz) und mit unterschiedlichen Zielsetzungen (Operation, Ereignis, Verkehr,...) gesteuert werden. - Monitoring: Diese Daten werden zur Überprüfung der Umsetzung einer Managementmassnahme oder zur Nachverfolgung eines Ereignisses genutzt. - Regulierung: Diese Daten werden genutzt, um Massnahmen einzuleiten, durch die der Verkehr zwecks Sicherstellung eines regelmässigen Verkehrsflusses begrenzt werden kann. - Überwachung, Kontrolle, «Enforcement»: Dank dieser Daten kann überprüft werden, ob die Verkehrsteilnehmer die Verkehrsregeln und andere Regulierungsmassnahmen einhalten. - Rechtlich, juristisch: Dank dieser Daten kann eine rechtliche Möglichkeit oder Massnahme begründet werden. - Wirtschaftlichkeit, Tarifgestaltung: Diese Daten werden verwendet, um Kosten zu berechnen oder Rechnungen für die Nutzung einer Infrastruktur beziehungsweise eines Verkehrsmittels zu erstellen Beschaffenheit der Daten Unter Beschaffenheit der Daten werden Gruppen von Metadaten verstanden, in denen alle Eigenschaften der jeweiligen Einzeldaten zusammengefasst werden. Dadurch können diese Einzeldaten den Anforderungen einer Dienstleistung oder eines Fachbereichs entsprechen. - Gemessene Grösse: Durchfahrtszeit, Geschwindigkeit, Fluss, Position,... - Typ: Rohdaten (raw data), transformiert, aggregiert,... - Qualität: räumliche Genauigkeit, zeitliche Genauigkeit, Vollständigkeit, Aktualität, logische Kohärenz - Zeitaspekte: Echtzeit, Zeitraum, Historie - Vertraulichkeit: öffentlich, privat, beschränkter Zugriff - Sicherheit: Schutzniveau, Betrugs- und Fälschungssicherheit - Interoperabilität: Fähigkeit, mit mehreren Systemen zusammenzuwirken - Juristisch: Beschaffenheit, Zugriffsrecht, Weitergabe, Verantwortung, Datenschutz, Persönlichkeitsschutz Zusätzlich zur Beschaffenheit der Daten können für bestimmte Operationen zu beachtende technische Aspekte hinzugefügt werden, z.b. der Typ der Datenerfassungssensoren, die Telekommunikationsmittel, die Art der Datenverbreitung (Internet) sowie die Arten der Datenbearbeitung und der Informationsdarstellung (Sétra, 1/2012). 1.2 Entwicklung in der Schweiz - Durch die Entwicklung der Informationstechnologien wurde die Politik der Verbreitung öffentlicher und privater Daten vorangetrieben. Diese Entwicklung wurde insbesondere durch den Siegeszug der digitalen Informationsverbreitung ermöglicht (EPFL-TOPO, 2008). 3/10

4 - In der Schweiz stellt das Geoinformationsgesetz (GeolG) den Rahmen für die Erfassung und Weitergabe von Geodaten sowie die Bereitstellung von Geodiensten dar. Dadurch ist es unter anderem möglich, auf nationaler Ebene eine Geodaten-Infrastruktur zu schaffen. Der Bund kann somit eine gewisse Menge an Basisdaten frei zur Verfügung stellen. - Im Strassenverkehrswesen wächst die Nachfrage nach Anwendungen auf der Grundlage von Informationssystemen stetig, was das ASTRA zur Entwicklung des Projekts MISTRA sowie verkehrsmanagementbezogener Anwendungen veranlasst hat. Diese Systeme nutzen gemeinsame Basisdaten (z.b. aus den TomTom-Navigationsdaten stammende geometrische und topologische Strassennetzdaten) und teilen sich verschiedene Daten (z.b. Statistiken und Verkehrszählungsdaten). - Die in der Mobiltelefonie eingesetzten Technologien ermöglichen die Einführung von Diensten, die sich auf Lokalisierung stützen. Damit können die Betreiber anonyme Standortdaten der Nutzer für bestimmte Zwecke verwenden. Dies ist insbesondere bei Diensten wie TomTom/livetraffic zur Evaluierung der Verkehrsdichte der Fall (TomTom, 2013). - Die Frage des Schutzes der Privatsphäre wird in der Schweiz, wo man bestrebt ist, dieses Prinzip zu garantieren, sehr ernst genommen (z.b. Google Street View). Das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS) ist sich dieser Gefahren bewusst und hat eine Studie mit dem Titel «Lokalisiert und identifiziert. Wie Ortungstechnologien unser Leben verändern» durchgeführt (TA- SWISS, 2012), (Hilty L et al, 2012). Diese Studie zeigt, dass der Datenschutz ein Qualitätsmerkmal ist und integraler Bestandteil aller angebotenen Dienstleistungen sein sollte. 1.3 Entwicklung in Europa - In Europa gibt es im Rahmen der Einführung von Geodateninfrastrukturen ähnliche Initiativen, die dazu dienen sollen, den Austausch zwischen den Institutionen zu fördern. Die europäische Richtlinie zur Schaffung einer Geodateninfrastruktur in der Europäischen Gemeinschaft (INSPIRE) strebt die Harmonisierung der Geodaten mit dem Ziel an, öffentliche Daten frei verfügbar machen zu können (EU-Kommission, 2007). - Bezüglich der Verkehrstelematik beschreibt der ITS-Aktionsplan diverse Bereiche, in welchen Verkehrs- und Mobilitätsdaten eine Schlüsselrolle spielen (EU-Kommission, 1/2008, 2/2008, 2010, 1/2011). Dazu zählen zum Beispiel die folgenden Bereiche: 1: optimal use of traffic and travel data (optimale Verwendung von Verkehrs- und Reisedaten); 2: continuity of services (Kontinuität der Dienstleistungen); 5: data security, protection and liability issues (Datensicherheit, Aspekte des Datenschutzes und der rechtlichen Haftung). Nationale ITS-Pläne greifen diese Prinzipien wieder auf, beschreiben die zum heutigen Zeitpunkt wichtigsten Schwachstellen (Zugang zu Daten, Zuverlässigkeit) und schlagen vor, was zu tun ist, um die Daten zuverlässiger zu machen, den Zugriff auf sie zu erleichtern und die Qualität der damit verbundenen Dienste zu gewährleisten. Diese Prinzipien findet man ebenfalls im Projekt EasyWay zur Einführung harmonisierter ITS-Dienstleistungen wieder (EU-Kommission, Generaldirektion Mobilität und Verkehr - MOVE, 2001). - Organisatorisch gesehen haben wir es mit einer Vielzahl an (öffentlichen und privaten) Akteuren zu tun. Das macht die Entwicklung von Wirtschaftsmodellen komplexer, insbesondere in Anbetracht einer möglichen Deregulierung des Datenzugangs. Die Frage der Verantwortlichkeit bleibt für die ITS-Gemeinschaft ein zentrales Thema, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung von Sicherheitsdienstleistungen. 2. Vertiefungsthemen In diesem Kapitel werden die wichtigsten Elemente der in den Schwerpunktthemen von its-ch identifizierten Herausforderungen aufgegriffen und mit der Funktion und/oder Beschaffenheit der Verkehrs- und Mobilitätsdaten in Bezug gesetzt. Auf der Grundlage dieser Synthese ergeben sich diverse Forschungsthemen, die zur Vertiefung vorgeschlagen werden. 2.1 Zusammenfassung der von its-ch identifizierten Themen 4/10

5 Bei der Strassenverkehrssicherheit spielen die Daten eine Rolle im Überwachungs- und Kontrollprozess. Zukünftig wird es dank der Blackboxes vom Typ EDR (Event Data Recorder) möglich sein, mit diesen Daten eine Dokumentation und Historie der Fahrstrecke und -parameter zu erstellen. In Anbetracht der Herausforderungen, die sich einerseits durch das Spannungsfeld zwischen Sicherheitsanforderungen und Fahrpraxis und andererseits in Bezug auf die Verantwortung der Fahrzeugführer und -hersteller ergeben, stellen sowohl die Qualität der aufgezeichneten Daten als auch rechtliche Aspekte die grössten Risiken für ein angemessenes, sicherheitsrelevantes Datenmanagement dar. Für das «mobility pricing» sind Zuverlässigkeit und Sicherheit der Daten sowie Achtung der Privatsphäre die Grundlagen für die Entwicklung eines zuverlässigen Zahlungssystems, dem der Nutzer uneingeschränkt vertrauen kann. Die Effizienz eines solchen Systems beruht unter anderem auf seiner Betrugssicherheit und Sicherheit gegenüber missbräuchlicher Verwendung. Die Herausforderung der Multimodalität besteht darin, dass mehrere Informations- und Tarifgestaltungssysteme nebeneinander bestehen und harmonisiert werden sollen. Aus diesem Grund ist die Interoperabilität der Informationssysteme und die Integration von Daten aus unterschiedlichen Quellen ein Aspekt, der bei der Entwicklung von Systemen, die in Echtzeit viele anspruchsvolle Nutzer gleichzeitig informieren sollen, berücksichtigt werden muss. Datenqualität und Datenaktualisierung sind hierbei die Schlüssel zum Erfolg. Die Gegenüberstellung von Kapazitäten der Verkehrswege und Umweltzielen erfolgt mittels einer Evaluierung der Auswirkungen, die angemessen quantifiziert und zuverlässig belegt werden müssen. Techniken zur Messung und Überwachung der Mobilität und der umweltrelevanten Auswirkungen spielen also bei der Bewertung der Beiträge, welche die ITS zur Verringerung der Umweltbelastung leisten können, eine massgebliche Rolle. Eine hohe Verfügbarkeit von ITS-Dienstleistungen erfordert die Entwicklung von Interoperabilitäts- sowie Datenaustausch-Konzepten, die von Bruttodatenerfassungsprotokollen für Sensoren bis hin zu Schnittstellen und fertig aufbereiteten Meldungen für Benutzer alles umfassen. In diesem Zusammenhang ist die Abstützung auf Standards für Datenmodellierungen und auf die räumlichen sowie zeitlichen Prozesse grundlegend, um gewährleisten zu können, dass die Informationssysteme dauerhaft funktionieren und die ITS- Dienstleistungen kontinuierlich zur Verfügung stehen. Synergien zwischen der Automobilindustrie und dem Infrastrukturbereich verstärken sich in dem Masse, wie kooperative Systeme entwickelt werden. Diese Systeme erlauben es den Fahrzeugen, untereinander und mit der Infrastruktur zu kommunizieren. Die Vergemeinschaftung von Fahrzeug- und öffentlichen Strassendaten wirft neue juristische Fragen zum Datenschutz, zur Weitergabe von Daten, zur Informationsstrategie, zur Verkehrsregulierung und zur Verkehrsüberwachung auf. Schliesslich wird auch die Akzeptanz der innovativen ITS-Lösungen durch die Öffentlichkeit eng verknüpft sein mit dem Gefühl, dass die Nutzer fair behandelt werden und die Privatsphäre uneingeschränkt respektiert wird. Somit müssen Massnahmen getroffen werden, die es ermöglichen, die persönlichen Daten zu schützen und gleichzeitig die Vorteile, die ITS für die Bevölkerung mit sich bringen, objektiv darzustellen. 2.2 Identifizierung von Vertiefungsthemen Die Vertiefungsvorschläge ergeben sich aus der Funktion und Beschaffenheit der Daten, wie sie grösstenteils in den Herausforderungen im Rahmen der Zukunftsthemen wiederzufinden sind. Hier muss eine erste Auswahl getroffen und abgewägt werden, welche Synergien mit anderen Schwerpunktthemen wie zum Beispiel dem mobility pricing möglich sind. Für jeden Vorschlag wird zuerst die wichtigste Begründung beschrieben, dann ein Postulat formuliert und schliesslich werden einige Fragen für die Forschung erarbeitet. - Methoden und Instrumente zum Qualitäts-Monitoring der Verkehrs- und Mobilitätsdaten. - Zertifizierung der Daten für sicherheitsrelevante Anwendungen oder Anwendungen mit rechtlichen oder kommerziellen Auswirkungen. 5/10

6 - Mechanismus der Datenanonymisierung und -sicherung. - Betrugsbekämpfung und Bekämpfung der missbräuchlichen Verwendung von Daten. o Qualitäts-Monitoring Begründung Die Datenqualität ist ein immer wiederkehrendes Thema, wenn es um Informationssysteme geht, welche als Grundlage für Entscheidungsfindungen genutzt werden. Daten aus vielerlei Quellen werden in Telematiksysteme eingespeist. Die kohärente Kombination der Daten unterschiedlicher Qualität stellt jedoch eine grosse Herausforderung dar. Daher scheint es unerlässlich, ein Qualitätsmonitoringkonzept zu entwickeln, das auf unterschiedliche Umsetzungs- und Einsatzebenen anwendbar ist. Die Entwicklung von Monitoring-Tools sollte es ermöglichen, Qualitätsmängel zu identifizieren und Massnahmen zu deren Behebung einzuleiten. Postulat Die Definition der Grundsätze für die Qualitätskontrolle der Verkehrs- und Mobilitätsdaten ist ein grundlegender Aspekt für die Entwicklung und Förderung der ITS-Dienstleistungen, denen die Nutzer vertrauen. Forschungsfragen - Welche Qualitätskontrollkonzepte sind für Verkehrsdaten anzuwenden? - Welche Metrik oder welcher statistische Ansatz muss in Betracht gezogen werden? - Welche Organisationsstruktur ist aufgrund der unterschiedlichen Datenquellen (privat/öffentlich) erforderlich? o Datenzertifizierung Begründung In manchen Berufsfeldern tragen die Daten dazu bei, dass die Erledigung bestimmter Aufgaben oder die Ausübung von Rechten überhaupt sichergestellt werden können (z.b. amtliche Vermessungsdaten, die das Grundeigentum gewährleisten). Für ITS-Anwendungen mit rechtlichen oder kommerziellen Auswirkungen müssen Daten verwendet werden können, deren Qualität den Herausforderungen und Risiken ihrer Verwendung entspricht (z.b. Erhebung einer Abgabe). Postulat Alle ITS-Dienstleistungen mit Sicherheitsbezug oder rechtlichen Auswirkungen müssen auf unanfechtbaren und vorab zertifizierten Daten beruhen. Forschungsfragen - Auf welchen rechtlichen und fachlichen Grundlagen könnten die Daten zertifiziert werden? Welche Art von Daten und auf welcher Aggregationsstufe? - Welche Tools und Standards müssen im Hinblick auf eine Datenzertifizierung entwickelt werden? - Welche Organisation könnte ein solches Verfahren entwickeln und zu welchem Preis? o Anonymisierung der Daten Begründung Nutzer sind bei der Frage, für welche Zwecke ihre Daten verwendet werden, sensibel. Die Einführung der Mobiltelefonie mit ihren Möglichkeiten der Informationserfassung und -übermittlung hat das Risiko einer Verwendung der Daten unter Nichtbeachtung der Privatsphäre noch vergrössert. Dieses Risiko besteht auch bei der Einführung von ITS-Dienstleistungen und es müssen daher vorab Massnahmen bestimmt werden, durch welche der Grundsatz des Schutzes der Privatsphäre garantiert wird. Postulat Wenn die Bevölkerung Vertrauen in die Verwendung persönlicher Daten durch ITS-Dienstleistungen haben soll, muss die Privatsphäre durch die Garantie einer anonymen und gesicherten Datenverwendung uneingeschränkt geschützt sein. Forschungsfragen - Wie kann man eine angemessene Verwendung persönlicher Daten sicherstellen? 6/10

7 - Welche Tools könnten es dem Nutzer ermöglichen, seine Daten zu kontrollieren (Anonymisierung, Speicherung, Weitergabe)? - Durch welche rechtlichen Schritte können persönliche Daten im Bereich der Mobilität besser geschützt werden? o Betrugsbekämpfung Begründung Mobile Bezahlsysteme bergen insbesondere dann ein gewisses Betrugsrisiko, wenn sich das Rechnungswesen auf Daten stützt, die elektronisch erfasst und übertragen werden. Es ist daher bereits bei der Ausarbeitung solcher Systeme erforderlich, jede mögliche Art des Betrugs oder des missbräuchlichen Eindringens in das System in die Überlegungen mit einzubeziehen. Postulat Alle durch Menschen entwickelten Systeme haben Schwachstellen. Deshalb muss der Einsatz dieser Systeme von Anfang an zwingend mit der Umsetzung von Betrugsbekämpfungsmassnahmen einhergehen. Forschungsfragen - In welchem organisatorischen und rechtlichen Rahmen kann die Betrugsbekämpfung erfolgen? - Welche Überwachungsmechanismen müssen eingeführt werden, um Betrug oder missbräuchliche Verwendung von Daten aufzudecken? 7/10

8 3. Weitere Aktivitäten In diesem Kapitel werden die oben erwähnten Themen wieder aufgegriffen und die Prioritäten sowie die umzusetzenden Massnahmen definiert. Das Thema des Qualitäts-Monitorings hat oberste Priorität und diverse diesbezügliche Aktivitäten werden vorgeschlagen. 3.2 Prioritäten In diesem Teil werden einige mögliche Massnahmen im Rahmen der identifizierten Vertiefungsthemen aufgeführt und Prioritäten für ihre nähere Untersuchung gesetzt. [Tabelle 1] Liste der Themen- und Massnahmenvorschläge Thema Art der Massnahme Priorität Qualitäts-Monitoring - Konzepte, Normierung 1 - Entwicklung von Tools Datenzertifizierung - Organisatorische und rechtliche Aspekte 2 - Entwicklung von Tools und Verfahren Anonymisierung der Daten - Entwicklung von Tools 3 - Entwicklung von Kontrollmechanismen Betrugsbekämpfung - Organisatorische und rechtliche Aspekte 3 - Entwicklung von Diagnosetools - Entwicklung von Konzepten 3.1 Aktivitäten im Bereich des Qualitäts-Monitorings Die im Rahmen des ersten Themas anvisierten Aktivitäten umfassen unter anderem folgende kurz- und mittelfristige Massnahmen: - Organisation einer Tagung (its-ch - Tagung) im Herbst 2014, im Rahmen derer die Thematik rund um Verkehrs- und Mobilitätsdaten abgesteckt und entwickelt werden soll (Programm in Bearbeitung). - Teilnahme an nationalen und internationalen Treffen zum Thema Verkehrsdatenerfassung und -management (z.b. Seminar IFSTTAR, SETRA, CERTU vom zum Thema «véhicule traceur comme capteur de données trafic» (Fahrzeuge als Verkehrsdaten-Erfassungsgeräte). - Errichtung einer aus Mitgliedern der VSS-FK9 und des ASTRA bestehenden Arbeitsgruppe, die Forschungsprojekte zur Datenqualität auf dem Gebiet der Verkehrsinformation definiert. - Auflistung der wichtigsten Projekte, Richtlinien und Normen zur Datenqualität und deren Beurteilung. - Identifikation der betroffenen und für die Herausforderungen des jeweiligen Themas repräsentativen Hauptakteure. - Koordinierung des Themas «Verkehrsdaten» mit den weiteren Schwerpunktthemen. 8/10

9 4. Bibliographie In diesem Kapitel werden die wichtigsten in Europa durchgeführten Projekte und Initiativen vorgestellt, bei denen Verkehrs- und Mobilitätsdaten eine vorrangige Rolle spielen. 4.1 Artikel und technische Berichte Its-ch (2010), Intelligente Transport Systeme für die Schweiz: Themen der Zukunft TA-SWISS (2012). Geographische Wegmarken in der Cyberwelt Hilty L. et al (2012), Lokalisiert und identifiziert, Studie von TA_SWISS, VDF-ETHZ TomTom (2013), The fast growing role in-car systems in traffic management EPFL-TOPO (2008), NAVAROU: Potentiel d'utilisation des données routières de la navigation automobile pour l'entretien routier. VSS-Bericht 1213 VTI, Grumert E (2011), Cooperative systems. An overview, 2011 Torday A (2005), Elaboration d un système de navigation auto-alimenté et évaluation de ses performances, Dissertation, EPFL Nr Sétra (2011), Transports intelligents. Etat des lieux et perspectives. Liens avec la Directive 2010/40, Studienbericht Sétra (1/2012), Les échanges de données pour l exploitation de la route. Présentation de Datex II Sétra (2/2012), Fiabilité des temps de parcours éléments de valorisation économique EU Kommission (2007), Richtlinie 2007/2/EG zur Schaffung einer Geodateninfrastruktur in der Europäischen Gemeinschaft (INSPIRE) EU-Kommission, DG MOVE (2011), EasyWay Deployment Guidelines. A contribution to harmonised ITS services on TEN-T roads EU-Kommission (1/2008), Aktionsplan zur Einführung intelligenter Verkehrssysteme in Europa EU-Kommission (2/2008), Vorschlag für eine Richtlinie zur Festlegung eines Rahmens für die Einführung intelligenter Verkehrssysteme im Straßenverkehr und für deren Schnittstellen zu anderen Verkehrsträgern EU-Kommission (2010), Richtlinie 2010/40/EU, Rahmen für die Einführung intelligenter Verkehrssysteme im Straßenverkehr und für deren Schnittstellen zu anderen Verkehrsträgern EU-Kommission (1/2011), Beschluss der Kommission zur Annahme des Arbeitsprogramms für die Anwendung der Richtlinie 2010/40/EU EU-Kommission (2/2011), GD MOVE, ITS in Action - Action plan and legal framework for the deployment of ITS in Europe EU, DG M&T, van de Ven T, Wedlock M (2011), ITS Action plan, D8 Study regarding guaranteed access to traffic and travel data and free provision of universal traffic information EU, DG M&T, van den Ven, Long J (2011), ITS Action plan, D7 Action 1.3 Availability of public data for digital maps ITS, US DoT, S. Turner (2002), Defining and measuring traffic data quality EC-JRC, G. Leduc (2008), Road traffic data: collection methods and applications, technical notes IPTS 9/10

10 4.2 Forschungsprojekte und Initiativen [Tabelle 2] Liste der wichtigsten Forschungsprojekte Ref. Projekt/Initiative Beschreibung [its-ap] ITS Aktionsplan /action_plan_en.htm Aktionsplan zur Einführung intelligenter Verkehrssysteme in Europa [easy] [ins] [rosa] [com] [CVIS] [modap] [quant] Easyway INSPIRE ROSATTE COMeSafety CVIS MODAP QUANTIS Projekt als Antwort auf das Bedürfnis einer schnellen und koordinierten Einführung intelligenter Verkehrssysteme in Europa Richtlinie zur Schaffung einer Geodateninfrastruktur in der Europäischen Gemeinschaft Datenaustauschinfrastruktur zur Übertragung sicherheitsrelevanter Attribute digitaler Straßenkarten zwischen den Behörden und den Navigationskartenherstellern Forum für die Einführung von Kommunikationssystemen in den kooperativen Sicherheitsanwendungen. Tests von Technologien für die Kommunikation zwischen Fahrzeugen (V2V) sowie zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur (V2I) Coordination Action: Mobility, data Mining and Privacy QUANTIS - Quality Assessment and Assurance Methodology for Traffic Data and Information Services 10/10

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