Interventionszins-Strategie

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1 Interventionszins-Strategie Ausgangssituation...1 Fazit...2 Zahlenbeispiel-Erläuterungen...2 Beispiel A: Portfolio ohne Sicherung...3 Beispiel B: Portfolio mit sofortiger Zinssicherung...4 Beispiel C: Portfolio mit Interventionszins-Strategie...5 Ausgangssituation Das aktuelle Zinsniveau zeigt sich im Zuge der Finanzkrise weiterhin sehr niedrig, insbesondere im Bereich des Geldmarktes (EONIA / Euribor bis 12 Monate). Die Preise für eine mittel- als auch langfristige Zinssicherung sind im historischen Vergleich ebenfalls günstig, aber deutlich teurer als der Geldmarkt. Die steile Zinsstrukturkurve ist ein Indiz dafür, dass der Markt einen sofortigen, deutlichen Zinsanstieg erwartet. Allerdings erwartet der Markt bereits seit fast sechs Monaten diesen Zinsanstieg. Bislang ist dieser jedoch noch nicht eingetreten. Für diejenigen, die grundsätzlich mit einem moderaten Zinsanstieg rechnen, aber gleichzeitig davon ausgehen, dass dieser nicht sofort stattfindet, stellt sich folgende Frage: Soll ich bereits heute die Zinsen sichern oder weiter abwarten und Zinskosten sparen? Mit einer sofortigen Zinssicherung kann das aktuell günstige Niveau für die jeweils vereinbarte Laufzeit gesichert werden. Allerdings führt dies im Gegenzug zu einer direkten Erhöhung der Finanzierungskosten: Die Kosten eines Festzinskredites oder Swaps für beispielsweise eine 4-jährige Laufzeit betragen gegenwärtig rd. 2,5%, und sind somit deutlich teuerer als eine alternative Finanzierung auf Basis des 3- Monats-Euribors (rd. 0,6%). Der Abschluss eines Festzinssatzes erhöht den Zinsaufwand somit unmittelbar um 1,9%! Eine alternative Zinssicherung mit einem Cap (Zinsversicherung) auf eine Obergrenze von 3% bei ebenfalls 4-jähriger Laufzeit verursacht aktuell Einmalkosten von ca. 2%. Diese sind ebenfalls dem Zinsaufwand zuzurechnen und müssen über die Laufzeit verteilt werden. Interventionszins-Strategie Makrofinance Software GmbH Seite 1 von 5

2 Wer abwartet und keine Sicherung einkauft, kann von dem aktuell günstigen Geldmarktzins weiter partizipieren. Es fallen keine Zusatzkosten an, jedoch besteht die Gefahr den Zeitpunkt für eine vergleichsweise günstige Zinssicherung zu verpassen. An dieser Stelle setzt die Interventionszins-Strategie an: Die aktuelle Finanzierung wird weiter als Euribor-Kredit geführt (mindestens ein Jahr) um vom günstigen Niveau eines gleichbleibenden oder nur leicht steigenden Geldmarktes zu profitieren. Gleichzeitig wird ein Schwellenwert (Interventionszinssatz) definiert, bei dessen Erreichen durch eine vorgezogene Zinssicherung automatisch interveniert wird. Dieser Interventionszinssatz wird nach einer einfachen Logik festgestellt, beispielsweise in Abhängigkeit vom aktuellen Preis für einen Forward-Swap (hier: Vorlaufzeit 1 Jahr mit anschließender Swaplaufzeit 3 Jahre). Der Preis hierfür beträgt im Moment rd. 2,9%. Parallel zu der fortgeführten Euribor-Finanzierung wird nun regelmäßig der aktuelle Preis für eine feste Laufzeit von 3 Jahren beobachtet. Interveniert wird, sobald der Zinssatz für eine sofortige Laufzeit von 3 Jahren (entgegen der eigenen Erwartung) die Marke von 2,9% erreicht. Nun wird die bestehende variable Euribor-Finanzierung in eine Finanzierung mit fester Laufzeit umgewandelt. Dadurch wird gewährleistet, dass im Fall einer zukünftigen Intervention der Zinssatz für die dann getätigte Festfinanzierung nicht teurer ist als der Abschluss eines Forwards zur heutigen Kondition von 2,9%. Voraussetzungen für die Interventionszins-Strategie sind: Auf das Portfolio angepasste Auswahl des Interventionszinssatzes (Tilgung, Volumen, Laufzeit) Eigene Zinserwartung Vorbereitung der für die Intervention vorgesehen Kredite, damit diese ohne Zeitverzögerung erfolgen kann (synchronisieren) Fazit Beide Vorgehensweisen, sowohl eine sofortige Zinssicherung als auch die Interventionszins-Strategie, haben einen signifikanten Sicherungseffekt. Die Interventionszins-Strategie hingegen hält die Möglichkeit offen, von einem weiterhin günstigen Geldmarktzins mit niedrigen Zinskosten zu profitieren, während eine sofortige Sicherung mit einer unmittelbaren Zinsmehrbelastung verbunden ist. Zahlenbeispiel-Erläuterungen Das auf den nächsten Seiten beschrieben Zahlenbeispiel stellt die Kosten- und Risikowirkung einer sofortigen Zinssicherung dem Ergebnis der Interventionszins-Strategie anhand eines vereinfachten kommunalen Schuldenportfolios gegenüber. Legen Sie am Besten dazu die einzelnen Seiten nebeneinander. In diesem Beispiel haben wir als Ausgangssituation ein typisches Portfolio gewählt, bei welchem ein Großteil der Kredite mit einem festen Zinssatz gesichert ist, ein weiter Teil variabel verzinst wird. In Anbetracht der aktuellen Zinssituation haben wir als eigene Zinsprognose ein moderat ansteigendes Zinsniveau unterstellt (Prog). Zur Disposition steht nun die Frage, den variablen Kreditanteil ungesichert zu lassen (Beispiel A), oder mit sofortiger Wirkung gegen einen Zinsanstieg abzusichern (Beispiel B). Dem gegenüber steht als völlig neue Alternative die Interventionszins-Strategie (Beispiel C), wo durch die Definition des Schwellenwertes gleichzeitig eine Sicherungswirkung und ein Einspareffekt erzielt werden. Interventionszins-Strategie Makrofinance Software GmbH Seite 2 von 5

3 Beispiel A: Portfolio ohne Sicherung Das Portfolio hat ein Investitionskreditvolumen von 30 Mio., die im Durchschnitt zu 4% zinsgesichert sind. Darüber hinaus bestehen weitere 10 Mio. (bisher ungesicherte) Investitions- und/oder Kassenkredite auf variabler Basis des 3-Monats-Euribors. 10 Mio. ungesicherte Euribor-Kredite (Kasse und/oder Investitionskredite) 30 Mio. mit Ø 4% zinsgesicherte Investitionskredite Die grüne Fläche stellt das gesamte Kreditvolumen dar, welches durch die vertraglich vereinbarten Tilgungen mit voranschreitender Zeit verringert wird. Die rote Linie trennt das Kreditvolumen in einen festverzinslichen Anteil (unterhalb siehe auch Prozentanteil in der Tabelle) und den von der Marktentwicklung abhängigen Anteil (oberhalb). Risiko: Je nach Zinsentwicklung variiert die zukünftige Ø für das Gesamtportfolio aktueller Ø-Zins 3,18% für das Gesamtportfolio Der Verlauf der farbigen Linien zeigt den durchschnittlichen Zinsaufwand unter dem Einfluss unterschiedlicher zukünftiger Marktzins-Entwicklungen. Was wäre, wenn gleich das Zinsniveau sich nicht verändert? Invers das Zinsniveau, insbesondere der Geldmarkt, stark steigt? Forward der Zinsmarkt sich entsprechend der Markterwartung entwickelt? Prog ein verzögerter Zinsanstieg stattfindet (hier: Beispiel für eigene Erwartung)? Die Tabelle zeigt in Tausend Euro den durchschnittlichen zukünftigen Zinsaufwand für das jeweilige Betrachtungsjahr. Konkret: für das Jahr 2011 kann der Zinsaufwand je nach Entwicklung des Zinsmarktes zwischen und schwanken. Diese mögliche Aufwandsdifferenz von entspricht dem Zinsrisiko. Folglich besteht Handlungsbedarf, dieses Risiko einzugrenzen. Interventionszins-Strategie Makrofinance Software GmbH Seite 3 von 5

4 Beispiel B: Portfolio mit sofortiger Zinssicherung Für die 10 Mio. (bisher ungesicherten) Investitions- und/oder Kassenkredite auf variabler Basis des 3- Monats-Euribors wird zur Zinssicherung ein Festzins-Zahler-Swap mit einer 4-jährigen Laufzeit abgeschlossen. Der Preis für die Zinssicherung beträgt 2,50%. Die sofortige Zinssicherung erhöht den von der Marktentwicklung unabhängigen festverzinslichen Anteil auf 100% für den Sicherungszeitraum von 4 Jahren Die Zinsbelastung ist unabhängig von der Zinsentwicklung fest bei rd. 3,6% => Null-Risiko / Null-Chance der aktuelle Ø-Zins steigt unmittelbar von 3,18% auf 3,62% an Kosteneffekt (Vergleich mit Beispielportfolio A) In dem (nicht erwarteten) Fall eines deutlichen, sofortigen Zinsanstiegs (Invers oder Forward) reduziert sich die Kostenbelastung gegenüber dem ungesicherten Portfolio je nach Anstiegsverlauf deutlich. Der gewünschte Sicherungseffekt wird erreicht. Auch in dem Falle einer günstigen und erwarteten Zinsentwicklung (gleich oder Prog) ist der vereinbarte Festzins zu zahlen. Da der Festzins von 2,5% deutlich teurer ist als der abgelöste 3-Monats-Euribor von 0,6% entsteht ein sofort wirksamer Mehraufwand (z.b. 2010: gleich ; Prog ). Die Sicherung ist nicht kostenneutral. Interventionszins-Strategie Makrofinance Software GmbH Seite 4 von 5

5 Beispiel C: Portfolio mit Interventionszins-Strategie Die 10 Mio. (bisher ungesicherten) Investitions- und/oder Kassenkredite auf variabler Basis des 3-Monats- Euribors werden variabel weitergeführt. Sobald der der 3-Jahres-Satz den Schwellenwert von 2,90% erreicht, wird das Volumen unmittelbar mit einem 3-Jahres-Swap (Festzins 2,90%) zinsgesichert. Je nach Entwicklung am Zinsmarkt erfolgt eine Festzinsintervention für die 10 Mio. ungesicherten Euribor-Kredite. Der Sicherungshorizont ist je nach Interventionszeitpunkt bis zu 4 Jahre. Die Maximalbelastung beträgt rd. 3,7% (nach einer Intervention) Im Fall der erwartet (günstigen) Zinsentwicklung bleibt die Zinsbelastung unverändert niedrig der aktuelle Ø-Zins bleibt unverändert bei 3,18% Kosteneffekt (Vergleich mit Beispielportfolio A) Im Falle einer günstigen Zinsentwicklung (gleich oder Prog) erfolgt keine Intervention, das Portfolio partizipiert weiter von dem günstigen Geldmarkniveau. Es treten keine zusätzlichen Belastungen durch Sicherungs- Mehrkosten auf. Die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt zu sichern, bleibt weiterhin erhalten. Die Sicherung bleibt im erwarteten Fall kostenneutral. Im Falle eines deutlicheren, sofortigen Zinsanstiegs (Invers oder Forward) erfolgt eine Intervention innerhalb eines Jahres. Das Portfolio wird vor einem weiteren Zinsanstieg abgesichert. Die Kostenbelastung wird gegenüber dem ungesicherten Portfolio je nach Anstiegsverlauf deutlich reduziert (siehe Kosteneffekt). Der gewünschte Sicherungseffekt wird erreicht. Interventionszins-Strategie Makrofinance Software GmbH Seite 5 von 5

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