Gesundheitsfragen bei Versicherungen Exakte Angaben zahlen sich aus

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1 in Kooperation mit dem Finanzportal biallo.de Von Annette Jäger 01/14 Gesundheitsfragen bei Versicherungen Exakte Angaben zahlen sich aus Ob man unter chronischen Rückenbeschwerden leidet oder unter Heuschnupfen, eine Ehe-Therapie hinter sich hat oder mit Prüfungsstress kämpft, geht leider nicht nur den behandelnden Arzt etwas an, sondern auch den Versicherer. Nämlich dann, wenn man eine neue Police abschließen möchte: Bei manchen Versicherungspolicen will der Versicherer wissen, wie gesund sein Versicherungsnehmer ist und welches Risiko er eingeht, damit Leistungen in Anspruch genommen werden können. Und das sollte man als Antragsteller nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn falsche oder ungenaue Angaben sind mit die häufigsten Gründe, warum es im Ernstfall Ärger mit dem Versicherer gibt, etwa weil dieser sich um lebenslange Rentenzahlungen drücken will. Dabei macht der Versicherungsnehmer oft nicht mal bewusst falsche Angaben. Vieles geschieht aus Unwissenheit. Denn die Fragen in den Anträgen sind gespickt mit Stolperfallen. Erfahren Sie auf den folgenden Seiten, was Sie beachten müssen. Der Text wurde von Stefan Albers, Versicherungs- und Rentenberater (www.kanzlei-albers.de) sowie Präsident des Bundesverbands Versicherungsberater, auf inhaltliche Richtigkeit geprüft. 1. In welchen Policen gibt es Gesundheitsfragen? Bei allen Policen, die den Tod oder den Krankheitsfall versichern, stellen Versicherer im Antrag Fragen zum Gesundheitszustand. Damit wollen sie ausloten, wie groß ihr Risiko ist, dass der Ernstfall also Tod oder Krankheit eintritt und sie in Leistung treten müssen. Der Gesundheitszustand fließt in die Beitragskalkulation ein. Logischerweise sind den Versicherern junge, gesunde Versicherungsnehmer die liebsten: Sie zahlen ihre Beiträge und werden im besten Fall lange keine Leistung in Anspruch nehmen. Dagegen kommen Ältere und Kunden mit Vorerkrankungen den Versicherer teuer, denn sie nehmen möglicherweise eher Leistungen in Anspruch. Bei diesen Policen sind Fragen zum Gesundheitszustand obligatorisch: Berufsunfähigkeitsversicherung Risikolebensversicherung Private Krankenvollversicherung Private Krankenzusatzversicherungen Private Pflegezusatzversicherung Unfallversicherung Kapitallebensversicherung Erwerbsunfähigkeitspolice Übrigens: Bei sehr hohen Versicherungssummen oder bei sehr hohem Eintrittsalter verlangen manche Unternehmen eine separate ärztliche Untersuchung vor Vertragsabschluss. 2. Warum gibt es so viele Stolpersteine? Ein paar Fragen zum Gesundheitszustand zu beantworten kann eigentlich nicht so schwierig sein, möchte man meinen. Von wegen! Hier ein paar typische Stolpersteine aus der Beratungspraxis des Versicherungsberaters Stefan Albers, warum es Probleme geben kann sowohl bei der Antragstellung als auch im Schadensfall. Beispiel 1: Psychische Erkrankungen:

2 Seite 2 Wer schon mal eine Ehe- oder Psychotherapie gemacht hat oder auch nur eine Familienberatungsstelle nach einer belastenden Scheidung aufgesucht hat, wird es schwer haben, überhaupt bei einem Versicherer aufgenommen zu werden. Denn aus einem psychischen Problem kann in den Augen des Versicherers später alles Mögliche an Leiden resultieren, die zur Berufsunfähigkeit führen können. Vor allem gelten Behandlungen wegen eines Seelenleidens als nie absie können immer wieder zurückkehren. Grund genug für den Versi- geschlossen cherer, einen n Kunden abzulehnen. Übrigens: Auch schon eine ADHS-Diagnose Diagnose beim Kind die berühmte Zappelphilipp-Diagnose, die heute wesentlich häufiger gestellt wird als früher kann der Grund sein, warum das Kind später mal keine Berufsunfähigkeitsversicherung erhält. Beispiel 2: Angaben zum körperlichen Ist- Zustand Im Antrag bei ein paar Kilo Gewicht geschummelt und ein paar Zigaretten und Gläam Abend weggelassen. Wenn sich diese Aussagen nicht mit denen decken, die man dem Anästhesisten später kurz vor einer OP gibt, kann das ein Grund für den Versicherer sein, die Leistung zu ser Wein verweigern. Beispiel 3: Medikamente ohne Rezept Ein Aspirin ist schnell zur Hand, Hustensaft oder Magenmittel ebenso alles bekommt man rezeptfrei in der Apotheke. Und man vergisst auch schnell, was man da so alles einnimmt oder eingenommen hat. Bei den Gesundheitsfragen sind auch solche Selbstmedikationen relevant. Beispiel 4: Leiden ohne Arztbesuch Angstzustände im Aufzug? Prüfungsstress? Nussallergie? Viele suchen deshalb nicht unbedingt einen Arzt auf, sondern nehmen ihr Leid hin und richten sich damit ein. Daran ist nichts falsch. Aber im Antrag ist es wichtig je nach Fragestellung sie zu nennen. Beispiel 5: Beiläufige Diagnose Man geht mit seinem Vierjährigen zum Zahnarzt und der Arzt sagt mit Hinblick auf eine eventuelle Zahnspange beiläufig: Da könnte mal was kommen. Will man wenig später eine Zahnzusatzversicherung abauch die Behandlung beim schließen, die Kieferorthopäden einschließt, hat man schon ein Problem. Denn der Zahnarzt hat seine Diagnose in der Patientenkarte vermerkt und das muss man bei Antragstellung für die Zahnzusatzpolice angeben. Die genannten Beispiele sollen veranschaulichen, dass es wirklich knifflig ist, die Fragen korrekt zu beantworten. ten. Der Teufel sitzt im Detail. Auch ganz banale Dinge wie ein prophylaktischer Bluttest, eine Untersuchung, die Entwarnung brachte, also keine Diagnose zur Folge hatte oder die Entfernung eines Muttermals, das gutartig war, wie sich hinterher herspielen bei den Fragen zum Gesundheitszustand eine Rolle. Was man nennen muss, richtet sich nach der Fragestellung und die ausstellt, muss erst entschlüsselt t werden. 3. Was wird im Antrag gefragt? 3a. Befristete Zeiträume Typisch und akzeptabel ist, wenn der Versiambulanten Therapien über drei zurückliegende Jahre berichten muss, cherungsnehmer bei bei stationären Behandlungen über einen Zeitraum von fünf Jahren und bei psychotherapeutischen über zehn Jahre. Manche fragen aber auch wesentlich längere Zeiträume ab. Dann lohnt es sich womöglich, nach einer anderen Police Ausschau zu hal- ten. 3b. Unbefristete Zeiträume Es gibt sogar Versicherer, die zeitlich unbegrenzte Angaben wünschen. Darauf sollte man sich nicht einlassen, sondern lieber einen anderen Anbieter suchen. Die Gefahr ist groß, hier etwas zu vergessen. Länger als fünf Jahre zurückliegende ambulante Behandlungen sollte man nicht auflisten müs- sen.

3 Seite 3 Tipp: Grundsätzlich gilt: Wenn keine zeitliche Frist bei den Fragen angegeben ist, muss man unbefristete Angaben machen. 3c. Typische Fragestellungen An der Art und Weise wie Fragen zum Gesundheitszustand gestellt werden, kann man bereits gute von weniger guten Policen unterscheiden. Denn die Frageformulierung variiert von Unternehmen zu Unternehmen erheblich. Es gibt keine allgemeingültigen Vorgaben. Gut ist, wenn die Fragen so präzise wie möglich gestellt sind. Fragen nach der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten, Kontrolluntersuchungen wegen Krankheit, ausstehenden Untersuchungsergebnissen, stationären Aufenthalten oder einer HIV-Infektion Infektion gehören zum Standard. In einigen Anträgen wird auch nach Zigaretten, Alkohol und anderem Drogenkonsum gefragt. Schwierig wird es, wenn in den Fragen ganz allgemein nach Beschwerden oder Anomalien gefragt wird. Denn dann muss man auch jede Art von Unwohlsein aufführen, weswegen man nicht unbedingt einen Arzt aufgesucht hat. Dazu gehören Spannungskopfschmerzen oder eben Prüfungsangst, aber auch ein Hexenschuss, Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder ein verstauchter Knöchel. Noch schwieriger ist es, wenn gefragt wird: Fühlen Sie sich wohl? oder Sind Sie gesund?. Dann kann es passieren, dass der Versicherungsnehmer, der als Bluthochdruckpatient medikamentös gut eingestellt ist, mit Ja antwortet. De facto ist das natürlich falsch. Der Bund der Versicherten hat in einem Merkblatt einige typische Antragsfragen zu- sammengestellt und aufgezeigt, wie man darauf zu antworten hat: Beispiel 1: Frage: Fanden in den letzten 5 Jahren ambulante Behandlungen, Beratung, Untersuchungen, Therapien.. statt oder sind solche angeraten oder beabsichtigt? Antwort: : Hier muss man jeden Arztbesuch angeben und genaue Auskünfte über Art und Umfang der Behandlung geben, auch wenn es sich um eine prophylaktische Maßnahme oder lediglich eine Beratung handelte. Beispiel 2: Frage: Sind Sie in den letzten fünf Jahren durch Ärzte oder Heilbehandler untersucht, beraten oder behandelt worden hinsichtlich des Stoffwechsels zum Beispiel Zuckerkrankheit, erhöhtes Cholesterin, Funktionsstörung der Schilddrüse? Antwort: Hier müssen Behandlung oder Beratung, auch wenn sie keine Diagnose ergaben, sowie eine Blutuntersuchung ohne Befund angeben werden. Beispiel 3: Frage: Fanden in den letzten drei Jahren ambulante Behandlungen aufgrund von Beschwerden, Medikamentenverordnungen, Untersuchungen oder Beratungen statt? Antwort: Hier sind alle Arten der Erkrankungen (Arztdiagnose), Beschwerden, Behandlungen, Untersuchungen, Beratungen, Medikamente mit Dosisangabe anzugeben. Tipp: zu ambulanten Behandlungen gehören auch Besuche beim Physiotherapeuten, Osteopathen, Heilpraktiker etc.. 4. Wie beantwortet man die Fragen richtig? Auch wenn man schon bereits ahnt, dass sich manche Vorerkrankungen ungünstig auf Beiträge oder Aufnahme auswirken können, sollte man sich keinesfalls verleiten lassen, falsche Angaben zu machen oder etwas wegzulassen. Man riskiert damit seinen Ver- sicherungsschutz. Die Fragen sollten also auf jeden Fall wahrheitsgemäß und genau beantwortet werden. Doch selbst mit diesem Vorsatz können einem Fehler unterlaufen. Etwa weil man bestimmte Beschwerden nicht als Erkrankung einstuft oder weil man schlicht eine Lappalie vergisst. Deshalb ist es ratsam beim Ausfüllen Schritt für Schritt vorzugehen. 4a. Infos über Arztbesuche Als Minimum sollte man bei den Gesundheitsfragen jeden einzelnen Arztbesuch im gefragten Zeitraum angeben. Dabei empfiehlt es sich, beim Hausarzt und beim

4 Seite 4 Zahnarzt einen Auszug aus der Patientenakte anzufordern. Die Daten muss der Arzt herausgeben, er darf dafür aber pro Kopie 50 Cent verlangen. Zusätzlich kann man sich an seine Krankenkasse wenden. Diese verzwar auch nicht über alle Daten, sie kann diese aber über die kassenärztliche Vereinigung, die alle abgerechneten Arztbesuche speichert, anfordern. Eine direkte An- fügt frage bei der kassenärztlichen Vereinigung ist allerdings nicht möglich. Sie darf keine Daten an die Betroffenen herausgeben. Denken Sie auch an Besuche beim Hautarzt. Die werden oft vergessen! Tipp: Sind Sie schon einmal operiert worsen Sie, dass der Anästhesist vor der OP genaue Fragen zu vorangegangenen Beschwerden stellt. Spätestens hier beichtet man alles, was einen beeinträchtigt. Denken Sie daran, dass im Schadensfall auch der Versicherer den Anästhesisten befragt! Was Sie ihm gebeichtet haben, sollte sich also mit Ihrem Versiche- den? Wenn ja, dann wissen rungsantrag decken. 4b. Infos über Besuche bei anderen Behandlern Im zweiten Schritt überlegt man sich, welche Heilbehandler man ansonsten aufsucht: Geht man zum Osteopathen? Zum Physio- therapeuten? Regelmäßig zur Massage? Zum Homöopathen und Heilpraktiker? Auch Behandlungen, die die Krankenkasse nicht bezahlt, sind relevant. 4c. Wie genau muss man die Fragen beantworten? Wer etwas verschweigt, riskiert im Schadensfall die Verweigerung der Auszahlung. Wer zu viel sagt, riskiert es, keinen Versicherungsschutz zu erhalten. Es ist eine Gratwanderung. Am besten hält man sich exakt an die Fragestellung. Wenn dort nach Arztbesuchen gefragt wird, dann sollte man auch nur diese angeben. Wenn nach Beschwerden gefragt wird, muss man umfassender antworten. Allerdings muss man nicht zum medizinischen Experten werden. Es genügt, die Beschwerden anzugeben, eine genaue ärztlioder medizinische Fachbegrif- che Diagnose fe sind nicht nötig. Es sind also keine medizinischen Fachbegriffe nötig. Dafür erhalten die Versicherungen die Adressen der behandelnden Ärzte, bei denen sie sich umfassender erkundigen können. Es ist sogar ratsam, beispielsweise bei Rückenbeschwerallgemein zu benennen. den, diese auch nur Zu groß ist die Gefahr, dass sich bei genaueren Auskünften Fehler einschleichen, die sich dann nachteilig auswirken. Achtung: Wenn man irgendwann einmal bei einer Anamnese ganz am Rande ein Leiden erwähnt hat, wegen dem man aber selbst nicht in Behandlung war, ist auch das im Antrag relevant. 4d. Achtung bei Abrechnungsdiagnose Das Gesundheitssystem mit seinen strengen und bürokratischen Vorgaben, verleitet Ärzte und Patienten nicht selten, ein Leiden etwas schlimmer in der Patientenakte darzustellen als es in Wirklichkeit ist. So kassiert der Arzt mehr Geld von der Kasse und der Patient bekommt vielleicht eine umfangreichere Therapie zugestanden. Dann ist von Abrechnungsdiagnose die Rede. Typisch ist das bei Krankengymnastikrezepten. Weil hier stark limitiert ist, was der Arzt dem Patienten verschreiben darf. Wird aus einem Lendenwirbelsäulenleiden schnell mal ein Schulterschmerz und schon kann man wieder ein neues Rezept verordnen. Bei Angaben zum Gesundheitszustand im Versicherungsvertrag kann sich derartiger Betrug verheerend auswirken. 4e. Wie kann man sich absichern? Damit man später einmal nicht wegen falsch oder unzureichend beantworteter Fragen zur Rechenschaft gezogen wird, gibt es immer wieder den Ratschlag, den Fragen folgende Erklärung zur Absicherung beizulegen: Die Antworten auf die Gesundheitsfragen habe ich so gemacht, wie es meine laienhafte Kenntnis und mein Erinnerungsvermögen zulassen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Angaben vollständig sind. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an meinen Arzt Dr. XY, der Ihnen als mein Hausarzt umfassend Auskunft geben kann.

5 Seite 5 Mit so einer Zusatzerklärung kann einem der Versicherer wenigstens keine arglistige Täu- schung vorwerfen. Bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung, in der es um fahrlässig gemachte falsche Angaben geht, ist sie dennoch keine Absicherung. 4c. Falsche Beratung Aufgepasst auch bei Beratungen durch eioder -makler. nen Versicherungsvertreter Wenn man sich an Ratschläge des vermeintlichen Experten hält, kann man trotzdem Schiffbruch erleiden. Wenn ein solcher Ver- mittler seinem Kunden einreden möchte, etwaige Beschwerden wie Heuschnupfen oder Rückenleiden außen vor zu lassen, mit der Begründung, dabei handle es sich um Volkskrankheiten, die man deshalb nicht angeben muss, sollte man schnellstens Ab- stand von dem Vermittler nehmen. Er hat vermutlich nur seine Provision im Kopf. Im Ernstfall kann man sich nicht auf eine fal- sche Beratung berufen. Da hilft auch nicht die neue EU-Vermittlerrichtlinie, die besagt, dass jedes Beratungsgespräch mit einem Versicherungsvermittler inhaltlich dokumentiert werden muss. Denn die Dokumentation der Beratung bezüglich der Gesundheitsfragen ist nicht im Protokoll vorgesehen. Fazit: Die Fragen sollte man immer selbst, wahrheitsgemäß und akribisch beantworten. Sollte der Vermittler oder Berater die Fragen ausfüllen, sollte man den Vertrag vor dem Unterschreiben auf jeden Fall noch einmal gründlich durchlesen. Tipp: Fertigen Sie eine e Kopie des Antrags an. Sollte es zu einer Auseinandersetzung mit der Versicherung kommen, hat man damit einen Beleg, was man tatsächlich angegeben hat. Nach vielen Jahren kann man sich daran nämlich vermutlich nicht mehr genau erinnern. 5. Was tun bei Vorerkrankungen? 5a. Ablehnung, Aufschlag oder Ausschluss Wer bereits Vorerkrankungen hat, sollte diese auf keinen Fall verschweigen. Das gilt auch dann, wenn ein Versicherungsnehmer beispielsweise e schon seit langem Bluthochdruck hat und Tabletten einnimmt, aber mögvergangenen drei Jahre, nach denen im Antrag gefragt wird, deshalb keinen Arzt gesprochen hat, sondern sich nur die Rezepte hat ausstellen lassen. licherweise die Bei Vorerkrankungen gibt es drei Optionen: Bei schwerwiegenden Leiden muss man damit rechnen, abgelehnt zu werden, Alternativ bietet das Unternehmen vielleicht die Police mit einem Risikozuschlag an, also zu wesentlich höheren Beiträgen, Oder aber man wird versichert, die Vorerkrankungen sind aber vom Versicherungsschutz ausgenommen. Wenn man in diesem Fall dann bei einer privaten Krankenzusatzversicherung wegen seiner Vorerkrankung behandelt werden muss, wird die Police dafür nicht in Leistung treten. Bei einer Berufsunfähigkeitspolice bedeutet dies, dass bei einer Berufsunfähigkeit, bedingt durch die genannte Vorerkrankung, keine Rente ausbezahlt wird. Tipp: Auf ein solches Angebot sollte man sich nicht einlassen. Denn man riskiert, jahrelang Beiträge für eine Police zu bezahlen und am Ende ohne Versicherungsschutz da zu stehen. Besser ist es, mit dem Unternehmen eine Versicherung mit Risikoaufschlag auszuhandeln. 5b. Anonyme Risikovoranfrage Versicherungsgesellschaften bewerten Risiken unterschiedlich. Für die einen ist das Leiden schwerwiegend und führt zu einer Ablehnung, der andere würde den Antragsteller mit einem Risikozuschlag versichern. Die beste Möglichkeit ist, dies durch eine anonyme Risikovoranfrage herauszufinden. Anonym deshalb: Wer einmal namentlich bei einem Unternehmen einen Antrag gestellt hat, wird unverzüglich mit allen Angaben in einer zentralen Datei gespeichert. Diese HIS-Datei ist für alle Versicherungsgesellschaften zugänglich. Hier sind auch sämtliche Schadensfälle gespeichert. Jedes Un-

6 Seite 6 ternehmen en prüft bei einem Antrag nach, ob derselbe Antrag bereits bei einem anderen Unternehmen vorlag. Wurde der Antragstelbereits von einem Unternehmen abgelehnt, ist es unwahrscheinlich, dass er bei einem anderen Versicherer aufgenommen ler wird. Lässt man den Gesundheitszustand anonym prüfen, kann das nicht geschehen. Das muss allerdings über einen Versicherungs- berater oder einen -makler abgewickelt werden. Tipp: Wollen Sie wissen, ob Daten über Sie in der HIS-Datei gespeichert sind, fragen Sie bei Ihrem Versicherungsunternehmen nach. Es ist verpflichtet, Ihnen diese Auskunft zu erteilen. 6. Falsche Angaben was passiert? 6a. Schweigepflicht Eines vorweg: Die Versicherer legen im Leistungsfall detektivischen Spürsinn an den Tag. Sie finden alles heraus. Den Arzt hat man selbst schon im Antrag per Unterschrift von der Schweigepflicht entbunden. Der Versicherer hat auch die Möglichkeit, sämtliche abgerechneten Arztbesuche über die kassenärztliche Vereinigung oder beim pri- vaten Krankenversicherer einzusehen. Allerdings muss der Versicherungsnehmer über Nachforschungen seitens des Versicherers informiert werden. 6b. Leistungsverweigerung Im schlimmsten Fall kann sich der Versicherer weigern, im Schadensfall in Leistung zu treten. Das kann er allerdings nur, wenn er wegen eines Leidens in Leistung treten muss, das in Zusammenhang mit einer Vorerkrankung steht, die der Kunde im Antrag verschwiegen hat. Der Versicherte hat im Gegenzug kein Recht darauf, die eingezahlten Beträge zurückzufordern. Dieses Geld ist unwiderruflich verloren. Auch die Gewinne, die das Unternehmen mit den eingezahlten Beträgen erwirtschaftet hat, muss es nicht zurückzahlen. Zahlt die Versicherung und stellt sich erst später raus, dass der Versicherte falsche Angaben gemacht hat, kann das Unternehmen die entsprechenden Beträge zurückfordern. 6c. Rücktrittsrecht Auch wenn es zu gar keinem Schaden kommt, der Versicherer also gar nicht in Leistung treten muss, hat es trotzdem Konsich herausstellt, dass der Kunde falsche Angaben gemacht hat. Das Versicherungsunternehmen kann entweder die Beiträge um einen Risikozuschlag erhöhen oder innerhalb einer Frist von in der Regel fünf Jahren vom Vertrag zurücktreten. sequenzen, wenn Auch dann müssen die eingezahlten Beträge nicht zurückgezahlt werden. 6d. Arglistige Täuschung Sollte das Unternehmen davon ausgehen, dass der Kunde eine Erkrankung absichtlich nicht mitgeteilt hat, kann es wegen arglistiger Täuschung vom Vertrag zurücktreten. Dies ist mit einer Frist bis zu zehn Jahren möglich. Bei einer arglistigen Täuschung kann der Versicherer übrigens immer die Zahlung im Schadensfall verweigern. Es muss dann kein Zusammenhang bestehen zwischen der absichtlich verschwiegenen Vorerkrankung und dem Leiden, weswegen eine Zahlung fällig würde. Tipp: Um Fehler zu vermeiden, lohnt es sich, einen Experten bei der Antragstellung zu Rate zu ziehen. Der Bund der Versicherten hilft weiter (www.bundderversicherten.de) oder auch ein Versicherungsberater (Beratersuche über den Bundesverband der Versicherungsberater Eine unabhängige Beratung kostet etwas, ist aber gut investiertes Geld. Das Thema der Woche ist ein Service der Verbraucher-Redaktion Biallo & Team GmbH, Bahnhofstraße 25, Schondorf. Sie können uns erreichen unter oder per Telefon: 08192/ Weitere Infos unter

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