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1 Windows Azure Überblick über Windows Azure Autor: Holger Sirtl Version: 1.5 Azure SDK: 1.8 Stand: Microsoft Corporation. All rights reserved. Microsoft, Windows, Windows Vista and other product names are or may be registered trademarks and/or trademarks in the U.S. and/or other countries. The information herein is for informational purposes only and represents the current view of Microsoft Corporation as of the date of this presentation. Because Microsoft must respond to changing market conditions, it should not be interpreted to be a commitment on the part of Microsoft, and Microsoft cannot guarantee the accuracy of any information provided after the date of this presentation. MICROSOFT MAKES NO WARRANTIES, EXPRESS, IMPLIED OR STATUTORY, AS TO THE INFORMATION IN THIS PRESENTATION.

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3 Information in this document, including URL and other Internet Web site references, is subject to change without notice. This document supports a preliminary release of software that may be changed substantially prior to final commercial release, and is the proprietary information of Microsoft Corporation. This document is for informational purposes only. MICROSOFT MAKES NO WARRANTIES, EITHER EXPRESS OR IMPLIED, AS TO THE INFORMATION IN THIS DOCUMENT. The entire risk of the use or the results from the use of this document remains with the user. Complying with all applicable copyright laws is the responsibility of the user. Without limiting the rights under copyright, no part of this document may be reproduced, stored in or introduced into a retrieval system, or transmitted in any form or by any means (electronic, mechanical, photocopying, recording, or otherwise), or for any purpose, without the express written permission of Microsoft Corporation. Microsoft may have patents, patent applications, trademarks, copyrights, or other intellectual property rights covering subject matter in this document. Except as expressly provided in any written license agreement from Microsoft, the furnishing of this document does not give you any license to these patents, trademarks, copyrights, or other intellectual property. Unless otherwise noted, the example companies, organizations, products, domain names, addresses, logos, people, places and events depicted herein are fictitious, and no association with any real company, organization, product, domain name, address, logo, person, place or event is intended or should be inferred Microsoft Corporation. All rights reserved. Microsoft, Internet Explorer, Windows, and Visual Studio are either registered trademarks or trademarks of Microsoft Corporation in the United States and/or other countries. The names of actual companies and products mentioned herein may be the trademarks of their respective owners. 2013, Microsoft Deutschland GmbH i

4 ii 2013, Microsoft Deutschland GmbH

5 Inhaltsverzeichnis 1 Cloud Computing mit Windows Azure Cloud Computing Cloud Dienste der Windows Azure Plattform Ausführung von Anwendungen auf Windows Azure Windows Azure Websites Cloud Services VM Hosting mit Windows Azure Virtual Machines High Performance Computing Speicherung und Auswertung von Daten auf Windows Azure Non-SQL-Datenspeicherung Relationale Datenspeicherung mit SQL Database Business Analytics Caching Integration Azure-basierter Anwendungen in die eigene IT Netzwerkintegration Datenintegration über SQL DataSync Anwendungsintegration Szenarienbasierte Dienstgruppen Windows Azure Media Services Windows Azure Mobile Services Sicherheit Azure-basierter Anwendungen Windows Azure Trust Center Windows Azure Active Directory Zugriffskontrolle mit Active Directory Access Control Windows Azure Marketplace 29 8 Erste Schritte mit Windows Azure , Microsoft Deutschland GmbH iii

6 iv 2013, Microsoft Deutschland GmbH

7 Abbildungsverzeichnis Abb. 1-1 Windows Azure Referenzarchitektur... 3 Abb. 2-1 Ausführungsmodelle für Cloud Anwendungen... 4 Abb. 4-1 Netzwerkintegration über Connect und Virtual Network...16 Abb. 4-2 Windows Azure Traffic Manager...18 Abb. 4-3 Windows Azure SQL DataSync...19 Abb. 4-4 Windows Azure Queues...20 Abb. 4-5 Windows Azure Service Bus...21 Abb. 4-6 Windows Azure Service Bus Topics und Subscriptions...22 Abb. 6-1 Windows Azure Active Directory Access Control , Microsoft Deutschland GmbH v

8 vi 2013, Microsoft Deutschland GmbH

9 1 Cloud Computing mit Windows Azure Windows Azure ist Microsofts Public Cloud Plattform für Entwickler und Administratoren, die eigene Softwareanwendungen ganz oder in Teilen in der Cloud ausführen möchten. Die Plattform umfasst eine Reihe von Cloud Services, die einzeln oder in Kombination genutzt werden können, dabei bedarfsabhängig in quasi beliebiger Kapazität bereitgestellt und nutzungsabhängig abgerechnet werden. Zu diesen Services gehören unter anderem solche, mit denen Anwendungen in der Cloud ausgeführt, andere, mit denen unterschiedliche Daten in der Cloud gespeichert und effizient verarbeitet und wieder andere, mit denen Cloud- Elemente sicher und effektiv mit Ressourcen aus einem eigenen Rechenzentrum bzw. lokal ausgeführten Client-Anwendungen verknüpft werden können. Tatsächlich sind derartige Hybrid-Lösungen, bei denen einzelne Anwendungsteile in der Cloud, andere Teile in einer lokalen Ausführungsumgebung zusammen betrieben werden, eine große Stärke von Windows Azure. So könnte beispielsweise eine klassische Windows Rich-Client Anwendung Daten in Windows Azure Storage speichern, Apps auf mobilen Endgeräten über Windows Azure Nachrichten untereinander austauschen, eine lokal betriebene SQL Server Datenbank sich ganz oder in Teilen mit einer Cloud Datenbank synchronisieren, eine in Windows Azure betriebene Webanwendung über den Service Bus ein lokal ausgeführtes Backend-System aufrufen. Viele weitere Hybrid-Szenarien sind denkbar. Selbstverständlich können Anwendungen auch vollständig auf Windows Azure betrieben werden. Zur Erstellung und Migration Azure-basierter Anwendungen stehen verschiedene Entwicklungs- und Management-Umgebungen (Visual Studio, Eclipse, System Center, ) und Programmiertechnologien (.NET, Java, PHP, Python, ) mit entsprechenden APIs zur Verfügung. 1.1 Cloud Computing Häufig wird der Begriff Cloud Computing normativ, d.h. über bestimmte Eigenschaften, die man im Allgemeinen mit Cloud Computing verbindet, definiert. Windows Azure erfüllt diese Eigenschaften und kann deshalb zu Recht als Cloud Plattform bezeichnet werden: Azure Services können in quasi beliebiger Kapazität bereitgestellt werden, hierzu sind keine Vorab-Investitionen erforderlich. Kapazitätsplanungen zu Beginn eines Softwareprojektes vereinfachen sich drastisch: der Start der Anwendung kann in einer kleinen, kostengünstigen Umgebung erfolgen, und bei entsprechender Last können schnell zusätzliche Ressourcen hinzugeschaltet werden. 2013, Microsoft Deutschland GmbH 1

10 Die Dienste werden bedarfsgerecht bereitgestellt, d.h. sobald Bedarf an Rechen-, Speicher- oder Kommunikationsleistung besteht, können die Dienste genutzt werden, sobald kein Bedarf mehr besteht, können die Dienste wieder deaktiviert werden. Die Abrechnung erfolgt dabei nutzungsabhängig, d.h. nur für die tatsächlich genutzte Kapazität fallen während der Nutzung Kosten an. Über Standardschnittstellen (z.b. RESTful Services) können die Services über alle Technologien genutzt werden, die diese Standards unterstützen (z.b..net, Java, PHP, ) 1.2 Cloud Dienste der Windows Azure Plattform Windows Azure enthält eine Vielzahl an Cloud Services für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke. Diese Dienste zu Funktionsgruppen zusammengeführt werden. Funktionsgruppe Azure Service Beschreibung Kapitel Ausführung eigener Anwendungen Websites Hosting kleinerer Webapps 2.1 Cloud Services Hosting hoch-skalierbarer Apps 2.2 Virtual Machines Hosting von virtuellen Maschinen 2.3 Datenmanagement Tables Non-SQL-Datenbank Blobs Speicherung großer Binärdaten SQL Database Relationaler Datenbankdienst SQL Reporting Berichterstellung HD Insight Big-Data-Berechnungen Caching Shared Caching Caching für verteilte Komponenten Caching Caching in bestehenden Apps CDN Caching von Blob-Daten Datenintegration SQL DataSync Synchronisation von SQL DBs 4.2 Anwendungsintegration Queues Nachrichtenversand Service Bus Internet Service Bus Netzwerkintegration Connect Maschine-zu-Maschine VPN Virtual Network Netzwerk-zu-Netzwerk VPN Traffic Manager Routing von Service-Zugriffen Medienverwaltung Media Services Medien-Workflows in der Cloud 5.1 Mobile Apps Mobile Services Dienste für Connected Mobile Apps 5.2 Security Active Directory Benutzerverzeichnis 6.2 Access Control Service Claims-basierte Zugriffskontrolle 6.3 Tabelle 1-1 Cloud Dienste der Windows Azure Plattform , Microsoft Deutschland GmbH

11 Die Windows Azure Services lassen sich zueinander in Beziehung setzen und in einer Referenzarchitektur anordnen. Diese ist in Abb. 1-1 zu sehen. Diese kann als Muster und Planungsgrundlage für Azure-basierte Anwendungen herangezogen werden. Abb. 1-1 Windows Azure Referenzarchitektur Alle Dienste, die im weitesten Sinne Funktionen zur Datenspeicherung bieten, sind hier der Persistenzschicht (Data Layer) zugeordnet. Solche Dienste, bei denen Anwendungslogik in der Cloud ausgeführt wird, liegen in der Anwendungsschicht (Application Layer). Die Dienste, die mit der Kommunikation und Integration zwischen Azure und lokal ausgeführten Ressourcen betraut sind, liegen in der Integrationsschicht (Integration Layer). 2013, Microsoft Deutschland GmbH 3

12 2 Ausführung von Anwendungen auf Windows Azure Wer sich dem Thema Cloud Computing mit Windows Azure nähert, denkt häufig zunächst an die Möglichkeit, Anwendungen in der Cloud, d.h. Microsofts Rechenzentren auszuführen. Wenngleich dies nicht die einzige Funktion von Windows Azure ist, ist sie doch eine zentrale. Weitere Dienste der Plattform wie beispielsweise Speicher, Datenbank oder Service Bus können dann auch wenn sie auch alleine genutzt werden könnten problemlos mit den auf Windows Azure ausgeführten Anwendungen kombiniert werden. Zur Ausführung von Anwendungen in der Cloud stellt Windows Azure drei Modelle zur Verfügung, die in Abb. 2-1 skizziert sind: Websites, Cloud Services und Virtual Machines. Diese können unabhängig voneinander, aber auch in Kombination genutzt werden. Auch bestehen Migrationspfade von Websites zu Cloud Services und von Cloud Services zu Virtual Machines. Websites bieten dabei eine kostengünstige Hosting-Möglichkeit für Web- Anwendungen, Cloud Services eignen sich ideal für Aufbau und Betrieb hoch-skalierbarer, hoch-verfügbarer Anwendungen bei minimalem Administrationsaufwand, und Virtual Machines erlauben den Betrieb eigener oder vorgefertigter virtueller Maschinen in der Cloud. Abb. 2-1 Ausführungsmodelle für Cloud Anwendungen , Microsoft Deutschland GmbH

13 Folgende Tabelle stellt die einzelnen Ausführungsmodelle, die unter Windows Azure bereitstehen, gegenüber. Websites Cloud Services Virtual Machines Ebene (PaaS/IaaS) PaaS mit der Portabilität von IaaS PaaS IaaS Verwaltetes Artefakt Website Cloud Service Virtuelle Maschine Portabilität Vollständig portabel Entwurf oder Anpassung für die Cloud Vollständig Portabel Management Automatisiert Automatisiert Manuell Architektur 2-Schicht IIS Websites Flexibel Flexibel Persistenz Persistenz auf VM-Ebene Keine Persistenz der VMs Jede VM ist persistent Provisionierung < 60 Sekunden 8-10 Minuten 8-10 Minuten Systemplattform Windows Server / IIS Windows Server Windows Server, Linux Deployment Web Deploy, FTP, Git, TFS Paketierung und Publish Erstellung und Upload von VHDs Gallery Web Frameworks (z.b. Wordpress, PHP, ) Microsoft OS-Images Microsoft oder eigene OS Images Tabelle 2: Gegenüberstellung der Ausführungsmodelle unter Windows Azure 2.1 Windows Azure Websites Windows Azure Websites sind (neben Cloud Services und Virtual Machines) eine von drei Optionen zur Ausführung von Web-Anwendungen in der Cloud. Sie stellen eine kostengünstige, aber trotzdem gut skalierbare Hosting-Variante für Websites bereit. Über das Windows Azure Portal können hierzu sehr schnell und einfach Umgebungen eingerichtet, mit zahlreichen Web Frameworks (ASP.NET, PHP, Node.js,...) und Anwendungen (Joomla, Wordpress, Drupal,...) vorkonfiguriert und von verschiedenen Entwicklungsplattformen aus mit Webanwendungen bestückt werden. Hierbei werden als Deployment-Optionen GIT, FTP, Web- Deploy und TFS 1 Deploy unterstützt. Das Portal bietet hierzu verschiedene Deployment- Skripte an, die in eigene Entwicklungsumgebungen importiert werden können. Damit können Websites neben Windows auch in Nicht-Microsoft-Umgebungen wie Linux oder MacOS entwickelt und dann auf Windows Azure betrieben werden. Zur Ausführung der Websites stehen mehrere Betriebsarten zur Verfügung: im "shared"- Modell werden eine oder mehrere Instanzen der Anwendung in einer Multi-Mandanten- Umgebung betrieben, im "reserved"-modell erfolgt der Betrieb in exklusiv für die Anwendung bereitgestellten virtuellen Maschinen. Zwischen den Betriebsarten kann flexibel ge- 1 Team Foundation Server (Bestandteil der Visual Studio Plattform) 2013, Microsoft Deutschland GmbH 5

14 wechselt werden. Damit ist sowohl Scale-out (Hinzuschalten zusätzlicher Instanzen gleicher Größe) als auch Scale-up (Vergrößerung der bestehenden Instanzen im reserved -Modell) zur Anpassung der Umgebung an sich ändernde Last möglich. Konfiguration und Verwaltung der zur Ausführung von Websites genutzten virtuellen Maschinen wird vollständig durch Windows Azure übernommen. Für die Persistierung von Daten stehen als Datenbanken MySql und Windows Azure SQL Database zur Auswahl. Aus Websites heraus können natürlich auch die weiteren Dienste der Windows Azure Plattform genutzt werden. So kann eine Website Authentifizierung von Benutzern über den Access Control Service durchführen, wodurch diese zur Anmeldung beispielsweise Windows Live ID verwenden können. URL: 2.2 Cloud Services Windows Azure Cloud Services sind (neben Websites und Virtual Machines) eine von drei Optionen zur Ausführung von Anwendungen in der Cloud. Der Fokus liegt bei Cloud Services stark auf hoch-verfügbaren, hoch-skalierenden Multi-Tier-Web-Anwendungen. Diese können in Komponenten, genannt "Rollen", untergliedert werden, die unabhängig voneinander skaliert werden können. Windows Azure übernimmt dabei das Management der zur Ausführung der Rollen benötigten virtuellen Maschinen. Dies schließt Upgrades der Gast- Betriebssysteme, Patching und Failover (ausgefallene Komponenten werden automatisch ersetzt) ein. Anders als bei Websites haben Entwickler vollen administrativen Zugang auf die virtuellen Maschinen, um beispielsweise zusätzliche Software in die einzelnen Instanzen zu installieren. Hierzu werden auch Remote Desktop Verbindungen zur Administration unterstützt. Die Entwicklung von Cloud Services kann über Visual Studio oder auch Eclipse erfolgen. Die Anwendungen können zunächst in einem Azure Emulator lokal ausgeführt und - nach erfolgreichem Test - direkt aus der Entwicklungsumgebung heraus in die Cloud deployt werden. Cloud Services bieten demnach Entwicklung und Betrieb von Anwendungen im Sinne des PaaS-Modells (PaaS = Platform-as-a-Service). Cloud Services bieten dabei mehr Kontrolle über das Deployment und die Verteilung von Anwendungskomponenten als Websites. Windows Azure basierte Cloud Services werden in der Cloud letztlich in auf Windows Server basierenden virtuellen Maschinen (VMs) ausgeführt. Es hängt vom Aufbau des Cloud Service, der gewählten Instanzgrößen und VM Versionen ab, wie diese VMs von Windows Azure konfiguriert werden. Der Entwickler kann den Aufbau über eine Cloud-Service-Definition (csdef) und eine Cloud-Service-Konfiguration (cscfg) bestimmen. Im Deploymentpaket, welches von Visual Studio, Eclipse oder Kommandozeilentools erstellt werden kann, befinden sich dann , Microsoft Deutschland GmbH

15 alle zur Ausführung der Anwendung benötigten Komponenten (Anwendungscode, Libraries, Frameworks, Serversysteme etc.). Der Rest wird von Windows Azure übernommen. Wird die Zahl der Instanzen (durch Änderung der Konfiguration) zur Laufzeit geändert, werden entsprechend Instanzen automatisch heruntergefahren bzw. zusätzliche Instanzen provisioniert und der vorgeschaltete Loadbalancer passend umkonfiguriert. Der administrative Aufwand für den Nutzer beschränkt sich somit auf ein Minimum. Die Kosten für den Betrieb werden pro Stunde angesetzt. Werden neue virtuelle Maschinen erzeugt (z.b. bei einem größeren Patch oder bei Hardware-Ausfall), so wird ihr Zustand auf den Deployment-Zeitpunkt zurückgesetzt, d.h. die virtuelle Maschine wird aus einem Basis-Image und dem Deployment- Paket erzeugt. Anders als bei Virtual Machines sind die virtuellen Maschinen von Cloud Services nicht persistent. In Cloud Services ausgeführte Anwendungen sollten ihren Zustand also außerhalb der virtuellen Maschinen (z.b. in Windows Azure Storage oder SQL Database) speichern und die Laufwerke innerhalb der virtuellen Maschinen nur für Caching-Zwecke nutzen. URL: 2.3 VM Hosting mit Windows Azure Virtual Machines Virtual Machines bringen das IaaS-Element in Windows Azure ein. Sie erlauben den Betrieb selbst erstellter oder von Microsoft bereitgestellter virtueller Maschinen auf Windows Azure. Diese werden pro Stunde abgerechnet. Zur Bereitstellung einer Virtual Machine ist letztlich nur die Festlegung einer VHD (hier werden Standard-VHDs eingesetzt), auf deren Basis der Bootvorgang ablaufen soll, die VM-Größe sowie abhängig von der gewählten VHD ein paar wenige Konfigurationsparameter (z.b. Administratorkennung, DNS-Name) erforderlich. Die in den virtuellen Maschinen eingesetzten Festplattenlaufwerke werden im Blob Storage persistiert. Damit bleiben alle Inhalte erhalten, sollte eine virtuelle Maschine einem Re-Image unterzogen werden (z.b. bei Hardware-Ausfall). Für die Inhalte gelten die gleichen Regeln für Failover (3-fach-Speicherung aller Inhalte, optionale Geo-Replikation in ein entferntes Rechenzentrum) wie für alle anderen Inhalte des Blob Storage. Da von Windows Azure Standard-VHDs genutzt werden, können sowohl bestehende VMs aus einer lokalen Hyper-V- Umgebung in die Cloud migriert und als Virtual Machine ausgeführt werden, als auch der umgekehrte Weg beschritten werden: VHDs können aus Windows Azure heruntergeladen und in einer entsprechenden Hyper-V-Umgebung lokal ausgeführt werden. Als Gast-Betriebssysteme für Virtual Machines werden sowohl verschiedene Windows Server Varianten als auch ausgewählte Linux-Distributionen unterstützt. Ebenfalls unterstützt werden einige Serveranwendungen wie SQL Server, SharePoint Server, BizTalk Server und Active Directory. Es ist möglich, neue VHDs in einer lokalen Hyper-V-Umgebung zu erzeugen, nach Windwos Azure zu laden und von den VHDs neue Virtual Machines zu booten. Daneben 2013, Microsoft Deutschland GmbH 7

16 können auch bereits vorgefertigte mit entsprechender Serversoftware bestückte Images aus einer Gallery ausgewählt und gestartet werden. Damit ist es möglich, wichtige Teile der Serverumgebungen eines eigenen Rechenzentrums ohne Änderung nach Windows Azure zu migrieren. Die stundengenaue Abrechnung macht dieses Ausführungsmodell auch für die Bereitstellung von Test- oder Demo-Umgebungen interessant, wo Infrastruktur nur temporär benötigt wird. Wie die anderen Ausführungsmodelle können auch Virtual Machines in Kombination mit anderen Azure Services genutzt werden. So kann eine in einer VM ausgeführte Anwendung beispielsweise problemlos Windows Azure Storage oder SQL Database nutzen oder Benutzerauthentifizierung über den Access Control Service abwickeln. Besonders interessant ist die Kombination mit dem Virtual Network (siehe 4.1.2): Durch die Möglichkeit ein lokale und Cloud-VMs umspannendes virtuelles Netzwerk mit gemeinsamen Ipv4-Adressraum und entsprechenden Routing Tabellen einzurichten, können virtuelle Maschinen flexibel zwischen der Cloud und einem lokalen Rechenzentrum hin- und hergeschoben werden ohne dass dies aus Netzwerksicht Auswirkungen auf die anderen VMs hat. URL: 2.4 High Performance Computing Windows Azure eignet sich hervorragend zur Berechnung komplexer Rechenaufgaben. Durch die schnelle Verfügbarkeit quasi beliebig vieler Recheninstanzen auch nur für den Zeitraum, in dem die Berechnungen durchgeführt werden sollen, bietet sich die Möglichkeit auch umfangreiche Aufgaben mit überschaubaren Kosten zu bearbeiten. Windows Azure enthält einen HPC Scheduler, der die Aufgabe übernehmen kann, die parallele Bearbeitung komplexer Berechnungsprobleme (z.b. Monte Carlo Simulationen) in vielen Windows Azure Instanzen zu koordinieren und zu überwachen. Der Scheduler kann dabei mit HPC Anwendungen zusammenarbeiten, die das Message Passing Interface (MPI) unterstützen. URL: , Microsoft Deutschland GmbH

17 3 Speicherung und Auswertung von Daten auf Windows Azure Sichere Datenspeicherung ist eine zentrale Anforderung in nahezu jeder Anwendung. Eine Möglichkeit zur Speicherung von Daten wurde bereits in Abschnitt 2.3 vorgestellt: Speicherung in Virtual Machines. Dies kann in den Laufwerken der Virtual Machine, einem vorkonfiguriertem SQL Server geschehen oder auch in beliebigen anderen Speichersystem (auch Non-SQL-Systeme wie MongoDB, Cassandra etc.), welches in einer Virtual Machine betrieben wird. Durch die Persistierung der Festplatten in Blob Storage sind die Daten sicher abgelegt. Windows Azure stellt darüber hinaus auch verschiedene Speichertypen als echte Cloud Services zur Verfügung. Das Management dieser Speicher wird weitestgehend durch Windows Azure übernommen. Für relationale Datenspeicherung gibt es SQL Database, für Non-SQL- Speicherung semi-strukturierter Daten gibt es Table Storage, für große Binärdaten (Dokumente, Videos, Musik, statische Webseiteninhalte) gibt es Blob Storage und als persistentes Dateisystem stehen Azure Drives zur Verfügung. Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die verschiedenen Speicheroptionen. SQL Server in einer VM SQL Database Table Storage Blob Storage Drives Filesystem in einer VM Info-Typ Tabellen mit Schema Key-Value BLOBs flexibel Redundanz Ja, 3-fach Nein VM-Bindung Ja Nein Ja Optimierung Mehrere Keys Ein Key n/a Durchsatz Hoch Sehr hoch Schnittstelle TDS RESTful NTFS Speicherkosten Ja Nein Tx-Kosten Nein Ja Nein Use Cases Relationale Datenspeicherung und -verarbeitung (SQL) Semi-strukt. Daten mit Große Binärdaten (Bilder, Frameworks, die ein per- Caching von Daten einem Schlüssel Videos etc.) sistentes FS benötigen Tabelle 3: Gegenüberstellung der Speicheroptionen unter Windows Azure 2013, Microsoft Deutschland GmbH 9

18 Alle diese Speichertypen (bis auf das lokale Dateisystem einer VM) legen Daten dreifach auf verteilten Speichermedien ab. Zugriff ist nicht nur über Anwendungen möglich, die auf Windows Azure betrieben werden, sondern auch von außerhalb, d.h. beispielsweise von einer lokal ausgeführten Rich-Client-PC-Anwendung oder einer Smartphone App. Es ist möglich, die Inhalte mit Zugriffsschutz zu versehen. Auch eine zeitliche Zugangsbeschränkung ist möglich. URL: 3.1 Non-SQL-Datenspeicherung Unter Windows Azure Storage werden einige Cloud Services zusammengefasst, die nichtrelationale Datenspeicherung und -verarbeitung ermöglichen. Damit grenzen sie sich von SQL Azure, dem relationalen Datenbanksystem in Azure ab. Drei Dienste finden sich innerhalb des Windows Azure Storage: Table Storage zur Ablage semi-strukturierter Daten in tabellenartig aufgebauten Entity-Sets, Queue Storage 2 zum Nachrichtenversand zwischen lose, d.h. asynchron gekoppelten Kommunikationspartnern und Blob Storage zur Ablage und Verarbeitung großer Binärdaten (BLOB = binary large object). In allen Fällen werden die Daten hochverfügbar abgelegt (hierzu werden Daten automatisch 3-fach gespeichert, Geo- Replikation ist möglich) und stehen über RESTful Schnittstellen zur Verfügung. Ein Sonderfall stellen Windows Azure Drives dar: sie stellen auf Basis von Blob Storage ein NTFS- Dateisystem mit entsprechender Filesystemschnittelle zur Verfügung. Damit kann in Windows Azure Cloud Services ein persistentes Dateisystem genutzt werden Table Storage Windows Azure Table Storage ist die Non-SQL-Datenbank der Windows Azure Plattform. Anders, als der Name suggeriert, handelt es sich also nicht um ein relationales Datenbanksystem, sondern um einen Speicher für die Ablage großer semi-strukturierter Datenbestände in der Cloud, für deren Zugriff ein Primärschlüssel ausreichend ist, und keine aufwändigen relationalen Datenbankoperationen erforderlich sind. Table Storage gehört damit zu Key/Value-Speichern, bei denen Gruppen typisierter Propertys (eine Property besteht dabei aus einem Namen, einem Typen (z.b. String, Integer,...) und einem Wert). Eine solche Gruppe kann dann über einen Primärschlüssel ausgelesen werden. Über die Primärschlüsselwerte kann Windows Azure Einträge zu Partitionen zusammenfassen und diese zur Performance-Optimierung automatisch auf verschiedene Speichermedien verteilen. Die Daten werden dabei automatisch 3-fach, hoch-verfügbar abgelegt, und können 2 Queue Storage wird im Kontext der Anwendungsintegration in Abschnitt behandelt , Microsoft Deutschland GmbH

19 über RESTful-Schnittstellen zugegriffen werden. Als Alternative für den Zugriff stehen für.net, Java und PHP Klassenbibliotheken zur Verfügung. Wenngleich Table Storage gegenüber SQL Database weniger Funktionalität im Bereich Datenmanagement und komplexen Zugriffsoperationen hat, bietet er eine kostengünstige Ablage semi-strukturierter Daten und ermöglicht einen effizienten, hochperformanten Zugriff auf diese Daten. Dabei werden Datenbestände von bis zu 100 Terabyte pro Storage Account unterstützt. URL: Blob Storage Windows Azure Blob Storage erlaubt die sichere, hoch-verfügbare Speicherung großer, unstrukturierter Binärdaten (BLOB = binary large object) in Windows Azure. Ein einzelner Blob kann dabei bis zu 1 Terabyte Größe haben. Inhalte werden automatisch 3-fach gespeichert. Darüber hinaus ist Geo-Replikation sowie die Möglichkeit, Blob-Inhalte über das Content Delivery Network (siehe 3.4.3) weltweit verteilt zu cachen, optional verfügbar. Es stehen zwei Arten von Blobs zur Verfügung: Block Blobs und Page Blobs. Erstere eignen sich für sequentiellen Datenupload und -download, letztere bieten wahlfreien Zugriff auf Blob-Abschnitte. URL: Windows Azure Drives Mit Windows Azure Drives können aus Windows Azure Cloud Services Daten in ein persistentes Dateisystem gespeichert werden. Eine in einem Windows Azure Page Blob abgelegte VHD (virtual hard disk) dient dabei als Speichermedium. Dort abgelegte Daten werden wie bei Page Blobs üblich 3-fach abgelegt und sind somit ausfallsicher gespeichert. Windows Azure Drives eignen sich speziell dann, wenn auf Windows Azure Services und Frameworks eingesetzt werden, die zwingend ein Dateisystem zur Ablage von Daten erfordern. Zur Performanzoptimierung wird im lokalen Dateisystem der virtuellen Maschine ein Cache eingerichtet. URL: 3.2 Relationale Datenspeicherung mit SQL Database Mit einem in einer Virtual Machine betriebenen SQL Server wurde bereits eine Möglichkeit vorgestellt, relationale Datenspeicherung und -verarbeitung in Windows Azure durchzuführen. Konfiguration und Administration des SQL Servers verbleiben dabei beim Nutzer. SQL Database bringt relationale Datenbanktechnologie als Cloud Service in die Windows Azure Plattform ein. Dazu gehören eine relationale Datenbank, ein Synchronisierungsdienst, mit 2013, Microsoft Deutschland GmbH 11

20 dem mehrere Datenbanken inhaltlich abgeglichen werden können und ein Dienst zur Generierung von Berichten. Der Administrationsaufwand beschränkt sich auf ein Minimum, da dieser weitestgehend von Windows Azure übernommen wird. URL: SQL Database Mit SQL Database verfügt Windows Azure über eine echte relationale Datenbank als Cloud Service. Diese ist schnittstellenkompatibel zu SQL Server. Damit ist es möglich, SQL Database über bekannte Technologien (z.b. Entity Framework, ADO.NET, JDBC) und Werkzeuge (z.b. SQL Server Management Studio) zuzugreifen. In vielen Fällen reicht es aus, die Adressierung der anzusprechenden Datenbank über den Connection String zu einer entsprechenden Cloud Datenbank vorzunehmen. Funktional bildet SQL Database eine Teilmenge von SQL Server ab. Zur Verfügung stehen die bekannten Datenbankkonstrukte wie Tabellen, Views, Joins, atomare Transaktionen, Datenintegrität bei konkurrierenden Zugriffen etc. Ebenso wird die SQL Sicherheitsarchitektur mit der Möglichkeit unterstützt, Benutzer anzulegen und diesen Berechtigungen zu vergeben. Im Unterschied zu SQL Server (auch einem SQL Server, der in einer Virtual Machine betrieben wird) handelt es sich bei SQL Database um einen echten Cloud Service. Das Management der Umgebung (Konfiguration von Hardware und Systemsoftware, Überwachung, Einspielen von Patches etc.) wird vollständig durch Windows Azure übernommen. Das Einrichten eines neuen Datenbankservers mit einer zugehörigen Datenbank ist eine Frage von Sekunden. Entsprechend schnell kann eine Datenbank wieder gelöscht werden. Die Abrechnung erfolgt entsprechend der Bereitstellungsdauer. URL: SQL Federation SQL Database erlaubt für einzelne Datenbanken eine Maximalgröße von 150GB 3. Müssen größere Datenbestände verwaltet werden, können diese über SQL Federation auf mehrere Datenbanken (wobei für jede dieser Datenbanken die genannte Maximalgröße gilt) verteilt werden. Eine solche Verteilung kann auch in Fällen mit kleineren Datenbanken sinnvoll sein, wenn Zugriffe im Sinne einer Performance-Optimierung auf mehrere Datenbanken verteilt werden sollen. URL: 3 Stand: Januar , Microsoft Deutschland GmbH

21 3.3 Business Analytics Neben der reinen Datenspeicherung bietet Windows Azure auch Möglichkeiten zur Auswertung und Aufbereitung von Daten, die in Azure abgelegt sind. Durch die flexible, unkomplizierte Bereitstellung auch größerer Rechen- und Speicherressourcen, die nach einer Datenauswertung wieder deaktiviert werden können, ist Azure die ideale Umgebung für derartig weitergehende Datenverarbeitung SQL Reporting Ähnlich wie SQL Database stellt auch SQL Reporting ein Subset der Funktionen des zugehörigen Serverprodukts ab. Mit Hilfe von SQL Reporting können auf Basis von Datenbeständen, die in SQL Database gespeichert sind, Berichte generiert werden, die dann wiederum in anderen Anwendungen verwendet werden können. Berichte können dabei verschiedene Formate haben wie HTML, XML, PDF, Excel und weitere. Neben dem auf Azure betriebenen SQL Reporting Service kann aufgrund der Schnittstellenkompatibilität zur Berichterstellung auch ein klassischer, lokal betriebener SQL Reporting Server eingesetzt werden, der auf Daten in SQL Database zugreift. URL: HD Insight HD Insight ermöglicht die Analyse großer Datenbestände mit Hilfe von Hadoop, einem O- pen-source-framework welches sich zur Berechnung sogenannter Big Data Probleme, d.h. Auswertungen auf Datenbeständen, die nicht mehr in einer relationalen Datenbank gespeichert werden können (z.b. weil sie zu groß sind oder weil sie nicht relational strukturiert sind), großer Beliebtheit erfreut. Windows Azure ermöglicht in diesem Kontext eine automatische Provisionierung von Hadoop-VMs, die Verteilung von Daten und Berechnungsalgorithmen etc. Neben der effizienten Berechnung von Map Reduce Algorithmen werden auch weitere Konzepte wie Hive 4 und Pig 5 unterstützt. URL: https://www.hadooponazure.com/ 4 Hive ist eine Data Warehouse Infrastruktur, die Datenaggregation und entsprechende Abfragen unterstützt. 5 Pig ist ein Framework zu Beschreibung und Ausführung paralleler Berechnungen. 2013, Microsoft Deutschland GmbH 13

22 3.4 Caching Anwendungen müssen häufig wiederholt auf Daten in entfernten Quellen (z.b. SQL Database, Windows Azure Storage,...) zugreifen. Zur Performance-Steigerung kann es sinnvoll sein, diese nach dem erstmaligen Auslesen in einem näher gelegenen, performanteren Speicher zwischenzuspeichern, um Folgezugriffe schneller abwickeln zu können. Windows Azure stellt zu diesem Zweck drei Mechanismen zur Verfügung: Shared Caching als gemeinsam von mehreren Anwendungskomponenten zu nutzender Cloud Service, Caching als Möglichkeit, ungenutzte Ressourcen innerhalb der Komponenten oder auch dedizierte Instanzen als Cache zu verwenden und das Content Delivery Network, das Inhalte aus Blob Storage weltweit verteilt zwischenspeichern kann. URL: Windows Azure Shared Caching Der Windows Azure Caching Service ist ein als Cloud Service bereitgestellter verteilter, inmemory Cache, der in Windows-Azure-basierten Cloud Apps als schneller Zwischenspeicher genutzt werden kann. Ergebnisse von Datenzugriffen - egal ob auf Windows Azure Storage, SQL Azure oder externe Webservices - können in diesem Cache abgelegt werden und stehen dann den entsprechenden Anwendungskomponenten (z.b. allen Instanzen eines bestimmten Cloud Services) zur Verfügung und machen erneute Datenzugriffe auf die Datenquellen überflüssig. Dadurch können erhebliche Performanzgewinne in der Anwendung erzielt werden. URL: Windows Azure Caching Windows Azure Caching verlagert Caching Funktionalität in die Instanzen einer Cloud Anwendung selbst, d.h. die zur Zwischenspeicherung genutzten Speicherressourcen befinden sich in zur Anwendungsausführung genutzten VM-Instanzen (wobei hier prozentuale Ressourcenanteile für das Caching reserviert werden) oder in speziell für Caching-Zwecke eingesetzten VM-Instanzen. Das Caching-Framework stellt sicher, dass sich die Speicherinhalte der Caching-Instanzen untereinander synchronisieren. Durch eine entsprechende Konfiguration der betreffenden Anwendung kann dieser Cache auch zur Zwischenspeicherung einer User- Session verwendet werden. URL: , Microsoft Deutschland GmbH

23 3.4.3 Content Delivery Network Das Content Delivery Network (CDN) ist ein Verbund von weltweit verteilten Windows Azure Rechenzentren. Im CDN können Inhalte aus Windows Azure Blob Storage für einen bestimmten Zeitraum gecached werden und somit eine effiziente Auslieferung von Inhalten des Blob Storage sicherstellen: Ein Anwender erhält beim Zugriff Blob Storage Inhalte aus dem für ihn nächstgelegenen Rechenzentrum zugestellt. Beim erstmaligen Zugriff eines Anwenders prüft Azure, ob die angeforderten Daten bereits im CDN-Standort verfügbar sind. Ist dies der Fall, werden die Daten von dort ausgeliefert. Sind die Daten noch nicht dort, werden sie vom Original aus Blob Storage ausgeliefert. Eine Kopie wird im CDN hinterlegt, so dass Folgeaufrufe von dort bedient werden können. URL: 2013, Microsoft Deutschland GmbH 15

24 4 Integration Azure-basierter Anwendungen in die eigene IT In vielen Software-Projekten stellt sich die Frage, wie Cloud-Ressourcen mit der lokalen IT verknüpft werden können. Weder ist es realistisch, dass die IT eines Unternehmens komplett in die Cloud wandert, noch wäre es sinnvoll, auf die Vorteile der Cloud (flexible Bereitstellung von IT, nutzungsabhängige Abrechnung, hohe Skalierbarkeit etc.) zu verzichten. Windows Azure stellt verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, Azure-basierte Ressourcen mit lokalen Ressourcen zu koppeln. Auf Anwendungsebene steht der Service Bus zur Verfügung, auf Datenebene kann SQL Azure DataSync verwendet werden und auf Netzwerkebene bieten sich mit Connect und Virtual Network zwei Optionen, die durch den Traffic Manager um einen Routing Service ergänzt werden. 4.1 Netzwerkintegration Drei Windows Azure Services ermöglichen es, auf Netzwerkebene darauf Einfluss zu nehmen, wie lokale Rechenressourcen auf Azure-basierte Anwendungen zugreifen können. Für die Anwendungen selbst ist dies vollständig transparent (d.h. die Anwendungen selbst müssen hierzu nicht geändert werden). Connect bietet eine sichere Maschine-zu-Maschine- Verbindung, Virtual Network geht darüber hinaus und bietet Netzwerk-zu-Netzwerk- Verbindung (siehe Abb. 4-1) und der Traffic Manager erlaubt das Loadbalancing von Zugriffen auf weltweit verteilte Instanzen von Cloud Services. Abb. 4-1 Netzwerkintegration über Connect und Virtual Network URL: , Microsoft Deutschland GmbH

25 4.1.1 Windows Azure Connect Mit Hilfe von Windows Azure Connect können IPSec-Verbindungen zwischen einer Gruppe von Windows Azure Rollen (Instanzen Azure-basierter Cloud Services) und dedizierten lokalen Windows Servern etabliert werden. Hierüber ist auf Netzwerkebene eine Verbindung zwischen der Cloud und lokalen Ressourcen möglich. Dies kann Grundlage für hybride Anwendungen sein, bei denen einzelne Teile in der Cloud, andere lokal ausgeführt werden (z.b. weil aus rechtlichen Gründen keine Verlagerung in die Cloud möglich oder gewünscht ist). Auf dem lokalen Server wird ein sogenannter Endpoint Agent installiert, über den die Kommunikation mit den Windows Azure Ressourcen abgewickelt wird. Dieser Agent erfordert ein Windows Server Betriebssystem als Ausführungsumgebung. Für die Einrichtung von Connect wird nicht notwendigerweise ein Administrator benötigt. Es handelt sich bei Connect um eine rein Software-basierte Lösung. URL: Virtual Network Mit Virtual Network kann Windows Azure als Erweiterung einer lokalen Infrastruktur genutzt werden, bei der zusätzliche Ressourcen aus der Cloud flexibel temporär eingesetzt werden können. Es können Netzwerkkonfigurationen erstellt werden, bei denen lokale Netzwerke mit Netzwerkknoten in Windows Azure zu einem virtuellen Netzwerk verbunden werden. Es besteht dabei die Möglichkeit die Cloud-Ressourcen mit eigenen Ipv4-Adressen zu versehen und eigene Routing-Tabellen um diese Ressourcen zu erweitern. In Kombination mit den Virtual Machines wird es damit möglich virtuelle Maschinen zwischen dem eigenen Rechenzentrum und Windows Azure hin und her zu migrieren, und dies durch entsprechende Konfigurationen auf Netzwerkebene so zu begleiten, dass diese Migration für die anderen Netzwerkelemente völlig transparent geschieht. Letztlich können Anwender Azure-basierte Ressourcen so nutzen, als wären sie im eigenen Rechenzentrum. Virtual Network geht über die Möglichkeiten von Windows Azure Connect hinaus: es können Netzwerk-zu-Netzwerk-Beziehungen (und nicht nur Maschine-zu-Anwendung- Verbindungen) aufgebaut werden. Darüber hinaus beschränkt sich der Einsatz nicht nur auf Windows-Maschinen (wie bei Connect). Nachdem für die Integration selbst eine dedizierte Netzwerk-Hardware verwendet wird, die von einem Netzwerk-Administrator entsprechend konfiguriert werden muss, können in den betreffenden Netzwerkknoten auch andere Betriebssysteme als Windows eingesetzt werden. URL: 2013, Microsoft Deutschland GmbH 17

26 4.1.3 Windows Azure Traffic Manager Der Windows Azure Traffic Manager ist ein Service, der Requests, die an einen Azure Service gehen, auf Basis frei definierbarer Policys und Verfügbarkeiten an Service Instanzen weiterleitet, die weltweit verteilt installiert sein können. Für die Weiterleitung können drei Arten von Policys definiert werden: Leistung (Performance), Failover und Round Robin. Eine Policy erhält dabei einen DNS Namen. Requests auf diesen Namen werden vom Traffic Manager mit der IP-Adresse der nächsten verfügbaren Service Instanz beantwortet, die diese Policy erfüllt. Abb. 4-2 Windows Azure Traffic Manager Grundlage für die Entscheidung, an welche Instanz ein Request geleitet wird, ist also zum einen die Policy, zum anderen die Verfügbarkeit. Damit wird es möglich, die Instanzen eines Service weltweit zu verteilen, Benutzer normalerweise auf die ihnen nächstgelegene Instanz zu leiten und im Fall, dass diese Instanz ausgefallen ist, auf die zweitnächste Instanz usw. zu gehen. URL: 4.2 Datenintegration über SQL DataSync Der SQL Azure DataSync Service ist ein Cloud Service in SQL Azure, mit dem es möglich ist, SQL Azure Datenbanken untereinander, aber auch mit lokal betriebenen SQL Server Datenbanken zu synchronisieren. Die Synchronisation kann über eine grafische Oberfläche eingerichtet und administriert werden. Dabei können Synchronisationsfrequenz, Richtung der Datenübertragung (bidirektional, nur Upload, nur Download), Strategien für die Konfliktauflö , Microsoft Deutschland GmbH

27 sung und die zu synchronisierenden Inhalte (Datenbanken, Tabellen, Spalten und Tabellenzeilen (gefiltert durch Feldwerte)) bestimmt werden. Abb. 4-3 skizziert die Funktionsweise. Der Datentransfer zwischen den beteiligten Datenbanken wird über einen sogenannten DataSync Hub abgewickelt. Der DataSync Hub muss eine SQL Azure Datenbank sein. Es ist nicht möglich, eine lokal betriebene Datenbank als Hub zu verwenden. Abb. 4-3 Windows Azure SQL DataSync Ein Einsatzszenario für DataSync kann die Synchronisation von Daten zu Regionalbüros sein. Dabei enthält der DataSync alle Daten und Regional-Offices synchronisieren nur die Daten, die für sie spezifisch sind. URL: 4.3 Anwendungsintegration In verteilten Anwendungen müssen die Komponenten, die miteinander interagieren wollen, auf irgendeinem Weg Nachrichten austauschen. Dieser Austausch muss je nach Art der Verteilung auch über Unternehmens- und Firewall-Grenzen hinweg erfolgen. Dies ist insbesondere in Hybrid-Szenarien ein Anwendungsfall, in denen Azure-basierte Komponenten mit Diensten in einem lokal betriebenen Rechenzentrum (welches ja in der Regel gegen Zugriffe von außen über Firewalls etc. geschützt ist) interagieren sollen. Windows Azure stellt Entwicklern Mechanismen zur Verfügung, mit denen sie derartige Nachrichtenaustauschszenarien umsetzen können: den Queue Service und den Service Bus. URL: 2013, Microsoft Deutschland GmbH 19

28 4.3.1 Queue Service Mit dem Queue Service offeriert die Windows Azure Plattform einen Messaging Dienst, über den Kommunikationspartner asynchron über Nachrichtenaustausch miteinander kommunizieren können. Zugriffe erfolgen grundsätzlich über http/https. Für die wichtigsten Programmiersprachen und Technologien wie.net, Java, PHP stehen APIs zum komfortablen Zugriff auf Queues und Nachrichten zur Verfügung. Der Einsatz des Queue Service ist nicht auf den Einsatz innerhalb einer Azure-basierten Anwendung beschränkt. Kommunikationspartner können auch außerhalb der Cloud liegen. Abb. 4-4 skizziert die Funktionsweise des Queue Service. Abb. 4-4 Windows Azure Queues Häufigstes Einsatzszenario für den Queue Service ist der Nachrichtenaustausch zwischen einzelnen Komponenten eines Cloud Service. Eine Frontend-Komponente (z.b. eine Web Role) nimmt Arbeitsaufträge vom Anwender entgegen, stellt diese in Form von Nachrichten in eine Queue, aus der diese dann von einem oder mehreren Backend Komponenten (z.b. Worker Role Instanzen) gelesen und verarbeitet werden. Eine derartige Anwendung lässt sich (z.b. auf Basis des Füllstands der Queue) leicht skalieren: ist die Queue häufig nur schwach gefüllt bzw. leer, kann die Zahl der Backend Komponenten ggf. reduziert werden. Ist die Queue stets stark gefüllt, können die Nachrichten durch Hinzunahme weiterer Backend Komponenten ggf. schneller verarbeitet werden. URL: , Microsoft Deutschland GmbH

29 4.3.2 Service Bus Der Windows Azure Service Bus stellt eine Kommunikations- und Integrationsplattform zur Vernetzung verteilter Webservices zur Verfügung. Unabhängig davon, wo die einzelnen Kommunikationspartner (in der Cloud oder im eigenen Rechenzentrum) ausgeführt werden, können einfache und komplexe Nachrichtenströme implementiert werden. Unterstützt werden sowohl Punkt-zu-Punkt-Verbindungen (unidirektional und bidirektional), Queues zum Zwischenspeichern ausgetauschter Nachrichten, aber auch Publish-Subscriber-Pattern über sogenannte Topics, bei denen mehrere Sender an mehrere Empfänger Nachrichten versenden können Service Bus Relay Ein einfaches Interaktionsszenario ist in Abb. 4-5 zu sehen: Die Azure App, die einen lokal ausgeführten Webservice aufrufen möchte, steht vor der Herausforderung, dass der Webservice durch eine vorgeschaltete Firewall durch Zugriffe von außen geschützt ist. Mit Hilfe des Service Bus kann dennoch eine Kommunikationsbeziehung aufgebaut werden. Hierzu registriert siche der Webservie beim Service Bus (Schritt 1). Dieser richtet dem Webservice einen Endpunkt ein. Die Azure App kann nun diesen Endpunkt anstelle des Webservice aufrufen (2). Der Service Bus prüft den Aufruf und kann diesen auf der Verbindung, die zum Webservice in Schritt 1 etabliert wurde, an den Webservice weiterleiten. Abb. 4-5 Windows Azure Service Bus Service Bus Queue Beim Relay ist es erforderlich, dass der registrierte Empfänger auch tatsächlich online ist, d.h Nachrichten empfangen kann. Ist er offline erhält ein Sender sofort eine Fehlermeldung. Ein Nachrichtenversand ist dann nicht möglich. Um für solche Szenarien einen Nachrichtenversand zu erlauben, können Queues definiert werden. Sender können dann in jedem Fall Nach- 2013, Microsoft Deutschland GmbH 21

30 richten verschicken. Ein Empfänger liest diese angesamelten Nachrichten dann aus, sobald er online ist Service Bus Topic Im Service Bus können sogenannte Topics konfiguriert warden, die einen Endpunkt besitzen, an die Sender ihre Nachrichten schicken können. Für Topics können Subscriptions definiert werden. Für jede Subscription können Filterregeln definiert werden anhand derer bestimmt wird, ob eine an ein Topic geschickte Nachricht in die Queue der betreffenden Subscription kopiert werden soll. Empfänger können dann Nachrichten aus den Subscription-Queues lesen. Abb. 4-6 Windows Azure Service Bus Topics und Subscriptions Ein Einsatzszenario hierfür ist die Anwendungsüberwachung. Anstatt Statusmeldungen in ein Logfile zu schreiben, könnten diese Meldungen als Nachricht an ein Service Bus Topic geschickt werden. Abhängig von der Meldungsart könnten dann reine Statusinformationen von einem Empfänger in ein Logfile geschrieben werden, Fehlermeldungen könnten aber in eine gesonderte Subscription gehen, wo sie vom Empfänger direkt verarbeitet werden (z.b. Versand einer SMS an einen Administrator). URL: Service Bus Notification Hub Notification Hubs bieten eine skalierbare, plattformübergreifende Push-Notification- Infrastruktur mit der es möglich ist, Push Notifications an quasi beliebig viele Endgeräte unterschiedlichen Typs zu versenden. In einem Hub können verschiedene plattformspezifische Benachrichtigungsdienste registriert werden. Ein Sender kann dann eine einzelne Nachricht , Microsoft Deutschland GmbH

31 an den Hub schicken, die dieser dann an die registrierten Dienste weiterschickt. Als Client Plattformen werden Windows 8, Windows Phone 8, ios und Android unterstützt EAI & EDI Für komplexere Integrationsszenarien, in denen über den Service Bus bestehende Backend- Systeme aus einem lokalen Rechenzentrum eingebunden werden sollen, besitzt der Service Bus EAI und EDI Funktionalität. Hierüber können zum einen Konnektoren zur Anbindung lokaler IT-Systeme (z.b. SAP, Oracle DB, Oracle EBS, Siebel, SQL DB) zur Interaktion verwendet werden, zum anderen können die ausgetauschten Nachrichten im Service Bus gefiltert und in verschiedene Nachrichtenformate konvertiert werden. Dabei können nachrichtengesteuerte Workflows definiert werden. URL: 2013, Microsoft Deutschland GmbH 23

32 5 Szenarienbasierte Dienstgruppen Windows Azure enthält eine Vielzahl allgemeiner Cloud Services, die leicht als Komponenten in eigenen Anwendungen verwendet werden können. Für einige Anwendungsszenarien stellt Windows Azure darüber hinaus Gruppen von Services zur Verfügung, die speziell auf diese Szenarien abgestimmt den Aufbau auch komplexer Anwendungsszenarien ermöglichen. Hierzu gehören zum einen die Media Services, die auf Anwendungen fokussieren, bei denen Medieninhalte erzeugt, verarbeitet und flexibel ausgeliefert werden sollen. Zum anderen stellen Mobile Services Dienste bereit, die den Aufbau von Connected Apps beschleunigen können, d.h. mobilen, leichtgewichtigen Anwendungen, die über die Cloud kommunizieren, Daten speichern, Benutzer authentifizieren etc. sollen. 5.1 Windows Azure Media Services Die flexible und bei Bedarf weltweite Bereitstellung digitaler Inhalte ist eine große Stärke von Windows Azure. Dies trägt dem Wunsch Rechnung Audio- und Videoinhalte ablegen, konvertieren und an verschiedene Endgeräte flexibel ausliefern zu können. Windows Azure enthält hierzu die Windows Azure Media Services, die derartige Aufgaben zentral übernehmen können. Media Services können viele Aufgaben übernehmen, die bei der Entwicklung von Anwendungen, die Mediendaten bereitstellen und verwenden sollen, anfallen. Dazu gehören: Upload von Mediendaten (die dann im Blob Storage abgelegt werden) Codierung und Konvertierung von Videos in verschiedene Video- und Audio-Formate Zugriffsschutz auf Mediendaten im Sinne von Digital Rights Management (DRM) Schaltung von Werbung in Videostreams Streaming von Videos (optimiert für verschiedene Endgeräte), bei Bedarf zeitgesteuert Wie die anderen Azure Services können auch Media Services mit Anwendungskomponenten zusammenarbeiten, die nicht notwendigerweise auch auf Windows Azure ausgeführt werden. Sie sind durchweg über RESTful Schnittstellen aufrufbar. Zur optimalen Auslieferung von Videoinhalten können das Windows Azure CDN oder Caching Services von Drittanbietern genutzt werden. Dabei ist auch eine Optimierung auf die konsumierenden Endgeräte (z.b. Windows-PC, Macintosh, HTML 5, ios, Android, Windows , Microsoft Deutschland GmbH

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